Top-Brauer: Buddelship – Von Austern, Fischkonserven und Sauerkrautbier

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Simon Siemsglüss von Buddelship in seiner Brauerei mit Hund

Schräge Standorte findet man bei Craft-Brauereien häufig. Aber Simon Siemsglüss hat wohl einen der seltsamsten. Der Chef von Buddelship baute gleich eine ganze  Fischkonserven-Fabrik in Hamburg zu seinem wahren Bier-Paradies um. Jetzt wird kein Meeresgetier mehr geliefert, sondern feinste Hopfen- und Malzsorten. Auf einer 10-Hektoliter-Anlage lässt der 41-Jährige seinen Ideen freien Lauf. Für Simon ist Bier mehr als nur ein Getränk: „Es ist ein Lebensgefühl, Naturverbundenheit und internationales Kulturgut“. Für mich zählt er zu den deutschen Top-Brauern, weil er auch vor ungewöhnlichen Zutaten wie Hibiskus-Blüten, Sauerkraut oder Austern nicht zurückschreckt – und daraus wirklich spannende Biere zaubert.

 

Wann hast Du Dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das war 1996 in Australien mit einem Hobbybraukit vom Supermarkt. War trinkbar!

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Buddelship“ gekommen?

Spontane Inspiration zwischen Badewanne und Hafenbecken – nein im Ernst, die Namensfindung ist unheimlich schwierig gewesen und die Brauerei stand schon fast. Ich wollte Bier, Hamburg, Maritimes und ein bisschen Fernweh unter einen Hut bringen.

 

Was macht für Dich ein außergewöhnliches Bier aus?

Balance, sauberer Geschmack, lang und abwechslungsreich im Abgang, und gerne mit überraschenden Zutaten.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Wechselt eigentlich ständig! Aber tendenziell gerne sauer, wild und/oder fassgelagert. Geht aber auch manchmal nichts über ein gutes (!) Pils aus der Flasche.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Chinook, Callista, Mosaic, Nelson, und viele mehr. Es gibt auch ständig neue spannende Sorten, z.B. Barbe Rouge und Mistral aus dem Elsass.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Ich würde sagen, die gleichen Eigenschaften wie bei jedem guten Brauer: Fachwissen, Handwerk und Mut zum Risiko.

 

Was war das schrägste Bier das Du jemals getrunken hast?

Schlangen-Gose in Vietnam.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Auf dem Buddelship und dann ‚cruisen‘.

 

Und was hast Du als nächsten vor?

Ein Kapitänspatent machen wäre vielleicht angebracht. Und bis dahin weiter viele neue Biere rausbringen.

 

Top-Brauer: Oliver Wesseloh von Kehrwieder Kreativbrauerei, der vom Bier berührt werden will

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Oliver Wesseloh – Copyright: Julia Schwendner

Er war nicht nur Weltmeister der Biersommeliers. Oliver Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei ist auch Buchautor und braut mit „Wow-Effekt“einige der besten IPAs in Deutschland. Der Hamburger lebt quasi das Thema Bier mit allen Sinnen und zählt daher für mich zu den besten Brauern der Nation.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Hmm, da muss ich wirklich kurz überlegen… ich glaube technisch gesehen habe ich das erste Mal während meines Praktikums in der Hamburger Hausbrauerei Gröninger gebraut. Das erste eigene Bier braut ich dann zusammen mit Kommilitonen in Berlin – dabei ist die neugierige Katze einer Kommilitonin in die Maische gesprungen. Sie war aber auch sehr schnell wieder draußen. Trotz den Umständen, schmeckte das Bier echt gut.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen Kehrwieder Kreativbrauerei gekommen?

Als Hamburger wollten wir unsere Verbindung zur Stadt zum Ausdruck bringen. Die Kehrwiederspitze war die alte Hafenausfahrt und der Legende nach haben hier die Seefahrer-Frauen ihre Männer mit dem Wunsch „kehr wieder“ auf große Fahrt verabschiedet. Das passt natürlich perfekt zu unserer eigenen Geschichte: wir sind lange in der Welt unterwegs gewesen und haben viele Erfahrungen und Eindrücke gesammelt. Als der Plan reifte eine eigene Brauerei zu starten gab es für uns als Hamburger keine große Überlegung, wo man so ein Projekt startet – man kehrt wieder Heim! Abgesehen davon, hoffen wir unseren Beitrag dazu zu leisten, dass nach Hamburg zumindest ein Teil der Biervielfalt wiederkehrt die es hier einmal gab – auch wenn es noch ein langer Weg ist zu den 500 Braustätten die es zur Blütezeit der Hanse hier gab.
Kreativbrauerei ist wiederum unser Ansatz um unsere Philosophie und Anspruch darzustellen. Uns war damals schon klar, dass der Begriff „Craft Beer“ bzw. „Craft Brewery“ in Deutschland nicht funktionieren kann und wenn wir uns anschauen wie der Begriff heute vergewaltigt wird, sind wir sehr froh, uns von Anfang an davon distanziert zu haben.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss mich berühren! Auch wenn man schon viele tolle Biere probiert hat, gibt es immer mal wieder welche die einen „Wow-Effekt“ auslösen. Die einfach so spannend sind, dass sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen und man (fast) alles dafür tun würde um sich ein paar für den eigenen Keller zu sichern.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Sorry, aber das kann ich wirklich nicht so vereinfachen – das hängt viel zu sehr von der jeweiligen Situation ab. Aber ich versuche mal zwei Gruppen zu bilden: auf der einen Seite sind da Biere die eine sehr hohe „Trinkbarkeit“ mit genau so viel Charakter verbunden, dass sie spannend aber nicht aufdringlich sind. Die man quasi immer entspannt nebenbei trinken kann ohne dass sie langweilig werden. Zu der Gruppe zählt für mich z.B. das Sierra Nevada Pale Ale und unser Prototyp. Auf der anderen Seite sind da die Biere die eine unglaubliche Komplexität und ganz viel Facetten mitbringen. Biere die man nicht mal eben so trinken kann, für die man sich Zeit nehmen muss um sie zu entdecken so wie Firestone Walker Anniversary oder Rodenbach Vintage.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Mosaic, Simcoe, Callista, Hüll Melon, Saazer… – und mit jedem SHIPA kommen neue dazu.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Unmenschliche Belastbarkeit, Frustrationstoleranz, den Mut ständig neues zu wagen, gegen den Strom zu schwimmen, sich selbst und die Welt um einen herum ständig zu beobachten und zu hinterfragen sowie den absoluten Willen zur Perfektion.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Hmm, da gab es sicher einige, da ich ja (fast) alles probiere was ich in die Finger bekommen kann. Aber Dogfish Head „Chocolate Lobster“ ist sicher ganz weit vorne. Naja, und eben das mit der Katze…

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Tja, prinzipiell würde ich mich schon mal freuen wenn ich überhaupt die Zeit hätte mit meinem besten Freund mal wieder ein Bier zu trinken – wo ist da völlig nebensächlich.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Brauerei erweitern, noch mehr Rezepte die mir im Kopf rumspuken ausprobieren, Lobbyarbeit leisten, Neubau planen…

 

Auf ein Craftbeer mit: Fabian Harrwich – der aus dem Ratsherrn-Nähkästchen plaudert

1458833186638Anfang der Woche habe ich mal wieder ein paar Leute von gutem Bier überzeugt. Und zwar leitete ich eine Verkostung im Blockbräu an den Landungsbrücken in Hamburg. Aber wenn ich schon in der Hansestadt bin, dann besuche ich – ganz klar – gerne auch Bierfreunde. So konnte sich dieses Mal Fabian Harrwich, der bei Ratsherrn im Außendienst tätig und ein echter Craft-Enthusiast ist, für ein kühles Bier vom Schreibtisch losreißen. Wir trafen uns im Braugasthaus „Altes Mädchen“, das in der Hansestadt für ein gutes Sortiment an Craft-Bieren bekannt ist.

Fabi bestellt für uns den neusten Hopfentrunk von Ratsherrn: „Matrosenschluck White Oak IPA“ mit 6,6 Prozent, 43 IBU, gebraut mit den Hopfensorten Simcoe, Citra und Saphir. Die Begründung für seine Wahl: „Dieses IPA soll die Lust auf Frühling wecken, das brauchen wir bei dem derzeit miesen Wetter in Hamburg“. Und ich muss sagen, es schmeckt richtig gut. Beim ersten Schluck bricht schon fast die Sonne durch die Wolken. Das IPA duftet und schmeckt nach Orange, Zitrone aber auch etwas nach Maracuja. Wirklich gut trinkbar. Aber nicht ungefährlich wenn man anschließend noch einen Vortrag halten muss,  denn den Alkohol merkt man anfangs überhaupt nicht.

Nach ein paar Schluck erzählt Fabi, dass der Craft Beer Store in Hamburg, der direkt neben der Brauerei steht, inzwischen ganz super läuft. Der Umsatz habe sich von 2014 auf 2015 um ganze 40 Prozent gesteigert. Außerdem erklärt der 30-Jährige Hanseat, warum auf den Ratsherrn-Etiketten keine Stammwürze und Bittereinheiten mehr angegeben werden. Je nach Sud würden die Werte minimal variieren. So habe das Amt eine Probe im Labor testen lassen, bei der beispielswiese 59 IBU herauskamen, während das Etikett 60 IBU ausweisen würde. „Da haben wir dann vom Amt einen auf den Deckel gekriegt“, gesteht Fabi mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Noch vor meiner Verkostung  bestellten wir einen weiteren Matrosenschluck und der Hamburger erzählt freudig, wie super die Craftbeer-Szene in seiner Stadt mit dem neuen Start-up „Hopper Bräu“ und trendigen Bars wächst.

 

 

Hopper Bräu: Amerikanischer Traum in Hamburg

Hopper Bräu - Amerikanischer Traum
Hopper Bräu – Amerikanischer Traum

Ich kenne Brauer Sascha Bruns noch aus Berlin, als er im Craft-Shop „Bierlieb“ arbeitete. Umso mehr war ich gespannt endlich seine neuen Bier zu probieren. Schließlich verließ er die Hauptstadt und ging in den Norden. In Hamburg braut er jetzt unter der Marke „Hopper Bräu“, die er mit seinem Kumpel Lars dieses Jahr aufzog.

Klar, dass ich zuerst das India Pale Ale der beiden im Glas habe. Der „Amerikanische Traum“ besitzt 6,5 Prozent und wurde mit vier herrlichen Hopfensorten aromatisiert: Centennial, Mosaic, Chinook und Cascade. Bernsteinfarben leuchtet das IPA im Glas. Schon beim Einschenken schwirren fruchtige Düfte umher. Doch in der Nase breiten sich noch viel kräftigere Noten von Zitrusfrüchten wie Orange und Zitrone aus, aber auch reifer Pfirsich und eine harzige Komponente spielen mit. Am Gaumen paaren sich erfrischend Aromen von herber Grapefruit, süßlicher Orange und einem Hauch roter Beeren. Und der Abgang ist richtig schön lang und die 60 Bittereinheiten zeigen was sie drauf haben.

Fazit: Sascha, du hast nicht zu viel versprochen! Ein tolles IPA: Kräftig, fruchtig und angenehm bitter. Passt super zu scharfen asiatischen Gerichten, aber auch so eine echte Gaumenfreude.

Craft Beer Days in Hamburg: Probieren, diskutieren und jede Menge Spaß

Craft Beer Days in Hamburg
Craft Beer Days in Hamburg
Veranstalter Axel Ohm
Veranstalter Axel Ohm

Craft-Bier-Wetter in Hamburg. Auf dem Gelände vor dem Alten Mädchen im Schanzenviertel drängen sich allein am Samstag fast 4000 genussfreudige Leute jeder Altersgruppe zu den Ständen. Hop-Heads schwenken ihre Gläser, inhalieren den Duft und probieren in kleinen Schlucken. Das Durchkommen ist allerdings extrem schwer, aber die leckeren Biere der 20 vertretenen Brauereien stimmen die Gemüter wieder glücklich. Auch Craft-Day-Veranstalter Axel Ohm ist absolut zufrieden und stellt fest, dass inzwischen nicht nur Hipsters auf das Fest kommen, sondern ganz normale Leute mit Interesse an feinen Suden. „Man merkt einfach, dass Craft-Bier nicht nur ein Trend ist, sondern sich schon fest im Bewusstsein der Genießer verankert hat.“

Mit dem hohen Besucherandrang hatte wohl niemand so richtig gerechnet. Einigen Brauereien ging schon am ersten Tag das Bier aus. So auch dem Braukunstkeller aus dem Odenwald sowie Maisel & Friends aus Bayreuth. Die Bayreuther hatten rund 300 Liter vom Fass dabei. Am Sonntag ließen sie dann einige Studenten mit Nachschub aus der Heimat anreisen, um weitere rund 1000 Gäste zu versorgen.

Steffen Broy, Bierbotschafter von Riegele schenkt das neue "Magnus 15" ein
Steffen Broy, Bierbotschafter von Riegele schenkt das neue „Magnus 15“ ein

Meine erste Station war die Kreativbrauerei Kehrwieder. Ich liebe Mosaic Hopfen und probierte zuerst das neue Single Hop Mosaic aus der Shipa-Serie. Bei einem so wunderbaren Ale fängt der Tag richtig gut an. Ich quetschte mich mit meiner Schwester Elena, die für Feiner Hopfen auch als Fotografin fungiert, durch die Menschenmasse und verkostete mal hier und mal da. Nach dem „Great Escape“ von Buddelship schenkte uns Steffen Broy, Bierbotschafter von Riegele, das espressofarbene „Magnus 15“ ein. Ein Jahrgangsbier mit 13 Prozent, sechs Monate im Sherryfass gereift und mit Vanille aus Madagaskar verfeinert. Ein schönes Aroma von Vanille und Dörrpflaume. Nach Meinung von Broy sind die Craft Beer Days eine der besten Craft-Bierveranstaltungen in Deutschland: „Hier steckt jede Menge Herzblut drin und das Publikum ist einfach super.“

Weiter ging es für uns mit einem „Doppelstick“ vom

Uerige
Uerige

Uerige und dann weiter zu „Rose Mary“. Das ist keine Dame aus St. Pauli, sondern ein richtig guter Sud von Heidenpeters aus Berlin. Eigentlich stehe ich nicht so auf starken Gewürzgeschmack im Bier. Aber in diesem Sud präsentiert sich Rosmarin mit einem herrlichen Aroma. Keine Übertreibung: Für mich war „Rose Mary“ eines der Highlights der Hamburger Veranstaltung.

Braumneister Philip beim Zwickeln
Braumneister Philip beim Zwickeln

Die Hamburger Ratsherrn-Brauerei war unsere nächste Station. Allerdings durften wir auch gleich die Produktionsstätte besichtigen. Braumeister Philip Bollhorn zwickelte exklusiv das neue Baltic Porter „Kaventsmann“. Harmonische Schokoladen- und Dörrobstnoten – ein richtig guter Tropfen. Zum Schluss genehmigten meine Schwester und ich uns noch das Opal Pils von Pax Bräu. Yummy!

Fazit: Eine super tolle Veranstaltung: Prima Stimmung, exzellente Biere und viele bekannte Gesichter. Wir werden definitiv im nächsten Jahr wieder kommen. Vielleicht auch schon zu den Bock Beer Days im November.

Cheers!
Cheers!

Ratsherrn „Moby Wit“: Belgischer Sommer in Hamburger Höfen

Ratsherrn - Moby Wit
Ratsherrn – Moby Wit

Unter den belgischen Brauspezialitäten ist Wit-Bier nur eine Variante von Vielen. Lange Zeit wurde dieses traditionelle White Ale von moderneren Sorten verdrängt. Inzwischen lieben aber auch die Belgier wieder dieses Bier – vor allem als Erfrischung für heiße Sommermonate. Was Flamen und Wallonen können, schaffen wir auch, hat sich wohl das Ratsherrn-Team gedacht, das mitten im Herzen von Hamburgs Schanzenhöfen sein Revier aufgeschlagen hat. Das Ergebnis ihrer Braukunst heißt „Moby Wit“ und zeichnet sich durch eine dezente  Säure und einem fruchtig, pfeffriges Aroma aus.

Dieses belgische Weißbier ist mit Hercules- und Tradition-Hopfen gebraut, die mit ihren 12 IBU allerdings kaum Dominanz zeigen. Das ist bei diesem „Bière blanche“ auch nicht üblich. Wichtiger ist die Malzkombination mit Pilsener-, Weizen- und Hafermalz, die es auf eine Stammwürze von rund 12 Einheiten und einem Alkoholgehalt von 5,1 Prozent bringt. Untermauert werden Aromen und Geschmack durch traditionelle Beigaben wie Koriander und Orangenschalen. Der besondere Hefestamm gibt diesem Ale ein sehr schönes moussierendes Mundgefühl. Überraschend ist auch die Farbe von Moby Wit: ein ins weißliche driftende Blassgelb.

Fazit: Ein elegantes, würziges Sommerbier, mit einem sehr erfrischenden limonigen Finish. Puristen werden sich abwenden, aber in Kalifornien wird dieses White Ale häufig eiskalt mit einem Stück Zitrone serviert. Habe das bei 38 im Grad im Schatten letzte Woche mal probiert und fand es gar nicht so schlecht.

Kehrwieder Kreativbrauerei: „Azacca“ – Göttertrunk mit Karibikflair

Kehrwieder Kreativbrauerei - Azacca
Kehrwieder Kreativbrauerei – Azacca

Wenn das Etikett schief auf der Flasche klebt, dann erkennt man, dass wirklich noch mit der Hand gearbeitet wurde. Und ich kann mich noch erinnern, als Oliver Wesseloh, Brauer der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg, einmal sagte, dass man von Craft spricht, wenn jede Flasche die Hand des Brauers berührt hat. So scheint es auch bei seiner neuen Kreation „Azacca“.

Dafür experimentierte der Sommelier Weltmeister für Bier für seine Shipa-Serie wieder mit einer davor kaum bekannten Hopfensorte: „Azacca“. Sie stammt aus den USA und wurde nach einem karibischen Ackergott benannt, der in Haiti angerufen wird, wenn man sich eine gute Ernte wünscht. Angeblich weiß der Inselgeist vor allem die einfachen Genüsse zu schätzen. Aber mit einfachen Gaumenfreuden hat Wesselohs Bier wahrlich nichts zu tun.

Vom Design her dachte ich erst einmal an Jamaica und Reggae, als ich die Flasche in der Hand hielt. Im Glas leuchtet es dann appetitlich in einem warmen Orangeton. Im Duft strömen tropische Früchte wie Mango und Ananas in die Nase, gepaart mit etwas harzig-würzigem und reifen Orangen. Rinnt das 7,5-prozentige IPA erst über die Lippen, dann breitet es sich samtig-weich im Mundraum aus, fast schon cremig. Es schmeckt auch tropisch: Mango und Ananas vermählen sich mit Clementine, Pinienharz und Hopfenwürze. Im Finish können sich Hopheads auf 65 Bittereinheiten freuen, die sich harmonisch mit dem Harz noch länger in der Kehle festkrallen.

Fazit: Ein toller Hopfen, ein tolles Single Hop Ale. Diese tropische Hopfenbombe, macht dem haitischen Ackergeist alle Ehre. Da ist dem Braumeister wieder ein harmonisches, absolut süffiges und leckeres Bier für seine Serie gelungen. Ich hab gleich nochmal 24 Flaschen bestellt. Kompliment!

Craft-Bier des Monats: Brewcifer – Hops & Needles

Brewcifer - Hops & Needles
Brewcifer – Hops & Needles

Ein Bier mit Fichtennadeln? Da dreht sich eigentlich schon der Magen, bevor der Sud im Glase schäumt. Da fragt doch jeder: „Schmeckt das denn nach Wald?“. Mittlerweile habe ich das „Hops & Needles“ von Brewcifer (nicht Lucifer!) schon häufiger getrunken und bin von Mal zu Mal mehr davon begeistert. Allein der Mut und die Idee, frische Fichtentriebe in den Hopfensaft zu mischen ist allein ein großes Lob wert. Der Hamburger Brauer Jochen Mader, ein gelernter Klangdesigner, wollte einfach mal wild experimentieren – und dabei nach allen Regeln der Kunst auf das Reinheitsgebot pfeifen. Hier die Fakten:

  • Bierstil: Pale Ale
  • Brauerei: Brewcifer, gebraut und abgefüllt bei Buddelship Brauerei Hamburg
  • Alkoholgehalt: Sechs Prozent
  • Stammwürze: 13.8° Plato
  • Farbe: golden
  • Schaum: feinporig
  • Bittere: 35 IBU
  • Hopfen: Citra, Amarillo und Simcoe
  • Malz: Pilsner, Wiener, Weizen
  • Extras: Fichtennadeln, Dinkelflocken

Im Duft versprüht das Pale Ale fruchtige Noten von Clementine, tropischen Früchten und Grapefruit. Die Fichtennadeln halten sich hier noch eher im Hintergrund, aber sie sind da. Im Geschmack dann vollmundig fruchtig, harmonisch gepaart mit brotig-süßlichen Malzaromen. Nach meinem Empfinden dringen die Hopfennoten mit Mango, Clementine und Aprikose mit einem Hauch Grapefruit jedoch stärker durch. Yuhu! Und dann entwickeln sich auch die Fichtennadeln. Kräuterig und doch etwas waldig fließt das Ale würzig und elegant über die Zunge. Es schmeckt also wirklich ein bisschen nach Wald! Die 35 Bittereinheiten im Abgang spürt man kaum.

Fazit: Durch die Fichtentriebe erhält das Bier ein ganz besonderes Aroma, das auch für erfahrene Craft-Fans ein echtes Novum darstellt. Die Kombination der Aromahopfen setzt dem Brewcifer-Trunk aber dann den Hut auf. Ergebnis: Eine ganz tolle Interpretation eines Pale Ales.

Mail an…: Biersommelier Fabian Harrwich über verwirrende Craft-Bier-Preise

Fabian Harrwich und ich im Craft Beer Store in Hamburg
Fabian Harrwich und ich im Craft Beer Store in Hamburg

Die Verkaufspreise bei manchen Craft-Bieren lösen immer wieder Diskussionen unter den Fans aus. Darf ein Bier wirklich 25 Euro kosten, oder schrecken solche Preise nicht eher potentielle Craft-Bierfans ab? Zurzeit besteht ein echter Preiswirrwarr, der so manchen Genießer verunsichert und sogar abschreckt. Ist ein Bier, das zehn Euro kostet wirklich besser als ein handwerklich hergestelltes Bier für zwei Euro? Was darf ein gutes Craft-Bier wirklich kosten? Biersommelier Fabian Harrwich, der beim Craft Beer Store in Hamburg arbeitete und jetzt bei der Ratsherrn Brauerei tätig ist, vertritt dazu eine eigene Meinung:

Für mich gehört es neben dem Brauen spannender, innovativer, kreativer Biere genauso dazu, dass der Brauer sein Produkt entsprechend für den Verkauf kalkuliert. Ein Craft-Bier zeichnet sich, je nach Bierstil, u.a. dadurch aus, dass der Anteil der eingesetzten Zutaten höher ist. Also mehr Hopfen bei Pale Ales und IPAs oder mehr Malz bei Stout sowie Porter. Von daher sind allein die Herstellungskosten schon höher, als bei einem Bier das in großen industriellen Maßstäben produziert wird. Auch der Zeitraum, in dem ein Craft-Bier entsteht, dauert in den meisten Fällen länger und ist mitunter auch aufwendiger.

Auf der anderen Seite finde ich es allerdings noch viel wichtiger, dass die Verbraucher verstehen, warum ein Produkt auch mal etwas mehr kostet. Ist es qualitativ hochwertig, dann gestaltet sich der Preis eben auch mal etwas höher. Ich ziehe hier gerne den Vergleich zu guter Schokolade, Kaffee oder auch Wein. Bei diesen Produkten hat der Verbraucher bereits „gelernt“ nicht gedankenlos zu konsumieren, sondern sich mit den Geschmäckern, Aromen und Eindrücken mehr auseinander zu setzen. Der Preis sollte nicht vor einem Kauf abschrecken.

Ob ein Bier nun 25 Euro kosten darf, hängt von dem Bierstil ab. Für einen im Bourbon Fass gelagerten Doppelbock in einer 0,75 Liter Flasche ist dieser Preis absolut gerechtfertigt, wo hingegen für ein 0,33 Liter Pale Ale schlichtweg abstrus. Der entsprechende Preis sollte sich aus drei verschiedenen Faktoren gestalten: Gebindegröße, Bierstil und Herstellungskosten. Sein Bier unter Wert zu verkaufen ist genauso unfair gegenüber den anderen Craft-Bier-Brauern, wie astronomische Preise zu verlangen. Fazit: Ein gutes Ale darf so viel kosten, wie es dem Brauer wert ist.

Hamburger Senatsbock: Furioses Comeback nach 60 Jahren  

Das ist doch mal ein echtes Comeback: Ende Januar 2015 soll mit Beginn der Bockbierzeit die Rezeptur eines traditionsreichen Craft-Bieres nach Hamburg zurückfinden, die bei den Hanseaten seit einigen Generationen fast in Vergessenheit geraten war. Zuletzt sorgte in den 50er Jahren eine Kooperative verschiedener Hamburger Brauereien mit einem gemeinsam produzierten „Senatsbocks“ für Aufsehen. Immerhin wurde der Anstich des ersten Fasses von trinkfesten Sportsmännern wie Boxweltmeister Max Schmeling und Fußball-Star Uwe Seeler begleitet.

Auch der neue Doppelbock entstand auf Grundlage eines Gemeinschaftsprojektes von fünf Brauereien: Blockbräu, Joh. Albrecht, Gröninger, Kehrwieder und Ratsherrn. Nach einer gemeinsam abgestimmten Rezeptur wurde der Sud bereits im Oktober letzten Jahres angesetzt. Nach Aussagen seiner Macher ist der Senatsbock mit fünf Malzsorten gebraut und geht geschmacklich in Richtung Zartbitterschokolade und Espresso.

Erstmals probieren können Craft-Fans diesen Starkbiertrunk am 29. Januar auf dem schwimmenden Wahrzeichen Hamburgs, der Rickmer Rickmers, wo die ersten Fässer feierlich angestochen werden. Nachdem hier Kreative gemeinsam mit Traditionalisten am Sudfass standen, wartet die Szene in der Hansestadt auf ein spannendes Bockbier.