Recherche: Feiner Hopfen unterwegs

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Liebe Craft-Community,

in den nächsten Tagen werdet ihr ausnahmsweise mal nichts von mir hören. Ich bin bis einschließlich kommenden Sonntag auf einer Recherche-Tour. Zuerst geht es durch die Lavawüsten von Island und dann an die Ostküste der USA. Von Boston reise ich nach Philadelphia und New York. Hier werde ich ganz sicher einige der angesagtesten Craft-Bars besuchen. Vielleicht schaffe ich es auch zu der ein oder anderen Brauerei. Regelmäßig werde ich die ersten Eindrücke bei Instagram und Facebook mit euch teilen. Natürlich werde ich euch danach aber ausführlicher berichten, welche Biere ich auf meinem Trip entdeckt habe.

In diesem Sinne, ein fröhliches cheers!

Feingehopfte Grüße

Eure Mareike

Oedipus Brewing: Holländisches Frühlingserwachen

IMG_20161103_191635Kaum scheint die Frühlingssonne und die Temperaturen klettern nach oben, schon bekomme ich Lust auf eine Erfrischung. Im Kühlschrank wartete dafür die „Swingers Gose“ von Oedipus Brewing aus Amsterdam. Das ist aber keine gewöhnliche Stilinterpretation, sondern eine Freestyle-Variante. Denn die Gose mit aschblonder Farbe und schlanken vier Prozent wurde mit Meersalz sowie Limetten- und Grapefruitschale gebraut. Auf Koriander haben die Holländer bewusst verzichtet. Angeblich mag keiner von der Braumannschaft das Kraut so wirklich – stört mich nicht, ich bin auch nicht so der Fan von dem Gewächs.

Die Gose braucht das Gewürz aber auch nicht, sie hat andere Qualitäten. Schenkt man das Bier ins Glas, so strömen schon tropische Düfte von Maracuja und Guave in die Nase. Die Zunge wird dann zur Tanzfläche von fruchtigen Aromen: reife Birne, Guave, Limette, Grapefruit und Passionsfrucht swingen mit einer leichten Salzigkeit und einer dezente Herbe. Auch im Abgang bleiben die fruchtigen Nuancen noch lange zurück.

Fazit: Genau das, was ich am ersten Frühlingstag genießen wollte. „Swingers Club“ ist wirklich eine geile Erfrischung und eine ganz andere Umsetzung einer Gose. Die fruchtigen Noten mit der leichten Salzigkeit machen das alkoholarme Bier zum idealen Sommergetränk. Kompliment an die Holländer!

Top-Brauer: Markus Berberich von der Rügener Inselbrauerei – „Meine Ideenschublade ist für Jahre gefüllt“

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Markus Berberich (rechts) und sein Brauer-Team in der Inselbrauerei

Er ist ein Mann voller Tatendrang und frischen Ideen. Markus Berberich arbeitete lange Zeit als Braumeister bei der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund, bis er sich entschied, sein eigenes Bier zu brauen. So öffnete er, nur eine Brückenfahrt von der Piratenbrauerei entfernt, die Rügener Inselbrauerei. Im 1000-Seelendorf Rambin produziert Markus mit seinem Team inzwischen „seltene Biere“. Darunter ein Ale mit Champagner-Hefe, ein fruchtig-elegantes Sauerbier sowie auch ein India Pale Ale mit einer ordentlichen Portion Übersee-Hopfen – und räumt damit regelmäßig Preise ab. Kein Wunder, denn in seiner Werkstatt hat er ein ausgewähltes Team: Darunter Braumeister Frank Lucas, frischgebackener deutsche Meister der Biersommeliers. Da ich bislang noch kein langweiliges Bier aus der Rügener-Manufaktur genossen habe, und jede Sorte auf ihre Art heraussticht, zählt Markus Berberich für mich zu Deutschlands Top-Brauern.

Markus, wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das dürfte so um 1987 gewesen sein. In der Küche meiner Freundin habe ich gebraut und mich bei der Speisegabe für die Flaschenreifung verrechnet. Das führt dazu, dass eines Sonntagmorgens zwei heftige Explosionen in der Küche passierten und alle davon wach wurden. Die Scherben steckten im Küchenschrank und ich bekam Hausbrauverbot…

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Für mich gibt es mehrere Faktoren: ein Bier soll eigenständig und charaktervoll sein, eine gute Balance haben, gut trinkbar sein. Die goldene Regel: man muss die Flasche wirklich leer trinken können und der Biergenuss soll lange anhalten und nicht nach ein paar Tagen oder Wochen schon vergessen sein. Um das zu erreichen zählen hohe Vergärungsgrade und Flaschenreifung zur Grundvoraussetzung.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Je nach Anlass und Situation: im Alltag zum Feierabend trinke ich Sauerbier – unser „Seepferd“ – das erfrischt. Ein weiteres Lieblingsbier von mir ist belgisches Orval. Ab und an darf es auch alkoholfrei sein, dann bevorzuge ich nach wie vor das „Frei-Bier“ von Störtebeker.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Kann ich so nicht sagen, dass kommt auf die Einbettung des Hopfens an. Aber Sorachi Ace, Galaxy und Simcoe gefallen mir ziemlich gut.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Er ist weltoffen und respektvoll gegenüber allen Brauern. Er ist glaubwürdig, macht und deklariert alles was er sagt, ist kreativ, handwerklich und fleißig. Die Begeisterung für Bier sollten alle seine Partner spüren können. Damit man als Craft-Brauer erfolgreich sein kann, sollte man neben der Braukompetenz auch etwas von Markenbildung, Vertrieb, Logistik, Organisation und führen einer Firma verstehen. Man braucht eine soziale Kompetenz für seine Mitarbeiter und leider recht viel Geld für den Aufbau. Das Paket ist sehr anspruchsvoll und wird sehr häufig unterschätzt oder erst gar nicht gesehen.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Eine 20 Jahre alte Geuze von einem befreundeten belgischen Braumeister. Man hatte echt das Gefühl, man beißt in eine Pferdedecke – unglaublich!

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Ganz klar auf Rügen, bei der Insel Brauerei.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Wir erweitern derzeit unsere Brau- und Abfüllanlagen. Und klar, wir entwickeln immer neue Ideen. Was als nächstes kommt, wird aber noch nicht verraten. Meine Ideenschublade ist jedenfalls für Jahre gefüllt.

Gemeinschaftssud: Hopfenreiter im Doldenwald

IMG_20170309_190104_716Um ein Bier richtig zu analysieren, nehme ich mir gern etwas mehr Zeit. Probieren konnte ich den „Hopfenreiter“ zwar schon bei seiner Premiere, zum ersten Geburtstag der Gastronomie „Liebesbier“ und der „Maisel & Friends Brauwerkstatt“ in Bayreuth. Jetzt schenkte ich mir das Double IPA mit 8,5 Prozent Alkohol noch mal ins Glas, um es noch einmal zu verkosten. Das Besondere an diesem Trunk: Gebraut wurde das Bier gemeinsam von sechs Brauereien. Jeder Brauer brachte eine Hopfensorte mit – Hoppebräu aus Waakirchen den Vic Secret, Schanzenbräu aus Nürnberg den Callista, Brewage aus Wien den Chinook, BRLO aus Berlin den Comet, Jopen aus den Niederlanden den Zuchthopfen HBC 431 und die Initiatoren Maisel & Friends die Sorte Mosaic.

Ab ins Glas: Die Optik macht schon mal was her. In einem Bernsteinton glänzt das IPA, ein appetitlicher, schneeweißer Schaum perfektioniert das Biergewand. Es duftet nach einem tropischen Früchtekorb mit einer gewissen Würze. Der Antrunk von Malzsüße geprägt, bis sich die Hopfenaromen am Gaumen mit einem kräftigen Mundgefühl ausbreiten. Noten von reifer Ananas, saftigem Pfirsich und Blutorange dominieren. Hinzu kommen grasige Nuancen und ein Hauch roter Beeren. Der „Hopfenreiter“ verabschiedet sich mit deutlich wahrnehmbaren und herben 70 Bittereinheiten und einem dezent brotigen Geschmack.

Fazit: Dieses Bier ist nichts für Craft-Novizen. „Hopfenreiter“ ist schön komplex, bei jedem Schluck kommen andere köstliche Aromen des Hopfens durch. Allerdings ist das Double IPA mit seinen 8,5 Prozent auch ziemlich kräftig. Es lohnt sich aber allemal diese Hopfenbombe zu probieren. Ein wunderbares Feierabendbier oder als Begleiter zum Steak – schließlich steigen schon die ersten Rauchschwaden der Grills aus vereinzelten Gärten auf.

Tipp: Wen es mal nach Bayreuth verschlägt, der sollte unbedingt beim Liebesbier vorbeischauen. Dort gibt es nicht nur ein ziemlich geiles Ambiente, sondern auch mehr als 100 Biere auf der Karte und tolles Essen, wie etwa Dry Aged Entrecôte oder Tomahawk-Steak zu fairen Preisen.

 

 

Tasting: Starke Biere, mehr Geschmack

Liebe Craft-Community,

Foto: Mareike Hasenbeck
Cheers!

am Freitag noch nichts vor? Dann kommt doch um 20 Uhr nach Freising ins Bierhandwerk. Dort gebe ich wieder eine Verkostung mit dem Thema: „Starke Biere, mehr Geschmack“. Fünf köstliche, spannende und vor allem kräftige Biere werden verkostet. Dabei erzähle ich interessante Geschichten zu Hopfensäften, ihren Machern und aktuellen Trends der Szene. Während der Degustation gibt es einen kleinen Snack und im Anschluss ein freies Tasting, bei dem wir alle gemütlich noch über die Branche diskutieren und philosophieren können. Das alles für schlappe 25 Euro. Würde mich riesig freuen, wenn noch ein paar Leute kommen würden…

 

Anmeldung per Email an: freising@bierhandwerk.de

Bierhandwerk Freising

Sonnenstraße 29

85356 Freising

Interview: „Das Geschäft wird härter“

Ken Grossmann gilt als einer der wichtigsten Pioniere der weltweiten Craft-Bierszene. Mit seiner Brauerei Sierra Nevada im kalifornischen Chico, zählt die 62-Jährige Legende inzwischen zu den Giganten der Kreativszene. Mit CRAFT sprach er über die Bedeutung transatlantischer Kollaborationen, neue Biertrends und graue Wolken, die derzeit im US-Markt aufziehen. Weiterlesen „Interview: „Das Geschäft wird härter““