Kuba: Feiner Hopfen unterwegs

cuba-1197800_1920Liebe Craft-Bierfreunde,

in den nächsten 14 Tagen werdet ihr ausnahmsweise mal nichts von mir hören. Ich bin auf einer Recherche-Tour in wilden Gegenden von Kuba unterwegs. Natürlich habe ich mir bereits die wichtigsten Craft-Adresse rausgesucht und werde nach meiner Rückkehr über eine ganz ungewöhnliche Szene und spannende Sude berichten. Bitte habt etwas Geduld.

Feingehopfte Grüße

Eure Mareike

Münchner Braufreiheit: „Smokey Fox“ vom Fischgrill

20160706_190602Schwüle Temperaturen, brechendvoller Biergarten und ein wunderschöner Brauereiduft in der Luft: Am Dienstagabend präsentierte die „Münchner Braufreiheit“ im Giesinger Bräu ihr erstes gemeinsames Werk namens „Smokey Fox“. Ein untergäriges Rotbier, gebraut mit den zwei englischen Hopfensorten Fuggles und East Kent Goldings sowie Hallertauer Tradition für die Bittere. Doch das Besondere ist in diesem Bier ist wohl eher das Rauchmalz. Es ist nämlich keine gewöhnlich Beigabe. Die Brauer aromatisierten es höchstpersönlich am Steckerl-Fisch-Grill der Giesinger über dem Duft von Apfelholz und Rosmarin.

Das 5,5-prozentige Ergebnis kann sich sehen lassen. Ein fast schon fuchsartiges Rot steht im Glas (daher auch der Name) getoppt von einem cremigen, feinporigen Schaum. Es duftet dezent rauchig, etwas nach Honig und zurückhaltend nach Pflaume. Am Gaumen überraschend weich, irgendwie auch erfrischend und vor allem sehr harmonisch. Die Rauchnoten, die ich eigentlich nicht so sehr im Bier mag, verbinden sich aber ausgeglichen mit den Geschmacksnoten von Dörrobst und den Grillgewürzen. Passt perfekt zur zünftigen Brotzeit.

Aber wer genau hat das Bier denn nun gebraut? Das Team setzte sich aus nicht weniger als zwölf Brauern bekannter Craft-Werkstätten und einem der aktivsten Bierhändler der Stadt zusammen: Giesinger Bräu, Tilmans Biere, Crew Republic, Hopfmeister, Munich Brew Mafia, Braukraft, Hoppebräu, Braukatz, Bräu Z´Loh, Isarkindl, Mikes Wanderlust, Zombräu und Biervana. Mit diesem Projekt wollen die Bayern die Vielfalt der Münchner Brauer-Szene demonstrieren. Angefragt wurden auch einige Großbrauereien der Region. Manche reagierten gar nicht erst, andere sagten ab…

Aber zurück zum Bier. Ausgeschenkt wird der auf 3000 Liter limitierte rauchige Fuchs übrigens nur am kommenden Samstag bei der „Langen Nacht der Münchner Brauereien“ auf dem Giesinger-Areal. Es lohnt sich nicht nur wegen dem Sondersud mal vorbei zu schauen. Insgesamt schenken 16 Stände feinste Craft-Biere aus – und für passionierte Antialkoholiker gib es auch kreative Limonaden. Musikalische Begleitung liefern die Münchner Punkrocker von „1328 Beercore“ auf die Ohren. Der Eintritt ist frei. Früh kommen kann also von Vorteil sein. Man sieht sich!

 

Stone Brewing: Gaumenschmeichler aus der Büchse

IMG_20160622_184159Lange wurden wir darauf heiß gemacht. Jetzt ist es soweit. Die ersten Kreationen der Stone Brewing mit Standort in den USA und Berlin gibt es in Dosen. Angeblich sollen diese Aluminiumbehälter einen optimalen Schutz für das Aroma von Craft-Bier bieten, sie lassen kein Licht rein, das den Geschmack zerstören kann und machen irgendwie schon was her. Das Bauarbeiter-Image beim Büchsenbier ist jedenfalls längst überholt.

Ich habe mir mal das „Stone IPA“ mit 6,9 Prozent aufgemacht. Bei sommerlichen Temperaturen ist allein das Zischgeräusch und das Klacken beim Öffnen der Büchse schon ein toller Effekt. Das Westcoast-Bier ist mit drei amerikanischen Hopfensorten gebraut: Magnum, Chinook und Centennial. Es leuchtet goldfarben im Glas, gekrönt mit einem appetitlichen schneeweißen Schaum. Die Nase wird bedient mit würzigen und grasigen Noten sowie einem Hauch von Zitronenschale. Das Mundgefühl ist erfrischend. Dennoch hat dieses IPA wenig Rezenz, das stört aber nicht. Auf der Zunge zeigen sich Aromen von Zitrone und Pampelmuse, unterlegt mit einem harmonischen Malzkörper. Im Finish geht es schön herb am Gaumen hinunter.

Fazit: Gefällt mir! Zwar hat dieses IPA fast sieben Umdrehungen, dennoch empfinde ich es als ein tolles fruchtig-herbes Craft-Bier für den Sommer – ob als Aperitif, zum Grillen oder einfach als Erfrischung nach einem Arbeitstag. Spannend bleibt allerdings, wie die Preise des Büchsen-IPA im deutschen Markt bei angeblich rund zwei Euro ankommen…

 

Brauer Portrait: Braukatz – vom Film zum Bier

Kathrin und Stephanie Meyer
Kathrin und Stephanie Meyer von der Brau-Manufactur Allgäu

Auch wenn es so manche Männer nicht wahr haben wollen: Frauen haben das Brauen erfunden. Also ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass in der Brau-Manufacur Allgäu in Nesselwang, südöstlich von Kempten, zwei Frauen den Sudkessel rocken. Kathrin Meyer ist zwar als Filmemacherin häufig unterwegs, aber ihre Affinität zum Bier besteht schon lange. Vor rund fünf Jahren absolvierte sie ihr Prüfung zur Biersommelière. Als Jurymitglied des European Beer Stars verkostet sie bei Doemens in Gräfelfing bei München jedes Jahr allein an zwei Tagen rund 100 Biere. Das regte sie an mit ihrer Schwester Stephanie auch eigene Sude zu brauen. Sie ist schließlich auch Braumeisterin der 1968 gegründeten Familienbrauerei von Vater Karl und somit steht jegliches Equipment zur Verfügung.

Brauerei Manufaktur Allgäu GmbH, Braukatz Bier,  Kathrin Meyer (lange Haare) und Stephanie Meyer
Die Biere der Marke „Braukatz“

Stephanie Meyer vergleicht ihren Job mit dem eines Komponisten. Die Rohstoffe sind ihre Noten, die sie zu unterschiedlichen Kombinationen zusammenfügt. So kreierten die beiden Schwestern ihre „Braukatz“. Ein goldgelbes Pale Ale mit 5,4 Prozent, gebraut mit viere Hopfensorten, die dem Bier ein unvergessliches Aroma geben sollen: Mandarina Bavaria, Hallertauer Tradition, Hersbrucker spät und Spalter Select.

 

  1. Was ist passiert, damit ihr euch für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Unser kleiner Bruder Konstantin (34 Jahre) sollte eigentlich die Brauerei übernehmen. Er hat bei Hofbräu Traunstein eine Brauerlehre abgeschlossen, sich aber dann gegen den Beruf entschieden und Medizin studiert. Wir Schwestern waren schon immer eng mit dem väterlichen Betrieb verknüpft und haben uns irgendwann nach dem Hochschulstudium für das Brauhandwerk entschieden.

 

  1. Wann habt ihr euer erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

2009 ein Brennnessel-Bier.

 

  1. Welche anderen Brauer/Brauereien haben euch am meisten inspiriert?

Markus Berberich von der Insel Brauerei auf Rügen, Eric Toft von der Brauerei Schönram und Markus Lohner von Camba Bavaria.

 

  1. Welches Bier (außer den eigenen) würdet ihr eurem besten Freund empfehlen?

Eigentlich drei Biere: Meckatzer Weißgold, TAPX Marie’s Rendezvous und Graminger Berggeist.

 

  1. Was sind eure Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Ein handwerklich gebrautes Bier mit Ecken und Kanten, das in sich harmonisch ist.

 

  1. Was sind eure Lieblings-Hopfensorten?

Tettnanger, Hallertauer Mittelfrüh und Mandarina Bavaria, der in unserem „Braukatz Pale Ale“  ist.

 

  1. Mit welcher berühmten Person würdet ihr gern mal anstoßen und warum?

Mit dem Dalai Lama, wegen seiner ruhigen und besonnenen Aura.

 

BrauKunst: Biere auf der Leinwand

Heimatland
Oliver Steinmanns „Heimatland“ aus der Serie „BrauKunst“

Alles begann in einem Münchner Biergarten. Oliver Steinmann, der aus dem württembergischen Calw stammt, sah vor sich einen prallgefüllten Maßkrug, der in der Sonne glitzerte. Bei diesem Anblick kam dem 45-Jährigen Maler und Bildhauer die Idee zu einer künstlerischen Bier-Serie namens „BrauKunst“.

Inzwischen setzt Steinmann bierige Motive in Kunstwerke um. Seine Schöpfungen wurden bereits in verschiedenen Ausstellungen gezeigt. Derzeit kann man seine Kunstwerke noch bis Jahresende im Hotel Maritim in Stuttgart begutachten. Anlass für diese Vernissage ist das 500-jährige Jubiläum des Reinheitsgebotes. Intention des Schwarzwälders: „Moderne künstlerische Umsetzung unseres alten Kulturguts Bier und Brauhandwerk.“

Seinen Stil beschreibt er als Pop-Art oder Street-Art. Dabei arbeitet er in seinen Bildern, Fotografien und Skulpturen auch mit Acryl- und Airbrush-Techniken. Angelehnt sind seine Werke unter anderem an den amerikanischen

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„BrauKunst“-Motive gibt es auch auf Handyhüllen

Künstler Andy Warhol, einer der bedeutendsten Vertreter der Pop-Art. Die bierigen Kreationen stehen in Originalgröße (100 x 80 Zentimeter) im Atelier in Calw. Seine Motive druckt er aber auch auf Taschen, Handyhüllen, Bierkrüge oder Bierdeckel. Gerade entsteht ein neues Motiv namens „Bierhana“, das sich von Piranha ableitet.

Verkostung im Jüdischen Museum

Hey Craft-Bierfans,

_DSC0295im Jüdischen Museum in München findet gerade nicht nur die Ausstellung „Bier ist der Wein unseres Landes“ statt, sondern am Dienstag, den 28.6. um 19 Uhr, gebe ich dort eine Verkostung. Dafür habe ich eine Bierauswahl der Extraklasse getroffen. Es gibt einige Sude, die wohl nur die wenigsten kennen, dazu interessante Geschichten über Biere und Brauer. So wird es auf keinen Fall langweilig und hoffentlich auch für echte Hopheads ein Erlebnis. Also: Lasst euch überraschen!

Die Craft-Degustation kostet nur zwölf Euro, dafür gibt es aber auch jede Menge spannender Biere zum Probieren. Und wenn ihr früher kommt, könnt ihr noch durch das Museum laufen. Ich würde mich freuen, wenn ein paar von euch dabei sind. Wer Interesse hat, bitte schnell anmelden, da nur etwa 20 Leute zu dieser Verkostung zugelassen werden!

Telefon: 089 288516423 oder veranstaltungen.jmm@muenchen.de

Brauer Portrait: Archer‘s Brewing – Aus Whisky wurde Bier

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Alexander Lebèus von Archer’s Brewing

Vorsicht, hier geht es nicht um eine amerikanische Brauerei. „Archer’s Brewing“ ist eine Gypsy-Marke aus Esslingen bei Stuttgart. Dahinter steckt Alexander Lebèus, dessen Vision es ist, alte wie auch neue Bierstile modern zu interpretieren und seinen Kunden eine besondere Geschmacksvielfalt zu präsentieren.

Seit etwa drei Jahren tüftelt der 38-Jährige nun schon an fremden Kesseln. Mit viel Motivation versucht der Schwabe das Beste aus den Rohstoffen für seine Sude heraus zu kitzeln. Mittlerweile führt er fünf Biere im Sortiment. Die Vielfalt reicht vom Pale Ale über Weizenbier bis hin zum Rotbier über Stout und Witbier. Das soll es aber noch nicht gewesen sein. Und vielleicht braut Lebèus irgendwann mal in seiner eigenen Brauerei.

1. Was ist passiert, damit du dich für den Brauer-Beruf entschieden hast?

Eigentlich wollte ich Whisky machen. Dafür habe ich eine Brauanlage zur Maischeherstellung gebaut. So entstanden die ersten Versuche, natürlich erst mal ohne Hopfen. Doch dann reizte es mich auch mal ein Bier zu brauen. Also habe ich mal ein Rezept ausprobiert. Das Ergebnis war zwar ein Bier, aber irgendwie trotzdem weit davon entfernt. Das weckte aber meinen Ehrgeiz und ich wurde vom Bierfieber befallen. Whisky habe ich dann nie gemacht.

Ausschlaggebend war dann allerdings mein Freund Achim, der Betreiber eines tollen kleinen Restaurant in Esslingen namens „Bergeck“. Er mochte mein Bier und wollte es in seinem Lokal verkaufen. Mein Hefeweizen „Oh’Bavarian“ habe ich speziell für ihn entwickelt.

2. Welche anderen Brauer/Brauereien haben dich am meisten inspiriert?

Die Jungs von Crew Republic haben mich schon sehr bestärkt in meiner Entscheidung Brauer zu werden – auch wenn ich sie bisher noch nicht persönlich kennenlernen konnte. Ich habe ihre Geschichte gelesen und mich davon anstecken lassen. Aber auch andere deutsche Craftbeer-Brauer waren daran unwissentlich beteiligt. Hinter jeder neugegründeten Brauerei steckt ein Mensch, der seine eigene tolle Geschichte erzählen kann. So was finde ich interessant, und Storytelling ist wichtig für die Kunden.

 

3. Welches Bier (außer den eigenen) würdest du deinem besten Freund empfehlen?

Für die Hardcore-Fans das „Killer Cucumber Ale“ von Steamworks und für Einsteiger das „Super Ale“ von Superfreunde ¬- das beste Pale Ale das ich je getrunken habe.

 

4. Was sind deine Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Kreativität, Hingabe, gute Zutaten und Ausdauer.

 

5. Was sind deine Lieblings-Hopfensorten?

Citra, Saphir, Vic Secret, Mosaic und Galaxy.

 

6. Mit welcher berühmten Person würdest du gern mal anstoßen und warum?

Mit Ludwig Narziß, von der TUM Weihenstephan, weil er sich in keines der Lager drängen lässt, die leider gerade in der deutschen Bierszene entstehen. Er ist einfach offen für Neues und das sollten viele andere auch mal sein.