Braukunst Live 2017: „So international, innovativ und interessant war es bisher noch nie“

In wenigen Wochen (10. – 12. Februar) öffnet sich endlich das große Eisentor des Münchner MVG Museums zur Braukunst Live. Feiner Hopfen sprach vorab mit dem Veranstalter Frank Böer über Rekordzahlen, massive Konkurrenz und die neuen Attraktionen. „Braukunst Live 2017: „So international, innovativ und interessant war es bisher noch nie““ weiterlesen

Deutsche Top-Brauer: Braukollektiv Freiburg – internationales Stehvermögen

Braukollektiv Freiburg
Credit: Ralf Strittmatter

Vier Brauer aus drei Kontinenten vereinen in ihrem Braukollektiv in Freiburg ihr Wissen, ihr Können und die Leidenschaft zum Bier. Aus dieser Kombo entstehen grandiose Sude, bei denen an keinem Rohstoff gespart wurde. Jedes Bier war für mich bisher ein tolles Erlebnis mit einer wahren Harmonie, die den Gaumen streichelt.

 

Die Fragen haben alle vier Hopfenkünstler aus dem Braukollektiv (Gil, James, Chris und Börn) beantwortet:

Wann habt ihr euer erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Gil: Mein persönlicher erster Sud war 2007 – ein Altbier, das allerdings ein ziemlich leckeres Brown Ale geworden ist.  Unser erstes gemeinsames Baby war jedoch 2014 das „Black Sheep IPA“, das jetzt „Dolly IPA“ heißt. Das brauen wir immer noch regelmäßig. Damals war es allerdings nur mit einem Drittel der heutigen Hopfenmenge gestopft und auch mit wesentlich mehr Restextrakt. Für die meisten Freiburger Gaumen ein guter Einstieg. Wir dosieren sie langsam hoch.

James: Den genauen Zeitpunkt weiß ich nicht mehr, aber es dürfte etwa neun Jahre her sein. Es war schrecklich, aber ich habe es trotzdem getrunken.

Chris: 24.8.2004: ein Amber Ale, das tatsächlich geschmeckt hat. Wir hatten nicht genügend leere Flaschen um das Bier abzufüllen und mussten daher die Nachbarn holen, um mit deren Hilfe noch schnell eine Kiste ‚leer‘ zu machen.

Börn: Ich glaube vor sechs Jahren. Das Bier war echt lecker, obwohl ich damals der Meinung war, dass 28 Grad genau die richtige Temperatur für die Gärung sind. Das Bier hatte interessante Fruchtaromen…

 

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen „Braukollektiv“ gekommen?

Chris: Namensfindung ist total schwierig. Wir hatten viele schräge Ideen noch vor der Firmengründung, aber irgendwie ist Braukollektiv einfach und bleibt gut im Kopf. Wir sind ein Kollektiv aus Brauern. Basta.

James: Die Entscheidung kam von den anderen, noch bevor ich dazu gestoßen bin. Der Name passt aber, weil wir eine Gruppe Brauer aus verschiedenen Gegenden sind.

Gil: Wir werden auch manchmal gefragt, ob wir ein „richtiges” Kollektiv sind. So mit Konsensprinzip etc. – und das ist tatsächlich so bei uns. Meistens jedenfalls.

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Was macht für Euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Börn: Das Bier sollte eine lange Geschmacksreise bieten: Vom ersten Schnüffeln bis fünf Minuten nach dem ersten Schluck, dabei soll es auch ausgewogen und ohne Fehlgeschmäcker sein.

James: Es muss eine hohe Trinkbarkeit haben, ohne dabei langweilig zu sein. Wenn ich den letzten Schluck genommen habe und ein wenig Enttäuschung eintritt, dass es schon leer ist, dann habe ich ein außergewöhnliches Bier im Glas gehabt.

Chris: Da stimme ich James zu!

Gil: Wow. Stimmt. Mensch, du bist ja ein richtiger Poet, James.

 

Welchen Biertyp trinkt ihr am liebsten und warum?

Chris: Ich liebe vor allem starkgehopfte Biere.

James: Ich will mich nicht festlegen. Ich mag es malzbasiert, frisch, hopfig, manchmal gereift, aber auch sauer.

Gil: Sauer oder hopfig ist meistens eine gute Wahl. Kommt aber immer auf die Gelegenheit drauf an.

Börn: IPA … davon habe ich zwei ganz besonders leckere immer im Keller.

 

Was sind Eure Lieblingshopfensorten?

Börn: Chinook, Simcoe, Perle, Hersbrucker

Gil: Das ändert sich ständig. Allzeit-Favoriten wären Simcoe, Mosaic, Columbus – je nach Einsatz. Pekko bzw. ADHA 871 ist spannend. Mit dem spiele ich gerade herum.

James: Ich bin fasziniert von den neuen Aromavarianten wie Azacca, El Dorado, Idaho 7 und Callista.  Zu meinen Lieblingssorten gehören aber auch Amarillo, Mosaic, Citra und Cascade.

Chris: Als Australier stehe ich total auf die Kiwi-Sorten wie Nelson Sauvin – ich weiß, es ist fast unmöglich ihn zu bekommen – und Motueka.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Börn: Eigensinn, Neugier, Offenheit, Stehvermögen

James: Den Wunsch zu experimentieren und den Eifer, zu lernen, was das Bier zu sagen hat. Bier ist das wichtigste, danach kommt alles andere.

Chris: Ich stimme James zu. Man soll sich erst um Geschmack und Qualität bemühen – später kann man sich Gedanken über den Preis der Zutaten machen.

Gil: Auf jeden Fall Kreativität.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

James: Kürzlich trank ich eine Dose Budweiser. Das war schon schlecht genug, aber jemand hatte die Dose als Aschenbecher benutzt. Ich habe es trotzdem getrunken.

Gil: Meine eigenen Erfahrungen sind nicht wirklich ausgefallen, außer vielleicht ein paar Homebrews mit Mädesüß oder Damiana sowie anderen Pflanzen. Diese ganzen Vaginal- oder Barthefe-Dinger, von denen man immer mal wieder hört, hab ich nie probiert.

Börn: Ein wirklich schräges Bier war bisher nicht dabei. Chris hat mal ein Bier mit Hühnchen gebraut. Das ist schräg.

Chris: Oh ja, ich habe wirklich mal ein Bier namens „Cock Ale” mit gebratenem Hühnchen gebraut.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

James: Ganz einfach: in einer dunklen, rauchfreien Craft-Bierbar mit Juke-Box in der Ecke und einer endlosen Vielfalt an Weltklasse-Bieren, die in den richtigen Gläsern und der richtigen Temperatur serviert werden.

Chris: Eigentlich kann man doch überall gut Bier trinken…

Börn: Auf einem Berggipfel der bayerischen Alpen nach einer ausgiebigen Bergwanderung.

Gil: Oben auf‘m Hangar. Mit lauem Sommerwind um die Nase und Bass in den Ohren.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

James: Wenn ich das wüsste…

Chris: Die Leidenschaft großartige Biere zu brauen weiter zu treiben.

Börn: Ein Bier trinken.

Gil: Warte, ich komm‘ mit.

Wet Hop Ale: Die spannendsten deutschen Grünhopfen aus 2016

Manchmal kann ich mich einfach nicht entscheiden. Eigentlich wollte ich nur ein Grünhopfen-Bier zum Favoriten aus 2016 vorstellen. Doch haben mich zwei Ales so angemacht, dass ich mich nicht auf nur eines festlegen möchte. Aber was ist eigentlich ein Grünhopfen-Bier? In den meisten Fällen, reisen die Brauer selbst ins Hopfengebiet, holen sich die Dolden direkt vom Feld und geben sie innerhalb weniger Stunden unbehandelt in den Sud.

20161118_131328.jpgGenau so war das auch bei meinem ersten Favoriten namens „Frischer Traum“. Der Trunk wurde im Riedenburger Brauhaus in Niederbayern von Maximilian Krieger zusammen mit Oliver Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg gebraut. Seit nun drei Jahren tüfteln die beiden Brauer einmal pro Saison gemeinsam an einem Wet Hop Ale. Dieses Mal hat es 5,7 Prozent und ist aromatisiert mit Bio-Cascade Hopfen. Kupferfarben strahlt es aus dem Glas. Beim ersten Schnuppern strömen überwiegend grasige Noten in die Nase. Dann aber entwickelt sich ein schönes harmonisches Fruchtbukett mit Zitrusnuancen und einem dezenten Anklang von Litschi. Am Gaumen erfrischt das Traumbier erst einmal. Schon im Antrunk ist es allerdings deutlich herb. Am Gaumen spielen dann die Fruchtnoten des deutschen Cascades: Limone, Grapefruit und Litschi. Im Finish verabschiedete sich der Kollaborationssud mit 55 Bittereinheiten, die ganz schön ordentlich sind. Novizen mit empfindlicher Zunge könnten hier schnell überfordert sein.

IMG_20161212_214224.jpgDas zweite Top-Wet Hop aus dem vergangenen Jahr kommt aus der Berliner Berg Brauerei. Hierbei geht es um ein India Pale Ale mit 6,9 Prozent, dass mit den Sorten Comet und Cascade gehopft ist. Golden glänzt es im Glas. Schon beim Einschenken wabern fruchtig Noten durch die Luft. Das Hauptstadt-IPA duftet nach einem Mix aus roten Beeren, tropischen Früchten sowie einem Touch von frischgemähter Wiese. Am Gaumen zeigt dann der Hopfen noch mal so richtig was er kann: grün-grasige, heuartige Noten zielen auf eine leichte Herbe und Aromen von Maracuja sowie der Beerengeschmack runden das Aromaspektrum ab.

Fazit: Beides sind tolle Ales, an denen man erkennt, was frische Hopfensorten direkt vom Feld so draufhaben. Der „Frische Traum“ setzt vor allem auf einen bitteren Stil, während dieser sich im Berliner Ale deutlich zurückhält, dafür aber die Frucht in den Vordergrund stellt. Im Nachhinein  finde ich, dass man die beiden Biere eigentlich nicht miteinander vergleichen sollte, denn sie überzeugen vor allem durch ihren individuellen Charakter. Aber es lohnt sich wirklich, beide mal zu probieren.

Top-Brauer: Andreas Seufert von Pax Bräu – „Schwerter zu Zapfhähnen“

14195232_1197248547013602_1030554918200451930_oAndreas Seufert braut ganz nach dem Motto: „Bier sollte nie geschmacklos langweilig und charakterlos schmecken.“ Seine Biere sieht der Chef und Braumeister von Pax Bräu im unterfränkischen Oberelsbach, ein kleiner Ort in der Rhön, deswegen als „Leuchtfeuer der Nonkonformität in einer zunehmenden Wüste der Eintönigkeit der Großkonzernbiere.“ So überrascht Andreas seine Fans neben dem Standartsortiment mit Weizen- und Vollbier, jeden Monat mit einer neuen Spezialität. Dieses Jahr mit dabei: Eine ganz spezielle Gose, ein Milk Stout und auch ein „Basalt Bock“. Wegen seiner Experimentierfreude und bemerkenswerter Liebe zum Bier, zählt der Unterfranke für mich zu den besten Brauern der Nation.

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das muss so um 1997 zu Beginn meiner Lehre bei der Würzburger Hofbräu in unserer damaligen WG-Küche gewesen sein. Es war auf jeden Fall ein helles untergäriges Bier. Ich war damals ziemlich positiv überrascht von dem gelungenen Geschmack – allerdings ging die Kohlensäure gar nicht. Damit habe ich mir die ganze Bude eingesaut.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Pax Bräu“ gekommen?

Das geht zurück auf meine Zeit bei Doemens. Der 9/11 war unser erster Tag an zur Meisterschule. Danach wurde wieder verstärkt über Krieg und Frieden diskutiert. Dabei hat ein Klassenkollege irgendwann den Trinkspruch „Drum lasst uns also Schwerter zu Zapfhähnen schmieden. Trinken für den Frieden!“ ausgebracht. Dieser hat sich so positiv bei mir eingebrannt, dass ich ihn Jahre später als Brauereimotto hernehmen wollte. Nur hatte ich noch keinen passenden Namen für das Unternehmen. Das Motto mit dem Frieden stand nun mal schon. Aber Friedensbräu hörte sich für meinen Geschmack etwas zu morbide an, zumal wenn Du in einer Stadt aufgewachsen bist, in der es ein Bestattungsinstitut mit selbigen Namen gibt.

Auf den Namen kamen meine Freundin und ich schließlich während einer Rucksackreise in Laos, Kambodscha und Vietnam. In Laos las meine Freundin beim Warten auf einen Bus die Infotafel für die Fahrt nach Pakse vor. Bei ihr hat es klick gemacht, denn plötzlich ging ihr das lateinische Wort für Frieden, nämlich pax, durch den Kopf. Und pax hatte dann auch den von mir gesuchten guten Klang.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss charakterstark und doch ausgewogen sein. Gerne auch mit alternativen Zutaten.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Mein Lieblingsbier darf gerne etwas rauchig sein. Vielleicht bin ich als Kind mit Bauernhof-Background schon zu früh mit Geräuchertem aus der Hausschlachtung konfrontiert gewesen. Als ich am Ende meiner Ausbildung noch einmal alle Mitschüler und Lehrer auf eine Party in unseren WG-Garten eingeladen hatte, hat der eine Lehrer aus Bamberg einen Rucksack mit Bier von der Brauerei Spezial mitgebracht. Ab da war ich dem Rauchbier verfallen. Und sind wir doch mal ehrlich was gibt es leckereres zu einer deftigen Mahlzeit (von Brotzeit bis Schäuferla) als ein leicht rauchiges Bier?

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Motueka und Riwaka aus Neuseeland, Topaz aus Australien und Perle aus Deutschland.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

  • Er muss endlos belastbar sein.
  • Ein Ausbund an Kreativität.
  • Er braucht einen zuverlässigen Freundeskreis.
  • Einen elaborierten Sinn für Geschmack.
  • Niemals versiegende Neugierde.
  • Eine gewisse Unbeirrbarkeit gegenüber modischen und/oder vom Handel ausgeübten Einflüssen. 7. Organisationstalent und strukturiertes Arbeiten hilft ungemein.
  • Er braucht einen starken Rückhalt in der Familie.
  • Gutes handwerkliches Geschick.
  • Ein Gespür für die kaufmännischen Belange.
  • Sauberkeit, Sauberkeit, Sauberkeit!!!

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Die Gurkengose von David Hertl und Hopfmeister.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

An einem lauen Sommerabend auf der Festungsmauer zu Würzburg sitzend mit traumhaften Stadtpanorama vor der Nase.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Also biertechnisch kommen 2017 einiges Neues dazu: ein Milk Stout, eine Rhabarber-Hibiskus-Rosen-Gose, ein Rubin Single Hop Pils. Und dann steht ja noch Anfang Juni (Pfingsten) das Festwochenende zum 10-jährigen Bestehen der Pax Bräu in Oberelsbach an. Das wird echt ein Brett.

Braukurs: Session Pale Ale aus der „Eule“

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Dario Stieren am Kessel

Neues Jahr, neue Ziele und neue Abenteuerlust: Wie wäre es mit einem Braukurs? Wer noch keinen gemacht hat, sollte das unbedingt auf die To-Do-Liste für 2017 setzen. Das macht nämlich nicht nur Spaß, man trifft meist nette Leute, trinkt ungewöhnliche Biere und lernt auch wirklich jede Menge von wahren Profis.

 

Im Raum München kann ich all denen, die keine Lust auf Einheitsbiere haben, den „All-inklusive-Craft-Braukurs“ von Dario Stieren empfehlen. Er braut mit Bierinteressierten im Biervana in Schwabing ganz ausgefallene Sude. Ich war kürzlich bei einem dabei. Schon auf der Straße waberte mir köstlicher Maischeduft entgegen. In einem kleinen Kupferkessel, auch genannt Braueule, gab Dario schon das Pale- und das Carared-Malz in das 50 Grad warme Wasser. Heute zeigte der Diplom-Braumeister den rund zehn Teilnehmern, wie man ein Session Pale Ale mit vier Hopfensorten (Hüll Melon, Willamette, Comet und Chinook) entwickelt. Der Münchner erzählte nebenbei nicht nur etwas über die Historie einiger Bierstile, die Entwicklung des deutschen Biermarktes und die Besonderheit der Rohstoffe. Er erklärte auch für jeden verständlich, was ein Infusionsverfahren ist, was bei Alpha- und Beta-Amylase passiert und warum Brauer denn Jod bei ihrer Arbeit brauchen.

Keine Angst, verdursten lässt Dario niemanden. Neun verschiedene Biere zum Brauthema wurden verkostet, aber auch andere Sude durften probiert werden. Das macht hungrig. Eine deftige Brotzeit und ein bayerisches Essen sind inklusive. Lohnt sich!

20160918_111234Das sind die nächsten Termine:

  • 22.01.2017: Belgien vom Wit bis zum Quadrupel
  • 19.02.2017: Pale Ale, IPA, Imperial IPA
  • 26.03.2017: Bayrische Klassiker, craftig interpretiert
  • 30.04.2017: Frühlingsbiere, leicht und hopfig in den Sommer
  • 21.05.2017: Pale Ale, IPA, Imperial IPA
  • 11.06.2017: Pale Ale, IPA, Imperial IPA

Kosten pro Person 129 Euro

Anmeldung unter: dario.stieren@brewmafia.de