Tasting: Feiner Hopfen im Bierhandwerk

Hey Craft-Bierfans,

Mareike Hasenbeck
Foto: Elena Hasenbeck

nächsten Freitag noch nichts vor? Dann kommt doch um 20 Uhr nach Freising ins Bierhandwerk. Dort gebe ich eine Verkostung unter dem Motto: „Feiner Hopfen. Die Welt der Craft-Biere“. Fünf köstliche und spannende Biere werden verkostet. Dabei erzähle ich interessante Geschichten zu Hopfensäften und ihren Machern. Während der Degustation gibt es einen kleinen Snack und im Anschluss ein freies Tasting, bei dem wir alle gemütlich noch über die Szene diskutieren und philosophieren können. Das Bierhandwerk legt noch einen drauf: Als Give Away bekommt jeder ein Paket mit den fünf verkosteten Bieren und ein Glas. Das alles für schlappe 35 Euro. Würde mich riesig freuen, wenn noch ein paar Leute kommen würden…

Anmeldung per Email an: info@bierhandwerk.de

 

Bierhandwerk Freising

Sonnenstraße 29

85356 Freising

 

Kommentar: Vom Selbstbild der Brauer

beer-bottles-797992_1280Aufmerksamkeit ist die härteste Währung in neu entstehenden Märkten. Diese Faustregel gilt auch für die noch junge Craft-Bierbranche, die sich gerade anstrengt uraltes Terrain mit ungewöhnlichen Hopfensäften neu zu definieren. Ihr Selbstbildnis: Kreativ, modern, originell und revolutionär. Dieses Image aber ist nicht immer stimmig. Es gibt viele Brauer, die zwar hervorragende Biere aus dem Kessel zaubern, diese aber mit eher trauriger Optik ins Regal stellen.

Meine Kritik gilt vor allem den Etiketten, die eigentlich das Aushängeschild für jeden Craft-Zauberer sein sollten. Wenn schon auf den Flaschen nur Langeweile und Tristesse geboten wird, dürfte sich wohl kaum ein Kunde vom Inhalt verführen lassen. Die Optik –  das wird leider häufig unterschätzt –  ist für eine Kreativbranche ein extrem wichtiges Element um Interesse beim Konsumenten zu wecken. Und außerdem weiß doch jeder: Das Auge trinkt mit.

Aber was sollte so manche Brauwerkstatt besser machen? Etiketten müssen Inhalt, Herkunft, Leidenschaft und den kreativen Charakter des Bieres repräsentieren. Spannende Drinks brauchen auch einen spannenden Auftritt. Eine emotionale Präsentation regt die Fantasie an und steigert die Spannung auf den Inhalt. Man muss es ja nicht gleich so weit treiben wie der bayerische Weißbierproduzent Georg Schneider, der mit künstlerischem Einsatz seine eigenen Etiketten malt.

Für alle anderen Brauer gilt, bei der Wahl des Außenauftritts wirklich echte Profis zu beauftragen und nicht den Werbe-Fuzzi aus dem Nachbardorf. Sonst kann das auch schon mal zu traurigen Entgleisungen führen. So jüngst geschehen bei der Röhrl Brauerei im bayerischen Straubing, die mit ihrer „Grenzzaun Halbe“ auf die aktuelle Flüchtlingskrise hinweisen wollte und das Haltbarkeitsdatum – ob bewusst oder unbewusst – sogar noch auf den Jahrestag der Reichspogromnacht legte. Nach so viel haarsträubenden Unsinn mussten die Straubinger das Bier schließlich vom Markt nehmen.

Aber es geht nicht allein um geschmackloses Flaschendesign oder hausbackene Optik. Wer sich für Kreativbiere interessiert, will auch wissen, was in der Flasche ist. Wahren Craft-Bierfans ist – neben allen gesetzlichen Angaben – vielmehr wichtig, welche Malz- und Hopfensorten verbraut wurden, wieviel Stammwürze und wieviel IBUs die Kreation erzielt. Damit werden schließlich keine Staatsgeheimnisse verraten, weil allein die Mixtur entscheidet. Solche Informationen aber regen zu Diskussionen an und machen neugierig auf den ersten Schluck – noch bevor er genussvoll die Kehle herunterrinnt.

Mein Kommentar erschien auch in „Hasenbeck’s Bierwelt“ im CRAFT Magazin.

Craft-Bier des Monats: Krabben-Cocktail aus Braunschweig

20160916_141915Der Craft-Biermarkt ist immer wieder für Überraschungen gut. Vergangene Woche, bei den Hopfentagen in Wolnzach, traf ich Paul Briesemeister, den Brauer der Marke „Crabbs“ aus Braunschweig. Ich hatte noch nie etwas von seinen Bieren gehört. Ist aber auch kein Wunder, denn Paul und seine beiden Kollegen Max und Stefan köchelten ihre Sude bisher nur für Insider rund um den heimischen Kirchturm. In Wolnzach konnte ich nur einen Mini-Schluck ihres „Crabbs Pale Ale #1“ ergattern. Weil der mich aber so begeisterte, bat ich Paul mir eine Flasche zu schicken.

Gestern hatte ich das Pale Ale dann im Glas. Der Name „Crabbs“ hat übrigens nichts mit Meeresgetier  zu tun, sondern ist lediglich ein Kürzel für „Craft Beer Braunschweig“ – ein Krustentier ziert dennoch das Etikett. Noch zählen die drei Braunschweiger zu den Gypsy-Brauern, die ihre Kreationen in einer Hildesheimer Brauerei per echter Handarbeit produzieren: Selbst die Etiketten kleben sie noch manuell auf die Flaschen. Die eigene Biermanufaktur ist allerdings bereits im Aufbau. „Unser Ziel ist es vor allem in der Region für eine größere Biervielfalt zu sorgen und Craft-Genießer mit neu interpretierten Kreationen zu überraschen“, sagt Paul überzeugt.

Die erste Kreation kann sich jedenfalls schon mal sehen lassen und wird deshalb mein Craft-Bier des Monats.

  •    Brauerei: Craft Beer Braunschweig UG
  •    Bierstil: Pale Ale
  •    Alkoholgehalt: 5,4 Prozent
  •    Stammwürze: 12,8° Plato
  •    Farbe: orangefarben
  •    Schaum: feinporig, cremig
  •    Bittere: 30 IBU
  •    Hopfen: Citra, Cascade und Magnunm
  •    Malz: Pilsner, Wiener und Cara

In einem leuchtenden, dunklem Orangeton steht das Pale Ale im Glas. Obenauf liegt ein cremiger, schneeweißer Schaum. Im Bukett finden sich Noten von Aprikose, Pfirsich, Papaya und Grapefruit. Das Braunschweig-Ale ist keineswegs ein Hopfenhammer, überzeugt aber durch ein finessenreiches Aromaspiel. Am Gaumen entfaltet sich eine harmonische Malzkomposition, die von den fruchtigen Hopfennoten abgerundet wird. Citra und Cascade, zwei Sorten, die super zueinander passen, sorgen für das frische Gesamtspiel aus Limette, Grapefruit, Mango und Pfirsich. Im Abgang bleiben die zarten 30 Bittereinheiten noch einige Zeit im Mundraum zurück.

Fazit: In der Braunschweiger Pampa hätte man so einen Sud wohl nicht erwartet, sondern eher in den Craft-Zentren Berlin, Hamburg oder München. Dieses Ale entspricht genau dem Typus, den Ken Grossmann, die amerikanische Craft-Ikone von Sierra Nevada, kürzlich in meinem Interview für das nächste CRAFT-Magazin als entscheidenden Szene-Trend betitelte: Wenig Alkohol, unkompliziert, aromatisch und mit einem ausgeprägten individuellen Charakter. Alles in allem ist das Crabbs-Ale ein angenehm ausbalanciertes Bier mit hoher Trinkbarkeit. Es macht einfach Spaß.

 

Brauer Portrait: Yankee & Kraut – Bierliebe zwischen Ami und Bayer

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Max Senner und Bryan France – Yankee & Kraut

Bryan France ist ein echter Hophead. Kein Wunder, denn er kommt aus den USA. Genau genommen aus Reno in Nevada, wo die Hopfengärten nicht weit entfernt von seiner Stammkneipe lagen. Seine Leidenschaft zu hopfigen Bieren brachte er mit nach Deutschland. Zwar studierte er erst Biologie, setzte dann aber in Weihenstephan noch Brauwesen oben drauf. Davor rührte er nur hobbymäßig in kleinen Sudkesseln und bastelte an ein paar Rezepten. Im vergangenen Jahr zählte er zu den Finalisten im Innovationswettbewerb der Weihenstephaner Uni. Sein Ziel war es dann eine eigene Biermarke rauszubringen. Um das zu stemmen, tat sich der 33-Jährige mit Max Senner zusammen. Die beiden sind seit Jahren schon dicke Freunde und genießen seltene Sude am liebsten zusammen.

In diesem Jahr starteten die beiden unter dem Namen „Yankee & Kraut“ durch. Die erste verfügbare Kreation war das Wettbewerbsbier namens „Hopulenz IPL“ – das schon echt gut gelungen war. Danach kam ein Pale Ale namens „Eden“, das einer Hopfenbombe gleicht. Das neueste Werk ist die „Sommerfinsternis“. Ein Stout, das mit Weißbierhefe vergoren und extrem hopfengestopft wurde. Und so wie ich das amerikanisch-bayerische Team kenne, tüfteln sie schon längst wieder an neuen Rezepturen.

 

Die Fragen beantwortete Bryan:

  1. Was ist passiert, damit du dich für den Brauer-Beruf entschieden hast?

Seit dem ich 18 bin braue ich Bier. Wollte aber früher nie Brauer werden. So dachte ich zumindest, bis ich nach Deutschland kam und hier ein bisschen arbeitete. Dann wurde mir plötzlich klar, dass ich etwas Leidenschaftliches machen muss. Bierbrauen als Beruf hat sich auf einmal doch nicht so verkehrt angehört. Das ist jetzt fast genau zwei Jahre her.

 

  1. Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das erste Bier habe ich mit einem Freund (Kevin Basta) zusammen in der Küche meinen Eltern gebraut.  Erstaunlicherweise ist es tatsächlich gut geworden, obwohl es kein 08/15 Bier war.  Ich wollte gleich am Anfang was Starkes brauen. Ich habe mich also für einen Barleywine entschieden (Stammwürze ca. 19°P). Genannt habe ich es “Barfallonyou”.  Ich glaub da sind sogar noch ein paar Flaschen davon im Keller bei meinen Eltern.

 

  1. Welche anderen Brauer/Brauereien haben dich am meisten inspiriert?

Was mich am meisten inspiriert hat sind die Biere und Brauer aus Belgien.  Geschmacklich waren die völlig neu für mich. Danach kam Weißbier ins Spiel und ich habe mich ziemlich lange mit verschiedenen Hefestämmen und deren Gärnebenprodukten beschäftigt. Meine Liebesgeschichte mit Hopfen ist erst vor 1,5 Jahren zur Blüte gekommen. Hopfen hat mich schon immer interessiert, aber die meisten IPA’s  in den USA waren meistens viel zu bitter und die Hopfengaben eher auf Bittereinheiten orientiert als auf reines Aroma oder Geschmack des Hopfens.

 

  1. Welches Bier (außer den eigenen) würdest du deinem besten Freund empfehlen?

Da gibt es je nach Typologie ein ganze Menge Lieblingsbiere.
Helles:  „Das Helle“ von Tilman Ludwig (Tilmans Biere). Das hatte ich sogar auf meiner Hochzeit.  Ist einfach verdammt gut und sau süffig.

IPA: „Amarsi“ von Alexander Himburg (Himburg’s Braukunst Keller).  Das „Wendigo“ Westcoast IPA von Vladimir Kaznakov, Unorthodox Brewing aus Bratislava, Slowakei. Lecker!  Pliny the Elder / Pliny the Younger, Russian River Brewing Co.

Trappisten Bier:  Rochefort 10

Weißbier:  Gutmann, Andechser, oder Hopf „Spezial“

Abgefahren: „Mexas Ranger Porter“ von Mikkeller, einfach sau lecker.

Tripel:  Westmalle, Tripel Karmeliet oder auch „Lemondrop“ von Giesinger.

Belgisch: De Dolle „Arabier“

Geuze: 3 Fonteinen „Oude Geuze“

Flanders Red/Oud Bruin: Duchesse du Bourgogne, Liefmans „Gouden Band“

Ich glaub ich sollte jetzt lieber damit aufhören…

 

  1. Was sind für dich wichtige Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Geschmacklich soll es innovativ und anders sein, aber natürlich auch gut schmecken.  Ein richtig gutes Craft-Bier ist immer einzigartig und von höchster Qualität.  Kosten sind, im angemessenen Rahmen, völlig egal.

 

  1. Was sind deine Lieblings-Hopfensorten?
  • Cascade, sowohl aus den USA, als auch aus deutschem Anbau.
  • Centennial
  • Chinook
  • Amarillo
  • Citra
  • Hallertauer Mittelfrüh

 

  1. Mit welcher berühmten Person würdest du gern mal anstoßen und warum?

Mit dem amerikanischen Starkoch Anthony Bourdain. Der Mensch ist einfach sau lustig und steht auf gescheites Essen und auf alles im Überfluss. Der nächste Tag wäre definitiv Teufelszeug.

Kusfollin: „Fuck you all“ – Kampfschrei aus Barcelona

20160905_182614Es ist schon schräg, wenn man sich aus dem Bieretikett einen Molotov-Cocktail bauen kann. Das West Coast Pale Ale aus Barcelona namens „Kusfollin“ ist umwickelt von einem Leinentuch. Schaut man genau hin, findet man die genaue Anleitung für eine brennende Wurfwaffe. Dabei kann die Bierflache gleich mitverwendet werden. Aha. Schließlich bedeutet der Name „Kusfollin“ ausim Katalanischen: „Fuck you all“ – und soll eine Kampfansage gegen alle menschlichen Ungerechtigkeiten sein.

img_20160905_203102Das Angreiferbier steht in einem hellen Braunton im Glas und duftet nach Zitrusfrüchten, Dörrpflaume und ziemlich alkoholisch. Im Antrunk kommt das Pale Ale sogar ziemlich schnapsig daher. Braucht man ja für den Molotov… Irgendwie aber etwas unangenehm. Soll das auch ein Angriff auf die Geschmacksnerven sein? Nein, jedes Bier hat seine Chance verdient. Schließlich ist der Geschmack interessant, aber schwer zu deuten. Nuancen von Zitrus und Pinienharz spielen mit, aber leider wird das Hopfenaroma von einer dominanten Alkoholnote überlagert. Und dass, obwohl Kusfollin nur 5,5 Prozent hat. Dafür spürt man in der Kehle dann die dezenten 25 Bittereinheiten.

Fazit: Schade, ich habe mich bei dem gewagten Etikett wirklich auf eine Hopfenbombe oder so was Ähnliches gefreut. Das Pale Ale hat für mich nicht viel mit dem ursprünglichen Bierstil zu tun, was an sich ja nicht schlimm ist, aber vielleicht ist auch unterwegs von Spanien irgendwas damit passiert. Dennoch ist es irgendwie spannend. Schließlich hatte ich so einen individuellen Geschmack noch nicht auf der Zunge. Ein Bier für Extremisten.

Hier gekauft.

Steamworks Brewing: Hopfenfeuer ohne Brandfolgen

IMG_20160831_192450Es ist immer wieder erstaunlich, wie Bier schmecken kann. Auch wenn es nur schlanke 4,4 Prozent Alkohol vorweist. Ich rede hier vom India Session Ale namens „YVR“ aus der kanadischen Steamworks Brauerei in Vancouver, das ich kürzlich mit meiner Schwester genossen habe. Was mich gleich ansprach: Es ist mit einem Hopfentrio von der südlichen Halbkugel gebraut – Galaxy, Orbit und Nelson Sauvin.

Die schöne goldene Farbe bringen vier verschiedene Malze wie Premium 2-Row, Cara 20, Carapils und Münchner ins Glas. Obendrauf sitzt ein schneeweißer, feinporiger Schaum. Schon beim Eingießen betört das fruchtige Bukett das Riechorgan. Hängt die Nase aber erst mal direkt über dem Bier, dann schießt ein tropischer Cocktail empor: Maracuja, Mango, Stachelbeere und Pampelmuse vereinen sich mit einer würzig-grasigen Note. Am Gaumen angekommen, bringt das Session Ale köstliche Erfrischung, bis dann auch im Mundraum die Südfrüchte ihr volles Aroma entfalten. Unterlegt ist „YVR“, dass übrigens der Flughafencode für Vancouver ist, mit einem zarten Malzcharakter. Ich wollte es anfangs gar nicht runterschlucken, weils eine so schöne Aromatik auf der Zunge verbreitet. Aber auf die 40 Bittereinheiten im Finsih wollte ich dann doch nicht verzichten. Und: Nuancen von reifer Aprikose und eine liebevolle Herbe bleiben noch einige Zeit auf der Zunge haften.

Fazit: Wow, über was für eine wunderbare Aromastruktur dieses India Session Ale verfügt. Hier legt Steamworks ein Musterbeispiel vor, das zeigt: wenn die Hopfensorten stimmen, dann braucht man echt nur wenig Alkohol als Befeuerung für den Geschmack. Damit kann man einen ganzen Abend verbringen, ohne ins Straucheln zu geraten. Ich glaube, ich habe mich ein bisschen in dieses Bier verliebt. Probiert es selbst!