Session IPA: Sommer-Allrounder von Labieratorium & Lenny‘s Artisanal Ales

Labieratoirum East BreezeIm Sommer darf es gern mal etwas leichter sein. Als fruchtige Erfrischung zog ich kürzlich das Session IPA namens „East Breeze“ aus dem Kühlschrank. Dabei geht es um einen Kollaborationssud von Labieratorium aus Cottbus und Lenny’s Artisanal Ales aus Berlin. Gebraut haben die Crafties ihr bernsteinfarbenes, 5,1-prozentiges Ale mit hellem Karamellmalz, Pale Ale und Wiener Malz. Das hopfige Aroma kommt von den Hopfensorten Mosaic und Ariana.

Der Hopfenduft zeigt sich schon beim Einschenken. In die Nase strömen frische tropische Noten von Mango und Maracuja. Dazu kommen würzige sowie harzige Anklänge und ein Hauch von gelben Steinfrüchten. Im Antrunk fließt eine dezente Malzsüße über die Lippen, bis sich das Fruchtspiel erfrischend mit solider Kohlensäure auf der Zunge ausbreitet. Das Session IPA präsentiert sich auch hier mit den tropischen Aromen des Mosaic-Hopfens und den harzig-würzigen Noten vom Ariana, der noch Zitrus- und Aprikosennoten mitbringt. Im Abgang verabschieden sich schlanke 21 Bittereinheiten, die zwar dezent wahrnehmbar sind, aber wohl niemanden überfordern.

Fazit: Perfektes Sommerbier! Leicht, erfrischend, fruchtig und ein bisschen herb – was braucht man mehr bei 25 Grad und Sonnenschein? Das Session IPA ist ein toller Allrounder für jede Tageszeit, der kürzlich erst beim „Meininger Craft Beer Award“ die Silbermedaille gewann.

 

 

Sudden Death Brewing: Schlanker Fruchtmix

20180619_130455Sommer, Sonne, Durst: Was gibt es schöneres als an heißen Tagen ein leichtes, aber fruchtiges Bier zu genießen? Genau richtig war gerade das 4-prozentige Session IPA „Juice Willis” von Sudden Death Brewing vom Timmendorfer Strand zu Spargel in einer Kräutersauce. Gebraut haben die Nordlichter das Bier mit speziellen Gersten- und Weizenmalz, Haferflocken sowie Ale-Hefe. Für das Aroma packten sie vier fruchtige Hopfensorten dazu: Ekuanot, Azacca, Denali, El Dorado.

Das sonnengelbe, trübe IPA hat eine schneeweiße, stabile Schaumkrone, die das Bier optisch schon mal sehr attraktiv gestaltet. Es duftet fruchtig-frisch nach Birne sowie tropischen Früchten wie Maracuja, Ananas und Mango. Am Gaumen zeigt sich das Session IPA schön schlank mit einem hefigen Anklang, der dann von den Hopfennoten dominiert wird. Im Finish präsentiert sich noch eine gewisse Herbe mit 33 Bittereinheiten.

Fazit: Ein schlankes, fruchtiges und erfrischendes Session IPA, bei dem mir allerdings etwas die Balance fehlt. Die Nase verspricht mehr, als der Geschmack hält. Auf der Zunge war die Hefenote etwas zu überladend, bis dann die Fruchtnoten der tollen Hopfensorten durchdringen. Dennoch war es zum Essen ein Genuss.

 

Yankee & Kraut: Harter Trunk für Herkules

20180608_133939Bryan und Max von Yankee & Kraut sind bekannt für verrückte und hocharomatische Sude. Die Ingolstädter streben immer nach neuen und ungewöhnlichen Geschmacksabenteuern. Vor wenigen Wochen wurde Yankee Bryan stolzer Vater. Klar, dass er schon vor der Geburt des Sohnes ein individuelles Kindsbier eingebraut hat. Dabei geht es um ein Saison mit für den Stil eher untypischen acht Prozent Alkohol namens „Hercooles“. Der Clou: Sein Sohn heißt tatsächlich mit drittem Namen (etwas abgewandelt) Herkules.

Das kräftige Saison, oder auch Farmhouse Ale genannt, beweist mal wieder Bryans Kreativität. Der Trunk zeigt sich trüb und mit goldener Farbe im Glas. Das Bier duftet würzig und fruchtig nach reifer Banane sowie einem Hauch Stachelbeere. Am Gaumen präsentiert sich das Bier vollmundig, erfrischend und trocken. Auf der Zunge breiten sich würzige und grasige Noten aus, die sich mit fruchtigen Aromen der Hefe und des Hopfens vereinen. Neben der dominierenden Banane, ist aber auch ein Anklang von Ananas spürbar. Im Finish bleibt das Saison noch lange am Gaumen zurück.

Fazit: Gefährlicher Stoff! „Hercooles“ ist sehr gut trinkbar, sehr aromatisch und erfrischend. Die achtprozentigen Umdrehungen dieses Sudes merkt man aber erst nach einigen Gläsern…

 

Auf ein Craft-Bier mit Martin Seidl: „Schwarze Tinte“ trifft Heavy Metal

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Martin Seidl und ich

Schon seit Kindesalter höre ich Rockmusik. Kein Wunder also, dass ich seit Jahren auch sehr gern auf Musikfestivals gehe. Doch am vergangenen Wochenende war das „Rockavaria“ in München am Königsplatz mehr für mich als nur ein Musik-Highlight mit Iron Maiden. Denn: Im VIP-Bereich der „Rock-Kitchen“ schenkte Martin Seidl aus Braunau am Inn mit seinem Team vom Tölzer Mühlfeldbräu süffiges Helles, fruchtiges Pale Ale, herbes IPA und ein Stout aus.

Aber nicht irgendein Stout, sondern die 6,2-prozentige „Schwarze Tinte“, mit der es der 45-jährige Brauer in das neue TV-Format „Rock-Kitchen“ geschafft hat. Der Österreicher erzählt, dass es dabei um eine Sendung aus „Rock, Talk und Grill“ für den Sender DMAX geht, ganz nach dem Motto BBQ trifft Heavy Metal. Die erste Folge wird Anfang September laufen. In den ersten Ausstrahlungen wird Martins Bier aber wohl noch keinen Auftritt haben. Aber warum ist die „Schwarze Tinte“ überhaupt so rockig? „Ganz einfach“, sagt Martin, „es ist ein absolut unkonventionelles Bier, für das ich anfangs das Getreide sogar noch selbst geröstet habe um den Geschmack so zu erzielen“.

Worüber sich der Braunauer besonders freut: Neben Heavy-Metal-Urgestein Udo Dirkschneider (ehemaliger Sänger der Band „Accept“) probierten auch die Mittelalterrocker von „Saltatio Mortis“ oder aber die österreichische Alpencore-Band „Tuxedoo“ und die US-amerikanische Crossover-Gruppe „Dog eat Dog“ aus New Jersey, sein frischgezapftes Bier. Außerdem ist Martin total aus dem Häuschen, weil wohl das Team von „Dog eat Dog“ überlegt mit ihm zum 30-jährigen Bandjubiläum einen Sud zu brauen. Na dann, Prost!

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Martin Seidl (links) und Kiernan (rechts) von Tölzer Mühlfeldbräu mit „Dog eat Dog“ (mitte) und der schwarzen Tinte in der Hand. Foto: Thomas Greil, Dama Fotografie

 

Brauer-Portrait: Flügge Brauerei – „Wir lassen gern mal das Reinheitsgebot hinter uns“

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Biere von der Flügge Brauerei

Kennen gelernt habe ich die Flügge Brauerei aus Frankfurt am Main auf dem Craft-Bierfest im April in Stuttgart. Das war wohl auch einer der ersten öffentlichen Auftritte von Dominik Pietsch und seinem Kumpel Joachim – und eine tolle Entdeckung für mich. Eine neue Marke mit neuen spannenden Bieren. Dabei schrieben sich die Flügge-Macher auf die Fahnen, wilde und charakterstarke Sude zu brauen, die gern auch mal das Reinheitsgebot hinter sich lassen. So gilt als echter Sommertipp etwa „Fränk“, ein 3,2-prozentiges Sauerbier, vergoren mit norwegischer Hefe und anschließend auf Maracuja-Püree gelagert. Mit im Portfolio haben die Frankfurter auch Roggenbier, Imperial Stout und ein IPA, das mit 100 Prozent Brettanomyces-Hefe vergoren ist. Wer sich wundert, warum verschiedene Vögel auf den Etiketten prangen: Die Flügge-Macher sind bekennende Vogelfans.

Dominik Pietsch beatwortete die Fragen:

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Eine große Portion Neugier, die Fähigkeit, über den Tellerrand (bzw. das Reinheitsgebot) zu schauen und einfach leckere, ausgewogene und handwerklich gut gemachte Biere zu brauen.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Man trinkt sich als Bier-Nerd durch allerlei Sorten, und die haben auch alle ihren Charme und ihre Daseinsberechtigung. Aber ab und zu bleibt man regelrecht an einem Bier hängen und man wünscht sich, dass das Glas nie leer wird – entweder, weil es so gut runtergeht oder weil es einfach so wahnsinnig toll und neu schmeckt, dass man immer weiter trinken will. So einen Trunk würde ich dann als außergewöhnlich bezeichnen.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Schwierig, sich da auf das schrägste Bier zu beschränken. Ein Bier, was mir zuletzt als besonders schräg in Erinnerung geblieben ist, war das „Grie Soß“ von Glaabsbräu. Man denkt erst, das kann doch nicht funktionieren, dass man Kräuter der in Hessen bekannten Grünen Soße ins Bier zu bringen kann. Aber: es funktioniert!

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Hmm… also, sobald mir etwas Ungewöhnliches einfällt, probiere ich es immer erst auf unserer kleinen Brauanlage aus. Nicht wirklich ungewöhnlich, aber bei uns schwierig zu beschaffen sind z.B. englische Malze.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Jetzt gerade: Spargel, klassisch mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise, dazu ein selbstgebrautes, leichtes Saison mit ca. 3,5 Prozent Alkohol. Das passt super.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Das ist schwer abzuschätzen. Die aktuelle Entwicklung ist ja sehr positiv. Es kommen immer wieder neue, spannende Brauereien hinzu und mittlerweile arbeiten viele auch mit Brett-Hefen oder Lactos, was ich sehr begrüße. Bleibt nur zu hoffen, dass die Entwicklung und die Neugier in Deutschland nach neuen Geschmäckern anhalten. Ich bin da aber sehr optimistisch.

Und was hast Du als nächstes vor?

Wir haben gerade einen spannenden Sud zusammen mit dem Winzer Daniel Mattern angesetzt. Das Thema Bier/Wein-Hybrid interessiert mich schon lange, mal sehen, was draus wird – die Zwickl-Proben aus den Tanks sind schon richtig lecker! Außerdem würde ich mich gerne ans Thema „Fassreifung“ heranwagen. Und da wir als Brauerei ja noch nicht so lange existieren, wollen wir einfach erst mal so weitermachen und schauen, dass wir noch viele Menschen für unsere Biere begeistern können.

 

Kommentar: Keine Panik!

Erfolg zeigt manchmal sonderbare Seiten – auch in der Craft-Bierszene: Tonfall und Sitten werden rauer, Neid und Missgunst kennzeichnen heute so manche Diskussion, Brauer sticheln gegen Sommeliers, diese stänkern gegen neue Kreativbiere und selbst die Blogger-Gemeinde setzt ätzende Duftmarken. Es scheint, als habe die Devise aus den Anfängen „nur gemeinsam sind wir stark“, für viele Marktplayer inzwischen an Gültigkeit verloren.

Was aber soll der ganze Zoff? Es gibt weder Grund zum Streiten noch zum Jammern. Auch wenn der Anteil von Kreativsuden am Bierkonsum insgesamt noch relativ gering ist, hat sich Craft-Bier hierzulande doch ziemlich schnell etabliert und ist aus vielen Bars, Shops und Restaurants nicht mehr wegzudenken. Gewiss, der Markt steckt noch immer in den Windeln und wächst derzeit vielleicht nicht ganz so rasant, wie ungeduldige Tatmenschen in der Anfangshysterie erhofften. Wer die Craft-Branche jedoch nur als Goldgrube sieht, wird schnell Ernüchterung spüren. Man bedenke: Auch der US-Markt hat mehr als zwanzig Jahre gebraucht, bis er zur Erfolgsgeschichte wurde.

Es gibt also keineswegs Grund zur Panik, wenn mal wieder eine Craft-Kneipe schließen muss, finanzschwache Jungbrauer sich aus dem Markt zurückziehen, Landbrauereien glücklos das Spezialitätengeschäft aufgeben oder ehrgeizig gestartete Bier-Magazine nach wenigen Monaten dicht machen. Vielmehr geht es hier um ganz normale Turbulenzen in einer vor allem in Sachen Marketing noch unerfahrenen Wachstumsbranche. In ihrer ungestümen Startphase ist die Craft-Szene kein Revier für Zauderer und Zögerer – probieren, riskieren und experimentieren gehört zum Tagesgeschäft. Also Leute, übt euch einfach in Geduld, denn große Kessel kochen langsam, wie jeder Brauer weiß. Eines ist ganz sicher: Die Craft-Branche wird kräftig weiterwachsen und uns auch künftig mit wundervollen Suden überraschen.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Partnerprogramm: Fahrbier zur Festivalsaison – Giesinger bringt Bier auf Rädern im neuen Truck

„Folge uns – wir haben Bier“: Mit dieser vielversprechenden Heckbeschriftung ist Giesinger Bräu ab sofort in eigener Sache auf Bayerns Straßen unterwegs: Nach sechs Wochen harter Arbeit und insgesamt 115.000 Euro Investitionen in Umbau, Sanierung und Design erstrahlt der elf Jahre alte MT 45, ein ehemaliger UPS-Truck, jetzt komplett im Giesinger Design.  Weiterlesen „Partnerprogramm: Fahrbier zur Festivalsaison – Giesinger bringt Bier auf Rädern im neuen Truck“

Giesinger Bräu: Hopfiges „Red Ale“ für lange Grillabende

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Red Ale vom Giesinger Bräu

Eigentlich zähle ich Red Ales nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbierstilen, weil sie meist zu malzig schmecken. Jetzt hat aber der Giesinger Bräu aus München sein Portfolio um solch ein Bier erweitert, das ich selbstverständlich probieren wollte. Gestern hatte ich erstmalig den Trunk im Glas.

Das 5,2-prozentige „Red Ale“ leuchtet in einem appetitlichen, rötlichen Bernsteinton durchs Glas, überzogen von einer feinporigen cremefarbenen Schaumkrone. Das Team um Produktionsleiter Simon Rossmann braute das obergärige Bier mit zwei besondere Hopfensorten: australischem „Vic Secret“ und deutschem „Monroe“. Und genau diese zeigen sich schon angenehm im Duft. Aromen von roten Früchten wie Erdbeere und Kirsche sowie reife Mango strömen in die Nase. Das Mundgefühl ist angenehm frisch und sprudelig. Auf der Zunge präsentiert sich noch eine gewisse Malzigkeit mit zarter Süße und Anklängen von Getreide. Dazu gesellt sich die fruchtige Hopfenpracht mit kräftigen Erdbeer-, Kirsch- und Mango-Noten. Im Abgang taucht noch ein Hauch von Haselnuss auf.  Das „Red Ale“ verabschiedet sich mit einer sanften aber deutlichen Herbe.

Fazit: Das neue Giesinger-Craft ist ein Red Ale auch für meinen Geschmack. Mir gefällt die Kombination aus zarter Süße, lockeren Malzkörper und fruchtigen Hopfennoten. Schmeckt frisch, macht nicht gleich satt und man kann problemlos einen ganzen Grillabend damit verbringen.