Schräge Biere: Aromawummen im Milchshake-Stil

Immer mehr Brauer entdecken Vanilleschoten als ungewöhnliche Zutat für kräftige Sude. Mit dem exquisiten Gewürz erzielen sie ungewöhnliche Aromen in Stouts, Porters und IPAs, die häufig sogar an Eiscreme erinnern.

„Mexican Vanilla Piña Colada Milkshake IPA“ von Omnipollo

Vanille zählt zu den teuersten Gewürzen der Welt. Im Kilopreis sind die Schoten der Orchideen-Pflanze, die ursprünglich in Mexiko und Mittelamerika wuchs, heute überwiegend auf Madagaskar, Réunion und anderen Inseln im Indischen Ozean stammen, fast so teuer wie Silber. Grund dafür ist der aufwendige Reifeprozess. Erst durch monatelange Trocknungs- und Fermentierungsprozesse entsteht das typische Aroma der Vanille, das in fast keinem Luxus-Dessert fehlen darf und neuerdings auch immer häufiger in experimentellen Bieren auftaucht.

Für motivierte Craft-Brauer ist wohl kaum eine Zutat zu teuer. Denn vermehrt entdecken sie den Geschmack der Vanille für besonders aromatische Sude. Angeblich eignet sich die Königin der Gewürze überwiegend für dunkle und kräftigere Sorten wie etwa Stout oder Porter. Aber auch ein gut ausbalanciertes India Pale Ale harmoniert mit den aromatischen Schoten der südlichen Erdkugel. Dabei wird der Vanille-Geschmack durch verschiedene Methoden ins Bier gebracht. Die Schoten können mitgekocht, bei der Gärung hinzugegeben oder zur Veredelung mit ins Fass gelegt werden. Häufig wird aber auch nur preisgünstiges Vanilleextrakt zur Aromatisierung verwendet.

Zu den Vorreitern bei Vanille-Bieren zählen zählt die US-Brauerei 3 Floyds. Dessen „Pillar of Beasts“ präsentiert eine ganz besondere Aromawucht und legt dabei noch ordentliche 14,5 Prozent Alkohol vor. Bei dem Sud handelt es sich um einen Barley Wine, der zwölf Monate mit Vanilleschoten und Kakaobohnen in alten Bourbon-Fässern schlummert. Solch kräftige Sude harmonieren offensichtlich sehr gut mit dem besonderen Gewürz. Auch die renommierte Craft-Stätte Prairie Artisan Ales aus Oklahoma verfeinert ihr 13-prozentiges Imperial Stout „Prairie Bomb“ mit Zutaten speziellen Zutaten wie Schokolade und Chilli – die Vanilleschoten sorgen dabei für den Extrakick. Auf „ratebeer“ zählt diese Aromawumme zu den 50 besten Imperial Stouts der Welt.

Viele Craft-Fans rund um den Globus stehen inzwischen auch auf helle Vanilla-Biere. Einer der Renner der schwedischen Manufaktur Omnipollo ist das „Mexican Vanilla Piña Colada Milkshake IPA“, das aus einer Kollaboration mit der US-Brauerei Tired Hands Brewing Co. entstammt. Das IPA mit Laktose, Vanille und 7,2 Umdrehungen erlangt zusätzlich eine enorme Fruchtigkeit, die geschmacklich an exotischen Piña Colada erinnert. Auch die polnischen Brauer von Ale Browar legen mit ihrem Milkshake Pale Ale namens „Shake the World“ eine echte Vanille-Bombe vor, die sich in Verbindung mit Cascade-Hopfen wie ein prickelnder Milchshake präsentiert.

Als weitere Bier-Attraktion mit dem Gewürz aus dem Indischen Ozean gilt das 5,5-prozentige „Orange Velvet“ aus Norwegen. Die Brauer von Lervig Aktiebryggeri packten für dieses ungewöhnliche IPA neben Vanille auch frische Mango und Limette in die Sudkessel. In San Diego produzierten die Macher von Belching Beaver indes ein „Orange Vanilla IPA“, das geschmacklich an ein Orangen-Milcheis erinnert. Dass jedoch eine neuseeländische Brauerei namens McCashin’s sogar ein Pils mit Vanille aromatisierte, mag für Puristen ziemlich schräg klingen. Immerhin schnitt das „Coconut Vanilla Pilsner“ mit schlanken 4,6 Prozent bei der Bewertungsplattform „Untappd“ mit mehr als drei von fünf Punkten ab.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur. (4/2019)

Brewheart: Kokos-Cocktail aus der Dose

Es ist doch immer wieder eine Freude, sich mit Brauern zu treffen und auszutauschen. Vergangenen Woche hatte ich ein Date mit Andreas von Brewheart. Er ist zwar kein ausgebildeter Bierproduzent, aber seine Sude können sich echt sehen lassen. So gab er mir die neuen Sorten mit, die er und sein Kollege in der Camba Old Factory in Gundelfingen bei Augsburg eigenständig verwirklichen. Mein bisheriger Favorit ist das 7,7-prozentige Double Dry Hopped India Pale Ale namens „Hop Eye”, in dem jede Menge Citra- und Sabro-Hopfen stecken.

Schon beim Einschenken strömen hopfige Noten in die Nase, während das IPA in einem trüben Gelborange ins Glas fließt. Ein feinporiger, cremefarbener Schaum setzt dem Bier eine attraktive Haube auf. „Hop Eye“ duftet intensiv nach Kokosnuss, ausgelöst vom noch ziemlich neuen amerikanischen Sabro-Hopfen. Angenehme tropische Noten von Ananas und Mango sowie deutliches Zitrus-Aroma komplimentieren das Bukett. Schon im Antrunk zeigt sich das Ale vollmundig mit moderater Kohlensäure und einer zarten Süße. Auch auf der Zunge präsentieren die beiden Hopfensorten ihre volle Power. Kokos, Limone und Ananas dominieren den Geschmack. Eine geringe Bittere rundet das Bier ab.

Fazit: Bei diesem Hazy IPA gibt es eigentlich nichts zu meckern. Das Aromaspiel ist ausbalanciert und durch die Kokos-Noten mal was anderes. Vielleicht könnte das Bier einen Tick mehr Kohlensäure für einen stärkeren Erfrischungseffekt haben, aber das ist wohl Geschmackssache. Passt bestimmt hervorragend zu Curry-Gerichten oder gegrilltem Fisch wie Red Snapper oder Dorade.

Partnerprogramm: Zwei Augsburger Institutionen setzen Tradition fort

Die Panther-Profis Jakob Mayenschein (links) und Alex Lambacher hatten Spaß beim traditionellen „Panther-Pur“-Einbrauen mit Riegele-Chef Sebastian Priller. ©ThorstenFranzisi

[Spornsored Post / Werbung]

Es steht für pure Emotion und ist seit Jahren Kult im Stadion: Das Bier „Panther Pur“. Zum Saisonstart waren heute die Augsburger Eishockey-Profis erneut im Brauhaus Riegele zu Gast, um unter Anleitung von Brauereichef Sebastian Priller traditionell ihren eigenen Sud zu brauen – und das bereits zum 21. Mal. Gemeinsam am Braukessel standen Sportmanager Duanne Moeser, Marketingmanager Leo Conti, Gesellschafter Max Horber sowie die Spieler-Neuzugänge Jakob Mayenschein und Alex Lambacher.

Die Augsburger Panther verfügen mit „Panther Pur“ als einzige Mannschaft der Deutschen Eishockey Liga (DEL) über ein eigenes Bier. Mit über 13% Stammwürze hat es die Kraft des Malzes in sich und seine tiefdunkle Farbe passt perfekt zu den Panthern. Die Spezialität ist allerdings streng limitiert, in ihren Genuss kommen die Fans nur exklusiv im Augsburger Curt Frenzel Stadion. „Riegele und die Augsburger Panther passen nicht nur zusammen, sie gehören zusammen“, da sind sich Panther-Manager Leo Conti und Brauereichef Sebastian Priller einig. „Wir sind froh, Einigung über eine weitere, langfristige Zusammenarbeit gefunden zu haben und auch in den nächsten Jahren köstliche Getränke von Riegele, insbesondere natürlich das ‚Panther Pur‘, im Curt-Frenzel-Stadion ausschenken zu können“, so Conti.

Partnerprogramm: „Das Meisterstück“ ist jetzt „BraufactuM Berlin am Hausvogteiplatz“

Credit: BraufactuM

[Sponsored Post / Werbung]

Uriges Ambiente, Bratwurst vom Buchenholzgrill, dazu liebevoll bestrichene Stullen und Bier: mit der angekündigten Schließung des Meisterstücks am Hausvogteiplatz in Berlin drohte Anfang des Jahres eine echte Berliner Rarität der Gastro-Szene zu verschwinden. Unter dem neuen Namen „BraufactuM Berlin am Hausvogteiplatz“ betreibt nun die Berliner BMB Gruppe bereits seit Februar das Restaurant weiter. „Wir waren vom Konzept begeistert und mussten nicht lange überlegen, als uns der Weiterbetrieb angeboten wurde“, erklärt Geschäftsführer Boris Freise. Dabei wurde darauf geachtet, so wenig wie möglich zu verändern, um die Authentizität des Restaurants auch unter dem neuen Namen zu sichern. Auch das Team hat einen sicheren Hafen gefunden. Alle Mitarbeiter wurden in die BMB-Familie aufgenommen.

Das Restaurant ist nun die zweite BraufactuM-Location in Berlin. Ursprünglich war das „Meisterstück“, eröffnet 20122, einst wohl das erste Craft-Bierrestaurant Deutschlands, das bereits aus einer Gastronomiekonzeption mit BraufactuM entstand. Ausgezeichnet unter anderem mit dem FIZZZ-Award für das beste Bierkonzept servierte das Lokal im rustikal-schicken Ambiente unter handgefertigten Kuckucksuhren von Rombach & Haas kleine Meisterstücke aus kleinen Manufakturen und Handwerksbetrieben aus ganz Deutschland. So entstand eine unverwechselbare Speisekarte mit Köstlichkeiten rund um den Buchenholzgrill. Marc Rauschmann, Geschäftsführer von BraufactuM, zeigt sich begeistert über den jüngsten Neuzugang: „Schön, dass wir nach unserem erfolgreichen Start in Berlin einen zweiten Anlaufpunkt für alle, die Lust auf ein besonderes Geschmackserlebnis in der Hauptstadt haben – gutes Essen in Kombination mit den passenden, charaktervollen BraufactuM Bieren. Zudem schließt sich hier nun der Kreis, nachdem das Meisterstück ja auf einer ursprünglichen Gastronomie-Konzeption für BraufactuM beruhte.“

Credit: BraufactuM

Auch Betriebsleiter Patrick Ohlerich freut sich: „Natürlich haben wir die ganzen grandiosen Dinge behalten, führen aber auch witzige Neuerungen ein, wie zum Beispiel den Quick Lunch, bei dem unseren Gästen bei der Bestellung eine Eieruhr auf den Tisch gestellt wird, die nach zehn Minuten klingelt. Sollte der Lunch bis dahin noch nicht serviert sein, geht das besondere Dessert auf uns – ganz einfach!“

Über die BraufactuM Restaurants:

Tradition trifft Kreativität – keine andere Stadt vereint diese scheinbaren Gegensätze so gut wie Berlin. Und so mausert sich die Hauptstadt der Eckkneipen derzeit auch zur Metropole der deutschen Craft-Bierszene. Zwischen dem szenigen Ausgehviertel rund um den Hackeschen Markt und dem Fernsehturm am Alexanderplatz bietet das BraufactuM Berlin am Alexanderplatz bereits seit fast zwei Jahren  allen Bierliebhabern klassischer oder ausgefallener Kompositionen ein neues Zuhause. Passend dazu kommen deftige Bierbegleiter und ausgefallenes Trendfood wie Burger oder BBQ auf den Tisch. Im September 2018 folgte die Eröffnung des BraufactuM Dresden in exponierter Lage mitten auf dem Altmarkt. Hier serviert das Team auch Köstlichkeiten aus dem Smoker, saftige Flanksteaks und Schnitzel – natürlich immer mit hausgemachten Salaten und knusprigen Fries als Beilage zu einem der 16 Craft Biere, die hier aus 32 Zapfhähnen frisch in die charakteristisch geformten Biergläser gezapft werden. 

Der neue, kleine „Adoptivbruder“ am Hausvogteiplatz überzeugt mit einem etwas anderen Konzept und verführt seine Gäste mit dem unverwechselbaren Aroma des Buchenholzgrills – und köstlichen Wurst- und Fleischspezialitäten aus regionalen Fleischereien. Eröffnet im Herbst 2017 legte die BMB Gruppe mit dem ersten der ausgefallenen Restaurants unter dem Namen BraufactuM zusammen mit der Brauerei unter Geschäftsführer Dr. Marc Rauschmann den Grundstein für nun insgesamt drei unterschiedliche Restaurants mit dem gleichen Namen. Dabei zählt die Unternehmensgruppe, die nun seit 16 Jahren die gastronomische Landschaft Deutschlands bereichert, mittlerweile 23 Restaurants und Cafés in Deutschland ebenso zu ihren Outlets wie auch einen Full-Service-Caterer, das Genusskombinat und konnte jüngst bei der Ausschreibung der Cafés und Restaurants der Staatlichen Museen zu Berlin auf der Museumsinsel von sich überzeugen.

Partnerprogramm: Hinter den Kulissen von Texels – Biere von der Insel

[Sponsored Post / Werbung]

Texels Sude sind echte Insel-Biere. Auf der gleichnamigen Insel Texel in den Niederlanden, herrscht ein sonnigeres Klima als im Rest des Landes. Deshalb haben Gerste und Weizen dort dicke Körner und eine sehr gute Qualität. Klar, dass Texels das Getreide zum Brauen verwendet. Aber auch die eigene Hefe verleiht den Bieren ihren ganz besonderen Charakter. Und sogar die Namen sind mit der Insel verbunden: Das Bestseller-Weißbier „Skuumkoppe“ bedeutet zum Beispiel „Schaumkopf“ – wie die Wellen, so das Bier.

Hinter den Kulissen von Texels

Beerwulf hat sich mit Brauerei-Managerin Janneke unterhalten. Schau Dir Episode 10 der Serie „Brauerei des Monats“ an:

Texels Biere 10 Prozent günstiger entdecken

Du willst den Inselgeschmack selbst probieren? Dann entdecke Texels als Brauerei des Monats bei Beerwulf. Noch bis 15. September gibt’s 10 Prozent Rabatt auf alle Texels Biere.

Mehr sehen? Hier findest Du alle Episoden der Brauerei des Monats.

Deutschlands Top-Brauer: Oliver Lemke vom Brauhaus Lemke im Wachstumsmodus

Oliver Lemke vom Brauhaus Lemke in Berlin

Oliver Lemke war vor 20 Jahren wohl der erste Craft-Brauer in Berlin. Der Brauingenieur öffnete – inspiriert von Auslandsreisen – in der Hauptstadt eine Art Craft-Bier-Pub. Dieser lief allerdings nicht besonders, also gründete er das Brauhaus Lemke am Hackeschen Markt. Aber die Zeit für Craft-Sude war wohl noch nicht reif. So überforderte der gebürtige Heidelberger seine Gäste mit rund 50 verschiedenen Bieren. Doch dann stieg die Nachfrage immer mehr an. 2004 übernahm Lemke Leopold’s Brauhaus am Alexanderplatz, drei Jahre später kam noch ein Standort in Charlottenburg hinzu. Die Location am Alex baute das Lemke-Team schließlich um und machte sie zur Hauptstätte der Marke. Auf zwei Etagen mit 600 Sitzplätzen können Gäste hier in die Welt der Craft-Biere eintauchen. Heute zählt Oli definitiv zu den Top-Brauern der Nation.

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Passion für Bier und Spaß am Produkt, Knowhow beim Brauen, sowohl theoretisch als auch praktisch, Kreativität sowie Ehrlichkeit. Und: man sollte sich selbst nicht so wichtig nehmen.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Guter Geschmack und Balance, gepaart mit einem wirklich passenden aromatischen Kick. Das Streben nach mikrobiologischer Reinheit sowie Stabilität und Wiederholbarkeit verstehen sich von selbst.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Ziemlich schräg sind in jedem Falle unsere eigenen Sarcina Berliner Weiße mit Dextrinbildung. Diese laufen wie Sirup aus dem Glas, schmecken sensationell, gibt es aber bisher nur intern.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Einem Mikroorganismus, der noch nie vorher im Einsatz war, aber außergewöhnliches kann.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Vanille-Eiscreme, hergestellt mit unserem Imperial Stout und dazu eine „Berliner Eiche“ – also unsere Budike Weisse, gelagert auf echtem Waldmeister bzw. Eichenholz.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Langsam geht‘s voran. Offensichtlich wird es aber keine Craft-Explosion geben, wie sie von allen herbeigeschrieben und -geträumt wurde. Es wird sich über einen längeren Zeitraum ein kleiner, aber feiner Markt für besondere und regionale Biere abseits des Mainstreams entwickeln. Dieser wird sich jedoch dauerhaft etablieren. Deutsche Bierstile und deren Variationen werden dabei im Vordergrund stehen.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Unser Berliner Weiße Portfolio sowie die Barrel-Abteilung erweitern und mehr Sport treiben.

Event-Tipp: Jetzt am Wochenende (30.8.-1.9.2019) feiert das Brauhaus Lemke 20-jähriges Jubiläum mit Live-Musik, 17 verschiedenen Bieren und jeder Menge anderer Specials.

Lervig Aktiebryggeri: Alkoholfreier IPA-Genuss aus Norwegen

Früher war ich absolut kein Fan von alkoholfreien Bieren. Doch jetzt bringen Craft-Brauer immer mehr überzeugende Sude auf den Markt, die sogar richtig Spaß machen. Eines davon ist das 0,5-prozentige „No Worries“ von Lervig aus Norwegen. Leider finde ich zu den eingesetzten Hopfensorten weder Hinweise auf der Dose noch im Netz. Tatsache ist aber, dass die Macher aus Stavanger eine spezielle Hefe einsetzten, die den Malzzucker nicht vergären kann und somit kaum Alkohol entsteht.

Das alkoholfreie India Pale Ale fließt in einem ansprechenden Sonnengelb ins Glas, der schneeweiße, feinporige Schaum komplementiert die Optik und macht Appetit. In die Nase schwirren würzige und überwiegend fruchtige Noten, die vor allem an Grapefruit erinnern. Auf der Zunge zeigt sich das Ale erfrischend und schlank, aber keineswegs wässrig. Das Aromaspiel präsentiert dominierende Fruchttöne von Banane, Orange, Grapefruit und Mango. Eine gewisse Malzigkeit schwingt sanft am Gaumen mit. Und tatsächlich macht das Finish gleich Lust auf den nächsten Schluck.

Fazit: Ich bin positiv überrascht, wie eine gute Mixtur von Aromahopfen die alkoholfreien Sude geschmacklich aufmotzen kann. Das norwegische IPA ist ein Musterbeispiel dafür, wie auch ein Bier ohne Umdrehungen richtig Spaß machen kann.

Mit eigenem Fan-Club zum idealen Kunden

Im harten Verdrängungswettbewerb setzten immer mehr Brauereien auf eigene Fan-Clubs. Damit machen sie aus Bierliebhabern treue und loyale Kunden sowie meist lebenslange Markenbotschafter

Erst im Mai pilgerten wieder rund 1.500 Leute in bester Laune und in laubfroschgrünen Trikots nach Distelhausen südlich Tauberbischofsheim, sodass man hätte meinen können, der 1. FC Bremen wäre zu Gast. Hier rollte aber nicht der Ball, sondern die Mitglieder des Fanclubs der Distelhäuser Brauerei rücken wieder einmal zur alljährlichen Party an. Während Unmengen an Bier durch die Kehlen der Gäste rinnen, heizen DJ‘s und Live-Bands eine unvergleichliche Stimmung an. Manche Gäste nehmen dafür eine beschwerliche Anfahrt in Kauf und reisen nicht selten stundenlang mit Pferdekutschen an. „Ein schöneres Kompliment kann es für eine Brauerei wohl kaum geben,“ beschreibt Distelhäuser-Geschäftsführer Christoph Ebers die Begeisterung, mit der die Gäste seiner Marke ihre Treue schwören.  

Vom Erfolg des Distelhäuser Bier-Clubs, der inzwischen rund 6000 Mitglieder zählt, sind auch andere Braustätten angetan. In Zeiten schwächelnden Bierkonsums und hohem Wettbewerbsdruck setzen hierzulande bereits mehr als zwei Dutzend Bierproduzenten auf eine organisierte Fangemeinde – Tendenz steigend. Dabei geht es vor allem darum, die Kundenbindungssysteme zu stärken und dabei ein Wir-Gefühl für die Marke zu entwickeln. Auch wenn die meisten Brauereien einen Mitgliedsbeitrag verlangen, so erfreuen sie ihre Anhänger mit attraktiven Events, Sonderaktionen oder einfach nur mit überraschenden Geburtstagsgeschenken. So manches Club-Angebot beinhaltet besondere Bier-Tastings, Ballon-Fahrten, Kegel-Turniere oder Genuss-Wandertage. Mit einem Starter-Pack, das meist Probierpakete, Flaschenöffner, Bierdeckel, Gläser oder Sticker enthält, machen die Clubbetreiber ihre Aficionados zu echten Markenbotschaftern. Besonders beliebt sind schick gebrandete Fan-Textilien, wie T-Shirt, Pullover, Schal, Mützen oder Kappen mit hauseigenem Brauerei-Logo. Die Fan-Gemeinde wird damit zur wandelnden Werbeplattform.

Wie wichtig solche organisierten Interessengemeinschaften für Brauereien tatsächlich sind, weiß Frank Winkel aus langer Erfahrung zu berichten. Der Unternehmer und Biersommelier aus dem nordrhein-westfälischen Lünen, betreut mit seiner Firma „My-Club“ gut ein Dutzend maßgeschneiderter Fanclubs in der deutschen Brauerei-Szene. Zu seinen Kunden zählen beispielsweise Alpirsbacher, Arco Bräu, das Brauhaus Riegele, die fränkische Kaiserbrauerei, aber auch die Pyraser Landbrauerei. Dass diese Braustätten die Organisation ihrer Fan-Clubs in professionelle Hände legen, liegt nicht zuletzt am erheblichen Aufwand, der in einer solchen Organisation steckt. Winkel arrangiert für seine Kunden alle Club-Aktivitäten, die den Spaßfaktor und gemeinsame emotionale Erlebnisse der Mitglieder betreffen. Außerdem kümmert sich das My-Club-Team um bürokratische Aufgaben, wie Adressmanagement, Versand von Bierpaketen, Gutscheinen und Newslettern. „Mit einem funktionierenden Fan-Club können Brauereien ihre Marke stärken und möglicherweise sogar Kult-Status erreichen“, konstatiert Club-Experte Winkel.

Zu den wohl erfolgreichsten und auch größten Fanclub-Betreibern gehört der Erdinger Bräu mit 90.000 Mitgliedern weltweit und der von Paulaner mit immerhin rund 12.000 Anhängern. Unweit danach folgt der Schwarzwald-Klub vom Alpirsbacher Klosterbräu mit rund 9000 Fans, die sich allesamt „Spezialisten“ nennen und nach eigenen Aussagen vor allem Gemeinschaftssinn und Gemütlichkeit in den Fokus rücken. Für 18,80 Euro im Jahr profitieren diese Bier-Experten von exklusiven Präsenten, erlebnisreichen Genuss-Expeditionen, Konzertbesuchen sowie wechselnden Vergünstigungen rund ums Thema Bier. Einmal im Jahr findet ein großes Mitglieder-Event statt, bei dem der Gerstensaft in Strömen fließt.

Auf regelmäßige Treffen setzt auch der 1996 gegründete Fanclub vom Meckatzer Löwenbräu im bayerischen Heimenkirch mit angeblich insgesamt 8.800 aktiven Mitgliedern. Stammtische in mehreren Städten Deutschlands dienen zum Austausch und gemeinsamen Biergenuss. Zudem bietet eine Mitgliedschaft für 17,38 Euro im Jahr ein sattes Leistungspaket. Neben Rabatten im Meckatzer-Shop, können Fans auch einmal im Jahr zur Brauereiführung mit Zwickelbier-Verkostung kommen und erhalten – bei Vorlage des Fanclub-Ausweises – zusätzlich noch ein Gastgeschenk sowie Freibier im Bräustüberl. Als echtes Highlight gilt aber das jährliche Fan-Fest. Rund 2000 Bierbegeisterte treffen sich dann auf dem Brauereigelände in gebrandeten Outfits, manche von Ihnen sogar mit selbstgebastelten Westen aus Meckatzer-Kronkorken. Aber im Mittelpunkt des Events steht natürlich der Biergenuss. Dazu wird auch zum Tanz geladen oder zu kräftezehrenden Wettkämpfen wie Maßkrug-Stemmen, Baumstammsägen oder zum filigranen Flaschenangeln.

Ganz so ausgelassen geht es bei der Fangemeinde vom Brauhaus Riegele nicht zu. Club-Chef Johannes Hoschka will seinen „Riegele Bierexperten“, wie sich die bisher 820-köpfige Gemeinschaft bezeichnet, vielmehr in Braukünste und Genusswelten einweihen. Das heißt für ihn: keine Massenveranstaltung, sondern eher kultivierte und überschaubare Experten-Events. Für 18,90 Euro Beitragsgebühr bekommen Riegele-Fans ein Willkommenspaket, Gutscheine mit Freibier im Biergarten, Preisvorteile bei Veranstaltungen und jeden Monat ein spezielles Aktionsbier im Wirtshaus. Damit animiert Hoschka die Leute regelmäßig in die Brauerei zu kommen und die neu entwickelten Spezialitätenbiere zu probieren. Bei den Treffen sollen sowohl Traditionalisten als auch eingefleischte Craft-Bierfans auf ihre Kosten kommen. So gibt es manchmal Vorträge zur Bierhistorie, Blindverkostungen oder spezielle Genuss-Tastings. Auch wenn die vor zwei Jahren gegründete Initiative ziemlich aufwendig ist, so ist Club-Manager Hoschka inzwischen hoch zufrieden: „Unsere Bierexperten wirken sich sowohl im Image als auch in der Kundenbindung für die Brauerei absolut positiv aus.“

Dass jedoch in den Fans-Clubs der Brauereien nicht unbedingt nur getrunken wird, zeigen die Macher der dänischen Gypsy-Marke Mikkeller. Das Kreativ-Team hat eine gezielte Aktion ins Leben gerufen, um ihre Fans nicht nur bei Laune, sondern auch körperlich leistungsfähiger zu halten. So gründeten Mikkel Borg Bjergsø und sein Kumpel Søren Runge vor rund fünf Jahren den „Mikkeller Running Club“. Über Facebook riefen sie damals zu einem simplen Jogging-Treffen auf. Beim ersten Date kamen nur fünf Leute, beim dritten Mal schon hundert, und heute zählt der MRC mehr als 180 regionale Clubs mit über 12.000 Mitgliedern weltweit. Diese treffen sich immer am ersten Samstag eines Monats in den jeweiligen Städten mit Mikkeller-Präsenz – in Reykjavik, Santiago, Berlin, Tokyo und sogar in Torshavn, der Hauptstadt auf den Färöer-Inseln. Dort wird zuerst gemeinsam gejoggt, um anschließend ein Freibier in einer der Mikkeller-Bars zu genießen. Jeder weitere Trunk muss allerdings bezahlt werden, denn intensive Bewegung schafft schließlich durstige Kehlen und da kann eine Club-Idee schon mal ganz schön teuer werden.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur in Ausgabe 2/2019

Grohe & Two in a Rocket: Ale mit Uhudler und Hibiskus-Blüte

Wer dieses Bier verstehen will, muss wohl Österreicher sein. Das belgische Saison namens „What is Love?“, das in Kollaboration zwischen dem Brauhaus Grohe in Darmstadt und Two in a Rocket in Wien entstand, brauten die Kreativköpfe mit Hibiskus-Blüten und Uhudler. Mit was? Auch wenn ich mich innerhalb meines Jobs als Genuss-Journalistin nicht nur mit Bier, sondern auch mit Wein beschäftige, wusste ich nicht was ein Uhudler sein soll. Google hilft: Dabei handelt es sich um einen österreichischen Cuvée-Wein. Bei diesem Bier wurde Traubensaft eingesetzt.

In einem verführerischen Rotorange, das wohl durch den Uhudler und den Hibiskus kommt, leuchtet das 6,9-prozentige Saison durch das Glas, ein feinporiger, zahnweißer Schaum liegt oben auf. In die Nase strömt erst eine hefig-würzig Note, die ein typisches Charaktermerkmal für den belgischen Bierstil darstellt. Dazu gesellen sich aber noch florale, weinige und beerige Töne. Moussierend und frisch präsentiert sich das Ale auf der Zunge. Im Geschmack zeigen sich kräftig würzige und florale Aromen. Im Finish verabschiedet sich das Bier mit einer brotartigen Note und einer Fruchtigkeit, die an rote Johannisbeeren erinnern – in Österreich auch Ribiseln genannt.

Fazit: „What is Love?“ ist mal was ganz anderes und – trotz der fast sieben Umdrehungen – eine köstliche Erfrischung für den Sommer. Mir gefällt das Aromaspiel wirklich gut. Aber der Trunk dürfte wahrscheinlich nicht jedermanns Gaumen erfreuen. Soll es aber sicherlich auch nicht – es ist vielmehr ein Bier für Individualisten. Probiert selbst.

Birra Amacord: Vier italienische Sude zu Pasta & Co.

Rimini an der italienischen Adriaküste verbinden die meisten Leute wohl mit Urlaub, Strand und Party. Doch die Stadt an der Riviera hat auch in Sachen Bier einiges zu bieten. Neben ein paar Bars mit großer Bierauswahl gibt es dort auch die Craft-Werkstatt Birra Amacord. Vier Sude der 1997 gegründeten Brauerei konnte ich kürzlich probieren.

Zuerst wagte ich mich an das unfiltrierte „Ama Pilsner“ mit 4,9 Prozent Alkohol. In einem attraktiven Strohgelb schwimmt es im Glas, ein fein- bis mittelporiger Schaum liegt oben auf. Eingesetzt wurden für das Pils nur Dolden der Hopfensorten Mittelfrüh, Tradition und Spalter, die sich im Duft auch sofort würzig, floral, zart grasig und mit einem Kräuter-Touch präsentieren. Hinzu kommt ein Anklang von Weißbrotkruste. Auf der Zunge zeigt sich das Bier frisch und vollmundig mit einem malzig, würzig und floralem Geschmacksspiel. Die 33 Bittereinheiten sind nur minimal zu erkennen.

Nach dem Pilsner öffnete ich das „Ama Blonda“, ein sechs prozentiges Golden Belgian Ale. Gebraut ist die italienische Interpretation mit den Hopfensorten Perle und Mittelfrüh sowie einer eher ungewöhnlichen Beigabe: Orangenblütenhonig. Das Ale zeigt sich in einem trüben Goldton mit schneeweißem, feinporigem Schaum. Das Bukett präsentiert florale Noten sowie Aromen von Orangenschale, Blütenhonig und einem minimalen krautigem Anklang. Im Geschmack verbindet sich eine zarte Säure mit malzig-hefigen Noten, einem Hauch von Zitrus, einer dezenten Würzigkeit und dem Blütenhonig zu einer Gesamtkomposition. Eine hauchzarte Hopfenbittere von 25 Bittereinheiten runden das Bier ab.

Das „Ama Bruna“, ein 7,5-prozentigen Belgian Strong Ale, ist wohl der große Bruder des goldenen Ales. Allerdings zeigt sich die kräftigere Variante in einem appetitlichen Rehbraun und einem feinporigen, cremefarbenen Schaum. Es duftet zurückhaltend nach getrockneter Pflaume und frischer Sauerkirsche. Dazu paar sich eine gewisse nussige sowie deutliche Karamellnote. Auch auf der Zunge breiten sich dezent Karamell, Kirsche und Dörrpflaume aus. Das Bier wirkt geschmacklich leichter, als es mit seinen siebeneinhalb Prozent wirklich ist.

Der stärkste Vertreter der verkosteten Amacord-Sude ist das „Ama Mora“, ein Imperial Coffee Porter mit ordentlichen neun Umdrehungen. Gebraut wurde es mit einer Kaffeebohnen-Mischung von einer lokalen Rösterei. Im Glas zeigt es sich in einem Dunkelbraun, getoppt von einem beigefarbenen Schaum. In die Nase strömen röstige, nussige und herbe Noten, die sich mit Zartbitterschokolade und kaltem Filterkaffee vereinen. Am Gaumen breitet sich eine zarte Säure und röstig-herbe Töne aus, gepaart mit Aromen von Schwarzbrot und Espresso. Im Finish bleibt das Geschmacksspiel noch länger zurück.

Fazit: Jedes der vier Biere besitzt eine angenehme Drinkability und kann sich vor allem auch durch die Aufmachung sehen lassen. Das Pils ist eher eine italienische Interpretation des altdeutschen Bierstils, das aber gut als Aperitif genossen werden kann. Das Golden Belgian Ale dagegen kann ich mir gut zu einem gegrillten Fisch am Strand in Italien vorstellen und „Ama Mora“ passt sicher zu Tiramisu oder anderen leckeren Dolci. Geschmacklich hat mich das Belgian Strong Ale mit den harmonischen Karamell- und Dörrobst-Noten am meisten überzeugt, welches ich auch gern zu Pasta al Ragut genießen würde.