Gotlands Bryggeri: Blaubeer-Bier von der Schweden-Insel

20160821_181027Einen Brautag ohne nebenbei ein paar Biere zu genießen ist langweilig. Gestern setzten meine Schwester und ich einen obergärigen Sud mit Mosaic und Chinook-Hopfen an. Nach dem Läutern öffneten wir uns das „Mors Lilla Bulldog – Blåbärs IPA“ mit 6,6 Prozent von der schwedischen Gotlands Bryggeri in Visby.

Was das Bier nun mit „Mutters kleiner Bulldogge“ zu tun hat, bleibt beim Verkosten ein Rätsel. Aber das Design hat was. Auf mehreren Etiketten der Gotländer lacht einem dieser Hund entgegen. Vermutlich eine Serie. Nun ja, jedenfalls regt die Farbe des IPAs schon mal den Appetit an: Rötlich mit einem leichten Fliederton glänzt es im Glas. Lässt also schon vermuten, dass dieses Nordland-IPA tatsächlich mit Blaubeeren gebraut wurde. Es verströmt einen kraftvollen beerigen Duft, den Zitrusnoten und eine schöne Hopfigkeit begleiten. Auf der Zunge hat das Craft dann dezente Anklänge der blauen Waldbeeren und etwas Limone. Eher dominiert die Herbe des Hopfens. Leider sind keine genauen Angaben zu den Zutaten auf Etikett oder Brauerei-Website zu finden. Da muss man wieder mal raten. Untermauert ist das Insel-Bier von einer Dosis Waldhonig, die eine dezente Süße mitbringt. Eine grasige Bittere mit leichter Fruchtnuance bleibt am Gaumen zurück.

Fazit: Ein interessantes IPA, das mir allerdings etwas zu unharmonisch ist. Wir haben uns beim Anblick auf das Etikett total auf eine schöne Blaubeernote auf der Zunge gefreut, die dann leider nur unterschwellig durchdringt. Die, ich schätze mal rund 80 Bittereinheiten, sind ziemlich knackig und überlagern etwas das feine fruchtige Aroma. Dennoch war es ein Genuss, ein Bier von der schwedischen Insel zu trinken. Ein paar weitere IPA`s mit der Bulldogge stehen schon im Kühlschrank.

Wo es das gibt? Zum Beispiel hier.

 

Airbräu: Flughafenmanufaktur hebt mit Craft-Bier ab

20160812_201406Sie gilt als die einzige Flughafenbrauerei der Welt. Auf jeden Fall ist sie bislang gleichermaßen beliebt bei Geschäftsreisenden und Touristen, die auf ehrliche und bodenständige Biere nach bayerischer Machart stehen. Jetzt hat der Münchner Airbräu, direkt am Franz-Josef-Strauss Flughafen, aber auf die Zeichen der Zeit reagiert. Mit seinem „AirCraft“ will Brauer René Jacobsen jetzt auch genussfreudige Liebhaber gut gehopfter Biere aus aller Welt bedienen. Sein goldfarbenes Helles, das er als Single-Hop mit reichlich Hallertauer Perle und traditionellem Gerstenmalz angesetzt hat, überrascht durch Frische und Süffigkeit. Der Sud reift über einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen bei drei Grad Celsius im Gärtank, bevor er dann vom Brauer in kleinen Mengen handgezapft abgefüllt wird. Aber nicht nur die  die Herstellung, auch das Logo-Design und die Etikettierung der Flaschen sind handgemacht.

In der Nase duftete das 4,9-prozentige Vollbier wie ein traditionelles Helles: malzig, aber mit mäßiger Süße. Doch am Gaumen überrascht AirCraft trotz seines dominierenden Malzcharkters mit einer feinen Bittere und mit ausgewogenen Fruchtaromen, die entfernt an Blutorange und ein wenig an reife Aprikose erinnern. Hinzu kommt ein leichter Zederngeschmack, der zur Charakteristika der Hallertauer Perle zählt.

Fazit: Obwohl der alleinige Einsatz von Hallertauer Perle nicht gerade eine gewagte Hopfenkombination im Sinne kreativer Craft-Biere darstellt, so ist dennoch ein leckerer Trunk entstanden. Vor allem ist es eine super Idee des Airbräu-Teams, auch am Flughafen etwas Besonderes anzubieten. Alles in allem ist das Flughafen-Craft ein wirklich gekonntes Helles und man kann sich nur wünschen, dass sich die Brau-Mannschaft künftig auch noch an weitere Sude herantraut.

 

 

 

Brauer Portrait: Simon Rossmann – Brauer und Radio-Star

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Simon Rossmann vom Giesinger Bräu

Giesinger Bräu war die erste Craft-Bierbrauerei in München. Sie wurde 2006 in einer Garage ins Leben gerufen. Schnell kamen Erfolg und Umzug. Inzwischen hat sich der Giesinger zu einer echten Kultstätte in der bayerischen Hauptstadt entwickelt. Simon Rossmann gehört zwar nicht zum Gründungsteam, aber stand schon ziemlich früh mit am Kesseln. Er ist Produktionsleiter und im Prinzip für den ganzen Betrieb verantwortlich. Der 30-Jährige steht total auf den Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne. So braut er mit seinem Team neben konventionellen Hellen, Weißbier und Pils immer wieder mal Neues aus. So kamen allein im vergangenen Jahr vier neue Spezialsude heraus, darunter ganz ungewöhnliche Starkbiere. Wer beim Giesinger den Biergarten oder Bräu-Stüberl besucht, wird jedes Mal mit saisonalen Spezialitäten überrascht. Mit Simon am Kessel wird es beim Giesinger nie langweilig.

Außerdem hat der Münchner mit ein paar Kumpels eine eigene Radiosendung namens „Biergebiete“. Einmal im Monat senden sie auf Radio Lora 92,4 spannende Themen über`s Bier. Dabei laden sie Personen aus dem Braugewerbe ein, diskutieren mit Experten über die Szene oder verkosten Live ein paar neue Sorten. Zwischendrin läuft ausgewählte Punk-Musik.

 

  1. Was ist passiert, damit du sich für den Brauer-Beruf entschieden hast?

Mit neun Jahren habe ich die ersten offenen Gärbottiche gesehen, die mich bis heute faszinieren. Eigentlich wollte ich aber immer Lebensmittelchemie studieren. Bin dann aber doch auf Brauwesen und Getränketechnologie gekommen.

 

  1. Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das war 2009 mit zwei anderen Studienkollegen. Da haben wir ein IPA mit deutschen Hopfensorten gebraut. Die Biersorte kannte zu dem Zeitpunkt noch keiner😉

 

  1. Welche anderen Brauer/Brauereien haben dich am meisten inspiriert?

Eric Toft und Ludwig Narziß.

 

  1. Welches Bier (außer den eigenen) würdest du deinem besten Freund empfehlen?

Den Gutmann Weizenbock. Für mich eins der besten Biere der Welt.

 

  1. Was sind deine Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Vollster Einsatz fürs Produkt mit allen Optionen.

 

  1. Was sind Deine Lieblings-Hopfensorten?

Alltime-Classics: Saphir, Saazer, Tradition, Tettnanger, Mittelfrüh

Zurzeit: Zuchtstamm 10416

 

  1. Mit welcher berühmten Person würdest du gern mal anstoßen und warum?

Carl von Linde. Würde mich bei ihm für die wohl beste Erfindung aller Zeiten bedanken: Das Kühlsystem.

Craftwerk Brewing: Session Lager mit neuem Hopfenzauber

CraftwerkBrewingCallistaSeit dieser Brausaison gibt es wieder neue spannende Hopfensorten. Eine davon nennt sich „Callista“. Sie kennzeichnet sich durch längliche und große Dolden. Ihr Aroma: Multivitamin-Cocktail. In der Brauszene heißt es sogar, dass es der deutsche Amarillo werden könnte. Spannend, oder?

Und ich wollte ganz klar wissen, was da so dran ist. Daher probierte ich kürzlich das „Mad Callastia“ mit zarten 3,9 Prozent von Craftwerk Brewing. Das Session Lager des Kreativablegers von Bitburger ist eines der ersten, dass mit der neuen Sorte gebraute wurde. Im Glas strahlt schneeweißer Schaum auf purem Gold. Ein verwobenes Bukett von frischen Aromen der Sternfrucht, Stachelbeere und Limone strömt in das Riechorgan. Der Antrunk ist erfrischend, dezent süß. Am Gaumen schwirren dann komplexe Fruchtnuancen von Aprikose, Zitrusfrüchten und roten Beeren aus. Ein leichter Malzkörper mit einem grasigen Hauch des Hopfens vollenden das Ganze. Im Finish bleibt das Lager sogar noch mit einer dezenten Herbe zurück.

Fazit: Der Hopfen kann was! Ein Session Lager ist ein gutes Beispiel um den Konsumenten die neue Sorte vorzustellen. Trotz der geringen Prozentanzahl zeigt Callista, was sie kann. Wirklich hocharomatisch und komplex. Ich freue mich auf noch weitere Biere mit diesem grünen Gold. Olli Wesseloh von der Kreativbrauerei Kehrwieder hat beispielsweise ein IPA damit gebraut, das muss ich mir holen.

„Craft-Beer gibt’s hier“: Deutschlands erste gedruckte Craft-Bierkarte

Craft-Beer-KarteLiebe Craft-Bierfans,

wer kennt das nicht: Ein Trip in eine andere Stadt, Urlaub in einer anderen Region – viele Bars und viele Kneipen, aber wo sind die bierigen Hot-Spots? Wo gibt es das beste Bier? Selbst in der eigenen Region verbergen sich häufig Locations, die man vielleicht noch gar nicht kennt. Moritz Röder und ich haben daher die erste gedruckte Craft-Bierkarte aus der Taufe gehoben. Erst mal nur für München. Darin findet ihr die wichtigsten Anlaufstationen für unseren geliebten Hopfensaft in der bayerischen Landeshauptstadt. Ihr könnt die Karte ausklappen und ganz leicht wieder zusammenfalten. Passt also ideal in jede Hosen- oder Handtasche. Und wisst ihr was, sie ist auch noch kostenlos. Ihr findet die Karte etwa im „Biervana“, im „Red Hot“, aber auch beim „Getränke Walter“ oder im „Schwarzen Hahn“.

Gebt uns gerne Feedback, wie sie euch gefällt und ob es noch mehr davon geben soll.

Eine Homepage gibt es übrigens auch: http://www.craftbeerkarte.de

 

Riegele BierManufaktur & Sierra Nevada: „Bayerisch Ale 2“ – Freundschaftssud aus zwei Nationen

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Bayerisch Ale 2

Es ist schon etwas Besonderes, wenn eine bayerische Traditionsbrauerei wie Riegele in Augsburg mit Sierra Nevada, der wohl ersten Craft-Brauerei der Welt, einen Kollaborationssud braut. Und dabei geht es sogar schon um den zweiten gemeinsamen Hopfensaft. Der erste war ein Festbier, das im vergangenen Jahr extra zum hauseigenen Oktoberfest der US-Brauerei produziert wurde. Am Freitag präsentierten die Macher dann bei einem Top-Event im sommerlichem Sonnenschein ihr neues Werk namens „Bayerisch Ale 2“ im gemütlichen Biergarten der Riegele BierManufaktur.

  •    Brauerei: Riegele BierManufaktur (Augsburg) und Sierra Nevada (Chicago)
  •    Bierstil: Pale Ale
  •    Alkoholgehalt: 5,0 Prozent
  •    Stammwürze: 12° Plato
  •    Farbe: sonnengelb
  •    Schaum: feinporig
  •    Bittere: 33 IBU
  •    Hopfen: Hallertauer Mittelfrüh, Citra, Cascade, Simcoe, Amarillo, Mosaic
  •    Malz: Gerstenmalz (Steffi)
  •    Hefe: Riegele Irish Ale
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Die Bierpräsentation im Riegele Biergarten (v.l. Sebastian Priller, Ken Grossmann, Frank Müller)

Nachdem erst Sebastian Priller, Chef von Riegele, etwas zum neuen Bier erzählte, beschrieb Ken Grossmann, Gründer von Sierra Nevada, die sonnengelbe Kreation mit dem feinporigen Schaum. Auch Braumeister Frank Müller war sichtlich stolz auf sein Ale. Das darf er auch sein. Es duftet tropisch-frisch nach Maracuja, Grapefruit und Limone, aber auch nach Pfirsich und Blutorange. Da zeigen schon die Hopfensorten was sie draufhaben. Im Antrunk fruchtig-süß, auf der Zunge dann prickelnd und schön erfrischend. Aromen von Maracuja, Aprikose und Pampelmuse begleiten einen harmonischen Malzkörper. Dezent säuerliche Nuancen, vermutlich von der Hefe, runden das Craft-Bier ab. Schließlich verabschiedet sich das vollmundige Ale mit zarten 33 Bittereinheiten.

Fazit: Durch seine Frische und Fruchtigkeit ist das „Bayerische Ale 2“ genau das richtige Bier für den Sommer! Es wirkt trotz tollem Aromareichtum eher leicht und überrascht bei jedem Schluck mit einer neuen Nuance. Da stimme ich Sebastian Priller bei seiner Aussage vom Freitag zu 100 Prozent zu. Er sagte: „Ein sehr komplexes, aber keineswegs kompliziertes Bier.“

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Ken Grossmann und ich

 

Brauer Portrait: Munich Brew Mafia – Vom Tap House zu Don Limone

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Niklas und Dario von der Munich Brew Mafia. (Foto: http://www.erikbohr-fotograf.com)

Dario Stieren und Niklas Zerhoch gelten derzeit als eines der angesagtesten Newcomer-Teams der Craft-Bierszene. Kein Wunder, denn schon mit 16 Jahren, als ihre Schulkollegen noch an der Limo nuckelten, verliebten sich die beiden Münchner in spannende Hopfensäfte. Schließlich ließ Dario sich zum Bier-Profis ausbilden. Er lernte sein Handwerk an der ältesten Bier-Uni der Welt in Weihenstephan – von der schon so manch internationaler Star-Brauer abging. Parallel machte der 25-Jährige auch noch seinen Biersommelier. Niklas dagegen studierte erst mal Geschichte und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Klingt jetzt erst mal nicht so nach Bier. Als er dann aber, so wie Dario auch, im Tap House der bayerischen Hauptstadt jobbte, kam er immer mehr mit der Sortenvielfalt von Craft-Bieren in Kontakt.

In diesem Jahr riefen die Münchner dann die Marke „Munich Brew Mafia“ ins Leben. Ihr erstes Bier unter diesem Label brauten sie in Gundelfingen – und dieser erste Sud kann sich sehen lassen. Aficionados dürfen sich gerade über ein neues IPA und bald noch auf viele weitere Kreationen freuen.

 

Dario und Niklas beantworteten die Fragen gemeinsam:

  1. Was ist passiert, damit ihr euch sich für den Brauer-Beruf entschieden habt?

Bier an sich ist ein spannendes und vielschichtiges Produkt. Handwerkliches und kreatives Arbeiten lässt sich im Craft-Bereich gut verbinden. Dazu kommt die technische Raffinesse und interessante Rohstoffe, die jedes Bier einzigartig machen. Nach nun fast sechs Jahren Brauen in der Küche haben wir den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

  1. Wann habt ihr euer erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

2010 dürfte das gewesen sein. Da bei uns kaum verfügbar, brauten wir ein Düsseldorfer Alt. Das Bier war recht ordentlich, jedoch kein richtiges Alt, sondern vielmehr ein Doppelalt. Wir haben versehentlich mit der doppelten Menge Malz eingemaischt.

  1. Welche anderen Brauer/Brauereien haben euch am meisten inspiriert?

An erster Stelle steht wohl Giesinger: Durch mehrere Praktika konnte ich (Dario) der Brauerei beim Wachsen zusehen und wir diskutieren auch heute gemeinsam immer noch regelmäßig bierige Ideen. Aber auch der Erfolg von Camba ist für uns interessant. Allein die Vielfalt der Biere ist wahnsinnig spannend. Und nicht zu vergessen: Tap House ist zwar keine Brauerei, jedoch der beste Arbeitsplatz und Inspirationsquelle erster Klasse.

  1. Welches Bier (außer den eigenen) würdet ihr eurem besten Freund empfehlen?

Bis auf wenige Ausnahmen mögen wir eigentlich alle Bierstile, wenn sie gutgemacht sind. Zu jeder Lebenslage gibt’s ein passendes Bier. Zum aktuellen Wetter würden wir zum Beispiel ein Oude Beesel Kriek empfehlen und dazu einen leckeren Tomate-Büffelmozarella-Salat.

  1. Was sind eure Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Innovation vereint mit Tradition und guter Technik – aber vor allem ist erlaubt, was schmeckt.

  1. Was sind eure Lieblings-Hopfensorten?

Mistral, Hallertauer Blanc, Hersbrucker, Citra.

  1. Mit welcher berühmten Person würdet ihr gern mal anstoßen und warum?

Am liebsten trinken wir Bier mit Familie und Freunden, jedoch wäre ein Stammtisch mit Gerhard Polt, Günther Grünwald, Monika Gruber und ALF sicher der Hammer!