Kuehn Kunz Rosen: Von schrillen Nächten, wärmenden Böcken und asiatischen Experimenten

In der deutschen Craft-Szene sind die Macher von Kuehn Kunz Rosen aus Mainz längst kein Geheimtipp mehr. Mit ihren experimentellen Suden überraschen sie aber dennoch immer wieder ihre Fan-Gemeinde mit ganz ungewöhnlichen Bieren. Neben den Klassikern „Kerlig Hell“, „Festland“ und „Mystique IPA“, kommen gerade neue Sude auf den Markt, die sich auch mal fernab der Zutatenliste des heiligen Reinheitsgebots bewegen und ideal zur Vorweihnachtszeit passen. Drei der neuen Spezialitäten möchte ich euch gern vorstellen:

„Gutenberg Bock“ – die innere Wärmflasche

Nach einem ausgiebigen Spaziergang in den Wintermonaten gibt es wohl kaum etwas Besseres im Glas, als einen kräftigen Doppelbock. So fließt die 8,5-prozentige Variante der Mainzer in einem leuchtenden Bernsteinton ins Glas, ein fast schon sahniger und cremefarbener Schaum legt sich oben auf. Im Duft entfalten sich malzige Noten von Karamell und Waldhonig sowie ein würziger Anklang, der wohl von den ein gesetzten Hopfensorten Magnum und Spalter kommt. Im Mundraum breitet sich der Bock vollmundig aus. Aromen von Karamell, Waldhonig und Orange prägen das Geschmacksbild. Das Finish bleibt aromatisch und wirkt angenehm wärmend.

Fazit: Ein schmackhafter Doppelbock, der wohl niemanden so schnell überfordert. Wer noch einen starken Begleiter zur Weihnachtsgans mit Orangensauce sucht: et voilà.

„Thaipa“ – die asiatische Geschmacksbombe

India Pale Ales werden inzwischen ganz unterschiedlich interpretiert, aber so eine Variante habe ich bisher noch nie getrunken. Sein ungewöhnliches Aroma erlangt das „Thaipa“ neben den Hopfensorten Summit, Lemondrop und Citra vor allem durch den Einsatz von Zitronengras, Kaffir-Limetten und dessen Blättern sowie Thai-Basilikum. Goldorange zeigt sich das 6,5-prozentige Ale im Glas, der schneeweiße Schaum bleibt stabil. In die Nase strömen süßliche und tropische Düfte und intensive Noten von Zitronengras, Zitrus und Thai-Basilikum. Auf der Zunge explodiert die asiatische Geschmacksbombe vollends und zeigt ihre ganze Aromabandbreite. Das IPA zeigt sich durch das Thai-Basilikum frisch und würzig-süßlich. Hinzu kommen die fruchtigen Töne der eingesetzten Hopfensorten und der Kaffir-Limette. Im Finish zeigt sich noch eine angenehme Herbe.

Fazit: Das Experiment ist definitiv gelungen, aber wohl nichts für standard-orientierte Craft-Fans. Das wirklich spannende Aromaspiel lässt sich wunderbar mit asiatischen Speisen kombinieren, die eine gewisse Schärfe aufweisen. Für den puren Genuss am Biertisch zeigt sich das „Thaipa“ indes als sehr ungewöhnlicher Trunk, aber es lohnt sich auf jeden Fall, ihn mal zu probieren.

„Schrille Nacht“ – das winterliche India Pale Ale

Dem Spielraum bei IPAs sind offensichtlich keine Grenzen gesetzt. In einer Kooperation mit den Machern von der Brauerei Schwarze Rose aus Mainz, ist dieses winterliche IPA mit 6,8 Prozent Umdrehungen entstanden. In den Kessel kamen Piniennadeln, Kardamom und Piment. So leuchtet das Bier in einem kräftigen Orangeton durchs Glas. In die Nase werden sofort tropische Noten vom eingesetzten Simcoe-Hopfen katapultiert. Dazu paaren sich waldige Aromen der Piniennadeln. Auf der Zunge entfaltet sich eine cremige Vollmundigkeit mit Noten von reifer Mango, Pinie und den weihnachtlichen Gewürzen. Das Ale bleibt noch lange angenehm mit einer sanften Herbe im Rachen zurück.

Fazit: Der erste Eindruck mag manche Genießer dezent an Hustensaft erinnern. Aber schon der zweite Schluck hat mich komplett überzeugt und zeigt, dass dieses unkonventionelle Aromaspiel wirklich Spaß macht. Wer also mal ein ganz anderes IPA probieren möchte, der kommt an der „Schrillen Nacht“ nicht vorbei.

Buchtipps: Von Trappisten-Suden, ungewöhnlichen Craft-Rezepten und bierigen Liebesgeschichten

Credit:Pixabay_Jarmoluk

Die erste Kerze brennt, der erste Schnee ist gefallen und das Weihnachtsfest steht kurz bevor. Da stellt sich bei vielen die Frage: Was soll ich verschenken und was wünsche ich mir? Hier kommen ein paar Tipps für interessante Bücher, die Freude, Wissen sowie Spaß vermitteln und ins Regal von Bierfans gehören.

„50 Craft-Bier Rezepte – Kreative Biere einfach nachgebraut“

Wie braue ich Session Pils, Witbier mit Basilikum, Melonen-Weizen oder California Common? Bierexperte Ferdinand Laudage präsentiert in seinem Buch fünfzig verschiedene Rezepte ganz unterschiedlicher Bierstile zum Nachbrauen – ganz nach dem Motto „Schluss mit der Ideenflaute und auf zu neuen Bier-Ufern.“ Die Auswahl der Rezepte reicht dabei von traditionellen Suden wie etwa Dortmunder Export, Irish Red Ale oder belgischem Tripel bis hin zu ganz ungewöhnlichen Hopfen- und Malzsäften wie Mango New England IPA, Coffee Stout und Pecan Nut Brown Ale. Neben erprobten Anleitungen des Autors, erhält die Sammlung auch exklusive Kreationen bekannter Craft-Bierexperten aus der gesamten Republik. So können sich Freizeitbrauer beispielweise auf die Spuren von Superfreunde, Atelier der Braukünste, Mashsee oder der Brauerei Flügge begeben und echte Bier-Highlights nachstellen. Pflichtlektüre für alle kreativen Hobbybrauer und die, die es noch werden wollen.

www.ulmer.de, 17,95 Euro

„IPA – A Legend In Our Time”

India Pale Ale ist der Mutter-Bierstil der internationalen Craft-Bierbewegung. Roger Protz schreibt in seinem Werk über die spannende Historie der hopfigen Typologie, die sicherlich viele so noch gar nicht kennen, den Aufstieg und den Abstieg des IPAs sowie die Craft-Revolution und die damit verbundene Renaissance des Stils. Zudem stellt er mehr als 160 verschiedene India Pale Ales rund um den Globus vor, die von klassischen Vertretern über saisonale Sorten und Bieren mit wilder Hefe reichen. Eine super Lektüre für Brauer, Biersommeliers und alle IPA-Fans, allerdings auf Englisch.

www.hugendubel.de/, 24,90 Euro

„Belgische Trappisten- und Abteibiere“

Dieser Bildband bietet eine Übersicht von 34 belgischen Trappisten- und Abteibieren – mit dabei auch viele unbekannte Sorten. Jef van den Sten beleuchtet dabei, wo diese Biere entstehen, wie sie sich unterscheiden und welche Besonderheit sich hinter jeder Sorte verbirgt. Der Autor stellt die Mönche der Trappistengemeinschaft sowie die Mitarbeiter der jeweiligen Brauereien vor, die jedes Rezept ausgearbeitet und die Produktpalette weiterentwickelt haben. Sehr informativ mit schicken Bildern, die auch Einblick in Räume der Brauereien gewähren, wo sonst niemand hindarf. Am besten ein Trappistenbier ins Glas schenken und schmökern.

https://gev.be/, 49,90 Euro

 „Bier mit Dir – Ein frischgezapfter Liebesroman“

Wer für die kalten Wintertage noch einen lustigen Roman sucht, in dem Bier einen dominanten Part einnimmt, der sollte sich mal das Buch von Marion Bischoff und Tina Grashoff zur Hand nehmen.

Klappentext:

„Wozu braucht man(n) eine Frau, wenn es Bier gibt? Ben führt einen erfolgreichen Bier-Blog und kümmert sich um ein großes IT-Projekt in der Firma. Privat läuft es jedoch alles andere als rund. Die Beziehung zu seiner langjährigen Freundin scheitert. Frustriert beschließt er ohne Frau zu leben. Wenn da nicht nur die neue Kollegin wäre. Lis, die im Job immer den Durchblick hat, steuert mit einem stalkenden Ex und einem auf Karriere versessenen Verehrer von einer Katastrophe in die nächste. Dabei stellt sie Bens Welt gleich mit auf den Kopf. Kann das gut gehen?“

Eine gute Unterhaltung, bei der sich die Frage stellt: Passen Bier und Liebe überhaupt zusammen?

https://r-m-v.de, 13,50 Euro

Kommentar: Stunde der Propheten

So mancher Craft-Fan dürfte erstaunt darüber sein, was selbsternannte Marktpropheten in letzter Zeit an Hiobsbotschaften über die Craft-Szene so rausposaunen: Demnach schwächelt der Absatz im Handel, die Branche habe ihren Zenit erreicht und alles in allem sei der Hype bei Kreativbieren inzwischen vorbei. Nach neusten Erhebungen des Marktforschungsinstituts Nielsen wurde 2018 im deutschen Einzelhandel angeblich erstmals weniger Craft-Bier verkauft als noch im Jahr zuvor. Der Markt für Craft-Biere – so das Urteil – befinde sich im Stadium der Konsolidierung.

Wir sollten uns grundsätzlich von solchen Umfragen nicht verunsichern lassen. Selbst wenn der Handel über sinkende Umsätze klagt, so darf man die vielen Craft-Events nicht vergessen, bei denen an einem Tag manchmal mehr ausgeschenkt wird als so mancher Supermarkt im ganzen Jahr verkauft. Vielmehr sollte der Einzelhandel auch mal über eine bessere Beratung zum Thema Kreativbiere nachdenken. Nur mal eben ein Regal mit alternativen Suden aufzustellen, reicht eben nicht aus.

Wenn sich der weltweit größte Braukonzern AB InBev an einem deutschen Craft-Pionier wie der Münchner Crew Republic beteiligt, mit Brewdog die wohl größte europäische Craft-Brauerei massiv in Berlin investiert, immer mehr Traditionsbrauereien sich an neue Hopfenbomben heranwagen und selbst einschlägige Braugiganten mit neuen Suden werben, kann das nicht bedeuten, dass ein Markt rückläufig ist. Ganz im Gegenteil. Forschungsergebnisse des renommierten Marktforschungsinstituts Mintel besagen vielmehr, dass Europa – und hier insbesondere Deutschland – inzwischen bei Produkteinführungen von Craft-Bieren sogar weitaus innovativer ist als Nordamerika.

Klar ist, der noch junge Craft-Markt durchlebt – wie auch jede andere Branche in ihren Anfangsjahren – gewisse Veränderungsprozesse. Konsolidierung ist dabei ein ganz normaler Prozess. Kreativbiere, so das Urteil wahrer Marktkenner, sind in der Gesellschaft angekommen. Definitiv! Auch wenn der Einzelhandel noch hinterherhinkt, steht fest: Der deutsche Craft-Biermarkt wird weiterwachsen und sich innerhalb einer Genussbranche weiter als feste Größe etablieren.

Erschienen in Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Mad Scientist: Sude aus Erlenmeyerkolben

Das Mad Scientist-Team. Credit: Mad Scientist

Budapest ist mit rund vier Millionen Touristen pro Jahr längst kein Geheimtipp mehr. Die Donaumetropole, gespalten in die Stadtteile Buda und Pest, zählt heute zu den hippesten Städten Europas. Was aber wohl die wenigsten Besucher wissen, in der ungarischen Hauptstadt tobt inzwischen eine quirlige Craft-Szene mit vielen jungen Brauereien, spannenden Suden und kultigen Bierbars.

Während die meisten Restaurants und Wirtshäuser zwar noch die klassischen Sorten der ungarischen Großbrauereien ausschenken, zieht sich durch die Innenstadt von Budapest eine neue Spur von Kneipen, die sich auf regionale und internationale Kreativ-Biere spezialisiert haben. Als die wichtigsten Hotspots für Craft-Jünger gelten derzeit Locations wie Hopaholic, Élesztő oder die Hops Beer Bar. Auch die Anzahl an Kreativbrauereien wächst in rasantem Tempo. Neben Horizont Brewing, Monyo Brewing und der First Craft Beer Company zählt vor allem die Manufaktur Mad Scientist zu den bekanntesten und besten Craft-Brauereien der Stadt.

Im zehnten Bezirk, im Stadtteil Kőbánya im Osten Budapests, finden Bierliebhaber diese neue Kreativschmiede, die frei übersetzt „verrückter Wissenschaftler“ bedeutet. Vor rund drei Jahren gründeten die ehemaligen Hobbybrauer Tamás Szilágyi, Gergő Závodszky und Csaba Tarján die Marke Mad Scientist und erzielten damit einen steilen Erfolg. Mit einem Ausstoß von mehr als 30.000 Liter pro Monat gehören die Ungarn damit zu den führenden Neugründungen in der Budapester Craft-Szene.

Mittlerweile besteht das Team aus 16 Leuten und produziert rund zwanzig Sorten aus silberglänzenden Sudkesseln. Zum kreativen Standartsortiment zählen neben spannendem IPA, ein Mango Milkshake Pale Ale, sowie ein Belgian Witbier, angesetzt mit der chinesischen Zitrusfrucht Yuzu. Als aktuelle Specials gibt es ein zwölfprozentiges Imperial Stout mit Marshmallows namens „Candy Man“, einen Barley Wine mit Ahornsirup und Orangenzesten oder zwei Imperial Gosen mit zehn Prozent Alkohol, gebraut mit Zimt, Laktose, Pflaumen und Tahiti-Vanille sowie eine weitere Variante mit Aprikosen-Püree.

Das Team von Mad Scientist übt sich zudem in der Kunst des Barrel Agings. Ein besonderer Trunk der Budapester ist ein siebenprozentiges Milkstout namens „Coffee of Champions“, das mit Kakaobohnen und Bourbon-Vanille gefinished wurde und in ehemaligen Whisky-Fässern von der schottischen Insel Islay lagerte. Außerdem überraschen sie mit diversen fassgereifte Imperial Stouts. Zu den Highlights der Nachwuchsbrauer zählt aber das 14,5-prozentige „Session Scotch“. Dabei handelt es sich um einen sogenannten „Zero Carbonation Barley Wine“ aus schottischen Single Malt-Fässern, der wie der Name bereits verrät, keine Kohlensäure besitzt, um den ureigenen Whisky-Charakter zu erzielen. Die Ideenschublade der Kreativlinge ist noch längst nicht leergeräumt. „Es gibt Zeiten, da bringen wir jede Woche ein neues Bier raus“, sagt Manager Márton Sefcsik. Und Dank der alljährlichen „Budapest Beer Week“ fänden die Sude auch immer mehr Anklang bei internationalen Interessanten.

Wer die Mad Scientist-Biere probieren möchte, der geht am besten ins Szimpla Kert, einer urigen Kneipenlandschaft in einer alten Häuserruine in der Kazinczy Straße. Im ersten Stock des spektakulären Baus finden Bierfans die Craft-Bar „Labor“, deren Name auch Programm ist. Auf Wunsch können Besucher hier alle Sude auch aus speziellen Erlenmeyerkolben genießen, die den Laborcharakter der Location noch unterstreichen. 

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Brauer-Portrait: Luis Seubert von True Brew Brewing – „Keine Berührungsängste vor alternativen Zutaten“

Luis Seubert

München hat eine neue Craft-Station. Die drei Kumpels Andreas Dünkel, Lucas Jochem und Luis Seubert öffneten vor wenigen Wochen ganz still und heimlich den Taproom „True Brew“ im Dreimühlenviertel. Aus zehn Hähnen fließen hier ihre eigenen Biere, die von IPA über Mexican Lager, Ambar Ale, Witbier und Helles, bis hin zu saisonalen Spezialitäten wie Pumpkin Ale reichen. Vier Sorten kommen aus den glänzenden Kupferkesseln hinter der Theke. Gerade erst füllten die Wahlmünchner ihr Vienna Style Lager auch in eine schicke Dose. Verantwortlich für die Sude ist Braumeister Luis, der die Biere als Gypsy in einer befreundeten Biermanufaktur braut. Die True Brew-Sorten besitzen den gewissen Kreativ-Kick und eine hohe Drinkability, um auch Craft-Novizen nicht zu verschrecken. Luis verrät, dass sich Bierfans künftig auf noch mehr besondere Spezialitäten in der neuen Münchner Location freuen können.

Die Fragen beantwortete Braumeister Luis Seubert:

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Die richtige Mischung aus handwerklichem Können, Sachverstand, Kreativität und Leidenschaft…

…und was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Weniger ist mehr, da bin ich einfach gestrickt. Der Teufel steckt meiner Meinung nach im Detail. Ich finde ein feines, ausbalanciertes Pils oder Helles meist spannender und außergewöhnlicher als IPA und Co. Zudem bin ich ein großer Freund von Single-Hop-Bieren. Ich finde es interessant ein Bier auf die Charakterzüge einer einzelnen Hopfensorte auszurichten und so voll zur Geltung kommen zu lassen. IPA-Experimente mit sieben, acht oder gar einem Dutzend Sorten sind zwar ganz nett, schmecken meistens aber alle nach tropischem Fruchtkorb, wobei die charakteristischen Nuancen der einzelnen Hopfen dann leider etwas auf der Strecke bleiben.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Das war wohl 2010 im ersten Berufsschuljahr: ein Pils, originale Erstabfüllung der Schulbrauerei um 1982 und somit knapp 30 Jahre in der Flasche gelegen. Ein über die Jahre wunderbar bernsteinfarben gewordenes, schaurig oxidiertes und geschmacklich pappig-flaches Bier. Trotzdem fand ich es spannend, was nach 30 Jahren Dornröschenschlaf in einer Flasche so passiert.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Ich habe generell keine Berührungsängste, solange es sich um natürliche Zutaten handelt. Wir haben ein paar Kreationen am Hahn, die mit alternativen Zutaten gebraut sind. Aktuell ein Pumpkin Ale, ein Mexican-Style Lager mit Mais und Limette sowie ein Witbier mit Koriandersamen und Bitterorangenschalen.  Auf der „to-brew-Liste“ steht auch noch ein Blood Orange IPA, aber da warte ich wohl noch bis Frühjahr/Sommer 2020.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Rindsrouladen von Oma und dazu ein kerniges Dunkles. Unschlagbar!

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Ich denke die Szene wird in den nächsten Jahren noch wachsen. Gerade im Süden der Republik ist im Gegensatz zu den Craft-Ballungszentren Berlin oder Hamburg noch viel Luft für kreative Köpfe. Der Qualitätsanspruch des Konsumenten wird noch deutlich steigen und somit auch der Anspruch an die Brauer und ihre Biere. Ich freu mich auf eine spannende Zukunft mit alten wie neuen Brauerkollegen, noch mehr interessanteren Bieren und einer Menge Spaß.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Wir haben gerade unsere erste Biersorte in die Dose gebracht. Da werden demnächst auch noch ein weitere folgen. Ansonsten habe ich für den Winter noch ein paar spezielle Biere geplant. Langweilig wird es also erstmal nicht.

True Brew-Theke mit glänzenden Kupferkesseln

Partnerprogramm: Riegele räumt bei European Beer Star ab

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Einmal mehr hat die Riegele BierManufaktur aus Augsburg Grund zu Freude: Am 13. November wurde auf der BrauBeviale in Nürnberg der European Beer Star verliehen. Diese Auszeichnung bei einem der weltweit bedeutendsten Bier-Wettbewerben ging 2019 an gleich zwei Riegele BrauSpezialitäten: Augustus 8 wurde mit Gold prämiert und Ator 20 erhielt eine Bronzemedaille. „Damit zählen unsere Biere zu den besten der Welt“, freut sich Brauereichef Sebastian Priller-Riegele. Und nicht nur das: Auch die Messebesucher der BrauBeviale wählten in einer Blindverkostung den Augustus 8 zum besten Bier und zeichneten ihn beim „Consumers Favourite Wettbewerb“ mit Gold aus.

Der Augustus 8, eine obergärige Starkbierspezialität, wurde dieses Jahr als Sieger der Kategorie „South German-Style Weizenbock Dunkel“ auserkoren, die „dunkle Versuchung“ Ator 20 machte als „German-Style Dunkler Doppelbock“ den dritten Platz. „Wir sind wirklich stolz, seit 2004 bereits 39 European Beer Star Awards erhalten zu haben! Und der Sieg beim ‚Consumers Favourite‘ Wettbewerb zeigt uns, dass unsere Biere auch bei den Biergenießern blind bestehen, das ist eigentlich die noch größere Ehre!“, sagt Sebastian Priller-Riegele. „Der Dank für diesen Erfolg gilt unserer Braumannschaft und dem gesamten Team. Die Auszeichnungen sind ein kleines vorgezogenes Weihnachtsgeschenk – und die beste Motivation, 2020 unsere Qualitätsansprüche konsequent weiterzuverfolgen.“

Im Juni wurde Riegele für herausragende Qualität bereits zum dritten Mal in Folge mit dem goldenen Bundesehrenpreis gekürt und damit zu Deutschlands Brauerei des Jahres ernannt.

Isarkindl: Lager-Spezialität mit wildem Hopfen aus den Isarauen

Xaver und sein Team beim Hopfenzupfen / Credit: Nicolas Martin-Beaumont

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Xaver Amler wohnt nur unweit der idyllischen Isarauen in Freising bei München. Als studierter Brauer und Chef von Isarkindl, fiel ihm bei Spaziergängen auf, dass am Rande des Flusses eine essenzielle Brauzutat wächst: Hopfen, allerdings in wilder Form. Es reizte den 32-jährigen Bayer enorm, damit ein spezielles Bier zu produzieren, das es so in der Welt der deutschen Biere wohl noch nicht gibt. So beobachtete und analysierte Xaver die wilden Dolden einige Jahre aufmerksam und tätigte mit geringen Mengen schon mal einige Probesude. Im vergangenen Jahr erntete er zum ersten Mal das grüne Gold an den Ufern der Isar im größeren Stil. Jetzt geht das Projekt „Wildhopfen Lager“ in die zweite Runde.

Von Anfang an sollte es mehr als nur ein Bier werden. Also holte sich der Freisinger seinen Kumpel und Fotografen Nicolas Martin-Beaumont ins Boot, der das Projekt schon 2018 mit Bildern und einer Video-Installation begleitete. Nicolas arbeitete bereits an Video-Experimenten mit Belichtung von Waldlandschaften. So gibt die Foto- und Bewegbilddokumentation einen Blick auf das Isarauen-Ökosystem und die handwerkliche Herstellung dieses Spezialbieres. Dabei ist klar: Das Projekt schafft ein wahrlich neues Erlebnis, um die Sinneseindrücke des wilden Hopfens durch Geschmack (Bierausschank), Bild und Ton (Video-Installation) dem Konsumenten nahe zu bringen.

Das bernsteinfarbene 5,1-prozentige Lagerbier, das mit einem feinporigen, schneeweißen Schaum getoppt ist, braute Xaver mit seinem Team beim Eittinger Fischbräu, nur knappe 15 Kilometer von Freising entfernt. Im Duft zeigt sich das untergärige Bier malzig und mit einer gewissen Würze des wilden Hopfens. Auf der Zunge breitet sich das Lager mit einer leichten Süße angenehm frisch aus. Ein honigartiger Malzton ergänzt das grasig-würzige und zart blumige Hopfenspiel, das durch sanfte Zitrus-Anklänge und eine angenehme Bittere abgerundet wird.

Xaver beim Brauen des Wildhopfen Lagers / Credit: Nicolas Martin-Beaumont

Wer Lust und Zeit hat, kann am kommenden Samstag und Sonntag (23. + 24.11.) innerhalb der „Biernissage“ im Wirtshaus Furtnerbräu in Freising das Bier probieren und sich über das Thema „Wilder Hopfen“ ausführlich informieren und unterhalten lassen.

Partnerprogramm: Riegele BierManufaktur bringt neue fassgereifte Spezialität heraus

Credit: Riegele BierManufaktur

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Seit Jahren steht die Riegele BierManufaktur für handgemachte Bierspezialitäten. Auch 2019 haben sich die kreativen Köpfe um 12-Sterne Braumeister Frank Müller und Biersommelier-Weltmeister Sebastian Priller-Riegele an die Königsklasse der Braukunst gewagt: Die Holzfassreifung. „Magnus 19 – Edition Rubin“ ist das 5. Jahrgangsbier aus der Augsburger Bierschmiede und besticht mit Aromen von Zartbitterschokolade und Süßkirsche – ein tiefschwarzer Jahrgang für echte Genussmomente.

Credit: Riegele BierManufaktur

Magnus 19 wurde in reiner Handarbeit in der Riegele BierManufaktur gebraut und in edlen Kirschbrand-Fässern ausgebaut. Diese besondere Lagerung bringt eine ruhige Perlage und weinige Holznuancen mit sich. Kräftig geröstete Malze sorgen für eine tiefdunkle Farbe und ein dominierendes Aroma von Bitterschokolade, abgerundet durch feine Kaffee- sowie Barrique-Noten und perfekt ergänzt durch die Veredelung mit süßer Rubin-Kirsche. Die 11Prozent Alkohol des Magnus 19 entfalten ihr volles Aroma am besten bei einer Genusstemperatur von 18 Grad. „Die perfekte Begleitung zu edlem Blauschimmelkäse“ schwärmt Sebastian Priller-Riegele.

Magnus 19 ist auf 1000 Flaschen limitiert und ab Mitte November bei ausgewählten Spezialitätenhändlern sowie Craft-Bier- und Online-Stores – sowie im Riegele BierLaden direkt in der Brauerei.

Schräge Biere: Kürbis im Kessel

In der Craft-Branche gibt es wenig Spezialitäten, die so stark polarisieren wie Kürbisbiere. Einst aus der Not geboren, pflegen Pumpkin Ales vor allem in den USA eine lange Tradition. Aber auch hierzulande wagen sich immer mehr Craft-Brauer an die frischen Feldfrüchte.

Bild von Jill Wellington auf Pixabay

Wenn im Frühherbst wieder die Felder in gelben und orangefarbenen Kürbisfarben leuchten, fiebert so mancher Craft-Fan schon den ersten Pumpkin Ales entgegen. Jedes Jahr um Halloween packen Brauereien rund um den Globus bevorzugt die schmackhaften Riesenfrüchte in ihre Sudkessel. Die saisonale Bierspezialität erzielt ihr besonderes Aromaspiel aber nicht nur durch Kürbisse allein, sondern auch durch Gewürze wie Muskat, Zimt, Nelken, Ingwer oder Vanille.

Herbstzeit ist also Hochsaison bei Kürbisbieren. Zwar spaltet diese Bier-Typologie die Meinungen vieler Craft-Fans, aber immer mehr Pumpkin Ales brodeln in den Kesseln – auch in Deutschland. Inzwischen gibt es sogar Pils, India Pale Ales, Porter oder Stouts, die mit Sorten wie Hokkaido- oder Butternut angesetzt werden. Bevor diese im Bottich landen, werden sie geschält, püriert und häufig sogar geröstet. Manche Brauer geben Kürbisse direkt mit in die Maische, andere erst zur kochenden Würze oder sie fügen ausgepressten Fruchtsaft bei.

Entstanden sind Pumpkin Ales angeblich im 17. Jahrhundert in den USA. Damals waren Kürbisse günstiger als Getreide und gerieten meist in den Sud der ärmeren Landbevölkerung. Irgendwann starben solche Sude aber weitgehend aus. Erst Mitte der 1980er Jahre – mit Beginn der Craft-Bierbewegung – experimentierten junge Kreativ-Brauer wieder mit dieser Spezialität. Eines der ersten neuen Pumpkin Ales soll Bill Owens in seiner 1983 gegründeten Buffalo Bill’s Brauerei in Kalifornien gebraut haben. Ein echter Klassiker stammt auch von Steamworks Brewing aus Vancouver in Kanada, dessen Brauer auch in dieser Saison wieder ihr 6,5-prozentiges „Pumpkin Ale“ produzierten. Gewürzt ist der Sud neben frischen Kürbis mit Zimt, Gewürznelken, Muskat und Piment. Das ungewöhnliche Aromatheater auf der Zunge erinnert an Omas Kürbiskuchen.

Eine wahrlich große Passion für Kürbisbiere besitzt aber die Elysian Brewing Company in Seattle. Das Brauerei-Team stockt ihr Portfolio im Herbst nicht nur mit 20 verschiedenen Pumpkin-Suden auf, sondern veranstaltet alljährlich das „Elysian Great Pumpkin Beer Festival“. Rund 60 Craft-Stätten schenken dort mehr als 80 unterschiedliche Kürbis-Varianten aus.

Aber auch hierzulande wagen sich immer mehr Craft-Brauer an die saisonalen Spezialitäten. Neben der Synde Brauerei aus Leipzig, präsentiert die Stuttgarter Cast Brauerei ein würziges „Pumpkin Ale“, das dort mit Bio-Hokkaido-Püree, Ahornsirup, Ingwer und Zimt gebraut wird. Beim Hopfengarten Bamberg dagegen spielt auch das grüne Gold eine wichtige Rolle. Durch Kalthopfung mit der Sorte Perle zeigt das Amber Ale „Kürbis King“ ein würziges und kräuterbetontes Aroma.

Kürbisbiere sind jedoch nichts für Jedermann. So schrieben sich Sudden Death Brewing vom Timmendorfer Strand und David Hertl von der Braumanufaktur im fränkischen Schlüsselfeld, auf die Fahnen, ein Pumpkin Ale mit hoher Drinkability zu kreieren. In den Kollaborationssud kamen getoastete Hokkaido-Kürbisse sowie Koriandersamen, Piment, Muskat und Zimt. Und auch wenn das Etikett auf der Dose anderes erwarten lässt, präsentiert sich das Bier mit der Unterzeile „Crazy Pumpkin Ale“ wirklich süffig mit dezentem Anklang aller Gewürze.

Erschienen im Meiningers’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Hanscraft & Co: Yakima-Valley versus Tschechien

„Split Decisions“ geht in die zweite Runde: Hans Christian Müller von Hanscraft & Co. aus Niedernberg bei Aschaffenburg legte bereits im Frühjahr zwei Biere auf, für die er den Sud teilte und mit unterschiedlichen Hopfensorten aus jeweils anderen Regionen braute. Bei den neuen Spezialitäten handelt es sich um zwei Double Dry Hopped Pales Ales mit 6,3 Prozent Alkohol. Das eine wurde mit tschechischen und das andere mit US-amerikanischen Hopfensorten gestopft.

Beide Ales unterscheiden sich kaum in der Farbe. Sie präsentieren sich in einem goldorangefarbenen Ton mit einer üppigen und stabilen feinporigen Schaumkrone. Den Unterschied macht das grüne Gold. So stecken in „Bohemian Crown“ jede Menge Kazbek und Sladek aus Tschechien, die dem vollmundigen Bier einen fruchtigen und blumigen Charakter schenken. Am deutlichsten dringen beim Bukett und auf der Zunge schmeichelhafte Zitrusnoten durch. Eine sanfte Herbe begleitet das Finish.

Die US-Version ist mit den Sorten Simcoe, Mosaic und Citra gebraut und duftet hopfig-grasig, zart würzig sowie nach reifer Mango. Das Ale fließt süßlich über die Lippen bis es sich mit einer moderaten Kohlensäure und fruchtigen Noten von Mango und Zitrus ausbreitet. Auch hier verabschiedet sich das Bier mit einer angenehmen Herbe.

Fazit: Beide Ales sind rund und harmonisch. Bei der tschechischen Version handelt es sich eher um ein dezentes Aromaspiel, während sich die US-Hops erheblich kräftiger präsentieren. Ich finde beide Biere gelungen und würde sie wieder ins Glas schenken. Auf einen Favoriten möchte ich mich daher nicht festlegen.