Termine für Online-Tastings

Liebe Community,

die digitale Verkostungsreihe „Kalsarikännit“ in Kooperation mit dem Biervana geht in die nächste Runde. Seid dabei, wenn wir am Freitag, den 10.12. um 20 Uhr, sechs spannende Craftbiere aus Bayern und am Samstag, den 18.12. um 20 Uhr, die besten Winter- und Weihnachtsbiere gemeinsam verkosten. Jede Menge Wissen, Spaß und bieriger Austausch mit tollen Leuten aus der gesamten Republik sind garantiert. Zudem erwarten euch interessante Special Guests.

Ich freue mich auf euch!

Verkostungspakete findet ihr hier:

„Craftbiere aus Bayern“

„Winter- und Weihnachtsbiere“

Privatbrauerei Zötler: Witbier aus dem Allgäu

Witbiere gehören für mich eigentlich eher in die Range der Sommerbiere. Doch die Version von der Privatbrauerei Zötler in Rettenberg im Allgäu präsentiert so ein tolles Aroma, dass ich sie meinen Freunden kürzlich als Aperitif einschenkte. „Herzsolo“ ist eine Hommage von Brauereichef Niklas Zötler an seinen Großvater Herbert Zötler II., der nicht nur ein außergewöhnlicher und charakterstarker Mann gewesen sein soll, sondern auch ein begeisterter Kartenspieler. Er hat wohl keine Gelegenheit ausgelassen, wenn es darum ging mit Freunden oder Kunden eine Partie Schafkopf zu spielen und meistens hat er angeblich gewonnen.

Bei dem Bier handelt es sich um hellgelben, opalenen, obergärigen Sud mit 5,2 Prozent Alkohol. Gebraut ist er mit Pilsner und hellem Weizenmalz sowie mit den Hopfensorten Magnum, Cascade, Centennial, Polaris und Mandarina Bavaria. „Herzsolo“ ist hopfengestopft und vergoren mit belgischer Witbier – und Zötler Weizen-Hefe. So duftet das Bier sanft malzig sowie fruchtig nach Banane mit würzigen und kräuterartigen Anklängen. Ein Hauch von Eisbonbon gesellt sich dazu. Im Mundraum zeigt sich „Herzsolo“ prickelnd und schlank mit einer zarten Malzsüße sowie mit fruchtigen Noten von Banane. Auch hier dringen würzige und kräuterartige Anklänge durch. Das Finale ist lang und aromatisch. Es zeigt sich einen dezent Hopfenbittere mit 33 Bittereinheiten.

Fazit: Eine tolle Interpretation eines Witbieres, in dem zwar stiltypisch noch Orangenschalen und Koriander stecken müssten, das aber auch ohne diese Rohstoffe eine volle Bandbreite der Aromen vorlegt. Macht sich super als Aperitif oder aber als schlanker Begleiter zu leichten Fischgerichten.

Deutsche Meisterschaft der Biersommeliers: Bronze nach spannendem Finale

Es gibt wieder mal etwas zu feiern – natürlich mit Craft-Bier vom Feinsten! Vergangenen Samstag habe ich zum ersten Mal an der deutschen Meisterschaft der Biersommeliers teilgenommen und auf Anhieb den dritten Platz abgeräumt – als einzige Frau im Finale. Der Wettbewerb fand in Gräfelfing bei München bei der Genussakademie Doemens und zum fünften Mal statt. In den Vorrunden mussten alle Teilnehmer, die aus ganz Deutschland kamen, zehn klassische Bierstile wie etwa Pils, Helles, Kölsch, Kristallweizen oder Altbier blind erkennen – und dabei auch noch zehn Bierfehler bestimmen. Im Halbfinale traten dann die besten zehn Teilnehmer im K.O.-Verfahren gegeneinander an, indem jeder ein unbekanntes Bier sensorisch beschreiben und die Typologie bestimmen musste. Schließlich mussten sechs Finalisten ein Bier präsentieren, das ihnen per Los zugeteilt wurde, und auch etwas zur Brauerei, Historie, Bierstil und Foodpairing erzählen. Mein Finalbier war das „Cuvée Barrique 2017“ von Schneider Weisse aus Kehlheim.

Und weiter geht’s: Im kommenden Jahr kann ich nach meiner Platzierung mit dem Team Deutschland zur Weltmeisterschaft der Biersommeliers fahren. Neuer Wettbewerb, neue Herausforderung, neues Glück – es bleibt spannend.

Credit: Doemens

Master of Beer: The next Milestone

Ein altes Sprichwort besagt, dass man im Leben nie auslernen sollte. Das gilt natürlich auch beim Bier mit seinen vielen Geschichten und den tausendfachen Aromen. Nach nunmehr zwei Jahren, zahlreichen Seminaren und Tastings, vielen Bierpaketen, zwei Prüfungstagen mit schriftlichem, praktischem und sensorischem Test sowie einer schriftlichen Masterarbeit mit begleitendem Kolloquium, wurde ich am Samstag mit dem Titel „Certified Member of the Masters of Beer“ ausgezeichnet.

Das war eine wirklich aufregende Zeit mit ganz vielen neuen Eindrücken. Bei den Seminaren konnte ich mein Wissen über Trappistenbiere, Rauchbiere und internationale Sauerbiere vertiefen sowie mich bei Themen wie Bieralterung in all seinen Facetten, den Einfluss der Hefe auf die Sensorik des Bieres, speziellen Foodpairings mit Käse und Schokolade, Sensorik in der Qualitätssicherung und verschiedenen Hopfenkursen weiterbilden. Meine Masterarbeit haben ich zu dem Thema „Wie die internationale Craftbier-Bewegung den deutschen Biermarkt umkrempelt“ geschrieben.

Das scheint bei der Prüfungsjury wohl ganz gut angekommen zu sein, denn jetzt gehöre ich zu den ersten acht Absolventen der internationalen „Masters of Beer“. Nach meiner Ausbildung zur Biersommelière und dem Abschluss zur staatlich geprüften Bier-Sensorikerin, bleibt jetzt kaum noch ein Wissensfeld übrig. Aber mal sehen, was als nächstes kommt.

Spannende Bierverkostungen für Einsteiger oder Fortgeschrittene – analog und digital

Bier ist ein deutsches Kulturgut, aber nicht nur Durstlöscher oder Wirkungsgetränk. Abseits der allgemeinen Wahrnehmung ist Bier ein Produkt mit gewaltiger Aromapalette und hohem Erlebnisfaktor. Tauchen Sie während eines Tastings ein in die Welt spannender Bierspezialitäten und lassen Sie sich von der Geschmackswucht auch gern mal fernab des heiligen Reinheitsgebotes überraschen. Es erwarten Sie geballtes Wissen einer professionellen Biersommelière, staatlich geprüften Sensorikerin und Member of the Institute of the Masters of Beer. Dazu kommt purer Genuss und viel Entertainment für Kundenveranstaltungen, Team-Events oder einen ungewöhnlichen Stammtisch mit Freunden. Vor allem in Zeiten von Corona kann ein Bier-Tasting ein besonderes Event als individuelle Weihnachtsfeier sein.

Entdecken Sie während einer Online-Verkostung oder in geselliger Runde vor Ort mit einer Vielfalt an Hopfen- und Malzspezialitäten aus verschiedenen Brauereien die neue kreative Bierwelt mit verschiedenen Genussthemen wie etwa.

  • Kreative Winterbiere
  • Die Welt der Craftbiere
  • Reise durch den Hopfenhimmel
  • Dunkle Leidenschaften
  • Bayerische Biere mal ganz anders
  • Die neue Welt der alkoholfreien Biere
  • … oder Sie legen Ihre Geschmacksrichtung individuell fest

Bei den Tastings dreht sich alles um interessante Geschichten zu den jeweiligen Bierstilen, den Brauern, der Sensorik und dem Brauvorgang, sowie den Rohstoffen und die News über den aktuellen Biermarkt – alles mit hohem Spaßfaktor. Die Abwicklung erfolgt mit einem renommierten Bier-Shop, der die Bierpakete rechtzeitig an die Teilnehmer verschickt. Das Meeting erfolgt über eine gängige Video-Konferenz-Plattform.

Schicken sie mir gern Ihre Vorstellungen und ich lasse Ihnen daraufhin ein auf Sie zugeschnittenes Angebot mit Bierauswahl, Verkostungsmaterial, Organisation und Vortragsinhalt zukommen.

Brauhaus Lemke: Charaktervolles Black IPA aus Berlin

Black IPAs polarisieren und sind nichts für Jedermann. Ich muss gestehen, dass ich manche Interpretation schon sehr spannend finde. Gestern hatte ich mal wieder die Version vom Brauhaus Lemke aus Berlin im Glas. Dabei handelt es sich aber keinesfalls um eine gewöhnliche Variante, sondern um einen Sud mit gewissem Roggenmalzanteil.

Wie der Name schon verrät, zeigt sich das7,2-prozentige „Black Rye IPA“ nachtschwarz im Glas, durchschauen kann man jedenfalls nicht. Ein beigefarbener, sahniger und stabiler Schaum liegt oben auf. Im Duft zeigen sich neben hopfigen Noten von roten Beeren und Zitrusfrüchten vor allem würzige sowie röstig-malzige Aromen von Schokolade, Kakao, Schwarzbrot und ein Hauch von Nuss. Im Antrunk zeigt sich das Black IPA malzig-aromatisch. Auf der Zunge breitet sich das Ale erfrischend-vollmundig bei einer moderaten Kohlensäure aus. Der Geschmack spiegelt das wider, was der Geruch bereits versprochen hat. Hier treffen zarte Toffee-Noten auf röstige Aromen von Schokolade, Schwarzbrot und Kakao sowie hopfige Töne von roten Beeren und Zitrus. Das Ale verabschiedet sich harmonisch mit einer Röstbittere sowie 65 Bittereinheiten vom Hopfen. 

Fazit: Dieses Bier besitzt definitiv Charakter und macht richtig Spaß. Vielfältige Aromen treffen hier auf eine deutliche, aber runde Röst- und Hopfenherbe, ohne die Harmonie zu verlieren. Das Berliner „Black Rye IPA“ gehört auf jeden Fall hierzulande zu den besten seiner Art.  

Yankee & Kraut: „The Next Thing“ – das etwas andere New England IPA

Das Team von Yankee & Kraut aus Ingolstadt ist nicht nur für hopfenbetonte Biere bekannt, sondern vor allem auch für neue Ideen. Gerade erst brachten sie wieder einen Schwung neuer Sude auf den Markt. Eines der Highlights ist für mich das 7,3-prozentiges „The Next Thing“. Der Name lässt bereits wieder großes erwarten. Bei dem Bier handelt es sich um ein Double Dry Hopped New England IPA, das Braumeister Bryan ordentlich mit Loral Cryo, Simcoe Cryo, dem Zuchtstamm HBC 630 Cryo und Sabro Cryo gehopft hat.

Im Glas zeigt sich das trübe NEIPA in einem ansprechenden Sonnengelb. Ein schneeweißer, feinporiger und beständiger Schaum komplementiert die Optik und macht Appetit. In die Nase schießen sofort die hopfigen Fruchtnoten. Der Genießer wird betört von Aromen von frischer Ananas, Grapefruit, Limone, Papaya, Pfirsich und einen sanften Anklang von beerigen Tönen. Im Mundraum präsentiert sich das Bier schlank, aber dennoch cremig. Die Kohlensäure ist moderat und ideal eingebunden. Auf der Zunge zeigt sich eine sanfte Säure sowie erneut eine fruchtige Mischung aus Ananas, Pfirsich, Limone, Grapefruit, Orange sowie ein Hauch von Kokosnuss. Das Ale verabschiedet sich mit einer zurückhaltenden Bittere.

Fazit: Wer es fruchtig-saftig, aber nicht zu deftig mag, der wird begeistert sein von diesem Bier. „The Next Thing“ ist ein super harmonisches New England IPA, das einen trotz 7,3 Prozent Alkohol nicht gleich erschlägt, so wie es durchaus bei dem ein oder anderem Vertreter von NEIPAs der Fall ist. Eine neue Art der Hazy IPAs mit einer wunderbaren Leichtigkeit?

Generationswechsel: Echtheit, Genuss und Lebensfreude

Niklas Zötler, Katharina Waldhecker und Johannes Ehrnsperger (v.l.)

Eine neue Generation von Brauern und Brauerinnen stürzt sich mutig ins Abenteuer, das Erbe ihrer Vorväter anzutreten. Welche Ziele verfolgen sie dabei, was wollen sie anders machen und mit welcher Strategie treten sie an, um sich auf einem schwierigen gewordenen Markt zu behaupten?

Jung, dynamisch, ehrgeizig: Töchter und Söhne traditioneller Brauereien übernehmen die Betriebe ihrer Vorfahren. Wie etwa Jungunternehmer Niklas Zötler (35), der seit nun knapp vier Jahren die Privatbrauerei Zötler in Rettenberg im Allgäu in 21. Generation führt. Aber auch Johannes Ehrnsperger (31) von der Bio-Brauerei Lammsbräu in Neumarkt in der Oberpfalz, der auf Enkeltauglichkeit setzt und Umweltschutz in der Flasche verkauft. Katharina Waldhecker (27) von der Brauerei Bauhöfer in Ulm hat ihre Marke nach der Übernahme vor rund einem Jahr komplett neu gedacht und steckt mitten im Modernisierungsprozess.

Ein Generationswechsel im Unternehmen ist häufig eine Herausforderung für alle Beteiligten. War es Ihre Entscheidung, die Brauerei zu übernehmen oder hat Sie dabei Ihre Familie beeinflusst und gelenkt?

Johannes Ehrnsperger: Dazu gedrängt wurde ich nie, aber wenn man in ein Unternehmen reingeboren wird, dann prägt das natürlich. Ich habe zwei ältere Schwestern, die wollten die Brauerei aber nicht übernehmen und hatten andere Pläne. Ich konnte mir das, je älter ich wurde, hingegen gut vorstellen.

Katharina Waldhecker: Auch meine Familie hat mir die Entscheidung zum Glück selbst überlassen. Es war allerdings ein längerer Prozess, bis ich mich final entschieden habe. Mit meinem Großvater habe ich früher schon Bierdeckel-Häuser gebaut und bin in der Brauerei rumgehüpft. Das sind positive Erfahrungen, die sich tief in mir abgelegt haben. Trotzdem war es für mich nicht immer klar, diesen Schritt zu gehen…

…und bei Ihnen, Herr Zötler?

Niklas Zötler: Bei mir war das etwas anders. Eine Erwartungshaltung von Teilen aus der Familie und der Öffentlichkeit gab es schon. Meine Schwester oder meine Cousinen wären ja auch für die Nachfolge in Frage gekommen. Aber für meinen Opa war ich als erster männlicher Nachkomme schon immer der Kronprinz. Meine Eltern haben jedoch nie Druck ausgeübt und keine Forderungen gestellt. Im Gegenteil. Mein Vater hat mir eher vermittelt, dass ich den Weg nur einschlagen sollte, wenn ich mich auch bereit dazu fühle und die notwendige Leidenschaft mitbringe.

Was hat Sie schließlich bewogen, die Herausforderung anzunehmen?

Niklas Zötler: Ich habe erst mal Betriebswirtschaft studiert, um mich nicht zu sehr einzuengen. In dieser Zeit ist mir bewusst geworden, dass ich den Braumeister machen möchte, um eine technische Grundlage zu schaffen. Als ich dann noch den Biersommelier draufgesetzt und noch mehr über Biervielfalt und Sensorik gelernt hab, war das Feuer vollständig entfacht.

Hätten Sie sich vorstellen können, auch etwas ganz anderes zu machen, Herr Ehrnsperger?

Johannes Ehrnsperger: Nein, bei mir stand eigentlich schon nach der Schule fest, dass ich die Brauerei übernehmen möchte. Beim BWL-Studium hat sich der Gedanke nochmal verfestigt. Die Übernahme lief allerdings nicht in direkter Linie, weil zwischen meinem Vater und mir ein Altersunterschied von 44 Jahre liegt. So haben wir für einige Jahre die Geschäftsführung bewusst in externe Hände gelegt.

Katharina Waldhecker: Ich habe auch erst mal BWL studiert und dann aber eine Tanzkarriere am Broadway in New York angepeilt. Mit 23, als ich den Bachelor gemacht hatte, habe ich mich überhaupt noch nicht bereit gefühlt, die Brauerei zu übernehmen. Mir war klar, was da für ein Lebenswerk dahintersteckt.

Wie wurden Sie auf die Aufgabe als Brauereichef*in vorbereitet? Hat Ihr Vater schon früh den geschäftlichen Rahmen für das Erbe geschaffen?

Johannes Ehrnsperger: Ich wurde schon während des Studiums in strategische Entscheidungen eingebunden, sodass die wichtigen Weichen im Austausch bereits in meinem Sinne gestellt werden konnten. Ich habe dann auch immer überlegt, was ich tun würde, wenn ich das allein entscheiden müsste. Zudem ist mein Vater jemand, der sehr langfristig denkt. Er hat sich vor 40 Jahren schon einen Lebensplan geschrieben, wo drinsteht, dass er mit 75 Jahren alle Anteile am Unternehmen, Entscheidungen und Verantwortungen abgegeben haben möchte. Das hat er konsequent durchgezogen.

Lässt er Sie machen oder will er noch mitreden?

Johannes Ehrnsperger: Dadurch, dass die Geschäftsführung bei meinem Einstieg schon ein paar Jahre in anderen Händen lag, hatte er sowieso schon eine Rolle im Hintergrund eingenommen. Meine Vorgängerin und ich haben dann ein Jahr gemeinsam die Geschäfte geführt, da durfte ich nochmal wahnsinnig viel lernen. Heute nutze ich aber bei wichtigen strategischen Entscheidungen gern noch den Rat meines Vaters.

Niklas Zötler: Mein Vater und ich haben uns für eine komplette Übergabe entschieden, das heißt, er ist an dem einen Tag als Geschäftsführer zurückgetreten, an dem ich übernommen habe. Für ihn war das genauso ein Entwicklungsprozess wie für mich. Er hat die Verantwortung nach 34 Jahren als alleiniger Chef abgegeben und ich war auf einmal in der finalen Entscheider-Rolle. Wir haben das zusammen super hinbekommen und auf seinen Erfahrungsschatz greife ich immer noch gerne zurück.

Wie haben Sie das als junge Frau erlebt?

Katharina Waldhecker: Wir hatten zwischen mir und meinem Opa einen externen Geschäftsführer in dessen Fußstapfen ich getreten bin. Er war zwanzig Jahre da und ist nach wie vor in beratender Funktion tätig. Da nimmt man viel mit, aber grundsätzlich denke ich, dass einen niemand direkt auf so eine Aufgabe vorbereiten kann.

Niklas Zötler: Das sehe ich auch so. Man trifft einfach ganz viele Entscheidungen zum ersten Mal und muss daher häufig ‚ins kalte Wasser springen‘. Gerade deswegen ist es doch echt spannend, wenn man zurückblickt und feststellt, heute würde man manche Entscheidungen vielleicht ganz anders treffen. Man merkt dadurch schnell, dass man Konsequenzen aus Entscheidungen nicht vorhersehen kann und dass man auch Fehler machen darf.

Herr Ehrnsperger, haben sie ähnliche Erfahrungen gemacht?

Johannes Ehrnsperger: Klar, aber für mich ist das die größte Challenge, weil ich, wie wahrscheinlich jeder junge Chef, natürlich keine Fehler und meine Aufgaben perfekt machen will. Aber: Lieber Fehler machen und Entscheidungen treffen, als passiv zu reagieren. Gerade dieser Spagat ist für mich täglich eine der größten Herausforderungen.

Katharina Waldhecker: Sehe ich genau so, denn am Ende müssen wir als Chefs den Kopf sowieso hinhalten. Das war die erste Lehre, die ich aus dem Job mitgenommen habe. Einfach machen, was ich im Moment für richtig halte…

…das erfordert Mut!

Niklas Zötler: Sicher, man lernt schließlich nie aus. Genau dieses kontinuierliche Lernen an mir selbst zu beobachten, macht mir viel Freude.

Welche Werte und welche Unternehmensphilosophie leben Sie fort?

Katharina Waldhecker: Die Philosophie eines Unternehmens muss keiner neu erfinden, die ist ja bereits da. Wichtiger ist doch, dass man darüber spricht. Genau das kam bei uns lange genug zu kurz. Ich versuche jetzt, verstärkt nach außen zu kommunizieren, dass wir ein Familienbetrieb sind.

Johannes Ehrnsperger: Ich glaube auch, dass jeder von uns die Philosophie eines Unternehmens mit langer Tradition bewusst weitertragen will. Dafür stehen doch erfolgreiche Unternehmen.

Niklas Zötler: Es ist ganz wichtig, schon vor der Übernahme zu verstehen, was die DNA des Unternehmens ist. Als Nachfolger transformiert man diese durch die eigenen Überzeugungen und den Führungsstil in die Gegenwart. Bei uns findet gerade ein starker Wandel statt und gleichzeitig bleiben essentielle Werte wie Heimatverbundenheit und Wertschätzung erhalten.

Was machen Sie denn nun anders als Ihre Vorgänger?

Niklas Zötler: Familienunternehmer sind meiner Meinung nach Typen, die sich durch ihre eigene Persönlichkeit in den Betrieb einbringen. Ehrlich gesagt sind mein Vater und ich wie Tag und Nacht. Ich bin viel emotionaler und leidenschaftlicher, ein Bauchmensch, dafür meist chaotisch und wälze Entscheidungen gern. Mein Vater akzeptiert mich aber so, obwohl ich auch einen anderen Spirit bei der Personalführung pflege.

Johannes Ehrnsperger: Bei uns hat sich die Kultur des Unternehmens geändert, weil die Familie wieder direkt am Ruder sitzt.

Frau Waldhecker, ganz offensichtlich haben Sie einiges umgekrempelt.

Katharina Waldhecker: Absolut, ich habe dem Familienunternehmen einen neuen, frischeren Auftritt gegeben und die Unternehmermarke in den Vordergrund gerückt. So zeigen wir auch eine andere Außenwirkung.

Haben Sie vor der Übernahme der Brauerei Erfahrungen in anderen Unternehmen gewinnen können, die sie jetzt einbringen können?

Katharina Waldhecker: Nach meiner Tanz-Zeit war ich zuerst beim Hofbräu in Traunstein im Vertrieb und Marketing tätig. Das war eine gute Schule, weil Bier in Bayern anders gelebt wird als bei uns in Baden-Württemberg. Aus Traunstein habe ich die Leidenschaft fürs Bier mitgenommen. Danach war ich noch bei der Dinkelacker Brauerei in Stuttgart. Erst mal woanders reinzuschnuppern hat mir echt geholfen und war viel Wert.

Johannes Ehrnsperger: Das kann ich nur unterstreichen. Ich habe nach meinem BWL-Bachelor noch ein duales Studium der Brau- und Getränketechnologie gemacht. Aber schon während des Studiums war es meine Intention, durch Praktika viele andere Bereiche und andere Branchen kennenzulernen. Die zusätzliche studienbegleitende Brauer- und Mälzerlehre bei der Distelhäuser Brauerei war aber ebenso wertvoll, zumal man als Azubi eine andere Perspektive gewinnt.  

Der deutsche Biermarkt wird sich bei sinkendem Bierkonsum wohl auch künftig ziemlich kompliziert gestalten. Welche Herausforderungen bedeutet das für Sie?

Niklas Zötler: Auch wenn der Konsum von Industrie- und Massenbier zurückgeht, sehe ich den deutschen Biermarkt definitiv nicht auf einem absteigenden Ast. Wir drei hier repräsentieren grundsolide Unternehmen, die vor allem darauf achten müssen, das Wachstum zu managen. Dabei profitieren wir ganz klar vom Trend zu regionalen Lebensmitteln. Ich habe absolut keinen Grund zu jammern.

Johannes Ehrnsperger: Ich kann mich auch nicht beschweren, was die Entwicklung unserer Brauerei betrifft. Corona war für manche in der Branche ein Brandbeschleuniger. Aber Unternehmen, die starke Marken präsentieren und gut positioniert sind, gehen gestärkt aus der Situation heraus. Das Grundproblem der hiesigen Branche sehe ich darin, dass viele Brauereien kopieren. Gerade bringt jeder ein Helles in der Euroflasche und im blauen Kasten raus, da wird’s dann irgendwann eng. Es ist doch viel sinnvoller, auf seine individuelle Einzigartigkeit zu setzen. Bei uns ist das die Nachhaltigkeit, also Enkeltauglichkeit. Wir verkaufen gewissermaßen genussvollen Umweltschutz in der Flasche.

Welcher Strategie folgen Sie, Frau Waldhecker?

Katharina Waldhecker: Ich sehe das ähnlich wie Johannes. Der Bierkonsum nimmt ab, aber genau deswegen ist es unsere Aufgabe, uns vom Wettbewerb abzusetzen und unsere Kunden mit individuellen Bierspezialitäten zu überzeugen.

Niklas Zötler: Ich bin mir auch sicher, dass gerade Authentizität und Transparenz für die jungen Generationen sehr wichtig ist. Unsere Bedürfnisse können wir als Familienbrauereien sehr gut befriedigen. Eine direkte Kommunikation zwischen Kunde und Brauerei über die verschiedenen Social-Media-Kanäle hilft hierbei natürlich.

Was macht einen gut gerüsteten Brauereibetrieb in turbulenten Zeiten aus? Mit welchen Visionen wollen sie die Weichen für die Zukunft stellen?

Katharina Waldhecker: Wir sind grundsätzlich noch am Anfang eines Modernisierungsprozesses mit ganz vielen to-dos in allen Bereichen wie Markenmanagement, Investitionsmanagement und Digitalisierung.

Johannes Ehrnsperger: Wir haben unseren Visionsprozess bereits durchlaufen und sehen Lammsbräu nicht nur als einen kleinen, enkeltauglichen Kosmos. Wir wollen als Leuchtturm fungieren, der auch andere Brauereien für Qualität und eine ökologische Lebensmittelherstellung begeistert und inspiriert.

Niklas Zötler: Eine starke Marke und eine klare transparente Preispolitik führen zu langfristigem Erfolg und geben uns die Möglichkeit erfolgreich zu wirtschaften. So können wir uns auch mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Spätestens 2030 wollen wir klimaneutral produzieren. Wir optimieren und digitalisieren unsere Prozesse. Aber das Wichtigste ist, charakterstarke sowie qualitativ hochwertige Biere zu brauen und dabei eines nie aus den Augen zu verlieren: Genuss und Lebensfreude schaffen.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Altenburger Brauerei: Winterbier zum Lebkuchen

Es bereitet mir immer wieder eine Freude neue Sude aus Traditionsbrauereien zu probieren. Die Altenburger Brauerei aus dem thüringischen Altenburg, südlich von Leipzig gelegen, legte in diesem Jahr gleich zwei Spezialitäten auf. Im Frühling war es ein sanft gehopftes „Sommerhelles“ und jetzt ein dunkles „Winterbier“. Dabei handelt es sich um ein 5,5-prozentiges Wiener Lager. Eines schon vorweg: Kann man locker auch im Herbst genießen.

Im Glas zeigt sich die untergärige Spezialität in einem attraktiven Kastanienbraun mit deutlichem Rotstich. In die Nase strömen angenehme malzig Noten von Karamell, Brotkruste und Nuss. Hinzu kommen ein würziger Anklang sowie ein Hauch von Nougat. Auf der Zunge präsentiert sich das „Winterbier“ mit einem schlanken und spritzigen Mundgefühl. Der volle Geschmack ist geprägt von nussigen, brotigen und karamelligen Noten. Ein würziger Anklang schwingt noch mit. Im Finish zeigt sich noch eine deutliche, aber angenehme Herbe, die in einen trockenen Abgang übergeht.

Fazit: Das Altenburger „Winterbier“ ist ein wirklich fein ausbalanciertes und aromatisches Bier, das einen mit seinen Aromen nicht erschlägt. Hierzu könnte ich mir sehr gut einen Lebkuchen als Pairing-Partner vorstellen. Da der Winter aktuell noch auf sich warten lässt, habe ich das Bier einfach zum gegrillten Steak genossen.

Schönramer: Balanceakt zwischen Tradition und Moderne

Qualitätsstreben, Experimentierfreude und ein kontrolliertes Vermarktungskonzept: Mit diesen Erfolgsfaktoren verwandelte der US-Amerikaner Eric Toft die Landbrauerei Schönram zu einem Geheimtipp für Craftbier-Fans aus aller Welt.

Braumeister Eric Toft

Es ist schon ungewöhnlich, dass die Biere einer 241 Jahre alten Landbrauerei aus dem tiefsten Oberbayern, heute zu den besten der Welt gehören. Im Nirvana des Voralpenlandes, 100 Kilometer südöstlich von München, irgendwo zwischen Traunstein und Salzburg, liegt die winzige Gemeinde Schönram, die im Kern seit jeher aus Kirche, Wirtshaus und Biergarten besteht, aber dennoch zur Hochburg faszinierender Sude für Craft-Fans rund um den Globus wurde.

Dass ein solcher Außenposten des Bier-Genusses zum Herzstück neuer Bierkultur werden konnte, ist vorrangig einem Mann zu verdanken: Dem US-Amerikaner Eric Toft, den es nach einem Studium der Geophysik in Colorado nach Bayern verschlug, um in Weihenstephan Brauwesen zu studieren. Er blieb im Bajuwarenland und steht nun mittlerweile seit mehr als 20 Jahren an den Sudkesseln der Privatbrauerei Schönram. Es ist keineswegs übertrieben, den 56-jährige Bier-Enthusiasten als Pionier der deutschen Craftbier-Branche zu bezeichnen.

Eric Toft war tatsächlich einer der ersten Brauer hierzulande, der sich an hopfenbetonte Kreativsude versuchte. Insider wissen, dass er damals die Craftbier-Bewegung aus seiner Heimat mit nach Deutschland brachte und 2009 zu den ersten hiesigen Braumeistern zählte, die ein India Pale Ale (IPA) und ein Imperial Stout auflegten. Die Pionierleistung von Toft erkennt auch Schönramer-Chef Alfred Oberlindober an, der auch nach zwei Jahrzehnten noch immer von seinem Braumeister in höchsten Tönen spricht: „Was besseres als Eric Toft hätte uns nicht passieren können, sein anhaltender Qualitätsgedanke mit immer neuen Ideen zählen zum Erfolgsgarant unserer Brauerei.“

Zur Erfolgsgeschichte der Braustätte mit angeschlossenem Bräustüberl und Biergarten rechnet der Schönramer-Chef aber auch Faktoren wie modernste Technik, Tradition und Regionalität. So stammt das Malz grundsätzlich aus bayerischem Anbau, der Hopfen aus der Hallertau oder aus Tettnang am Bodensee. Die hohe Rohstoffqualität macht sich bei den Bieren bemerkbar: Um gleichbleibende Qualität zu gewährleisten verschneidet das Brau-Team je nach Erntequalität verschiedene Hopfenjahrgänge. So dürfte es wohl eine totale Ausnahme sein, dass Biere, die zu fast 90 Prozent nur im Umkreis von 30 Kilometer ihres Entstehungsortes verkauft werden, hierzulande zu den international meistausgezeichneten Suden zählen.

So ehrgeizig wie sich das Brauerei-Management in Qualitätsfragen geriert, so konventionell und zurückhaltend ist auch die Vermarktungsphilosophie ausgelegt. Der Ausstoß liegt inzwischen bei rund 110.000 Hektolitern pro Jahr. Aber nach Aussagen von Toft, könnte die Brauerei sogar die doppelte Menge an Bier verkaufen, allerdings wäre es nicht qualitätsfördernd, die Produktion bis zum Anschlag auszureizen. „Wir wachsen jedes Jahr kontrolliert um etwa drei Prozent“, verrät Eric Toft in tiefbayerischem Dialekt, „mehr lassen wir nicht zu.“

So rosige Zeiten verzeichnete die 1780 vom damaligen Landwirt Josef Köllerer gegründete Braustätte nicht immer. In der Anfangszeit war sie mit angeschlossenem Wirtshaus und Stallungen in einer damals bevölkerungsarmen Region lediglich eine beliebte Anlaufstelle für Kutscher von Posttransporten zwischen Salzburg und München. Später florierte das Biergeschäft kräftig und die spätere Familienerbin Elisabeth Köllerer entschied sich in den 1950er Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann Alfred Oberlindober die Brauerei zu modernisieren.

In achter Generation führen nun die Nachfolger, Helga und Alfred Oberlindober, den Schönramer Betrieb. Seit sie – mit Weitblick – vor 23 Jahren den US-Amerikaner Eric Toft als Braumeister einstellten, hat sich vieles verändert in der einst eher konservativen Landbrauerei. Im Fahrwasser neuer Ideen wurde das Sudhaus und der Gärkeller erweitert sowie Abfüllanlage und Lagerkeller vergrößert. Zuletzt wurden vier neue Lagertanks mit 13.000 Hektoliter Volumen installiert.

Eric Toft ist heute froh darüber, nach seinem Braustudium in Weihenstephan ein finanziell äußerst lukratives Stellenangebot aus Saudi-Arabien ausgeschlagen zu haben. Nach seinem Studium und einem kurzen Intermezzo in belgischen Brauereien, arbeitete der Wahlbayer, der in seiner Freizeit das Tenorhorn der örtlichen Blaskapelle bedient, kurzzeitig in einer Brauerei im Chiemgau, bis er 1998 schließlich in Schönram begann.

Seine Intention war es, das Portfolio der Landbrauerei zu erweitern und den Konsumenten zu zeigen, was mit Hopfen innerhalb des Reinheitsgebotes alles möglich ist. Sein nachtschwarzes, 9,5-prozentige Stout führt die Brauerei noch immer erfolgreich im Sortiment. Das IPA wurde zeitweilig eingestellt, da es sich in der oberbayerischen Region nicht schnell genug verkaufte und Toft der Meinung ist, solche Biere müssten immer ganz frisch getrunken werden. Craft-Fans können jedoch hoffen: „Ganz sicher kommt bald wieder ein neues IPA raus,“ so der Braumeister, „dieses Mal als Session-Version.“

Aber auch die traditionellen Biere sind sortenspezifisch blitzsauber ausgebaut. Flaggschiffe der Schönramer Brauerei sind das Helle und ein Pils mit gut 40 Bittereinheiten. Beide Schöpfungen erleben jedes Jahr einen wahren Medaillen-Regen bei nationalen und internationalen Awards. Dabei exportieren die Bayern ihre Biere nicht einmal in alle Welt hinaus, sie werden vielmehr unter Liebhabern außerhalb Bayerns wie Trophäen herumgereicht.

Dass die Schönramer auch großen Wert auf saisonale Spezialitäten legen, ist für eine Landbrauerei nicht unbedingt ungewöhnlich. So sind Weizenbock, Winterfestbier und ein fruchtig-blumiges Sommerbier, sowie ein bernsteinfarbenes Wiener Lager im Herbst feste Größen im Portfolio des Hauses. Als besonderes Highlight der Schönramer gilt indes das „Grünhopfen Pils“, das ein florales, fruchtiges und grasiges Aroma präsentiert. In diese saisonale Spezialität gelangen nur frisch geerntete Dolden der Sorten Select und Tettnanger.

Besonders beliebt bei den Fans ist aber auch das „Bayerisch Pale Ale“, bei dem sich – nach Aussagen von Toft – durch einen Etiketten-Relaunch im vergangenen Jahr der Absatz nahezu verdoppelt hat. Dass er dabei die Hopfensorte Mandarina Bavaria einsetzt, hat einen Grund: „Ein richtig gutes Bier muss über eine eigene Handschrift verfügen sowie ein anhaltendes Durstgefühl auslösen, das selbst nach dem Genuss mehrerer Gläser nicht nachlässt,“ resümiert der Wahl-Bayer und nimmt einen kräftigen Schluck.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.