Super Freunde: Ein Super-Ale für den super Feierabend

img_20161118_182747In wahrscheinlich keiner anderen europäischen Stadt gibt es so viele Hotspots für Craft-Jünger wie in Berlin. Hier gibt es die meisten Kneipen, die meisten Braustätten und ganz schräge Biere. Eine der heißesten Anlaufstellen ist seit 2015 ein kleiner Laden im In-Viertel Friedrichshain mit dem ungewöhnlichen Namen „Frenc heartcrafted goods“. Den Gründern Michael und Stefan war von Anfang an klar, dass sie ein eigenes Hausbier brauchen: Ein Pale Ale. Nach reichlich Szene-Lob beschlossen die Connaisseurs schnell, dass es an der Zeit war auch eine eigene Biermarke auf den Markt zu bringen. Der Name: SuperFreunde.

Und dieses Berliner Pale Ale hatte ich kürzlich im Glas. Optisch macht das Etikett mit dem schwarz-weiß Spiel schon mal echt was her. Das „Super Ale“ kommt auf 5,9 Prozent Alkohol und wurde mit fünf Hopfensorten gebraut. Darunter der Klassiker Cascade, aber auch Columbus, Pilgrim, Centennial und Styrian Golding aus Slowenien, auch genannt Celeia. Kupferfarben scheint es durch das Glas, komplementiert durch eine schneeweiße Schaumkrone. In die Nase strömen Zitrusnoten von Limone und Orange sowie etwas Pfirsich, Pinie und zarte Karamellnuancen.

Auf der Zunge zeigt sich das Super-Ale mit einem frischen aber vollmundigen Körper. Es schmeckt grasig-würzig mit einer nussigen Komponente und einer gewissen Harzigkeit. Klar gesellen sich aber bei der Hopfengabe auch noch Zitrusaromen von Mandarine und Orange dazu. Eine feine Bittere rundet das Gesamtbild ab.

Fazit: Ein frisches und fruchtiges Pale Ale, das wirklich gut ausbalanciert ist. Nichts ausgefallenes, aber ein tolles Bier mit hoher Trinkbarkeit für den Feierabend oder einfach mal für zwischendurch. Das Pale Ale ist vermutlich erst der Anfang. Ich bin wirklich gespannt, was von den Superfreunden noch als nächstes auf den Markt kommt.

Top-Brauer: Oliver Wesseloh von Kehrwieder Kreativbrauerei, der vom Bier berührt werden will

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Oliver Wesseloh – Copyright: Julia Schwendner

Er war nicht nur Weltmeister der Biersommeliers. Oliver Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei ist auch Buchautor und braut mit „Wow-Effekt“einige der besten IPAs in Deutschland. Der Hamburger lebt quasi das Thema Bier mit allen Sinnen und zählt daher für mich zu den besten Brauern der Nation.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Hmm, da muss ich wirklich kurz überlegen… ich glaube technisch gesehen habe ich das erste Mal während meines Praktikums in der Hamburger Hausbrauerei Gröninger gebraut. Das erste eigene Bier braut ich dann zusammen mit Kommilitonen in Berlin – dabei ist die neugierige Katze einer Kommilitonin in die Maische gesprungen. Sie war aber auch sehr schnell wieder draußen. Trotz den Umständen, schmeckte das Bier echt gut.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen Kehrwieder Kreativbrauerei gekommen?

Als Hamburger wollten wir unsere Verbindung zur Stadt zum Ausdruck bringen. Die Kehrwiederspitze war die alte Hafenausfahrt und der Legende nach haben hier die Seefahrer-Frauen ihre Männer mit dem Wunsch „kehr wieder“ auf große Fahrt verabschiedet. Das passt natürlich perfekt zu unserer eigenen Geschichte: wir sind lange in der Welt unterwegs gewesen und haben viele Erfahrungen und Eindrücke gesammelt. Als der Plan reifte eine eigene Brauerei zu starten gab es für uns als Hamburger keine große Überlegung, wo man so ein Projekt startet – man kehrt wieder Heim! Abgesehen davon, hoffen wir unseren Beitrag dazu zu leisten, dass nach Hamburg zumindest ein Teil der Biervielfalt wiederkehrt die es hier einmal gab – auch wenn es noch ein langer Weg ist zu den 500 Braustätten die es zur Blütezeit der Hanse hier gab.
Kreativbrauerei ist wiederum unser Ansatz um unsere Philosophie und Anspruch darzustellen. Uns war damals schon klar, dass der Begriff „Craft Beer“ bzw. „Craft Brewery“ in Deutschland nicht funktionieren kann und wenn wir uns anschauen wie der Begriff heute vergewaltigt wird, sind wir sehr froh, uns von Anfang an davon distanziert zu haben.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss mich berühren! Auch wenn man schon viele tolle Biere probiert hat, gibt es immer mal wieder welche die einen „Wow-Effekt“ auslösen. Die einfach so spannend sind, dass sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen und man (fast) alles dafür tun würde um sich ein paar für den eigenen Keller zu sichern.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Sorry, aber das kann ich wirklich nicht so vereinfachen – das hängt viel zu sehr von der jeweiligen Situation ab. Aber ich versuche mal zwei Gruppen zu bilden: auf der einen Seite sind da Biere die eine sehr hohe „Trinkbarkeit“ mit genau so viel Charakter verbunden, dass sie spannend aber nicht aufdringlich sind. Die man quasi immer entspannt nebenbei trinken kann ohne dass sie langweilig werden. Zu der Gruppe zählt für mich z.B. das Sierra Nevada Pale Ale und unser Prototyp. Auf der anderen Seite sind da die Biere die eine unglaubliche Komplexität und ganz viel Facetten mitbringen. Biere die man nicht mal eben so trinken kann, für die man sich Zeit nehmen muss um sie zu entdecken so wie Firestone Walker Anniversary oder Rodenbach Vintage.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Mosaic, Simcoe, Callista, Hüll Melon, Saazer… – und mit jedem SHIPA kommen neue dazu.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Unmenschliche Belastbarkeit, Frustrationstoleranz, den Mut ständig neues zu wagen, gegen den Strom zu schwimmen, sich selbst und die Welt um einen herum ständig zu beobachten und zu hinterfragen sowie den absoluten Willen zur Perfektion.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Hmm, da gab es sicher einige, da ich ja (fast) alles probiere was ich in die Finger bekommen kann. Aber Dogfish Head „Chocolate Lobster“ ist sicher ganz weit vorne. Naja, und eben das mit der Katze…

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Tja, prinzipiell würde ich mich schon mal freuen wenn ich überhaupt die Zeit hätte mit meinem besten Freund mal wieder ein Bier zu trinken – wo ist da völlig nebensächlich.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Brauerei erweitern, noch mehr Rezepte die mir im Kopf rumspuken ausprobieren, Lobbyarbeit leisten, Neubau planen…

 

Weihnachtszeit: Craftige Bierplätzchen

img_20161127_124727Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Ja, die Vorweihnachtszeit und damit auch die Saison der süßen Schlemmereien mit Spekulatius, Lebkuchen und Plätzchen beginnt. Das Gebäck aus dem Supermarkt finde ich zwar schon ganz lecker, aber irgendwie auch langweilig. Deswegen habe ich mir einfach meine eigenen Bierplätzchen gebacken. Das ist nicht nur was für weibliche Schleckermäulchen, sondern auch für gestandene Mannbilder, denn der kräftige Geschmack des Bieres gibt dem Gebäck eine besondere Note.

Schon im vergangenen Jahr versuchte ich mich mal als Hobby-Bäckerin. Hat ganz gut funktioniert. Doch dieses Mal glaub ich, sind die süßen „Kekskrüge“ noch besser geworden. Um dem Teig das gewisse Etwas zu geben, schüttete ich das belgische Bier „Trappistes Rochefort 10“ mit rein. Die 11,3 Prozent schenken den Plätzchen neben etwas Wumms auch ein karmelliges Aroma und ein Touch von getrockneten Pflaumen. Oh ja!

Hier kommt das Rezept:

250 Gramm Mehl

150 Gramm Butter

100 Gramm Zucker

2 Eigelb

2 Päckchen Vanillezucker

1 Flasche Trappistes Rochefort 10

Wie es geht: Alle Zutaten in eine Schüssel geben. Aber Vorsicht: Von dem Bier nur ein paar Schluck. Den Rest könnt ihr euch einschenken und während der Backzeit genießen. Falls ihr doch zu viel von dem Trappisten reingeschüttet habt, gebt einfach noch etwas Mehl dazu. Alles zu einem geschmeidigen Teig kneten. Ausrollen, ausstechen und ab in den Ofen. Für etwa sechs Minuten bei 200 Grad. Nach dem Abkühlen kann jeder die Plätzchen gestalten wie er möchte.

Neue Bierwerkstatt: Hopfenhacker öffnet seine Pforten

20161123_174048In München tut sich was. Gestern eröffnete im Szeneviertel Haidhausen eine neue Brauerei. Nicht zu übersehen, hat Braumeister Werner Schügraf den Eingang zum sonst eher versteckten Hinterhof mit dem Logo seiner Marke „Hopfenhacker“ plakatiert. Draußen wabert Grillgeruch – es gibt Pulled Pork und Pulled Gans – und drinnen dominieren die Aromen von Hopfen und Malz. „Jetzt duftet es endlich nach Bier“, sagt der Braumeister freudig. Vorher war hier eine Bäckerei drin und es roch ziemlich unangenehm nach Schmalz.

Dem wahren Craft-Kenner ist die Marke vielleicht gar nicht so unbekannt. Seit einiger Zeit schenkt die Berliner Location „Meisterstück“ schon Hopfenhacker Biere aus, die Schürgraf erst auf einer kleinen Anlage im Südwesten von München braute. Jetzt verwirklichte der Diplom-Braumeister sich seinen Traum der eigenen richtigen Biermanufaktur. Frisch vom Fass zwickelte er gestern den Gästen seine Hanfblüten Weisse. Ja, da ist tatsächlich Hanf drin. Schmeckt ziemlich süffig und dezent hopfig. High wird man wohl aber erst nach ein paar Halben – aber dann nur wegen des Alkohols. Die anderen Sorten zapfte der aus Berlin angereiste Patrick vom Meisterstück-Team.

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Der Braumeister beim Zwickeln

Insgesamt bietet der Hopfenhacker jetzt sechs Biere an. Darunter drei „normale“ Sorten wie das „Handgehopfte Helle“, die „Hanfblüten Weisse“ und ein Märzen namens „Roter Münchner“. Dazu kommen aber noch ein paar kreative Sude. Der „Rote Wuiderer“ ist ein West Coast Ale mit Amarillo, Centennial und Citra Hopfen: Blumig, fruchtig, leicht malzig. „IP Brother’s IPL“ ist noch fruchtiger und hat es mit 7,5 Prozent auch ganz schön in sich. Kann man aber gut trinken. Gebraut ist es mit Amarillo, Centennial, Citra, Chinook und Taurus. Und dann gibt es noch „Kill Bill“. Hat zwar nur 4,4 Prozent, drin steckt aber Mosaic Hopfen und frische Bergamotte. Schmeckt schön leicht, frisch und peitscht exotische Früchte und Zitrus auf die Zunge.

Ich bin froh, dass sich in meiner Heimatstadt endlich mal wieder was tut. Und es lohnt wirklich, den Hopfenhacker mal zu besuchen, oder zumindest seine Biere zu probieren. Außerdem plant Schürgraf eine neue Bar. Dort soll es seine Biere, aber auch rund 40 weitere geben. Es bleibt spannend!20161123_182454

Brauer Portrait: Dominik von Broy Beer – neue Marke in der Bierhauptstadt

img_20161021_174452München hat eine neue Brauerei. Dominik und sein Partner André gründeten – von der Szene völlig unbemerkt – ziemlich genau vor einem Jahr die Marke „Broy Beer“. Und wie es sich für Craft-Brauer gehört: Ihr ersten Rezepte entwickelten sie erst in der heimischen Küche, jetzt in der Garage und als Gypsys verwirklichen sie die Sude dann in einer Partnerbraustätte. Bisher stehen zwei Sorten der beiden Newcomer in den Regalen: Ein Helles und ein hopfiges Pale Ale. Bald soll auch ein fassgelagertes Bier auf den Markt kommen. Interessanter Nebeneffekt: Bisher füllen die Münchner ihren Stoff ausschließlich  in Dosen ab.

Die Fragen beantwortete Dominik:

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Den ersten Broy-Sud habe ich 2011 in der Küche gebraut. Er war auf jeden Fall trinkbar, aber nicht gut ausbalanciert. Sud für Sud wurden Feinheiten geändert bis ich mit dem Geschmacksprofil zufrieden war. Es ist cool sein Bier von Sud 1 bis zu einem fertigen Produkt selber zu entwickeln und damit Bier-Fans zu überzeugen.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Broy“ gekommen?

Wir haben einen kurzen und schlagkräftigen Namen gesucht. Broy ist dann irgendwie aufgetaucht, ich weiß auch nicht mehr ganz wie, aber natürlich in Anlehnung an das deutsche Wort Bräu.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Das ist schwer zu sagen. Viele Biere sind außergewöhnlich hinsichtlich Zutaten, Brauprozess oder Geschmack. Ein wirklich außergewöhnliches Bier hat meiner Meinung nach, diesen gewissen „Wow-Effekt“. Wenn man nach dem ersten Schluck absetzt und sich denkt: „Leck mich – das ist echt gut“.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Das ist immer situationsabhängig. Zum Essen gerne hopfige Pale Ales und IPAs, einfach weil sie verschiedenste Gerichte super komplementieren und so nochmal ein ganz neues Geschmackserlebnis erzeugen. Auf ein Bier unter Freunden trinke ich in München gerne Helles, weil es vollmundig und trotzdem unkompliziert ist. Bei uns arbeitet aber auch der ein oder andere Stout Fan.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Hüll Melon – das ist einfach ein geiler Hopfen, und hoffentlich bald Teil eines unserer neuen Biere

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Die Grundvoraussetzung für gutes Bier, sei es bei einem Brauer oder Craft-Brauer ist die gewissenhafte, saubere und präzise Arbeit. Darüber hinaus muss ein guter Craft-Brauer aber vor allem kreativ arbeiten. Das fängt bei Rezepten an und hört im Vertrieb auf. Kreativität ist Fluch und Segen zugleich. In einer kleinen Brauerei hat man alle Freiheiten seine Kreativität auszuleben, was ein großer Vorteil gegenüber großen Brauereien ist. Andererseits kann man als Craft-Brauer ohne die nötige Kreativität, im deutschen Biermarkt nur schwer Fuß fassen.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Irgendwie ist jedes Craft-Bier etwas schräg, und das ist auch das Schöne daran. Jedes hat seine Eigenarten und Auffälligkeiten. Ob beabsichtigt oder nicht, bringt jeder Brauer seinen persönlichen Touch mit ins Bier. Wenn ich wirklich eins nennen müsste, dann wäre das wohl das Mikkeller „Spontan Sour Cherry“, einfach weil es so weit von dem entfernt ist was man in Deutschland als Bier kennt.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Am Tresen, in einer ruhigen Kneipe. Soll schon mal vorgekommen sein.