Hanscraft & Co.: Yakima-Valley versus Hallertau

Bei seinen neuen Juicy IPAs hatte Christian Hans Müller von Hanscraft wirklich eine spannende Idee. Beide Biere basieren auf dem gleichen Grundrezept, besitzen 6,3 Prozent Alkohol und strahlen zwillingshaft in einem attraktiven goldgelb durch das Glas, getoppt von einem schneeweißen, feinporigen und stabilen Schaum. Der Clou aber an den „Split Decisions“: Eines davon braute der Aschaffenburger mit Hopfensorten aus der Hallertau und das andere mit grünem Gold aus dem US-amerikanischen Yakima-Valley.

Christian steckte in sein „Hallertau Style“-IPA jede Menge an Hüll Melon, Hallertauer Blanc und Cascade. So duftet es angenehm blumig-würzig und fruchtig nach Pfirsich, Stachelbeere, Grapefruit und einem Touch Honigmelone. Auf der Zunge präsentiert sich das IPA erst hopfig-grasig, bis Aromen von gelben Steinfrüchten durchdringen. Ein dezent weiniger Hauch und eine solide Herbe runden das Bier ab.

In der „Yakima Style“-Version landeten dagegen die Hopfensorten Simcoe, Mosaic und Citra im Kessel. In die Nase steigen blumige und tropische Noten von Maracuja, Mango sowie Papaya. Im Hintergrund schwingt noch ein erdiger Anklang mit. Im Geschmack zeigen sich intensive Zitrusnoten, die von Maracuja, Mango und Papaya unterstützt werden.

Fazit: Beide Biere zeigen einen völlig unterschiedlichen Charakter. Obwohl sie das gleiche Grundbier besitzen, unterscheiden sich die Juicy IPAs stark. So wirkt das Ale mit den bayerischen Hopfensorten leichter, frischer und prickelnder mit höherer Süffigkeit. Das IPA im Yakima-Style dagegen besitzt einen cremigeren Körper und ein intensiveres Aromaspiel mit längerem Abgang. Ich mag beide Biere, weil jedes davon ein harmonisches sowie ganz individuelles Profil besitzt.

Inside-News: Stärkere Präsenz beim Meininger’s International Craft Beer Award

In den kommenden beiden Tagen startet wieder der Meininger‘s International Craft Beer Award in Neustadt an der Weinstraße. Deutschlands wohl wichtigster Craft-Bier-Wettbewerb geht damit bereits in die sechste Runde. Als erste externe Frau durfte ich schon beim ersten Mal mit in der Jury sitzen und die Entwicklung des Wettbewerbs seitdem miterleben. Umso mehr freue ich mich, ab heute offiziell als Vorstandsmitglied des Craft Beer Awards nominiert zu sein und künftig meine Ideen in diesen wichtigen Wettbewerb einbringen zu können. Nachstehend dazu die offizielle Pressemitteilung:

Neustadt, 13. Mai 2019

Teilnahmerekord beim Verkostungswettbewerb Meininger‘s International Craft Beer Award // Mehr als 1.200 Biere im Wettbewerb // Bier-Sommelière und Journalistin Mareike Hasenbeck ist neues Vorstandsmitglied

Noch nie wurden so viele Biere beim Meininger‘s International Craft Beer Award eingereicht wie in diesem Jahr. Rund 1.200 Biere werden am 14. und 15. Mai von einer Expertenjury in Neustadt/Weinstraße verkostet und bewertet. Damit wächst der Wettbewerb im sechsten Jahr seines Bestehens kontinuierlich weiter und er-zielt in diesem Jahr eine Steigerung um 12 Prozent. Neues Mitglied im Vorstand ist die preisgekrönte Journalistin und Bier-Expertin Mareike Hasenbeck.

1229 Biere aus 31 Ländern konkurrieren beim 6. Meininger‘s International Craft Beer Award um eine Auszeichnung. Eingereicht haben in diesem Jahr 250 Brauereien. Die geschmackliche Vielfalt umfasst 74 Kategorien und reicht dabei von holzfassgereiften Bieren, IPA, Pale Ale, helles Weizen über Freestyle Biere, Helles Pils, Kellerbier bis zu Export. Die Anzahl der alkoholfreien Biere beträgt knapp 50 (2018: 38). Der Anteil der internationalen Biere liegt bei 33 Prozent (2018: 23 Prozent). Unter anderem nehmen Biere aus USA, Tschechischen Republik, Taiwan und Dänemark teil. 93 Juroren aus 13 Ländern, darunter Brauer und Biersommeliers sowie Experten aus Forschung und Lehre, verkosten und bewerten die Biere an zwei Tagen.

Neues Vorstandsmitglied bei Meininger‘s International Craft Beer Award ist Mareike Hasenbeck. Sie ist von der DLG als sensorische Sachverständige zur Bewertung von Getränken im Bereich Bier zertifiziert und diplomierte Biersommelière. Die gelernte Journalistin betreibt seit sechs Jahren das Portal feinerhopfen.com und war damit eine der ersten Bloggerinnen, die sich der jungen Craft-Bierbranche widmeten. Darüber hinaus schreibt sie als freie Journalistin für Medien wie Focus und Lust auf Genuss, für Meiningers CRAFT-Magazin sowie für die Onlineauftritte der Getränkemessen wie drinktec und BrauBeviale. Für ihre journalistische Tätigkeit ist sie bei den „Beerkeeper Awards“ als beste Bierjournalistin im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet worden.

Christoph Meininger, Geschäftsführende Gesellschafter Meininger Verlag: „Wir freuen uns außerordentlich mit Mareike Hasenbeck eine der profundesten Kennerinnen der Bier-Branche an Bord zu haben. Mit ihrem langjährigen Know-how und ihrer ausgezeichneten Expertise wird sie den Vorstand verstärken und neue Impulse setzen.“

Mareike Hasenbeck, Vorstand Meininger’s International Craft Beer Award: „Der Wettbewerb zählt nicht nur zu den größten in Europa, sondern ist in seiner Vielfalt auch einzigartig. Die Auszeichnungen sind in der Craft-Beer-Branche sehr begehrt. Deshalb freue ich mich, Teil des Teams zu sein und den Wettbewerb gemeinsam weiterzuentwickeln.“

Partnerprogramm: Welde startet mit neuem Biergartenkonzept

Credit: Welde_RubenSchmitz

[Werbung] Rechtzeitig zum Maifeiertag öffnete der Weldegarten der Welde Brauerei in Plankstadt. Der neue Betreiber Benjamin Huckele und sein Serviceteam sowie die Küchencrew freuen sich darauf, ab sofort Genießern und Welde-Fans täglich ab 11 Uhr frische Salate, saftige Burger oder Steaks zu servieren. Passend zu den Gerichten gibt es kühle Welde-Bierspezialitäten, Pfälzer Weine und viele andere Getränke. Der Weldegarten ist auch bei schlechtem Wetter geöffnet – im überdachten und von großen Glasfenstern umbauten Patio lässt es sich bei Regen und kühler Witterung aushalten.

Für die neue Location wurden rund 1000 Quadratmeter Holz verlegt und verbaut – für Böden, Zaun und Möbel, aber auch für die Decke im Innenraum des überdachten „Patios“. Decken, Wände und Stahlträger haben die Maler ebenso wie das große Eingangstor mit Farbe versehen. „Das war durchaus eine Materialschlacht“, beschreibt Huckele die ersten Umbauarbeiten in seinem Weldegarten.

In der ersten Saison wird es zunächst nur eine kleine Speisekarte geben. Aber ab Frühjahr 2020 steht nach dem geplanten Küchenumbau alles für noch mehr kulinarische Genüsse und für große Events und Feiern im neuen Weldegarten bereit. Ab sofort und von montags bis freitags bieten Benjamin Huckeles Köche einen extra Mittagstisch zum Preis von 9,50 Euro pro Menü an. Zum Start am 2. Mai gab es beispielsweise andalusische Gazpacho und Pfifferlings-Nudeln mit weißem Spargel, geschmolzenen Tomaten und Rucola-Spitzen. Am nächsten Tag lockte das Team mit Karottensalat mit Kerbel und Graupenrisotto mit Grillgemüse und Wildkräutern. Die jeweilige Wochenkarte für die Mittagsmenüs kann natürlich vorab auf der Homepage und auf den Social-Media-Kanälen des Weldegartens eingesehen werden.

Weldegarten, Brauereistr. 1, 68723 Plankstadt

Telefon 06202/930067, info@weldegarten.de, www.weldegarten.de

Mo-Do 11-22 Uhr / Küche 11.30-21.30 Uhr, extra Mittagstisch 11.30-14.30 Uhr

Fr-So und Feiertags 11-24 Uhr / Küche von 11-21.30 Uhr, Fr extra Mittagstisch von 11.30 – 14.30 Uhr.

Sonn- und Feiertags kein extra Mittagstisch.

Brouwerij Kees: Flüssiges Dessert zum Sonntagsmenü

Wer kennt das nicht: nach einem guten Mahl ist der Bauch eigentlich schon gefüllt, aber häufig gelüstet es noch nach einem leckeren Dessert. Klar könnte man noch Kekse, Pudding oder Kuchen futtern, aber als alternativer Nachtisch ist ein kräftiges Bier doch viel interessanter. Mein Tipp ist das „Caramel Fudge Stout“ mit 11,5 Umdrehungen von der niederländischen Brauerei Kees, das nach einem üppigen Festmenü jedes Dessert toppen kann.

Fast schon ölig fließt das kastanienbraune Stout ins Glas, ein kräftiger Mokka-Schaum liegt obendrauf. Der Trunk duftet attraktiv nach Milchschokolade und Karamell. Vollmundig-cremig legt sich dieses Hammerbier auf die Zunge und präsentiert sich im Aroma als süße Karamell-Schoko-Bombe. Im Hintergrund spielt noch eine zarte Kaffeenote mit. Der eingesetzte Mosaic-Hopfen wird von den malzigen Tönen vollständig verdrängt. Im Finish bleibt das flüssige Dessert noch lang und angenehm am Gaumen kleben, so als hätte man gerade ein Stück Schokoladentorte verspeist. Die angegebenen 45 Bittereinheiten sind so eingebunden, dass sie kaum wahrnehmbar sind.

Fazit: Dieses Imperial Stout ist eine herrliche Alternative zu Kuchen & Co. Aber zugegeben kann man auch nicht mehr als ein Glas davon genießen. Mit 11,5 Prozent Alkoholgehalt und der süßlichen Aromawucht kommt das „Caramel Fudge“ doch sehr mächtig daher.

Off Flavours: Katzenurin, Klebstoff und Käsefüße

Bier ist nicht gleich Bier – auch dann nicht, wenn es sich um die gleiche Marke handelt. Manchmal schleichen sich schlimme Fehlaromen in den Sud, die nicht jeder gleich bemerkt.

Bier ist eines der aromatischsten und vielseitigsten Getränke der Welt. Aus der Kombination von Hopfen, Malz und Hefe lassen sich angeblich mehr als zweitausend unterschiedliche Aromen entwickeln. Doch neben schmackhaften Schokoladen-, Maracuja- oder Zitrusnoten platzieren sich häufig auch sogenannte Fehlaromen, die kaum ein Brauer absichtlich produziert, aber in den besten Häusern vorkommen können. Manchmal sind es Reste von Reinigungsmitteln, unkorrekt gelagerte Rohstoffe, Verpackungsfehler oder Nachlässigkeiten beim Transport.

Kochgemüse

Einer der häufigsten Bierfehler nennt sich Dimethylsulfid (DMS). In Geruch und Geschmack erinnert er an gekochtes Gemüse, Dosenmais oder Sellerie. In manchen hellen Lagerbieren tragen diese Komponenten allerdings in geringer Konzentration einen positiven Beitrag zum Gesamtaroma bei. Die Substanz kommt aus einer schwefelhaltigen organischen Verbindung, die beim Keimen von Getreide bei der Malzherstellung entsteht. Wenn der Brauer die Würze unzureichend kocht, dann treibt das DMS nicht ausreichend aus und es kommt zum Off-Flavour.


Credit:Clker-Free-Vector-Images – Pixabay

Medizin

Bier kann tatsächlich auch nach Zahnarztpraxis oder Krankenhaus riechen und schmecken. Diese Fehlsubstanz nennt sich Chlorphenol. Verantwortlich für das medizinische Aroma sind meist Rückstände von chlorhaltigen Reinigungsmitteln oder aber gechlortes Wasser, das beim Brauprozess verwendet wird. 

Käsefuß

Als besonders unangenehmer Nebengeruch gilt Isovaleriansäure. Sie macht sich bemerkbar durch ein abschreckendes käsiges und schweißiges Aroma in Geruch und Geschmack. Ursache für dieses Off-Flavour ist meist alter, oxidierter Hopfen oder Hefeautolyse, die vorkommt, wenn die Hefe keine Nährstoffe mehr bekommt und sich schließlich selbst auflöst.

Credit: Ponce_Photography – Pixabay

Butterbombe

Wer einen buttrigen, sahnigen, zum Teil auch ranzigen Touch in seinem Bier wahrnimmt, hat ganz klar Diacetyl vor sich. Bei geringer Dosis kann die Substanz auch leicht karamellartig erscheinen. In manchen Ales, Stouts und vor allem in böhmischen Pilsnern kann ein gewisser Anteil Diacetyl bewusst initiiert sein, weil es einen positiven Beitrag für einen weichen und milden Körper liefert. Produziert wird der Stoff durch die Hefe, der aber meist bei der Gärung wieder verstoffwechselt wird.

Katzenurin

Wenn Bier altert, dann findet eine Oxidation statt, die mehrere Aromen hervorrufen kann. Wenn der Prozess beginnt, dann nimmt der Trunk unangenehme Töne von Katzenurin an, den manche Menschen auch mit schwarzer Johannisbeere assoziieren. Bei einigen Bierstilen sind sherryartige Altersnoten sogar gewollt. Ein oxidiertes Bier kann aber auch abgestanden und muffig wirken, sowie nach nasser Pappe riechen und schmecken.

Babykotze

Zu den wahrscheinlich schlimmsten Off-Flavours gehört die Buttersäure, die im Bier an etwas Faules, an verdorbene Milchprodukte oder Babykotze erinnert. Verantwortlich für diesen Bierfehler ist meist eine bakterielle Infektion beim Produktionsablauf.

Credit:
Clker-Free-Vector-Images – Pixabay

Klebstoff

Eine geringe Reifung des Bieres kann dominierende Noten von Acetaldehyd entstehen. Der Gerstensaft präsentiert dann ein stechendes Aroma von grünem Apfel oder sogar Klebstoff. Auslöser sind nicht selten falsch eingesetzte Hefen, mangelnde Hygiene oder Fehler bei der Herstellungstechnik. Acetaldehyd kann auch für den Kater am nächsten Morgen verantwortlich sein.

Gletschereisbonbon

Wenn die Hefe gestresst ist, dann kommt es zu einer Überproduktion von Isoamylacetat. Bei der Gärung produzieren die Mikroorganismen sogenannte Ester, die häufig fruchtig erscheinen und an Banane oder Birne, aber auch an Gletschereisbonbon und Anis erinnern. In Weißbieren sind solche Aromen beispielsweise gewünscht, in vielen anderen Bierstilen allerdings nicht.

Credit: Skeeze – Pixabay

Stinktier

Steckt ein Bier in einer lichtdurchlässigen Verpackung, etwa in einer durchsichtigen Flasche, so ist es UV-Strahlen ausgesetzt und es bildet sich der sogenannte Lichtgeschmack. Überwiegend tritt er bei hopfenbetonten Sorten wie etwa Pils auf. Die Bitterstoffe des Hopfens reagieren mit dem Tageslicht und präsentieren ein schwefeliges, ziemlich unangenehmes Stinktier-Aroma.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Brewdog: Saure Himbeerbombe für den Frühling

Bei den warmen Frühlingstemperaturen darf es gern mal etwas erfrischend Saures sein. Kürzlich hatte ich das „Cosmic Crush Raspberry Sour“ aus der OverWorks-Serie von Brewdog im Glas. Die Schotten lassen das 5,8-prozentige Ale mit wilden Hefen wie Brettanomyces und Cher Ami vergären und verfeinern es mit Himbeeren. Anschließend lagert es in ehemaligen Sangiovese-Rotweinfässern aus der Emilia Romagna in Norditalien.

In einem attraktiven Himbeerrot strahlt das Sauerbier durchs Glas. In der Nase zeigt sich der pure Duft der Beerenfrucht mit einem dezenten Hefe-Touch. Auf der Zunge präsentiert sich das Bier prickelnd-sauer mit saftigem Fruchtcharakter. Dazu gesellen sich weinige, holzige und feinherbe Noten. Das lange Finish regt zum nächsten Schluck an.

Fazit: Ein perfekter Aperitif und eine hocharomatische Erfrischung für die warmen Temperaturen. Da ist den Schotten ein wirklich tolles Sauerbier gelungen, bei dem wirklich die Himbeere im Vordergrund steht.

Hoppebräu: Neues Biermekka im bayerischen Oberland

Das Warten hat sich gelohnt: Bei Kaiserwetter öffnete Markus Hoppe gestern offiziell seine Brauerei mit Gastronomie im bayerischen Waakirchen in der Nähe des Tegernsees. Mit idyllischem Bergpanorama im Biergarten oder mit Blick auf die glitzernden Sudkessel in der gemütlich eingerichteten „Zapferei“, können Bierfans künftig neun Hoppebräu-Biere – vom Weißbier über Double IPA und Kollaborationssude mit befreundeten Brauereien – frisch vom Hahn genießen. Der zehnte Hahn ist für ständig wechselnde Gastbiere vorgesehen. Fassgereifte Spezialitäten gibt es aus der Flasche.

Die gute Stube der „Zapferei“

Verhungern muss in der „Zapferei“ auch niemand. Es gibt eine kleine, aber feine Speisekarte mit zünftigen Brotzeit-Schmankerln und maximal zwei warmen Gerichten wie Biergulasch, Bierbratwürste oder Chili con Carne. Regionalität spielt bei den Hoppes eine bedeutende Rolle, so kommen die Zutaten von Landwirten aus der Region. Die Gastronomie betreibt Familie Hoppe selbst, die Leitung übernimmt Markus Mutter Susanne. „Wir haben ein Kommunikationszentrum geschaffen, in dem jeder mitmachen, hinterfragen und genießen kann“, schwärmt Markus bei seiner Begrüßungsrede, „und ich habe mir damit meinen größten Traum erfüllt.“ Sein Ziel ist es, noch mehr Menschen vom Bier zu begeistern, ganz egal ob Ausflügler, Sportler oder Urlauber.

Markus Hoppe und ich

Hoppebräu Zapferei:

Mittwoch und Donnerstag: 17.00-23.00 Uhr

Freitag: 09.00-23.00 Uhr (mit Weißwurstfrühstück)

Samstag: 10.00-23.00 Uhr

Sonntag: 10.00-20.00 Uhr

Hoppebräu GmbH
Tölzer Straße 37
83666 Waakirchen

Markus Hoppe bei seiner Begrüßungsrede

Craft-Bier des Monats: Hammerharter Hasentrunk zum Osterfest

Zu besonderen Feiertagen soll es auch ein ganz besonderes Bier sein. So öffnete ich am Osterwochenende als Dessert das Oak Aged Imperial Stout namens „Black Rabbit“ von Frau Gruber Brewing aus dem bayerischen Gundelfingen und Bierol aus Schwoich in Tirol. Die Jungbrauer ließen das 12-prozentige Stout knapp ein Jahr in Haselnuss-Likör-Fässern zur Vollendung schlummern.

  • Brauerei: Frau Gruber Brewing und Bierol
  • Herkunft: Deutschland und Österreich
  • Bierstil: Oak Aged Imperial Stout
  • Alkoholgehalt: 12 Prozent
  • Farbe: nachtschwarz
  • Schaum: feinporig, cremig, mokkafarben
  • Fass: Haselnuss-Likör

In einer fast schon öligen Konsistenz fließt das nachtschwarze Imperial Stout ins Glas, getoppt von einem mokkafarbenem Schaum. Es duftet malzig und nussig sowie neben dunkler Schokolade und Vanille auch kräftig nach Kokosnuss. Auf der Zunge präsentiert sich ein cremig-weiches und dezent süßes Mundgefühl, begleitet von intensiven Schokoladennoten, nussigen und röstigen Tönen sowie einem Hauch von Armarenakirschen. Im Finish bleibt das schwarze Karnickel noch lang und sehr angenehm am Gaumen haften.

Fazit: Das Bier war nicht nur wegen seines Namens und den vielen kleinen Hasen auf dem Etikett das perfekte Osterbier. Geschmacklich zeigt es sich vielfältig und komplex. Frau Gruber hat mit „Black Rabbit“ meine Erwartungen wieder mal übertroffen, deswegen küre ich den dunklen Kollabsud zum Craft-Bier des Monats.

„Pils braucht einen echten Imagewechsel“

Welche Konflikte gibt es, wenn Berliner Crafter ein Pils mit einem 230-jährigen Traditionsbetrieb gemeinsam brauen, der keine Erfahrung mit US-Hopfen und Kaltstopfung hat? Stefan Schröer von den „Superfreunden“ und Hubert Wagner vom fränkischen Wagner Bräu verraten, warum es bei den ersten Sud-Versuchen zu ernsthaften Komplikationen kam und wo der Unterschied zwischen Craft-Pils und Traditionspils liegt.

Interview im Sudhaus beim Wagner Bräu in Kemmern (v.l.: Hubert Wagner, Stefan Schröer, ich, Tobias Wagner und Marco Sgarra)

Es ist eher ungewöhnlich, dass eine fränkische Traditionsbrauerei ein modernes Pils mit Berliner/Hamburger Kreativ-Brauern produziert. Wie kam es überhaupt dazu?

Stefan Schröer: Der Kontakt kommt über das Brauhaus Binkert, bei dem wir ein paar unsere anderen Biere brauen. Es ist nur wenige Kilometer vom Wagner Bräu entfernt. Aber Hubert und sein Team gelten hier in der Region als echte Pils-Spezialisten.

Hubert Wagner: Es war schon echt ein cooles Gefühl, als die Superfreunde uns angefragt haben, ob wir ein Pils zusammen brauen wollen. Ich war da sofort Feuer und Flamme, auch wenn wir im Nachhinein ganz schön viel Lehrgeld bezahlen mussten.

Warum, was lief schief?

Hubert Wagner: Die Berliner wollten ein Pils mit ziemlich viel Hopfen, und der musste auch noch aus den USA kommen. Mit solchen speziellen Sorten habe ich zuvor noch nie gearbeitet. Auch das Stopfen war eine echte Herausforderung, da wir das mit unseren Bieren bisher noch nicht gemacht hatten. Bei den ersten Suden sind uns fast alle Leitungen bei der großen Menge an Hopfen verstopft, sodass wir einige Pumpen ausbauen und reinigen mussten. Nachdem wir aber viel rumprobiert hatten, lief irgendwann alles perfekt.  

Die Superfreunde sind keine gelernten Brauer, aber haben sich in der Craft-Szene bereits einen guten Namen gemacht, während das Team vom Wagner Bräu das traditionelle Handwerk beherrscht. Wer lernt hier eigentlich von wem?

Stefan Schröer: Wir setzen auf Transparenz und stehen auch dazu, dass wir keine ausgebildeten Brauer sind. Umso mehr schätzen wir es, dass wir mit echten Profis unser Pils entwickeln und produzieren können. Wir lernen gerne viel dazu und freuen uns auf jeden neuen Sud.

Hubert Wagner: Ich lerne von Stefan und Marco einiges über modernes Bier-Marketing. Es ist faszinierend, was die beiden da bewegen – auch bei Logistik und Vertrieb. Ich bin klassischer Bierbrauer und bewege mich immer nur zwischen Brauerei oder Gaststätte. Die beiden sind richtig gute und kreative Verkäufer. Wir dagegen haben unsere langjährigen Stammkunden, die zu uns kommen und sich ihre Kiste Bier häufig noch selbst abholen.

Stefan Schröer: Dieses regionale Kerngeschäft haben wir als Gypsy-Brauer dagegen nicht. Wir mussten von Anfang an auf breite Masse gehen und über die Kirchturmgrenzen hinaus verkaufen.  Das ist ein ganz anderes Business als bei Hubert.

Stefan, warum braut ihr ausgerechnet Pils? Das ist zwar das meistgetrunkene Bier in Deutschland, steht aber wegen seinem Einheitsgeschmack in der Kritik und gilt bei manchen Bier-Geeks sogar als Anti-Craft-Trunk.

Stefan Schröer: Wir als Superfreunde haben uns auf die Fahnen geschrieben, traditionelle deutsche Bierstile neu zu interpretieren und bringen nur Sorten auf den Markt, die uns selbst schmecken. Für uns war schon immer klar, dass irgendwann ein Pils auf der Agenda steht.

Solch klassische Bierstile verzeihen keine Fehler. Ist ein sauberes Pils im Portfolio auch für euch als Craft-Brauer ein Aushängeschild, um zu beweisen, dass ihr es draufhabt?

Stefan Schröer: Ich würde nie behaupten, dass wir es draufhaben, sonst würden wir uns mit fremden Lorbeeren schmücken. Gerade bei solchen Bieren, die keine Fehler verzeihen, schmeckt man schnell, wie viel Expertise dahintersteckt. Und genau deswegen sind wir hier bei Hubert.

Hubert Wagner: Und für uns ist es super, dass wir im Umfeld der Kreativ-Bier-Szene erwähnt werden und als Brauerei mit auf dem Etikett stehen. Das ist ein hoher Lohn für einen Regionalbrauer.

Aber wo seht ihr eigentlich den Unterschied zwischen Traditionspils und Craft-Pils? Das Handwerk ist doch prinzipiell bei beiden gleich. Geht es dabei also nur um den Hopfen?

Hubert Wagner: Ja, der große Unterschied ist tatsächlich der Hopfen und das Hopfenstopfen. In unserem fränkischen Pils, das irgendwo zwischen bayerischem Hellen und norddeutschen Pils liegt, setzen wir den Hopfen nur in der Vorderwürze ein. Das Verfahren hat schon mein Großvater so angewandt und überliefert. Bei den eingesetzten Hopfensorten handelt es sich also überwiegend um klassische Vertreter wie Spalter Select, Saphir und Tradition.

Stefan Schröer: In unserem Pils stecken dafür die amerikanischen Sorten Amarillo und Mosaic. Dennoch präsentiert sich unserer Pils mit urtypischen Pils-Charakter. Wir kombinieren also Tradition mit Moderne. Bei einem Craft-Pils ist die Preisstruktur allerdings ganz anders. Wir haben keine eigene Brauerei, sondern mieten uns beim Wagner Bräu, Brauhaus Binkert und dem CraftZentrum in Berlin ein. Deswegen haben wir viel höhere Braukosten, als jemand mit seiner eigenen Anlage. Auch die Logistik ist ein großer Kostenpunkt, die eine regionale Brauerei wie Wagner Bräu nur geringfügig hat, da viele Hektoliter direkt vom Hof weg verkauft werden und nicht deutschlandweit in die Läden müssen.

Viele Craft-Brauer hauchen gerade traditionellen Bierstilen wieder neues Leben ein. Braucht Pils einen Imagewechsel, um dem sinkenden Bierkonsum in Deutschland gegenzusteuern?

Hubert Wagner: Unbedingt! Da sich die großen Bierkonzerne irgendwann nur noch am Allerweltsgeschmack orientierten, ging die Wertschätzung vom Bier ziemlich stark zurück. Bier war plötzlich nur noch ein Industrieprodukt und die Verbraucher hier in der Region fingen an, nur noch auf den Preis zu schauen. Das wandelt sich gerade. Die Leute legen inzwischen wieder mehr Wert auf Regionalität und Qualität.

Dank der Craft-Bierbewegung, die bewirkte, dass die Leute sich wieder für Bier interessieren?

Hubert Wagner: Mit Sicherheit! Die Craft-Bierbewegung hat den Brauereien in der Region einen enormen Aufschwung beschert. Noch vor ein paar Jahren, haben die Betriebe hier meist nur gegeneinander gewirtschaftet, weil jeder Mitbewerber ums Überleben kämpfen musste. Jetzt ist das Brauereisterben bei uns so gut wie überstanden.

Craft-Bier-Kritiker behaupten, dass Kreativbiere hierzulande nur ein kurzlebiger Hype sind, der bald vorbei ist. Wie seht ihr das?

Stefan Schröer: Für mich ist Craft-Bier definitiv kein Hype. Vielmehr hat sich das Bewusstsein der Leute zum Bier definitiv verändert. Ich glaube nicht, dass es irgendwann einen Tag X geben wird, an dem man wieder zu alten Gewohnheiten übergeht.

Hubert Wagner: Ich denke, dass die Akzeptanz von hochwertigen Bieren in der Bevölkerung in den kommenden Jahren eher noch größer wird. Bier wird heute bewusster getrunken. Auch wenn einige Craft-Brauer ziemlich extreme Bier brauen, manchmal über das Ziel hinausschießen und das Reinheitsgebot kippen wollen, hat die neue Kreativ-Szene einen absolut positiven Einfluss auf den gesamten Markt.

Angeblich tun sich vor allem extreme Craft-Sude enorm schwer in der Gastronomie. Ist euer gemeinsames Kreativ-Pils als Eintrittskarte in die Restaurant-Szene gedacht?

Stefan Schröer: Ja, das würde ich schon so sehen. Mit Pils kann man die Gastronomie besser überzeugen, als mit einem extremen Hopfenhammer. Im Gegensatz zu IPA, Porter oder Stout müssen wir dem Wirt nicht erst erklären, was das für ein Bier ist, sondern nur verdeutlichen, warum es ein bisschen anders – und vielleicht sogar etwas besser – schmeckt. Wenn das funktioniert, dann lassen sich auch die anderen Sorten leichter nachschieben.

Wie kommt denn das Superfreunde-Pils in der Wagner Bräu Gaststätte an?

Hubert Wagner: Wenn unsere Stammgäste hören, dass da amerikanische Hopfensorten drin sind, dann wissen sie damit erst mal nichts anzufangen und rümpfen die Nase. Auch der Begriff Craft-Bier ist vielen Konsumenten in der Region noch völlig fremd und stößt eher auf Ablehnung. Aber wenn sie gut beraten werden und dann doch mal probieren, sind sie meist angetan.

Wird der Wagner Bräu dann vielleicht doch irgendwann ins Craft-Business einsteigen?

Hubert Wagner: Nein, ich denke eher nicht. Mein Sohn Tobias, der die Brauerei weiterführen wird, probiert mit einem befreundeten Braumeister aus der Nachbarbrauerei gerade unter der ausgelagerten Marke „Braurausch“ ein paar neue Sude aus. Aber Wagner Bräu steht für klassische Biere und das soll auch so bleiben. Außerdem glaube ich nicht, dass so ein Totenkopf auf dem Etikett, wie etwa bei den Superfreunden, bei unseren Kunden in der Region besonders gut ankommen würde…

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Galway Bay Brewery: Seebestattung ohne Leichnam

Ein Bier, das auf dem Etikett ein Ablaufdatum per 23. Dezember 2017 aufweist, würde wahrscheinlich kaum jemand anrühren. Aber manchmal ist es dennoch einen Versuch wert. So fand ich kürzlich im hintersten Abteil meines Bierkellers ein unfiltriertes Milk Stout mit dem vielversprechenden Namen „Buried at Sea“ der irischen Galway Bay Brewery und wollte es eigentlich gleich in den Orkus kippen. Dann wagte ich jedoch einen kleinen Schluck von diesem Trunk und war nicht nur erstaunt, sondern beim zweiten Schluck auch wahrlich begeistert.

Liegt es am Namen dieses Bieres, das locker übersetzt so viel heißt wie „Seebestattung“, denn die 2009 gegründete Brauerei liegt ganz im Westen von Irland an der Galway Bay mit Blick auf den Atlantik. Oder liegt es an den gesunden Kühen und der nachweislich guten Milch auf der grünen Insel. Umso erstaunlicher ist: Die ursprünglichen Bewertungen über diese Bier rangierten gerade mal im gehobenen Mittelmaß. Da überrascht, wie sich dieses Stout im Verlauf von gut zwei Jahren so lebendig weiterentwickelte.

Die komplexen Aromen dieses mit Milchzucker und dunkler Schokolade gebrauten Bieres haben sich nicht verflüchtigt und überraschen mit angenehmer Frische, einem geschmeidigem Mundgefühl, einer beständigen Krone und einer sauberen Drinkability. Über den cremigen, malzbetonten Einstieg machen sich im tiefschwarzen Sud leichte Röstnoten und mittelkräftige Bitternoten bemerkbar. Trotz der 4,5 Prozent Alkohol zeigt sich ein kräftiger Body mit einer fast öligen Textur.

Fazit: Klar, gerade bei weniger alkoholbeladenen Craft-Suden muss man aufpassen, wenn ein Bier nach dem Ablaufdatum seinen Zenit erreicht hat. Aber es gibt tolle Ausnahmen, wie dieses irische Seebegräbnis beweist. Auch mit ein wenig Patina ist „Buried at Sea“ – bei kühler Lagerung – heute noch ein attraktives Stout, dass sich vortrefflich zu süßlich Gerichten und intensiven Desserts eignet, aber auch perfekt mit einem guten Galloway-Steak harmoniert.