Top-Brauer: Hopper Bräu – Vom süffigen IPA bis hin zum Gurken-Bier

Sascha Bruns ist Craft-Brauer aus voller Überzeugung. In Berlin lernte er bei Kreativ-Pionier Thorsten Schoppe , bis er dann nach Hamburg ging und mit weiteren Craft-Nerds mitten in Altona „Hopper Bräu“ aufbaute. Seit vergangenem Jahr braut Sascha nun in der eigenen Halle rund zehn Sorten: Die Vielfalt reicht vom amerikanischen IPA über kreatives Weizen und saisonale Spezialitäten, die der Hamburger etwa mit Gurken oder Früchten würzt. Saschas Sorten sind kreativ, sehr gut trinkbar und zollen von hoher Qualität – deswegen gehört er für mich zu den Top-Brauern der Republik.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Mein erstes Bier habe ich tatsächlich erst mit Beginn meiner Ausbildung gebraut und zwar gleich auf der „großen“ Anlage. Von daher musste es gut werden – ich glaube, man konnte es auch trinken.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Hopper Bräu“ gekommen?

Den Namen haben wir uns zusammen ausgedacht. Abgeleitet von englisch Hopfen „hop“ , war uns wichtig, dass die Leute sagen können, wir gehen ins… So war Hopper geboren und außerdem kann man Hopper auch noch mit zwei Promille aussprechen. Das „Bräu“ ist dann der letzte Hinweis dafür, dass es sich um Bier handelt.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Ein außergewöhnliches Bier muss für mich nicht zwangsläufig auch ein Bier mit ungewöhnlichen Zutaten oder ein extrem seltener Bierstil sein. Manchmal reicht es auch, wenn ein vermeintlich „gewöhnliches“ Bier gut gebraut und unerwartete Spannung im Glas erzeugen kann.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Ehrlich gesagt habe ich gar keinen Lieblingsbiertyp. Ist bei mir eher von Tagesform und Wetter abhängig.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

 Mit den Hopfensorten ist es ähnlich wie mit dem Biertyp, da hab ich keine Lieblinge. Ich glaube auch, dass man sich eher eingrenzt wenn man nur bestimmte Hopfensorten favorisiert. Dafür gibt es einfach zu viele spannende Alternativen. Ich möchte eigentlich immer neue Aromen entdecken. Daher geht es mir mehr ums Ausprobieren. Ein Hopfen, der in dem einem Bier nicht passt, kann sich in einem anderen wiederum zur Aromabombe entwickeln.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Hm, kurze Antwort? Gutes Bier brauen zu können!

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Puh, hab mein Untappd- Account gelöscht und mir fällt spontan auch keins ein. Aber es war wahrscheinlich von Sebastian Sauer, einer meiner Lieblingsbrauer, wenn es um schräge Biere geht.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Solange ich mit meinem besten Freund Bier trinken kann ist mir der Ort völlig egal.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Noch viele (ich hoffe gute) Biere brauen.

 

Sierra Nevada: Orangen-Touch zur Entenbrust

20170514_135826Sierra Nevada, einst kalifornischer Craft-Pionier, gilt in der internationalen Bierszene inzwischen als renommierter Klassiker. Klar, dass ich gleich die neue Kreation aus dem Hause Grossmannprobieren möchte. „Sidecar Orange Pale Ale“ heißt das aktuelle Bier, das mit den Hopfensorten Cascade, Equinox und Mandarina sowie frischen Orangenschalen gebraut ist.

Das 5,3-prozentige Ale strahlt in einem orangefarbenen Goldton durch das Glas, stabiler schneeweißer Schaum toppt die Optik. Im Duft strömen dominierend Noten von Biskuit und Orangenschale in die Nase. Am Gaumen breiten sich harzige und karamellig-malzige Nuancen aus. Dazu gesellt sich eine herbe Kombination der Hopfenmixtur sowie ein zurückhaltender Orangen-Touch. Die 35 Bittereinheiten sind deutlich wahrnehmbar, aber keineswegs anstrengend im Finish.

Fazit: Sidecar ist ein angenehm frisches amerikanisches Pale Ale, bei dem sich aber leider geschmacklich zu wenig von den versprochenen Zitrus-Aromen am Gaumen bemerkbar macht. Mir fehlt etwas die Fruchtigkeit, die normalerweise bei den eingesetzten Hopfensorten durchdringt. Eher dominiert eine herbe Note, die wohl von der Orangenschale stammt. Dennoch passt es gut zur saftigen Entenbrust oder zum gegrillten Lachsfilet.

Glaabsbräu: Kreativer Sommerstoff aus Traditionshaus

20170523_123633Glaabsbräu im hessischen Seligenstadt ist als fast 300jährigeTraditionsbrauerei bekannt. Vor zwei Jahren startete das Team um Robert Glaab allerdings einen modernen Wandel. Erst bauten die Hessen eine neue Braustätte, und jetzt tritt das Familienunternehmen auch mit craftigen Sorten aufs Gaspedal. Ich hatte kürzlich das neue Session Lager namens „Hopfenlust“ im Glas.

Als ich auf dem Etikett die Hopfensorten lese, läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Gebraut ist das schlanke 3,8-prozentige Bier mit Citra, Cascade, Sorachi Ace und Summit. Ziemlich vielversprechend. Auch die sonnengelbe Farbe mit schneeweißer Schaumkrone macht Lust auf den ersten Schluck. Ein würzig-fruchtiges Bukett mit Grapefruit-, Aprikose- und Pfirsichnoten strömen in die Nase. Auf der Zunge breitet sich das Session schön vollmundig aus. Grapefruitaroma dominiert das Geschmacksbild. Dabei geht der typisch würzige Lager-Charakter allerdings nicht verloren. „Hopfenlust“ verabschiedetet sich mit 25 Bittereinheiten und einer lang zurückbleibenden Fruchtigkeit.

Fazit: Ich bin absolut positiv überrascht. Das Session Lager ist trotz geringem Alkoholprozent und schlappen IBUs keinesfalls wässrig oder langweilig. Ein frisches und fruchtiges Sommerlager aus dem Hause Glaabs, das Feinschmecker am See, zur Gartenparty oder zum Grillabend genießen können. Vorsicht, ungemein süffig!

Hopper Bräu: Alles Tutti Frutti

Hopperbräu_TuttiFruttiGralshüter des Reinheitsgebots würden dieses Bier wohl nicht anrühren. Gebraut ist „Tutti Frutti“ nämlich mit Beigaben, die dem 500 Jahre alten Marketingtrick ad absurdum führen. Im Sudkessel schwammen nämlich frische Gurken. Für mich ist dieses belgische Saison von Hopper Bräu aus Hamburg ein Musterbeispiel dafür, was auch ohne Regeln des Biergesetzes möglich ist. Das 5,6-prozentige Kreativbier ist Teil einer Serie der Brauerei, in der jede Kreation mit „irgendwas vom Feld“ überraschen soll.

Das hellgoldene Saison mit prachtvoller Schaumkrone regt allein schon optisch den Appetit an. In die Nase strömt mit dem Duft von fruchtaromatischer Hefe und feinster Essiggurke ein verführerisches Bouquet. Zwar irgendwie eine schräge Kombination, aber am Gaumen aber überzeugt das Bier mit einem spannenden Aromacocktail. Hier paart sich der Geschmack von Pfirsich, Banane und Orange mit den grünen und würzigen Noten der Salatgurke. Eine leichte Säure macht das Ganze spritzig-frisch. Hinzu kommt eine Herbe und Würze der amerikanischen Hopfensorte Jaryllo, die bevorzugt für belgische Stile verwendet wird. Zarte 35 Bittereinheiten runden das Gurken-Saison harmonisch ab.

Fazit: Ich bin wirklich wieder mal begeistert. Ein klasse Saison für den Sommer mit ungewöhnlichem Aroma der Gurke im Zusammenspiel mit den fruchtigen Noten des Hopfens und der Hefe. Der Name „Tutti Frutti“, der so viel bedeutet wie „alle Früchte“ passt also perfekt. Das Craft-Bier könnte man auch als Ersatz zu gurkigem Gin & Tonic genießen – ein echtes Genussbier.

Craft-Bier des Monats: „IPA 2+3“ – alkoholfreie Offenbarung

20170524_105316Sebastian Priller und sein Team sind bekannt für echte Spezialitäten und große Experimentierfreude. Gerade erst zeichnete das Meiningers Craft Magazin die Augsburger zum „Craft-Brauer des Jahres 2017“ aus. Und jetzt manifestiert die Riegele-Crew einen neuen Trend der modernen Bierszene. Beim Genuss der neuen Kreation des Hauses geht nicht nur autofahrende Craft-Liebhaber das Herz auf: „IPA 2+3 Liberis“ heißt der alkoholfreie Hopfensaft. „Die Zeit ist reif für so ein Bier“, bekräftigt Priller.

  •    Brauerei: Riegele Biermanufaktur
  •    Bierstil: alkoholfreies India Pale Ale
  •    Alkoholgehalt: alkoholfrei
  •    Farbe: sonnengelb
  •    Schaum: feinporig, cremig
  •    Hopfen: Mandarina Bavaria, Simcoe, Amarillo
  •    Malz: Pilsener, Steffi Malz, Weizenmalz
  •    Hefe: Irish Ale, Riegele Hefe

In einem attraktiven Orangeton – wie feinstes IPA – strahlt das Augsburger-Alkoholfreie im Glas, gekrönt von einem feinporigen, schneeweißen Schaum. Im Duft und auf der Zunge zeigt sich der Cocktail der eingesetzten Hopfensorten mit vollem Fruchtspektrum: gelbe Steinfrüchte, Papaya und Zitrus wie Grapefruit und Orange vereinen sich zu einem spannenden und harmonischen Gesamtbild. Der Körper wirkt keineswegs wässrig oder langweilig, wie bei so vielen alkoholfreien Bieren. Am Gaumen ist noch eine dezente Karamellnote sowie eine grazile Bittere im Abgang wahrnehmbar. Eine zarte Säure bringt eine spritzige Frische mit sich.

Fazit: Aus einigen Gesprächen habe ich rausgehört, dass viele Craft-Bierfans der Meinung sind, es braucht kein Alkoholfreies in der Szene. Sehe ich nicht so. Jeder kommt mal in die Situation, dass vor der Tür der Craft-Kneipe noch der Kraftwagen wartet. Aber nicht nur für Leute, die mit dem Auto noch nach Hause müssen, ist dieses fruchtige IPA ein Hochgenuss – auch als Feierabend-Schmankerl, zu Fischgerichten oder im Sommer, wenn die Sonne heiße Temperaturen vom Himmel brennt. Probiert es, es lohnt sich.

 

Top-Brauer: Munich Brew Mafia – Vierfachgehopftes Pils und Dekobier unter Wasser

Fotoserie / photographic series "MuenchnerMacher"
Niklas (links) und Dario von der Munich Brew Mafia in der Camba Old Factory. Foto: Eric Bohr

Dario Stieren und Niklas Zerhoch zählen mit ihrem Label „Munich Brew Mafia“ zu den spannendsten Newcomern der deutschen Craft-Bierszene. Neben vierfachgehopftem Pils verwöhnen die beiden Münchner die Gaumen der Feinschmecker auch mit rauchigem Dubbel, Hallertauer Blanc-Grünhopfenbier und fruchtigem Pale Ale namens „Golden Jail Ale“. Immer wieder tüftelt das Mafia-Duo an neuen Rezepten und Kollaborationssuden mit anderen namhaften Brauern. Ländergrenzen werden dabei gern überschritten und somit auch die Anerkennung international gesteigert. Dario und Niklas Biere sind kreativ, aber vor allem auch sehr gut trinkbar – deswegen gehören die beiden Vollblut-Bayern für mich zu den Top-Brauern der Republik.

Die Fragen beantwortete Braumeister Dario Stieren:

Dario, wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das ist nun fast sieben Jahre her. Es sollte ein Altbier werden, von dem mein Vater immer geschwärmt hat. Die Auswahl hier war spärlich. Versehentlich haben wir jedoch die doppelte Malzmenge eingemaischt. Das Resultat war ungeplant sehr stark, geschmacklich jedoch so gut, dass ich sofort das nächste Bier brauen wollte, ein Double-IPA.

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Munich Brew Mafia“ gekommen?

Die ersten zwei Teile sind dem Papagei-Syndrom eines Barkeepers zuzuordnen. Täglich durfte ich im Münchner Tap House verwirrten Biertrinkern aus aller Welt erklären, wo der Chiemsee liegt und, dass der Name unsrer regionalen, herausragenden Hausbrauerei „Camba“ und nicht „Cambia“, „Samba“ oder „Cambuia“ heißt. Warum das Menschen so schwerfallen kann, bleibt mir jedoch bis jetzt ein Rätsel. Daher die Ortsbezeichnung im Namen und ein Wort das direkt erklärt was wir machen: Brauen!

Der dritte Namensteil soll uns als Craft-Brauer identifizieren: Grenzlegales Brauen am Rande des Reinheitsgebotes, die Revolution aus dem Untergrund, Standards durchbrechen. Bevor es uns gab, hätte man unter den Suchbegriffen „München Brauerei Mafia“ eher – hier nicht namentlich erwähnten – sechs große Brauereien gefunden mit dem Vorwurf von Preisabsprachen etc. Das hat sich geändert: Jetzt kommen wir!!!

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Außergewöhnlich kann für mich jeder Bierstil sein – auch ein passioniert gebrautes, fehlerfreies Kellerbier aus Franken, das sich von anderen Bieren abhebt. Die Kunst steckt im Detail. Begeistern kann ich mich derzeit am meisten für kreative Neuinterpretationen. Wenn also ein Brauer die Grenzen der Style-Guidelines durchbricht und quasi einen neuen Stil erfindet. Ein Beispiel wäre das White-IPA: Ein Mix aus belgischem Weißbier und IPA. Wenn nun beide Bierstile klar zu erkennen bleiben und man sozusagen zwei Biere in einem kombiniert sensorisch erfassen kann, dann fasziniert mich das.

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Das kann man so nicht sagen, dafür liebe ich die Vielfalt zu sehr. Je nach Situation, Stimmung und natürlich auch Jahreszeit und Wetter, schöpfe ich gern aus dem Vollen bis es leer ist.

Besonders interessant finde ich die Kombination mit Essen: Wenn Aromen und Geschmäcker, Texturen und Mundgefühl sich zu einem raffinierten Ganzen fügen.

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Es gibt so viele tolle Hopfen….Das Beste ist eigentlich, dass auch hier durch die stets wachsende Vielfalt dem Brauer keine Grenzen mehr gesetzt werden. Jedes Jahr laufe ich mit funkelnden Augen über die Brauer-Fachmessen und erfreue mich über die neuen Züchtungen. Das Highlight des Jahres ist trotzdem noch der direkte Kontakt zu unseren Hopfenbauern. Die halten mich fast für verrückt, wenn ich bei der Ernte grinsend knietief in den Dolden stehe und riesige Säcke für mein Grünhopfenbier abhole.

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Produktion mit Leidenschaft, Liebe fürs Produkt, sich ständig weiterentwickeln, Kreativität, Wissen aufsaugen, Improvisationstalent und Frustrationstoleranz, wenn’s anders läuft als geplant. Am meisten aber eine fundierte theoretische und praktische Ausbildung. Und: ein Hauch von Wahnsinn.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Schräge Biere vom Stil her gab‘s viele. So wie etwa das amerikanische „Beard Beer“ mit Hefe aus dem Bart des Brauers. Ziemlich schräg war auch ein sogenanntes Dekobier (das ist ein Bier das man nach einem Tauchgang trinkt), dass ich mit einem ägyptischen Tauchguide noch unter Wasser – damit ihn keiner dabei erwischt – getrunken habe. Unter (Salz-)Wasser Bier zu trinken ist schwerer als zunächst vermutet.

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Eines schönen Tages in der eigenen Brauerei…

Und was hast Du als nächstes vor?

Nur ein Stichwort: Untergärig.