Schräge Biere: Doppelter Rausch

Eine weltweit geschätzte Zauberpflanze ist bekannt durch viele Namen: Hanf, Cannabis oder Marihuana. Aber beim Genuss dieses Allroundgewächses geht es nicht nur um den Joint, sondern vielmehr um eine Universalpflanze, die bei Craft-Brauern und -Genießern immer beliebter wird.

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Hanf gehört zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt und gilt seit Jahrtausenden als eines der wirkungsvollsten Heilmittel für Erkrankungen jeglicher Art. Wen wundert da, dass das vielseitige Cannabisgewächs, als entfernter Verwandter des Hopfens, zunehmend auch im Sudkessel von Craft-Brauern landet. Wer sich hierzulande beim Genuss von Hanfbier allerdings einen doppelten Rausch verspricht, der dürfte enttäuscht sein. Nur in Ländern, in denen der Cannabis-Konsum gesetzlich erlaubt ist, kann ein Craft-Sud auch mal zur sanften Droge werden.

Aber den meisten Brauern geht es bei ihren Hanfbieren gar nicht um den Rausch, sondern vielmehr um das würzige und blumige Aroma der Pflanze. Verwendet wird das Gewächs in getrockneter Form, als Öl oder Extrakt. Manche Brauer setzen die Hanfblüten auch wie Hopfen beim Dry Hopping ein. Seit der Legalisierung von Marihuana in einigen US-Bundesstaaten hat sich Cannabis als Zutat im Bier dort sogar zum Trend entwickelt. Allerdings sind Sude, die mit dem berauschenden Stoff Tetrahydrocannabinol (THC) versetzt wurden, meist alkoholfrei.

Das gilt auch für die beiden erfolgreichen Sorten der „Ceria Brewing Company“ aus Colorado. Im würzigen Witbier namens „Grainwave” stecken fünf Milligramm THC, im IPA „Indiewave“ sogar noch etwas mehr von der psychoaktiven Substanz. Eine anregende Wirkung verspricht der Braumeister bereits nach 15 Minuten. Auch die Brauer der Flying Dog Brewery aus Maryland infundierten ihr „Hop Chronic IPA“ mit THC. Dafür kollaborierten sie mit einer spezialisierten Medical-Firma, sodass das Bier speziell für Cannabis-Patienten gedacht ist, die die therapeutischen Cannabinoide nicht rauchen wollen.

Solche berauschenden Sude suchen Hanf-Fans hierzulande bislang vergebens. Cannabis wird bei deutschen Brauern vielmehr als Aromabringer eingesetzt. Hanfbier-Vorreiter Philipp Overberg von der Gruthaus Brauerei in Münster produziert schon seit vier Jahren ein obergäriges, 5,6-prozentiges Landbier mit regionalen Cannabisblüten und grasigen, fast heuartigen Aromen. In Berlin führt die BRLO Brauerei sogar zwei „Cannabidiol-Biere“ im Sortiment. Ein knackiges Pils sowie ein 7,5-prozentiges Double IPA. Und in München hat der Hopfenhäcker ein 4,9-prozentiges Weißbier-Mixgetränk im Portfolio, das Werner Schürgraf für den würzig-blumigen Charakter mit Hanfblüten kaltstopft.

Auf Hanfblüten schwören auch die Macher vom österreichischen „BrauSchneider“. Ihrem 5,2-prozentigen „Hanfbier“, das angenehm nussige Noten hervorbringt, werden neben den Blättern reichlich Blüten hinzugefügt. Zu den Klassikern unter den Cannabis-Bieren zählt das „Californian Moonshine“ von „Tom & Harry Brewing“ aus der Steiermark. Das karamellige Lager ist mit österreichischen Cannabidiol-Hanfblüten gebraut, die sich mit Zitronennoten und einem würzigen Hanf-Touch vermählen.

Besonders beliebt ist der Einsatz von Cannabis auch in Biermischgetränken. So erweiterte Craftwerk Brewing aus Bitburg gerade das Portfolio mit einem „IPA Hanf-Radler“, bestehend zu 50 Prozent aus dem „Hop Head7 IPA“ und zu 50 Prozent aus Hanf-Zitronenlimonade. Das prickelnde Radler mit dem Geschmack von Zitrusfrüchten, Maracuja und einem grasigen Hanf-Touch macht zwar nicht high, ist aber eine wahre Erfrischung im Sommer.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Schräge Biere: Geschmackserlebnis aus dem Erdreich

Credit: Klosterbrauerei Neuzelle

Kartoffeln – in all ihren Erscheinungsformen – entwickeln sich immer mehr zu einer beliebten Zutat von Craft-Suden – vor allem in den USA. Obwohl nicht jedermanns Geschmack, überraschen manche Potato-Biere jedoch mit echten Aroma-Highlights.

Erdäpfel zählen zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln der Welt. Sie wachsen fast überall und gelten in verschiedenen Zubereitungsformen als nahrhafte Sattmacher schlechthin. Immerhin besitzen Kartoffeln viele Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiß und Ballaststoffe sowie Stärke und Proteine. Rund 4000 Sorten soll es rund um den Globus geben. Die Erdfrüchte haben jetzt auch das Interesse von Craft-Brauern geweckt. Schließlich gelten Kartoffelchips und Bier seit jeher als Traumpaar auf Partys oder vor dem Fernseher.

Doch viel spannender scheint es für Brauer zu sein, die Erdäpfel mit in den Sudkessel zu packen. So wagen sich inzwischen immer mehr Craft-Avantgardisten an wilde Experimente, zumal sich die Feldfrüchte durch ihre natürlichen Inhaltsstoffe ideal für den Brauprozess eignen und den Eigenschaften von Getreide sehr nahekommen. Für ihre ungewöhnlichen Biere verwenden Crafter die Kartoffeln in jeder erdenklichen Form: geschält, ungeschält, gerieben, geröstet, gebraten, als Flocken oder Brei. Auch bei der Sortenauswahl schränken sich kreative Biermacher nicht ein. Am häufigsten kommt allerdings die Süßkartoffel zum Einsatz, die für süßlich-würzige Aromaspiele sorgt.

So nutzt auch die Fullsteam Brauerei aus Durham in North Carolina regionale Süßkartoffeln in Form von Püree für ihr 5,3-prozentiges Sweet Potato Lager namens „Carver“. Das bernsteinfarbene Bier mit süßlich-würzigem Aroma zählt zu den Klassikern der Brauerei und fließt dort rund ums Jahr frisch vom Hahn. Die Macher der Piney River Brewing Company aus Missouri dagegen sehen ihr sechsprozentiges „Sweet Potato Ale” eher als rein saisonale Spezialität. Für das Bier ließen sie sich von ihrer Lieblingsspeise inspirieren: dem Süßkartoffelkuchen, ein traditionelles Dessert im Süden der USA. Bevor die Erdäpfel aber in den Sud kommen, werden sie vorher sorgfältig angebraten. So bringt das Ale ein Aroma von gerösteten Süßpotaten, Gewürzen und Vanille auf die Zunge.

Ganz anders präsentiert sich das Bier von der Lazy Magnolia Brewing Company. Bei der Version der Mississippi-Brauer handelt es sich um ein nachtschwarzes, 4,5-prozentiges „Sweet Potato Stout“. Hierfür landen frischgeröstete Knollen sowie Laktose mit im Kessel. So erhält der Sud eine süßliche Cremigkeit bei röstartigen Schokoladengeschmack, gepaart mit Noten von Kaffee, Karamell und Milch. Überhaupt scheinen sich Süßkartoffeln gut mit anderen Zutaten zu vertragen. So schwören auch die Kreativbrauer von Vault Brewing aus Yardley, bei Philadelphia auf die pikanten Feldfrüchte, allerdings in einer Kombination mit mexikanischer Vanille, Muskatnuss und Zimt.

Neben den Potato-Pionieren sind noch zahlreiche weitere US-Brauereien wie etwa Funky Buddha Brewery, Salty Nut Brewery, Epic Brewing Company, aber auch die Brouwerij Troost aus den Niederlanden und die Klosterbrauerei Neuzelle mit Erdäpfelsuden am Start. Die Brandenburger führen ihr „Kartoffel Bier“ mit 4,5 Prozent Alkohol sogar ganzjährig im Portfolio. Es präsentiert sich in goldener Farbe, mit einem milden Kartoffelgeschmack und würzigen Akzenten. Während die Potato-Biere auf Bewertungsplattformen bisher nicht unbedingt immer höchste Punktzahlen erzielen, lohnt es sich aber allemal, einen solchen Trunk zu probieren.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Schräge Biere: Kürbis im Kessel

In der Craft-Branche gibt es wenig Spezialitäten, die so stark polarisieren wie Kürbisbiere. Einst aus der Not geboren, pflegen Pumpkin Ales vor allem in den USA eine lange Tradition. Aber auch hierzulande wagen sich immer mehr Craft-Brauer an die frischen Feldfrüchte.

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Wenn im Frühherbst wieder die Felder in gelben und orangefarbenen Kürbisfarben leuchten, fiebert so mancher Craft-Fan schon den ersten Pumpkin Ales entgegen. Jedes Jahr um Halloween packen Brauereien rund um den Globus bevorzugt die schmackhaften Riesenfrüchte in ihre Sudkessel. Die saisonale Bierspezialität erzielt ihr besonderes Aromaspiel aber nicht nur durch Kürbisse allein, sondern auch durch Gewürze wie Muskat, Zimt, Nelken, Ingwer oder Vanille.

Herbstzeit ist also Hochsaison bei Kürbisbieren. Zwar spaltet diese Bier-Typologie die Meinungen vieler Craft-Fans, aber immer mehr Pumpkin Ales brodeln in den Kesseln – auch in Deutschland. Inzwischen gibt es sogar Pils, India Pale Ales, Porter oder Stouts, die mit Sorten wie Hokkaido- oder Butternut angesetzt werden. Bevor diese im Bottich landen, werden sie geschält, püriert und häufig sogar geröstet. Manche Brauer geben Kürbisse direkt mit in die Maische, andere erst zur kochenden Würze oder sie fügen ausgepressten Fruchtsaft bei.

Entstanden sind Pumpkin Ales angeblich im 17. Jahrhundert in den USA. Damals waren Kürbisse günstiger als Getreide und gerieten meist in den Sud der ärmeren Landbevölkerung. Irgendwann starben solche Sude aber weitgehend aus. Erst Mitte der 1980er Jahre – mit Beginn der Craft-Bierbewegung – experimentierten junge Kreativ-Brauer wieder mit dieser Spezialität. Eines der ersten neuen Pumpkin Ales soll Bill Owens in seiner 1983 gegründeten Buffalo Bill’s Brauerei in Kalifornien gebraut haben. Ein echter Klassiker stammt auch von Steamworks Brewing aus Vancouver in Kanada, dessen Brauer auch in dieser Saison wieder ihr 6,5-prozentiges „Pumpkin Ale“ produzierten. Gewürzt ist der Sud neben frischen Kürbis mit Zimt, Gewürznelken, Muskat und Piment. Das ungewöhnliche Aromatheater auf der Zunge erinnert an Omas Kürbiskuchen.

Eine wahrlich große Passion für Kürbisbiere besitzt aber die Elysian Brewing Company in Seattle. Das Brauerei-Team stockt ihr Portfolio im Herbst nicht nur mit 20 verschiedenen Pumpkin-Suden auf, sondern veranstaltet alljährlich das „Elysian Great Pumpkin Beer Festival“. Rund 60 Craft-Stätten schenken dort mehr als 80 unterschiedliche Kürbis-Varianten aus.

Aber auch hierzulande wagen sich immer mehr Craft-Brauer an die saisonalen Spezialitäten. Neben der Synde Brauerei aus Leipzig, präsentiert die Stuttgarter Cast Brauerei ein würziges „Pumpkin Ale“, das dort mit Bio-Hokkaido-Püree, Ahornsirup, Ingwer und Zimt gebraut wird. Beim Hopfengarten Bamberg dagegen spielt auch das grüne Gold eine wichtige Rolle. Durch Kalthopfung mit der Sorte Perle zeigt das Amber Ale „Kürbis King“ ein würziges und kräuterbetontes Aroma.

Kürbisbiere sind jedoch nichts für Jedermann. So schrieben sich Sudden Death Brewing vom Timmendorfer Strand und David Hertl von der Braumanufaktur im fränkischen Schlüsselfeld, auf die Fahnen, ein Pumpkin Ale mit hoher Drinkability zu kreieren. In den Kollaborationssud kamen getoastete Hokkaido-Kürbisse sowie Koriandersamen, Piment, Muskat und Zimt. Und auch wenn das Etikett auf der Dose anderes erwarten lässt, präsentiert sich das Bier mit der Unterzeile „Crazy Pumpkin Ale“ wirklich süffig mit dezentem Anklang aller Gewürze.

Erschienen im Meiningers’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Schräge Biere: Aromawummen im Milchshake-Stil

Immer mehr Brauer entdecken Vanilleschoten als ungewöhnliche Zutat für kräftige Sude. Mit dem exquisiten Gewürz erzielen sie ungewöhnliche Aromen in Stouts, Porters und IPAs, die häufig sogar an Eiscreme erinnern.

„Mexican Vanilla Piña Colada Milkshake IPA“ von Omnipollo

Vanille zählt zu den teuersten Gewürzen der Welt. Im Kilopreis sind die Schoten der Orchideen-Pflanze, die ursprünglich in Mexiko und Mittelamerika wuchs, heute überwiegend auf Madagaskar, Réunion und anderen Inseln im Indischen Ozean stammen, fast so teuer wie Silber. Grund dafür ist der aufwendige Reifeprozess. Erst durch monatelange Trocknungs- und Fermentierungsprozesse entsteht das typische Aroma der Vanille, das in fast keinem Luxus-Dessert fehlen darf und neuerdings auch immer häufiger in experimentellen Bieren auftaucht.

Für motivierte Craft-Brauer ist wohl kaum eine Zutat zu teuer. Denn vermehrt entdecken sie den Geschmack der Vanille für besonders aromatische Sude. Angeblich eignet sich die Königin der Gewürze überwiegend für dunkle und kräftigere Sorten wie etwa Stout oder Porter. Aber auch ein gut ausbalanciertes India Pale Ale harmoniert mit den aromatischen Schoten der südlichen Erdkugel. Dabei wird der Vanille-Geschmack durch verschiedene Methoden ins Bier gebracht. Die Schoten können mitgekocht, bei der Gärung hinzugegeben oder zur Veredelung mit ins Fass gelegt werden. Häufig wird aber auch nur preisgünstiges Vanilleextrakt zur Aromatisierung verwendet.

Zu den Vorreitern bei Vanille-Bieren zählen zählt die US-Brauerei 3 Floyds. Dessen „Pillar of Beasts“ präsentiert eine ganz besondere Aromawucht und legt dabei noch ordentliche 14,5 Prozent Alkohol vor. Bei dem Sud handelt es sich um einen Barley Wine, der zwölf Monate mit Vanilleschoten und Kakaobohnen in alten Bourbon-Fässern schlummert. Solch kräftige Sude harmonieren offensichtlich sehr gut mit dem besonderen Gewürz. Auch die renommierte Craft-Stätte Prairie Artisan Ales aus Oklahoma verfeinert ihr 13-prozentiges Imperial Stout „Prairie Bomb“ mit Zutaten speziellen Zutaten wie Schokolade und Chilli – die Vanilleschoten sorgen dabei für den Extrakick. Auf „ratebeer“ zählt diese Aromawumme zu den 50 besten Imperial Stouts der Welt.

Viele Craft-Fans rund um den Globus stehen inzwischen auch auf helle Vanilla-Biere. Einer der Renner der schwedischen Manufaktur Omnipollo ist das „Mexican Vanilla Piña Colada Milkshake IPA“, das aus einer Kollaboration mit der US-Brauerei Tired Hands Brewing Co. entstammt. Das IPA mit Laktose, Vanille und 7,2 Umdrehungen erlangt zusätzlich eine enorme Fruchtigkeit, die geschmacklich an exotischen Piña Colada erinnert. Auch die polnischen Brauer von Ale Browar legen mit ihrem Milkshake Pale Ale namens „Shake the World“ eine echte Vanille-Bombe vor, die sich in Verbindung mit Cascade-Hopfen wie ein prickelnder Milchshake präsentiert.

Als weitere Bier-Attraktion mit dem Gewürz aus dem Indischen Ozean gilt das 5,5-prozentige „Orange Velvet“ aus Norwegen. Die Brauer von Lervig Aktiebryggeri packten für dieses ungewöhnliche IPA neben Vanille auch frische Mango und Limette in die Sudkessel. In San Diego produzierten die Macher von Belching Beaver indes ein „Orange Vanilla IPA“, das geschmacklich an ein Orangen-Milcheis erinnert. Dass jedoch eine neuseeländische Brauerei namens McCashin’s sogar ein Pils mit Vanille aromatisierte, mag für Puristen ziemlich schräg klingen. Immerhin schnitt das „Coconut Vanilla Pilsner“ mit schlanken 4,6 Prozent bei der Bewertungsplattform „Untappd“ mit mehr als drei von fünf Punkten ab.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur. (4/2019)

Schräge Biere: Immer auf die Nüsse

Erdnuss, Walnuss oder Pekannuss: Craft-Brauer entdecken Schalenfrüchte gerade als individuelle Zutat für ihrer Biere und kreieren damit ganz ungewöhnliche Aroma-Kicks.

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Für viele Menschen gibt es kaum einen besseren Snack zum Bier, als gesalzene oder geröstete Nüsse. Und weil das Pairing so gut funktioniert, packen mutige Brauer diverse Nussspezialitäten gleich mit in den Sudkessel. Das mag schräg klingen, aber einigen Craft-Zauberern gelingen derzeit wirklich köstliche Nuss-Biere, die ein wahres Geschmackfeuerwerk auf der Zunge zünden.

Craft-Brauer sind jetzt also auch auf die Nuss gekommen. So wundert es nicht, dass Liebhaber kreativer Sude immer mehr Biere in den Regalen finden, die mit Erdnüssen, Walnüssen, Haselnüssen oder Pecannüssen, aber auch mit Kastanien, veredelt sind. Dabei experimentieren Kreativbrauer fast mit jedem Bierstil. Nussvariationen finden sich in Pale Ales, IPAs, in Porters oder Stouts und erobern damit einen ganz neuen Aromenkosmos.

Wie gut die Kombination von Nüssen und Hopfen funktionieren kann, beweist die US-amerikanische Brauerei Noon Whistle aus Illinois, die erst kürzlich ein IPA namens „Mr. IPA-Nut“ auf den Markt brachte. Im Sudkessel landeten geröstete Honig-Erdnüsse, dessen Aroma sich im Geschmack mit fruchtigen Hopfennoten vereinen und ein salziges Finish ergeben. Das kommt bei Craft-Fans wohl so gut an, dass es nicht mehr ganz so einfach ist, dieses Nuss-IPA noch irgendwo zu bekommen.

Bei solchen Nachfrageerfolgen setzten auch andere US-Brauer auf Erdnusspower. So legte jüngst das Team von Loggers Brewing Company aus Michigan ein 5,6-prozentiges Bier mit dem seltsamen Namen „We Creamed our Peanuts Oatmeal Crème Peanut Stout” vor. Für den süßlich-originellen Geschmack gaben die US-Brauer rund 150 Kilo frischgeröstete Erdnüsse nebst Haferflocken in den Sudkessel. Die Zutaten formen das Bier zu einer echten Geschmackswucht. Wer es jedoch etwas weniger heftig mag, kann auf ein Pale Ale der Londoner Biermanufaktur Deviant & Dandy’s zurückgreifen, das auf einen sanften Nuss-Touch baut.

Seine Vorliebe für Schalenobst hat Florian Kuplent, Gründer der Urban Chestnut Brewing in St. Louis, offensichtlich gleich mit in seinem Firmennamen verarbeitet. Seine Brauerei heißt übersetzt nichts anderes als „städtische Kastanie“. So wundert es kaum, dass ein Ale namens „Winged Nut“ zu den Flaggschiffen des Hauses zählt. Das Chestnut-Team braut das Bier mit feingemahlenen Kastanien sowie Willamette-Hopfen und vergärt es mit bayerischer Weißbier-Hefe. Das Ergebnis ist ein leicht röstiges, bananiges dunkles Weizenbier mit ungewöhnlicher Bitter-Note und markantem Nuss-Aroma.

Neben Kastanien und Erdnüssen gelten auch Walnüsse als neue Aroma-Stars bei Craft-Brauern. Auch die Berliner Bierfabrik braute gerade erst wieder ihr 6,5-prozentiges, nachtschwarzes „Ahorn Walnuss Stout“. Dafür röstete das Team um Sebastian Mergel die Schalenfrüchte in Handarbeit. Am Gaumen präsentiert sich das Bier samtig-weich mit schokoladigen, holzigen und mild-süßen Aromen. Im Finish zeigen sich dann die Walnüsse gewohnt leicht pelzig und herb auf der Zunge.

Dass die Experimentierfreude der Brauer mit speziellen Nusskreationen noch längst kein Ende findet, zeigen auch viele andere Sude rund um den Globus. So finden Craft-Fans heute auch Brown Ales mit gerösteten Pekannüssen, Porter mit Macadamia-Nüssen und Milk Stouts mit Mandeln oder Pistazien. In Oregon lässt die Wolves & People Farmhouse Brewery ihr 4,7-prozentiges Table Stout namens „La Truffe“ sogar auf jeder Menge Haselnüssen zusammen mit weißen Trüffeln altern. Solche Biere sollen polarisieren, sind aber nicht unbedingt für den Jedermann-Geschmack.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.