Kemker Kultuur: Historisches Bier mit Holunderblüten

Jan Kemker von der Kemker Kultuur in Alverskirchen, aus der Nähe von Münster, schwört auf historische Biere. Seit nunmehr drei Jahren hat er sich als Ziel gesetzt mit seinen Suden lokale Braugeschichte wiederzubeleben. Jan verwendet ursprüngliche Zutaten, wilde Hefen und lässt seine Biere zur Vollendung lange im Holzfass reifen. Kürzlich habe ich sein „Fliärblome“ probiert. Dabei handelt es sich um ein 5,5-prozentigen Verschnitt aus spontanvergorenem Weizenbier mit Holunderblüten und jungem „Aoltbeer“, inspiriert vom dem historischen Sauerbier aus Münster.

Gelborange leuchtet das Sour Ale durchs Glas, ein fein- bis mittelporiger, schneeweißer Schaum liegt oben auf. Das Bukett betört die Nase mit einem intensiven Duft des Holunders. Hinzugesellen sich Noten von gelben Steinfrüchten und ein würziger Touch der Hefe. Über die Lippen fließt das Bier mit einer zarten Säure, bis sich eine moderate Kohlensäure und auch die Holunderaromen ausbreiten. Ein sanft fruchtiger, würziger und herber Touch runden „Fliärblome“ harmonisch ab.

Fazit: Ein tolles Bier für den Sommer mit einem ungewöhnlichen Aromaspiel. Kann ich mir sehr schön als Aperitif vorstellen oder auch zu bunten Sommersalaten. Ich freue mich schon auf die anderen Sorten, die ich aus dem Hause Kemker bestellt habe.

Hoppebräu und Yankee & Kraut: Hopfenlust mit Hefepower

Wenn sich zwei Topmarken zusammentun, kann eigentlich nur ein gutes Bier bei rauskommen. Heute morgen war ich bei Hoppebräu in Waakirchen, wo Brauereichef Markus mit Max und Bryan von Yankee & Kraut aus Ingolstadt dessen Freundschaftssud in Dosen abgefüllt haben. Bei dem Collab handelt es sich um ein siebenprozentiges „Kveik NEIPA“ namens „Døgn“, das mit norwegischer Hornindal Kveik-Hefe bei 40 Grad vergoren und ausschließlich mit Simcoe-Hopfen gestopft ist.

Im Glas präsentiert sich das trübe New England IPA in einem saftigen Gelborange und mit einer feinporigen, fast schon sahnigen, schneeweißen Schaumhaube. In die Nase strömen sofort superfruchtige Noten von Ananas, Weinbergpfirsich und Grapefruit. Über die Lippen fließt das Bier mit einer zarten Säure, die gleich in das Aromaspiel aus von frischer Ananas, Maracuja, Grapefruit und einer gewissen Würze übergeht. Dazu gesellt sich ein sanft süßlicher Touch von Dosenpfirsichen. Die Kohlensäure zeigt sich moderat, ist aber perfekt eingebunden. Im Finish zeigt sich noch eine zurückhaltende Bittere, bis sich das NEIPA staubtrocken verabschiedet und gleich animiert, den nächsten Schluck zu nehmen.

Fazit: Mit diesem Collab haben die Macher mal wieder ihr ganzes Können bewiesen. Ein echt gelungenes, rundes Bier, dass zeigt, welche Aromen auch durch den Einsatz spezieller Hefen erzielt werden können und wie diese sich mit dem Hopfen zu einer außergewöhnlichen Fruchtbombe paaren lassen. Trotz sieben Umdrehungen bringt „Døgn“ eine grandiose Trinkfreude mit sich. Absolute Probierempfehlung!

Brewheart: Exotik-Drink für laue Sommerabende

Wer noch einen fruchtigen Sommerdrink für das kommende Wochenende sucht, sollte mal bei den neuen Suden von Brewheart aus Otterfing bei München stöbern. Gerade erst machte ich mir eine Dose des 8,2-prozentigen Double Dry Hopped Double IPA namens „Beer Gees“ auf. Gebraut haben Andi und Roland es mit einer ordentlichen Portion Bru-1, Citra und El Dorado.

Gelborange fließt das IPA ins Glas, ein feinporiger, cremefarbener Schaum toppt das attraktive Gesamtbild. In die Nase steigt ein tropisches Feuerwerk aus Zitrusfrüchten, Mango und Ananas. Hinzu gesellt sich ein sahniger Touch und Noten von Aprikose, Pfirsich und selbstgekochter Erdbeermarmelade. Im Antrunk zeigt sich „Beer Gees“ samtig-weich, bis sich auf der Zunge eine eher zurückhaltende Kohlensäure ausbreitet. Auch im Geschmack dringen gleich die Hopfennoten durch. Es trifft reife Ananas auf Zitrusfrüchte, Pfirsich, Multivitamin und etwas Beeriges. Untermauert wird das Aromaspiel durch ein angenehmes Malzbett und eine sehr sanfte Herbe im sehr langen Abgang.

Fazit: Das ideale Bier für einen sonnigen Tag oder einen langen lauen Sommerabend. Die Aromatik ist schön ausbalanciert und macht enorm Spaß im Duft und auf der Zunge. Trotz acht Umdrehungen präsentiert sich das IPA mit einer hohen Trinkfreude. Für noch mehr Frischecharakter hätte ich mir allerdings etwas mehr Kohlensäure gewünscht.

Daubringer Hällche: Seltener Bierstil aus Hessen

Schwarzbier ist hierzulande definitiv ein unterschätzter Bierstil und über die aktuellen Einkaufsportale kaum zu finden. Deswegen beschloss wohl das Team von Daubringer Hällche aus dem mittelhessischen Daubringen, solch eine eher seltene Spezialität auf den Markt zu bringen – natürlich nach eigener Interpretation und dem Namen „Nachtschatten“.

In einer tiefschwarzen Farbe schwimmt das 5,1-prozentige Bier im Glas, ein beigefarbener, feinporiger Schaum krönt die Optik. Das Schwarzbier duftet malzig, nach Schwarzbrot, Toffee und zart nach Kaffee. Im Antrunk präsentiert es sich schlank mit moderater Kohlensäure. Auf der Zunge breiten sich malzige Aromen mit Noten von Schwarzbrot, Filterkaffee und einer gewissen Röstigkeit aus. Hinzu gesellt sich ein beeriger Touch. „Nachtschatten“ verabschiedet sich trocken und mit einer angenehmen Herbe.

Fazit: Mal ein ganz anderes Geschmackserlebnis! Das hessische Schwarzbier ist absolut harmonisch und legt eine hohe Trinkfreude vor. Kann ich mir auch gut zu gegrilltem Fleisch vorstellen.

Frau Gruber: Ein Gedicht aus Mosaic

Zugegeben, manchmal kommt man bei den vielen neuen Bieren von Frau Gruber aus dem bayerischen Gundelfingen gar nicht mehr richtig hinter her. Gefühlt bringen Enzo und Matthias jede Woche eine nagelneue Sorte auf den Markt. Mein Favorit aus den vergangenen Wochen ist jedenfalls das 6,8-prozentige „Purple Haze“. Ein Double Dry Hopped IPA mit Mosaic BBC, Mosaic Incognito und Mosaic T90 sowie Steffi-Malz aus 100 Prozent eigenem Anbau.

Schon beim Einschenken schwirren fruchtige Noten aus dem Glas. Die gelborange Optik mit schneeweißem Schaum regt sofort den Appetit an. In die Nase schießen köstliche Aromen des Hopfens: Maracuja, Ananas, Mandarine, Mango und ein wenig Gras. Cremig-weich fließt das IPA über die Lippen, bis es sich mit einer moderaten Kohlensäure und exotischen Tönen von Ananas und Maracuja sowie Noten von reifen gelben Steinfrüchten und Limone ausbreitet. Eine sanfte Würze und etwas Grasiges gesellen sich zum Gesamtbild hinzu. Abgerundet wird das Bier durch eine wunderbar eingebundene Bittere.

Fazit: Die Biere von Frau Gruber enttäuschen eigentlich nie, denn hier zeigt sich wahre Kreativität. „Purple Haze“ brilliert neben seinen perfekten Mosaic-Aromen auch durch eine hohe Trinkfreude. Locker könnten man davon noch ein paar Dosen mehr genießen, denn die fast sieben Umdrehungen merkt man erst später. Für mich ein Bier, das jetzt regelmäßig in meinem Kühlschrank auf besondere Anlässe wartet.

BlechBrut: Systemrelevante Fruchtbombe

Bier ist definitiv systemrelevant. Deswegen nannte Benedikt von BlechBrut aus Bamberg eines seiner neuesten Abfüllungen auch gleich mal so. Beim „Systemrelevant“ handelt es sich um ein IPA mit 6,9 Umdrehungen, das der Franke mit den Hopfensorten Palisade, Sabro, Azacca und Citra braute.

Das IPA schwimmt in einem attraktiven Gelborange im Glas, der Schaum zeigt sich feinporig und stabil. Ein Bukett aus Nektarine, Limone, Kumquats, Ananas und Kokosnuss verführt die Nase. Vollmundig-cremig fließt das Ale über die Lippen. Ein Aroma von gelben Steinfrüchten, Ananas, zarte Kokosnuss und eine gewisse Würzigkeit sowie ein sanft erdiger Touch bilden das Geschmacksbild. Eine wahrnehmbare, aber sehr ausbalancierte Herbe runden das fränkische Bier ab.

Fazit: Ein richtig geiles IPA, das mal mit ganz anderen Fruchtaromen überrascht. Ein Muss für alle Hopfenfans und die, die es noch werden wollen. Grill an, Dose auf und genießen!

Vault City Brewing: Schottisches Sauerbier-Schmankerl

Dass auch schottische Brauer Sauerbier können, beweist vor allem Vault City Brewing in Edinburgh. Die Macher haben sich auf saure Sude in Kombination mit Früchten spezialisiert. Ein echtes Highlight ist das 5,6-prozentige „Peach & Nectarine Sour“, in dem neben dem Geschmack von Steinfrüchten auch noch ein Hauch Vanille steckt.

In einem ansprechenden Goldgelb schwimmt das Bier im Glas, ein beigefarbener, feinporiger Schaum liegt oben auf. Das Sour duftet intensiv nach reifem Pfirsich und dezent nach Minibanane. Im Antrunk präsentiert sich der schottische Sud frisch, bis sich das Mundgefühl dann cremig-weich entfaltet. Auf der Zunge zeigt sich eine zurückhaltende Säure. Fruchtige Aromen von Nektarine und Pfirsich, dessen Geschmack ein wenig an das Obst aus der Dose erinnert, paaren sich mit zarten Vanilletönen und hefig-würzigen Anklängen. Das angenehme Finish verführt sofort zum nächsten Schluck an.

Fazit: Ein absolut gelungenes Bier, bei dem eine sanfte Säure auf schöne Fruchtaromatik und einen besonders weichen Körper trifft. Toller harmonischer Sud für einen schmackhaften Aperitif im Sonnenschein.

Gekauft bei Beergium.

Dry & Bitter und Good Guys Brew: Neuseeländischer Sommerdrink aus Skandinavien

Skandinavien zählt zu den spannendsten Craft-Bierregionen der Welt. Kürzlich hatte ich einen Kollaborationssud von Dry & Bitter aus dem dänischen Gørløse und Good Guys Brew aus Karlstad in Schweden im Glas. Wer sich das Sortiment der beiden Marken ansieht, merkt sofort, dass bei der Zusammenarbeit geballte Kreativität aufeinandertrifft. So handelt es sich bei „Balancing Pact” um ein siebenprozentiges New Zealand IPA mit wirklich spannenden neuseeländischen Hopfensorten: Waimea, Waiiti, Rakau, Motueka und Nelson Sauvin.

Orangegelb leuchtet das Bier durchs Glas, der Schaum thront feinporig und schneeweiß oben drauf. Schon beim Einschenken schießen tropische Noten in die Nase. Das Bukett präsentiert einen verführerischen Obstkorb aus Papaya, reife Mango, Maracuja, Ananas, Zitrus und Feige. Prickelnd-frisch rinnt das IPA über die Lippen, während sich im Mundraum ein fruchtiger Cocktail ausbreitet. Auch auf der Zunge zeigen die neuseeländischen Hopfensorten ihre Power, die von einem angenehmen Malzbett unterlegt sind. Im Finish bleiben die fruchtigen Noten mit einer harmonischen Herbe noch lange zurück.

Fazit: Ein wahnsinnig spannendes Bier, das die Kraft und Aromatik der Hopfen vom anderen Ende der Welt präsentiert. Der perfekte Sommerdrink!

True Brew Brewing Co.: Verführerischer „Kickflip“

New England IPAs sind immer noch der heiße Trend in der Craft-Szene. Auch True Brew Brewing aus München brachte gerade einen neuen Vertreter auf den Markt. Mit großer Freude habe ich mir am Freitag im Taproom gleich mal ein „Do A Kickflip“ einschenken lassen und noch eine Dose zur Verkostung mitgenommen. Braumeister Luis stopfte das 6,66-prozentige Bier ordentlich mit den drei Hopfensorten Mosaic, Citra and Pacific Jade. Das merkt man.

Das sonnengelbe und trübe NEIPA mit feinporigem, elfenbeinweißem Schaum duftet nach einem fruchtigen Potpourri aus gelben Steinfrüchten, Mango, Maracuja und Papaya. Dazu gesellen sich noch eine feine Würze und eine sanfte Kräuternote. Über die Lippen fließt das Bier samtig-weich mit einer zurückhaltenden Karbonisierung. Auf der Zunge gibt der eingesetzte Hopfen noch mal Vollgas. Ausbalancierte Aromen von Papaya, gelben Steinfrüchten, Maracuja, etwas Zitrus sowie eine gewisse Würze verführen die Geschmacksknospen. Eine sanfte Bittere rundet das NEIPA ab. Das Finish hält sich lang und aromatisch.

Fazit: Definitiv eines der besten New England IPAs aus dem Süden der Republik. Die fruchtige Aromatik und der saftige Charakter sind absolut ausgewogen und präsentieren sich mit einer hohen Drinkability. Vom „Kickflip“ kann man locker auch mal zwei bis drei Dosen genießen. Perfektes Bier für den Feierabend.

All together beer: Kollaborationssud für gute Zwecke

Corona trifft die Craft-Bierszene unvorbereitet und hart. Die Macher der Brauerei Other Half in New York riefen deswegen die Aktion #alltogetherbeer ins Leben, mit der sie andere Craft-Stätten rund um den Globus aufrufen, ein Bier zu brauen, um die Erlöse an die von der Krise Betroffenen der Branche zu spenden. Das Grundrezept für das ausgedachte IPA ist für jedermann zugänglich und so konzipiert, dass für die teilnehmenden Crafter nur wenig Kosten zusammenkommen. Jeder Brauer kann es allerdings ein wenig anders umsetzen. Dabei sind die drei deutschen Brauereien Frau Gruber aus Gundelfinden, Brewheart aus Otterfing und Sudden Death vom Timmendorfer Strand, die für solch ein „All together IPA“ kollaborierten. Gehopft haben die Macher es nicht kostengünstig simpel, sondern gleich dreifach mit Mosaic, Simcoe, Cascade und Motueka.

Man merkt dem Bier sofort an, dass hier echte Profis am Werk waren. „All together“ zeigt sich in einer attraktiven, goldgelben Farbe, getoppt von einem schneeweißen, feinporigen Schaum. In die Nase strömen schmeichelnde fruchtige und würzige Noten der eingesetzten Hopfensorten. Auf der Zunge breitet sich das Bier mit moderater Kohlensäure aus und präsentiert einen angenehmen Fruchtcocktail aus Grapefruit, Orange, Mango, Maracuja, Ananas und gelben Steinfrüchten. Dazu gesellt sich ein harziger und würziger Touch. Im Finish verabschiedet sich das IPA harmonisch-fruchtig mit einer sanften Bittere.

Fazit: Ein super Bier, das bei so viel hopfiger Fruchtaromatik dennoch eine wahnsinnig hohe Drinkability vorlegt. Ein großes Kompliment an die drei Brauereien, die die Erlöse jeweils an unterschiedliche Stellen spenden. Mehr dazu auf den jeweiligen Websites.