Kollaborationssud: Brut holt die Sonne ins Glas

Kaum wärmen die ersten Sonnenstrahlen, schon gelüstet es nach einem Sommerbier. Im Kühlschrank lachte mich daher kürzlich ganz besonders eine Dose mit einer lachenden Sonne auf dem Etikett. Bei diesem „Lil‘ Soleil“ handelt es sich um ein 5,8-prozentiges Brut mit Grapefruit und Ananas, das in Kollaboration zwischen der UK-Brauerei Magic Rock und den dänischen Machern von People Like US entstanden ist. Das Craft-Label aus Kopenhagen wird von Mikkeller unterstützt. Neben den Früchten packten die Brauer noch ordentlich Hopfen mit rein: Amarillo, Ariana, Hallertauer Blanc und Vic Secret.

In einem sommerlichen Sonnengelb strahlt das Brut durch das Glas, allerdings schwimmen kleine Partikel im Sud herum.  Aber: nicht schlimm, denn wenn man seine Nase gen Bier hält ist man sofort betört. Es duftet fruchtig-frisch nach Ananas, Grapefruit und Maracuja. Da geht wirklich die Sonne auf. Auf der Zunge zeigt sich dann eine zarte Säure, die von den fruchtigen Noten der Ananas und Grapefruit abgelöst wird. Hinzu kommen eine gewisse Malzkomponente und ein würziger Hauch von Pinie. Der Körper präsentiert sich für seine knapp sechs Prozent jedoch eher zurückhaltend. Im Finish verabschiedet sich das Bier stiltypisch sehr trocken.

Fazit: Zugegeben, das Kollab-Brut duftet deutlich intensiver, als es tatsächlich schmeckt. Der Geruch verwöhnt die Nase und legt hinsichtlich der Erwartungen die Latte ziemlich hoch. So war ich schließlich beim Geschmack etwas enttäuscht. Aber dennoch ist das „Lil‘ Soleil“ ein ausgewogenes, erfrischendes und fruchtiges Sommerbier.

Sudden Death Brewing: Ein echter Hero im Glas

Wenn ein Sud mit Mosaic-Hopfen gebraut ist, kann ich am Bierregal nur schwer vorbei gehen. So entdeckte ich kürzlich „Let me be your hero, baby” von Sudden Death Brewing. Das Team vom Timmendorfer Strand hat sich mit hopfenbetonten Bieren inzwischen einen echten Namen gemacht. Das siebenprozentige Hero-IPA stopften die Schleswig-Holsteiner sogar gleich doppelt mit der US-Hopfensorte. Kennzeichnung dafür: „DDH“, was ausgeschrieben bloß Double Dry Hopped bedeutet.

Kein Wunder also, dass sich das orangefarbene Ale in der Nase schon wie ein tropischer Saft aus Maracuja, Mango und Papaya präsentiert. Auf der Zunge zeigt sich das Bier vollmundig mit würzigen und hopfigen Noten. Dazu gesellen sich Aromen von reifen Tropenfrüchten. Im Finish entpuppt sich noch eine leichte und angenehme Herbe.

Fazit: Auch dieses IPA bestätigt mir wieder, was Mosaic doch für ein toller Hopfen ist. Das Bier ist schön ausbalanciert und ein echter Hero im Glas. Passt sicher gut zu gereiftem Cheddar-Käse oder scharfen Asia-Gerichten.

Sudden Death Brewing: Ein echter Hero im Glas

Braufactum: Schwarzbraune Verführung für jeden Tag 

Schwarzbier scheint immer noch ein verkannter Bierstil in der Craft-Szene zu sein. Nur selten findet man in den Bierregalen neue Interpretationen der uralten Stilistik. Kürzlich bin ich wieder über das 5,4-prozentige „Darkon“ von Braufactum aus Frankfurt gestoßen, dass ich schon vor einigen Jahren getrunken, aber damals leider nicht in seiner ganzen Klasse wahrgenommen habe. Jetzt, nach vielen neuen Erfahrungen und nachdem der Trunk bei den wichtigsten Craft-Wettbewerben immer wieder Gold abräumte, muss ich jedoch sagen: Das ist wirklich ein absolut perfekter Vertreter für diesen untergärigen Bierstil.

Schwarzbraun fließt der Sud ins Glas, getoppt von einem feinporigen und cremigen Schaum. Das Bier duftet malzig, röstig und leicht nach Rauch. Noten von Zartbitterschokolade komplementieren das Bukett. Auf der Zunge zeigt sich „Darkon“ mit einem sanften Mousseux und mit mildem Röstaroma. Hinzu kommt ein Hauch von Kräutern und der Geschmack dunkler Schokolade. Im Finish bleiben die Malznoten mit einer angenehmen Herbe noch lange zurück. Wegen der hohen Vergärung präsentiert sich das Schwarzbier schön trocken und lädt zu längerem Verweilen ein.

Fazit: Dieser dunkle Stil ist wirklich unterschätzt. Das „Darkon“ zeigt musterhaft, wie aromatisch und gut trinkbar Schwarzbier sein kann. Auch wenn die Aromen eher dezent sind und nicht zu aufdringlich erscheinen, so verfügt diese Bier über eine hohe Trinkbarkeit. Ich kann mir den Trunk gut als einen guten Begleiter zum Braten oder einfach nur zu einer genussvollen Brotzeit vorstellen.

Braufactum: Schwarzbraune Verführung für jeden Tag

Buddelship: Aromatisches Feierabend-Schmankerl

Auch an kalten Wintertagen muss ein Bier nicht immer hochprozentig und kräftig sein. Ein leichtes, aber schön aromatisches Schankbier erfrischt und erfreut den Gaumen ebenso. Einer meiner Favoriten ist die „Deichbrise“ mit schlanken 3,9-Prozent von der Buddelship Brauerei aus Hamburg. Simon und sein Team haben das gelborangefarbene Lager mit den Hopfensorten Tradition und Citra gebraut.

Der Duft des Citra-Hopfens steigt auch sofort in die Nase. Insgesamt präsentiert sich das Bukett fruchtig-frisch mit harmonischen Zitrus- und Malznoten. Auf der Zunge zeigt sich das Schankbier trotz geringer Umdrehungen mit einem durchaus akzeptablen Körper. Auch im Geschmack setzt sich der Citra mit Aromen von Limone und Grapefruit durch, während vom Tradition eine gewisse Würzigkeit und ein zarter Kräuter-Touch durchdringt. Die Malznoten und ein angenehm herbes Finish runden das Gesamtpaket ab.

Fazit: Ein gutes Bier für alle Tage! „Deichbrise“ kann man wirklich zu jeder Jahreszeit genießen – einfach so als schönes Feierabend-Schmankerl.

Garage Beer Co.: Katalanisch-amerikanische Sudpower

In Barcelona tobt eine spannende Craft-Bierszene. Vor zwei Jahren war ich in der Hauptstadt von Katalonien und habe mich mal ein bisschen umgesehen, was es dort für coole Brauereien gibt. Unter meinen Favoriten landete der Brewpub von Garage Beer, eine richtig coole Bar inmitten des Universitätsviertels. Diese Biere konnte man in Deutschland bislang nicht kaufen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass man einige Sorten der Spanier nun auch endlich bei uns bekommt. Drei Biere, die jeweils als Gemeinschaftssud gebraut wurden, möchte ich euch gern vorstellen.

Beim „Dark Times & Difficult Places“ handelt es sich um eine Berliner Weiße, die mit Laktose, Birnen und schwarzen Johannisbeeren gebraut ist. Das Bier brauten die Spanier in Kollaboration mit der US-amerikanischen Brauerei J. Wakefield aus Miami. Allein die Farbe ist schon einzigartig. In einem verführerischen Himbeerrot strahlt das Sauerbier durchs Glas wie ein Sonnenuntergang in Andalusien. Einen stabilen Schaum hat es zwar nicht unbedingt, darauf kann man aber notfalls gern verzichten. Was vor allem für wärmere Regionen punktet:  Die 6,5-prozentige Weiße erfrischt, duftet und schmeckt säuerlich mit einem Hauch Beeren.

Das „Left Saigon“ dagegen ist ein New England Session IPA mit schlanken 4,8 Umdrehungen. Dieses Bier hat das Garage-Team gleich mit zwei Brauereien entwickelt. Mit am Sudkessel standen die Brauer von Civil Society aus Florida und 3 Stars Brewing aus Washington. Gehopft haben die Kreativköpfe den sonnengelben Sud mit Mosaic, Simcoe und Amarillo – und das nicht zu gering. In die Nase strömt ein tropischer Duft von Maracuja und reifer Mango, der von einer gewissen Würze begleitet wird. Auf der Zunge präsentiert sich das Session IPA prickelnd-frisch mit leichtem Körper. Auch hier zeigen sich die fruchtigen Noten des Hopfens. Im Finish verabschiedet sich das Leichtbier ganz schön bitter.

Von den drei Suden ist das „That Chihuahua“ mit acht Prozent am kräftigsten. Für das gelborangefarbene Double IPA holten sich die Katalanen die US-Brauerei Barrier mit ins Boot. Auch hier verwendeten die Macher wieder drei hocharomatische Hopfensorten: Mosaic, Palisade und Bru-1. Das Ale duftet süßlich, grasig und überwiegend nach Ananas. Auch auf der Zunge präsentiert sich eine deutliche Süße mit einem vollmundigen Körper. Hinzu kommen tropische Aromen und Zitrusfrüchte. Eine angenehme Herbe rundet das Double IPA ab.

Fazit: Das sind wirklich drei spannende und grundverschiedene Sude. Bei der Weiße hätte ich allerdings ein bisschen mehr Aroma von den eingesetzten Früchten erwartet. Vor allem die Birnen sind nur sehr schwer im Geschmack zu entdecken. Das Session IPA zeigt sich typisch leicht mit zartem Aroma, während das Double IPA dagegen eher wuchtig auftritt. Biere, die auf jeden Fall einen Genuss wert sind, aber für knapp acht Euro pro Dose nicht unbedingt als Dauergäste in meinen Kühlschrank auftauchen müssen. Aber: probiert selbst!

Ratsherrn: Bockige Tradition mit Kreativ-Touch

Gestern Abend läuteten acht Hamburger Brauer mit dem Anstich ihres Senatsbock wieder die fünfte Jahreszeit ein. Schon vor 50 Jahren pflegten Brauereien in der Hansestadt die Tradition, gemeinsam einen kräftigen Doppelbock einzubrauen – bis der Brauch irgendwann einschlief. Doch durch das Interesse an ungewöhnlichen Suden reanimieren 2015 namhafte Braustätten wie Ratsherrn, Blockbräu, Gröninger, Joh. Albrecht, Kehrwieder, Landgang, Überquell und Wildwuchs die alte Lust am Bock. Eines hat sich jedoch inzwischen verändert: Heute produziert zwar jeder Brauer das gleiche Grundrezept, dem Bier wird jedoch ein individueller Touch im Stil des jeweiligen Hauses geschenkt. Ich hatte die Version von Ratsherrn gestern auch im Glas.

Für den Senatsbock 2019 hat das Brau-Team aus den Schanzenhöfen den neuen Sud mit dem Trunk aus 2016 verschnitten, der 20 Monate im Brandy-Fass reifte und zusätzlich auf Eichenholzchips lagerte. Das klingt doch schon mal ziemlich vielversprechend. So fließt der 7,3-prozentige Bock in einem dunklen Kastanienbraun ins Glas, getoppt von einem cremigen und beigefarbenen Schaum. Im Duft präsentieren sich malzige Aromen vom typischen Doppelbock, die sich mit Anklängen von Schokolade, Sauerkirschen, Vanille und Holz sowie mit dezenten Röst-Noten vereinen. Samtig-weich rinnt das Bier auf die Zunge, wo sich auch malzige, rösttönige und schokoladige Feinheiten ausbreiten. Dazu paaren sich angenehme Klänge von Waldbeeren, Holz und Brandy. Das alles mündet in ein tolles Finish, das von einer sanften Herbe der eingesetzten Hopfensorten Hallertauer Mittelfrüh und Amarillo begleitet wird.

Fazit: Ein wirklich toller Doppelbock, in dem die Aromen sehr harmonisch abgestimmt sind. Es gibt bei diesem Edelstoff kaum eine Nuance, die überladend den Sud dominiert. Hoffentlich schaffe ich es im kommenden Jahr mal beim Anstich in Hamburg dabei zu sein… Danke Ratsherrn für die Kostprobe!

Riegele: Bananenbombe zur Putenkeule

Die Brauer des Brauhaus Riegele lieben offensichtlich ihre Heimatstadt. So widmeten sie ihren kräftigen Weizenbock „Augustus 8“ dem römischen Kaiser Augustus, der einst die Stadt Augsburg gründete. Die acht im Namen steht für den Alkoholgehalt des Bieres. Gebraut ist der obergärige Sud mit Pilsener, Münchner und Weizenmalz sowie den Hopfensorten Hallertauer Perle und Opal. Vergoren hat das Brauer-Team den Bock mit einer speziellen obergärigen Unikathefe.

In einem appetitlichen Bernsteinton schwimmt Augustus im Glas, getoppt von einem cremigen, feinporigen und stabilen Schaum. Die Nase wird betört von einem Duft nach reifen Bananen und Karamell. Auf der Zunge präsentiert sich das Bier samtig-weich und moussierend. Eine zarte Säure dringt durch, die anschließend von Bananen- und Karamellnoten dominiert wird. Im Finish bleiben die fruchtigen Anklänge und eine gewisse Süße noch lang am Gaumen haften.

Fazit: Wow! Dieses fruchtig-süße Aromaspiel ist echt toll und absolut harmonisch. Die acht Prozent spürt man erst angenehm nach einem Glas. Ich habe den Riegele Weizenbock zur Putenkeule mit selbstgesammelten Pilzen kombiniert. Ein wahres Geschmacksfeuerwerk!

Bezugsquelle: Riegele Onlineshop.

Nordic Kiwi Brewers: Tutti Frutti aus Schweden

Schwedische Brauer holen Kiwi-Flair nach Europa: Das Team von Nordic Kiwi Brewers haT sich auf die Fahnen geschrieben, ihre Biere überwiegende mit neuseeländischen Hopfensorten zu brauen. In ihrem achtprozentigen Double IPA namens „Tutti Frutti“ stecken gleich fünf Spezialitäten von der Insel im südlichen Pazifik, die hierzulande wohl noch kaum jemand kennt: Kohatu, Motueka, Taiheke, Wai-iti und Wakatu.

In einem attraktiven sonnengelb strahlt das Bier durchs Glas. Schon beim Öffnen der Dose strömt ein tropischer Duft in die Luft. Hält man die Nase näher gen Sud, dann wird man sofort von blumigen Noten und Aromen von reifen tropischen Früchten wie Ananas, Pampelmuse und Goldkiwi verführt. Auf der Zunge vollmundig-frisch mit dem Geschmack eines südländischen Fruchtkorbs. Mango, Maracuja, Melone und Ananas breiten sich aus und kombinieren sich mit einem würzigen Touch und einem zarten Kokos-Anklang. Im Finish bleibt das Aroma mit einer Bitterkeit von 45 IBU noch lange zurück.

Fazit: Dieses Bier hält, was der Name verspricht. Ein frischer Frucht-Smoothie, der zu jeder Zeit den tropischen Sommer an den Gaumen feuert. Ich mag Tutti Frutti!

Nordic Kiwi Brewers: Tutti Frutti aus Schweden

Munich Brew Mafia: Wärmflasche für Kapitäne 

Vorsicht, die Brew Mafia schießt wieder scharf: Gerade erst legten die Münchner ihr neues Imperial Stout namens „El Capitano“ vor, das zur Vollendung im Jamaica Rumfass schlummerte. Das nachtschwarze Hammerbier legt ordentliche zwölf Prozent vor und ist mit dem französischen Hopfen Barbe Rouge gebraut.

In die Nase strömen sofort Aromen vom Holzfass, die sich mit Zartbitter-, Rum- sowie Kirschnoten und einem sahnigen Touch vereinen. Auf der Zunge zeigt sich erst eine leichte Alkoholschärfe, bis sich Anklänge von Holz, dunkler Schokolade und Filterkaffee bemerkbar machen. Schließlich lässt sich noch ein Hauch Zitrus vom eingesetzten Hopfen wahrnehmen. Das Mundgefühl präsentiert sich cremig-weich. Im Finish verabschiedet sich das kräftige Stout knochentrocken mit röstig-malzigem Charakter.

Fazit: Dieses Bier ist definitiv eine flüssige Wärmflasche. Wer es stark mag, bekommt mit „El Capitano“ eine komplexe, runde und nicht zu überladene Spezialität. Aber: Unbedingt etwas wärmer trinken, damit sich das ganze Aromaspiel ausbreiten kann. Guter Schuss, liebe Brew Mafia.

Munich Brew Mafia: Wärmflasche für Kapitäne

Brauerei Flügge: Saurer Charakterzug

Es zwitschert wieder: Die Frankfurter von der Brauerei Flügge sind bekannt für ihre Vögel auf den Etiketten sowie für sauren Spezialitätenbiere. Jetzt legten Dominik und Jo ein neues 4,5-prozentiges Sauerbier auf, das mit den Hopfensorten Cascade und Columbus gebaut ist. Vergoren wird das „Fil“ mit Milchsäurebakterien und norwegischer Kveik-Hefe. Anschließend lagert das Bier auf einem Püree von schwarzen Johannisbeeren.

In einem attraktiven beerigen Rot leuchtet das Bier durchs Glas, getoppt von einem rötlichen, feinporigen und festen Schaum. Die Nase wird sofort verwöhnt von säuerlich-fruchtigen Aromen und einem dezenten Milchshake-Touch. Auf der Zunge zeigt sich „Fil“ angenehm prickelnd und mit angenehmer Frische. Die Säure präsentiert sich absolut gefällig und keinesfalls zu bissig. Das Geschmacksbild ist geprägt von Johannisbeer-Aromen.

Fazit: Eine würdige Ergänzung zum „Maracuja-Sauer“. Eine elegante Säure sowie harmonisch eingebundene Fruchtnoten ergeben einen äußerst attraktiven Sud. Für mich ist dieses Sauerbier ein klasse Aperitif oder auch eine köstliche Erfrischung für besondere Momente. Ich hoffe, dass die Frankfurter ihre sauren Spezialitäten auch am kommenden Samstag beim „Tilmans Friends Of Mine Fest“ dabeihaben.

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