Welde & Jopen: Power aus dem Roggenfeld

img_20170211_100948_087Wahrscheinlich war ich eine der ersten Genießerinnen, die dieses Bier probieren durfte. Zumindest peilte ich auf der Braukunst Live in München zuerst den Welde-Stand an. Es war der erste Tag der Craft-Messe und für normale Gäste waren die Tore noch verschlossen. Aber bei Welde feierte der untergärige Kollaborationssud der Plankstädter Brauerei mit der niederländischen Bierschmiede Jopen aus Haarlem schon seine Premiere: „First tRye“ heißt das India Pale Lager mit 5,5 Prozent Alkohol.

Das Besondere daran: In diesem Bier zeigt sich die Lager-Expertise der Braumanufaktur Welde und die Erfahrung der Holländer mit Roggenmalz, das laut vieler Brauer nicht ganz einfach zu handhaben sei im Brauprozess. Satte 51 Prozent Roggen wurde für den Kollab verwendet. Schmeckt man! Das Korn bringt schöne würzige und kräftige Noten in das bernsteinfarbene Lagerbier. Dazu gesellen sich Aromen der eingesetzten Hopfensorten Chinook, Calypso, Mosaic und Pekko. Pekko ist übrigens ein neuer Zwerghopfen, benannt nach dem finnischen Gott des Feldes und der Fruchtbarkeit. Allein der Duft von „First tRye“ nach tropischen Früchten mit einem grasigen Anklang regt an, endlich zu probieren. Frisch und mit aromatischer Power breiten sich dann all die Aromen von Grapefruit, Limone und reifen Steinfrüchten auf der Zunge aus. Mit einer unaufdringlichen, zarten Bittere verabschiedet sich der Craftstoff.

Fazit: Mich fasziniert in diesem Bier der hohe Roggenanteil. Es ist wirklich spannend, welche Power und welche würzigen Aromen dieses Korn ins Lager bringt. Die Kombination mit den fruchtig-grasigen Noten der Hopfensorten ergibt für mich ein wahres Genussbier mit ganz individuellen Nuancen. Sollte man unbedingt mal probiert haben. Leider wird es hierzulande aber nicht in Flaschen verkauft, sondern nur an den Hähnen ausgewählter Craft-Bars ausgeschenkt.

 

Tölzer Mühlfeldbräu & Weyerbacher: Hammerbock aus bayerisch-amerikanischer Kollaboration

img_20170131_185335_529So ein Bier hat es hierzulande wohl noch nie gegeben. Der bayerische Tölzer Mühlfeldbräu aus Bad Tölz entwickelte gemeinsam mit der amerikanischen Weyerbacher Brewing Company aus Pennsylvania einen Vierfach-Weizenbock mit kräftigen 10,1 Prozent Alkohol. Sein Name: „BrauHeist“. Beide Bierschmieden brauten den Hammerbock in ihren eigenen Kesseln, aber selbstverständlich mit denselben Zutaten. Es gibt wohl nur einen minimalen Unterschied: Während die Bayern rund 500 Liter nach einem 24-stündigen Brautag erwirtschafteten, produzierten die Amerikaner gleich 96 Hektoliter.

Für beide Braustätten war dieses Projekt eine Premiere. Die Tölzer brauten zum ersten Mal mit einer Brauerei aus Übersee und das Weyerbacher-Team rührte angeblich erstmalig bewusst einen Sud nach deutschem Reinheitsgebot. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Kastanienbraun mit leichtem Rotschimmer steht der Bock im Glas, getoppt von einem feinporigen, fast cremigen Schaum. In die Nase strömt ein angenehmer Duft von Banane und Karamell, gepaart mit einem Anklang von roten Beeren und blumigen Noten des Hopfens. Auf der Zunge breitet sich ein wuchtiger Malzkörper aus. Das Mundgefühl ist so cremig, dass es schon fast an Likör erinnert. Der Geschmack ist absolut stimmig: Gebackene Honigbanane kombiniert sich mit fruchtigen Noten des Loral- und würzigen Aromen des Herkules-Hopfens. Im Finish lässt sich eine zarte Bittere wahrnehmen.

Fazit: Das ist mal ein Weizenbock! Trotz seiner zehn Prozent ist „BrauHeist“ fast schon süffig und daher auch echt gefährlich. Der Bock ist wirklich schön ausbalanciert und zum Glück im Geschmack – wie erst erwartet – kaum alkoholisch. Mal eine ganz andere Interpretation eines Weizenbocks. Ich hoffe, dass sich Bierfans noch auf weitere spannende Kollaborationen der beiden Brauereien freuen können.

 

Hoppebräu und Slyrs: Stout-Granate aus dem Whiskyfass

15195899_1362389013794095_7762491808078752898_oBei deutschem Single Malt Whisky mag so mancher Schotte die Nase rümpfen. Aber ein bayerisches Wässerchen von der kleinen Brennerei Slyrs am Südrand des Tegernsees hat inzwischen nicht nur hierzulande Kultstatus erzielt. Der oberbayerische Craft-Brauer Markus Hoppe aus Waakirchen konnte sich unlängst einige Fässer aus der wohl führenden deutschen Whisky-Manufaktur sichern und hat ein Imperial Stout darin einige Monate reifen lassen. Der Trunk kann sich wahrlich sehen lassen.

Schon beim Einschenken überrascht diese 11-prozentige Stout-Granate mit tief dunkelbraunem Teint und fast sirup-artiger Konsistenz. In der Nase liegt der schwere Duft des Slyrs-Whiskys mit seinem ganzen Aroma-Teppich. Zwischen den Fassnoten aus getoasteter US-Eiche bricht immer wieder mal der großzügig eingesetzte Mosaic-Hopfen durch. Ansonsten betören Aromen von Zartbitterschokolade, Vanille, Espresso, Dörrobst und Lakritze. Ein cremiges Mundgefühl bei mittlerem Hopfencharakter lässt aber keineswegs eine Dominanz des Alkohols zu. Im Abgang haftet lange der feine Whisky-Geschmack aus der Slyrs-Destille am Gaumen

Fazit: Seitdem Markus Hoppe 2010 sein erstes Bier in der Garage braute, hat er mit diesem „Oak Aged Imperial Stout“ jetzt ein wahres Meisterstück vorgelegt. Alles in allem ist dieser hochkarätige Edelstoff sehr gut durchkomponiert und mit einem ganz individuellen Charakter versehen. Nicht ganz billig dieser Trunk, aber der Tropfen lohnt sich allemal.

 

Mikes Wanderlust: Hopfenkraft aus Niederbayern

mikes-wanderlust-hasta-callistaMichael Sturm liebt nicht nur traditionelle Biere. Der Braumeister und Biersommelier des niederbayerischen Krieger Bräus in Landau an der Isar zaubert neben köstlichen Weißbieren, Dunklem und saisonalen Festbieren auch Craft-Bier aus dem Kessel. Seit wenigen Jahren braut er unter der Marke „Mikes Wanderlust“ ganz besondere Sude – darunter tiefschwarzes Stout, fruchtige Ales und Sorten, die er im Fass ausbaut. Dabei entfaltet sich der 34-Jährige total kreativ. Ich hatte kürzlich sein Single Hop Pale Ale namens „Hasta Callista“ im Glas.

Das fünfprozentige Bier leuchtet in einem goldenen Orangeton mit einem schönen, feinporigen Schaum im Glas. Schon beim Einschenken strömen fruchtige Aromen durch den Raum. Da komme ich mir fast vor, als stünde ich in einer Obstplantage. Ein Bukett von Birne, Grapefruit, Maracuja sowie Pfirsich und ein Anklang von süßen roten Beeren flutet die Nase. Hier merkt man schon im Geruch, dass der neue deutsche Callista Hopfen wirklich die Seele dieses Pale Ales darstellt. Das Mundgefühl ist frisch, ein bisschen prickelnd sogar. Auch über die Zunge schwimmt nun ein wahrer Fruchtcocktail. Noten von Birne und Maracuja, aber auch Stachelbeere und Sternfrucht schwirren die Kehle runter. Zarte 34 Bittereinheiten runden das Finish ab.

Fazit: „Hasta Callista“ ist ein Ale, das den Hopfen zum Star macht und zeigt, was die Sorte kann. Das mag ich. Dazu kommen Frische und eine wirklich hohe Trinkbarkeit. Eigentlich ein perfektes Sommerbier. Aber auch im Winter ein prima Feierabend-Drink und ein Begleiter zur leichten Küche.

Wet Hop Ale: Die spannendsten deutschen Grünhopfen aus 2016

Manchmal kann ich mich einfach nicht entscheiden. Eigentlich wollte ich nur ein Grünhopfen-Bier zum Favoriten aus 2016 vorstellen. Doch haben mich zwei Ales so angemacht, dass ich mich nicht auf nur eines festlegen möchte. Aber was ist eigentlich ein Grünhopfen-Bier? In den meisten Fällen, reisen die Brauer selbst ins Hopfengebiet, holen sich die Dolden direkt vom Feld und geben sie innerhalb weniger Stunden unbehandelt in den Sud.

20161118_131328.jpgGenau so war das auch bei meinem ersten Favoriten namens „Frischer Traum“. Der Trunk wurde im Riedenburger Brauhaus in Niederbayern von Maximilian Krieger zusammen mit Oliver Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg gebraut. Seit nun drei Jahren tüfteln die beiden Brauer einmal pro Saison gemeinsam an einem Wet Hop Ale. Dieses Mal hat es 5,7 Prozent und ist aromatisiert mit Bio-Cascade Hopfen. Kupferfarben strahlt es aus dem Glas. Beim ersten Schnuppern strömen überwiegend grasige Noten in die Nase. Dann aber entwickelt sich ein schönes harmonisches Fruchtbukett mit Zitrusnuancen und einem dezenten Anklang von Litschi. Am Gaumen erfrischt das Traumbier erst einmal. Schon im Antrunk ist es allerdings deutlich herb. Am Gaumen spielen dann die Fruchtnoten des deutschen Cascades: Limone, Grapefruit und Litschi. Im Finish verabschiedete sich der Kollaborationssud mit 55 Bittereinheiten, die ganz schön ordentlich sind. Novizen mit empfindlicher Zunge könnten hier schnell überfordert sein.

IMG_20161212_214224.jpgDas zweite Top-Wet Hop aus dem vergangenen Jahr kommt aus der Berliner Berg Brauerei. Hierbei geht es um ein India Pale Ale mit 6,9 Prozent, dass mit den Sorten Comet und Cascade gehopft ist. Golden glänzt es im Glas. Schon beim Einschenken wabern fruchtig Noten durch die Luft. Das Hauptstadt-IPA duftet nach einem Mix aus roten Beeren, tropischen Früchten sowie einem Touch von frischgemähter Wiese. Am Gaumen zeigt dann der Hopfen noch mal so richtig was er kann: grün-grasige, heuartige Noten zielen auf eine leichte Herbe und Aromen von Maracuja sowie der Beerengeschmack runden das Aromaspektrum ab.

Fazit: Beides sind tolle Ales, an denen man erkennt, was frische Hopfensorten direkt vom Feld so draufhaben. Der „Frische Traum“ setzt vor allem auf einen bitteren Stil, während dieser sich im Berliner Ale deutlich zurückhält, dafür aber die Frucht in den Vordergrund stellt. Im Nachhinein  finde ich, dass man die beiden Biere eigentlich nicht miteinander vergleichen sollte, denn sie überzeugen vor allem durch ihren individuellen Charakter. Aber es lohnt sich wirklich, beide mal zu probieren.

Crew Republic: Bayerns Wirtschaftsministerin kostet eigenes Grünhopfenbier

20161219_140401Mario Hanel und Timm Schnigula halten ihr Versprechen. Heute überreichten die Crew Republic-Gründer gemeinsam mit Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauerbundes, der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ein speziell für den Anlass gebrautes Grünhopfenbier. Dafür besuchte die Politikerin die Brauerei in Unterschleißheim und würdigte damit – vielleicht eher unbewusst – die Bedeutung der neu aufkommenden Craft-Bierbranche. Im Rahmen der Party „500 Jahre Reinheitsgebot“ im April in Ingolstadt, wurde der Ministerin ein Paket mit verschiedenen Hopfensorten geschenkt – mit dem Schwur, zum Ausklang des Jubiläumsjahres, ein besonderes Bier für sie zu entwickeln.

img_20161219_143647Das Ergebnis namens „Lissi Green“ verkostete ich heute Nachmittag frisch gezapft beim Ministerinnenempfang gleich mit. Gebraut wurde das 5,5-prozentige Grünhopfenbier mit den Sorten Magnum, Herkules, Relax und Mandarina Bavaria. Golden glänzt es im brauereieigenen Glas. Es duftet nach frischen Noten von Alpenwiesenheu und süßen Zitrusfrüchten wie Mandarine und Orange. Am Gaumen kommt es erfrischend, angenehm grasig und fruchtig mit Nuancen von Clementine und Pampelmuse rüber. Im Finish bleibt eine dezente Herbe der 25 Bittereinheiten noch länger zurück.

Fazit: Ein prickelndes Grünhopfen Ale mit hoher Trinkbarkeit. Ich hätte mir die Fruchtnoten etwas intensiver gewünscht. Aber so ist es ein angenehm schlankes Allroundbier, das nicht den Gaumen der Ministerin überstrapazieren dürfte und auch als Erfrischung nach einem deftigen Weihnachtsmahl dienen kann.

Braukurs: Ein bieriger Besuch bei Familie Hertl

20160924_102340Es ist schon ein besonderes Erlebnis, mit David Hertl ein Bier zu brauen. Denn er ist nicht nur einer der witzigsten Typen in der Craft-Szene, sondern auch einer der kreativsten Brauer Deutschlands. Mit ihm und ein paar anderen Hop-Guys produzierte ich im Spätsommer in seiner Braumanufaktur im fränkischen Schlüsselfeld ein Double Pumpkin Ale mit 7,5 Prozent Alkohol.

Der Brautag begann schon am frühen Morgen. Vor Hertls Bierwerkstatt bekam jeder Teilnehmer des Braukurses erst mal ein frischgezapftes Kellerbier in die Hand gedrückt. Dann wurde die Arbeit aufgeteilt. Die einen schroteten Pilsner-, Münchner- und belgisches Karamellmalz, David heizte die Kessel an und meine Schwester und ich schnitten Hokkaido-, Ambercup- und Festival-Kürbis, die einige Stunden vorher im Ofen gegart wurden. So geben sie im Sud nachher angeblich mehr Aroma ab.

20160924_102730Auf Hertels urigem Anwesen geht es noch richtig handwerklich zu. Während Vater Bernd schon mal Etiketten auf die Flaschen klebt, feuert Mutti Vroni schon den Grill für ein zweites Frühstück an. Es gab hausgemachten Flammkuchen vom Rost. Gastfreundschaft wird bei den Hertl’s großgeschrieben. Nach dem alle zusammen eingemaischt hatten und verschiedene Rasten eingehalten wurden, war schon wieder Mittagszeit. In geselliger Runde genossen wir fränkisches Schäufele. Dabei erzählte David noch einiges über den Brauprozess und seine Brauerei. Nach dem Läutern kochten wir die Würze, ich durfte den Hopfen zugeben und andere brachten mit der Schubkarre den Treber zu den Kühen vom Bauern nebenan. Teamwork! Für noch mehr Aroma landeten noch Ingwer, Orangeschale und Zimt im Sud. Gegen 17 Uhr war der Brauvorgang dann abgeschlossen und eine deftige Brotzeit wartete auf uns. Bei den Hertl’s Braukursen muss also keiner verhungern, geschweige denn verdursten. Uff!!!

20161203_141355Am vergangenen Wochenende hatte ich nun endlich das Ergebnis eines spannenden Brautages  im Glas. David Hertl ist bekannt für seine Steinflaschen. Für das „Handcrafted Fat Jack“, wie das Bier schließlich heißt, lackierte er sie passend zum Stil in einem knalligen Orangeton. Der „fette Jack“ leuchtet in einem satten kastanienbraun. Beim ersten Schnuppern würde keiner vermuten, dass es sich um ein Kürbisbier handelt. Es duftet würzig, nach Karamelle und etwas nach Orangeschale. Dazu kommt ein dezenter Anklang von Minze. Im Mund schmeckt das Kübisbier richtig schön vollmundig, intensiv und kraftvoll. Nussige Aromen aus den verschiedenen Kürbissorten und eine leichte Fruchtigkeit von Orange machen aus diesem Ale einen echten Zaubertropfen. Im Abgang offenbart sich noch ein Hauch von Ingwer.

Fazit: Einen Braukurs bei den Hertl’s kann ich wirklich jedem empfehlen, der Sinn für Humor und Interesse an innovativem Bier hat. Neben jeder Menge spannendem Wissen, darunter viele Brautricks, nimmt jeder tolle Erinnerungen aus einer urigen Umgebung mit nach Hause. Das selbstgebraute Bier dann zu probieren rundet das Erlebnis final ab – hat richtig Spass gemacht.

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David Hertl und ich nach einem erfolgreichen Brautag