Evil Twin: Sommer, Sonne, Sauerbier

IMG_20170517_144733_960Das heiße Wetter lässt durstige Kehlen nach Erfrischungen schreien. Während die einen im Biergarten die Maßkrüge stemmen oder die etwas sanfter veranlagten ihren Eiskaffee schlürfen, freue ich mich auf ein frisches Sauerbier mit gemäßigten Alkoholgehalt. Kürzlich öffnete ich im Garten das „Sour Bikini“ von Evil Twin. Eigentlich erwartet man von den dänischen Gypsy-Brauern, die in New York sesshaft sind und gerade dabei sind ihr eigenes 10-Hektoliter-Imperium aufzubauen, eher etwas Stärkeres. Doch das Sour Pale Ale besitzt nur schlanke drei Prozent, schmeckt aber trotzdem enorm gut.

Schon das Klicken und Zischen der Dose hat für mich etwas Sommerliches. Sonnengelb leuchtet das Ale im Glas. Es duftet tropisch nach Maracuja und säuerlich Grapefruit. Auf der Zunge breitet sich das Bier schön erfrischend aus, es prickelt dezent und präsentiert sich harmonisch sauer. Eine dezente Fruchtigkeit von Maracuja und Pampelmuse vervollständigen das Pale Ale. Im Abgang bleibt eine dezente Säure zurück.

Fazit: Packt die Badehose ein und ab an den See: „Sour Bikini“ ist dafür der ideale Begleiter. Fruchtaromen und die dezente Säure machen das Ale zu einer köstlichen Erfrischung. Die Trinkbarkeit ist sehr hoch. Ich denke, dass auch Sauerbier-Verachter von diesem Pale Ale positiv überrascht sein könnten. Passt bestimmt auch perfekt zu gegrillten Meeresfrüchten.

Sudden Death Brewing: Neuer Stoff nicht nur für harte Kerle

IMG_20170412_214500_874Oliver Schmökel und Ricky Nagel verliebten sich auf Reisen an die Ostküste der USA in die Biervielfalt der dortigen Brauer. Die Eishockey-Fans vom Timmendorfer Strand fliegen regelmäßig über den Atlantik, um ihr Lieblingsteam, die Boston Bruins, im Stadion anzufeuern. Zum Sport gehör auch Bier: „Wir waren sofort begeistert von den intensiv fruchtigen IPA’s, den hopfig grasigen Pale Ales und saisonalen Spezialitäten“, schwärmen Olli und Ricky. Von der Bierlust getrieben, begannen die beiden Kumpels mit Heimbrauen, Olli wurde dann Biersommelier und jetzt stehen ihre ersten beiden Sude unter dem Label Sudden Death Brewing tatsächlich in den Regalen ausgewählter Shops.

Der Name? Natürlich mit Eishockey verbunden: Sudden Death (engl.: plötzlicher Tod) sagt man für die Spielentscheidung durch das erste gefallene Tor in einer Verlängerung – der angeblich spannendste Moment eines Matchs. Und genau so mitreißend sind auch die Biere von Olli und Ricky. Ich hatte zuerst das East Coast Pale Ale namens „Tough Guy Ale“ mit 5,9 Prozent im Glas. In einem Orangeton leuchtet der „harte Kerl“, getoppt von cremigem Schaum. Gebraut ist das Ale mit fünf Hopfensorten: Magnum, East Kent Goldings, Cascade, Centennial und Chinook. So duftet es nach gelben Steinfrüchten wie Pfirsich und Aprikose. Auch am Gaumen dominiert das Steinobst, dazu kommt noch eine grasige Note und etwas Grapefruit. Das Craft schmeckt frisch und hat eine gute Trinkbarkeit. Im Abgang zeigen sich etwas zurückhaltend die 40 Bittereinheiten. Also: Nicht nur ein Bier für harte Kerle!

20170412_162751Auch „The Jungle King“, ein Banana Split Style Porter mit sechs Prozent Alkohol, könnte die Gaumen von Genießerinnen erobern. Der espressobraune „Dschungelkönig“ betört mit einem Duft von Kakao und Zartbitterschokolade. Am Gaumen zeigt sich erst die Karamellsüße, bis eine zarte Säure sowie Aromen von Schokolade, Kaffee und Nuss durchdringen. Im Abgang überrascht dann noch ein Hauch Banane, der dem Porter wirklich einen zarten Anklang von Banana Split gibt.

Fazit: In Sudden Death Brewing steckt gutes Potential. Beide Biere haben ein tolles Aromaspektrum und eine hohe Trinkbarkeit. Vielleicht lässt sich noch etwas an der Harmonie der eingesetzten Rohstoffe feilen. Aber: weiter so!

Maisel & Friends: Ein Traum aus Schokolade

20170413_133825Ostern ist für mich ein Genussfest. Zum Feiertagsmenü mit saftigen Kalbsbraten, frischen Spargel und hausgemachten Nudeln, darf es deshalb auch gern ein feines Dessert als Abschluss geben. Zum Mousse au Chocolate mit gehackten Pistazien, schenkte ich also das neue „Choco Porter“ von Maisel & Friends aus Bayreuth ins Glas.

In einem tiefen Espressobraun, getoppt von einem cremigen Schaum, strahlt das 6,5-prozentige Bier mir beim Einschenken entgegen. Ein Duftmix aus Schokoladen- und Haselnussnoten betört meine Sinne. Am Gaumen ist das Porter schön cremig, aber nicht zu schwer. Auf der Zunge zeigt die Kornkomposition von Gersten-, Karamell- und Röstmalz ihr Aromaspektrum. Nuancen von Zartbitterschokolade dominieren, dazu paaren sich allerdings süßliche Karamellnoten und eine gewisse Herbe von Espresso. Im Abgang nehme ich die zarten 22 Bittereinheiten des Hopfens wahr.

Fazit: Die Kombination dieses schokoladigen Porters mit der Mousse zaubert nicht nur Dessert-Fans ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen – wirklich eine perfekte Paarung. Mit diesem Craft-Bier legt Maisel mal wieder einen harmonische und vor allem leckeren Trunk vor, der durch seinen feinen Charakter auch locker im Sommer zu genießen ist.

Verkostung: Kleines Tasting durch die Welt griechischer Craft-Biere

20161225_095758Auch in Griechenland entwickelt sich gerade eine echte Craft-Bierszene. Immer mehr Homebrewer rühren in den Kesseln und stehen kurz davor, als Gypsy-Brauer durch das Land zu ziehen. Inzwischen konnte ich auf einigen Reisen so manch griechische Biere probieren. Kürzlich ergab sich durch einen Bekannten, der im Westen des Landes lebt, die Möglichkeit noch weitere Sude zu verkosten.

20170118_134218Zuerst flossen die beiden Kreationen der „Sknipa“-Brauerei aus Thessaloniki ins Glas: „Lady“ ist ein orangefarbenes Saison mit schlanken 5,5 Prozent, das mit Honig gebraut wurde. Es duftet nach Zitrone und etwas hefig. Auf der Zunge spielen säuerliche Aromen von Limone ein Zusammenspiel mit der Süße des Honigs. Wer denkt, dass sei wegen des Namens ein Frauenbier, der täuscht sich. Schmeckt wirklich interessant. Etwas kräftiger vom Körper her ist das bernsteinfarbene „Strong Ale“ mit 6,2 Prozent. Nuancen von Karamell und Kandiszucker strömen in die Nase, während es auf der Zunge sehr malzbetont mit einem Hauch von Rosinen daherkommt. Mir ist es etwas zu süß.

Ein weiteres Strong Ale konnte ich von „Epirus Brewing“ aus Rodotopi, Ioannina, probieren. Das goldfarbene, 6,5-prozentige Bier duftet etwas säuerlich und leider nicht besonders ansprechend. Im Geschmack dagegen zeigen sich malzige und toastige Noten. Dazu gesellen sich noch Honig- und Fruchtnuancen von Banane. Ganz ok, aber vielmehr gefiel mir das fruchtige Pale Ale der Brauerei. Schöne, wenn auch dezente Aromen von Pfirsich und Aprikose breiten sich in Nase und Mund aus. Kann ich mir mit den 5,6 Prozent gut bei heißen Temperaturen als schmackhaften Begleiter vorstellen.

20170102_154247Ebenso sommerlich mundet auch das „Sparta – American Pale Ale“ der „Lakoniki“-Brauerei in Tárapsa, im Süden der Region Peloponnes. Das fünfprozentige Ale schmeckt fruchtig-leicht nach Grapefruit und Aprikose. Das goldene Lager dagegen empfand ich mit seinen malzig, brotigen Aromen eher als unspektakulär. Zum Gyros passt es aber sicherlich wunderbar.

Zu guter Letzt hatte ich zwei griechische IPAs im Glas. Das eine heißt „Molotov Dry Hopped IPA“ gebraut von „Volos Beer“ in der Microbrewery von Thessaly. Es besitzt sieben Prozent sowie angenehme Nuancen von Dörrobst, Pflaume und landestypischen Honig. Am besten gefiel mir allerdings das IPA 20170118_130418namens „Athenia“ mit Centennial und Cascade von „Trikalbeer“. Es überzeugte mich durch eine hohe Fruchtigkeit von Pfirsich und Aprikose. Dazu kommt eine leichte Säure sowie ein etwas Harziges. Im Finish zeigt sich auch eine herbe Bittere.

Fazit: Die verkosteten Biere sind alle gut trinkbar. Allerdings ist mein Gaumen wohl schon zu sehr verwöhnt, dass leider keines der griechischen Crafts besonders hervorstechen konnte. Potential ist aber auf jeden Fall da. Und im Urlaub bei mehr als 30 Grad möchte wahrscheinlich auch niemand eine wuchtige Aromabombe am Strand genießen…

 

Oedipus Brewing: Holländisches Frühlingserwachen

IMG_20161103_191635Kaum scheint die Frühlingssonne und die Temperaturen klettern nach oben, schon bekomme ich Lust auf eine Erfrischung. Im Kühlschrank wartete dafür die „Swingers Gose“ von Oedipus Brewing aus Amsterdam. Das ist aber keine gewöhnliche Stilinterpretation, sondern eine Freestyle-Variante. Denn die Gose mit aschblonder Farbe und schlanken vier Prozent wurde mit Meersalz sowie Limetten- und Grapefruitschale gebraut. Auf Koriander haben die Holländer bewusst verzichtet. Angeblich mag keiner von der Braumannschaft das Kraut so wirklich – stört mich nicht, ich bin auch nicht so der Fan von dem Gewächs.

Die Gose braucht das Gewürz aber auch nicht, sie hat andere Qualitäten. Schenkt man das Bier ins Glas, so strömen schon tropische Düfte von Maracuja und Guave in die Nase. Die Zunge wird dann zur Tanzfläche von fruchtigen Aromen: reife Birne, Guave, Limette, Grapefruit und Passionsfrucht swingen mit einer leichten Salzigkeit und einer dezente Herbe. Auch im Abgang bleiben die fruchtigen Nuancen noch lange zurück.

Fazit: Genau das, was ich am ersten Frühlingstag genießen wollte. „Swingers Club“ ist wirklich eine geile Erfrischung und eine ganz andere Umsetzung einer Gose. Die fruchtigen Noten mit der leichten Salzigkeit machen das alkoholarme Bier zum idealen Sommergetränk. Kompliment an die Holländer!

Gemeinschaftssud: Hopfenreiter im Doldenwald

IMG_20170309_190104_716Um ein Bier richtig zu analysieren, nehme ich mir gern etwas mehr Zeit. Probieren konnte ich den „Hopfenreiter“ zwar schon bei seiner Premiere, zum ersten Geburtstag der Gastronomie „Liebesbier“ und der „Maisel & Friends Brauwerkstatt“ in Bayreuth. Jetzt schenkte ich mir das Double IPA mit 8,5 Prozent Alkohol noch mal ins Glas, um es noch einmal zu verkosten. Das Besondere an diesem Trunk: Gebraut wurde das Bier gemeinsam von sechs Brauereien. Jeder Brauer brachte eine Hopfensorte mit – Hoppebräu aus Waakirchen den Vic Secret, Schanzenbräu aus Nürnberg den Callista, Brewage aus Wien den Chinook, BRLO aus Berlin den Comet, Jopen aus den Niederlanden den Zuchthopfen HBC 431 und die Initiatoren Maisel & Friends die Sorte Mosaic.

Ab ins Glas: Die Optik macht schon mal was her. In einem Bernsteinton glänzt das IPA, ein appetitlicher, schneeweißer Schaum perfektioniert das Biergewand. Es duftet nach einem tropischen Früchtekorb mit einer gewissen Würze. Der Antrunk von Malzsüße geprägt, bis sich die Hopfenaromen am Gaumen mit einem kräftigen Mundgefühl ausbreiten. Noten von reifer Ananas, saftigem Pfirsich und Blutorange dominieren. Hinzu kommen grasige Nuancen und ein Hauch roter Beeren. Der „Hopfenreiter“ verabschiedet sich mit deutlich wahrnehmbaren und herben 70 Bittereinheiten und einem dezent brotigen Geschmack.

Fazit: Dieses Bier ist nichts für Craft-Novizen. „Hopfenreiter“ ist schön komplex, bei jedem Schluck kommen andere köstliche Aromen des Hopfens durch. Allerdings ist das Double IPA mit seinen 8,5 Prozent auch ziemlich kräftig. Es lohnt sich aber allemal diese Hopfenbombe zu probieren. Ein wunderbares Feierabendbier oder als Begleiter zum Steak – schließlich steigen schon die ersten Rauchschwaden der Grills aus vereinzelten Gärten auf.

Tipp: Wen es mal nach Bayreuth verschlägt, der sollte unbedingt beim Liebesbier vorbeischauen. Dort gibt es nicht nur ein ziemlich geiles Ambiente, sondern auch mehr als 100 Biere auf der Karte und tolles Essen, wie etwa Dry Aged Entrecôte oder Tomahawk-Steak zu fairen Preisen.

 

 

Ratsherrn & The Pier: Flüssiger Speck im Birnenmantel

img_20161203_133537So was habe ich noch nie genossen. „RauchBirne“ heißt der ungewöhnliche Sud der Hamburger Ratsherrn Brauerei, den die Macher zusammen mit „The Pier“ aus Berlin entwickelt haben. In den Sudkessel kam jede Menge Rauchmalz, um genauer zu sein, Buchenbrauchmalz, und beschwipste Williamsbirne. Mit 3,8 Prozent Alkohol ist das Bier zwar recht schlank, aber das Aroma hat es dafür echt in sich.

Rauchige Noten strömen schon beim Einschenken durch die Nase. Goldgelb strahlt die RauchBirne durch das Glas, getoppt von einem schneeweißen Schaum. Betörend ist auch der Duft von geräuchertem Schinken – und das in Verbindung mit einem Hauch fruchtiger Birnenaromen. Im Mund ist das Craft schön spritzig und erfrischend. Specknoten verbinden sich mit einer angenehmen Rauchigkeit, Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Limone und etwas Alkoholischem von der eingelegten Birne. Der Abgang ist äußerst spannend, weil sich auf einmal noch eine gewisse Süße mit den Aromen paart.

Fazit: Das ist mal ein ganz ungewöhnliches und hochinnovatives Bier. Leider war das nur eine limited Edition, aber wer Glück hat, findet es noch in ausgewählten Shops. Für mich ist das zwar kein Bier, das ich regelmäßig einschenken würde, aber diese Aromakombination ist wirklich einmalig und bestens für besondere Gäste geeignet. Kompliment an die Brauer für die Idee und die spannende Umsetzung.