Browar Nepomucen & Browar Deer Bear: Alkoholfreier Kreativsud aus Polen

Polen gilt als aufsteigendes Craftbier-Land. Zu den derzeit hippesten Brauereien des Landes gehören Browar Nepomucen in Szkaradowo, südlich von Posen gelegen und Browar Deer Bear in Toruń. Beide Teams haben ihre Bierkarriere als leidenschaftliche Hobbybrauer gestartet. Jetzt habe sie gemeinsam ein Bier namens „Free Pan Da“ rausgebracht. Dabei handelt es sich um ein alkoholfreies Pastry Sour. Die Besonderheit an dem Bier ist, dass die Macher es mit Mangopüree, Passionsfrucht, Orange und Yuzu vergoren haben. Für den gewissen Smooth gaben sie noch Laktose mit dazu.

Das Bier mit weniger als 0,5 Prozent Alkohol zeigt sich in einem strahlenden, opaken Sonnengelb im Glas. Ein schneeweißer, moderater und instabiler Schaum liegt kurz oben auf. In die Nase strömen fruchtig-frische Noten von Mango, Maracuja, Zitrus, Orangenzeste und Blutorange. Der Antrunk gestaltet sich erfrischend fruchtig, bis sich eine moderate Kohlensäure mit einem schlanken Mundgefühl ausbreitet. Im Geschmack zeigen sich auch die eingesetzten Früchte, die von einer angenehmen Säure begleitet werden. Abgerundet wird das Aromaspiel von einer sanften süßlichen Cremigkeit der Laktose. Im Abgang bleibt das Bier noch lang am Gaumen zurück. Eine Bittere ist kaum vorhanden.

Fazit: Ein tolles fruchtig-frisches und harmonisches Sommerbier für alle, die mal keine Lust auf Alkohol haben.

Tasting-Time: Aromarad for free

Liebe Community,

mit Maximilian Marner von Brausturm habe ich dieses schicke Aromarad entwickelt. Es kann bei Verkostungen unterstützen und macht auch in einem Rahmen an der Wand was her. Wir stellen es euch für ein Tage zum kostenfreien Download zur Verfügung. Solche Räder sind immer ausbaufähig, also falls ihr Feedback habt, immer gern her damit.

Hier geht’s zum Download:

https://wetransfer.com/downloads/2161fe751ed41ac9fc9da1c0fe21155b20210712085110/690d375fdf3d73d9dcbbb022108976ba20210712085131/8cd911

Einstök: Beeriges Ale vom Polarkreis

Island ist eines meiner liebsten Reiseländer. Die Insel am Rande des nördlichen Polarkreises fasziniert mich aber nicht nur wegen der atemberaubenden Landschaft und den interessanten Menschen, sondern auch wegen den spannenden Bieren aus ganz ungewöhnlichen Kreativbrauereien. So ist klar, dass ich mir immer die neuen Sude, die ich bekomme, sofort kaufe. Im Biervana in München habe ich kürzlich das fünfprozentige „Arctic Berry Ale“ von Einstök aus Akureyri, der nördlichsten Stadt des Landes, entdeckt.

Dabei handelt es sich um ein saisonales Sommerbier, das mit handgepflückten Heidelbeeren und dem Saft von Krähenbeeren gebraut ist. Unerwartet präsentiert sich das Ale in einem attraktiven Goldton im Glas, ein feinporiger Schaum liegt schneeweiß oben auf. Im Bukett zeigen sich ein intensiver Duft nach den Beeren. Auf der Zunge breitet sich das Island-Bier frisch und schlank mit einer moderaten Kohlensäure aus. Im Aromaspiel dominieren eine Fruchtigkeit von den eingesetzten Beeren sowie Zitrusnoten. Hinzu kommt ein malziger Touch und ein Anklang von Orangenzeste. Das Finish gestaltet sich mit einer sanften Herbe, die sowohl vom Hopfen als sicherlich auch von den Schalen der Beeren stammt und zum nächsten Schluck animiert.

Fazit: Das Bier macht Spaß! Ein eher ungewöhnliches Aroma trifft auf Frische und hohe Trinkfreude. Ich werde mir diesen Sud auf jeden Fall noch mal kaufen. Zudem hat das Ale meine Sehnsucht nach dem Vulkanland geweckt. Es ist wohl bald mal wieder an der Zeit, einen Tripp durch isländische Craftbrauereien zu starten – natürlich nur, wenn es die Corona-Situation zulässt.

Firestone Walker: „Bier vor Ruhm“

Firestone Walker zählt nicht nur zu den wichtigsten Wegbereitern der internationalen Craftbier-Szene, der kalifornische Pionier hält auf der Liste der weltweit besten Brauereien auch einen Spitzenplatz. Jetzt feiert die Kult-Brauerei aus Paso Robles ihr 25-jähriges Jubiläum und blickt dabei auf eine turbulente Geschichte zurück

Wahrscheinlich gibt es in keinem anderen Land eine Brauerei, die über eine vergleichbare Gründungshistorie verfügt. Die Story von Firestone Walker beginnt – völlig untypisch für einen Bier-Produzenten – auf einem vierzig Hektar großen, südkalifornischen Weingut irgendwo zwischen San Francisco und Los Angeles. Von Rebensäften und lokalen Standardbieren gelangweilt, machten sich Adam Firestone und David Walker einst auf die Suche nach dem perfekten Bier. Anfangs wollten die beiden Schwäger bloß einen schmackhaften Sud für sich selbst sowie für die heimische Winzergemeinde brauen, die sich nach einem weinreichen Tag gern auch mal mit einem Bier erfrischt. „Aber dann geriet alles außer Kontrolle“, erinnert sich David Walker, „so richtig können wir noch immer nicht fassen, was da in den darauffolgenden 25 Jahren entstanden ist.“

Tatsächlich begann damals eine der größten Erfolgsgeschichten der Craftbier-Branche. Unter bescheidenen Anfängen – mit umgebauten Wein- und Milchtanks sowie Brau-Equipment vom Schrottplatz – zogen die beiden Gründer in einen alten Schuppen inmitten von Rebengärten ihrer Familie und brauten dort ihr erstes Bier. Seinerzeit befand sich die Bier-Revolution noch in den Anfängen und industrielle Standardbiere dominierten im Land. So markierte der erste Sud der Kalifornier absolutes Neuland in der amerikanischen Bierszene: ein bernsteinfarbiges Double Barrel Ale (DBA) im Stil eines britischem Pale Ales mit großzügigem Hopfeneinsatz, das sie in Eichenfässern fermentierten. „Das DBA gehört heute immer noch zu meinen Lieblingsbieren“, gesteht Gründervater Walker, „ich trinke es jeden Tag mit großem Genuss aus einem Weinglas.“

David Walker & Adam Firestone – Credit Firestone Walker

Der Siegeszug der Brauerei begann jedoch, als Adam Firestone und David Walker 2001 ihre Braustätte aus den Weinbergen nach Paso Robles verlegten und gleichzeitig mit Matt Brynildson auch den perfekten Braumeister fanden. Der unter dem Spitznamen „Merlin“ agierende Hopfenzauberer hatte sich schon bald mit ikonischen Sud-Kreationen wie dem Pale 31, dem Union Jack sowie dem Pivo sowie mit jährlichen Anniversary Ales den Ruf als einer der weltweit besten Brauer erobert. Er wurde fünfmal beim „Great American Beer Festival“, sowie beim World Beer Cup als „Brewer of the Year“ ausgezeichnet. „Matt ist der perfekte Braumeister und wir wissen, dass unsere Biere bei ihm in besten Händen sind,“ schwärmt Adam Firestone über seinen besten Mann.

Zwei Bier aus der Merlin-Trickkiste, das schlanke und fruchtige Pale Ale „Pale 31“ und das kräftige Double IPA namens „Double Jack“, läuteten nach Ansicht vieler Craft-Aficionados vor gut zehn Jahren auch in Deutschland den Beginn einer neuen Bier-Ära ein. Damals hatten die hiesigen Craft-Pioniere von Braufactum die Sude der kalifornischen Craft-Brauer erst landesweit bekannt gemacht. „Wir waren seinerzeit richtig stolz, als unsere Biere auch in Europa eine Fangemeinde fanden“, sagt Walker. Da jedoch durch den langen Transport häufig die Frische der Sude litt, entschieden sich die Mancher alsbald in der britischen Thornbridge Brewery nahe Sheffield zu produzieren.

Nach Jahren der Expansion gehört Firestone Walker inzwischen mit einem Jahresausstoß von 650.000 Hektolitern zu den vier größten Brauereien in Kalifornien und zu den zwanzig größten der USA. Das Standardsortiment zählt knapp zwei Dutzend Sorten, überwiegend India Pale Ales (IPAs), aber auch Stout und Lager. Während in Paso Robles heute noch die Classics gebraut werden, sind mit Buellton und Venice zwei weitere Standorte im US-amerikanischen Sonnenstaat hinzugekommen – kreative Spielwiesen auf denen sich die Brauer auf limitierte und experimentelle Sude konzentrieren können. Die Biere lagern hier in gebrauchten Weinfässern aus der eigenen Firestone-Kellerei oder reifen in zugekauften Bourbon-, Brandy- und Tequila-Fässern.

Was heute für das ursprünglich branchenfremde Gründer-Team zum Tagesgeschäft gehört, war einst nur als Hobby-Brauerei geplant. Adam Firestone studierte nach dem Militärdienst Jura und übernahm schließlich das Familienweingut in dritter Generation. David Walker arbeitete als Manager in der Technologiebranche. Doch dann kam 1996 dieser legendäre Tag, auf dem 40-Hektar großen Chardonnay-Weingut der Firestones, als die beiden Genussmenschen enttäuscht über lokale Gerstensäfte debattierten und sich entschlossen, fortan ihr eigenes Bier zu brauen. Die Tatsache, dass er Ursprung der Braustätte inmitten kalifornischer Rebflächen lag, hat nach wie vor Einfluss auf den aktuellen Firestone-Walkers-Stil, bestätigt auch durch den Charakter der Firestone Walker „Barrelworks“.

Knapp fünf Jahre nach dem Start des Double Barrel Ales war die selbstgebaute Anlage komplett ausgelastet und auch die Location platzte aus allen Nähten. Im Jahr 2001 kauften die beiden Schwäger eine schlüsselfertige Anlage der SLO Brewing Company in Paso Robles, direkt am Highway 101, einer zentralen Fernstraße, beliebt auch bei ausländischen Touristen. Der Besucherstrom blieb nicht aus: Mit wachsenden Absatzerfolgen war die Kapazität des 12.000 Quadratmeter großen Produktionsareals schon bald ausgereizt und eine Erweiterung wurde unaufschiebbar. Ihre Expansionspläne konnten die beiden Gründer jedoch nur verwirklichen, in dem sie sparsam mit dem Geld umgingen. Alles was Firestone und Walker in den ersten 15 Jahren an Equipment anschafften, war gebraucht. „Bei dem schnellen Wachstum der Brauerei, verfügten wir immer nur über ein knappes Einkaufsbudget“, erklärt Adam Firestone seinen Sparkurs.

Zehn Jahre lang nutzte das Team jeden Zentimeter Platz in der Brauerei aus, um so effizient wie möglich zu arbeiten. Bereits 2012 erweiterten sie das 50-Barrel-System auf 65-Barrel und waren überzeugt, die Kapazitäten würden jetzt erst mal ausreichen. Aber als mit der Einführung des Firestone Walkers 805 im gleichen Jahr ein weiterer Meilenstein in der Craft-Szene hinzukam, brachen alle Dämme. Das Bier, ursprünglich nur für die regionale Vermarktung ausgelegt, wurde der Firestone-Walker-Mannschaft förmlich aus den Händen gerissen. Erneut stieß die Produktion an ihre Grenzen, so dass die Brauerei um ein 300-Barrel-Sudhaus vergrößert wurde. Die ursprünglichen Kessel dienen jetzt immerhin noch für Kleinserien.

Im Hauptquartier in Paso Robles findet heute überwiegend die Produktion der sogenannten Core-Range statt. Dazu gehören verschiedene Hazy-IPAs, aber auch das Double IPA namens „Double Jack“, die etwas leichtere Version „Union Jack“ sowie das Session IPA „Easy Jack“. Relativ neu im Portfolio sind das 5,5-prozentige Milk Stout „Nitro Merlin“, das vierprozentige, trübe IPA „Flyjack“, das angeblich nur 96 Kalorien pro Dose besitzt sowie das „Luponic Distortion IPA“, das mit 5,9 Umdrehungen eine neuseeländische Hopfenwucht der Sorten Nelson Sauvin, Nectaron, Riwaka und Motueka demonstriert. Im Portfolio sind aber auch noch das untergärige Biere wie das „Premium Lager“ und der 5,3-prozentige Traditionssud „Pivo Pilsner“ mit deutschem Saphir-Hopfen verankert.

Klar ist, das grüne Gold steht bei der Ausrichtung der meisten Bieren aus dem Hause Firestone Walker definitiv im Vordergrund. Auch wenn David Walker weiß, dass helle Lagerbiere weiterhin den Markt dominieren, so ist ihm bewusst, dass hopfenbetonte India Pale Ales immer noch als Spitzenreiter der Craft-Szene fungieren. Unabhängig von allen Trendbewegungen ist Walker überzeugt: „Neugier und Leidenschaft zu neuen Bier-Stilen und ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen werden sich auch in Zukunft durchsetzen.“

So zählen für echte Craft-Nerds vor allem die fassgereiften Sorten zu den absoluten Aroma-Highlights von Firestone Walker. Erst vor einigen Wochen kam das limitierte Jahrgangsbier „Parabola“ heraus, ein Imperial Stout, das zwölf Monate in unterschiedlichen Fässern reift. Die „2021-Vintage-Version“ legte Matt Brynildson zwölf Monate in Bourbon Whiskeyfässer, um einen fast schon öligen Körper mit komplexen Aromen von Schokolade, Holz, Kaffee, Vanille sowie Schwarzkirschen und Pflaumen zu erzielen. Als kreatives Highlight gilt auch der helle Barley Wine „Gin Rickey“, in dem Limettenschalen, Muskatblüte, Koriander und Wachholderbeeren stecken. Der 11,3-prozentige Sud schlummert bis zur vollen Reife ganze 18 Monate in Gin-Fässern.

Weitere Sondersude finden Bierliebhaber in der Propagator-Serie, die im „Propagator R&D Brewhouse“ in Venice entstehen. Aktuell gibt es ein 8,3-prozentiges Rye Black IPA sowie zwei Single Hop IPAs mit den Hopfensorten Nectaron und Nelson Sauvin. In der Kreativwerkstatt „Barrelworks“ in Buellton hat sich das Brau-Team dagegen auf wilde Sude spezialisiert. Die Location gilt als eine der einflussreichsten Wild Ale-Produktionen der gesamten Craftbier-Branche. Von hier kommt auch das „Feral One“, ein Jahrgangsbier, das als Hommage an das Barrelworks-Gründungsjahr 2013 erinnern soll.

Neben geschmacklichen Innovationen gehören für Firestone und Walker auch die Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zu den wichtigen Erfolgsfaktoren der Brauerei. So stellt inzwischen eine knapp zehn Hektar großen Solaranlage sicher, dass der Großteil der Biere mit kalifornischer Sonne gebraut wird. Zwanzig Prozent des Energieverbrauchs des Sudhauses werden durch Dampfrückgewinnung der Kessel erzeugt und Millionen Liter Wasser werden von einem lokalen Reservoir eingespeist. Von den alljährlich anfallenden Biertrebern gehen rund 10.000 Tonnen an das Vieh lokaler Farmer. Für die beiden Gründer ist „die Brauerei ein Lebenswerk, das noch immer von uns, unseren Freunden, der Familie und den Kollegen getragen wird“.

Auch wenn der Corona-Hurrikan nicht spurenlos an der Brauerei vorübergezogen ist, blicken Adam Firestone und David Walker in eine rosige Zukunft und träumen von einem Ausstoß von einer Millionen Hektoliter. „Solange diese Dynamik bei uns lebendig ist und Bierbrauen ein leidenschaftliches Unterfangen mit sich ständig weiterentwickelnden Stilen und Marken bleibt, werden wir uns auch in schwierigen Zeiten behaupten können,“ resümiert David Walker. Sein Team strebe weiterhin danach, das perfekte Bier zu brauen, indem es mit Herz und Seele an dem Prinzip „Beer for Glory“ festhalte, das die Brauerei nach 25 Jahren so weit gebracht habe.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Wildwuchs aus dem Fass

Nach Hopfen und Malz etabliert sich jetzt die Hefe zum neuen Rohstoff-Star vieler Craft-Brauer. Als echte Königsdisziplin allerdings gilt die Spontangärung mit wilden Hefen im belgischen Lambic-Stil. Den Original-Suden folgen nun auch immer mehr moderne Interpretationen.

Hefe in Arbeit

Selbst abgehärtete Craft-Profis, die zum ersten Mal eine belgische Traditionsbrauerei betreten, wirken häufig betroffen und verwirrt: feuchte Gemäuer, muffiger und modriger Geruch und an den Wänden kleben dicke Spinnweben. Ein solches Ambiente bedeutet aber keinesfalls, dass die Macher der Braustätte nicht sauber arbeiten. Um den einzigartigen Geschmack ihrer Lambic-Biere zu erzielen, benötigen sie exakt dieses Umfeld, um den wilden Hefen für ihre Spontangärung einen idealen Lebensraum zu bieten.

Solche spontanvergorenen Biere, sollen angeblich im 15. Jahrhundert südwestlich von Brüssel, im flämischen Pajottenland, entstanden sein. Heute tragen Lambic-Biere das EU-Gütesiegel als „garantierte traditionelle Spezialität“ und gelten als besonders edle, komplexe und saure Klassiker. Zur Familie dieser Bier gehören auch Varianten wie Gueuze, Kriek und Faro. Seit das traditionell hergestellte Lambic von der Slow Food-Bewegung in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen wurde, wächst die internationale Nachfrage stetig und die Preise schießen seit einigen Jahren durch die Decke. Manche Sorten werden im Internet bereits zu Wucherpreisen im dreistelligen Bereich vertickt.

Bei einer solchen Erfolgsgeschichte wundert es nicht, dass sich auch immer mehr Kreativbrauer außerhalb von Belgien an solch wilde Spezialitäten wagen. Crafties aus den USA sind ganz vorne mit dabei. Als einer der Vorreiter bei wilden Suden gilt die Dovetail Brewery in Chicago. Die beiden Braumeister Hagen Dost und Bill Wesselink lernten sich bei der Ausbildung in der Doemens Akademie nahe München kennen und waren bereits begeistert von belgischen Lambics, bevor sie überhaupt ihre eigene Brauerei gründeten. Schon bei der Planung der Dovetail-Braustätte war ihnen klar, dass sie auch mit wilden Hefen arbeiten möchten. Noch immer gehen Dost und Wesselink beinahe ehrfürchtig an den Bierstil heran und bezeichnen ihre Sorten lediglich als „Lambic Style“. „Uns ist klar, dass es echte Lambics nur in Belgien geben kann“, urteilt Brauer Dost, „wir haben in unserem fast hundertjährigen Gebäude zwar wilde Hefen, aber die Mikroflora ist eine ganz andere und nicht mit dem belgischen Original vergleichbar.“

Durch ihr spezielles Herstellungsverfahren schaffen es die Belgier das einzigartige Lambic-Aroma zu bewahren. Gebraut wird das Bier mit rund 30 Prozent Rohweizen sowie mit gealtertem Hopfen. Nach dem Kochvorgang, der bei Lambics etwa vier Stunden dauert, läuft die Würze in ein offenes Kühlschiff. Jetzt wird’s wild, denn nun fallen die Hefen – meist handelt es sich um Brettanomyces bruxellensis und Brettanomyces lambicus – aus den alten Gemäuern in die Würze und setzen spontan die Gärung in Gang. Anschließend kommt das Bier ein bis drei Jahre zur Reifung ins Holzfass. Hier nimmt es verstärkt seine komplexe und animalische anmutende Charakteristik an. Der Hauptteil der Mikroorganismen für die Gärung, also rund 80 Prozent, steuert die Fassgärung bei. Nach der Reifung im Holz geht es in die Flasche zur Nachgärung.

An diese traditionellen Prozesse wagen sich auch Jeff Stuffings und Michael Steffing von der Brauerei Jester King in Austin, Texas. Dabei kommt ihnen zugute, dass Ihre Braustätte sich auf einem alten Landgut befindet. So haben sich die beiden Chefs auf die Fahnen geschrieben, nur natürliche Rohstoffe aus eigenem Anbau oder aus der Region zu nutzen. Vor knapp acht Jahren entschlossen sich die Gründer auch wilde Hefen zu nutzen. Sie kauften ein Kühlschiff, in dem sie die Würze über Nacht ruhen lassen, um die Gärung in Gang zu setzen. Stuffings und Steffing sehen Spontangärung als natürliche Erweiterung ihrer Mission. Sie wollen mit all ihren Bieren den Konsumenten ein Gefühl für den Herstellungsort schaffen. Ungewöhnlich für klassische Lambics: Im Portfolio finden die Fans von Jester King auch wilde Biere, die mit Zutaten wie Hagebutten, Zitronengras, Wachholderzweigen, Blaubeeren, Weißweintrauben, Fenchel oder Brennnesseln gewürzt sind. „Die Gärung mit Organismen, die wir in unserer Umgebung biologisch gewonnen haben, ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Bierportfolios“, betont Stuffings stolz.

Jester KIng Breweing – Credit: Granger Coats

Der Trend zur eigenen Mikroflora und der Art, ein Bier im Stil eines belgischen Lambics herzustellen, zieht sich inzwischen quer durch die ganze USA. So hat sich auch das Brau-Team von Fermentery Form in Philadelphia oder aber Trevor Rogers und seine Frau Linsey von De Garde Brewing aus Tillamook in Oregon auf die traditionelle Herstellung dieser Biersorte spezialisiert. Die Rogers verwenden für einen zusätzlichen Geschmacks-Kick gern auch Früchte bei der Gärung. So gibt es aktuell das 6,5-pozentige „The Peach“ mit Pfirsichen, dass zwei Jahre in Eichenfässern reifte sowie eine Version mit Nektarinen und Boysenbeeren, eine amerikanische Züchtung aus Brombeeren und Loganbeeren. Als extravagant gilt allerdings „The Archer Réserve“, das mit Pinot Noir-Trauben versetzt ist und in vier Jahre alten Fässern ausgebaut wird.

Credit: Grimm Ales

Anders als die Brauer von De Garde, Dovetail und Jester King arbeitet das New Yorker Team von Grimm Artisanal Ales. Joe und Lauren Grimm sind fasziniert von Hefe, besitzen aber kein klassisches Kühlschiff. Ihr Trick: Sie lassen die Sudkessel einfach über Nacht offenstehen, um die Würze mit den Mikroorganismen aus der Brauereiluft zu „impfen“. Anschließend füllen sie die Sude in Fässer unterschiedlichen Alters und Eigenschaften. Nach der Reifung verschneiden sie im Gueuze-Stil die verschiedenen Chargen miteinander. Ein Highlight des Grimm-Gespanns: Ein spontanvergorenes, siebenprozentiges Bier namens „Open Work Riesling“, welches durch die Spontanhefe und die Lagerung in Weinfässern zarte blumige Noten sowie Aromen von Zitronenschale und Honig mit sich bringt.

Die verschiedenen Interpretationen spontanvergorener Biere beweisen, dass auch bei diesem traditionellen Herstellungsprozess der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Den Brauern ist dabei aber durchaus bewusst, dass es kaum möglich ist, ein echtes belgisches Lambic zu kopieren, zumal sich die dafür erforderlichen Mikroorganismen nun mal gerade nicht im Rest der Welt aufhalten.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Schräge Biere: Kräftig auf die Nuss

Für manchem Bierfan mag es eine geschmackliche Herausforderung sein. Aber rund um den Globus schwören Craft-Brauer immer mehr auf den Geschmack von Erdnussbutter im Sud. Vorreiter bei diesem speziellen Aromakick sind die USA.

Credit Belching Beaver Brewery

Egal ob pur, geröstet oder gesalzen, als Brotaufstrich, in Donats oder im Gebäck: Amerikaner stehen total auf Erdnüsse, in jeder Form und Konsistenz. Am liebsten futtern sie diese allerdings in Form von Erdnussbutter. Kein Wunder also, dass diese kalorienreiche Gaumenfreude auch gern mal in den Sudkesseln kreativer Brauer landet.

Wer sich im internationalen Bierkosmos umsieht, der findet jedenfalls immer mehr Sude mit Erdnussbutter-Geschmack. Bei den meisten Sorten handelt es sich um Stouts und Porters, aber auch IPAs bekommen ihren Kick durch Zugabe spezieller Nuss-Aromen. Als absoluter Klassiker gilt das 5,3-prozentige „Peanut Butter Milk Stout“ von Belching Beaver in San Diego. Im Duft und auf der Zunge zeigen sich Aromen von gerösteten Erdnüssen, dunkler Schokolade und Kaffee. Das Bier ist so beliebt, dass es längst zu den Bestsellern der Brauerei zählt und inzwischen auch in mehreren Varianten wie etwa als cremige Nitro- und als zimtige Mexican-Version aus den schicken Dosen fließt.

Auch bei Left Hand Brewing aus Longmont in Colorado gehört das „Peanut Butter Milk Stout“ mit 6,2 Umdrehungen zu den Kassenschlagern der Braustätte. Die Brauer packen neben Erdnüssen und Erdnussbutter-Aromen für ein cremigeres Mundgefühl auch noch Laktose in die Kessel. Auch an der Ostküste der USA setzen die Macher von DuClaw Brewing in Baltimore auf Erdnussgeschmack, am liebsten in Porters. Eine Sorte mit dem schrägen Namen „Sweet Baby Jesus“ ist erfolgreicher Teil ihres Kerngeschäfts. Dabei handelt es sich um ein schokoladiges und angenehm cremige schmeckendes „Chocolate Peanut Butter Porter“.

Dass Erdnussbutter selbst in India Pale Ales funktioniert, beweisen die Macher von Westbrook Brewing in Mt. Pleasant in South Carolina. Ihr siebenprozentiges, gelborangefarbenes und trübes „Peanut Butter Shake IPA“, gebraut mit speziellem Erdnussbutter-Puder, Laktose und Vanille erzielt bei mehr als 3000 Bewertungen auf der Plattform „Untappd“ stolze 3,95 Punkte von fünf.

Biere mit solchen Nuss-Aromen sind längst nicht mehr allein in den USA gefragt. Auch die rumänischen Macher von Hop Hooligans sowie die polnischen Kreativlinge von Deer Beer produzieren dunkle Peanut Butter-Biere. Aber auch die Garden Brewery aus Kroatiens Hauptstadt Zagreb führt ein 6,9-prozentiges „Chocolate & Peanut Butter Stout“ im Portfolio. Das weiche Mundgefühl und ein Aroma von Erdnussbutter und Schokolade erzielen die Kroaten durch ein besonderes Malz und den Beigaben von Kakao-Nibs. Den Brauern von DeMoersleutel aus dem niederländischen Alkmaar reichen geröstete Erdnüsse noch nicht aus, sie geben ihrem 13-prozentigen Imperial Stout namens „Willy Tonka“ noch einen besonderen Kick durch die Verwendung von Tonkabohnen.

Aber auch deutsche Brauer trauten sich inzwischen an einen Erdnussbutter-Sud. So entwickelten die Chefs von Frau Gruber Craftbrewing aus Gundelfingen und Brewheart aus Otterfing gemeinsam ein Chocolate Peanut Butter Imperial Stout namens „Psychodelic Peanuts“. Gebraut ist das 10,8-prozentige Bier mit 25 Prozent Erdnussbutter und Kakaobohnenbruch. Das entspricht zwar nicht dem Reinheitsgebot, passt dafür aber umso besser als Dessert zu einem Grill-Event.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Budweiser „Budvar Reserve“: Spezialsud mit 200 Tagen Kellerreife

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Innovation gilt heute als einer der wichtigsten Erfolgsschlüssel der internationalen Bierbranche. Gerade beweist auch wieder die tschechische Budweiser Budvar Brauerei, dass auch 125 Jahre alte Traditionsbrauereien mit neuen Bieren und Aktionen aufwarten können. Die 1895 von Budweiser Bürgern als Aktiengesellschaft gegründete Braustätte, die seit 1947 als staatlicher Betrieb fungiert, legte gerade das 7,5-prozentige „Budvar Reserve“ auf.

Bei diesem Trunk handelt es sich um ein lang gereiftes Bockbier, das in den Brauereikellern insgesamt 200 Tage schlummerte, um eine einzigartige Vielschichtigkeit und Komplexität im Aromaspiel entstehen zu lassen. Gebraut ist der Sud mit hauseigenem Wasser, das aus einem 300 Meter tiefen Brunnen stammt und bereits den gewünschten Härtegrad mit sich bringt. So ist keinerlei Wasseraufbereitung nötig. Das Malz kommt aus der Region Mähren und beim Hopfen setzt das Budweiser-Team auf gepresste Dolden der heimischen Aromasorte Saazer. So ist „Budvar Reserve“ in jeder Hinsicht ein absolut regionales Produkt.

Das untergärige Bockbier zeigt sich im speziellen Budvar-Krug in einem attraktiven Honiggold, getoppt von einem feinporigen, schneeweißen und sehr stabilen Schaum. In die Nase strömt ein filigraner Duft von malzigen, angenehm würzigen und sanft floralen Noten. Im Hintergrund lässt sich eine zarte Fruchtigkeit erkennen. Über die Lippen fließt der Bock mit einer kräftigen Malz-Aromatik und mit perfekt eingebundener Rezenz. Vollmundig, aber nicht zu sättigend, breitet sich ein Geschmacksbild mit leicht süßlichen Aromen von Karamell und Honig aus. Hinzu gesellen sich würzige und kräuterartige Töne. Eine gewisse Herbe von 26 Bittereinheiten rundet das Bier harmonisch ab.

Bei dem Bier handelt es sich eigentlich um einen Relaunch des ehemaligen „B:Strong“ aus dem Hause Budweiser. Erhältlich ist „Budvar Reserve“ in 0,33-Literflaschen. Zur Markteinführung präsentiert sich „Budvar Reserve“ als Geschenk-Edition mit neuem Etiketten-Design und in 0,75-Liter-Flasche – ein Genuss mit Langzeitwirkung.

ÜberQuell: Hopfiger Frühlingsbote

Die Mannschaft von ÜberQuell aus Hamburg holt mit ihrem „Sunny Spring Ale“ den Frühling auf die Zunge. Dabei handelt es sich um ein schlankes saisonales Bier, dem vier Hopfensorten sein Aroma schenken: Cascade, Citra, Mandarina Bavaria und Saphir. Da das Kaiserwetter in Oberbayern noch etwas auf sich warten lässt, habe ich mir das 4,5-prozentige Session kürzlich mal zur leichten Pasta mit Oktopus und Artischocken eingeschenkt.

Das Bier präsentiert sich in einer attraktiven, gelborangen Farbe mit einem stabilen, feinporigen und elfenbeinweißen Schaum. In die Nase strömen verführerische, fruchtige Noten von gelben Steinfrüchten, Orange und Clementine sowie etwas Grapefruit. Der Antrunk gestaltet sich sanft, spritzig und erfrischend. Geschmacklich hält das Bier, was es in der Nase bereits versprochen hat. Ein fruchtiges Aromaspiel trifft dabei auf einen floralen Touch. Im Finish verabschiedet sich „Sunny“ mit schmeichelnden 32 Bittereinheiten.

Fazit: Das Spring Ale vom ÜberQuell-Team wieder mal meine Erwartungen erfüllt. Die Kombination aus einer gewissen Leichtigkeit, einem wirklich tollen Aromaspektrum und einem hohen Frischefaktor präsentiert eine wahrlich hohe Trinkfreude. So passte das Bier nicht nur gut zur Pasta, sondern dient sicherlich auch als aromatische Erfrischung an sonnigen Tagen.

Browar Nepomucen: Polnischer Nadelwald trifft auf tropische Aromen

Polen gilt schon seit längerem als aufstrebendes Craftbier-Land in Europa. Eines der neuesten Sternchen am Kreativbierhimmel markieren die Macher von Browar Nepomucen aus Szkaradowo, südlich von Posen gelegen. Ein paar Biere aus dem Sortiment konnte ich unlängst schon mal probieren. Mein aktuelles Highlight aber ist das „Like a Forest“, ein Hazy IPA mit schlanken 4,4 Prozent Alkohol, das neben Mosaic- und Citra-Hopfen mit Kiefern- sowie Fichtennadeln gebraut wurde.

Die Rohstoffkombination klingt schon mal spannend. So strömen auch schon beim Einschenken des sonnengelben Bieres, das von einem schneeweißen und stabilen Schaum getoppt ist, gleichermaßen tropische und waldige Aromen in die Nase. Auch auf der Zunge breitet sich das Aromaspiel vollständig aus. Vollmundig und frisch präsentiert sich das Hazy IPA im Mund. Eine Mischung aus Citrus, gelben Steinfrüchten, Kiefer- und Fichtennadeln bestimmen mit Anklängen diverser Kräuter- und Floral-Noten den Geschmack. Im Finish bleibt das Aroma noch sehr lange zurück.

Fazit: Ich bin begeistert von diesem polnischen Sud. Häufig erinnern mich Biere mit Fichten- oder Kiefernnadeln als Zutat zu sehr an einen Saunaaufguss. Das ist zugegeben nicht so mein Ding. Beim „Like a Forest“ aber sind die Rohstoffe sehr harmonisch eingebunden, so dass zwar alle Aromen präsent sind, aber keine davon zu stark dominieren, um unangenehm zu werden.

Schwarze Rose: Tropischer Cocktail aus der Dose

Dieses Bier holt schon mal den Sommer ins Glas. Bei dem 6,8-prozentigen „Rainbow Road“ handelt es sich um ein Oatcream Kveik IPA von Schwarze Rose aus Mainz. Für den fruchtigen Charakter hat es das Mainzer Gypsy-Team mit Sabro Cryo, Sorachi Ace Nectar sowie Citra gehopft und für das cremige Mundgefühl packten die Kreativbrauer noch Hafermalz und Haferflocken in den Sud.

Im sonnigen Gelbton strahlt das trübe IPA durchs Glas, bedeckt von einem mittelporigen Schaum. Schon beim Einschenken betört ein fruchtiger Duft die Nase. Hält man das Riechorgan näher zum Bier, so erinnert das Bukett an einen Tropencocktail mit Ananas, Zitrus und Kokosnuss. Über die Lippen fließt das NEIPA cremig-weich, bis es in ein vollmundiges, aber doch erfrischendes Mundgefühl mündet. Auch auf der Zunge zeigt sich die volle Hopfenwucht. Der Geschmack erinnert entfernt an eine Pina Colada. Das Finish macht durch die präsente Fruchtigkeit sofort Lust auf den nächsten Schluck.

Fazit: Ein tolles Sommerbier, das auch schon jetzt im Frühling schmeckt. Das Experiment der Mainzer, einen bierigen Cocktail zu schaffen, ist definitiv gelungen. Also: Sommer, Sonne, Dosenbier.