Schönramer: Balanceakt zwischen Tradition und Moderne

Qualitätsstreben, Experimentierfreude und ein kontrolliertes Vermarktungskonzept: Mit diesen Erfolgsfaktoren verwandelte der US-Amerikaner Eric Toft die Landbrauerei Schönram zu einem Geheimtipp für Craftbier-Fans aus aller Welt.

Braumeister Eric Toft

Es ist schon ungewöhnlich, dass die Biere einer 241 Jahre alten Landbrauerei aus dem tiefsten Oberbayern, heute zu den besten der Welt gehören. Im Nirvana des Voralpenlandes, 100 Kilometer südöstlich von München, irgendwo zwischen Traunstein und Salzburg, liegt die winzige Gemeinde Schönram, die im Kern seit jeher aus Kirche, Wirtshaus und Biergarten besteht, aber dennoch zur Hochburg faszinierender Sude für Craft-Fans rund um den Globus wurde.

Dass ein solcher Außenposten des Bier-Genusses zum Herzstück neuer Bierkultur werden konnte, ist vorrangig einem Mann zu verdanken: Dem US-Amerikaner Eric Toft, den es nach einem Studium der Geophysik in Colorado nach Bayern verschlug, um in Weihenstephan Brauwesen zu studieren. Er blieb im Bajuwarenland und steht nun mittlerweile seit mehr als 20 Jahren an den Sudkesseln der Privatbrauerei Schönram. Es ist keineswegs übertrieben, den 56-jährige Bier-Enthusiasten als Pionier der deutschen Craftbier-Branche zu bezeichnen.

Eric Toft war tatsächlich einer der ersten Brauer hierzulande, der sich an hopfenbetonte Kreativsude versuchte. Insider wissen, dass er damals die Craftbier-Bewegung aus seiner Heimat mit nach Deutschland brachte und 2009 zu den ersten hiesigen Braumeistern zählte, die ein India Pale Ale (IPA) und ein Imperial Stout auflegten. Die Pionierleistung von Toft erkennt auch Schönramer-Chef Alfred Oberlindober an, der auch nach zwei Jahrzehnten noch immer von seinem Braumeister in höchsten Tönen spricht: „Was besseres als Eric Toft hätte uns nicht passieren können, sein anhaltender Qualitätsgedanke mit immer neuen Ideen zählen zum Erfolgsgarant unserer Brauerei.“

Zur Erfolgsgeschichte der Braustätte mit angeschlossenem Bräustüberl und Biergarten rechnet der Schönramer-Chef aber auch Faktoren wie modernste Technik, Tradition und Regionalität. So stammt das Malz grundsätzlich aus bayerischem Anbau, der Hopfen aus der Hallertau oder aus Tettnang am Bodensee. Die hohe Rohstoffqualität macht sich bei den Bieren bemerkbar: Um gleichbleibende Qualität zu gewährleisten verschneidet das Brau-Team je nach Erntequalität verschiedene Hopfenjahrgänge. So dürfte es wohl eine totale Ausnahme sein, dass Biere, die zu fast 90 Prozent nur im Umkreis von 30 Kilometer ihres Entstehungsortes verkauft werden, hierzulande zu den international meistausgezeichneten Suden zählen.

So ehrgeizig wie sich das Brauerei-Management in Qualitätsfragen geriert, so konventionell und zurückhaltend ist auch die Vermarktungsphilosophie ausgelegt. Der Ausstoß liegt inzwischen bei rund 110.000 Hektolitern pro Jahr. Aber nach Aussagen von Toft, könnte die Brauerei sogar die doppelte Menge an Bier verkaufen, allerdings wäre es nicht qualitätsfördernd, die Produktion bis zum Anschlag auszureizen. „Wir wachsen jedes Jahr kontrolliert um etwa drei Prozent“, verrät Eric Toft in tiefbayerischem Dialekt, „mehr lassen wir nicht zu.“

So rosige Zeiten verzeichnete die 1780 vom damaligen Landwirt Josef Köllerer gegründete Braustätte nicht immer. In der Anfangszeit war sie mit angeschlossenem Wirtshaus und Stallungen in einer damals bevölkerungsarmen Region lediglich eine beliebte Anlaufstelle für Kutscher von Posttransporten zwischen Salzburg und München. Später florierte das Biergeschäft kräftig und die spätere Familienerbin Elisabeth Köllerer entschied sich in den 1950er Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann Alfred Oberlindober die Brauerei zu modernisieren.

In achter Generation führen nun die Nachfolger, Helga und Alfred Oberlindober, den Schönramer Betrieb. Seit sie – mit Weitblick – vor 23 Jahren den US-Amerikaner Eric Toft als Braumeister einstellten, hat sich vieles verändert in der einst eher konservativen Landbrauerei. Im Fahrwasser neuer Ideen wurde das Sudhaus und der Gärkeller erweitert sowie Abfüllanlage und Lagerkeller vergrößert. Zuletzt wurden vier neue Lagertanks mit 13.000 Hektoliter Volumen installiert.

Eric Toft ist heute froh darüber, nach seinem Braustudium in Weihenstephan ein finanziell äußerst lukratives Stellenangebot aus Saudi-Arabien ausgeschlagen zu haben. Nach seinem Studium und einem kurzen Intermezzo in belgischen Brauereien, arbeitete der Wahlbayer, der in seiner Freizeit das Tenorhorn der örtlichen Blaskapelle bedient, kurzzeitig in einer Brauerei im Chiemgau, bis er 1998 schließlich in Schönram begann.

Seine Intention war es, das Portfolio der Landbrauerei zu erweitern und den Konsumenten zu zeigen, was mit Hopfen innerhalb des Reinheitsgebotes alles möglich ist. Sein nachtschwarzes, 9,5-prozentige Stout führt die Brauerei noch immer erfolgreich im Sortiment. Das IPA wurde zeitweilig eingestellt, da es sich in der oberbayerischen Region nicht schnell genug verkaufte und Toft der Meinung ist, solche Biere müssten immer ganz frisch getrunken werden. Craft-Fans können jedoch hoffen: „Ganz sicher kommt bald wieder ein neues IPA raus,“ so der Braumeister, „dieses Mal als Session-Version.“

Aber auch die traditionellen Biere sind sortenspezifisch blitzsauber ausgebaut. Flaggschiffe der Schönramer Brauerei sind das Helle und ein Pils mit gut 40 Bittereinheiten. Beide Schöpfungen erleben jedes Jahr einen wahren Medaillen-Regen bei nationalen und internationalen Awards. Dabei exportieren die Bayern ihre Biere nicht einmal in alle Welt hinaus, sie werden vielmehr unter Liebhabern außerhalb Bayerns wie Trophäen herumgereicht.

Dass die Schönramer auch großen Wert auf saisonale Spezialitäten legen, ist für eine Landbrauerei nicht unbedingt ungewöhnlich. So sind Weizenbock, Winterfestbier und ein fruchtig-blumiges Sommerbier, sowie ein bernsteinfarbenes Wiener Lager im Herbst feste Größen im Portfolio des Hauses. Als besonderes Highlight der Schönramer gilt indes das „Grünhopfen Pils“, das ein florales, fruchtiges und grasiges Aroma präsentiert. In diese saisonale Spezialität gelangen nur frisch geerntete Dolden der Sorten Select und Tettnanger.

Besonders beliebt bei den Fans ist aber auch das „Bayerisch Pale Ale“, bei dem sich – nach Aussagen von Toft – durch einen Etiketten-Relaunch im vergangenen Jahr der Absatz nahezu verdoppelt hat. Dass er dabei die Hopfensorte Mandarina Bavaria einsetzt, hat einen Grund: „Ein richtig gutes Bier muss über eine eigene Handschrift verfügen sowie ein anhaltendes Durstgefühl auslösen, das selbst nach dem Genuss mehrerer Gläser nicht nachlässt,“ resümiert der Wahl-Bayer und nimmt einen kräftigen Schluck.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Spannende Verkostung: Bier trifft pivo

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Deutsch-tschechische Online-Bierverkostung am 29.9. auf Zoom

Wie sieht die moderne Braukultur in Deutschland und Tschechien aus? Welche neuen Trends lassen sich erkennen? Zählen diese traditionsreichen Biernationen noch zu den Vorreitern der Hopfenwelt? Und was hat es eigentlich mit den tschechischen Bezeichnungen 10°, 11° oder 12° auf sich? Wie groß sind da die Geschmacksunterschiede überhaupt? 

Die Tschechischen Zentren in München und Berlin laden zu einer süffigen Entdeckungsreise ein und stellen verschiedene Spezialitäten aus beiden Ländern vor. Durch den Abend führen der tschechische Bierkenner und Rundfunkkorrespondent Filip Nerad sowie der preisgekrönte deutsche Biersommelier Oliver Wesseloh.

Kosten: 14,90 € (Bier-Set à 6 Flaschen)

Weitere Informationen unter:

https://munich.czechcentres.cz/de/programm/bier-trifft-pivo

Schräge Biere: Magische Bohne

Egal ob Stout, Porter oder Doppelbock: Craftbrauer setzen jetzt mit verschiedenen Bierstilen auf das spannende Geschmacksspiel der Tonkabohne. Die schwarze Baumfrucht ist wegen ihrer Rauschwirkung allerdings nicht zu unterschätzen und auch nicht in jedem Land erlaubt

Vielfältiger kann eine Baumfrucht wohl kaum sein: Während die Südamerikaner der Tonkabohne magische Kräfte zubilligen, ist sie in den USA wegen des Inhaltsstoffs Cumarin in Lebensmitteln verboten und in anderen Ländern gehen Experten sogar von hypnotischer sowie erotisierender Wirkung aus. Aber die für Brauer wahrscheinlich wichtigste Eigenschaft der schwarzen Baumfrucht ist der äußerst intensive Geschmack nach Vanille, Karamell und Mandeln.

Jetzt entdecken auch immer mehr Craftbrauer die hippe Baumfrucht als spannenden Aroma-Pusher. Wegen ihrer Aroma-Intensität passt sie aber nicht zu jedem Biertypus. Am besten entfaltet sich die magische Bohne in dunklen Suden wie Stout, Porter, Bock oder Braggot – allerdings in geringen Mengen, da sonst eine zusätzliche Rauschwirkung einsetzt.

Eines der wohl bekanntesten Tonka-Biere stammt aus Norwegen von der Brauerei Lervig aus Stavanger. Dabei handelt es sich um ein zwölfprozentige Imperial Stout namens „3 Beans Stout“. Es präsentiert sich nachtschwarz im Glas, getoppt von einem üppigen, kaffeebraunen Schaum. Auf der Zunge entfaltet sich in diesem Bier ein süßlich-deftiges Aromaspiel aus Noten von Kakao, Zartbitterschokolade und Vanille.

Viel hilft viel, dachten sich auch die Macher von Tanker Brewing aus Estland, die bei ihrem „Imperial Maraschino Cherry & Tonka Bean Stout“ noch eine Aroma-Schippe drauflegten. Das 10,5-prozentige Bier, das in Kollaboration mit The Garden Brewery aus Kroatien entstand, ist mit Kirschpüree vergoren. Zudem runden die befreundeten Brauer es für einen besonderen Geschmacks-Thrill noch mit Kakao, Vanille und Tonkabohne ab. Die Litauer von Sakiskiu Alus dagegen probierten sich an einem Braggot. Der zehnprozentige Sud ist mit Met sowie Vanilleschoten, Kakao- und Tonkabohnen gebraut. Das Aroma zeigt sich also mit einer intensiven Kakao- und Vanillenote sowie einer alkoholischen Wärme im Finish.

Auf weniger Alkohol setzt die Mannschaft von Bierol aus dem österreichischen Schwoich. Dessen Porter namens „Going Tonka-Beans“ besitzt im Vergleich zu den nordischen Varianten zwar nur schlanke fünf Prozent, präsentiert aber trotzdem ein vollmundiges, sanft-süßes Aroma. Durch die Zugabe der Tonkabohne erzielt das Bier neben röstigen, schokoladigen sowie espressoartigen Noten, auch einen Geschmack von Marzipan.

Inzwischen wagen sich auch deutsche Craftbrauer mit ganz extravaganten Suden an die schwarze Bohne. So führen die Macher von Ruhrpottbrew aus Oberhausen beispielsweise einen fassgereiften „Scotch Barrel Tonka Doppelbock“ im Portfolio, dessen Aroma eine Kombination aus Whisky mit süßlichen und vanilleähnlichen Anklängen aufzeigt. Die Brauer von Lillebräu aus Kiel hingegen legten ein 7,6-prozentiges Stout auf, das ein vollmundiges Aroma von Sahne, Karamell und Lebkuchen in Duft und Geschmack zaubert. Hinzu kommen die typischen Noten der Tonkabohne. Eine ähnlich kreative Variante legte auch das Team von Yankee & Kraut aus Ingolstadt auf und ließ ihr Imperial Baltic Porter mit Tonka-Beigabe gleich noch in Rotweinfässern schlummern. Das zeigt, die Möglichkeiten die Zauberbohne in Craft-Bieren einzusetzen, dürften noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht haben.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

BestBrewChallenge 2021: Litauische Brauer auf dem Siegerpodest

Die Sieger der BestBrewChallenge von Bestmalz in Heidelberg stehen fest. Vorgabe war es in diesem Jahr, ein leichtes Weizenbier mit maximal 3,5 Prozent Alkohol zu produzieren. Wieder einmal durfte ich in der Jury dieses Wettbewerbs dabei sein und mit geschätzten Kolleginnen und Kollegen insgesamt 143 spannende Biere – überwiegend aus Europa – verkosten und bewerten. „Das ist ein neuer Rekord und mehr als wir aufgrund der allgemeinen Pandemie-Müdigkeit erwartet hatten“, freut sich Dr. Axel Göhler über die Einreichungen, der den Wettbewerb 2015 als Geschäftsführer der Palatia Malz GmbH ins Leben gerufen hat.

Gewonnen hat Tomas Sirtautas aus Litauen mit seiner modernen Interpretation eines leichten Weißbieres namens „Mischievous Wind“. Obwohl der leidenschaftliche Hobbybrauer schon vor zwei Jahren unter seinem Label „Relaxed Man“ in Litauen einen Brauwettbewerb gewonnen hat, ist er von der jetzigen Auszeichnung überwältig: „Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich von meinem Sieg gehört habe.“ Sein Bier überzeugte uns, weil es alle Aromen enthält, die ein leichtes Weizenbier mitbringen sollte: Banane, etwas Nelke sowie eine leichte Säure und zudem eine gewisse Spritzigkeit vorlegte.

Der zweite Platz geht an Jan Mordhorst aus dem niedersächsischen Seevetal mit seinem „Endless Summer“, das mit nussigen Noten und einem harmonischen Gesamteindruck beeindruckte. Platz drei und vier belegen ebenfalls zwei Brauer aus Litauen. Kein Wunder, denn mit 73 Einreichungen belegt das Land die Spitze der Registrierungen. Zum Vergleich: Aus Deutschland kamen 53 Biere.

Die Konditionen für die BestBrewChallenge 2022 werden voraussichtlich Ende des Jahres bekannt gegeben.

Die Jury: Meinhard Wicht, Marlene Specht, ich, Patrick Schäfer und Fabian Staudinger (v.l.)

Kleine Umfrage: Craftbier in Deutschland

Liebe Community,

seit knapp neun Jahren versorge ich euch auf meinem Blog mit Themen rund um das Thema Craftbier. Um mein Wissen an Euch weitergeben zu können, bilde ich mich regelmäßig fort. Gerade bin ich dabei den „Master of Beer“ abzuschließen und schreibe dafür eine Masterarbeit. Es wäre super von Euch, wenn ihr Euch zwei Minuten Zeit nehmen würdet, um an meiner Umfrage zu unserem Lieblingsthema teilnehmen würdet. Je mehr Leute mitmachen, umso aussagekräftiger wird das Ganze. Ich danke Euch ganz herzlich für Eure Teilnahme.

https://www.surveymonkey.de/r/C63WPJQ

Orcabrau: Sommerbier mit Calamansi-Frucht

Felix vom Endt mit seiner Brauerei Orca Brau in Nürnberg ist dafür bekannt, dass er immer wieder mit neuen und ungewöhnlichen Suden überrascht – am liebsten mit Bieren fernab des Reinheitsgebotes. Eines seiner neuesten Werke ist das 4,5-prozentige „Moyo“. Dabei handelt es sich um ein Witbier, das klassisch mit Orangenschalen und Koriandersamen gebraut ist. Als besonderen Kick packte das Orca-Team aber noch Calamansi dazu. Das ist eine besondere, hierzulande ziemlich unbekannte Zitrusfrucht, auch genannt Calamondinorange, die überwiegend auf den Philippinen wächst.

Schenkt man das Bier ins Glas, strahlt einem ein attraktives Sonnengelb entgegen. Getoppt ist der Sud von einem feinporigen und schneeweißen Schaum. Die Nase wird betört von einem süßlichen Zitrusduft, der sich mit sanft floralen und würzigen Noten vereint. Das Bukett hält auf der Zunge, was es verspricht. Frisch fließt das Witbier über die Lippen, bis es sich erfrischend und hocharomatisch ausbreitet. Süß-saure Aromen der Calamansi dominieren den Geschmack, der an Mandarine erinnert. Eine gewisse florale Note der Koriandersamen und eine dezente Würzigkeit ergänzen noch dasGeschmacksbild. Im Finish verabschiedet sich „Moyo“ mit einem leicht herben Touch und das Fruchtaroma bleibt noch länger am Gaumen zurück.

Fazit: Mit diesem Trunk präsentiert das Orca-Team ein perfektes Sommerbier. Schlank, frisch und super aromatisch macht es Lust auf mehr. Passt hervorragend als Aperitif, als leckere Entspannung am Wochenende auf der Terrasse oder als Begleiter zu gegrilltem Fisch wie etwa Wolfsbarsch, den ich gestern als Begleitung zum Moyo gegessen habe.

Düxer Bock: Kölner Brauhistorie erlebt Genuss-Renaissance

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Dass zu einem aussagekräftigen Markenauftritt nicht nur gutes Bier, sondern vor allem auch Storytelling gehört, weiß das Kölner Unternehmerehepaar Ulrich Linnenberg und Caroline Hamacher-Linnenberg wie kaum jemand anders. Ulrich liebt die Geschichte der Domstadt und stieß irgendwann auf die 1468 erstmal urkundlich erwähnten Brauerei „AufRome“, die bis ins späte 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil der Kölner Bierszene war.

Anlass genug für die Linnenbergs die Marke „AufRome“ mit dem „Düxer Bock“ wieder aufleben zu lassen. Vor rund drei Jahren brachten die Kölner das traditionsreiche Bier auf den Markt, das für wahre Genießer eine Spezialität mit hohem Qualitätsanspruch darstellen soll. Das Rezept für das 6,9-prozentige Starkbier erarbeiteten sie mit dem Analytik-Institut Romeis in Bad Kissingen. Gebraut wird es bei Rittmayer im fränkischen Hallerndorf, zunächst in kleineren Mengen. Das Bier soll nicht nur die Kölner Biervielfalt ergänzen, sondern dient auch als eine Hommage an eine Liebesgeschichte, die rund um das Jahr 1510 passiert sein soll, wobei der „Düxer Bock“ eine tragende Rolle spielte. Hier die Details:

„In Deutz, das heute zu Köln gehört, wohnte einst ein Schneider, dessen Einkünfte kaum ausreichten, um seine Familie zu ernähren. Darum suchte er nach einer weiteren Einnahmequelle – und züchtete Kanarienvögel, die sich ob ihres schönen Gesangs gewinnbringend veräußern ließen. Das Problem: Das Federvieh sang schon dann, wenn die Nachbarn noch schliefen.

So wurde auch ein reicher Steuereinnehmer jeden Morgen aus dem Schlaf gerissen. Der Konflikt war vorprogrammiert: Während der eine seinen Schlaf nicht missen wollte, war der andere nicht bereit, auf seine Nebeneinnahmen zu verzichten. Der Streit eskalierte. Schließlich ging der übermüdete Steuereinnehmer zum Gegenangriff über: Er kaufte sich einen Ziegenbock, den „Düxer Bock“, den er so schlecht fütterte, dass das Tier mit lautem Gemecker schon morgens sein Futter einklagte und den Gesang der Vögel übertönte. Die lautstarke Posse machte den Konflikt und die Streithähne stadtbekannt.

Was die beiden Kontrahenten nicht wussten: Ihre Kinder hatten sich ineinander verliebt. Allerdings konnten sie sich nur heimlich sehen und wurden schließlich getrennt, als sich der Schneider, als Unterlegener im Streit, außerhalb der Stadt eine neue Existenz aufbauen musste. Erst Jahre später, nach dem Tod der Väter, trafen sich die beiden in Deutz wieder. Die alte Liebe entfachte neu und sie wurden, so die Story, für immer ein Paar.“

Mit dem „Düxer Bock“ der jetzt als Bierspezialität seine Wiedergeburt fand, möchten die Linnenbergs an diese romantische Geschichte erinnern. Ziel des Ehepaars war es von Beginn an, etwas Besonderes in einer speziellen Flasche zu kreieren. So fließt der Bock in einem strahlenden und glanzfeinen Bernsteinton ins Glas, ein feinporiger, cremefarbener Schaum liegt oben auf. Die attraktive Optik macht Lust das Bier zu probieren.

Im Duft zeigen sich schmeichelnde malzige Aromen von Waldhonig, Karamell und Brotkruste. Ergänzt wird das Bukett von sanften fruchtigen Tönen des Callista-Hopfens aus der bayerischen Hallertau. Süßlich rinnt das Bier über die Lippen, bis es sich vollmundig und mit moderater, schön eingebundener Kohlensäure im Mundraum ausbreitet. Auf der Zunge präsentiert der „Düxer Bock“ mit harmonischen Noten von Honig, Karamell und Brotkruste. Zum Aromaspiel gesellen sich sanfte hopfige Fruchtanklänge, die an Aprikose und Zitrus erinnern. Im Finish bleibt der Geschmack noch lange und aromatisch am Gaumen zurück. Der Nachtrunk gestaltet sich trocken, sodass man sofort Lust auf den nächsten Schluck bekommt.

Ein absolut rundes und ausbalanciertes Bier, dass es nur in speziellen Läden, wie etwa in Weinhandlungen, Online-Shops und gehobenen Supermärkten gibt. Der „Düxer Bock“ kann hervorragend als Speisenbegleitung eingesetzt oder am besten als alleinstehendes Genussgetränk genossen werden.

Tolle Aktion: Der „Müllradler“ als Flaschensammler

Credit: Roman Hackl

Ein umweltbewusster Leser von feinerhopfen.com hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen und mich um mediale Unterstützung gebeten:

Jeder kennt die Situation, dass leere Bierpullen achtlos in die Botanik geworfen werden und dort die Umwelt belasten. In Graß, einem Ortsteil von meinem Heimatdorf Aying, nimmt Roman Hackl, der sich selbst den „Müllradler“ nennt, das Heft in die Hand und sorgt für Ordnung im Gelände. Mit Fahrrad und passendem Anhänger tourt er durch das Dorfgebiet und die Randgemeinden, um – ganz selbstlos und unpolitisch – weggeworfene oder vergessene Flaschen einzusammeln.

Allein in diesem Jahre hat er bereits mehr als 2000 Bierflaschen entsorgt. Dabei wird er von der Ayinger Brauerei mit Bierträgern und damit verbundenen Logistik unterstützt. Als Ermutigung für seine guten Taten hat ihm der Ayinger Bürgermeister jetzt höchstpersönlich eine Mülltonne übergeben.

Auch wenn manche Leute solche Aktionen vielleicht als etwas schräg empfinden mögen, so ist dennoch lobenswert, wie sich manche Menschen um unsere Umwelt sorgen. Wer die Aktionen von Roman Hackl unterstützen möchte, hier sein Kontakt: muellradler@drachengruss.de

TrueBrew & BarthHaas: Hopfenpower aus der Hallertau

Viele Craftbrauer setzen überwiegend auf Hopfen aus den USA, Australien oder Neuseeland. Klar, die meisten Sorten aus diesen Gegenden präsentieren wegen ihres Terroirs eine kräftigere Wucht an Aromen als die meisten deutschen Vertreter. Hierzulande sind die klimatischen Bedingungen anders und das grüne Gold gilt eher als filigran. Umso spannender finde ich es, dass die Macher von TrueBrew aus München gemeinsam mit dem Hopfendienstleister BarthHaas aus Nürnberg einen Sud nur mit deutschen Sorten aufgelegt haben. Im 6,5-prozentigen „Green Room“ stecken Callista, Tango und Ariana – allerdings in der neuen Lupomax-Form. Mit diesen Pellets verspricht BarthHaas ein optimiertes Hopfenaroma durch gleichbleibende Lupulin-Konzentration.

Das New England IPA zeigt sich in einem trüben Gelborange im Glas, ein weißer fein- bis mittelporiger Schaum liegt oben auf. In die Nase dringt ein schmeichelnder Duft nach frischem Gras, gelbem Steinobst, Stachelbeere und reifen Südfrüchten. Der Antrunk ist süßlich-frisch, bis sich das Bier vollmundig auf der Zunge ausbreitet. Grasige Noten, Aromen von gelben Steinfrüchten wie Pfirsich und Aprikose sowie etwas Zitrus und ein beeriger Anklang werden begleitet von einem sanften Malzbett. Das Finish bleibt aromatisch und legt noch eine zarte Bittere vor.

Fazit: Ich bin absolut begeistert. Dieses Bier beweist, dass auch deutsche Hopfensorten ein kräftiges Aroma in IPAs zaubern können, ohne in eine mastig-saftige Richtung abzudriften, so wie es bei einigen NEIPAs mit etwa US-Sorten der Fall ist. „Green Room“ ist ein Bier mit deutschem Charakter und ein Genuss für Hopheads dieser Welt.

Browar Nepomucen & Browar Deer Bear: Alkoholfreier Kreativsud aus Polen

Polen gilt als aufsteigendes Craftbier-Land. Zu den derzeit hippesten Brauereien des Landes gehören Browar Nepomucen in Szkaradowo, südlich von Posen gelegen und Browar Deer Bear in Toruń. Beide Teams haben ihre Bierkarriere als leidenschaftliche Hobbybrauer gestartet. Jetzt habe sie gemeinsam ein Bier namens „Free Pan Da“ rausgebracht. Dabei handelt es sich um ein alkoholfreies Pastry Sour. Die Besonderheit an dem Bier ist, dass die Macher es mit Mangopüree, Passionsfrucht, Orange und Yuzu vergoren haben. Für den gewissen Smooth gaben sie noch Laktose mit dazu.

Das Bier mit weniger als 0,5 Prozent Alkohol zeigt sich in einem strahlenden, opaken Sonnengelb im Glas. Ein schneeweißer, moderater und instabiler Schaum liegt kurz oben auf. In die Nase strömen fruchtig-frische Noten von Mango, Maracuja, Zitrus, Orangenzeste und Blutorange. Der Antrunk gestaltet sich erfrischend fruchtig, bis sich eine moderate Kohlensäure mit einem schlanken Mundgefühl ausbreitet. Im Geschmack zeigen sich auch die eingesetzten Früchte, die von einer angenehmen Säure begleitet werden. Abgerundet wird das Aromaspiel von einer sanften süßlichen Cremigkeit der Laktose. Im Abgang bleibt das Bier noch lang am Gaumen zurück. Eine Bittere ist kaum vorhanden.

Fazit: Ein tolles fruchtig-frisches und harmonisches Sommerbier für alle, die mal keine Lust auf Alkohol haben.