Brauer-Portrait: Felix vom Endt von Orca Brau – Vom Bierblogger zum Kreativbrauer

Felix vom Endt von Orca Brau

Felix vom Endt gilt als einer der umtriebigsten Brauer im Lande. Der 33-Jährige stammt eigentlich vom bayerischen Starnberger See, zählt zu den ersten Bierbloggern der Republik, begann das Brauhandwerk auf einer längeren Kanadareise wirklich zu lieben, arbeitete nach seiner Rückkehr bei der „Berlin Beer Academy“ in der Hauptstadt und ging dann bei der Craft-Brauerei „Heidenpeters“ in die Lehrjahre. Sein Traum, einen eigene Braustätte zu eröffnen, rückte näher, als Johannes Heidenpeters neue Kessel kaufte. Felix übernahm das alte Equipment und gründete 2017 im Norden von Nürnberg, in der Heimatstadt seiner Frau, seine eigene Marke „Orca Brau“. Dort produziert er nun auf seiner 5-Hektoliter-Anlage besonders kreative Sude jenseits des Massengeschmacks und gern auch fernab des deutschen Reinheitsgebotes. Felix braut nach dem „Natürlichkeitsgebot“ und setzt gern Biere mit frischen Himbeeren, Rosmarin oder Zitronenzesten an. Mit seinen Sorten lädt er seine Fans immer wieder auf eine Reise in neue Genusswelten ein.

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Wenn wir über „craft beer“ reden, dann denke ich immer sofort an Kreativität, Mut und absolute Besessenheit vom Produkt mit all seinen Facetten. „Craft beer“ beginnt bei mir im Kopf. Es ist eine Philosophie, eine Grundeinstellung das „Bier“ neu zu denken, voran zu treiben und immer weiter zu entwickeln. Ebenso muss eine ordentliche Portion Mut vorhanden sein, da „Craft Beer“ ein Produkt ist, dass sehr speziell ist, erklärt werden muss und einfach viel Geld kostet.

Alles keine einfachen Voraussetzungen…

Ja, vor allem muss sich die Besessenheit zum Produkt in all seiner Vielfalt zeigen. Es geht um Qualitätsbewusstsein, Einsatz bester Rohstoffe, nie still zu stehen und mit sich und seinem Bier zufrieden zu sein. Dazu gehört Fortbildung und Weiterentwicklung sowie einer großen Liebe zum Bier. Ganz zuletzt sollte man probieren immer wieder auch die Eigenschaften Spaß und Lockerheit mit reinzunehmen. Ich glaube nur dann geht die Mischung auf. Eine große Herausforderung.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss mich auf irgendeine Art emotional berühren, da ist der Stil eigentlich fast egal. Das kann ein Lagerbier genauso wie ein Barrel Aged Imperial Stout oder andere Sorten sein. Das kann vom einzigartigen Geschmack hin zu der Umwelt, in der ich das Bier trinke, alles sein.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Da gab es eine Menge Sorten im Laufe der Jahre. Ein paar sind etwas stärker in Erinnerung geblieben und verblassen auch nicht so schnell. Da ich auch selbst manchmal gerne „schräge Zutaten“ verwende, ist es aber trotzdem die größte Herausforderung, damit so arbeiten zu können, dass sie gleichzeitig auch trinkbar sind. Wenn ich mich an meine aktive Zeit während „orca brau“ erinnere, also die letzten drei Jahre, dann kommt eigentlich immer wieder die „Room-Serie“ von „Freigeist Bierkultur“ in meinen Kopf. Das „Tomato Bier“, das wir zusammen mit „Freigeist“ und „Pirate Brew“ gebraut haben, war trotz des Einsatzes von Tomatenpüree, Salz, Chipotles und einigen weiteren Zutaten ein wirklich erstaunliches, aber trinkbares Bier, das ist schon schräg.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Ungewöhnliche Zutaten sind bei uns eigentlich so ein Steckenpferd. Mir fallen auf Anhieb gleich einige ein, die tatsächlich auch schon länger auf der Liste stehen, das verrate ich aber nicht. Aktuell finde ich das Brauen mit historischen Kräutermixturen sehr spannend. Mit der Thematik „Gruit Ales“ wollen wir uns in diesem Jahr etwas stärker auseinandersetzen, auch die norwegischen Farmhouse Ales, bei denen einfach mal die Würze durch einen Baumstamm geführt oder mit ganzen Ästen gebraut wird, gefällt mir sehr. Grundsätzlich sind wir als Brauerei im Knoblauchland Nürnberg ansässig, eines der größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiete Deutschlands. Hier gibt es auch noch viele Kleinbetriebe, die spannende Sachen machen und wenn man manchmal mit dem Fahrrad durch die Felder radelt, begegnet man ganz interessanten Sachen, die man auch direkt vor Ort einfach mal testen kann. 

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Ich esse und koche unglaublich gern. Lieblingsgerichte habe ich viele, aber ich nehme immer ganz gern die Pizza, in allen Varianten. Erinnert mich immer ans „craft beer“, die Grundvoraussetzung ist immer gleich und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Dazu ein schönes schlankes hopfig fruchtiges Pale Ale und alles ist gut.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Es wird sich mehr und mehr die Spreu vom Weizen trennen. Der Markt in Deutschland ist aktuell unglaublich klein, hat aber noch eine Menge Potential. Wir werden mehr und mehr lokale und kleine Craft-Bierbrauereien sehen, die in ihrem regionalen Markt großen Erfolg haben werden. Hier zählt vielleicht manchmal die Devise „weniger ist mehr“. Es gilt auch, die Balance zwischen traditionellen und modernen Bierstilen zu halten. Pale Ales, IPAs und weitere eher klassische „craft beer“-Sorten werden mehr und mehr Mainstream und „normal“ werden. Ein gutes Lagerbier in Form von einem Hellen oder Pils wird essenziell sein.

…und wie siehst Du die Preisgestaltung?

Es wird einen Preisrutsch nach unten geben, aber auch im höherpreisigen Segment werden sich einige Brauer ansiedeln können. Es wird sich eine starke Nische entwickeln, in der auch wirkliche Spezialitäten-Brauereien Erfolg haben können. Insgesamt wird es ein paar Brauereien gegeben, die mit dem nötigen Kapital ein gewisses Wachstum erzielen können und wir werden sicherlich noch einige bekannte Namen erleben, die es in fünf Jahren nicht mehr geben wird.

Was hast Du als Nächstes vor?

Grundsätzlich habe ich leider immer viel zu viel vor und weiß manchmal gar nicht was als nächstes kommt, aber aktuell ist alles ziemlich einfach. Wir bekommen ab Mitte des Jahres eine neue Brauanlage (10hl-System), neue Tanks, einen neuen Boden und so weiter. Wir werden also endlich nach drei Jahren so langsam erwachsen und können uns damit für die Zukunft richtig gut aufstellen, was für uns als Familie die perfekte Ausgangsposition ist, um unseren Traum weiter zu verwirklichen und die Selbstständigkeit als kleines Familienunternehmen zu leben. 

Rauchiger Biergenuss

Ein jahrhundertealter Bierstil erfreut sich auch in der Craft-Szene zunehmender Beliebtheit. Während zwei Bamberger Braustätten noch immer die Tradition der letzten echten Traditionsrauchbiere pflegen, überraschen deutsche Jungbrauer mit vielen neuen Interpretationen.

Ofen in der Brauerei Spezial in Bamberg

Kaum ein Bierstil polarisiert so stark wie das Rauchbier. Dabei hatten wohl bis ins späte 18. Jahrhundert fast alle Sude ein markantes Raucharoma. Grund: Gerste konnte damals meist nur über offenem Feuer gedarrt werden. Erst viel später gelang eine effiziente Trocknung mit Kohle-, Gas- oder Ölheizungen. Mit der Brauerei Schlenkerla und der Brauerei Spezial gibt es allein in Bamberg zwei Braustätten, die sich dem klassischen Rauchbier verschworen haben und noch immer ihr Malz auf altehrwürdige Art selbst herstellen. „Es ist auch heute noch eine hohe Kunst, das Malz über offenem Feuer zu darren“, betont Sebastian Merz, Juniorchef von der Familienbrauerei Spezial, „denn es erfordert Können, Gefühl und Zeit, um die richtigen Bedingungen für ein gutes Ergebnis zu schaffen.“

Einen Schluck echter Tradition können Bierliebhaber deshalb am besten in Bamberg genießen. Mit den Brauereien Spezial und Schlenkerla, die beide von SlowFood Deutschland in die „Arche des Geschmackes“ aufgenommen und für ihre traditionelle Herstellung ausgezeichnet sind, gilt die Domstadt als das Rauchbier-Mekka schlechthin. Die Bamberger Spezialitäten, die von klassischem Rauchmärzen über Rauchlager, Rauchweizen oder Rauchbock reichen, sind mit mindestens 50 Prozent Rauchmalz gebraut und erinnern aromatisch an geräucherten Schinken. Das schmeckt allerdings nicht jedermann. Dennoch erfreut sich der rauchige Stoff steigender Beliebtheit, so dass sich auch immer mehr Craft-Brauer – allerdings in gemäßigten Schritten – an diese Typologie heranwagen. „Wir beobachten seit geraumer Zeit, dass Kunden aus dem Craft-Bierbereich verstärkt Rauchmalz ordern“, bestätigt Joachim Sandel vom Malzproduzenten Bestmalz in Heidelberg den Trend.

Auch wenn sich immer mehr internationale Braustätten an modernen Rauchbieren versuchen, so gilt Deutschland noch immer als der Hotspot für Sude dieser Art. Zu den Vorreitern bei neuen rauchigen Suden gehören hierzulande die Macher der Wacken Brauerei aus der gleichnamigen Hardrock-Gemeinde in Schleswig-Holstein. Das Team um Helge Pahl führt neben einem 6,2-prozentigen Smoked Porter mit feinem Rauchduft auch einen Weizendoppelbock mit den Namen der beiden Ziegenböcke des Germanengottes Thor „Tanngnjostir und Tanngrisnir“ im Portfolio, den die Wackener mit rund zehn Prozent Rauchmalz brauen. Das Raucharoma in diesen Suden ist zwar präsent, aber am Gaumen nicht allzu aufdringlich. Brauereichef Pahl ist bewusst: „Wir müssen unsere Kunden vor allem hier im Norden erst langsam an einen solchen Rauchgeschmack heranführen.“

Auch die Spezialitäten von Dirk Lamprecht sind in der Craft-Gemeinde immer mehr gefragt. Das neueste Werk des Münchner Trios von Testbräu ist ein dunkler Rauchweizenbock mit dem schaurigen Namen „Kremator“. Für das 7,2-prozentige Bier verwendeten die Bayern 18 Prozent Buchenrauchmalz von der Mälzerei Steinbach aus dem fränkischen Zirndorf und erzielen damit – wie Lamprecht selbst sagt – ein eher angenehm mildes Raucharoma, das sich auch für Einsteiger in die Welt der rauchigen Biere eignet. Der Münchner plant noch viel mehr mit dem polarisierenden Aroma zu experimentieren: „Es ist echt spannend, wie sich der Rauchgeschmack mit verschiedenen Hefen, Hopfen oder Früchten ergänzt – oder manchmal auch das genaue Gegenteil bewirkt.“

Experimentierfreudig in Sachen Rauchbier erweist sich auch die Ratsherrn Brauerei in Hamburg. Als wahre Besonderheit legt das Brauer-Team innerhalb der Serie „New Pilsner Era“ ein „Smoked Pilsner“ auf. Der Einsatz von 20 Prozent Rauchmalz soll den Genießer an ein Lagerfeuer am Elbstrand erinnern, versprechen die Hanseaten. Hopfensorten wie Herkules, Tradition, Select und Saphir komplementieren das Aromaspiel, mit dem Ergebnis, dass das Pils nach Leder und Schinkenspeck duftet und schmeckt, aber sich im Finish klassisch herb und mit hoher Drinkability präsentiert.

Auf einen sanften Rauch-Touch schwört die Mannschaft von Braufactum aus Frankfurt. Bei ihrem „Roog“ handelt es sich um ein 6,6-prozentiges Rauchweizen, dessen Aroma sich sehr vielfältig präsentiert. Neben Noten von Banane und Orangenzesten dringt ein Rauchton durch, der an Wacholderschinken und gebrannte Mandeln erinnert. Während Braufactum auf einen eher dezenten Rauchcharakter setzt, versucht es das Brauhaus Klüvers im holsteinischen Neustadt dagegen mit markanterem Aroma. Für ihr „Röker“ setzen die Neustädter ganze 40 Prozent Buchenrauchmalz ein, um somit ein angenehm malziges Gesamtbild mit schmeichelndem Schinkenanklang zu erzielen.

Manche Brauer wollen bewusst die klassische Schinkennote forcieren, andere laborieren für den gewissen Rauchkick im Bier mit speziellem Torfmalz. So auch Friedrich Matthies von Wildwuchs aus Hamburg. Sein „Alt Kanzler“ ist ein Altbier, das durch den Einsatz von Torfmalz ein Aroma vorlegt, das an Whisky von der schottischen Insel Islay erinnert. Ein echter Klassiker unter den torfigen Bieren ist der „Smokey George“ von der Brauerei Rittmayer aus dem fränkischen Hallerndorf. Ein siebenprozentiger dunkler Bock, gebraut mit „heftig getorftem schottischen Malz“ – wie es die Brauerei werbewirksam beschreibt. Der Geschmack ist wahrlich originell: Wer dieses Bier einmal probiert hat, wird es in jeder Blindverkostung wiedererkennen. Nicht umsonst wurde das rauchig-torfige Bier bereits mehrfach prämiert, ist aber durch seine Intensität auch nichts für zarte Gaumen.

Für Sebastian Merz von der Brauerei Spezial in Bamberg ist die Ablehnung so mancher Genießer vor allem gegen traditionelle Rauchbiere gänzlich unverständlich. Er produziert mit seinem Team rund 6000 Hektoliter feinster rauchiger Gerstensäfte pro Jahr – darunter ein bernsteinfarbenes Lager mit mildem Rauchgeschmack, ein etwas intensiveres, dunkles Märzen, sowie ein spritziges Weißbier. Aktuell liegt gerade wieder der siebenprozentige dunkle Bock vor. Der 32-jährige Franke ist stolz darauf, dass sich die fast 500 Jahre alte Brauerei, durch ihre traditionelle Herstellungsweise des Malzes von anderen Produzenten maßgeblich unterscheidet. Die Gerste kommt von nahgelegenen Feldern, die Darre wird noch per Hand beladen und ausgeräumt und die Buchenholzscheite im Ofen selbst nachgelegt. „Das ist manchmal ganz schön anstrengend“, sagt Braumeister Merz, „aber es zahlt sich im Geschmack unserer Biere aus.“

Frisch gezwickelt

Auch wenn die meisten der modernen rauchigen Biere mit industriell produzierten, raucharomatisierten Malzen hergestellt werden, befördern sie derzeit maßgeblich den wachsenden Markterfolg. „Wir profitieren vom Trend hin zu rauchigen Spezialitätenbieren“, bekräftigt Michael Hanreich, Braumeister beim Schlenkerla, der allein mit seinem Hellen den Ausstoß verdoppelt hat. Und wer sich dann immer noch nicht sicher ist, ob Rauchbier wirklich schmeckt, der sollte einer alten Bamberger Weisheit vertrauen: „Das zweite Seidla schmeckt besser als das erste, und das dritte schon besser als das zweite.“

Die wahrscheinlich beste Kombination: Schäuferle und Rauchbier

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Deutschlands Top-Brauer: Georg Tscheuschner von Schorschbräu – „Schorsch bleibt stark!“

Georg Tscheuschner von Schorschbräu

Diplom-Braumeister Georg Tscheuschner hatte eine Mission, als er 1996 seine Brauerei in Gunzenhausen öffnete. Schorsch schrieb sich auf die Fahnen, besondere Biere durch das Eisbock-Verfahren reifen zu lassen: Er kühlt seine Sude immer wieder stark runter und filtriert dann das entstehende Eis ab. Zurück bleibt eine alkoholstarke Essenz, die ein komplexes Geschmackserlebnis auf die Zunge zaubert. Damit hält der Franke aber auch sämtliche Rekorde hinsichtlich des Alkoholgehalts seiner Gerstensäfte.

Vor rund zehn Jahren lieferte sich Schorsch etwa ein heißes Battle um das stärkste Bier rund um den Globus. Er setzte sich mit seinem aufwendigen und handwerklichen Prozess gegen alle internationalen Brauereien durch und hält mit seinem 57-prozentigen Schorschbock die Weltspitze. Nicht selten wird der experimentierfreudige Franke gefragt, ob diese Alkoholwummen überhaupt noch zur Kategorie Bier zählen. Daraufhin antwortet er stolz, dass alle seine Sorten nach dem deutschen Reinheitsgebot hergestellt sind. Chapeau an seine hochprozentigen, komplexen und wirklich genussvollen Sude.

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Schwierig zu sagen, aber ein guter Craft-Bierbrauer schafft es den Kunden auf eine Aromareise mitzunehmen. In seinen Bieren sollten genau die außergewöhnlichen Verfahren und Rohstoffe deutlich erkennbar sein, die gewollt waren. Er darf nicht zu wenig aber auch nicht zu viel in den Sud reinpacken. Die Komponenten müssen harmonieren.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Wie das Wort schon sagt, muss das Bier außerhalb der Gewöhnlichkeit sein. Es muss mir das erzählen was in der Brauerei gemacht wurde: Das kann ein bestimmtes Brauverfahren (historisch oder selbst entwickelt), besondere Zutaten (alte Getreidesorten, Hopfen, Kräuter, Honig…) oder auch eine Fassreifung mit verschiedenem Holz oder Vorbelegung mit Whisky, Sherry, Rum etc. sein. All diese Parameter müssen im Bier erkennbar sein. Außergewöhnlich heißt aber auch, wenn das Bier außergewöhnlich süffig ist.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Am Schrägsten finde ich eigentlich die „Gurken Gose“ vom David Hertl. Ich war anfangs der Meinung, dass das nicht funktionieren kann. Tut es aber. Rein aus Marketinggründen schräg gebraute Biere wie beispielweise mit Walhoden, Ziegenhirn oder Vaginalflora habe ich mir erspart.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Gern würde ich mal ein Bier mit Honig und/oder weihnachtlichen Gewürzen brauen. Ein heller Sud mit Lavendel wäre auch mal was. Aber meine Brauerei steht in Bayern, da ist mir Kreativität in dieser Richtung behördlich untersagt.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

So banal fränkisch es auch klingt: Ein schönes rötliches Kellerbier zu einem Schäuferla. Danach einen tollen Bock, der im Eichenfass gereift ist, zu einem alten Blauschimmelkäse und dann einen dunkeln Eisbock zum Schokoladentörtchen.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Momentan findet über viel zu viele Geistermarken und Verwässerungen durch beispielsweise Craft-Biermessen mit überwiegend anderen Schwerpunkten eine Schwächung der Szene statt. Meiner Meinung nach wenden sich deshalb genau die Bierverrückten ein wenig ab. Mein Appell an die Entscheider ist eindeutig: macht Craft-Bier nicht kaputt. Auch die Preisgestaltung im Handel geht jetzt schon hin zu Verdrängungspreisen. Da ist in Zukunft Kreativität und echte Authentizität gefragt. Das geht nicht mit dem tausendsten IPA.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Im Mai kommt mein Imperial Stout mit milden 12,5 Prozent auf den Markt. Das blubbert aber noch kräftig vor sich hin. Zudem plane ich einen stark gehopften hellen Bock mit 12,5 Prozent. Der wird aber nicht kaltgehopft, denn das verträgt sich nicht mit meinen langen Haltbarkeiten. Biere aus dem Hause Schorschbräu wird es unter zwölf Prozent nicht geben. Schorsch bleibt stark. Ansonsten gibt’s Heuer noch einen Riesenknaller, aber da verrate ich erstmal noch nichts.

Brauer-Portrait: Hopfenkopf – „Die K/Craft liegt im Rohstoff“

Vom Hobby zum Beruf: Die drei Freunde Christian Krumbachner, Hans-Peter Gaßner und Robert Wurm aus Feichten an der Alz, nahe dem Pilgerort Altötting, gründeten vor knapp drei Jahren ihre Marke „Hopfenkopf“. Jahrelang tüftelte das Team in seiner Freizeit bereits im hauseigenen Keller mit einem 20-Liter-Kessel. Insgesamt 40 Testsude produzierten die Kumpels, bis endlich das Rezept für „s’Mandal“ stand und das Bier in den Verkauf ging. Dabei handelt es sich um ein klassisches Weißbier, das mit dem Hopfen Mandarina Bavaria gebraut wurde. Seit rund einem Jahr wurde die Hopfenkopf-Truppe um den österreichischen Kreativbrauer Martin Seidl erweiterte. Dieser brachte sein ungewöhnliches Stout „Schwarze Tinte“ mit ins Portfolio und schuf damit eine würdige Ergänzung für das oberbayerische Label. Gebraut wird in Bad Tölz und in Landshut.

Die Fragen beantwortete Martin Seidl:

Martin, welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Craft heißt für mich nicht, dass jemand extreme Biere mit viel Hopfen oder Alkohol braut. Craft heißt für mich, dass ein Bier handwerklich und mit feinsten Rohstoffen produziert wird. Wir setzen beispielsweise bei unserem Hellen namens „Babba“ nur bestes Gerstenmalz aus kleinen Mälzereien und Hopfen direkt vom Bauern ein. Wir beschränken uns auf Hallertauer Mittelfrüh und Hersbrucker. Das sind beides keine Hochalphasorten, bringen aber eine hohe Süffigkeit und feinstes Aroma.

So unterscheidet sich unser Helles von herkömmlichen Industriebieren und macht es zu etwas Besonderen. Für uns gilt: Ein guter Brauer wird an seinem Hellen oder am Pils gemessen und nicht an IBU-Werten, hohen Stammwürzen oder alternativen Rohstoffen.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es sind vor allem die Rohstoffe und die Drinkability, die für mich ein besonderes Bier ausmachen. Als Beispiel nenne ich gern die Sorten von Schorsch Tscheuschner, dessen Schorschbräu-Sude zwar einen hohen Alkoholgehalt haben, aber dennoch sehr fein ausbalanciert sind. Ein außergewöhnliches Bier sollte also optimal abgerundet und dennoch nicht alltäglich sein.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Das war das „Mangalitza Milk Stout“ von der Brauküche 35. Es ist schon echt schräg, wenn geräucherte Schweinekopfhälften im Sud mitkochen und dann doch ein trinkbares Bier daraus wird. Beim Verkosten war ich überraschenderweise gar nicht so geschockt, wie beim Lesen der Braubeschreibung.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Da ich Innviertler bin, stehe ich ja nicht immer unter den Vorgaben des Reinheitsgebots. Da wir in unserer Region gern auch Mostschädel genannt werden, würde ich gerne mal mit Mostbirnen oder Williamsbirnen brauen bzw. einen Hybrid aus Most und Bier herstellen.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Ich bin da ganz einfach gestrickt: Ein Wiener Schnitzel vom Schwein mit Semmelknödel (bei uns im Innviertel isst man das so!) und dazu unseren „Babba“. Gern aber auch Weißwürste mit unserem Weizen.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Leider übertreiben es immer noch viele Craft-Brauer immer mit neuen extremen Bieren und ständig kommt ein neuer Bierstil auf den Markt, der viele Einsteiger eher verschreckt als anlockt. Viele Konsumenten sind dadurch überfordert. Ich bin der Meinung, dass in fünf Jahren leider die Hälfte aller neuen Crafties vom Bierfirmament verschwinden wird. Der Biermarkt wird nicht mehr Hektoliter hergeben, deswegen geht es darum, mit Verdrängung mehr zu produzieren.

Was heißt das konkret?

Wer sich künftig als Startup im Markt etablieren will, wird sehr schwer werden. Brauer, die sich schon einen Namen gemacht haben, nicht aufs Gypsy-Brauen angewiesen sind und ein gutes Vertriebsnetz haben, werden überleben. Auch die großen Brauereien werden ihre Hektoliter, die sie bis jetzt verloren haben, nicht kampflos aufgeben und deswegen auch mit neuen Bieren auf den Markt kommen. Das Haifischbecken wird also voller werden. Um kostengünstig produzieren zu können, ist es an der Zeit, dass sich viele „Kleine“ zusammentun und gemeinsam in Füllereien und Brauereien investieren. Das gilt auch für den Transport und bei der Bildung von Liefergemeinschaften, um miteinander die gleichen Händler zu bedienen. Nur so sind die meisten Startups überlebensfähig.

Anspruchsvolle Verkostung: Brot und Bier – das lobe ich mir

Was ist das Spannende an Bier- und Brot-Pairings, was haben beide Produkte außer den Rohstoffen eigentlich gemein und was können Brauer und Bäcker noch voneinander lernen? Sandra Ganzenmüller, erste deutsche Bier- und Brotsommelière in einer Person, Ernährungswissenschaftlerin und Chefin der Agentur kommunikation.pur GmbH, klärt auf.

Sandra Ganzenmüller
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Foodpairing ist einer der Megatrends der Bierbranche. Neben Käse und Schokolade etabliert sich verstärkt auch die Kombination verschiedener Hopfen- und Gerstensäfte mit diversen Brotsorten. Was ist an einer solchen Degustation so faszinierend?

Da die maßgeblichen und wertgebenden Rohstoffe beider Produkte mehr oder weniger identisch sind, ähnelt sich das Aromaprofil oft. Das macht die Verkostung sehr spannend, aber für einen Fachsommelier auch sehr anspruchsvoll, um den Teilnehmern ein wirklich interessantes sensorisches Erlebnis zu bieten und keinen geschmacklichen Einheitsbrei ohne Wow-Effekt. Bier und Brot können sich wunderbar ergänzen, aber auch sensorisch unterstützen. Im Mittelalter wurde das eine Lebensmittel aus dem anderen hergestellt, also erst Brot gebacken, um die Getreidekörner aufzuschließen und dann mit dem halbgebackenen Brot ein Sud für das Bier angesetzt. Brot und Bier sind Lebensmittel, für die Deutschland weltweit steht: Wir sind eine der größten Biernationen und die unbestritten größte Brotnation. Deutschland ist das Synonym für die handwerkliche Herstellung beider Produkte und ein Land, das für eine umfassende Sortenvielfalt in beiden Segmenten steht. Also gibt es bei solchen Verkostungen auch viele tolle Geschichten zu erzählen.

Bier- und Brot pflegen haben also mehr gemein, als die meisten Konsumenten vermuten. Aber wo liegen denn neben den Rohstoffen die Gemeinsamkeiten?

Neben den Produkten, die sich in ihrer Grundrezeptur in der Tat lediglich durch Salz beim Brot und Hopfen beim Bier unterscheiden, sehe ich Parallelen in der handwerklichen Herstellung sowie der Arbeitsweise und der Mentalität der Handwerker. Auch Technik „made in Germany“ – etwa Backöfen und Abfüllanlagen – ist ein Gütezeichen, und eine ähnlich hochwertige, mehrstufige Ausbildung vom Gesellen über den Meister hin bis zum Techniker gibt es sonst nirgends auf der Welt.

Angeblich kooperieren jetzt auch immer mehr Brauereien mit Bäckereien. Treberbrot, Bierbrot, Bier aus altem Brot: Resteverwertung oder neues Geschmackserlebnis?

Das ist nichts Neues. Früher wurde das genauso aus der Not heraus gemacht, weil die Technik und die heutigen Möglichkeiten der Verarbeitung sowie Aufbereitung der Rohstoffe noch nicht vorhanden waren. Aber am Ende des Tages ist ein Collabbrew oder DryHopping ja auch keine neue Sache, sondern in den USA nur mit einem modernen, coolen Begriff versehen worden.

Aber was können sich beide Branchen voneinander abschauen?

Alles, wenn sie denn endlich mehr miteinander reden und machen würden. Ich bin beruflich seit Jahrzehnten in beiden Branchen aktiv, kenne sowohl sehr viele Braumeister als auch Bäcker und bin absolut überzeugt, dass sich die auf beiden Seiten vorhandene Kreativität und Liebe zum eigenen Produkt multiplizieren würde, beziehungsweise es schon tut, wo gemeinsame Projekte bereits laufen. Durch die Biersommeliers, die Craft-Bier-Bewegung und natürlich viele innovative junge Brauer sowie tolle Projekte und Produkte erfahrener Braumeister aus den mittelständischen deutschen Familienbrauereien haben Bier und Braumeister in puncto Image und medialer Wahrnehmung einen deutlichen Vorsprung.

Wieso?

Vor zehn Jahren wurde noch vor allem über den Bierpreis und das Komasaufen während des Oktoberfestes berichtet, inzwischen gibt es ganzjährig eine positive Berichterstattung über neue Biersorten, Food- Pairing etc. Was spricht gegen einen Collabbake, ein Bread-take-over oder ein Craft Beer- und Bread-Festivial?

Wie erkennst Du ein wirklich gutes Brot sowie wie ein dazu passendes Bier und worauf muss man beim Pairing achten?

Man tastet sich an das Erkunden eines Brotes genauso mit allen Sinnen heran, wie an das eines Bieres. Bei beiden Erlebnissen startet man mit dem Hören. Beim Bier schenkt man ein, hört den Schaum knistern und die Schaumbläschen zerplatzen, beim Brot das Splittern der Kruste. Und so arbeitet man sich Sinn für Sinn voran. Ein gutes Brot zeichnet sich durch eine besondere Optik aus, eine knackige Kruste (es sei denn, es ist eine Sorte, die das nicht aufzuweisen hat, wie z.B. ein Pumpernickel), eine elastische samtige Krume und einen wunderbaren Geruch sowie einen aromatischen charakteristischen Geschmack.

Das ist aber noch nicht alles?

Wie beim Bier gibt es auch beim Brot klassische Sorten, die bestimmte Eigenschaften mitbringen müssen. Beim Pairing liegt die Kunst darin, eine Harmonie oder spannende Gegensätze zu schaffen. Während es mir beim Bier leichter fällt, generelle Empfehlungen abzugeben (ein klassisches Pils hat bestimmte sensorische Komponenten, sonst wäre es kein Pils, natürlich stärker oder schwächer ausgeprägt oder ein wenig anders von Braumeister zu Braumeister interpretiert), ist es beim Brot sehr schwierig. Das muss man stets testen und dann entscheiden, welche Kombination passt und interessant ist.

Hast Du ein Beispiel?

Ja, so muss etwa ein Roggenmischbrot bestimmte Angaben erfüllen, um als solches bezeichnet zu werden, aber die Zugabe von Gewürzen ist nicht geregelt. Würde ich jetzt ein Roggenmischbrot generell zum Märzen empfehlen, dann kann das in dem einen oder anderen Landstrich auch mal schiefgehen, weil dort extrem viel Kümmel als Brotgewürz eingesetzt ist. Die Hessen beispielsweise verbacken gefühlt fast so viel Kümmel wie die restlichen Bundesländer zusammen.

Welche Kombinationen würdest Du Laien empfehlen? Und was sollten Foodpairing-Fans unbedingt mal probieren?

Unbedingt sollte man mit einfachen, nicht zu komplexen Sorten starten, weder beim Brot noch beim Bier, und dann unterschiedlich verkosten und dort beim nächsten Mal weitermachen, wo sich beide gut ergänzten oder eine auf- und anregende Kombination waren. Mein Tipp: Ein dunkler Doppelbock mit Früchtebrot.

Sandra Ganzenmüller, Bier- und Brotsommelière

Brauer-Portrait: Hausfreund – „Ein Brauer muss sich an seinem Bier messen lassen“

David, Andy und Moritz von Hausfreund

„Einen Hausfreund braucht jeder“, heißt es bei den Machern der Marke Hausfreund aus Ottobrunn bei München, „mit ihm wird es nie langweilig.“ Und genau das haben sich Moritz, David und Andy auf die Fahnen geschrieben. Sie experimentieren fleißig bei den Rohstoffkombinationen und bringen somit bei hoher Trinkfreude einen kreativen Touch in ihre Sude. Moritz, der die Marke vor rund drei Jahren gründete, ist mit David für die Außendarstellung im Vertrieb und auf Festivals zuständig. Andy ist studierter Braumeister sowie ausgewiesener Hopfenexperte und somit zuständig für die Biere. Neben einem ungewöhnlichen Hellen, das mit den vier Hopfensorten Melon, Perle, Saphir und Cascade gebraut ist, führen die Münchner auch diverse andere Sorten: German Pale Ale, IPA, Imperial Stout und saisonale Sude wie etwa ein „Oktober Pale Lager“ oder einen „Wet Hop Weizendoppelbock“ im Portfolio.

Die Fragen beantworten Moritz und Andy gemeinsam:

Welche Eigenschaften zeichnen Eurer Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Andy: Neben Tattoos und Bart, die Kenntnis der Rohstoffe und wie man sie einsetzt sowie Flexibilität im Prozess und vor allem gute Qualität des Endproduktes.

Moritz: … dem kann ich mich nur anschließen. Ein guter Brauer muss sich an seinem Bier messen lassen.

Was macht für Euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Moritz: Eine außergewöhnliche Story, besondere Zutaten oder auch einfach eine außergewöhnliche Interpretation, die das Bedürfnis steigert, das Bier zu probieren.

Andy: Eine gute Drinkability gepaart mit gutem Aroma und außergewöhnlichem Geschmackserlebnis.

Was war das schrägste Bier, das ihr jemals getrunken habt?

Andy: Das war ein Oyster Stout, das mit Austernschalen gebraut wurde.

Moritz: Was ist schräg heutzutage? Man hört oft von sehr schrägen Bieren, leider bekommt man die selten tatsächlich in die Hände. Aber es gab schon einige Sude, die mir zwar aufgrund von Zutaten wie Thaibasilikum, Chili-Pfeffer, Salz usw. schräg klangen, aber doch sehr gut und ausgewogen geschmeckt haben. Es waren aber auch einige Sude dabei, die geschmacklich sehr schräg geblieben sind.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdet ihr gern einmal brauen?

Andy: Mit sibirische Bärenknochen😉… Spaß beiseite. Das Reinheitsgebot limitiert uns natürlich bei ungewöhnlichen Zutaten. Wir haben angelehnt an die Single Hop IPA‘s (SHIPA) aber letztes Jahr Biere gebraut, bei denen wir den die Hopfensorten von nur einem Hof genommen haben (Single Farm Hops).

Moritz: Wir haben aber auch ein paar Ideen für Ausnahmegenehmigungen…

Was ist eigentlich Euer Lieblingsgericht und was trinkt ihr dazu?

Moritz: Ich esse am liebsten was Lokales mit einem lokalen Bier und lass mich überraschen. Ein schönes Cordon Bleu mit einem guten Hellen geht aber fast immer.

Andy: … oder eine Pizza Quattro Formaggi mit einem leichten Pale Ale.

Wie seht ihr die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Moritz: Ich denke, dass vor allem das Segment Gasthausbrauerei bzw. „Brewpub“ wachsen wird. Sicher werden aber auch noch einige „Neue“ dazu kommen und auch noch mehr internationale Marken auf den deutschen Markt drängen. Alles in allem denke ich, dass die Szene noch deutlich wachsen wird.

Andy: Ich glaube, das Craft-Bier insgesamt noch regionaler werden wird und vor allem auch im regionalen Biermarkt aufgehen wird.

Und was habt ihr als Nächstes vor?

Moritz & Andy: Wir planen gerade ein Kollaborationsbier mit unseren Freunden von Higgins Ale Works und Jeremy von Neshaminy Creek Brewing Company. Außerdem arbeiten wir an einem neuen IPA, dass wir hoffentlich im Verlauf des Frühjahres präsentieren können.

7 Jahre feinerhopfen.com

Liebe Community, liebe Leserinnen und Leser,

für mich gibt es heute wieder einen Grund, eine ganz besondere Flasche zu köpfen: feinerhopfen.com hat Geburtstag. Jetzt sind es schon sieben Jahre, die ich durch die spannende Welt kreativer Biere reise. Auch im vergangenen Jahr konnte ich ganz individuelle Biere genießen, besonders schräge Sude und aufregende Geschichten von Brauern aus aller Welt aufstöbern sowie wunderschöne Sudhäuser besichtigen. Zudem durfte ich auch 2019 in den Jurys von renommierten internationalen Bier-Wettbewerben die besten Sude rund um den Globus verkosten, wurde in den Vorstand des Meininger’s International Craft Beer Awards aufgenommen und startete das Programm zum „Master of Beer“. Und das alles macht mir immer noch genauso viel Spaß wie am ersten Tag.

Deswegen möchte ich heute ein Toast aussprechen: DANKE an Euch – an meine vielen Leserinnen und Leser – für das Interesse an Feiner Hopfen. Es ist ein enormer Anreiz für mich, Euch auch weiterhin mit interessanten Verkostungen, Interviews, Brauer-Portraits und Kommentaren zu begleiten, Euch zu informieren, zu inspirieren und zu unterhalten. DANKE, dass ich fast jeden Tag wunderbare Menschen kennen lernen darf, mit denen ich stundenlang über die Bierszene, Branchenentwicklungen, neue Sude und deren Rohstoffe und Aromen diskutieren kann.

Ein besonderer Toast gilt auch all den Kreativbrauern, die uns Aficionados trotz hartem Wettbewerbskampf immer wieder mit hocharomatischen und qualitativhochwertigen Bieren beglücken. Weiter so! Und hey, lasst euch nicht von medialen Prophezeiungen beirren, die vom Untergang der Craft-Biere schreiben. Wir haben so viele fantastische Macher, Trendsetter, Bier-Enthusiasten, Hopfenzauberer und Malzpropheten in unserer Branche durch die der Craft-Biermarkt meiner Meinung nach in den kommenden Jahren noch deutlich weiterwachsen wird. Auf Euch!

Cloudwater Brew Co. & Salt Beer Factory: Pale Ale und Marmelade

Zugegeben, kann ich selten an Dosen von Cloudwater aus Manchester vorbeigehen, ohne sie zu kaufen. So griff ich kürzlich bei meinem Craft-Bier-Dealer auch zum Pale Ale namens „Is There Room In The Budget For A Sports Car“, dass die Engländer mit der UK-Brauerei Salt aus Shipley, nördlich von Bradfort gelegen, entwickelt haben. Gebraut haben es die Macher mit 100 Prozent Münchner Malz.

Daher präsentiert sich das 4,6-prozentige Ale in einer für den Stil eher untypischen kastanienbraunen Farbe. Der Schaum ist feinporig, cremefarben und stabil. Das Bier duftet blumig, würzig und nach Zitrusfrüchten. Auf der Zunge erinnert der Kollaborationssud an Brombeer-Marmelade, in die man einen süßlichen Keks einstippt. Hintenraus zeigt sich zusätzlich eine ordentliche Hopfenherbe, die ich mit Zitrusschale assoziiere, und ein trockenes Mundgefühl.

Fazit: Ein echt ungewöhnliches Pale Ale. Ob ich es für rund acht Euro noch mal kaufen würde, weiß ich nicht, aber es war sehr interessant, es probiert zu haben. Cloudwater hat mich erneut nicht enttäuscht. Wer übrigens mal in London ist, sollte unbedingt auf ein paar Biere in den Taproom gehen.

Partnerprogramm: 10 Jahre BraufactuM – Geburtstagsbier zur Braukunst Live!

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Marc Rauschmann und sein BraufactuM-Team zählen zu den absoluten Craft-Pionieren Deutschlands. Als sie vor zehn Jahren an den Start gingen, galten Craft-Sude hierzulande noch als unbekanntes Terrain. Schnell schafften es die Frankfurter kreative Biere mit verschiedenen Rohstoffkompositionen zu etablieren und damit die Craft-Szene zwischen Flensburg und Freilassing kräftig anzuheizen.

Auf der Braukunst Live! in München leiten die Frankfurter nun ihr Jubiläumsjahr mit einem ganz ungewöhnlichen Geburtstagsbier ein. Die Brauer präsentieren ein trockenes „Hoppy Strong Saison” mit zehn Prozent Alkohol. Gebraut ist es mit den australischen Hopfensorten Ella und Enigma, die Aromen von gelben Steinfrüchten, tropischen Früchten, grüner Banane und Pfeffer ins Bier bringen. Die fruchtigen Noten treffen auf eine deutlich herb-erfrischende Bittere. Ganz nach dem Motto: „Wie schön, dass du vergoren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst…“

Brauer-Portrait: Schwarze Rose Craft Beer – quirliges Quereinsteiger-Quartett aus Mainz

Die drei Simons von Schwarze Rose Craft Beer. Inzwischen sind die Mainzer zu viert.

Drei Kumpels, eine Wohngemeinschaft, eine Leidenschaft: In ihrer WG in Mainz, die einst den Namen „Schwarze Rose“ trug, entdeckten die drei Simons ihre Passion für Craft-Bier. Inzwischen wohnen die Freunde zwar nicht mehr zusammen, aber ihr Herzblut zum Experimentieren, Genießen und Gestalten der eigenen Bierkreationen wuchs immer stärker. Seitdem basteln die Simons, zu dessen Team mittlerweile auch Daniel zählt, an immer neuen Rezepten. Im vergangenen Jahr entschied sich das Quereinsteiger-Quartett den Schritt zum Gypsy-Brauen in einer lokalen Brauerei zu wagen und einfach den Namen der WG zu übernehmen. Seitdem führt das „Schwarze Rose“-Team neben New England IPA und West Coast IPA auch ein Cold Brew Coffee Stout im Portfolio. Der nächste Sud, ein Double Dry Hopped Double IPA, liegt schon in der Pipeline – und sicher können sich Craft-Fans künftig noch auf einige kreative Sude der Mainzer freuen.

Die Fragen beantwortete Simon Rose:

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Leidenschaft, Neugierde, eine gesunde Prise Perfektionismus und Geschmack. Ein guter Brauer sollte den Anspruch haben sich und seine Prozesse stets zu perfektionieren sowie ein gutes Gespür dafür entwickeln, welche Rohstoffe wie zusammenpassen.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Balance spielt die wichtigste Rolle. Viele Craft-Brauer testen regelmäßig Grenzen aus, was wirklich spannend ist und meist auch zu großartigen Ergebnissen führt. Viele dieser Ergebnisse trinkt man aber auch oft nur einmal. Wenn du aber nicht genug von einem Bier bekommst und es dadurch aus der Masse hervorsticht, ist es ein außergewöhnlich gutes Bier.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Das war das „Room 309 Trüffel Ale“ von Freigeist & Hertl – ich kann bis heute nicht sagen wie ich es finde.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Witzigerweise war das erste Bier, das wir durch den Hobbybrauwettbewerb der Mainzer CraftBeerMesse 2017 gemeinsam mit Kuehn Kunz Rosen brauten, das „Schrille Nacht IPA“ mit Piniennadeln, Kardamom und Piment. Das Bier hat uns auch ein wenig den Weg als Gypsy-Brauer geebnet. Jasminblüten in einem IPA fände ich sehr spannend. Grundlegend sind wir aber mehr daran interessiert durch modernen Einsatz der traditionellen Zutaten Hopfen, Malze und Hefen im Brauprozess und deren Kombinationsmöglichkeiten zu zeigen, was Bier alles kann, als mit anderen Zusätzen zu brauen. Gerade bei Malzen finde ich es neben Gerste und Weizen auch sehr spannend mal mit Hafer zu brauen.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Ich liebe Tacos! Dazu ein gutes West Coast IPA und ich bin glücklich.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Ich denke, sie wird bis dahin noch um einiges wachsen. Gerade in unserer eher weinlastigen Region ist noch viel Luft für spannende Sude. Ich denke und hoffe, dass die Nachfrage an lokale und charakterstarke Biere weiter steigt und die Biervielfalt im Einzelhandel und in der Gastronomie immer größer wird.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Wir sind ja erst sehr frisch dabei, daher ist alles noch äußerst aufregend. Wie man den Vertrieb ausbauen kann ist ein ständiger Aspekt unserer Diskussionen. Als Nächstes bringen wir jetzt ein DDH DIPA raus, darauf freue ich mich schon sehr, es liegt gerade im Tank. Ansonsten wollen wir weiter an neuen Rezepten tüfteln und spannende Biere brauen.