Kehrwieder Kreativbrauerei: Bierige Kaffee-Alternative

Alkoholfreie Biere werden immer vielfältiger. So legte Oliver Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei vor kurzem neben seinem fruchtigen Klassiker „ü.N.N.“ auch ein Coffee Stout namens „Road Runner“ mit nur 0,4 Umdrehungen vor. Gebraut hat der Hamburger es mit Kaffeebohnen, geröstet in der Hansestadt.

Schon im Glas zeigt sich das Coffee Stout espressofarben mit einem nussbraunen, cremigen Schaum. Im Duft zeigen sich röstig-malzige und schokoladige Aromen sowie die Kaffeebohnen. Das Bukett erinnert an Cold Brew Coffee. Über die Lippen fließt das alkoholfreie Stout unerwartet leicht cremig. Auch auf der Zunge präsentiert sich eine angenehme Malzigkeit mit zart süßlichen Noten von Schokolade sowie die Kaffeebohnen. Im Finish rundet eine röstige Herbe das Gesamtbild harmonisch ab.

Fazit: „Road Runner” ist ein toller Cold Brew Coffee in Bierform. Neben der Aromatik hat mich der zart cremige Körper überzeugt, der hier nicht wie bei vielen alkoholfreien Suden leider etwas wässrig daherkommt. Oli zauberte damit eine hervorragend Alternative zum Kaffee nach dem Essen.

Omnipollo: Imperial Stout für echte Geeks

Die Macher der schwedischen Marke Omnipollo sind bekannt für ungewöhnliche und zum Teil auch extreme Sude, mit denen sie immer wieder polarisieren. Kürzlich probierte ich ihr Barrel Aged Imperial Stout „Aon Rum Mini Maple Cinammon Bites“ mit elf Prozent Alkohol und zusätzlichen Zutaten wie Rumrosinen, Vanille, Zimt, Ahornsirup und Pekannussaroma.

Optisch zeigt sich das im Rumfass gereifte Stout in einem tiefen Schwarz, getoppt von einem kakaobraunen Schaum. In die Nase strömen süßliche Aromen von Tonkabohne, Ahornsirup, Schokolade, Kakao, Karamell und eingelegten Rumrosinen. Im Antrunk zeigt sich das Bier ölig mit einer leichten Säure, bis es sich dann zu einer süßen Bombe mit Noten von Ahornsirup, Zimt und Vanille entwickelt. Dazu gesellen sich Anklänge von Rum-Pflaume, Pekannuss und Sauerkirsche. Im Finish bleiben die Aromen noch lange zurück.

Fazit: Ein Bier für echte Craft-Geeks, bei dem sich aber wohl die Geschmacksgeister scheiden. Für mich hat dieser Trunk ein wirklich interessantes Aromaspiel, das man unbedingt mal probieren sollte. Aber bei 11 Alkoholprozenten reicht ein Glas davon auch vollkommen aus.

Craft-Bier des Monats: Schorschbräu „Schorsch Rubin“ – Hammerharter Hochgenuss

Georg Tscheuschner ist mit Schorschbräu für seine hammerharten Biere bekannt. Neben verschiedenen alkoholreichen Böcken produziert er im bayerischen Gunzenhausen auch den stärksten Sud der Welt mit 57 Umdrehungen. Jetzt brachte der Schorsch erstmals auch ein Ale auf den Markt. Beim „Schorsch Rubin“ handelt es sich um ein 12,8-prozentiges Imperial Red Ale, das ich kürzlich mit einer 36 Stunden in Rotwein eingelegten Rinderhochrippe kombiniert habe.

Im Glas präsentiert sich das trübe Ale in einer rehbraunen Farbe mit rötlichem Schein. Die Nase wird verführt von einem Bukett aus Kandiszucker und Karamell, gepaart mit getrockneten Früchten wie Pflaume, Trauben und roten Beeren. Auf der Zunge breitet sich das kräftige Bier samtig-weich und vollmundig aus. Eine Aromakomposition aus reifer Walderdbeere, Röstmalz und Kandis verzaubert im Geschmack. Im Finish zeigt sich erst die wärmende Alkoholnote.

Fazit: Ein hammerharter Hochgenuss für die Wintermonate. Dieses Ale ist sehr dicht und komplex in seiner Struktur, besitzt somit Schluck für Schluck eine wahres Trinkerlebnis. Durch die beerigen Noten passte das Imperial Red perfekt zur Hochrippe in Rotwein, die ähnliche Noten präsentiert. Die zweite Flasche schlummert bereits zur längeren Lagerung und Reifung in meinem Bierkeller.

Tilmans Biere: Modernes Weißbier par excellence

Weißbier gilt vor allem in Bayern als Grundnahrungsmittel und darf auch bei hiesigen Craft-Brauern nicht im Portfolio fehlen. Die meisten Hopfenzauberer setzen allerdings auf moderne Interpretationen dieses klassischen Bierstils. So auch die Macher von Tilmans Biere aus München bei ihrem Trunk „Der Weizen“. Vereint wird hierbei traditionelles Handwerk und kreative Braukunst. Den besonderen Touch schenkt Braumeister Til seinem Weißbier durch heimisches Weizen- und Gerstenmalz, Flaschengärung sowie mit Hopfensorten wie Comet aus der Hallertau und Strisselspalt aus Frankreich.

Sonnengelb und natürlich naturtrüb strahlt das sechsprozentige Weißbier durch das Glas. Ein feinporiger, schneeweißer Schaum komplementiert die Optik. Die Nase wird verführt durch ein frisches und fruchtiges Bukett. Estrige Noten von sanfter Banane und Nelke paaren sich mit Zitrusfrüchten und einem Touch von Weißwein. Auf der Zunge zeigt sich „Der Weizen“ frisch, schlank mit zarter Säure und cremigem Malzkörper. Hefe und Hopfen dominieren das Geschmacksbild mit würzigen und fruchtigen Aromen. So dringen vor allem Zitrusfrüchte und ein Anklang von Weißwein in den Vordergrund, begleitet von einem sanften Bananen- und Nelkenton. Das aromatische Finish lädt zum nächsten Schluck ein.

Fazit: Ein leckerer Klassiker, der niemanden so schnell überfordert und sicherlich auch gewöhnliche Weizen-Trinker zu Craft-Liebhabern bekehren kann. Für mich ist dieses moderne Weißbier ein ständiger Begleiter zum Weißwurstfrühstück, zur Pizza oder einfach am Tresen vom Frisches Bier, der Münchner Bierbar von Tilmans Biere.

BierForum: Braukunst Live! mit interessantem Wissensforum

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Die Braukunst Live!, eines der wohl größten deutschen Bierfestivals, rückt immer näher und Besucher können auf viele neue Ideen gespannt sein. Wie immer warten spannende Brauereien, ungewöhnliche Sude und interessante Gespräche auf ein genussfreudiges Publikum. Eine der wohl spannendsten Neuerungen ist das „BierForum“, das am Freitag (31.1.) im Vorfeld der Messe stattfindet. Bei diesem kongressähnlichen Symposium halten Top-Speaker verschiedene Vorträge, die sich alle um das Thema handeln: „Wie schaffen wir es, den Wert des Bieres beim Verbraucher darzustellen?“

Eine Materie, die viele aus der Bierbranche beschäftigt. Experten dozieren in zwei Räumen des MVG Museums und beleuchten die Themen aus Blickwinkeln der Gastronomie und des Handels. So spricht etwa Michael Ehler, einer der renommiertesten deutschen Rhetorik-Trainier, über Strategien beim Verkaufsgespräch. Klaus Artmann dagegen ist im „BierForum“ zuständig für Wissen am Point of Sale. Denn neben seinen Aktivitäten als Biersommelier ist er auch als Berater für mittelständische Unternehmen tätig. Alles Themen, die vor allem junge Craft-Brauer beim Aufbau ihres Geschäftes unterstützen können.

Einen Vergleich der Wertigkeit von Wein und Bier liefert Prof. Dominik Durner. Er fungiert als Professor für Lebensmitteltechnologie und Önologie an der Hochschule Kaiserslautern. Seine Funktionen am Weincampus: Er ist Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschuss der Fachbereiche (GAF), Leitung Dualer Studiengang (B. Sc.) Weinbau und Önologie sowie Mitglied im Prüfungsausschuss. Mit dem Thema Bier ist Durner in jeder Hinsicht bewandt, weil er unter anderem Vorstandsmitglied beim Meininger’s International Craft Beer Award ist. Auch Bier-Sensorik dient als wichtiges Verkaufsargument, worüber Dr. Wolfgang Stempfl referiert, der mehr als drei Jahrzehnte der Kopf und das Gesicht der Doemens Genussakademie in Gräfelfing bei München war.

Zudem gibt es Vorträge von der „BierBegeisterung“. Hans Wächtler, der sich seit mehr als 30 Jahren dem Bier und der Braubranche widmet, spricht über Erfolgsfaktoren der Szene. Wächtler liebt nicht nur Bier, er lebt es auch und spezialisierte sich daher auch auf die Aromen, die aus den verschiedenen Rohstoffen kommen. Seine Tochter Dorothea, eine renommierte Biersommelière, doziert im Forum über ihre Spezialgebiete Vertrieb und Marketing.

Das „BierForum“ ist als bunte Mischung von Vorträgen und Themen ausgelegt. Speziell richtet sich die Veranstaltung an Leute aus Handel und Vertrieb sowie an Brauer und die, die es noch werden wollen. Die Referenten stehen auch beratend zur Beantwortung gezielter Fragen zur Verfügung. Dabei stellen die Organisatoren auch diverse Getränke zur Verfügung. Im Anschluss an den Kongress finden ab 14:00 Uhr im MVG Museum die Fachbesucherstunden der Braukunst Live! statt. Jeder Teilnehmer ist herzlich eingeladen direkt im Anschluss in der Halle zu verweilen und sich durch die Welt der kreativen Biere zu verkosten.

„BierForum“

Wann: 31. Januar 2020, 9 bis 14 Uhr

Wo: MVG Museum Ständlerstr. 20, 81549 München

Preise: Tagesticket kostet 350 Euro pro Person. Aussteller der Braukunst Live! zahlen 250 Euro. Die Gebühr umfasst die eintägige Teilnahme am Bierforum inklusive Mittagessen, Tagungs- und Pausengetränke. Preise zzgl. MwSt. Sie erhalten von den Veranstaltern eine Auftragsbestätigung/Rechnung. Bitte beachten Sie, dass die Plätze limitiert sind. Ihre persönliche Eintrittskarte erhalten Sie direkt vor Ort im MVG Museum an der Registrierung.

Mehr Infos: https://www.braukunst-live-muenchen.de/highlights/bierforum.html

Munich Brew Mafia: Scharfes Hopfengeschoss

Etikettendesign by Elena Hasenbeck

Die Munich Brew Mafia aus der bayerischen Hauptstadt macht mit ihrem Double India Pale Ale „Schießprügel“ ihrem Namen wieder mal alle Ehre. Das achtprozentige Ale hopfte das Team um Dario Stieren ordentlich mit den Sorten Callista, Comet und einem neuen Zuchtstamm mit der Nummer 13/60, der noch gar nicht offiziell auf dem Markt ist.

So schwimmt das kräftige IPA in einem Goldorangeton im Glas, ein feinporiger, cremefarbener Schaum liegt oben auf. In die Nase schießen sofort die Aromen des Hopfens: beerige Noten, gepaart mit Zitrusfrüchten und einem Hauch Dörrpflaume. Im Mundraum zeigt sich der „Schießprügel“ angenehm erfrischend mit moderater Kohlensäure und cremigem Körper. Auch hier dringt die urtypische Kraft des grünen Goldes durch. Es präsentiert sich ein rundes Geschmacksbild aus Erdbeeren, Zitrus und einem zarten Anklang von Minze, dass ein harmonisches Malzbett untermauert. Im Finish verabschiedet sich das Double IPA mit einer deutlichen, aber keinesfalls kratzigen Bittere.

Fazit: Ein tolles Double IPA, in dem nicht die typischen Tropiknoten dominieren, sondern bei dem ein schmackhaftes Aromaspiel von roten Beeren geschmacksgebend ist. Allerdings ist beim Genuss dieses umdrehungsstarken Bieres durchaus Vorsicht geboten, da sich die acht Prozent geschickt im Hintergrund verstecken. Ich freue mich jedenfalls schon auf die zweite Flasche, die noch im Kühlschrank schlummert.

Bier-Festival: Braukunst Live! zeigt sich mit neuen Ideen

In wenigen Tagen öffnet die „Braukunst Live!“ (BKL) wieder ihre Türen für Bierfans aus aller Welt. Am Wochenende vom 31. Januar bis ersten Februar dreht sich im Münchner MVG Museum alles ums Thema Bier. Dieses Mal steht die Veranstaltung allerdings unter neuer Schirmherrschaft und präsentiert neue Ideen, neue Aussteller und neue Biere.

Die Veranstalter fordern alle ausstellenden Brauereien auf, am Wettbewerb, um den besten FestivalBrew mitzumachen. Vorgabe ist es, ein Bier mit der Flavour-Hopfenkomposition „Fantasia“ von BarthHaas zu brauen, die bei richtigem Einsatz fruchtige Noten von Aprikose und einen Hauch von Sahne und Karamell in den Sud zaubert. Das Siegerbier, das im Vorfeld von einer professionellen Jury gekürt wird, wird am Ende des Presserundgangs am Freitag bekanntgegeben.

Zudem gibt es erstmals das „BierForum“, eine Kooperationsveranstaltung zwischen der Braukunst Live und der „BierBegeisterung“ aus Bamberg, die am 31. Januar von 9.00 Uhr bis 14.00 Uhr stattfindet. Innerhalb verschiedener Vorträge soll folgendes Thema aus dem Blickwinkel von Handel und Gastronomie beleuchtet werden: Wie schaffen wir es, den Wert des Bieres beim Verbraucher darzustellen? Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Biermacher und Biervertreiber.

Für alle anderen Besucher warten rund 60 nationale und internationale Aussteller, die ihre besonderen Bierspezialitäten vorstellen. Neben bayerischen Craft-Machern wie Brewheart, Brewsli, Munich Brew Mafia, Hoppebräu, TrueBrew und vielen anderen, reisen auch Buddelship aus Hamburg, Schoppe Bräu aus Berlin oder Kuehn Kunz Rosen aus Mainz an. Zu den internationalen Highlights zählen der amerikanische Craft-Star Sierra Nevada sowie einige italienische Spezialitätenbrauereien, dessen Biere am Stand vom „Frisches Bier“ ausgeschenkt werden. Außerdem können die BKL-Gäste an beiden Tagen einige Münchner Helle blind verkosten und ihren eigenen Gaumen testen. Stammt das Bier aus einer großen oder einer kleinen Brauerei? Hier geht es nicht um Marketing und Marke, sondern nur um Geschmack.

Und wer kennt es nicht: Bier regt den Appetit an. Auch da haben sich die Veranstalter dieses Mal etwas überlegt. Im hinteren Hallenbereich stehen bekannte Foodtrucks wie etwa die „Suppenhühner“, die „Futterkiste“, “OX Grill by Ringlers“ und die „Wunderbar“ bereit. In diesem Food-Bereich gibt es auch einige Sitzmöglichkeiten, um sich zu entspannen. Und für noch mehr Stimmung sorgt Live-Musik mit bekannten Künstlern.

Kollaborationssud: Von Schmetterlingen, Erbsen und violetten Blumen

An besonderen Tagen muss auch ein besonderes Bier ins Glas. So köpfte ich am Weihnachtsabend für meine Familie das 5,9-prozentige, offenvergorene Golden Sour namens „Monotreme“, das in Kollaboration zwischen Speciation Artisan Ales aus Michigan und der Urbanrest Brewery aus Ferndale entstand. Gebraut haben es die US-Crafter mit Butterfly Pea Flower, ein koffeinfreier Tee aus violetten „Schmetterlings-Erbsen-Blumen“. Zudem stopften es die Macher noch mit jeder Menge Galaxy- und Summer-Hopfen.

Beim Einschenken zeigt sich das Sauerbier in einem Goldorange mit leichtem Purpur-Schimmer, der vom Tee stammt. Der Schaum liegt feinporig auf dem Bier, verschwindet aber stiltypisch ziemlich schnell. Die US-Kreation duftet blumig und erdig, mit einem gewissen Hefe-Touch. Auf der Zunge entfaltet sich ein komplexes Aromaspiel der eingesetzten Rohstoffe. „Monotreme“ präsentiert sich moussierend mit einer sanften Säure, die eine Fruchtigkeit mit Noten von Melone, Maracuja und Zitrusfrüchten sowie einer deutlichen Blumigkeit begleitet. Dazu gesellen sich sehr angenehme und feine animalische Akzente von Brettanomyces-Hefe.

Fazit: Wow, das amerikanische Golden Sour ist ein wahrlich ungewöhnliches Bier. Die verführerische Komplexität der Rohstoffe hat mich vollends überzeugt – auch wenn ich zuvor noch nie etwas von „Schmetterlings-Erbsen-Blumen“ gehört habe. Meine Familie konnte ich damit übrigens auch begeistern. Wer dieses Bier in die Hände bekommt, sollte unbedingt zugreifen.

Neues Bierfestival: Hopfenpflanzerverband Elbe-Saale setzt auf Regionalität

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Bevor im Frühjahr wieder die Pflanzen des grünen Goldes austreiben und gen Himmel wachsen, lädt der Hopfenpflanzerverband Elbe-Saale ins mittelsächsische Döbeln ein. Ganz nach dem Motto „von der Region – für die Region“ findet am 18. Januar die „1. Braukunst REGIO“ in der Veranstaltungshalle WelWel im Heinz-Gruner-Sportpark statt. Eröffnet wird das Spektakel, bei dem sich alles um spezielle und handwerklich gebraute Biere aus der Region drehen soll, mit einem Fassanstich durch die amtierende sächsische Hopfenkönigin Julia I.

Bei diesem Event sollen verstärkt regionale Produkte in den Vordergrund gerückt werden. So schenken rund 25 Brauereien aus der Gegend mehr als 100 verschiedenen Bierspezialitäten im Rahmen einer Biermeile aus. Zu den ausstellenden Braustätten gehören neben der Altenburger Brauerei, dem Bayerischen Bahnhof aus Leipzig, der Bierblume aus Görlitz beispielsweise auch die Braumanufaktur Tobias Frenzel aus Bautzen, Craftwerk Brewing aus Bitburg, die Mauritius Brauerei aus Zwickau oder aber die Stonewood Braumanufaktur aus Chemnitz.

Auch die Hobbybrauervereinigung aus dem Oschatzer Raum wird präsent sein sowie einige interessante Marken aus Tschechien wie etwa Mad Cat, Pivo Falkon, Pivovar Kozlicek oder Pivovar Masa, die auf der „1. Braukunst REGIO“ ihre Sude vorstellen. Besucher können für das vielfältige Verkostungserlebnis alle Sorten in Probemengen von jeweils 0,2 Liter degustieren. Jede Brauerei hat übrigens ein Pilsner Style-Bier im Gepäck, aus denen die Gäste ihren Publikumsliebling bestimmen können. Das „beliebteste Pilsner“ wird prämiert.

Für Besucher, die nicht nur spannende Biere und frischzubereitetes Fingerfood aus der Region probieren möchten, sondern auch mehr zum Thema Brauen und Hopfen erfahren möchten, bieten die Veranstalter auch Live-Schaubrauen mit originaler Hopfengabe zum Zuschauen und Mitmachen. Zudem können Interessierte am Stand des Hopfenpflanzerverbandes auch die Rohstoffe mit frischem Hopfenstopfen, einzelne Tastings, ein Video von der Ernte sowie fachkundige Informationen über Malz, den Brauprozess und vor allem den Hopfen aus dem Elbe-Saale Anbaugebiet erleben.

Denn das Dreieck Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gilt mit rund 1.550 Hektar Fläche nicht nur als zweitgrößtes und nördlichstes Hopfenanbaugebiet der Nation, es weist auch eine über tausendjährige Anbautradition der Kulturpflanze vor. Bewirtschaftet werden hier von knapp 30 Betrieben rund 20 verschiedenen Sorten aus Aroma-, Flavour- und Bitterbereich. Seit 2014 ist der Name „Elbe-Saale Hopfen“ ein von der Europäischen Union geschütztes Produkt und darf mit dem Qualitätssiegel „g.g.A. – geschützte geographische Angabe“ von Brauereien beworben werden. Das Siegel werden Besucher der „1. Braukunst REGIO“ auf der Veranstaltung sicherlich auf vielen Etiketten entdecken. Wenn nicht gleich am ersten Tag, dann aber sicherlich am zweiten, wenn ab ca. 10 Uhr ein exklusiver Flaschenverkauf der Brauereien stattfindet.

1. Braukunst REGIO

Samstag, 18.01.2020 (15 bis 23 Uhr) und Sonntag, 19.01.2020 (ab ca. 10 Uhr exklusiver Flaschenverkauf)

Vorverkauf: 6,50 Euro (inkl. eine Bierprobe + Gläserpfand)

Veranstaltungshalle vom WelWel (Fichtestraße 10, 04720 Döbeln)

Mehr Infos auch bei Facebook.

Kurztrip durch den IPA-Dschungel

India Pale Ales zählen zu den renommiertesten und beliebtesten Bierstilen der Welt. Aber erst mit Beginn der Craft-Bierbewegung entwickelten sich neue Spielarten der hopfigen Typologie. Inzwischen scheinen der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt.

Kaum ein anderer Bierstil performt derzeit so vielfältig wie India Pale Ale (IPA). Vor rund 30 Jahren war es der amerikanische Zündfunke, der auch die letzten Bierländer zum Brennen brachte. Nicht umsonst gilt das IPA als Mutter-Typologie der internationalen Craft-Bewegung. Obwohl häufig der Glaube vorherrscht, dass dieser Bierstil eine Neuerfindung der Kreativbrauer sei, pflegt der obergärige Hopfentrunk eine lange Tradition. So ranken sich um die Entstehung dieses Bieres etliche Mythen. Tatsache ist, dass IPA um das 18. Jahrhundert in England aus der Taufe gehoben und einst angeblich als „October beer“ gehandelt wurde. Brauer verwendeten erntefrische Rohstoffe und legten das Ale zur Abrundung für mehrere Monate in Holzfässer. Beschrieben hat man den Trunk aber schon damals als helles, starkgehopftes besonders bitteres Bier.

Die IPA-Legende besagt indes, dass die Briten während ihrer Kolonialzeit ein Bier entwickelten, dass für den langen Transport für ihre in Indien stationierten Soldaten mit größerem Hopfeneinsatz haltbarer gemacht wurde. Bis heute haben IPAs ihre typische Hopfigkeit nicht verloren – egal in welchem Land sie produziert werden. Doch inzwischen existieren zahlreiche Varianten, die teilweise sehr stark in Optik, Duft, Geschmack und Mundgefühl sowie Bitterkeit variieren. Verantwortlich dafür ist die internationale Craft-Bierbewegung, die vor keiner Mixtur zurückschreckt. Nachwuchsbrauer lassen ihrer Experimentierfreudigkeit freien Lauf und zaubern verschiedenste Unterkategorien wie etwa Westcoast-, Eastcoast-, New England-, Belgian-, Brut-, Milkshake-, White-, Black-, Rye- oder Session-IPA. Bei dieser nahezu unüberschaubaren Bandbreite verlieren nicht nur Konsumenten, sondern selbst Biersommeliers manchmal den Überblick.

Aber wie begann eigentlich der weltweite IPA-Trend? Die Erfolgsstory des modernen India Pale Ales startete vermutlich um 1975, als Anchor Brewing in San Francisco ein Christmas Ale auflegte, das mit dem damals noch sehr jungen Cascade-Hopfen gebraut wurde und etwa 40 Bittereinheiten besaß. Dieses Ale gilt als Senkrechtstarter der sogenannten Westcoast IPAs, die sich durch deutliche Fruchtnoten, eine ordentliche Herbe und eine gewisse Harzigkeit charakterisieren. Zu einem der besten Biere dieser Art gehört das achtprozentige „Pliny the Elder“ der kalifornischen Russian River Brewing aus Santa Rosa, nördlich von San Francisco.

Brauer der US-Ostküste wussten lange nicht, was sie dem Erfolg der Crafties aus Kalifornien entgegensetzen konnten. So entwickelten sie schließlich ihre eigene IPA-Variante: New England India Pale Ales (NEIPA), die gerade den wohl heißesten Trend der Craft-Bierszene darstellen, grenzen sich eindeutig von klassischen IPA-Vertretern ab. Dafür streben die Macher durch intensives, meist mehrfaches Hopfenstopfen und den Einsatz bestimmter Hefestämme, wie etwa der norwegischen Sorte Kveik, eine stabile sowie deutliche Trübung an. So wirken NEIPAS optisch häufig wie Fruchtsäfte. Aber auch in Duft und Geschmack präsentiert sich diese Ale-Art wie ein saftiger Tropenfrucht-Cocktail mit sanfter Bittere. Dieser Stil wird inzwischen auch lebhaft von deutschen Brauern interpretiert. Musterbeispiele typischer NEIPAs finden Aficionados beispielsweise im Portfolio der Macher von Frau Gruber, Brewheart oder Blech Brut. Häufig werden NEIPAs inzwischen auch als sogenannte Hazy IPAs vermarktet.

Milkshake IPA von Omnipollo

Ein vergleichbarer Vertreter der Ostküsten-Ales ist das Milkshake IPA – auch als Smoothie oder Slushie IPA bekannt. Craft-Brauer experimentieren dabei mit frischen Früchten, Gewürzen oder Laktose. Die Verwendung von Milchzucker erzielt dabei eine cremige Textur. Für den besonderen Kick wird häufig auch Vanille eingesetzt. Als einer der Topseller dieser IPA-Kategorie gilt das „Mexican Vanilla Piña Colada Milkshake IPA“, das aus einer Kollaboration der schwedischen Manufaktur Omnipollo und der US-Brauerei Tired Hands Brewing Co. entstammt. Das trübe Ale mit Zugaben von Laktose und Vanille erinnert geschmacklich an eine exotische Piña Colada, während der Geschmack des „Orange Vanilla IPA“ von Belching Beaver aus San Diego eher einem Orangen-Milcheis ähnelt.

Eine weitere In-Version ist knochentrockenes Brut IPA. Erfunden hat diese Spielart angeblich der Braumeister von Social Brewing in San Francisco. In den Sud kommt ein ganz spezielles Enzym (Amylase), das normalerweise bei Porter oder Stout eingesetzt wird. Dies macht das Bier vom Körper her schlanker, ohne jedoch den Alkoholgehalt zu minimieren. Der Begriff „brut“ wurde aus der Champagner-Welt adaptiert und steht ursprünglich für einen sehr trockenen Schaumwein. Auch bei diesem Bierstil geht es um einen staubtrockenen, prickelnden Sud, mit geringem Malzcharakter und minimaler Restsüße. Dabei sollen die Fruchtnoten des Hopfens das Aroma zwar dominieren, aber kaum Bittereinheiten aufweisen. Einige Brauer setzen dabei nicht auf Enzyme, sondern setzen auf besondere Mikroorganismen wie etwa Champagner-Hefe, die ebenfalls einen trockenen Charakter erzielt.

Auch bei deutschen Brauern ist der Brut-Trend angekommen. Zu den Vorreitern zählt das Kreativteam von Yankee & Kraut aus Ingolstadt. Für die Aromatik des schlanken und sehr fruchtigen Brut IPA namens „Dry Humor“ verwendet Braumeister Bryan France die Hopfensorten Topaz, Ariana, Callista und Hüll Melon. Zeitgleich legte auch Oliver Wesseloh von der Hamburger Kreativbrauerei Kehrwieder eine knochentrockene IPA-Version vor, die nur 0,05 Prozent Restsüße aufweist. Für die Fruchtigkeit sorgen insgesamt sieben Hopfensorten. Craft-Pionier Wesseloh sieht Brut-IPAs als nachhaltigsten Trend bei den vielen IPA-Ablegern und als erfrischenden Kontrast zu NEIPAs. Inzwischen führt der Hamburger gleich mehrere Sorten im Portfolio.

Neben Brut, Milkshake und Westcoast IPAs gibt es noch zahlreiche weitere Kategorien. So etwa eine interessante Version, die mit belgischer Hefe vergoren wurde. Craft-Fans stehen aber auch auf Black IPAs, die durch ihre schwarze Farbe bestechen und neben fruchtigen Hopfenanklängen auch angenehme Röstnoten vorlegen. White IPAs indes sind eine Kreuzung aus belgischem Witbier und amerikanischem IPA, während sogenannte Fruit IPAs meist mit Früchten wie Grapefruit, Mandarine oder Wassermelone gebraut werden. Rye IPAs sind mit Roggen gemaischt und Sour IPAs meist mit Milchsäurebakterien oder wilde Hefen angesetzt.

Alkoholfreies IPA von Riegele

Was die weltweite IPA-Szene vor allem auszeichnet, ist ein ständiger Run auf neue Geschmacksabenteuer. Als aktuelle Bereicherung der Craft-Bierbewegung gelten Session IPAs mit moderatem Alkoholgehalt oder sogar alkoholfreie Varianten. Selbst die Non-Alcoholic-Varianten erzielen durch viel Hopfeneinsatz oder Dry Hopping einschmeichelnde und fruchtige Aromen, die den typisch alkoholfreien Charakter überdecken und somit für Überraschungsmomente bei Verkostungen sorgen. Die Experimentierfreude bei India Pale Ale scheint unbegrenzt und bleibt wohl noch lange eine spannende Spielwiese für Kreativbrauer, Connaisseurs und Sommeliers.

Erschienen im Verbandsmagazin der Diplom Biersommeliers.