Privatbrauerei Schnitzelbaumer: West Coast IPA aus dem Chiemgau

Es ist schon was Besonderes, wenn eine mehr als 400 Jahre alte Brauerei ihre ureigenen Pfade verlässt und sich an etwas Kreatives wagt. So führt etwa die Schnitzelbaumer Brauerei im bayerischen Traunstein ein West Coast IPA im Portfolio, mit dem die Macher sogar mal ihre Regionalitätsphilosophie verlassen haben. Kern des Sudes ist die amerikanische Hopfensorte Centennial. Beim „Traunsteiner IPA“ handelt es sich um ein 6,4-prozentiges Single Hop-Bier, das mit vier Spezialmalzen gebraut ist.

So leuchtet das IPA aus dem Chiemgau in einem attraktiven Orangeton durchs Glas. Ein cremefarbener, feinporiger Schaum toppt die Optik und macht Lust auf den Genuss. In der Nase zeigen sich die typischen Centennial-Aromen: Zitrusfrüchte treffen hier auf harzige Piniennoten. Ein blumiger Touch sowie ein sanfter Hauch von Aprikose spielen zusätzlich mit. Vollmundig breitet sich das bayerische Ale im Mundraum aus. Die Kohlensäure ist moderat. Im Geschmack präsentiert das Bier ein Aromaspiel aus fruchtigen Noten von Zitrus, etwas Aprikose und Holunder sowie würzige und harzige Anklänge. Im Finish verabschiedet sich das IPA mit einer deutlichen Herbe von 66 Bittereinheiten.

Fazit: Ein tolles Bier, das wirklich Spaß macht. Und ein Musterbeispiel dafür, dass auch Traditionsbrauereien neue Wege einschlagen können, ohne dabei ihre Ursprünglichkeit zu verlieren. Gerne mehr davon!

Yankee und Kraut: Hopfige Pina Colada aus der Dose

Trotz Corona-Pandemie und Absatzproblemen in der Branche, sprühen Bryan und Max von Yankee und Kraut aus Ingolstadt offenbar vor Kreativität und sorgen fast schon im Monatsrhythmus für neue Craft-Überraschungen. Schon wieder haben die beiden eine echte Fruchtbombe vorgelegt, die die Herzen vieler Aroma-Nerds erfreuen dürfte. Bei ihrem neuen „Delicious Torment“, das sie bei Hoppebräu in Waakirchen gebraut haben, handelt es sich um ein saftgelbes, supertrübes Double Dry Hopped New England IPA mit 6,9 Prozent Alkohol. Für das Aromaspiel sind die beiden Hopfensorten Sabro Cryo und Citra Cryo verantwortlich.

So duftet das NEIPA nach Ananas, Limone, Orange und dezent nach Kokosnuss mit einer zarten Würzigkeit. Das Mundgefühl präsentiert sich cremig-weich und auch auf der Zunge dringen die Aromen des grünen Goldes durch: Ananas, Kokos und Orange dominieren den Geschmack. Dazu gesellt sich eine zarte Säure sowie eine angenehme Bittere, die das Ganze harmonisch abrundet. Super Drinkability!

Fazit: Schmeckt fast nach einem bierigen Pina Colada. Wirklich erste Sahne, was Yankee & Kraut momentan in die Dosen bringen. Mehr gibt es dazu gar nicht dazu zu sagen. Gefällt mir und ich bin auf das nächste Bier gespannt.

Kommentar: Keine Panikmache

Pixabay_Free-Photos

Nein, Corona ist noch nicht vorbei. Auch wenn der Bierabsatz hierzulande im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr insgesamt um fast sieben Prozent eingebrochen ist, so können zumindest Craft-Brauer beruhigt durchatmen. Neben kleineren Kollateralschaden sind sie bislang keineswegs so hart betroffen, wie anfangs prophezeit. Vielmehr trifft der Einbruch vor allem Großbrauereien und Gastronomie mit voller Wucht.

Fest steht jedoch: Nur weil draußen eine Covid19-Pandemie tobt, ist die Lust auf kreative Sude niemand vergangen. Entlassungen und Kurzarbeit in der Wirtschaft haben dazu geführt, dass insbesondere Homeworker viel mehr Craftbiere zuhause konsumieren als jemals zuvor.  

Gewinner der aktuellen Krise sind deshalb vor allem die Online-Biershops. Was wegen dem Lockdown durch fehlende Absätze in der Gastronomie verloren ging, konnten viele Craft-Brauer über das Internet-Geschäft weitgehend kompensieren. Corona-bedingt wird hier derzeit mehr Bier verkauft als sich die Betreiber wohl je erhofften. Nebeneffekt: Seitdem der Internetverkauf brummt, nehmen jetzt sogar renommierte Gourmet-, Wein- und Spirituosen-Portale kreative Sude in ihr Angebot auf.

Leidtragender der Covid19-Epidemie ist jedoch noch immer die Gastronomie. Aber seitdem nach Beendigung des Lockdowns die Beschränkungen gelockert wurden, Craft-Kneipen, Wirtshäuser und Biergärten wieder öffnen dürfen, geht es auch hier langsam bergauf. Inzwischen sind in der Szene viele neue Ideen entstanden, die sich auch nach der Epidemie für den Craft-Fan nachhaltig auswirken dürften.

Was wirklich wehtut, sind die Absagen der vielen Craftbier-Feste. Aber die Verschnaufpause nutzen viele Kreativ-Brauer, um Neuausrichtungen ihrer Marke vorzunehmen sowie mit solider Planung ihr Zukunftsgeschäfts zu gestalten. Außerdem brodelt es derzeit kräftig in den Versuchskesseln und die Craft-Gemeinde kann sich auf viele neue Sude freuen. Also: Keine Panikmache, bleibt optimistisch – Maske aufsetzen, Abstand halten und weitertrinken.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Städte-Special Göteborg: Hochburg schwedischer Biere

Mutige Brauer mit unkonventionellen Ideen, kreative Bierstile und eine quirlige Kneipenkultur: In Göteborg tobt eine aufregende Craft-Szene. Eine Tour durch die City beweist, warum die Universitätsstadt an der Westküste Schwedens der Bier-Hotspots Nummer Eins im Lande ist.

Brewers Beer Bar

Stockholm kennt wohl jeder. Aber unter Bierreisenden gilt Göteborg als wahrer Geheimtipp. In der zweitgrößten Stadt des Landes, die im kommenden Jahr ihren 400. Geburtstag feiert, leben knapp 600.000 Einwohner. Aber die schwedische West-Metropole, durch die sich idyllisch der Fluss Göta älv schlängelt, hat neben Scherengärten, verträumten Altstadtgassen, dem beliebten Liseberg Freizeitpark sowie einem berühmten Fischmarkt, noch einiges mehr zu bieten: In der quirligen Studentenstadt pulsiert eine spannende Craft-Bierszene, die unter Schwedens Genießern heute absoluten Kultstatus genießt.

Die City am Kattegat ist inzwischen einer der bedeutendsten Bier-Hotspots in Skandinavien. Neben mehr als ein Dutzend hippen Kneipen mit unberechenbarer Bierauswahl sind viele Micro-Brauereien, aber auch renommierte Marken mit wie Stigbergets oder Poppels in Göteborg ansässig, deren Sude die Herzen von Craft-Fans rund um den Globus höherschlagen lassen. Rund 35 Craft-Stätten tummeln sich hier – mehr als in den meisten bundesdeutschen Millionenmetropolen.

Die erste Brauerei in der Stadt gründete 1649 ein Deutscher namens Johan Casparsson Poppelman, die allerdings 1835 wieder schließen musste. Eine weitere Legende in der Göteborger-Biergeschichte ist der Schotte Georg Carnegie, der 1745 wegen eines gescheiterten Aufstandes nach Göteborg floh und dort eine Brauerei gründete. In Glanzzeiten soll diese mehrere Millionen Liter Porter im Jahr produziert haben. „Carnegie Porter“ gilt somit als älteste schwedische Marke, die heute noch existiert und von der schwedischen Großbrauerei Nya Carnegiebryggeriet produziert wird.

Braustätten in Göteborg gelten seit jeher als beliebt. Grund dafür war einst der boomende Exportmarkt, ausgelöst durch die Globalisierung im 18. Jahrhundert. Die schwedische Ostindien-Kompanie hatte damals eine hohe Bedeutung für die Wirtschaft. So wurden neben unterschiedlichsten Waren auch jede Menge Bier in den Fernen Osten verschifft. Im Jahr 1813 wurde die East India Company zwar geschlossen, aber in Göteborg rauchten die Brauereischornsteine weiter. Irgendwann ließ der Erfolg jedoch nach. Alte Backsteingebäude, in denen große Bierproduzenten wie Pripps und Lyckholms ansässig waren, stehen zwar immer noch, die Brauereien wurden aber inzwischen von Carlsberg aufgekauft und anschließend geschlossen. Um die 2000er Wende stand es dann wirklich katastrophal um die Bierszene in Göteborg.

Erst mit der Gründung der ersten Mikrobrauereien in der Stadt nahm die Szene wieder Fahrt auf. Als einer der wichtigsten Craft-Pioniere gilt Mikael Dugge Engström, der 2005 am südlichen Rand von Göteborg die Dugges Bryggeri in Mölndal gründete. Sein erstes Bier war ein fünfprozentiges amerikanisches Pale Ale namens „Avenyn Ale“, das Mikael für ein angenehm tropisches Aroma auch heute noch mit den Hopfensorten Cascade, Chinook, Citra und Simcoe braut. Die Nachfrage wuchs schnell, denn solche Biere waren auch den Schweden bis dahin unbekannt. Im ersten Jahr produzierte Engström rund 300 Hektoliter. Durch seinen Erfolg war die Kapazität seiner Anlage schon vier Jahre später mit 1.500 Hektolitern ausgereizt und ein größerer Standort mit einem Ausstoß rund 7.000 Hektolitern musste her.

Heute steht die Braustätte in Landvetter, etwas östlich der City von Göteborg. Im Dugges-Portfolio befinden sich neben diversen Pale Ales und India Pale Ales mittlerweile auch einige Frucht-Sauerbiere mit Birnen oder Erdbeeren sowie ein 11,5-prozentiges Imperial Stout mit Mango, Kokosnuss und Tonkabohnen. Hinzu kommen fassgereifte Spezialitäten aus Rotwein-, Whisky- und Sude, die in karibischen Rum-Fässern gelagert werden. Damit hat Ensgtröm noch lange nicht genug: „Wir wollen unsere Kapazitäten noch weiter ausbauen und unseren Traum, ungewöhnliche Biere zu brauen, auf jeden Fall weiterleben“.

Als besonders innovativ gilt auch die 2012 gegründete Poppels Bryggeri in Jonsered, nordöstlich vom Stadtzentrum gelegen. Das Gründerteam startete vor acht Jahren mit einem Brown Ale und legte dann ein amerikanische Pale Ale vor, das heute zu den nationalen Lieblingsbieren der Schweden gehört und in jedem „Systembolaget“, also den speziellen Alkoholgeschäften in Schweden, verfügbar ist. Bei ihren Bieren schwören die Newcomer auf hohe Bioqualität der Rohstoffe. Somit ist Poppels nicht nur eine der bekanntesten, sondern inzwischen auch die größte Bio-Brauerei Schwedens.

Credit: Poppels

Wie gut die Biere aus Jonsered ankommen, zeigt auch die Nachfrage von „Project 003“. Das Imperial Saison, gebraut mit Johannisbeeren, war bereits wenige Minuten nach Veröffentlichung komplett ausverkauft. Aber ihren Erfolg erzielt die Poppels Bryggeri auch durch die Leidenschaft zur Kombination von Essen und Bier. Das Team arbeitet eng mit Köchen und Lebensmittelherstellern zusammen. So basiert die gesamte Speisekarte im eigenen Brauerei-Restaurant auf Foodpairings mit Bier. Das Corona-Virus hinterlässt zwar auch seine Spuren in der schwedischen Gastronomie und in der Bierbranche, aber Magnus Pettersson von Poppels ist zuversichtlich: „Unsere Verkäufe laufen weiterhin hervorragend, sodass unser Unternehmen zum Glück noch immer absolut stabil ist.”

Etwas stärker von den Covid-Auswirkungen betroffen, scheint die 2012 gegründete Craft-Stätte Beerbliothek im Südwesten der Stadt. Nach eigenen Aussagen seien die Verkäufe an Restaurants und Bars in den vergangenen Monaten um 70 Prozent zurückgegangen. Das Team um die Gründer Adam Norman, Richard Bull und Darryl de Necker riefen allerdings eine erfolgreiche Social Media-Kampagne für den Kauf lokaler Biere ins Leben. Der Bierabsatz rund um den Kirchturm sei dadurch, laut aktueller Zahlen, um 45 Prozent gestiegen. Ursprünglich begannen die Schweden als hochkreative Hobbybrauer, die allein im Gründungsjahr schon 43 Biere auf den Markt brachten. Auf jeder Dose steht noch heute die chronologische Nummer des Suds. Zur Core-Range gehören neben leichtem Session IPAs und hopfig-fruchtigem IPAs auch ein elfprozentiges Imperial Stout sowie ein unfiltriertes Pils mit deutschen und nordamerikanischen Hopfensorten.

Neben ihren Klassikern setzen die Beerbliothek-Macher vor allem auf ungewöhnliche Experimente. Im Sortiment finden Bierliebhaber daher auch ein Oat Stout mit speziellem „Tarrazu“-Kaffee, eine Gose mit Mango, Melone, Maracuja und Stachelbeere oder aber ein IPA mit Kokosmilch und ein kaltgehopftes Sauerbier mit Orangenschalen. „Unsere Brauphilosophie ist relativ einfach“, betont Gründer Darryl de Necker, „wir produzieren ausschließlich Biere, die wir selbst trinken wollen.“ Gerade habe das Team einen Sud mit der Folgenummer 287 eingebraut. Frisch gezapft finden Aficionados diese Spezialitäten vor allem im hauseigenen Taproom am Varholmsgatan 4.

Ein eigener Schankraum gehört in der schwedischen Craft-Szene zum Erfolgsrezept. Diese Erfolgsformel haben auch die Macher von Stigbergets umgesetzt. Ihre Marke gilt als neuer Stern am schwedischen Craft-Bierhimmel. Gegründet wurde die Braustätte vor sieben Jahren mit der Intention ein Bier nur für das städtische Kino in Göteborg zu brauen. Inzwischen wird Braumeister Oli Banks schon international für seine IPAs gefeiert. Als Flaggschiff gilt sein „Amazing Haze“, das wohl das erste New England IPA in ganz Schweden war und auch schon reichlich Preise absahnte. Das 6,5-prozentige Bier legt Noten von Mango, Papaya und Pinie vor und wird von einer sanften Bittere abgerundet. Neben NEIPAs setz Banks jetzt auch immer mehr auf spontan vergorene Biere, experimentiert auch mit Fassreifung und arbeitet an Sorten mit weniger als 3,5 Prozent Alkohol. „Die Nachfrage nach aromatischen Leichtbieren steigt derzeit in Schweden deutlich an“, sagt der Stigbergets Braumeister, „wir hoffen, dass wir mit diesem Bierstil da noch einiges in Bewegung bringen können.“

An Ideen mangelt es jedenfalls den vielen Craft-Stätten in Göteborg nicht. So zählt auch das Team von Beersmiths zur Kreativ-Liga der Szene. Die junge Erfolgsbrauerei riefen der Brite Dave Barrat und sein Partnerin Malin vor fünf Jahren im Süden des Zentrums ins Leben. Vor der Gründung war Dave schon mehr als 30 Jahre als Freizeitbrauer tätig. Sein Traum war es aber schon immer eine eigenen Braustätte zu besitzen und seine Sude kommerziell zu verkaufen. Das gelang ihm in Göteborg. Im Portfolio von Beersmiths finden Craft-Fans neben diversen Lagern und IPAs auch ein NEIPA mit Laktose und Orange, eine Berliner Weiße, die für ihre rote Farbe und das fruchtige Aroma auf Kirschen gereift ist oder aber ein belgisches Witbier mit Lavendel.

Cooles Design von 0/0

Zu den innovativen Craft-Brauereien Göteborgs gehören außerdem O/O Brewing im Norden, All in Brewing am Hafen des Viertels Västra Eriksberg oder Barlind Beer auf der Insel Bohus-Björkö im Scheren-Archipel vor den Türen der Stadt gelegen. Letztere ist vor allem bekannt für ihr preisgekröntes IPA. Wer intensiv in die Szene Göteborgs und die Welt der lokalen Biere eintauchen will, der sollte unbedingt in den hippen Craft-Bars der Innenstadt einkehren. Zu den Highlights zählen etwa die beiden Locations der „Brewers Beer Bar“ mit wechselnden Suden vom Hahn. Hier gibt es zum Bier übrigens auch die angeblich beste Sauerteigpizza der Stadt. In der Nähe des Shoppingcenters Nordstan befindet sich der Pub „Ölrepubliken“ mit 30 Bieren vom Hahn und mehr als 200 verschiedenen Sorten aus Flasche und Dose. Aber auch die Craft-Kneipe „3 Små Rum“ lässt mit wechselndem Angebot die Herzen von Bier-Fans höherschlagen. Auch Brewdog und Omnipollo sind mit eigenen Bars in der Stadt vertreten.

Craftbier-Bar „Wärdshuset Tullen“

Mit diesem Angebot zählt Göteborg wohl zurecht als Bierhauptstadt Schwedens. Wer einmal durch die Brauereien, Taprooms und Kneipen der Stadt gezogen ist, wird von der Vielfalt der Szene begeistert sein. Die Biere der Craft-Zauberer sind bekannt für einen eigenen Touch: Egal ob klassisches Lager, hopfige IPAs, deftige Stouts oder fassgereifte Spezialitäten sowie kreative Sauerbiere, es gibt wahrscheinlich keinen Bierstil und kein Experiment, das die schwedischen Craft-Brauer auslassen. Und das Beste: Die Szene wächst immer weiter.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Great Divide Brewing: Knackige Kombination mit gewissem Kick

Dieses Bier hätte ich gern eher entdeckt. Denn das „Car Camper“ von Great Divide aus Denver, Colorado, verkörpert allein schon durch das Dosen-Design pures Sommer-Feeling. Gebraut haben die US-Crafter das strohgelbe Hazy Pale Ale mit einer deftigen Portion Sabro-Hopfen. Und genau der entfaltet in diesem Top-Ale seine volle Kraft.

Der Trend-Hopfen feuert eine Mischung aus tropischen Noten an die Riechrezeptoren. Es trifft reife Ananas auf Kokosnuss und Zitrusfrüchte – wie bei einem fruchtigen Karibik-Drink. Ein harziger Anklang schwingt gesellig mit. Im Geschmack hält das Bukett, was es verspricht. Ananas, Mango, Kokosnuss und süßliche Cantaloupe-Melone vermählen sich zu einem harmonischen Aromaspiel. Ergänzt wird der erfrischende Fruchtcocktail mit moderater Kohlensäure durch harzige Töne und eine fein abgerundete Bittere.

Fazit: Mir gefällt beim „Car Camper“ nicht nur die super Drinkability, sondern auch das Geschmacksbild, das nicht nur saftig-fruchtig schmeckt, sondern mit harzigen Noten und einer spürbaren Bittere angenehm abwechslungsreich daherkommt. Ich schmeiß gleich mal den Grill an. Eine Dose habe ich noch.

Schräge Biere: Funkeln im Glas

Farbe und Schaum reichen für eine attraktive Bier-Optik wohl nicht mehr aus. Vor allem in den USA setzen jetzt immer mehr Brauer auf einen neuen visuellen Kick: Sie bieten ihre Sude mit seltsamen Glitzer-Effekten an.

Credit: Devil’s Backbone Brewing

Jedermann weiß, ein gutes Bier sollte man mit allen Sinnen genießen. So sind nicht nur Aroma, Duft und Geschmack entscheidend, sondern auch die Optik – denn das Auge trinkt mit. Eine attraktive Farbe, eine gleichmäßige Trübung sowie ein feinporiger und stabiler Schaum regen den Appetit an und machen Lust auf den ersten Schuck. Offensichtlich reicht das experimentierfreudigen Brauern aber nicht mehr aus. Um das Aussehen noch etwas zu pimpen, packen internationale Crafter für den optischen Kick jetzt bunten Glitzer mit in den Sud.

Als Vorreiter bei dieser funkelnden Erscheinung gelten – wen wundert’s – die US-Brauer. Egal ob IPA, Winter Ale oder Sauerbier, inzwischen gibt es kaum einen Bierstil, der nicht mit essbarem Glitter versehen wird. Aber keine Sorge: Die schimmernde Beigabe dient allein der Optik, auf den Geschmack hat es keinen Einfluss. Und der Glitzer-Staub ist so zart, dass er über das Mundgefühl nicht wahrnehmbar ist.

Eine der Pioniere der Glitter-Sude ist die Brauerin Lee Hedgmon von Ground Breaker Brewing in Portland. Sie gab in ihr belgisches Triple auf 30 Liter bloß drei Gramm Glitzer – und um die Optik des Bieres noch ungewöhnlicher zu gestalten, kippte Hedgmon noch etwas blauen Curaçao hinzu. Das Ergebnis: Ein schimmerndes, grünes Bier, das trotz schräger Optik ein aromatisches Geschmacksbild präsentiert. Ausgeschenkt wurde der Spezialsud allerdings zunächst nur auf einem regionalen Bierfest.

Es sind wohl vor allem farbenfreudige Frauen, die auf den Glitzer im Bier stehen. So auch Madeleine McCarthys, die Brauerin von Sasquatch Brewing in Portland. Sie legte ein 5,6-prozentiges New England Pale Ale namens „Gold Dust Woman“ auf, das mit Azacca und Galaxy gehopft ist, somit eine intensive tropische Fruchtigkeit präsentiert. Aber das Wichtigste: für den optischen Kick steckt noch eine ordentliche Dosis Goldstaub drin. Dass dieses Bier stark polarisiert, beweist ein Video auf der Website des Medienunternehmens Buzzfeed, das dort über acht Millionen Mal geklickt wurde. Zudem soll es das erste Glitzerbier weltweit gewesen sein, das auch in Dosen abgefüllt wird.

Die meisten Brauereien, die Sude mit dem funkelnden Extra produzieren, sehen das jedoch als einmaliges Experiment. Dabei färben einige Sud-Zauberer das Bier zusätzlich grün, um beispielsweise ein Special für den irischen Nationalfeiertag „St. Patricks Day“ zu kreieren. Andere spielen mit ungewöhnlichen Namensgebungen, wie etwa die DuClaw Brewing Company aus Baltimore. Dort wird einmal im Jahr ein 5,5-prozentiges Sour Ale namens „Unicorn Farts“ gebraut, das übersetzt so viel bedeutet wie Einhorn-Pups. Gebraut ist das Bier mit bunten Cornflakes, Früchten und Glitzer.

Eine Glitter-Welle rollte auch durch San Francisco, wo Craft-Stätten wie Cellarmaker, Black Hammer Brewing oder Barebottle Brewing auf das Schimmern im Glas setzten. Brauereien wie Ska Brewing in Colorado, Three Weavers Brewing Company in Kalifornien oder Devil’s Backbone Brewing in Kentucky folgten. In letzterer Braustätte gibt es ein im Weinfass gereiftes Sour Grapefruit Ale mit Glitzer und dem Namen „Glitter Bomb“ sogar regelmäßig im Verkauf.

Hierzulande ist der Glitzer-Wahnsinn bisher wohl noch nicht angekommen. Kleiner Tipp: Wer selbst ein Glitter-Bier herstellen möchte, kann sich einfach in der Backwarenabteilung essbaren Goldstaub kaufen und in jedes Bier seiner Wahl rühren.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Hopfenernte 2020: Wachsende Anbaufläche und bessere Alpha-Werte

Die Hopfenernte in deutschen Anbaugebieten hat begonnen. Wie in der heutigen Pressekonferenz bekanntgegeben erwartet der Verband Deutscher Hopfenpflanzer mit Sitz in Wolnzach in diesem Jahr eine gute durchschnittliche Ausbeute mit knapp 49.000 Tonnen Ertrag. Dabei kommt der Hallertau die bedeutendste Rolle zu: Bei einer Gesamtanbaufläche von 17.233 Hektar, davon 475 Hektar Neufläche, wurde ein Ertrag von 830.000 Zentnern, also 41.500 Tonnen, geschätzt.

Trotz der trockenen Witterungsverhältnisse im Frühjahr lassen die Erwartungen bei regional unterschiedlich verteilten Niederschlägen und größtenteils gemäßigten Temperaturen, eine gute Prognose zu. In diesem Ergebnis sind bereits die Schäden durch Hagel und Welke berücksichtigt. Die Bestände sind trotz eines starken Krankheitsdrucks während der gesamten Vegetationsperiode überwiegend gesund und versprechen eine gute Qualität. Auch die Alpha-Werte sollen in diesem Jahr mit geschätzten 6000 Tonnen weitaus besser sein als im vergangenen Jahr.

Sorten-Stars der Hallertau sind im Bitterhopfenbereich der Herkules, der einen Flächenanstieg um 132 Hektar auf 6254 Hektar verzeichnet. Danach folgt Polaris mit einem Anstieg um 56 Hektar auf 216 Hektar. Bei den Aromasorten ist die Perle mit einem Flächenanstieg um 109 Hektar auf 2887 Hektar Spitzenreiter. Gefolgt vom Hallertauer Tradition mit einem Anstieg um 81 Hektar auf 2718 Hektar und Spalter Select, dessen Anbau um drei Hektar wuchs. Bei den Flavor-Sorten Mandarina Bavaria, Huell Melon und Callista mussten Flächen reduziert werden, während der Anbau des Hallertauer Blanc zumindest gleichblieb. Den einzigen Anstieg in diesem Bereich – um sieben Hektar auf insgesamt 73 Hektar – verzeichnet die Sorte Ariana.

Zagovor Brewery: Russische IPAs als perfekte Sundowner

Die internationale Craft-Szene blickt eher selten in Richtung Osten. Dabei entwickeln sich vor allem russische Craftbiere immer mehr zum Must-have für Fans von kreativen Suden. Ganz vorne dabei sind die Sorten der Zagovor Brewery aus Moskau. Klar, dass der Trend zu Hazy IPAs auch dort längst angekommen ist, aber die Russen präsentieren ihre Sude noch mit einem besonderen Touch. Ich habe mal zwei solcher Hopfenbomben probiert.

Beim „Against Milk“ mit 6,5 Umdrehungen handelt es sich um ein sonnengelbes New England IPA, das mit Mosaic, Citra und Citra Incognito gehopft ist. Zudem kam noch Laktose in den Kessel. So duftet das trübe Ale wie ein Pfirsich-Maracuja-Limone-Grapefruit-Milchshake. Der Duft bestätigt sich auch auf der Zunge. Geschmacklich erinnert das Bier an einen tropische Frucht-Milchshake mit Mango, Maracuja und Zitrusfrüchten. Die angegebenem 65 Bittereinheiten sind so gut eingebunden, dass man sie kaum wahrnimmt.

Das zweite Bier verspricht beim ersten Blick auf die Dose mit dem Namen „Bitter End“ eine deutlichere Herbe. Aber eines vorweg: Die 50 IBUs sind hier ebenso wunderbar eingebaut wie beim „Against Milk“. Bei dieser Sorte geht es jedoch um ein Double Dry Hopped Double IPA mit 8,5 Prozent Alkohol. Hier stecken jede Menge Galaxy-, Mosaic- und Citra-Hopfen drin, was man schon am Bukett deutlich wahrnehmen kann. Das sonnengelb-milchige Bier duftet fruchtig-tropisch und dominierend nach Zitrusfrüchten. Das Mundgefühl zeigt sich cremig bei moderater Kohlensäure und einer leichten Säure. Aromen von Ananas, Maracuja und Zitrus gestalten das Geschmacksbild.

Fazit: Zwei tolle Biere mit angenehm fruchtigen Aromaspielen. Das „Against Milk“ hat mir allerdings einen Tick besser gefallen, weil es etwas harmonischer und nicht ganz so wuchtig daherkommt. Beide Sude passen ideal zum gegrillten Steak, zu Pasta Arrabiata oder einfach so als Sundowner im Sommer.

Brewheart: Fruchtige Session an der „Hopacabana“

Double Dry Hopped Double IPAs mit rund acht Umdrehungen zählen gerade zu den Megatrends der Craft-Bierszene. Zu den bekanntesten hiesigen Produzenten solcher Hammerbiere gehört Brewheart aus Otterfing, im Süden von München. Andi und Roland brauen ihre wirklich tollen Sude als Gypsys bei Frau Gruber & Friends im bayerischen Gundelfingen. Dass die beiden Bayern aber auch hervorragende leichtere Biere draufhaben, beweist das neue Session IPA mit schlanken 4,5 Prozent Alkohol. Natürlich ist das aber auch doppelt kaltgehopft. Für das Aroma in „Hopacabana“ sind die Sorten El Dorado, Azacca und Mosaic verantwortlich.

Der Name des Bieres lässt schon ein wenig sommerliches Brasilien-Flair erwarten. Bei der Farbgebung kann man schon mal nicht meckern. Der attraktive Gelbton erinnert ein wenig an die Sonne über der Copacabana. Im Bukett legt das Session IPA schmeichelnde Tropik-Noten vor, die etwas an Multivitamin erinnern. Dazu gesellt sich eine gewisse Würze, die das Geschmacksprofil ziemlich einmalig macht. Die eingesetzten Hopfensorten schmettern anschließend ein exotisches Aroma auf die Zunge. Hier trifft Maracuja auf Mango und auf gelbe Steinfrüchte wie Pfirsich und Aprikose. Grasig-würzige Töne sowie ein Touch von Gelee-Banane runden den Geschmack ab. Der Körper gestaltet sich schlank mit moderater Kohlensäure, sodass das Bier schön erfrischend rüberkommt.

Fazit: Perfekt für den Sommer! Und ja, wenn man die Augen schließt und das Bier auf der Zunge hat, dann könnte man sich durch das tropisch-fruchtige Geschmacksbild für einen kurzen Moment schon am Strand von Rio de Janeiro sehen. Gefällt mir richtig gut!

Yankee & Kraut: „Demolition Can“ für den wahren Hopfenfan

Mit ihren neuen Bieren treten Yankee & Kraut aus Ingolstadt gerade ordentlich aufs Gaspedal. Bryan und Max sind zwar schon seit Gründung ihrer Marke bekannt für großzügige Hopfengaben im Sud, aber seit die beiden Kreativen nun auch in Dosen abfüllen, legen sie offensichtlich noch eine deutliche Schippe drauf. Wer sich schon in den Kollaborationssud „Døgn“ in Kooperation mit Hoppebräu verliebt hat, sollte unbedingt das nagelneue Double Dry Hopped Double IPA namens „Demolition Can“ mit acht Umdrehungen probieren.

Nach dem Einschenken könnte man wahrlich ins Grübeln kommen. Denn wenn das Bier keinen schneeweißen Schaum hätte, könnte man meinen, da schwimmt ein sonnengelber Fruchtsaft im Glas. Je näher man dann die Nase zum Bier führt, umso mehr verführt der Duft der eingesetzten Hopfensorten Citra Cyro und Idaho7 Cyro das Riechorgan. Das Bukett präsentiert eine Kombination aus süßlichen Noten von Ananas, Maracuja, Mango und Zitrusfrüchten, wobei die Grapefruit dominiert. Macht Bock auf den ersten Schluck – und der schlägt ein wie eine Bombe. Im Geschmack treffen harzig-würzige Töne auf ein tropisches Feuerwerk, vor allem auf vollreife Ananas, sowie einen harmonischen, vollmundigen Malzkörper, der jedoch nicht zu wuchtig wirkt. Eine sehr sanfte Bittere rundet das grandiose Double IPA ab.

Fazit: Was für eine Aromawucht! Trotz acht Prozent gestaltet sich das Bier absolut harmonisch, der Alkohol dominiert keineswegs. Das IPA bringt sogar eine gewisse Frische ins Glas. Kompliment an Yankee & Kraut. Ich freue mich schon auf die nächste Sorte. Die Erwartungshaltung liegt jedenfalls ziemlich hoch.