Bier & Food: Trockenfleisch trifft Craft-Spezialitäten

Bier und BeefJerky (2)Foodpairing gehört zu den absoluten Megatrends, vor allem bei Biersommeliers. Neulich stand ein Paket von „Grizzly Snacks“ vor meiner Tür mit drei verschiedenen Sorten des Beef Jerkys. Dabei geht es um dünne Streifen aus deutschem Weiderindfleisch, die mit natürlichen Zutaten mariniert und gewürzt und anschließend einem speziellen Trocknungsverfahren unterlaufen. Gedacht sind solche Fleisch-Snacks eigentlich für Abenteuer, die kein schweres Gepäck in der Wildnis mit sich rumtragen wollen, aber auch für Sportler, Camper oder als Nebenbei-Häppchen im Büro. Ich habe die drei Sorten einfach mal mit Bier kombiniert.

Bier und BeefJerky (4)Zuerst probierte ich Beef Jerky „Original“, das von den Herstellern nur mit etwas Salz, Pfeffer und etwas Apfelessig versehen ist. Hier dachte ich mir, könnte ein klassisches Helles den Umami-Geschmack gut vertragen. Also kreuzte ich das Trockenfleisch mit dem „Hosen Hell“, ein 5,2-prozentiges Bier, das mit Aromahopfen versehen ist und von der Uerige Brauerei aus Düsseldorf mit der Kultband „Die Toten Hosen“ entwickelt wurde. Im Pairing passen die fleischig-würzigen Noten ideal zu den malzig, würzigen und leicht süßen Aromen des Bieres. Die zarte Herbe vom „Hosen Hell“ rundet das Geschmackserlebnis noch spannend ab.

Bier und BeefJerky (3)Eine weitere spannende Kombination bringt das Beef Jerky „Lemon Ginger“, das mit Ingwer und Zitronengras aromatisiert ist. Und wie heißt es so schön beim Foodpairing, gleich und gleich gesellt sich gern. Also fusionierte ich das Fleisch mit dem „Citra Helles“ von der Braumanufaktur Welde aus Plankstadt. Beide Produkte legen eine kräftige Zitrusnote vor, die sich im Mund harmonisch verbinden.

Etwas komplizierter war die Frage, was wohl am besten zum Beef Jerky „Gardens Green“ passen könnte. Diese Sorten haben die Macher von Grizzly Snacks mit Sojasoße, Apfelessig, Pfeffer, Knoblauch, Zwiebel, Thymian, Schnittlauch, Rosmarin, Petersilie, Oregano und Majoran gewürzt. Da das Trockenfleisch mit dieser Gewürzmischung auch eine leichte Säure präsentiert und der Rosmarin im Geschmack dominiert, entschied ich mich für die „Baltic Gose“ von der Inselbrauerei aufBier und BeefJerky (1) Rügen. Die leichte Salznote und die Spritzigkeit des Bieres heben die kräuterbezogen und würzigen Noten des Beef Jerkys noch mehr hervor. Die angenehme Fruchtigkeit der Gose passt hervorragend zu diesem würzigen Geschmacksbild.

Fazit: Die Kombination von Trockenfleisch und verschiedenen Bieren hat wirklich Spaß gemacht. Mal was ganz anderes und das Spielfeld ist ziemlich breit. So könnte man sicherlich auch gut dunkle Sorten wie Porter oder Bayerisch Dunkel zum Beef Jerky reichen. Ich habe mir jedenfalls schon mal die weiteren Sorten von Grizzly Snacks bestellt um noch ein bisschen weiter zu experimentieren.

 

Störtebeker Braumanufaktur: Alkoholfrei mit ordentlicher Hopfenpower

IMG_20180914_230648_283Es muss nicht immer Alkohol sein. Schon gar nicht an Tagen wie diesen. Gestern habe ich mit meinen Freunden gebührend meinen 33. Geburtstag gefeiert. Heute öffnete ich das neue Störtebeker „Atlantik-Ale Alkoholfrei“. Eingebraut wurde es vom Stralsunder Brau-Team mit 11,7 Prozent Stammwürze und gestopft mit den drei Hopfensorten Cascade, Amarillo und Citra. Laut Störtebeker vereint dieses Bier die erfrischende Herbe der Pilsener-Biere und die leichte Fruchtsüße von Weizenbieren mit den kräftigen Zitrusnoten eines Pale Ales. Schauen wir mal.

In der Farbe zeigt sich das alkoholfreie Ale schon mal sehr attraktiv in einem appetitlichen Orange-Goldton, ein feinporiger, schneeweißer Schaum vollendet das optische Erlebnis. Das Bier duftet fruchtig-hopfig, sodass man auf den ersten Eindruck überhaupt nicht vermuten würde, dass es sich hierbei um ein Alkoholfreies handelt. Zitrusnoten dominieren das Bukett. Auf der Zunge präsentiert sich das Ale angenehm schlank und frisch, ohne auch nur irgendwie wässrig zu wirken. Auch am Gaumen treten deutlich Zitrusaromen hervor. Ein dezentes Malzbett untermauert den Geschmack. Im Finish zeigt sich auch noch eine ordentlich Herbe.

Fazit: Alkoholfreie Biere gehören gerade zu den Megatrends in der Craft-Szene. Sie machen richtig Spaß, munden häufig wie echte Hopfenbomben und dennoch kann man sich anschließend beruhigt ans Steuer setzten. Normalerweise bevorzuge ich zwar Sude mit etwas Power, aber das Störtebeker „Atlantik Ale alkoholfrei“ beweist, dass eine großzügige Hopfenbeigabe so viel rausreißen und ein aromatisches Erlebnis darstellen kann – wenn sie denn wirklich perfekt gemacht sind. Also: Ein cooler Sud von den Stralsundern, nicht nur für Sportler oder Autofahrer, sondern auch für Genießer, die eben mal keinen Alkohol zu sich nehmen wollen. Und selbst Freibeuter wie Klaus Störtebeker würden sich an diesem Sud erfreuen.

Welde Braumanufaktur: Traditionsbrauerei zaubert kreative Craft-Sorten

Braumanufaktur-Welde-neue-Craft-Beer-Sorten-2018_CitraHelles_PaleAle_IPA-mit-Gläsern-web-Foto-c-Welde
Credit: Welde

Die Braumanufaktur Welde aus Plankstadt bei Mannheim ist längst nicht mehr nur bekannt für ihr „Slow Beer Pils“ in der kunstvoll geschwungenen Flasche. Neben traditionellen Sorten setzt die badische Braustätte inzwischen auch auf eine eigene Craft-Serie. Ich habe die drei neuen Sorten mal genauer unter die Lupe genommen.

„Citra Helles“

Welde Craft (4)Lagerbiere wie Helles liegen derzeit total im Trend – natürlich aber neu interpretiert. So legte Welde auch eine spannende 5,2-prozentige Variante auf, die mit den drei Hopfensorten Select, Yellow Sub und Citra aromatisiert ist. Das sonnengelbe untergärige Bier präsentiert ein sehr frisches Bukett mit Zitronennoten, die von einer typischen Malzigkeit des Bierstils untermauert werden. Auf der Zunge zeigen sich neben dem schlanken Malzkörper auch Aromen der eingesetzten Hopfensorten. Erfrischend dominieren auch hier Zitronen- und Limonen-Noten, die von einer zarten Kräuterharmonie und einer dezenten Herbe von 16 Bittereinheiten begleitet werden.

Fazit: Ein aromatisches, schlankes und erfrischendes Bier für alle Tage. Bayerisches Helles eben mal ganz anders. Hohe Trinkbarkeit mit viel Geschmack, so mag ich das.

„Pale Ale“

Welde Craft (3)Ein weiterer Vertreter in der Craft-Serie der Plankstädter-Brauerei ist das Pale Ale. Das bernsteinfarbene, 4,8-prozentige Bier wird mit drei hocharomatischen Hopfensorten gebraut: Simcoe, Pekko und Cascade. Schon im Duft zeigt das grüne Gold, was es bei richtigem Einsatz draufhat. In die Nase strömen hopfige Noten, die an reife Steinfrüchte erinnern. Eine gewisse Blumigkeit sowie Zitrusnoten schwingen noch mit. Vollmundig breitet sich das Ale im Mundraum aus und legt auch hier fruchtige Aromen vor, die von einer zarten Malzsüße begleitet werden. Im Nachhall verabschiedete sich das Pale Ale mit 30 schlanken IBUs.

Fazit: Ein modernes Pale Ale, das auch für Einsteiger gut funktionieren kann. Ich hätte mir allerdings noch etwas mehr Power der hocharomatischen Hopfensorten gewünscht. Aber auf jedem Fall bleibt eine hohe Drinkability.

„IPA“

Welde Craft (2)Das India Pale Ale gilt in der Craft-Szene noch immer als Mutter aller Bierstile. Kein Wunder, dass auch Welde sich an diese Typologie wagt. Auch hier verwendet das Brau-Team drei Hopfensorten: Azacca, Cascade und Sorachi Ace. In einem attraktiven Kupferton strahlt das 6,7-prozentige Ale durch das Glas. Es duftet tropisch mit dominierenden Zitrusnoten, die ein Hauch von Kokos unterstützt. Am Gaumen inszeniert sich das Ale mit einem kräftigen, aber doch erfrischend Körper und süßlich-herben Hopfennoten, die an Mango und Zitrusfrüchte, aber auch an reife Bergpflaume erinnern. Im Finish bleibt das Bier noch lange angenehm zurück und zeigt neben den fruchtigen Aromen eine deutliche Herbe von 55 Bittereinheiten.

Fazit: Ein sehr schön ausbalanciertes IPA mit ungewöhnlichem Aromaspiel, das aber nicht gleich überfordert.

 

 

 

Brewheart: Von Ale Capone bis Hop Dylan

IMG_20180929_140111_748Die Gründer der neuen Kreativmarke „Brewheart“ aus Otterfing bei München verbindet offensichtlich eine starke Liebe zur US-amerikanischen Craft-Kultur. Andreas und Roland schätzen besonders die Offenheit, die Begeisterung und die Experimentierfreunde der US-Brauer. Sichtbar bei Markenname und Design ist, dass sich die Bayern für ihr Projekt davon inspirieren lassen. Kürzlich brachten die beiden Bierfans drei Sude mit schicker Aufmachung auf den Markt. Die neue Craft-Marke hat sich nur ein paar Kilometer entfernt in meinem Nachbarort angesiedelt. Da musste ich natürlich gleich den Bestell-Button drücken und die Biere probieren.  Diese Vorstellung ist denn auch wohl eine Prämiere.

„Dr. No“

20180929_130303Fangen wir mal mit dem alkoholärmsten an. „Dr. No“ ist ein orangefarbenes, naturtrübes, alkoholfreies IPA mit feinem bis mittelporigem Schaum-Topping. Gebraut wurde es mit drei Hopfensorten: Hallertauer Perle, Centennial und Lemondrop. Daher duftet es nach Zitrusfrüchten, aber auch dezent nach Honig und Malz. Auf der Zunge zeigt sich ein sanftes Aroma von Orange und Grapefruit, bis sich das Ale mit einem herben Finish verabschiedet. Der typische Anklang der alkoholfreien Noten schwingt sowohl in Bukett, als auch im Geschmack mit.

Fazit: Eine schöne aromatische Erfrischung für Zwischendurch oder auch für Craft-Fans, die ihren Wagen mal neben der Kneipe stehen lassen müssen.

„Ale Capone“

20180929_131644Kräftiger im Alkoholgehalt und auch im Aroma präsentiert sich das 6-prozentige Pale Ale in schöner Süffigkeit. In einem Gelborange schwimmt das Bier im Glas, eine cremiger, schneeweiße Schaumhaube liegt oben auf. Im Duft zeigen sich gleich die verwendeten Hopfensorten Ella, Summit und Saphir mit tropischem sowie blumigem Charakter. Kaum über die Lippen gelaufen, verbreiten sich im Mundraum Aromen von reifer Birne, Zitrus, gelben Steinfrüchten und ein Hauch Banane. Auch hier zeigt sich im Nachhall eine angenehme Bittere.

Fazit: Ein frisches, fruchtiges und sehr harmonisches Pale Ale. Ein Bier mit viel Potential. Da gibt es nichts zu meckern.

„Hop Dylan“

20180929_133457Wie der Name schon verrät, geht es bei dem IPA um Hopfen, um wirklich viel Hopfen. Die Sorten Cascade, Saphir und Hallertauer Perle sind dabei verantwortlich für das Aroma. In einem attraktiven Orangegelb leuchtet das 7-prozentige Ale durchs Glas. Ein cremiger, feinporiger Schaum komplementiert die Optik. Das IPA duftet wie ein frischer Obstsalat: Litschi und Zitrusfrüchte wie Orange sowie Grapefruit vereinen sich. Auf der Zunge dann weich, moussierend, vollmundig. Eine gewisse Malzsüße verschmilzt mit Aromen von gelben Steinfrüchten, Litschi und Zitrus. Im Finish zeigt sich eine deutliche Herbe.

Fazit: Ein prima ausbalanciertes, deftiges IPA mit dominanten Fruchtnoten. Gefällt mir richtig gut!

Clucking Hen: Weiniges Weißbier

20180927_134611Zufällig bin ich im Netz auf die neue Craft-Marke „Clucking Hen“ aus Meschede gestoßen. Tolles Design, interessant klingendes Bier und sympathischer Auftritt der Macher waren Grund genug, gleich mal ein paar Flaschen zu bestellen. Vor wenigen Tagen legte der Postbote das Paket vor die Tür. Nach kurzem einkühlen, wollte ich das Hefeweizen „Sauvin Blanc“ mit 5,1 Prozent auch gleich probieren. Gebraut ist es übrigens mit den Hopfensorten Nelson Sauvin, Hallertauer Mittelfrüh und Saazer.

In einem ansprechenden Sonnengelb scheint das trübe Bier durch das Glas. Ein feinporiger, schneeweißer Schaum liegt oben auf. Weinige Noten vom neuseeländischen Hopfen Nelson Sauvin präsentieren sich elegant im Bukett, begleitet von fruchtigen Aromen einer grünen Banane sowie Zitrus und einem würzigen Touch. Auch auf der Zunge zeigt sich die weinige Note, die sich mit einem Anklang von Eisbonbon, einer zarten Säure und einer aromatischen Malzigkeit paart. Leider hat das Hefeweizen etwas wenig Körper und Kohlensäure. Schlanke 14 Bittereinheiten zeigen sich ganz zart im Finish.

Fazit: Ein schlankes Bier mit tollen filigranen Aromen. Die Hopfennoten sind fein eingearbeitet. Leider fehlen mir hier für ein Hefeweizen noch ein wenig der Körper und eine gewisse Karbonisierung um das Gesamtbild zu vollenden. Viel Potential, aber für mich nicht 100 Prozent rund. Auf jeden Fall haben die Mescheder Brauer echtes Potential und ich werde mir noch die zweite Sorte im Portfolio der „Clucking Hen“ besorgen.

Brauer Portrait: Braurevolution – „Zu allererst muss man das Handwerk beherrschen“

Helen Marc-231-XP219197_preview
Marc und Felix von der Braurevolution (Credit: Braurevolution)

Marc Schmidt und Felix Ungerer aus Notzingen bei Esslingen sind gelernte Brauer und Mälzer. In der Berufsschule haben die Schwaben sich kennengelernt, arbeiteten anschließend im selben Betrieb und beschlossen dann eine eigene Biermarke zu gründen. Marc und Felix erfüllten sich damit einen großen Traum. Unter dem Label „Braurevolution“ entwickeln die beiden nun kreative Sude, mit denen sie die Bierkultur in Deutschland und vor allem in ihrer Region bereichern möchten. Im Portfolio haben die Kreativköpfe inzwischen neben hellem Vollbier namens „Aufruhr“ auch dunkles Hefeweizen, ein schwäbisches Stout, ein 3-Korn-Ale namens „Roggabilly“ aber auch ein Pale Ale mit Lemondrop-Hopfen. Die Notzinger brauen ihre Craft-Säfte in einer Gasthausbrauerei im nahegelegenen Kirchheim und finalisieren den Sud dann in ihre Heimatsstadt. Die Braurevoluzzer wollen das Bier nicht neu erfinden, sondern vielmehr vorhandene Typologien neu interpretieren und damit m ungewöhnliche Geschmackserlebnisse kreieren.

Die Fragen beantworteten die Macher der Braurevolution gemeinsam:

Welche Eigenschaften zeichnet Eurer Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Zu allererst sollte ein Craft-Brauer das Brauhandwerk auch beherrschen. Eine lieblose Würze mit haufenweise Hopfen zu veredeln hat unserer Meinung nach nichts mit Brauen zu tun. Ebenso ist es keine Kunst, ein tolles Etikett zu entwerfen und den Sud dann in irgendeiner Brauerei produzieren zu lassen. Natürlich verkaufen sich diese hippen Fläschchen super, aber die „Liebe“ steckt hier eher im Vertrieb als im Produkt selbst.

Was macht für Euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Ein Bier ist für uns außergewöhnlich, wenn man mal locker einen Kasten davon trinken kann. In der Craft-Bierszene findet man leider zu wenig Sorten mit hoher Drinkability und ohne Fehlgeschmäcker. Das Bier muss einfach zur Situation passen. Und wenn dich einer fragt, wie es geschmeckt hat, dann antwortest du nicht mit der Antwort „interessant“.

Was war das schrägste Bier, das Ihr jemals getrunken habt?

„Kinky Koos“ von der Brouwerij de Prael – ein Bier mit Basilikum statt Hopfen.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdet Ihr gern einmal brauen?

Ist es ist faszinierend genug, welche Vielfalt uns die unzähligen Malze, Hopfensorten und Hefen bieten? Wir sind eher Traditionalisten unter den „Craft-Brauern“, auch wenn wir das Wort „Craft“ eigentlich nie im Zusammenhang mit uns selbst benutzen. Außerdem wäre es sicher mal spannend, auf der Bühne eines Livekonzerts von ACDC zu brauen 😉

Was ist eigentlich Euer Lieblingsgericht und was trinkt Ihr dazu?

Ein vollmundiges Weizen begleitet von einem feinherben Pils, mhhh lecker!

Wie seht Ihr die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Wir denken, dass sich die Spreu vom Weizen trennen wird. Die Brauereien mit trinkbaren, ehrlichen Bieren werden überleben. Die abgefahrenen Biere, von denen man mal eine Flasche trinken kann werden nach und nach verschwinden. Aber vielleicht werden wir ja auch vom Gegenteil überzeugt? Wir lassen uns überraschen und machen weiter unser Ding – ein Mix aus Tradition und Innovation.

Und was habt Ihr als nächstes vor?

Wir genießen jetzt erstmal unsere Feierabend-Halbe und planen weiter unsere Expansion.

 

Dirndl Bräu: Vier Frauen stehen auf Schürzenjäger

20180821_131732Dass „Dirndl Bräu“ auf den ersten Eindruck ziemlich bayerisch und traditionell klingt, ist offensichtlich. Hinter der neuen bajuwarischen Biermarke stehen vier Frauen, die eigentlich beim Hofbrauhaus Freising arbeiten. Die Brauerinnen Antje Leisler, Steffi Meyer, Liesa Pfützenreiter und Sylvia Tromba wollten aber als Frauen-Quartett neben den Bieren, die sie im Freisinger Traditionshaus produzieren, auch einen eigenen Kreativsud auf den Markt bringen. Vor ein paar Tagen habe ich ihr Erstlingswerk probiert. Beim „Schürzenjäger“ handelt es sich um ein India Pale Lager (IPL), dass die Dirndl mit vier Hopfensorten brauen: Tradition, Mandarina Bavaria, Citra und Callista.

Im Glas leuchtet das moderne, 5,1-prozentige Lagerbier in einer kräftigen Orangefarbe. Ein cremefarbener, feinporiger Schaum vollendet die attraktive Optik. Im Duft zeigt sich das IPL malzig-fruchtig mit prägnanten Noten von Mandarine. Kaum fließt das Bier über die Lippen, schon entfaltet es sich vollmundig und frisch. Auf der Zunge breitet sich ein hopfiges Aromaspektrum aus, bei dem Zitrustöne wie Mandarine, Zitrone und Orange überwiegen. Dazu gesellen sich noch beerige Noten vom Callista-Hopfen. Begleitet wird die Fruchtigkeit von einem angenehmen Malzkörper. Im Finish präsentiert sich abschließend noch eine solide Bittere.

Fazit: Der „Schürzenjäger“ beweist wieder einmal, dass Frauen über ein besonderes Händchen bei der Rohstoffauswahl und am Sudkessel verfügen. Das hopfige Lagerbier ist harmonisch, fruchtig und sehr schön ausbalanciert. Passt sowohl zu Fisch, als auch zu pikanter Pasta oder einfach als aromatisches Feierabendbier. Bin gespannt, was noch von „Dirndl Bräu“ auf den Markt kommt.

 

Kommentar: Kampfplatz Gastronomie

Veex_Pixabay
Foto: Veex_Pixabay

Für alte Branchenhasen ist es längst eine Binse: Über Zukunft und Erfolg der Craft-Bierbranche wird maßgeblich die Akzeptanz in der Gastronomie entscheiden. Zwar zeichnet sich in urbanen Bars, Clubs, Kneipen und Restaurants bereits eine gewisse Dynamik ab, aber so richtig sind Kreativbrauer mit ihrem Bierabsatz noch nicht zufrieden.

Das Craft-Potential in der Gastronomie ist zwar enorm, aber die meisten Wirte haben die Bedeutung eines vielfältigen Bierangebots, wohl noch nicht überrissen. Wie sich mit einem attraktiven Bierangebot auch Image, Reputation und Umsatz steigern lassen, machen die in den Geburtsstunden der neuen Bier-Szene entstanden freien Kneipen und Restaurants gerade vor. Junge Konsumenten auf der Suche nach neuen Geschmacksabenteuern wollen sich jedoch den Craft-Kick nicht nur in Tap-Houses abholen, sondern auch bei ihrem Lieblingsitaliener, beim Chinesen oder in der Sushi-Bar. Hier liegen noch viele Absatzchancen brach.

Klar ist, Marken werden in der Gastronomie gemacht. Aber der Kampf um neue Gastro-Partner verlangt auch von Craft-Einsteigern viel Kreativität bei der Wahl des richtigen Sortiments, bei Events und Aktionen. Dabei fehlt es an potentiellen Craft-Tankstellen noch immer an Bierwissen und kompetenten Bedienungen, die ihre Gäste mit neuen Bierstilen vertraut machen. Ein spannendes Bierangebot – das ist inzwischen bewiesen – überrascht nicht nur den probierfreudigen Gast, es lockt auch neue, kaufkräftige Kunden an den Tresen. Dazu müssen sich die Wirte jedoch vor allem aus langfristigen Abnahmeverpflichtungen der Großbrauereien lösen. Wer als Kneipier nur ideenlos eine einzige Biermarke ausschenkt, hat kaum eine Überlebenschance, wie Kneipen- und Wirtshaussterben schmachvoll demonstriert.

Ein Tipp noch für alle Craft-Jünger: Immer wieder mal in Kneipe oder im Restaurant mit der Frage nach Craft-Bieren nerven. Irgendwann wird auch der behäbigste Schankwirt reagieren müssen.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Branta Brauerei: Bier trifft Trinkjoghurt

Branta Brauerei_Wild AleIn der nagelneuen Brauerei „Branta“ dreht sich vieles um das Thema Hefe. Carsten Jepsen, der seine Bierkarriere ganz klassisch als Hobbybrauer begann und erst vor ein paar Monaten seine eigene Brauerei öffnete, züchtet seine eigene Brettanomyces. Der Nordfriese produziert in seiner Biermanufaktur, die auf einer Warft am Deich im nordfriesischen Emmelsbüll-Horsbüll liegt, individuelle Sude mit eigenen Haushefen. Alle Biere durchlaufen eine Flaschengärung, die mindestens drei Monate andauert. Jepsen ist überzeugt, dass sich so das Aroma zunehmend verändert. Kürzlich hatte ich das „Wilde Hefen – Wild Ale“ im Glas. Und eines schon mal vorweg: Ich war echt begeistert.

Das Craft-Ale leuchtet in einem ansprechenden strohgelb im Glas, ein feinporiger, schneeweißer Schaum liegt oben auf. Im Duft präsentiert sich eine gewisse Hefenote, die unterstrichen wird von besonderen Aromen wie grüner Banane, Zitrusfrüchten und einem Touch von Naturjoghurt. Auf der Zunge präsentiert sich das wilde Bier erst mit einem süßlich Auftritt mit Noten von reifer Banane und Ananas, bis wieder der Joghurt durchdringt. Im Nachhall zeigt sich noch eine moderate Säure.

Fazit: Ein wirklich spannendes Bier mit ungewöhnlichen Aromen. Das „Wild Ale“ erinnert im Geschmack schon fast an einen tropisch-fruchtigen Trinkjoghurt, der allerdings nicht dickflüssig, sondern eher prickelnd-erfrischend wirkt. Ein super Aperitif!

 

 

Flügge Brauerei: Saure Symphonie

Flügge_FränkSauerbiere gelten immer noch als der heißeste Trend in diesem Sommer. Kein Wunder, sie sind meist fruchtig-prickelnd und durch ihre Säure absolut erfrischend. Eines der besten sauren hiesigen Vertreter ist für mich das Maracuja-Sauer namens „Fränk“ von der Flügge Brauerei aus Frankfurt. Das sonnengelbe Bier besitzt nur schlanke 3,5 Prozent Alkohol und haut einen bei den warmen Temperaturen nicht gleich um. Gebraut haben es Dominik Pietsch und Joachim Amrhein mit drei Malzen, Mosaic- und Columbus-Hopfen sowie mit spezieller Kveik-Hefe aus Norwegen. Als Finish lagerte das Flügge-Team den Sud noch auf Maracuja-Püree.

  • Brauerei: Flügge
  • Herkunft: Deutschland
  • Bierstil: Sauerbier
  • Alkoholgehalt: 3,5 Prozent
  • Stammwürze: 8,8° Plato
  • Farbe: sonnengelb
  • Schaum: feinporig, cremig
  • Hopfen: Mosaic, Columbus
  • Malz: Weizenmalz, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Sauermalz)
  • Hefe: Kveig
  • Sonstige Zutaten: Maracuja-Püree

Kaum schwimmt das Bier im Glas, schon strömen attraktive Fruchtnoten in die Nase. Der dominierende Maracuja-Ton wird unterstützt von einem Touch Grapefruit und einer sanften Malzigkeit. Auf der Zunge präsentiert sich „Fränk“ prickelnd-frisch und keineswegs fad. Auch im Geschmack triumphiert die tropische Maracujafrucht. Das Püree und der Mosaic-Hopfen gehen dabei eine gelungene Symbiose ein. Die deutlich spürbare Säure erfrischt und macht das Bier höchst lebendig. So verabschiedet sich das Sauer-Ale mit einem langen, harmonischen Nachhall.

Fazit: Ein wirklich irrer Drink. Für mich ist „Fränk“ mit seinen frischen, fruchtigen und sauren Charakterzügen eines der absoluten Top-Sommerbiere in diesem Jahr. Mehr gibt es dazu gar nicht zu sagen. Sollte man unbedingt mal probiert haben, bevor die kalten Herbststürme über das Land fegen. Und: das Frankfurter Sauerbier überzeugt sicher nicht nur Craft-Geeks – sogar meine Freundinnen, die eigentlich kein Bier mögen, waren ab dem ersten Schluck begeistert.