Isarkindl: Lager-Spezialität mit wildem Hopfen aus den Isarauen

Xaver und sein Team beim Hopfenzupfen / Credit: Nicolas Martin-Beaumont

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Xaver Amler wohnt nur unweit der idyllischen Isarauen in Freising bei München. Als studierter Brauer und Chef von Isarkindl, fiel ihm bei Spaziergängen auf, dass am Rande des Flusses eine essenzielle Brauzutat wächst: Hopfen, allerdings in wilder Form. Es reizte den 32-jährigen Bayer enorm, damit ein spezielles Bier zu produzieren, das es so in der Welt der deutschen Biere wohl noch nicht gibt. So beobachtete und analysierte Xaver die wilden Dolden einige Jahre aufmerksam und tätigte mit geringen Mengen schon mal einige Probesude. Im vergangenen Jahr erntete er zum ersten Mal das grüne Gold an den Ufern der Isar im größeren Stil. Jetzt geht das Projekt „Wildhopfen Lager“ in die zweite Runde.

Von Anfang an sollte es mehr als nur ein Bier werden. Also holte sich der Freisinger seinen Kumpel und Fotografen Nicolas Martin-Beaumont ins Boot, der das Projekt schon 2018 mit Bildern und einer Video-Installation begleitete. Nicolas arbeitete bereits an Video-Experimenten mit Belichtung von Waldlandschaften. So gibt die Foto- und Bewegbilddokumentation einen Blick auf das Isarauen-Ökosystem und die handwerkliche Herstellung dieses Spezialbieres. Dabei ist klar: Das Projekt schafft ein wahrlich neues Erlebnis, um die Sinneseindrücke des wilden Hopfens durch Geschmack (Bierausschank), Bild und Ton (Video-Installation) dem Konsumenten nahe zu bringen.

Das bernsteinfarbene 5,1-prozentige Lagerbier, das mit einem feinporigen, schneeweißen Schaum getoppt ist, braute Xaver mit seinem Team beim Eittinger Fischbräu, nur knappe 15 Kilometer von Freising entfernt. Im Duft zeigt sich das untergärige Bier malzig und mit einer gewissen Würze des wilden Hopfens. Auf der Zunge breitet sich das Lager mit einer leichten Süße angenehm frisch aus. Ein honigartiger Malzton ergänzt das grasig-würzige und zart blumige Hopfenspiel, das durch sanfte Zitrus-Anklänge und eine angenehme Bittere abgerundet wird.

Xaver beim Brauen des Wildhopfen Lagers / Credit: Nicolas Martin-Beaumont

Wer Lust und Zeit hat, kann am kommenden Samstag und Sonntag (23. + 24.11.) innerhalb der „Biernissage“ im Wirtshaus Furtnerbräu in Freising das Bier probieren und sich über das Thema „Wilder Hopfen“ ausführlich informieren und unterhalten lassen.

Partnerprogramm: Riegele BierManufaktur bringt neue fassgereifte Spezialität heraus

Credit: Riegele BierManufaktur

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Seit Jahren steht die Riegele BierManufaktur für handgemachte Bierspezialitäten. Auch 2019 haben sich die kreativen Köpfe um 12-Sterne Braumeister Frank Müller und Biersommelier-Weltmeister Sebastian Priller-Riegele an die Königsklasse der Braukunst gewagt: Die Holzfassreifung. „Magnus 19 – Edition Rubin“ ist das 5. Jahrgangsbier aus der Augsburger Bierschmiede und besticht mit Aromen von Zartbitterschokolade und Süßkirsche – ein tiefschwarzer Jahrgang für echte Genussmomente.

Credit: Riegele BierManufaktur

Magnus 19 wurde in reiner Handarbeit in der Riegele BierManufaktur gebraut und in edlen Kirschbrand-Fässern ausgebaut. Diese besondere Lagerung bringt eine ruhige Perlage und weinige Holznuancen mit sich. Kräftig geröstete Malze sorgen für eine tiefdunkle Farbe und ein dominierendes Aroma von Bitterschokolade, abgerundet durch feine Kaffee- sowie Barrique-Noten und perfekt ergänzt durch die Veredelung mit süßer Rubin-Kirsche. Die 11Prozent Alkohol des Magnus 19 entfalten ihr volles Aroma am besten bei einer Genusstemperatur von 18 Grad. „Die perfekte Begleitung zu edlem Blauschimmelkäse“ schwärmt Sebastian Priller-Riegele.

Magnus 19 ist auf 1000 Flaschen limitiert und ab Mitte November bei ausgewählten Spezialitätenhändlern sowie Craft-Bier- und Online-Stores – sowie im Riegele BierLaden direkt in der Brauerei.

Schräge Biere: Kürbis im Kessel

In der Craft-Branche gibt es wenig Spezialitäten, die so stark polarisieren wie Kürbisbiere. Einst aus der Not geboren, pflegen Pumpkin Ales vor allem in den USA eine lange Tradition. Aber auch hierzulande wagen sich immer mehr Craft-Brauer an die frischen Feldfrüchte.

Bild von Jill Wellington auf Pixabay

Wenn im Frühherbst wieder die Felder in gelben und orangefarbenen Kürbisfarben leuchten, fiebert so mancher Craft-Fan schon den ersten Pumpkin Ales entgegen. Jedes Jahr um Halloween packen Brauereien rund um den Globus bevorzugt die schmackhaften Riesenfrüchte in ihre Sudkessel. Die saisonale Bierspezialität erzielt ihr besonderes Aromaspiel aber nicht nur durch Kürbisse allein, sondern auch durch Gewürze wie Muskat, Zimt, Nelken, Ingwer oder Vanille.

Herbstzeit ist also Hochsaison bei Kürbisbieren. Zwar spaltet diese Bier-Typologie die Meinungen vieler Craft-Fans, aber immer mehr Pumpkin Ales brodeln in den Kesseln – auch in Deutschland. Inzwischen gibt es sogar Pils, India Pale Ales, Porter oder Stouts, die mit Sorten wie Hokkaido- oder Butternut angesetzt werden. Bevor diese im Bottich landen, werden sie geschält, püriert und häufig sogar geröstet. Manche Brauer geben Kürbisse direkt mit in die Maische, andere erst zur kochenden Würze oder sie fügen ausgepressten Fruchtsaft bei.

Entstanden sind Pumpkin Ales angeblich im 17. Jahrhundert in den USA. Damals waren Kürbisse günstiger als Getreide und gerieten meist in den Sud der ärmeren Landbevölkerung. Irgendwann starben solche Sude aber weitgehend aus. Erst Mitte der 1980er Jahre – mit Beginn der Craft-Bierbewegung – experimentierten junge Kreativ-Brauer wieder mit dieser Spezialität. Eines der ersten neuen Pumpkin Ales soll Bill Owens in seiner 1983 gegründeten Buffalo Bill’s Brauerei in Kalifornien gebraut haben. Ein echter Klassiker stammt auch von Steamworks Brewing aus Vancouver in Kanada, dessen Brauer auch in dieser Saison wieder ihr 6,5-prozentiges „Pumpkin Ale“ produzierten. Gewürzt ist der Sud neben frischen Kürbis mit Zimt, Gewürznelken, Muskat und Piment. Das ungewöhnliche Aromatheater auf der Zunge erinnert an Omas Kürbiskuchen.

Eine wahrlich große Passion für Kürbisbiere besitzt aber die Elysian Brewing Company in Seattle. Das Brauerei-Team stockt ihr Portfolio im Herbst nicht nur mit 20 verschiedenen Pumpkin-Suden auf, sondern veranstaltet alljährlich das „Elysian Great Pumpkin Beer Festival“. Rund 60 Craft-Stätten schenken dort mehr als 80 unterschiedliche Kürbis-Varianten aus.

Aber auch hierzulande wagen sich immer mehr Craft-Brauer an die saisonalen Spezialitäten. Neben der Synde Brauerei aus Leipzig, präsentiert die Stuttgarter Cast Brauerei ein würziges „Pumpkin Ale“, das dort mit Bio-Hokkaido-Püree, Ahornsirup, Ingwer und Zimt gebraut wird. Beim Hopfengarten Bamberg dagegen spielt auch das grüne Gold eine wichtige Rolle. Durch Kalthopfung mit der Sorte Perle zeigt das Amber Ale „Kürbis King“ ein würziges und kräuterbetontes Aroma.

Kürbisbiere sind jedoch nichts für Jedermann. So schrieben sich Sudden Death Brewing vom Timmendorfer Strand und David Hertl von der Braumanufaktur im fränkischen Schlüsselfeld, auf die Fahnen, ein Pumpkin Ale mit hoher Drinkability zu kreieren. In den Kollaborationssud kamen getoastete Hokkaido-Kürbisse sowie Koriandersamen, Piment, Muskat und Zimt. Und auch wenn das Etikett auf der Dose anderes erwarten lässt, präsentiert sich das Bier mit der Unterzeile „Crazy Pumpkin Ale“ wirklich süffig mit dezentem Anklang aller Gewürze.

Erschienen im Meiningers’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Hanscraft & Co: Yakima-Valley versus Tschechien

„Split Decisions“ geht in die zweite Runde: Hans Christian Müller von Hanscraft & Co. aus Niedernberg bei Aschaffenburg legte bereits im Frühjahr zwei Biere auf, für die er den Sud teilte und mit unterschiedlichen Hopfensorten aus jeweils anderen Regionen braute. Bei den neuen Spezialitäten handelt es sich um zwei Double Dry Hopped Pales Ales mit 6,3 Prozent Alkohol. Das eine wurde mit tschechischen und das andere mit US-amerikanischen Hopfensorten gestopft.

Beide Ales unterscheiden sich kaum in der Farbe. Sie präsentieren sich in einem goldorangefarbenen Ton mit einer üppigen und stabilen feinporigen Schaumkrone. Den Unterschied macht das grüne Gold. So stecken in „Bohemian Crown“ jede Menge Kazbek und Sladek aus Tschechien, die dem vollmundigen Bier einen fruchtigen und blumigen Charakter schenken. Am deutlichsten dringen beim Bukett und auf der Zunge schmeichelhafte Zitrusnoten durch. Eine sanfte Herbe begleitet das Finish.

Die US-Version ist mit den Sorten Simcoe, Mosaic und Citra gebraut und duftet hopfig-grasig, zart würzig sowie nach reifer Mango. Das Ale fließt süßlich über die Lippen bis es sich mit einer moderaten Kohlensäure und fruchtigen Noten von Mango und Zitrus ausbreitet. Auch hier verabschiedet sich das Bier mit einer angenehmen Herbe.

Fazit: Beide Ales sind rund und harmonisch. Bei der tschechischen Version handelt es sich eher um ein dezentes Aromaspiel, während sich die US-Hops erheblich kräftiger präsentieren. Ich finde beide Biere gelungen und würde sie wieder ins Glas schenken. Auf einen Favoriten möchte ich mich daher nicht festlegen.

Brauerei Flügge: Wein mit Bier, das rat ich dir

Das Team von der Brauerei Flügge aus Frankfurt ist bekannt für ganz individuelle Biere, die gern auch fernab des Reinheitsgebotes sind. Einer der neuesten Sude heißt „Smilla“. Dabei handelt es sich um eine „Weißwein Weiße“, also ein Hybrid aus Sauerbier nach Berliner Weiße Art und einem Weißwein (Grüner Veltliner) vom Weingut Daniel Mattern in Rheinland-Pfalz. Beides wurde gemeinsam mit einer belgischen Saison- sowie mit Brettanomyces-Hefe vergoren. Um den weinigen Charakter zu unterstreichen, packten die Kreativbrauer noch Hallertauer Blanc-Hopfen dazu.

„Smilla“ zeigt sich in einem trüben Goldton im Glas, nur wenig Schaum liegt obenauf. Der 5,3-prozentige Hybrid duftet nach Stachelbeere, mit deutlichem Wein-Touch und einem Hauch würziger Hefenoten. Auf der Zunge präsentiert sich der Sud frisch mit einer leichten Säure und zarten Fruchtanklängen, die an Stachelbeere erinnern. Im Finish verabschiedet sich „Smilla“ angenehm trocken.

Fazit: „Smilla“ ist frisch, schlank, trocken und bietet sich somit als schmackhafter Aperitif oder als erfrischendes Getränk für die etwas wärmeren Herbsttage an. Mal was anderes, was sowohl Bier- als auch Weinfans begeistern kann.

Brauer-Portrait: Chance Graves von Crossroads Ales & Lagers setzt auf coole Experimente

Chance Graves
Credit: Crossroads Ales & Lagers

Kreativbrauer Chance Graves stand 2012 an einer sogenannten „Crossroads“, ein bekanntes Synonym für viele Blues-Songs. Er musste sich entscheiden, welche Richtung er einschlägt und beschloss schließlich seine Heimat zu verlassen. So kam der heute 34-Jährige aus den USA nach Deutschland, um zunächst in traditionellen Brauereien zu arbeiten und dort das Brauhandwerk zu erlernen. Schon immer war es sein Ziel neue Rezepturen zu entwickeln und unter einer eigenen Marke auf den Markt zu bringen. Vor rund zwei Jahren war es dann soweit, er gründete „Crossroads Ales & Lagers“ im oberbayerischen Schongau und experimentiert seitdem mit verschiedenen Bierstilen wie Farmhouse Ale, Red Ale, New Style Lager oder auch Tropical Wheat Ale und Whiskey Oak Aged Imperial Stout. Seine Intention ist es, sich mit jedem Trunk von der Masse abzuheben und immer wieder neue Wege einzuschlagen – ganz in der Crossroads-Philosophie.

Chance, welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Ein guter Craft-Brauer sollte experimentierfreudig und offen für alles sein. Er sollte aber auch wissen, welche Rohstoffe zusammenpassen und welche nicht. Zudem muss er im Brauprozess schnell Probleme lösen und Entscheidungen treffen können.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Außergewöhnliche Biere sollten sich geschmacklich deutlich von Mainstream-Fernsehbieren unterscheiden, unvergesslich sein und einzigartige Merkmale besitzen, die man so nicht oft findet.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Das war das Dogfish Head’s Raison D’Extra, gebraut mit Rosinen, braunem Zucker und einem Alkoholgehalt von 18 Prozent. Das Bier war sehr schwer und komplex. An kalten Wintertagen kann man sich sowas mal gönnen, aber in der strahlenden Sommersonne würde ich persönlich lieber zu etwas leichteren greifen. 

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Es ist sehr schwierig sich hier nur für ein paar Zutaten zu entscheiden. Es gibt so viele interessante und spannende Möglichkeiten außerhalb des Reinheitsgebotes. Zurzeit würde ich gerne mit Zitronengras und Fichtenspitzen brauen, allerdings nicht im gleichen Sud. Vielleicht wird eines meiner nächsten Biere innerhalb der „Experimental Series“ mit diesen Zutaten zu tun haben. Ansonsten finde ich auch Früchte im Bier sehr interessant, da kann man sich einiges von den Belgiern abschauen.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Gebratenes Lachsfilet mit gegrilltem, grünen Spargel und dazu mein Farmhouse Ale.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

In Deutschland gibt es noch viel Luft nach oben. Ich hoffe sehr drauf, dass die jüngeren Biertrinker noch mehr auf Craft-Bier aufmerksam werden und das der Anteil von Kreativbieren am gesamten Bierumsatz hierzulande weiter zunimmt.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Ich beabsichtige nächstes Jahr mehr Präsenz auf verschiedenen Craft-Biermessen zu zeigen, um noch mehr Interessenten zu gewinnen. Natürlich möchte ich meinen Kundenstamm weiter ausbauen und werde hier in nächster Zeit meine Aktivitäten vor allem in München weiter erhöhen. Sehr aufregend finde ich im Moment meine „Experimental Series“, in der ich mich kreativ so richtig austoben kann. Eine eigene Brauerei ist mein großer Traum, die Realisierung liegt allerdings noch in weiter Ferne.

Partnerprogramm: Herbstzeit ist Barley Wine-Zeit

Credit: Braufactum

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Die Historie des Barley Wines geht zurück ins 18. Jahrhundert. Wegen turbulenten Zeiten in England und Konflikten mit weinproduzierenden Ländern, war eine Versorgung nicht immer gewährleistet und die Weinvorräte rar. So musste vor allem für die Adelshäuser eine Alternative zum beliebten Rebensaft her. Es entstand ein komplexes Strong Ale mit hohem Alkoholgehalt, hoher Stammwürze und eher geringer Kohlensäure. Durch obergärige Hefen bekommt der Barley Wine seinen fruchtig-weinigen Geschmack. Farblich schwankt er traditionell zwischen einem Bronze- und Mahagoni-Ton. Inzwischen unterscheidet man zwischen einer englischen und einer amerikanischen Variante. Dabei weist der englische Barley Wine eine Balance zwischen Hopfen und Malz auf, während sich der US-Vertreter eher durch Bittere und Hopfenaroma charakterisiert.

Gezeichnet von Christina Schönberger

Ein Musterbeispiel für eine moderne Interpretation eines klassischen Barley Wines ist „Arrique“ von Braufactum aus Frankfurt. Nach der Gärung reift das 13,5-prozentige Ale drei Monate im Barriquefass aus amerikanischer Eiche. Schon früher lagerten Brauer das Bier gern in Fässern, die sie häufig über den Brauerei-Hof rollten, um die Hefe zu neuer Tätigkeit zu animieren. Und genau das beschreibt auch die neue Etikettengestaltung des Braufactum-Ales. Das Etiketten-Gemälde zeichnete Christina Schönberger von Barth-Haas.

Aber nicht nur die Flaschenoptik wirkt attraktiv. Das Bier präsentiert sich in einem ansprechenden Karamellton mit geringer Schaumbildung im Glas. Auch im Bukett zeigt sich eine Karamellnote, die sich mit getrockneten Pflaumen vereint. Im Geschmack dringt ein Aroma von Getreide und Trockenfrüchte durch. Eine zarte Bitterkeit gleicht die dezente Süße aus. Die seidige Textur rundet den Barley Wine ab. Eine ideale Versuchung jetzt für die Herbsttage.

„Arrique“ mit neuer Ausstattung ist nun im Online-Shop bei Braufactum verfügbar.

San Diego: Quirlige Craft-Metropole am Pazifik

In keiner amerikanischen Stadt tobt die Craft-Szene so turbulent wie in San Diego. Die südkalifornische Metropole gilt mit mehr als 150 Brauereien und unzähligen Taprooms inzwischen als Bierhauptstadt des Landes.

Taproom Modern Times

Für Standardtouristen ist San Diego eine wohl eher langweilige und ziemlich uninteressante Stadt. Sie besitzt neben einem berühmten Safari-Park und einer Sea-World mit dressierten Orcas und Delphinen kaum nennenswerte Sehenswürdigkeiten. Dennoch erfreuen sich die Einwohner im gemäßigten Pazifikklima von Südkalifornien an einem besonderen Privileg: In keiner anderen Metropole der USA gibt es mehr Brauereien und Craft-Bierkneipen als am Rande der San Diego Bay. Craft-Fans, die durch Stadtteile wie North Park oder Miramar schlendern, stoßen an jeder Ecke auf eine spannende Brauerei nach der anderen – meist mit eigenem Taproom. Und wer die Strecken nach anhaltenden Biergenuss nicht mehr allein per Fuß zurücklegen kann, dem bieten sich spezielle Bustouren an, die Besucher von Brewpub zu Brewpub kutschieren – ganz nach dem Sightseeing-Konzept „Hop-on, Hop-off“.

Zwischen Robben-Strand, Balboa Park und Gaslamp Quarter dreht sich in San Diego fast alles nur um das Thema Bier. In der 1,4 Millionenmetropole – kleiner als Hamburg oder München – residieren mehr als 150 Craft-Brauereien neben unzähligen Brewpubs und Taprooms. Hier gibt es Hopfensäfte, die man nirgendwo sonst im Lande finden kann. Lokale Pioniere wie Stone Brewing, Karl Strauss Brewing, Ballast Point, Pizza Port Brewing, Coronado Brewing oder AleSmith zündeten in den 1980er- und 1990er Jahren hier ein Feuerwerk, das den Ruf der kalifornischen Craft-Landschaft maßgeblich beeinflusste. Die Szene reicht heute von versteckten Hinterhof- und quirligen Nano-Brauereien bis hin zu weltbekannten Craft-Stätten, die als Begründer des stark hopfigen Westcoast-Styles gelten. Und wenn mal eine der vielen Micro-Brauereien schließt, heizt nebenan schon die nächste ihre Kessel an.

Wer jedoch glaubt, dass die Biergeschichte von San Diego erst mit der Craft-Bewegung begann, der irrt sich. Schon 1897 eröffnete ein gewisser Conrad Doblier die San Diego Brewery, die allerdings schon zwanzig Jahre später durch die Prohibition geschlossen wurde. Von 1920 an war Produktion, Handel und Verkauf von Alkohol, also auch von Bier, strikt untersagt. Durstige Bürger mussten damals die nahgelegene Grenze nach Mexiko überqueren, um sich dort mit alkoholischen Getränken einzudecken. Erst 1933, nach dem staatlichen Alkoholverbot, nahm das Bierbrauen in Kalifornien wieder Fahrt auf. Als Geburtsstunde der Craft-Bierszene gelten jedoch erst die frühen 1980er Jahre, als die US-Regierung endlich Brewpubs legalisierte. Die meisten Macher starteten damals ihre Bier-Karriere, wie auch in anderen amerikanischen Regionen, ganz klassisch als Hobbybrauer.

Kairoa Brewing

So auch Joe Peach, der vor rund zwanzig Jahren mit seiner Familie aus dem neuseeländischen Christchurch nach San Diego kam. Zunächst arbeitete er in einer der größeren Brauereien, um das Brauhandwerk zu lernen, dann entwickelte Peach zuhause eigene Rezepte. Erst Anfang dieses Jahres erfüllte er sich gemeinsam mit seinem Bruder Oliver den Traum einer eigenen Braustätte, die unter dem Namen Kairoa Brewing, im lebhaften University Hights Viertel zu eine der angesagtesten Craft-Stationen der Stadt zählt. Kairoa Brewing mit angeschlossenem Taproom, Restaurant und gemütlicher Dachterrasse im Lounge-Style wurde nur wenige Monate nach der Opening-Party vom City-Magazin zur besten neuen Brauerei San Diegos ausgezeichnet. „Um sich in solch einer Bierstadt zu behaupten, braucht man ein absolutes Alleinstellungsmerkmal“, betont Joe Peach, „und das haben wir durch den besonderen neuseeländischen Touch in unserer Location und mit unseren Bieren geschafft.“

Das spezielle Charakteristikum der Kairoa-Biere ist der Hopfen. Joe Peach verwendet ausschließlich Sorten aus Neuseeland. Und dass, obwohl er sich besonders gern auch mit deutschen Bierstilen beschäftigt. So wagte sich der kalifornische Newcomer schon an Münchner Dunkel und besondere Pils-Variationen, die er aber immer mit einem speziellen Twist präsentiert. Sein 5,6-prozentiges, goldglänzendes „Back Paddock“ ist beispielsweise mit 100 Prozent Pilsner Malz gebraut und bekommt ein blumiges und tropische Aromaspiel von Motueka- sowie Wakatu-Hopfen aus Neuseeland. Der experimentierfreudige Wahl-Kalifornier führt aber auch Sude wie belgisches Blond, diverse Pale Ales, tropische India Pale Ales sowie achtprozentige Imperial Stouts im Portfolio, für die er gern auch mal Himbeeren, Kakao, Banane, Kokosnuss oder Vanille in die Kessel packt.

Societe Brewing

Experimentierlust treibt auch das Team um Travis Smith und Douglas Constantiner von Societe Brewing im Stadtteil Kearny Mesa an. Die beiden Bierenthusiasten lernten sich zwar in einer anderen Brauerei kennen, entdeckten dort aber ihre „exzentrischen Philosophien über das Brauen“, wie sie beide sagen. Ihre Sude teilen sie bewusst in verschiedene Kategorien ein: Hopfige Biere im San Diego Style, dunkle Variationen, fassgelagerte Spezialitäten sowie klassische Sorten wie belgische Ales oder deutsche Interpretationen wie etwa ein Oktoberfest-Lager namens „Die Kellnerin“. Probieren können Aficionados die Biere im brauereieigenen Taproom mit Blick auf glänzende Silberkessel und gestapelte Holzfässer. Den Brauereinamen wählten die Gründer übrigens als Hommage an das Produkt Bier „als größte soziale Einheit des Planeten“: „Es bringt Menschen seit Jahrhunderten zusammen – ganz egal welche Klasse, Religion, Geschlecht oder Alter“, bekräftigt Smith.

AleSmith

Auch für das Team von AleSmith Brewing, das im August bereits auf den 24. Brauerei-Geburtstag angestoßen hat, steht Bier im Zentrum ihres Schaffens. So erweiterte Brauereichef Peter Zien immer wieder die Produktion sowie den Verkostungsraum, der derzeit zum größten in ganz San Diego zählt. Dort treffen sich die Hop-Heads der Stadt, um beispielsweise das „San Diego Pale Ale 394“ zu probieren. Dabei geht es um ein schlankes, fruchtiges Bier mit hoher Drinkability. Der Kollaborationssud entstand mit tatkräftiger Unterstützung eines durstigen Baseball-Teams. Aushängeschild von AleSmith, die laut einiger Online-Foren zu den besten Brauereien der USA gehört, ist das zwölfprozentige, pechschwarze „Speedway Stout“ mit 70 Bittereinheiten, das mit geröstetem Kaffee gebraut wird. Inzwischen gibt es mehrere Varianten des beliebten Kult-Stouts, auch eine fassgelagerte Version.

Modern Times

Damit liegt die Brauerei gut im Trend, denn fassgereifte Spezialitäten sind an San Diegos Theken derzeit gefragter denn je. Der aktuelle Megatrend unter den südkalifornischen Craft-Zauberern geht allerdings gerade in Richtung aromatischer Sauerbiere. Fast jede Bier-Manufaktur an der Bay führt so eine saure Spezialität im Portfolio. Sei es die Kreativstätte Modern Times im Midway District, dessen Brauer beispielsweise eine Gose in Dosen füllen, die sie mit Maracuja und Guave brauen, oder die 32 North Brewing, die eine schlanke, 4,1-prozentigen Berliner Weiße mit Pfirsich im Sortiment führt. Dazu gehören auch die Brauer von Bitter Brothers im Stadtviertel Bay Ho, die ihr Golden Sour zur Vollendung noch in blaufränkische Rotweinfässer legen, um Aromen von Kirschen und Himbeere zu erzielen.

Wer in San Diego auf der Suche nach Sauerbieren ist, der kommt auch an California Wild Ales im nördlich der Stadt gelegenen Sorrento Valley nicht vorbei. Die Brauereichefs haben sich nahezu ausschließlich auf saure Sude spezialisiert, die sie zur Veredelung in zuvor unterschiedlich belegte Holzfässer füllen. Zu den beliebtesten Sorten der Kalifornier zählen die „Gose Loco“, die in Tequila-Fässern mit Limettensaft, Salz und Koriander für vier Monate heranreift oder etwa das „Upheaval“-Ale, das ein Jahr in frischgeleerten Cabernet- und Spätburgunder-Fässern sowie zusätzlich noch drei Monate in der Flasche schlummert, bevor es über die Theke geht. „Wir sind stolz darauf in einer Stadt, die überwiegend von Westcoast Style IPAs dominiert wird, nur fassgereifte Sauerbiere anzubieten“, betont Brauerei-Mitgründer William DeWitt. So würden sich ihre Biere von vielen anderen Brauereien abheben.

Tasting-Flights bei Amplified

Bei der ungewöhnlichen Biervielfalt in San Diego liegt es auf der Hand, dass sich engagierte Brauer immer neue Spezialitäten ausdenken müssen, um im hartumkämpften Markt bestehen zu können. Das schafft zum Beispiel auch Amplified Ale Works ganz gut, die in ihrem Tasting-Studio im Stadtteil Miramar die Komponenten Bier und Musik miteinander verbinden. Bei harten Rockklängen können Besucher verschiedene Tasting-Flights mit diversen Suden in Form von Gitarren ordern und dazu auf einem Großbildschirm Live-Konzerte ansehen.

Wer es jedoch etwas ruhiger mag, braucht nur eine Tür weitergehen und landet beim Team von Pure Project Brewing, das seine Bier-Location mit Hängepflanzen, Gras und Moos verziert hat. Damit wollen die Craft-Brauer den unverwechselbaren südkalifornischen Stil vorleben. Auch ihre Biere kombinieren sie mit einzigartigen Aromen und Zutaten. Im Sudkessel landen nicht selten Hibiskus-Blüten, Ingwer, Ahornsirup, Brombeeren, Bio-Erdbeeren oder lokaler Honig.

In diesem kreativen Umfeld muss sich einer der Platzhirsche, die international renommierte Stone Brewing, anstrengen. Vor 23 Jahren startete Greg Koch mit seinem Geschäftspartner Steve Wagner als Micro-Brauerei und zählt heute zu den zehn größten Kreativbrauereien der USA. Zum Stone-Imperium mit mehr als 1000 Mitarbeitern im nördlich von San Diego gelegenen Escondido gehören innerhalb eines hektar-großen Garten-Areals, neben Brauerei und Verwaltung auch eine Outdoor-Bar und ein schickes Bistro mit Blick auf eine stattlichen Sudkessel. Hier, in der „Stone Brewing World Bistro & Garden“, dem Hotspot von Craft-Geeks aus aller Welt, herrscht ein buntes Treiben. Stone-Gründer Greg Koch freut sich über die dynamische Entwicklung in seiner Heimatstadt: „Es ist großartig, dass sich San Diego zum Bier-Mekka der USA entwickelt hat und wir einen großen Teil dazu beitragen konnten.“

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Online-Event: Erste virtuelle Messe für Hobbybrauer

Hobbybrauen liegt im Trend. Immer mehr Bierliebhaber stellen sich zuhause an die Kessel, um ihre ganz individuellen Sude zu kreieren. Zudem gibt es inzwischen auch vermehrt Events und Veranstaltungen, die sich rund um das Thema Freizeitbrauen drehen. Am 18. und 19. Oktober findet jetzt sogar die erste virtuelle Messe für Hobbybrauer im deutschsprachigen Raum statt. Auf hopfenfreaks.com finden Bierfreunde an beiden Tagen rund 25 Vorträge und Interviews mit erfahrenen Hausbrauern, sowie einige Experten-Chats und eine Online-Ausstellung mit Infos zu Braugerätschaften, Rohstoffen und Kursen rund ums Brauen und Verkosten. Profis zeigen in Filmbeiträgen die größten Fallstricke beim Brauen und geben praktische Tipps wie man das eigene Bier noch besser machen kann. Einige Hobbybrauer gewähren Einblick in ihre Anlagen, verraten ihre Tricks und zeigen Erfolge und Ausrutscher. 

Zu den Experten zählen neben Holger Eichele, Geschäftsführer des Deutschen Brauerbundes, auch Nicola Buchner, Geschäftsführerin des Verbands der Diplom Biersommeliers sowie Jörg Krüger, Chefredakteur des Brau!magazins. Das vorläufige Programm gibt es hier https://hopfenfreaks.com/programm/

Teilnehmer können alle Angebote kostenfrei mit dem Desktop, Laptop, Tablet oder sogar dem Smartphone nutzen. Wer alle Videos und zahlreiche Bonus-Materialien auch nach der Messe noch abrufen will, kann ein spezielles Ticket erwerben. Der Early Bird-Preis für den VIP-Pass beträgt 49 Euro (statt 69). Ihr liebe Leser, erhaltet zusätzlich noch eine Ermäßigung von zehn Euro. Einfach folgenden Code bei der Bestellung eingeben: iewf-lbpu-bike

Münchner Bier-Event: O’zapft is auf dem Craftbeer-Oktoberfest

Craftbeer Oktoberfest

Nach der Wiesn ist vor dem Craftbeer-Oktoberfest. Am kommenden Freitag und Samstag findet in der Münchner Reithalle das für Bier-Geeks viel interessantere Spektakel statt. Insgesamt 16 Craft-Brauereien aus der bayerischen Hauptstadt und Umgebung sowie eine Biermanufaktur aus Polen schenken ihre Sude aus, die von süffigem hellen über modernes Weißbier, Pale Ale, India Pale Ale, Stout und Sorten fernab des Reinheitsgebotes reichen. Die Brauer stehen selbst hinter den Ständen, um den Gästen alles über ihre Geschichte, Intention und Biere zu erzählen. Ganz nach dem Motto: Genuss und Gemütlichkeit statt Einheitsgeschmack und Massenabfertigung.

Craftbeer Oktoberfest

Für zusätzliche Stimmung sorgen vier Münchner Bands, die von Funk, Soul, Pop, Blues bis hin zu Rock’n‘Roll etwas anderes als Helene Fischer oder DJ Ötzi im Repertoire haben. Verhungern muss auf dem Craftbeer-Oktoberfest auch niemand. Für die richtige Grundlage bilden sieben Foodtrucks vor der Tür einen Streetfood-Markt. Hier gibt es vom klassischem Burger, einem Pastramigriller, amerikanischen Beefbrisket oder vegetarisch und veganen Leckereien bis hin zu regionalen Bio Bratwürsteln, alles was den Hunger stillt und auch ideal zum Bier passt. Wer mehr zum Thema Foodpairing wissen möchte, kann sich auch zu speziellen Workshops anmelden.

Fakten auf einen Blick:
Wann: Freitag & Samstag den 11.-12. Oktober 2019 jeweils von 16-1 Uhr
Wo: Reithalle // Heßstraße 132 // 80797 München
Eintritt:  ab 10,31 €
Infos & Tickets: http://craftbeer-oktoberfest.de/