Hoppebräu: Neues Biermekka im bayerischen Oberland

Das Warten hat sich gelohnt: Bei Kaiserwetter öffnete Markus Hoppe gestern offiziell seine Brauerei mit Gastronomie im bayerischen Waakirchen in der Nähe des Tegernsees. Mit idyllischem Bergpanorama im Biergarten oder mit Blick auf die glitzernden Sudkessel in der gemütlich eingerichteten „Zapferei“, können Bierfans künftig neun Hoppebräu-Biere – vom Weißbier über Double IPA und Kollaborationssude mit befreundeten Brauereien – frisch vom Hahn genießen. Der zehnte Hahn ist für ständig wechselnde Gastbiere vorgesehen. Fassgereifte Spezialitäten gibt es aus der Flasche.

Die gute Stube der „Zapferei“

Verhungern muss in der „Zapferei“ auch niemand. Es gibt eine kleine, aber feine Speisekarte mit zünftigen Brotzeit-Schmankerln und maximal zwei warmen Gerichten wie Biergulasch, Bierbratwürste oder Chili con Carne. Regionalität spielt bei den Hoppes eine bedeutende Rolle, so kommen die Zutaten von Landwirten aus der Region. Die Gastronomie betreibt Familie Hoppe selbst, die Leitung übernimmt Markus Mutter Susanne. „Wir haben ein Kommunikationszentrum geschaffen, in dem jeder mitmachen, hinterfragen und genießen kann“, schwärmt Markus bei seiner Begrüßungsrede, „und ich habe mir damit meinen größten Traum erfüllt.“ Sein Ziel ist es, noch mehr Menschen vom Bier zu begeistern, ganz egal ob Ausflügler, Sportler oder Urlauber.

Markus Hoppe und ich

Hoppebräu Zapferei:

Mittwoch und Donnerstag: 17.00-23.00 Uhr

Freitag: 09.00-23.00 Uhr (mit Weißwurstfrühstück)

Samstag: 10.00-23.00 Uhr

Sonntag: 10.00-20.00 Uhr

Hoppebräu GmbH
Tölzer Straße 37
83666 Waakirchen

Markus Hoppe bei seiner Begrüßungsrede

Craft-Bier des Monats: Hammerharter Hasentrunk zum Osterfest

Zu besonderen Feiertagen soll es auch ein ganz besonderes Bier sein. So öffnete ich am Osterwochenende als Dessert das Oak Aged Imperial Stout namens „Black Rabbit“ von Frau Gruber Brewing aus dem bayerischen Gundelfingen und Bierol aus Schwoich in Tirol. Die Jungbrauer ließen das 12-prozentige Stout knapp ein Jahr in Haselnuss-Likör-Fässern zur Vollendung schlummern.

  • Brauerei: Frau Gruber Brewing und Bierol
  • Herkunft: Deutschland und Österreich
  • Bierstil: Oak Aged Imperial Stout
  • Alkoholgehalt: 12 Prozent
  • Farbe: nachtschwarz
  • Schaum: feinporig, cremig, mokkafarben
  • Fass: Haselnuss-Likör

In einer fast schon öligen Konsistenz fließt das nachtschwarze Imperial Stout ins Glas, getoppt von einem mokkafarbenem Schaum. Es duftet malzig und nussig sowie neben dunkler Schokolade und Vanille auch kräftig nach Kokosnuss. Auf der Zunge präsentiert sich ein cremig-weiches und dezent süßes Mundgefühl, begleitet von intensiven Schokoladennoten, nussigen und röstigen Tönen sowie einem Hauch von Armarenakirschen. Im Finish bleibt das schwarze Karnickel noch lang und sehr angenehm am Gaumen haften.

Fazit: Das Bier war nicht nur wegen seines Namens und den vielen kleinen Hasen auf dem Etikett das perfekte Osterbier. Geschmacklich zeigt es sich vielfältig und komplex. Frau Gruber hat mit „Black Rabbit“ meine Erwartungen wieder mal übertroffen, deswegen küre ich den dunklen Kollabsud zum Craft-Bier des Monats.

„Pils braucht einen echten Imagewechsel“

Welche Konflikte gibt es, wenn Berliner Crafter ein Pils mit einem 230-jährigen Traditionsbetrieb gemeinsam brauen, der keine Erfahrung mit US-Hopfen und Kaltstopfung hat? Stefan Schröer von den „Superfreunden“ und Hubert Wagner vom fränkischen Wagner Bräu verraten, warum es bei den ersten Sud-Versuchen zu ernsthaften Komplikationen kam und wo der Unterschied zwischen Craft-Pils und Traditionspils liegt.

Interview im Sudhaus beim Wagner Bräu in Kemmern (v.l.: Hubert Wagner, Stefan Schröer, ich, Tobias Wagner und Marco Sgarra)

Es ist eher ungewöhnlich, dass eine fränkische Traditionsbrauerei ein modernes Pils mit Berliner/Hamburger Kreativ-Brauern produziert. Wie kam es überhaupt dazu?

Stefan Schröer: Der Kontakt kommt über das Brauhaus Binkert, bei dem wir ein paar unsere anderen Biere brauen. Es ist nur wenige Kilometer vom Wagner Bräu entfernt. Aber Hubert und sein Team gelten hier in der Region als echte Pils-Spezialisten.

Hubert Wagner: Es war schon echt ein cooles Gefühl, als die Superfreunde uns angefragt haben, ob wir ein Pils zusammen brauen wollen. Ich war da sofort Feuer und Flamme, auch wenn wir im Nachhinein ganz schön viel Lehrgeld bezahlen mussten.

Warum, was lief schief?

Hubert Wagner: Die Berliner wollten ein Pils mit ziemlich viel Hopfen, und der musste auch noch aus den USA kommen. Mit solchen speziellen Sorten habe ich zuvor noch nie gearbeitet. Auch das Stopfen war eine echte Herausforderung, da wir das mit unseren Bieren bisher noch nicht gemacht hatten. Bei den ersten Suden sind uns fast alle Leitungen bei der großen Menge an Hopfen verstopft, sodass wir einige Pumpen ausbauen und reinigen mussten. Nachdem wir aber viel rumprobiert hatten, lief irgendwann alles perfekt.  

Die Superfreunde sind keine gelernten Brauer, aber haben sich in der Craft-Szene bereits einen guten Namen gemacht, während das Team vom Wagner Bräu das traditionelle Handwerk beherrscht. Wer lernt hier eigentlich von wem?

Stefan Schröer: Wir setzen auf Transparenz und stehen auch dazu, dass wir keine ausgebildeten Brauer sind. Umso mehr schätzen wir es, dass wir mit echten Profis unser Pils entwickeln und produzieren können. Wir lernen gerne viel dazu und freuen uns auf jeden neuen Sud.

Hubert Wagner: Ich lerne von Stefan und Marco einiges über modernes Bier-Marketing. Es ist faszinierend, was die beiden da bewegen – auch bei Logistik und Vertrieb. Ich bin klassischer Bierbrauer und bewege mich immer nur zwischen Brauerei oder Gaststätte. Die beiden sind richtig gute und kreative Verkäufer. Wir dagegen haben unsere langjährigen Stammkunden, die zu uns kommen und sich ihre Kiste Bier häufig noch selbst abholen.

Stefan Schröer: Dieses regionale Kerngeschäft haben wir als Gypsy-Brauer dagegen nicht. Wir mussten von Anfang an auf breite Masse gehen und über die Kirchturmgrenzen hinaus verkaufen.  Das ist ein ganz anderes Business als bei Hubert.

Stefan, warum braut ihr ausgerechnet Pils? Das ist zwar das meistgetrunkene Bier in Deutschland, steht aber wegen seinem Einheitsgeschmack in der Kritik und gilt bei manchen Bier-Geeks sogar als Anti-Craft-Trunk.

Stefan Schröer: Wir als Superfreunde haben uns auf die Fahnen geschrieben, traditionelle deutsche Bierstile neu zu interpretieren und bringen nur Sorten auf den Markt, die uns selbst schmecken. Für uns war schon immer klar, dass irgendwann ein Pils auf der Agenda steht.

Solch klassische Bierstile verzeihen keine Fehler. Ist ein sauberes Pils im Portfolio auch für euch als Craft-Brauer ein Aushängeschild, um zu beweisen, dass ihr es draufhabt?

Stefan Schröer: Ich würde nie behaupten, dass wir es draufhaben, sonst würden wir uns mit fremden Lorbeeren schmücken. Gerade bei solchen Bieren, die keine Fehler verzeihen, schmeckt man schnell, wie viel Expertise dahintersteckt. Und genau deswegen sind wir hier bei Hubert.

Hubert Wagner: Und für uns ist es super, dass wir im Umfeld der Kreativ-Bier-Szene erwähnt werden und als Brauerei mit auf dem Etikett stehen. Das ist ein hoher Lohn für einen Regionalbrauer.

Aber wo seht ihr eigentlich den Unterschied zwischen Traditionspils und Craft-Pils? Das Handwerk ist doch prinzipiell bei beiden gleich. Geht es dabei also nur um den Hopfen?

Hubert Wagner: Ja, der große Unterschied ist tatsächlich der Hopfen und das Hopfenstopfen. In unserem fränkischen Pils, das irgendwo zwischen bayerischem Hellen und norddeutschen Pils liegt, setzen wir den Hopfen nur in der Vorderwürze ein. Das Verfahren hat schon mein Großvater so angewandt und überliefert. Bei den eingesetzten Hopfensorten handelt es sich also überwiegend um klassische Vertreter wie Spalter Select, Saphir und Tradition.

Stefan Schröer: In unserem Pils stecken dafür die amerikanischen Sorten Amarillo und Mosaic. Dennoch präsentiert sich unserer Pils mit urtypischen Pils-Charakter. Wir kombinieren also Tradition mit Moderne. Bei einem Craft-Pils ist die Preisstruktur allerdings ganz anders. Wir haben keine eigene Brauerei, sondern mieten uns beim Wagner Bräu, Brauhaus Binkert und dem CraftZentrum in Berlin ein. Deswegen haben wir viel höhere Braukosten, als jemand mit seiner eigenen Anlage. Auch die Logistik ist ein großer Kostenpunkt, die eine regionale Brauerei wie Wagner Bräu nur geringfügig hat, da viele Hektoliter direkt vom Hof weg verkauft werden und nicht deutschlandweit in die Läden müssen.

Viele Craft-Brauer hauchen gerade traditionellen Bierstilen wieder neues Leben ein. Braucht Pils einen Imagewechsel, um dem sinkenden Bierkonsum in Deutschland gegenzusteuern?

Hubert Wagner: Unbedingt! Da sich die großen Bierkonzerne irgendwann nur noch am Allerweltsgeschmack orientierten, ging die Wertschätzung vom Bier ziemlich stark zurück. Bier war plötzlich nur noch ein Industrieprodukt und die Verbraucher hier in der Region fingen an, nur noch auf den Preis zu schauen. Das wandelt sich gerade. Die Leute legen inzwischen wieder mehr Wert auf Regionalität und Qualität.

Dank der Craft-Bierbewegung, die bewirkte, dass die Leute sich wieder für Bier interessieren?

Hubert Wagner: Mit Sicherheit! Die Craft-Bierbewegung hat den Brauereien in der Region einen enormen Aufschwung beschert. Noch vor ein paar Jahren, haben die Betriebe hier meist nur gegeneinander gewirtschaftet, weil jeder Mitbewerber ums Überleben kämpfen musste. Jetzt ist das Brauereisterben bei uns so gut wie überstanden.

Craft-Bier-Kritiker behaupten, dass Kreativbiere hierzulande nur ein kurzlebiger Hype sind, der bald vorbei ist. Wie seht ihr das?

Stefan Schröer: Für mich ist Craft-Bier definitiv kein Hype. Vielmehr hat sich das Bewusstsein der Leute zum Bier definitiv verändert. Ich glaube nicht, dass es irgendwann einen Tag X geben wird, an dem man wieder zu alten Gewohnheiten übergeht.

Hubert Wagner: Ich denke, dass die Akzeptanz von hochwertigen Bieren in der Bevölkerung in den kommenden Jahren eher noch größer wird. Bier wird heute bewusster getrunken. Auch wenn einige Craft-Brauer ziemlich extreme Bier brauen, manchmal über das Ziel hinausschießen und das Reinheitsgebot kippen wollen, hat die neue Kreativ-Szene einen absolut positiven Einfluss auf den gesamten Markt.

Angeblich tun sich vor allem extreme Craft-Sude enorm schwer in der Gastronomie. Ist euer gemeinsames Kreativ-Pils als Eintrittskarte in die Restaurant-Szene gedacht?

Stefan Schröer: Ja, das würde ich schon so sehen. Mit Pils kann man die Gastronomie besser überzeugen, als mit einem extremen Hopfenhammer. Im Gegensatz zu IPA, Porter oder Stout müssen wir dem Wirt nicht erst erklären, was das für ein Bier ist, sondern nur verdeutlichen, warum es ein bisschen anders – und vielleicht sogar etwas besser – schmeckt. Wenn das funktioniert, dann lassen sich auch die anderen Sorten leichter nachschieben.

Wie kommt denn das Superfreunde-Pils in der Wagner Bräu Gaststätte an?

Hubert Wagner: Wenn unsere Stammgäste hören, dass da amerikanische Hopfensorten drin sind, dann wissen sie damit erst mal nichts anzufangen und rümpfen die Nase. Auch der Begriff Craft-Bier ist vielen Konsumenten in der Region noch völlig fremd und stößt eher auf Ablehnung. Aber wenn sie gut beraten werden und dann doch mal probieren, sind sie meist angetan.

Wird der Wagner Bräu dann vielleicht doch irgendwann ins Craft-Business einsteigen?

Hubert Wagner: Nein, ich denke eher nicht. Mein Sohn Tobias, der die Brauerei weiterführen wird, probiert mit einem befreundeten Braumeister aus der Nachbarbrauerei gerade unter der ausgelagerten Marke „Braurausch“ ein paar neue Sude aus. Aber Wagner Bräu steht für klassische Biere und das soll auch so bleiben. Außerdem glaube ich nicht, dass so ein Totenkopf auf dem Etikett, wie etwa bei den Superfreunden, bei unseren Kunden in der Region besonders gut ankommen würde…

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Galway Bay Brewery: Seebestattung ohne Leichnam

Ein Bier, das auf dem Etikett ein Ablaufdatum per 23. Dezember 2017 aufweist, würde wahrscheinlich kaum jemand anrühren. Aber manchmal ist es dennoch einen Versuch wert. So fand ich kürzlich im hintersten Abteil meines Bierkellers ein unfiltriertes Milk Stout mit dem vielversprechenden Namen „Buried at Sea“ der irischen Galway Bay Brewery und wollte es eigentlich gleich in den Orkus kippen. Dann wagte ich jedoch einen kleinen Schluck von diesem Trunk und war nicht nur erstaunt, sondern beim zweiten Schluck auch wahrlich begeistert.

Liegt es am Namen dieses Bieres, das locker übersetzt so viel heißt wie „Seebestattung“, denn die 2009 gegründete Brauerei liegt ganz im Westen von Irland an der Galway Bay mit Blick auf den Atlantik. Oder liegt es an den gesunden Kühen und der nachweislich guten Milch auf der grünen Insel. Umso erstaunlicher ist: Die ursprünglichen Bewertungen über diese Bier rangierten gerade mal im gehobenen Mittelmaß. Da überrascht, wie sich dieses Stout im Verlauf von gut zwei Jahren so lebendig weiterentwickelte.

Die komplexen Aromen dieses mit Milchzucker und dunkler Schokolade gebrauten Bieres haben sich nicht verflüchtigt und überraschen mit angenehmer Frische, einem geschmeidigem Mundgefühl, einer beständigen Krone und einer sauberen Drinkability. Über den cremigen, malzbetonten Einstieg machen sich im tiefschwarzen Sud leichte Röstnoten und mittelkräftige Bitternoten bemerkbar. Trotz der 4,5 Prozent Alkohol zeigt sich ein kräftiger Body mit einer fast öligen Textur.

Fazit: Klar, gerade bei weniger alkoholbeladenen Craft-Suden muss man aufpassen, wenn ein Bier nach dem Ablaufdatum seinen Zenit erreicht hat. Aber es gibt tolle Ausnahmen, wie dieses irische Seebegräbnis beweist. Auch mit ein wenig Patina ist „Buried at Sea“ – bei kühler Lagerung – heute noch ein attraktives Stout, dass sich vortrefflich zu süßlich Gerichten und intensiven Desserts eignet, aber auch perfekt mit einem guten Galloway-Steak harmoniert.

Partnerprogramm: Riegele erweitert Logistikzentrum

[Sponsored Post] Als innovatives Familienunternehmen investiert Riegele in die Zukunft. Bereits vor 15 Jahren errichtete die Brauerei ein Logistikzentrum in Gersthofen. Dieses wird nun bis 2020 um etwa 4.200 Quadratmeter erweitert – mit rund acht Millionen Euro die größte Investition in der Geschichte der Brauerei. Heute fand auf dem Baugelände in Gersthofen der feierliche Spatenstich statt. Die Brauereichefs Dr. Sebastian Priller und Sebastian Priller-Riegele setzten gemeinsam mit Martin Sailer, Landrat des Landkreises Augsburg, Michael Wörle, Bürgermeister der Stadt Gersthofen sowie Vertretern der Bauämter und der zuständigen Baufirma Josef Hebel GmbH den ersten Spatenstich für das Großprojekt. „Dieser Neubau ist für uns als Mittelständler eine große Herausforderung, aber auch ein wichtiger Schritt in die Zukunft“, so Brauereichef Sebastian Priller-Riegele. „Denn mit der Fertigstellung des Logistikzentrums können wir unseren Kunden als Getränkefachgroßhändler künftig bis zu 1.500 Getränkeartikel anbieten und sichern damit Arbeitsplätze für die Region.“

Für den Bau des neuen Riegele Logistikzentrums wurden bereits rund 40.000 Quadratmeter Erde ausgehoben, die Lagerfläche soll mit zusätzlichen 4.200 Quadratmeter mehr als verdoppelt werden. Außerdem steht mit Abschluss des Neubaus insgesamt über 6.000 Quadratmeter überdachte Ladefläche zur Verfügung. Und für die rund 60 Mitarbeiter, die im Riegele Logistikzentrum in Gersthofen tätig sind, entstehen neue Aufenthaltsräume und Büros. „Wir freuen uns auf die gute Zusammenarbeit mit der Firma Hebel Bau, dem Landkreis und natürlich der Stadt Gersthofen für dieses Projekt, das bisher einmalig in der Geschichte unserer Brauerei ist“, so Sebastian Priller-Riegele. Die schweren Baugeräte rücken, wie es sich für eine Brauerei gehört, am Tag des deutschen Bieres (23. April) an.P

Schräge Biere: Immer auf die Nüsse

Erdnuss, Walnuss oder Pekannuss: Craft-Brauer entdecken Schalenfrüchte gerade als individuelle Zutat für ihrer Biere und kreieren damit ganz ungewöhnliche Aroma-Kicks.

Credit: Pixabay_Jackmac34

Für viele Menschen gibt es kaum einen besseren Snack zum Bier, als gesalzene oder geröstete Nüsse. Und weil das Pairing so gut funktioniert, packen mutige Brauer diverse Nussspezialitäten gleich mit in den Sudkessel. Das mag schräg klingen, aber einigen Craft-Zauberern gelingen derzeit wirklich köstliche Nuss-Biere, die ein wahres Geschmackfeuerwerk auf der Zunge zünden.

Craft-Brauer sind jetzt also auch auf die Nuss gekommen. So wundert es nicht, dass Liebhaber kreativer Sude immer mehr Biere in den Regalen finden, die mit Erdnüssen, Walnüssen, Haselnüssen oder Pecannüssen, aber auch mit Kastanien, veredelt sind. Dabei experimentieren Kreativbrauer fast mit jedem Bierstil. Nussvariationen finden sich in Pale Ales, IPAs, in Porters oder Stouts und erobern damit einen ganz neuen Aromenkosmos.

Wie gut die Kombination von Nüssen und Hopfen funktionieren kann, beweist die US-amerikanische Brauerei Noon Whistle aus Illinois, die erst kürzlich ein IPA namens „Mr. IPA-Nut“ auf den Markt brachte. Im Sudkessel landeten geröstete Honig-Erdnüsse, dessen Aroma sich im Geschmack mit fruchtigen Hopfennoten vereinen und ein salziges Finish ergeben. Das kommt bei Craft-Fans wohl so gut an, dass es nicht mehr ganz so einfach ist, dieses Nuss-IPA noch irgendwo zu bekommen.

Bei solchen Nachfrageerfolgen setzten auch andere US-Brauer auf Erdnusspower. So legte jüngst das Team von Loggers Brewing Company aus Michigan ein 5,6-prozentiges Bier mit dem seltsamen Namen „We Creamed our Peanuts Oatmeal Crème Peanut Stout” vor. Für den süßlich-originellen Geschmack gaben die US-Brauer rund 150 Kilo frischgeröstete Erdnüsse nebst Haferflocken in den Sudkessel. Die Zutaten formen das Bier zu einer echten Geschmackswucht. Wer es jedoch etwas weniger heftig mag, kann auf ein Pale Ale der Londoner Biermanufaktur Deviant & Dandy’s zurückgreifen, das auf einen sanften Nuss-Touch baut.

Seine Vorliebe für Schalenobst hat Florian Kuplent, Gründer der Urban Chestnut Brewing in St. Louis, offensichtlich gleich mit in seinem Firmennamen verarbeitet. Seine Brauerei heißt übersetzt nichts anderes als „städtische Kastanie“. So wundert es kaum, dass ein Ale namens „Winged Nut“ zu den Flaggschiffen des Hauses zählt. Das Chestnut-Team braut das Bier mit feingemahlenen Kastanien sowie Willamette-Hopfen und vergärt es mit bayerischer Weißbier-Hefe. Das Ergebnis ist ein leicht röstiges, bananiges dunkles Weizenbier mit ungewöhnlicher Bitter-Note und markantem Nuss-Aroma.

Neben Kastanien und Erdnüssen gelten auch Walnüsse als neue Aroma-Stars bei Craft-Brauern. Auch die Berliner Bierfabrik braute gerade erst wieder ihr 6,5-prozentiges, nachtschwarzes „Ahorn Walnuss Stout“. Dafür röstete das Team um Sebastian Mergel die Schalenfrüchte in Handarbeit. Am Gaumen präsentiert sich das Bier samtig-weich mit schokoladigen, holzigen und mild-süßen Aromen. Im Finish zeigen sich dann die Walnüsse gewohnt leicht pelzig und herb auf der Zunge.

Dass die Experimentierfreude der Brauer mit speziellen Nusskreationen noch längst kein Ende findet, zeigen auch viele andere Sude rund um den Globus. So finden Craft-Fans heute auch Brown Ales mit gerösteten Pekannüssen, Porter mit Macadamia-Nüssen und Milk Stouts mit Mandeln oder Pistazien. In Oregon lässt die Wolves & People Farmhouse Brewery ihr 4,7-prozentiges Table Stout namens „La Truffe“ sogar auf jeder Menge Haselnüssen zusammen mit weißen Trüffeln altern. Solche Biere sollen polarisieren, sind aber nicht unbedingt für den Jedermann-Geschmack.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Russian River Brewing: „Pliny the Elder” – großer Hype um eine Craft-Legende

Mitbringsel frisch aus dem Brewpub in Santa Rosa. Abfülldatum: 13.3.2019

Zu den besten India Pale Ales der Welt zählt angeblich das „Pliny the Elder“ von der Russian River Brewery aus dem kalifornischen Santa Rosa. Nicht nur auf der Bierbewertungsplattform „ratebeer“ ist es von Bierfans mit vollen 100 Punkten bewertet, auch heimste sich das Ale schon zahlreiche Goldmedaillen bei internationalen Awards ein. Für jeden echten Craft-Bierfan gilt es als Herausforderung, dieses achtprozentige Double IPA irgendwo zu ergattern und zumindest einmal in seinem Leben probieren. Dafür braucht man sogar im USA-Urlaub etwas Glück, das Bier vom Fass in irgendeinem Tap-House oder bei einem Craft-Shop in der Flasche zu finden. Russian River produziert ihr Flaggschiff wahrscheinlich absichtlich in äußerst reduzierten Mengen, um so den Kultstatus um dieses Bier zu pushen.

Glück gehabt in Haight-Ashbury

Als meine Schwester und ich uns Anfang März im Hippie-Viertel von San Francisco umsahen, stießen wir eher zufällig auf diesen Sud mit Legendenstatus. Beim Bummel durch die Stadt kamen wir an einer Kneipe vorbei, und da sprang uns ein Plakat mit einer vielversprechenden Botschaft ins Auge: „Pliny the Elder on draft“. Das war die erste Bekanntschaft mit diesem Bier. Ein weiteres Mal genossen wir das kräftige IPA im Brewpub der Russian River Brauerei in Santa Rosa, wo ich mir auch eine Flasche für eine genauere Verkostung mit nach Hause nahm.

Brewpub von Russian River Brewing in Santa Rosa

Aber was ist denn nun das Besondere an diesem Bier und wie schmeckt es überhaupt? Aromatisiert haben es die Brauer mit sechs Hopfensorten: Amarillo, Cascade, CTZ, Centennial, Simcoe und Warrior. Golden-opal schwimmt es im Glas, ein feinporiger, schneeweißer Schaum liegt oben auf. Das Ale duftet nach weißem Bergpfirsich, Zitrusfrüchten, dezent nach Mango sowie angenehm würzig, harzig und grasig. Auf der Zunge breitet sich eine moderate Kohlensäure aus. Im Geschmack stehen blumige, sowie grasig-würzige Noten im Vordergrund, die sich mit Aromen von Grapefruit vereinen. Im Finish zeichnet sich das Ale mit einer deutlichen Herbe von rund 90 Bittereinheiten ab.

Fazit: Das ist wirklich ein absolut gelungenes Double IPA, keine Frage. Es ist hocharomatisch, perfekt ausbalanciert und sehr gut trinkbar. Allerdings finde ich den Hype um dieses Bier ein wenig übertrieben. Beim ersten Schluck war ich erst einmal verwundert. Die Erwartungshaltung war so hoch, bis ich dann merkte, es ist doch bloß ein sehr, sehr gutes Double IPA. Und ehrlich gesagt, gibt es hierzulande inzwischen auch einige Kreativ-Brauer, die hervorragende DIPAs entwickeln.

Kommentar: Alles Quatsch!

Es ist kein Geheimnis, dass mit dem Erfolg der Craft-Bewegung auch Frauen wieder Geschmack am Bier gefunden haben – und zwar nicht nur als Konsumentinnen. Sie mischen als Kreativ-Brauerinnen die Szene auf, betätigen sich als Biersommelière und Craft-Bloggerinnen oder übernehmen die Brauereien ihrer Vorväter. Ihre Zahl nimmt dynamisch zu, seitdem sich Bier wieder deutlicher als Genussgetränk definiert.

Und schon tauchen in den Regalen immer mehr Hopfensäfte in verkorkten Champagnerflaschen auf, die mit klangvollem Produktnamen als spezielles Lady-Bier angeboten werden. Auf pinken Etiketten prangen neben viel Chichi-Symbolik sogar pudelnackte Romeos. Der Trend zieht sich bis in die Niederungen kleiner Landbrauereien. Vieles davon ist ziemlich peinlich und so mancher Trunk erweist sich im Glase schließlich nur als lukrativer Marketingtrick. Nichts gegen die wachsende Anzahl an speziellen Bier-Seminaren, Craft-Tastings und Brauereiführungen, die sich ausschließlich an ein weibliches Publikum richten. Aber was soll da eigentlich anders ablaufen als bei den Events für Männer?

Frauenbiere, so das gängige Vorurteil, sollten süß sein, nicht zu alkoholreich und nach Möglichkeit durch florale Duftnoten überzeugen. Alles Quatsch! Wie jüngste Umfragen in der Craft-Szene ergeben, trinken Frauen am liebsten ein gut gehopftes IPA mit ausbalancierten Fruchtnoten, ausgeprägter Frische, aber eher geringen Bittereinheiten – je exotischer, umso besser. Solche Sude liegen allerdings auch bei männlichen Craft-Fans im Trend. Und im Übrigen gilt: Auch Frauen wählen ihr Bier nach Stimmung, Umgebung, Gesellschaft, nach den Jahreszeiten oder der Situation.

Typische Frauenbiere gibt es also ebenso wenig, wie es heute im Bier-Business noch wirklich homogene Zielgruppen gibt. Im Klartext: Was Männer trinken, mögen auch Frauen und umgekehrt. Schließlich gibt es ja auch kein Spezialbier für Einäugige, Zwergwüchsig oder Fußkranke.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Pudelnackte Romeos

Partnerprogramm: Genussfreudiges Top-IPA mit Grünhopfen aus der Hallertau

[Sponsored Post] Seit einigen Jahren legt Braufactum nun schon ihr Flaggschiff-IPA „Progusta“ auch in einer Harvest-Edition vor. Heißt: das Ale wird mit erntefrischen Hopfensorten aus der Hallertau gebraut, die direkt vom Feld kommen. In der 2018er-Version stecken jede Menge feinster Magnum vom Hof Wendl und aromatischer Mittelfrüh vom Hof Kirzinger. Für das fruchtige Aroma packt das Team um Marc Rauschmann noch eine ganze Schippe amerikanischen Citra mit in den Kessel zum kalthopfen.

Die Farbe erinnert schon fast an einen Sonnenuntergang, wie man ihn im Hopfenhimmel oberhalb duftender Felder vom Kirzinger Hof erleben kann. Ein stabiler, cremefarbener Schaum vollendet die Optik. Das 6,8-prozentige Grünhopfen-IPA duftet fruchtig-süß mit Anklängen von Litschi und Zitrusfrüchten. Auf der Zunge zeigt sich ein angenehmer, vollmundiger, dezent süßlicher Malzkörper, der von den Hopfenaromen begleitet wird. Noten von gelben Steinfrüchten, Orange und Litschi stehen deutlich im Vordergrund. Im Finish präsentiert sich eine sanfte Herbe, die das IPA abrundet.

Fazit: Wow, da ist Braufactum wieder ein Meisterstück gelungen. Die Aromen sind super aufeinander abgestimmt und machen den Trunk absolut rund. Macht wirklich Spaß dieses IPA zu genießen. Die anderen Jahrgänge haben mich auch begeistert, aber meiner Meinung nach toppt das 18er die anderen noch um ein paar Genusspunkte.

Sierra Nevada: Tropisches Bierwunder von der Westküste

Liebe Community, ich bin aus den USA zurück und habe den Jetlag nach fast drei schlaflosen Nächten so gut wie überstanden. Nach knapp vier Wochen Abwesenheit im Büro herrscht erst einmal Land unter, sodass ich leider noch keine Zeit gefunden habe euch von all meinen tollen Erlebnissen zu berichten. Dennoch möchte ich euch schon mal ein Bier von Sierra Nevada Brewing aus Chico vorstellen, das auf meiner Reise zu den Highlights im Glas zählte.

Wer in Kalifornien durch die Brewpubs tingelt, dem wird sofort auffallen, dass es dort keine New England IPAs gibt. Die Brauer an der Westküste nennen diese Bierart „Hazy IPAs“. Und genau so eins ist auch das „Little Thing“ von Sierra Nevada. Zum ersten Mal trank ich es im Taproom der Brauerei zu einem leckeren Cheddar-Dip mit Brezn. Das Ale besitzt 6,7 Prozent Alkohol und präsentiert sich in einem trüben Goldgelb, getoppt von einer stabilen, schneeweißen Schaumkrone. In die Nase strömen sofort tropische Noten und Aromen von Zitrus- und gelben Steinfrüchten. Kein Wunder, in diesem IPA steckt jede Menge Hopfen: Citra, Comet, Simcoe, El Dorado und Mosaic. Auf der Zunge breitet sich ein moderater Körper und ein schön frisches Mundgefühl aus. Hier zeigen auch die eingesetzten Hopfensorten, die bei Sierra Nevada übrigens meist als Dolden oder Powder in die Kessel kommen, ihre volle Wirkung. Eine echte Fruchtbombe! Die zarte Bittere im Finish stammt vom deutschen Magnum Hopfen.

Fazit: Was für ein tolles Bier! Das schöne an dem IPA ist, dass es trotz der knapp sieben Prozent und seiner Trübung absolut gut trinkbar ohne jegliche Schwere ist. Es kommt nicht ganz so saftig daher, wie viele Vertreter dieses Bierstils. Heißt: Man könnte sich sogar eine zweite Dose aufmachen.