Brauer-Portrait: Maximilian Valentin – Vom Schreibtisch zum Sudkessel

Max Valentin (links) und Max Krieger (rechts)
Max Valentin (links) und Max Krieger (rechts)

Maximilian Valentin verspürte ziemlich früh die Neugier zum Bier. Schon als Kind wollte er wohl auf dem Münchner Oktoberfest am Maßkrug naschen. Sein Vater erlaubte es ihm aber erst, als er den Humpen auch wirklich heben konnte. Doch dauerte es noch einige Jahre, bis Valentin zum „Bier-Geburtshelfer“ wurde, so wie er sich selbst nennt. Der 36-Jährige kommt aus der Medienbranche und ist somit kein ausgebildeter Brauer.

Trotzdem schaffte er es zu seiner eigenen Marke, zu seinem eigenen Bier. Vor rund drei Jahren lernte Max Valentin den Braumeister Maximilian Krieger aus dem bayerischen Riedenburger Brauhaus kennen. Und gewann ihn für sein Projekt. Krieger ist derjenige, der für Valentin die erste und aktuellen Sorte „Isar Helles“ am Sudkessel verwirklicht. Wie das Bier schmeckt, und woher es seinen Namen hat, lest ihr hier.

  1. Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Ich lege Wert darauf, dass ich „Bier-Geburtshelfer“ bin! Ich helfe wo ich kann, gebe meinen Senf dazu und hab Hopfen wie Biertyp mitbestimmt. Aber Brauer ist Maximilian Krieger vom Riedenburger Brauhaus. Der Brau-Ruhm gebührt also einzig und allein ihm. Irgendwann hab ich Max kennengelernt und dann hat es gerade mal drei Jahre (!!!) gedauert bis ISAR geboren war.

 

  1. Wann haben Sie Ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Mein erstes Bier hab ich mit Max in `ner Braueule in `ner Ecke vom Sudhaus in Riedenburg gebraut. Ich fands super aber ich glaube, da hätte sonst was rauskommen können. Aber es kam sehr gut an.

  1. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

Natürlich wieder Max, is ja klar. Dem schau ich am meisten zu und ich liebe ihn für seine Liebe zum Produkt. Das hört er aber nicht gern. In New York konnte die Jungs von der Brooklyn Brewery besuchen und denen über die Schulter schauen. Da herrscht irgendwie `ne Wahnsinnsatmosphäre. Das schreit nach Kreativität und Freiheit. Zwei Dinge an die wir auch glauben.

  1. Welches Bier (außer den eigenen) würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen?

Das ist `ne schwere Frage, natürlich auf jeden Fall den Dolden Sud. Gerade in dieser Sekunde trink ich das Citra Sunshine Slacker von EVILTWIN. Das würde ich jetzt gerne mit meinem besten Freund trinken, weil zu zweit trinken immer mehr Spaß macht.

  1. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Es muss schmecken und Spaß machen. Für uns war noch Bio sehr wichtig, aber das ist unsere eigene Überzeugung, aber nicht unbedingt ein Kriterium für Craft-Bier. Über genaue Definitionen sollen sich andere Leuten die Köpfe zerbrechen. Ich steh nicht so auf Dogmen.

  1. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Saphir. Etwas unspektakulär aber gerade mag ich ihn sehr, auch wegen ISAR.

  1. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Christoph Schlingensief hätte ich gerne kennengelernt. Leider ist er zu früh gestorben, aber ich glaube das wäre ein großartiger Abend geworden und hätte in einem Abenteuer enden können. Oder mit Rocky Balboa zwischen Schweinehälften übers Leben reden, das wäre auch was gewesen. Ich glaub das Citra Sunshine Slacker ist jetzt alle…

Brauer-Portrait: Jan Brücklmeier – Vom Beruf zum Hobby und zurück

Jan Brücklmeier im Sudhaus
Jan Brücklmeier im Sudhaus

Jan Brücklmeier studierte zwar Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan. Aber nach einem Praktikum trieb es den heute 40-Jährigen Oberbayer in die Getränkeabfüllung und dann zum Anlagenbau in einem Lebensmittelunternehmen. In dieser Position war er weltweit unterwegs, lebte mal in der Schweiz, dann drei Jahre in den USA.

In Amerika kam die Leidenschaft zum Brauen zurück. Brücklmeier experimentierte mit Freunden und Nachbarn in der Garage. Wie er selber sagt, machte ihn diese Zeit „zum absoluten Hophead“. 2012 reiste er zurück nach Deutschland. Dort traf er seinen alten Kumpel Bernhard Sturm wieder. Sie stellten fest, dass beide auf Biere wie IPAs abfahren. Gemeinsam tüftelten sie Konzepte für eine Nebenerwerbsbrauerei aus. Auf der Braukunst Live lief Brücklmeier sein Studienfreund Philipp Frauendörfer über den Weg, der erzählte ihm, dass er kurz davor sei, eine Traditionsbrauerei in Traunstein, nähe des Chiemsees, zu übernehmen. Da passte plötzlich einiges zusammen. Die beiden Kumpel Jan und Bernhard zogen gleich mit ein, da Philipp neben herkömmlichen Suden zu brauen auch mit kreativen Bieren experimentieren wollte. Headless Brewing war geboren.

Die drei Oberbayern starteten vor kurzem mit dem Single Hop IPA „Indian Clipper“, das mit Centennial, „Cascadian Dark Ale“ und mit Cascade Hopfen aus Tettnan gebraut wurde. Als Highlight wollen die Brauer zweimal im Jahr ganz besondere Saisonal-Biere anbieten, die auch lagerfähig sind.

  1. Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Nachdem ich meine Schreinerlehre abgeschlossen und mein Abi auf der Berufsoberschule gemacht hatte, stand ich vor der Wahl, was ich studieren sollte. Nach dem Tag der offenen Tür in Weihenstephan und einigen Informationen zum Studium stand fest, das wollte ich machen. Fasziniert hat mich dabei der unglaubliche Facettenreichtum der Ausbildung und die Vielfalt des Lebensmittels Bier. Diese Faszination ist bis heute geblieben.

  1. Wann haben Sie Ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Ich hab Anfang der 1980er eines der legendären ACME Brown Ale Kit von meinem Bruder geschenkt bekommen. Das waren so fertig-gehopfte Malzextraktdosen, die man mit Wasser vermischen und dann aufkochen musste. Danach abkühlen, Hefe dazu und fertig. Das Ergebnis war eine Katastrophe, aber meine Neugierde war geweckt. Ich dachte ich hab was falsch gemacht, bis ich Jahre später ein Newcastle Brown Ale trank und feststellte, dass die lasche Karbonisierung und der Geschmack so gewollt sind.

  1. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

Am meisten prägte mich sicherlich mein dreijähriger Aufenthalt in den USA. Dort bin ich mit der sehr aktiven Craft-Bier-Szene in Berührung gekommen. Eines der am meisten inspirierenden Brauereien war für mich Founder’s aus Grand Rapids.

  1. Welches Bier (außer den eigenen) würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen?

Founder’s Centennial IPA und Augustiner Hell, Hauptsache Abwechslung.

  1. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Es muss schmecken. Das ist das Wichtigste.

  1. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Centennial! Über den wurde mal gesagt: „A celebration of the gods in a medium compact cone form.“ Aber auch Amarillo und Simcoe gefallen mir. Im Allgemeinen gilt aber für mich das Gleiche wie beim Bier, ich mag die Abwechslung.

  1. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Ich weiß nicht ob er überhaupt Alkohol getrunken hat, aber mit Mahatma Gandhi würde ich mal gerne ein IPA trinken. Seine Gelassenheit, das Chaos dieser Welt zu ertragen und dabei ruhig zu bleiben, fasziniert mich.

Aber im Großen und Ganzen stoße ich auch sehr gerne mit guten Freunden und meiner Frau an, denn die erträgt das Chaos, das ich so verbreite ebenfalls sehr gelassen und bleibt dabei auch meistens ruhig.

Das Headless Brewing Team
Das Headless Brewing Team

Brauer Portrait: Daniel Jakob von Wampenbräu – Vom IT-Experten zum Craft-Bierprofi

Brauer bei Wampenbräu: Daniel Jakob
Brauer bei Wampenbräu: Daniel Jakob

Daniel Jakob hatte ursprünglich nicht besonders viel mit Bierbrauen zu tun. Während seine Kumpels alle sechs Monate mit verschiedenen Bierstilen experimentierten, schuftete der 30-Jährige als IT’ler im Büro. Schließlich holten ihn seine Freunde vor etwa fünf Jahren mit an den Kessel. Schon mit der ersten Kreation kam Begeisterung auf. Und schon war der gebürtige Bayer Mitglied der heutigen „Wampenbräu“-Truppe. Allerdings liefen die ersten Brauversuche anfangs nur in der Hobby-Brauszene ab.

Schließlich probierten immer mehr Freunde und Bekannte die Biere der vier Hobbybrauer, die alle aus der Region Bad Tölz kommen. Die Nachfrage und das Lob nahmen wohl ziemlich schnell zu. So entschieden sie, ihre Marke „Wampenbräu“ publik zu machen. Seit knapp einem Jahr können Craft-Bier-Fans die Sorten nun ganz offiziell kaufen.

Aber die Passion zum Bier reicht bei Daniel Jakob noch weiter. Seit einigen Jahren betreibt er auch ein Blog zum Thema, um seine Meinung mit anderen Bier-Freaks zu teilen.

 

  1. Was ist passiert, damit Du Dich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Nun, noch habe ich mich ja nicht für den Brauerberuf entschieden. Derzeit ist es ein Hobby bzw. ein Nebenerwerb, der mir allerdings viel Spaß macht und zu dem ich eigentlich aus purem Interesse am Lebens-/Genussmittel „Bier“ gekommen bin.

Natürlich war auch die etwas eintönige Bierauswahl in der Region Schuld daran, dass ich einfach mal Dinge selbst bzw. anders machen wollte und da ergriff ich die Gelegenheit, mit drei Freunden hobbymäßig Bier zu brauen, gerade Recht – das ist jetzt etwa 5 Jahre her.


  1. Wann habt Ihr Euer erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Da die drei bereits vor mir gebraut haben, war das erste Bier für mich zwar sehr besonders, ein großes Risiko gab es allerdings nicht. Ich glaube, das war ein Weißbierbock der durchaus lecker und vor allem stark bananig wurde.

 

  1. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Dich am meisten inspiriert?

 

Eigentlich waren es mehr die Vertreter bestimmter Bierstile als Brauer oder Brauereien die mich beeinflusst haben. Gerade beim anderen Hobby, dem bloggen übers Bier, habe ich in den letzten Jahren ja durchaus das ein oder andere Schmankerl in den Händen gehabt, bei dem ich das Überlegen angefangen habe. Das Müller-Schoppe Oaris zum Beispiel, das Comet IPA von Hopfenstopfer oder das Old Foghorn von Anchor waren solche Biere, die ich gerne mal in der Form bzw. leicht verändert brauen würde.

 

  1. Welches Bier (außer dem eigenen) würdest Du Deinem besten Freund empfehlen?

 

Schwer zu sagen – die Auswahl an wirklich guten Bieren ist ja nicht gerade klein. Vielleicht würde ich ihm einen dunklen Weizenbock der Camba Bavaria geben oder einen Eiche Doppelbock von Schlenkerla – vielleicht auch ein Westvleteren 12. Vermutlich würde ich da aber der Einfachheit halber auf meine Bestenliste im Blog verweisen.

 

  1. Was sind Deine Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

 

Wissen und Leidenschaft. Es spielt in meinen Augen keine Rolle, ob das Bier mit einem Holzpaddel per Hand umgerührt wird oder von hochmodernen Anlagen gebraut wird. Solange die Brauer mit Leidenschaft und Interesse dahinter stehen und das Bier nach ihren Vorstellungen und nicht nach dem Interesse des Markts gebraut wird, ist das für mich Craftbeer. Wenn sie dann noch regional verwurzelt sind und sich auch in der Nachbarschaft/Gemeinde einsetzen, ist das kleine Idealszenario perfekt.

 

  1. Was sind Deine Lieblings-Hopfensorten?

 

Wieder eine eigentlich schwere Frage. Ich mag den Polaris recht gerne, da ich ihn als flexibel aber nicht sehr einfach zu handhaben empfinde. Galaxy mag ich aufgrund seiner Aromatik auch sehr gerne, ebenso wie Amarillo und Sorachi Ace. Aber auch der guten, alten Perle kann ich einiges abgewinnen.

 

  1. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

 

Ach, eigentlich gibt es da gar keine. Ich mache mir aus großen Namen nicht viel. Ich würde am liebsten mit allen Craftbeer-Liebhabern eine große Party mit viel gutem Bier am Start machen und dann mit allen anstoßen.

Brauer Portrait: Markus Fohr –Bierdoktor mit 300-jähriger Geschichte

Markus Fohr - Lahnsteiner Brauerei
Markus Fohr – Lahnsteiner Brauerei

„Bier braucht eine Geschichte“, sagt Markus Fohr, Braumeister der Lahnsteiner Brauerei im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Und die kann er mit seiner Braustätte definitiv vorweisen. Sie schmückt sich mit einer mehr als 300-jährigen Tradition. Seit 1667 zählt seine Familie die heiligen Hallen an der Lahn-Mündung als ihr Eigentum. Mittlerweile führt Markus Fohr das Unternehmen in zehnter Generation.

Von klein auf lernte der heute 45-Jährige bereits was sich in den Sudkesseln alles abspielt. Markus Fohr studierte und promovierte Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan. Das können wohl nur die wenigsten deutschen Bierproduzenten von sich behaupten. Zudem ist der Braumeister auch noch Biersommelier und Bierjournalist. Zwei Bücher brachte er bereits auf den Markt.

Neben rund 14 Bier-Spezialitäten bietet Markus Fohr seinen Gästen in der Lahnsteiner Brauerei auch noch andere Köstlichkeiten zum probieren: Bierbrand, der aus 100 Prozent Lahnsteiner Pils destilliert ist, Hopfenlikör und Hopfentee sowie knuspriges Knabbermalz.

Wenn sich der Rheinländer nicht gerade mit Bier beschäftigt, dann ist er mit seinem Motorrad oder mit Laufschuhen unterwegs – etwa beim Marathon „Ultratrail du Mont-Blanc“.

 

1. Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Die Antwort liefert mein Stammbaum. Im Jahre 1667 – möglicherweise auch noch früher – erwarb mein Ur-Ur-…-Urgroßvater Jakob Fohr das Braurecht, das unsere Familie seither vom Vater zum Sohn bis heute zu mir in die zehnte Generation weiter gereicht hat. Damit hat mich das Bierbrauen von der Wiege an begleitet. Je mehr Bierbrauer und ihre Biere ich kennenlernen durfte, desto mehr hat mich das Bier begeistert, so dass ich mich dann entschlossen habe ein Brauerleben zu leben. Bereut habe ich es nie.

 

2. Wann haben Sie Ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Genau kann ich mich nicht erinnern. Martin Seil, damals Braumeister bei meinem Vater, hat mir gezeigt wie man einen Sud braut und mir gleich so „auf die Finger geschaut“, dass es nur perfekt werden konnte.

 

3. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

Zum einen die eigene Brauerei und meine Vorfahren. Seit 1667 haben sie unsere Brauerei erfolgreich durch Seuchen, Hungersnöte, Weltkriege und Weltwirtschaftskrisen geführt. Dieses Bewusstsein gibt einem oft viel Zuversicht, den Alltag und die aktuellen Aufgaben meistern zu können. Natürlich gab´s auch viele andere. Sicherlich die größte Inspiration hat mir nicht eine einzelne Brauerei oder ein einzelner Bierbrauer verliehen, sondern die Ausbildung zum Biersommelier.

 

4. Welches Bier (außer den eigenen) würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen?

Meine Empfehlung ist jedes Bier zu probieren, das man noch nicht probiert hat, und sich auch einmal auf Etwas einzulassen. Die Welt ist größer als wir alle denken.

 

5. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Das Bier und der Brauer dahinter brauchen Charakter. Der Brauer sollte ein richtiger und unabhängiger Brauer sein und keiner, der von einem Konzern gelenkt wird. Das Bier sollte handwerklich gebraut sein und sich durch seine Rohstoffe, sein Brau- oder Reifeverfahren vom Rest der Welt differenzieren. Wenn Rohstoffe außer Wasser, Hopfen, Malz und Hefe zum Einsatz kommen, dann sollten diese natürlich sein und dem Geist des Reinheitsgebots folgen. Und zuletzt: Ein Bier braucht auch eine Geschichte. Diese kann historisch sein, regional oder persönlich, es muss aber eine da sein.

 

6. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Vielleicht die, die in Zukunft noch kommen. Im Moment schwärme ich für den deutschen Cascade.

 

7. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Mit Michael Schumacher. Zum einen wäre er dann wieder gesund. Zum anderen begeistert es mich an diesem Menschen, dass man sowohl erfolgreich als auch bodenständig sein kann, dass man weltberühmt sein und trotzdem sein Privatleben schützen kann.

Brauer Portrait: Seppi Sigl – Kreativer Hophead aus Österreich

Seppi Sigl auf dem Trumer Hopfenfest
Seppi Sigl auf dem Trumer Hopfenfest

Schon früh entdeckte Seppi Sigl von der Trumer Privatbrauerei aus Obertrum bei Salzburg seine Leidenschaft für Bier. Mit 16 Jahren braute er bereits seine erste Kreation. Kein Wunder, ihm wurde die Braukunst schon in die Wiege gelegt bei über 200 Jahren Brauereigeschichte der Familie Sigl. Mittlerweile arbeitet der 31-Jährige Brauereichef der österreichischen Kreativstätte in achter Generation. Dort stellt Sigl mit rund 45 Mitarbeitern sieben Biersorten her. Am bekanntesten ist wohl das Trumer Pils, das schon häufig mit internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Heute gilt die Trumer Brauerei als eine der innovativsten in Österreich. Seit Ende 2012 ist das Haus Trumer Mitglied von „slowbrewing“, ein Verein für „das Brauen mit Zeit für Geschmack“. Seppi Sigl gehört aber auch seit vergangenem Jahr auch zu den österreichischen „CulturBrauern“. Ein Zusammenschluss von neun Familien- und Traditionsbrauereien, dessen Ziel es ist, „die Biervielfalt mit individuellen Produkten zu beleben und das Wissen über das Handwerk des Bierbrauens weiterzugeben“.

 

1.    Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Naja, wenn man in einem Familienunternehmen aufwächst, bekommt man schon sehr früh mit, was es heißt mit Leidenschaft und Überzeugung gutes Bier zu produzieren. Als Jugendlicher hinterfragt man dann vielleicht ob man das will oder andere Ideen hat. Ich sehe es für mich als eine unglaublich tolle Aufgabe in diesen Zeiten die Veränderung der Wertschätzung für gutes Bier mitzugestalten.

 
2. Wann haben Sie Ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Mit einer Gruppe mit Familie und Freunden in der Creativbrauerei (jetzt Kiesbye’s Bierkulturhaus)- da war ich ungefähr sechzehn. Soweit ich mich erinnern kann, hat es ausgezeichnet geschmeckt, klar! 😉

3. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

In Österreich haben wir den Zusammenschluss der CulturBrauer mit neun österreichischen Privatbrauereien. Hier gibt es tolle Brauereien und einen intensiven Gedankenaustausch, was mich sehr inspiriert. Aber natürlich auch die Amerikaner, Italiener und einige deutsche Brauer.

4. Welches Bier (außer den eigenen) würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen?

Uuh schwierig – da gibt es einige… Dead Pony Club (Brewdog) trinke ich gerade sehr gern. Oder auf der BraukunstLive hab ich ein Helles Single-Hopped von „Kraftbräu“ aus Trier verkostet –auch hervorragend.

5. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Der Begriff Craft-Bier wird meiner Meinung derzeit eigentlich etwas falsch besetzt aber wahrscheinlich braucht es das aktuell um den Konsumenten Orientierung zu geben. Wir dürfen aber als leidenschaftliche Brauer mit langjähriger Tradition nicht vergessen, dass unsere „normalen“ Sorten auch Craft-Biere sind! Unser Trumer Pils zum Beispiel ist ein 100 Prozent Craft Bier (z.B. in Berkeley/Kalifornien zählt Trumer absolut als Craft). Mit mehr Leidenschaft und Qualitätsüberzeugung (offene Gärung, lange Reifezeiten, Naturhopfen) kann man ein Pils eigentlich nicht brauen. Letztendlich zählt für mich nur eines: mit welcher Grundüberzeugung und mit welcher Leidenschaft Bier gebraut wird. Aber eines ist für mich auch klar, gutes Craft-Bier muss Finesse haben und richtig ausbalanciert sein.

 
6. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Wir haben bei unserem Trumer Hopfenspiel erstmals Triskel im Einsatz, eine französische Sorte mit sehr feinem Aroma – find ich minzig – phantastisch. Aber natürlich auch viele andere: Hauptsache Hopfen.

 
7. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Es gibt sehr viele Menschen mit denen ich gerne anstoße und über gutes Bier und die Wertschätzung für gute Lebensmittel philosophieren möchte – berühmt müssen diese aber nicht sein.

Brauer-Portrait: Georg Rittmayer – Vom Großvater mit Virus „Bier“ infiziert

Georg Rittmayer aus Oberfranken
Georg Rittmayer aus Oberfranken

Die Brauerei Rittmayer ist mit fast 600 Jahren Geschichte eine der ältesten Brauereien im Forchheimer Land im südlichen Oberfranken. Das frühere gräfliche Brauhaus steht heute unter der Leitung von Georg Rittmayer. Unter seiner Regie entwickelte sich das Familienunternehmen mit einem Ausstoß von rund 35.000 Hektolitern zu einem Anbieter von ungewöhnlichen Bierspezialitäten. 15 Sorten sowie wechselnde Saisonbiere und Spezialitäten hat der 49-Jährige Oberfranke im Sortiment. Unter Insidern gilt er als Experte für cremige Weizenbockbiere. Berühmt ist sein Winterweizenbock mit Noten von reifen Früchten von Aprikose, Melone, Pfirsich und Banane. Fernab aller modernen Strömungen mit Hopfen aus Neuseeland, Australien oder aus dem Yakima Valley, braut er am liebsten mit dem „grünen Gold“ aus Tettnang.

 

1. Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Unsere Brauerei ist bereits seit 1422 in Familienbesitz. So bin ich bereits als kleiner Junge Tagtäglich in der Brauerei gewesen. Den Virus „Bier“ hat mir mein Großvater mit fünf Jahren beigebracht. Ich durfte jeden Abend beim Brotzeit machen einmal von seinem Bier trinken – das der Schluck im Laufe der Zeit immer Größer wurde kann man sich vorstellen.

Ich verbrachte sehr viel zeit mit meinen Großvater in der Brauerei. Von Ihm habe ich auch so manchen Brauereitricks, die durch die Technisierung unseres Berufes in Vergessenheit geraten sind, gelernt. So kam es, dass ich außer Fußballprofi oder Bierbrauer keinen anderen Berufswunsch hatte. Da Fußballer fast kein Bier trinken bin ich dann Brauer geworden.

 

2. Wann haben Sie Ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Meinen ersten Sud habe ich unter Anleitung meines Großvaters bereits im Alter von 12 Jahren gemacht. Das erste eigene Bier habe ich mit 16 entwickelt. Verkaufte es allerdings als Festbier in unserem Bierkeller, weil es doch zu stark war…

 

3. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

Da gibt es einige. Klar, erst mein Großvater, mein Lehrbraumeister Rudi Fritsche und natürlich dürfen Lorenz Göbel und Heiner Fischer nicht fehlen. Aus der Neuzeit kenne ich auch Drei die ich als Braugötter bezeichne: Eric Toft, Torsten Jauch und Michael Stotz. Jeder einzelne davon hat mich sehr in meinen Brauerleben beeinflusst.

 

4. Welches Bier (außer den eigenen) würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen?

Das von Hubert Wagner (Wagner Bräu) aus Kemmern.

5. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Wir haben 15 Sorten und die Kraft-Biere (bewusst so geschrieben). Meine Biere gibt es nicht immer. Gerade die Kraft-Biere sind von der Jahreszeit und von meiner Laune abhängig.

6. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Tettnanger.

 

7. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Mit Eric Toft und Michael Stotz . Mit beiden kann man herrlich über Bier sprechen

 

Brauer-Portrait: Sebastian Sauer – Freigeist im deutschen Craft-Bier-Himmel

Foto: Sebastian Sauer
Foto: Sebastian Sauer

Sebastian Sauer ist zwar kein ausgebildeter Brauer, aber verantwortlich für individuelle Projekte wie „Freigeist Bierkultur“ und „The Monarchy“, die helfen die Craft-Bier-Szene kräftig anzuschieben. Gebraut werden die innovativen Biere in der „Braustelle“ in Köln. Dabei geht es um alte, fast vergessen Stile, die der 26-Jährige nach eigenen Ideen modernisiert. Eines dieser vergessenen Gattungen ist beispielsweise das Lichtenhainer, das bei ihm „Abraxxxas“ heißt. Ein Bier, verwandt mit der Berliner Weisse, das sauer und besonders erfrischend ist – ähnlich einer belgischen Gose. Mit seinen ausgefallenen Projekten ist Sauer einer von wenigen Brauern der deutschen Craft-Szene, der auch in den USA gefeiert wird. Dort hält er sogar Seminare über die deutsche Brauerei-Kultur.

Besonderen Wert legt Sebastian Sauer darauf, mit internationalen Braustätten wie Brewfist oder Birrificio Endorama aus Italien spannende Kooperationen einzugehen. Dann steht auch er tatkräftig mit an den Kesseln.

 

1. Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Erst einmal bin ich kein gelernter Brauer, aber von mir stammen die meisten Ideen der beiden Projekte in denen ich arbeite: Freigeist Bierkultur (mit Peter Esser) und The Monarchy (mit Fritz Wülfing). Bei der Rezepterstellung bin ich zwar dabei, aber nur bei Kollaborationsbieren, vor allem im Ausland, selbst mit Brauen beschäftigt.

 

2. Wann haben Sie ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Unser erstes gemeinsames Bier mit Freigeist Bierkultur war das Abraxxxas in 2009. Es handelt sich hierbei um eine moderne Interpretation eines sogenannten Lichtenhainers, also einem säuerlichen Weißbier mit Rauchmalz gebraut. Es war und ist immer noch großartig.

 

3. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

Vor allem in meiner Anfangszeit haben mich Brauereien bzw. Projekte wie Mikkeller, De Molen und viele amerikanische Brauereien wie zum Beispiel Jolly Pumpkin am meisten inspiriert. Das lag an den vollkommen anders ausgerichteten Bieren, der Präsentation der Brauereien sowie die damit verbundene Begeisterung.

 

4. Welches Bier (außer den eigenen) würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen?

Da gibt es ganz viele und da kommt es auch auf die Verfügbarkeit der Sorten an, abgesehen davon dass meine besten Freunde die Biere schon kennen…. Grundsätzlich empfehle ich aber sehr gerne eine große und unterschiedliche Vielfalt, also z.B. die Biere von Närke aus Schweden, Pizza Port aus Kalifornien und 3 Floyds aus Indiana, weil mich diese Brauereien fast immer mit interessanten, sehr gut gelungenen und trinkbaren Bieren überzeugen.

 

5. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Ich bin kein Fan der Bezeichnung „Craft-Bier“, deshalb charakterisiere ich richtig gute Biere für mich so: In vielen Bierstilen ist die Balance und z.B. eine Trockenheit im Abgang sehr wichtig um eine hohe Süffigkeit zu erzielen. Zusätzlich habe ich immer gerne einen Spannungseffekt, der mich dazu verleitet, das Bierglas erst gar nicht wieder abzusetzen, sondern gleich den nächsten Schluck zu tätigen. Es gibt aber auch gute, nicht ausbalancierte Biere, die durch ihren extremen Charakter überzeugen.

 

6. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Kommt auf den Bierstil an. Ich mag Saphir und Nelson Sauvin sehr gerne, aber auch viele klassische Sorten wie Saaz und Perle.

 

7. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Mit Helmut Schmidt, denn dann hätte ich Rauch in der Nase, selbst wenn ich kein Rauchbier vor mir hätte. Aus meiner Sicht ist er eine große Persönlichkeit mit so viel Charisma und Wissen, dass ich ihn gerne einmal im Vieraugengespräch erleben würde. Wenn er mal zur Braustelle kommen sollte, dann dürfte er auch als Einziger rauchen!

Brauer-Portrait: Malte Feldmann – vom Rauchbier zum „Wildhopferl“

Malte Feldmann - Braumeister bei Lichtenthaler Bräu
Malte Feldmann – Braumeister bei Lichtenthaler Bräu

Malte Feldmann liebt den besonderen Geschmack. Während seines Studiums der Getränketechnologie in Ostwestfalen-Lippe (OWL) im Nordosten von Nordrhein-Westfalen braute er sein erstes Bier – ein Rauchbier. Begeistert von dem dunklen Sud, ließ er seine Freunde probieren, die nicht gerade in Jubelstürme ausbrachen.

Nach seiner Studienzeit trieb es den heute 27-Jährigen nach Wien. Dort experimentiert er seit 2012 an einem Kessel mitten im Speiseraum des Brauhauses „Lichtenthaler Bräu“. Der umtriebige Braumeister kreiert neben herkömmlichen Hellen auch English Bitter, Porter, India Pale Ales oder Stouts. Vor zwei Jahren mischte Malte Feldmann sogar wild wachsendem Hopfen in den Sud, den er im österreichischen Heiligenstadt und auf der Wiener Donauinsel entdeckte. Das Ergebnis: Ein Bier namens „Wildhopferl“, mit dem er die Gäste des Brauhauses begeisterte.

 

1. Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Ich bin durch das Studium der Getränketechnologie an der HS OWL in Lemgo zum Bierbrauen gekommen. Eine klassische Lehre habe ich nicht gemacht. Kochen und Essen ist schon von Kind an in mir verankert. Mittlerweile braue ich – das ist ja auch eine Art Kochen.

 

2. Wann haben Sie Ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das erste Bier das ich gebraut habe, war ein Rauchbier. Die Bamberger haben es mir angetan, waren aber in Ostwestfalen nur schwer zu bekommen. Das Ergebnis war super – fand ich – die meisten meiner Freunde empfanden den Rauch eher als Zumutung.

 

3. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

Sicher Schlenkerla mit ihrem Rauchmärzen. Mein erstes IPA-Erlebnis hatte ich auf einer Exkursion in Bamberg. In der Weyermanns-Versuchsbrauerei wurde mein Interesse an Cascade Hopfen geweckt.

 

4. Welches Bier (außer den eigenen) würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen?

Das Nicobar IPA von Gusswerk, das Rochefort 10 und außerdem den Biertyp „Saison“.

 

5. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Rohstoffe müssen nicht teuer sein, aber gut ausgewählt! Neues ausprobieren ist immer erstrebenswert, aber traditionelle Methoden und Rohstoffe sollte man niemals vergessen. Filtration halte ich bei den meisten Bierstilen für unnötig oder gar qualitätsmindernd und Stabilisierung ist für mich ein no-go – erst recht bei Craft Bier!

 

6. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Das kommt natürlich auf das Bier an, aber sehr gerne nehme ich Magnum (grandios in Kombination mit Topaz), East Kent Golding, Spalter Select, Chinook, Sladek, Millenium

 

7. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Mit Garrett Oliver. Die Biere aus Brooklyn sind zwar nicht ganz mein Fall, aber ihm zuhören beim Schwärmen über „real beer with real food“ würde ich sehr gern mal.

Brauer Portrait: Markus Hoppe – „Vogelwuid“ von Mauritius bis zum Tegernsee

Markus Hoppe-  Hoppe Bräu
Markus Hoppe- Hoppe Bräu

Seine Bierkarriere begann knapp 9000 Kilometer entfernt von seiner bayerischen Heimat Waakirchen am Tegernsee. Mit Anfang 20 zog er eine Gasthausbrauerei auf der Urlaubsinsel Mauritius hoch. Nach seiner Ausbildung zum Brauer und Mälzer in der Schlossbrauerei Maxlrain im gleichnamigen Örtchen wollte der 24-Jährige sowieso erst einmal ins Ausland. Fast unterschrieb er einen Vertrag für eine schottische Brauerei, als sein Kollege ihm sagte, er habe etwas Besseres für ihn. Die Firma „Johann Albrecht Brautechnik“ baut für Kunden weltweit Brauhäuser. Zum Service gehört, dass kompetente Brauer mitgeschickt werden, um die Bierstätte mit hochziehen.

Markus Hoppe zögerte nicht und setzte seinen Namen auf das Blatt. Im Juni vor zwei Jahren war es dann soweit. Die erste Gasthaus-Brauerei „Flying Dodo“ eröffnete auf der Insel im indischen Ozean in den Bergen oberhalb von Port Louis. Zurück in der Heimat widmet er sich nun nur noch seiner eigenen Marke „Hoppe Bräu“, die mit dem „Wuiden Hund“ oder dem „Vogelwuid IPA“ in der Craft-Szene bereits angekommen sind. Genießer dürfen sich auf weitere bayerische Spezialitäten freuen.

 

1. Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Brauer war seit ich 13 Jahre alt war der Berufswunwsch für mich. Allerdings wurde mir das durch die Schule ausgetrieben und nach dem Fachabitur hieß es Studium. Kurz bevor das aber los ging traf ich einen befreundeten Braumeister und dieser fragte: „Warum machst denn des jetzt? Des baasd doch garned zu dir!“. Und somit habe ich mich dann doch anders entschieden und die Lehre zum Brauer und Mälzer angegangen.

 

2. Wann haben Sie Ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das erste Bier, das ich komplett selbst gebraut habe war ein Märzen in der Garage meiner Eltern am 11.01.2010 und es hat erstaunlich gut geschmeckt. Kurz darauf habe ich gleich noch ein Bier gebraut, ein Helles, doch das war leider nicht zu trinken.

 

3. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

Früher waren es nicht die Brauer die mich inspiriert haben, es waren die kleinen Brauereien am Alpenrand. Jetzt wo ich mehr und mehr Einblick in die sogenannte „Craft-Beer-Szene“ bekomme, begeistern mich nun doch so einige Brauer, zum Beispiel die Biere von der Kehrwieder Kreativbrauerei. Schoppe Bräu Berlin und auch klassische Brauereien wie Maxlrain oder die Klosterbrauerei Reutberg kreieren Feines. Auch bayrisches Bier kann Craft sein. Dieser Begriff ist für mich ohnehin nicht einfach auszulegen. Ein schönes Helles oder ein Weißbier, gefolgt von einem Pale Ale, IPA oder Stout. Das ist das Schöne. Die Vielfalt.

 

4. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

An einem guten Craft Bier darf nicht an den Rohstoffen und der Qualität gespart werden. Viel Malz, unterschiedliche Malzsorten, viele besondere Hopfen, die Liebe zum Produkt, ein Gesicht zum Produkt, Kreativität, Verrücktes, vielleicht auch Wahnsinniges und in aller erster Linie der Spaß und das Lebensgefühl. Das ist es, was es ausmacht. Bier ist nicht nur ein Getränk mit Alkohol, wir Brauer verkaufen nicht nur Geschmack, wir verkaufen ein Lebensgefühl.

 

5. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Magnum, Heersbrucker, deutscher Cascade, Citra, Amarillo

 

6. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Ich brauche keine prominente Person zum Anstoßen. Jeder, der für ein gutes Gespräch zu haben ist oder sich anstecken lässt von der Begeisterung die ich zum Produkt habe ist passend. Wenn ich aber antworten muss, dann wäre es wohl Richard Branson. Mit dem würde ich dann gleich auf die Virgin Inseln fliegen und Surfen gehen.

 

Hoppe Bräu
Hoppe Bräu

Brauer Portrait: Johannes Kugler – Von Omas Einmachtopf zur eigenen Brauerei

Brew Age
Brew Age

Johannes Kugler ist Gypsy-Brewer. Mit seinen Kumpels Michael Mauer, Raphael Schöer und Thomas Mauer strebt er aber kräftig das Ziel einer eigenen Brauerei an. Die vier Bier-Enthusiasten, die alle ihr individuelles Wissen von Marketing bis Brauen in das Projekt integrieren, wollen unter ihrem Label „Brew Age“ außergewöhnliche Biere mit besonderen Geschmäckern für Genießer kreieren. Den Anfang machten sie vor wenigen Monaten mit einem dreifachgehopften Pale Ale (Citra, Chinook und Centennial) und einem Wiener Lager.

Für Johannes Kugler begann seine Liebe zum Bier im Heizraum des Elternhauses. Dort experimentierte er mit einem 20 Liter Einkochtopf der Oma und versuchte sich an seinem ersten Sud. Aber zuerst studierte der 26-Jährige Technische Physik in Wien, bis ihn seine Leidenschaft einholte und er an die TU nach Weihenstephan wechselte um sich ganz dem Brauwesen und der Getränketechnologie zu widmen. Das Highlight seiner Ausbildung war sein Praktikum in der kalifornischen Firestone Walker Brewing Company, wo er die ganze Welt moderner Craft-Biere kennenlernte. Dort nahm er Erfahrungen und Wissen über Dryhopping und Holzfasslagerung mit, die er und seine Kollegen künftig auch in ihren Brew Age-Spezialitäten umsetzen wollen.

 

1. Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Angefangen hat alles 2006 als Hobbybrauer. Man spielt ja immer mal wieder mit dem Gedanken, sein Hobby zum Beruf zu machen und so kam der Wunsch nach einer eigenen (gewerblichen) Kleinbrauerei Ende 2007 auf. Zu der Zeit begann ich gerade in Wien Technische Physik zu studieren. Während des Studiums wurde fast jedes Wochenende ein Sud gebraut. Da war schnell klar, dass die Physik zwar interessant ist, aber die Leidenschaft fürs Brauen war dann doch größer. Inspiriert durch meinen Kollegen Tom, der jetzt auch bei Brew Age mit im Boot sitzt, wagte ich den Studienwechsel an die TU München nach Weihenstephan um Brauwesen und Getränketechnologie zu studieren. Der Gedanke an die eigene Brauerei wurde nie ganz verworfen und vor zwei Jahren erneut aufgegriffen. Mit der Unterstützung von Tom, Raphi und Michael wurde ein Konzept erarbeitet und heraus kam Brew Age.

 

2. Wann haben Sie Ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Mein erstes Bier habe ich 2006 gebraut. Im Heizraum des Elternhauses habe ich im 20l Maßstab mit einfachsten Mitteln begonnen, Bier herzustellen. Gleich von Beginn an wurde mit allerlei Zutaten und Brauverfahren experimentiert. So war das erste Bier ein Honigbier. Geschmeckt hat‘s für den ersten Versuch überraschend gut. Und damit war die Motivation für weitere Kreationen gegeben. Die ersten Sude waren u. a. ein Steinbier, ein Holunderblütenbier, ein Pfefferminzbier, aber auch Weizen und Pils waren mal dabei. Die Brauanlage wurde ständig verbessert, die Kapazitäten erweitert und so nahm ich bald den Großteil des elterlichen Kellers in Beschlag.

 

3. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

Unter den österreichischen Brauern war das bestimmt Jens Luckart, damals bei der Brauerei Hofstetten tätig. Auf dem Heimweg von Weihenstephan nach Wien habe ich regelmäßig den kleinen Umweg über St. Martin im Mühlkreis gemacht. Dann tauschten wir uns aus und verkosteten neue Kreationen. Gerade zu Studienbeginn, wenn auf dem Lehrplan die Grundlagen wie Mathe, Chemie oder BWL standen, hat er mich immer wieder motiviert.

Sehr prägende Erfahrungen habe ich bei der Firestone Walker Brewing Company gemacht. Ich hatte das große Glück letztes Jahr dort ein Praktikum absolvieren zu dürfen. Mich hat die große Leidenschaft, mit der jeder dort täglich am Arbeiten ist, beeindruckt. Eine derartige Selbstverständlichkeit alles zu tun, um das bestmögliche Bier zu brauen, habe ich noch selten gesehen.

 

4. Welches Bier (außer den eigenen) würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen?

Ich würde ihm eines empfehlen, das er noch nie getrunken hat. Denn nur durchs Probieren lernt man Neues kennen und entwickelt seine eigenen Vorstellungen von einem perfekten Bier. Jedoch würde ich mir die Freiheit nehmen, ihm vor dem einen oder anderen Fehltritt zu bewahren.

 

5. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Es muss frisch sein (Starkbiere ausgenommen). Es muss Ecken und Kanten haben und somit die Handschrift des Brauers tragen. Es sollte naturbelassen sein. Also unfiltriert, nicht stabilisiert oder pasteurisiert sein. Idealerweise kenne ich den Brauer und weiß, wie und wo es hergestellt wird. Schmecken sollte es selbstverständlich auch. Und es muss nicht immer extrem sein. Ein gutes, hopfig-herbes Pils tuts manchmal genauso.

 

6. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Europa: Tettnanger, Hallertauer Mittelfrüher

USA: Citra, Chinnok

 

7. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Da gibt es wohl einige. Seien es irgendwelche Präsidenten, Musiker oder andere bekannte Brauer. Aber die Frage die mich mehr interessiert ist: Welche berühmten Personen würden einmal gerne mit mir auf ein Bier anstoßen? 😉