Brauer Portrait: Markus Fohr –Bierdoktor mit 300-jähriger Geschichte

Markus Fohr - Lahnsteiner Brauerei
Markus Fohr – Lahnsteiner Brauerei

„Bier braucht eine Geschichte“, sagt Markus Fohr, Braumeister der Lahnsteiner Brauerei im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Und die kann er mit seiner Braustätte definitiv vorweisen. Sie schmückt sich mit einer mehr als 300-jährigen Tradition. Seit 1667 zählt seine Familie die heiligen Hallen an der Lahn-Mündung als ihr Eigentum. Mittlerweile führt Markus Fohr das Unternehmen in zehnter Generation.

Von klein auf lernte der heute 45-Jährige bereits was sich in den Sudkesseln alles abspielt. Markus Fohr studierte und promovierte Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan. Das können wohl nur die wenigsten deutschen Bierproduzenten von sich behaupten. Zudem ist der Braumeister auch noch Biersommelier und Bierjournalist. Zwei Bücher brachte er bereits auf den Markt.

Neben rund 14 Bier-Spezialitäten bietet Markus Fohr seinen Gästen in der Lahnsteiner Brauerei auch noch andere Köstlichkeiten zum probieren: Bierbrand, der aus 100 Prozent Lahnsteiner Pils destilliert ist, Hopfenlikör und Hopfentee sowie knuspriges Knabbermalz.

Wenn sich der Rheinländer nicht gerade mit Bier beschäftigt, dann ist er mit seinem Motorrad oder mit Laufschuhen unterwegs – etwa beim Marathon „Ultratrail du Mont-Blanc“.

 

1. Was ist passiert, damit Sie sich für den Brauer-Beruf entschieden haben?

Die Antwort liefert mein Stammbaum. Im Jahre 1667 – möglicherweise auch noch früher – erwarb mein Ur-Ur-…-Urgroßvater Jakob Fohr das Braurecht, das unsere Familie seither vom Vater zum Sohn bis heute zu mir in die zehnte Generation weiter gereicht hat. Damit hat mich das Bierbrauen von der Wiege an begleitet. Je mehr Bierbrauer und ihre Biere ich kennenlernen durfte, desto mehr hat mich das Bier begeistert, so dass ich mich dann entschlossen habe ein Brauerleben zu leben. Bereut habe ich es nie.

 

2. Wann haben Sie Ihr erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Genau kann ich mich nicht erinnern. Martin Seil, damals Braumeister bei meinem Vater, hat mir gezeigt wie man einen Sud braut und mir gleich so „auf die Finger geschaut“, dass es nur perfekt werden konnte.

 

3. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Sie am meisten inspiriert?

Zum einen die eigene Brauerei und meine Vorfahren. Seit 1667 haben sie unsere Brauerei erfolgreich durch Seuchen, Hungersnöte, Weltkriege und Weltwirtschaftskrisen geführt. Dieses Bewusstsein gibt einem oft viel Zuversicht, den Alltag und die aktuellen Aufgaben meistern zu können. Natürlich gab´s auch viele andere. Sicherlich die größte Inspiration hat mir nicht eine einzelne Brauerei oder ein einzelner Bierbrauer verliehen, sondern die Ausbildung zum Biersommelier.

 

4. Welches Bier (außer den eigenen) würden Sie Ihrem besten Freund empfehlen?

Meine Empfehlung ist jedes Bier zu probieren, das man noch nicht probiert hat, und sich auch einmal auf Etwas einzulassen. Die Welt ist größer als wir alle denken.

 

5. Was sind Ihre Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Das Bier und der Brauer dahinter brauchen Charakter. Der Brauer sollte ein richtiger und unabhängiger Brauer sein und keiner, der von einem Konzern gelenkt wird. Das Bier sollte handwerklich gebraut sein und sich durch seine Rohstoffe, sein Brau- oder Reifeverfahren vom Rest der Welt differenzieren. Wenn Rohstoffe außer Wasser, Hopfen, Malz und Hefe zum Einsatz kommen, dann sollten diese natürlich sein und dem Geist des Reinheitsgebots folgen. Und zuletzt: Ein Bier braucht auch eine Geschichte. Diese kann historisch sein, regional oder persönlich, es muss aber eine da sein.

 

6. Was sind Ihre Lieblings-Hopfensorten?

Vielleicht die, die in Zukunft noch kommen. Im Moment schwärme ich für den deutschen Cascade.

 

7. Mit welcher berühmten Person würden Sie gern mal anstoßen und warum?

Mit Michael Schumacher. Zum einen wäre er dann wieder gesund. Zum anderen begeistert es mich an diesem Menschen, dass man sowohl erfolgreich als auch bodenständig sein kann, dass man weltberühmt sein und trotzdem sein Privatleben schützen kann.

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