Top-Brauer: Isarkindl – Brauen mit dicken Brettern

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Das Isarkindl-Team: (v.l.) Rainer, Nina, Xaver und Simon. (Foto: Christian Büttner)

Xaver Amler und Simon Klur gehören zu ausgewiesenen Experten für untergärige Biere. Mit ihrer Marke Isarkindl, die aus dem Innovationswettbewerb der TU München in Weihenstephan entstanden ist, stellten die bayerischen Jungbrauer bisher modern interpretiertes Helles und Märzen in die Regale. Das Isarkindl-Team trägt damit zu einer neuen Münchner Biervielfalt bei und sprudelt geradezu von spannenden Ideen. Wegen ihrer kreativen Sude gehören sie zu den Top-Brauern der Nation.

Wann habt ihr euer erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Simon: Das müsste bei mir im ersten oder zweiten Semester gewesen sein. Es war ein dunkler Weißbierbock. Damals ist er mir wirklich wahnsinnig gut vorgekommen…

Xaver: Bei mir war das kurz vor dem Abi. Mein Thema zur Facharbeit im Leistungskurs Chemie hieß: „Vergleichen Sie moderne und klassische Biersorten. Herstellung eines hellen Lagerbieres“. Dabei habe ich erstmal richtig versagt. Der erste Versuch scheiterte an der Gärung. Meine Kumpels und ich haben es aber trotzdem getrunken.

 

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen „Isarkindl“ gekommen?

Simon: Das war das Ergebnis eines sehr langen Brainstormings. Nina, Rainer, Xaver und ich haben uns über Wochen einfach alles was uns eingefallen ist zugeschickt. Das war dann letztendlich eine Liste mit hunderten Namen. Da stand dann eben auch ISARKINDL mit drin.

Xaver: Das erstaunliche daran war ja, dass das ganze per E-Mail-Austausch funktionierte. Zu dem Zeitpunkt sahen wir uns nämlich noch nicht allzu oft und mussten Brainstorming vor dem Computer leisten.

 

Was macht für euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Simon: Ganz einfach – es muss mir außergewöhnlich gut schmecken. Dabei ist mir eigentlich ziemlich egal, ob es ein ausgefallenes Craft-Bier mit Kiwi, Milchsäurebakterien und Brettanomyces oder einfach ein sehr gutes Helles ist. Und vor allem spielt auch immer irgendwie die Umgebung mit rein.

Xaver: Mir ist wichtig zu erkennen, wer hinter dem Produkt steht. Das heißt auch, dass Biere von großen Konzernen zwar qualitativ top sein mögen, aber aufgrund der Anonymität gar nicht außergewöhnlich sein können. Wir arbeiten gerade zusammen mit vielen kleinen Brauern an einer zukunftsträchtigen Bewegung: Die alteingesessene Bierkultur neu zu beleben. Da ist für mich eine echte Berliner Weiße genauso außergewöhnlich wie ein Festbier mit Mandarina Bavaria.

 

Welchen Biertyp trinkt ihr am liebsten und warum?

Simon: Das kommt immer auf die Situation an. Zurzeit trinke ich sehr gerne Sauerbiere. Gerade im Frühling und Sommer bin ich da immer recht scharf drauf.

Xaver: Ich gehöre zum Team untergärig. Das sind meist sehr saubere Biere, die bei richtiger Hopfenzugabe auch Ales und Weißbieren in nichts nachstehen. Dazu sind sie häufig auch noch süffiger.

 

Was sind eure Lieblingshopfensorten?

Simon: Schwer zu sagen, aber die gute alte Hersbruckerin findet schon sehr oft ihren Weg in meine Biere. Wenn es dunkler wird, benutze ich auch gern Super Styrian Aurora. Nicht zu vergessen die Sorte Comet, die ist halt einfach klasse.

Xaver: Das kommt ganz auf den Hopfengabe-Zeitpunkt an. Die Klassiker wie Hallertauer Mittelfrüh, Tettnanger und Hersbrucker schmeiß ich schon sehr gern in den Whirlpool. Die Gabe im Heißbereich ergibt meiner Meinung nach sehr rund-ausbalancierte Hopfennoten, die sich mit der Malzaromatik besser verbinden. Aber auch Cascade gibt richtig geile Noten. Kaltgehopft stehe ich auf Callista, Comet und auch wieder den Cascade.

 

Welche Eigenschaften zeichnen euer Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Simon: Craft-Brauer*innen brauchen Mut und Eigensinn. Das ist jetzt in Bayern natürlich noch leichter gesagt als getan, aber wer weiß, vielleicht dürfen wir ja auch irgendwann mit speziellen Zutaten jenseits des Reinheitsgebotes mal richtig Gas geben…

Xaver: Ein richtig guter Craft-Brauer vergisst nie den handwerklichen Geist hinter seinem Produkt. Je mehr er in sein Handwerk oder in qualifiziertes Personal investiert, umso besser werden seine Biere. Und dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

Was war das schrägste Bier, das ihr jemals getrunken habt?

Simon: Das war wohl das Bier, dass wir während eines Uni-Praktikums gerührt haben. Wir brauten einen dunklen Weißbierbock und gaben in den Whirlpool zwei Tafeln Zartbitterschokolade und Habaneros dazu. Ja, das hat dann ziemlich gebrannt auf der Zunge…

Xaver: Ich durfte schon viele schräge Biere verkosten, aber die „Gurken Gose“ von Hopfmeister und Braumanufaktur Hertl gehört ganz oben auf die Liste. Auch das „Room 101“, ein gemeinschaftlicher Sud von Yankee&Kraut, Freigeist Bierkultur und Pirate Brew Berlin gehört für mich dazu.

 

An welchem Ort der Welt würdet ihr mit eurem besten Freund gern ein Bier trinken?

Simon: Eigentlich reicht mir da wirklich die Isar im Sommer. Das ist schön und vor allem einfacher umzusetzen als auf der Nase der Sphinx in Ägypten zu hocken.

Xaver: Mein Traum: Auch mal das eigene Bier aus der Maß in der Haager Schloßallee an der Amper zu trinken (weit und breit der schönste Biergarten der Welt!). Vielleicht brauen wir ja dann auch mal ein Collab mit Hofbräu Freising…

 

Und was habt ihr als nächstes vor?

Simon: Ich habe mir vorgenommen, wieder mehr mit unserer alten Brettanomyces-Hefe zu experimentieren.

Xaver: „Brett-Bier“ im Großformat zu brauen – das wäre schon der Hit. Derweil aber konzentriere ich mich auf moderne Interpretationen klassischer Bier-Rezepturen. Pils, Weißbier, Braun- und Kellerbier, da ist überall so wahnsinnig viel Potential drin!

 

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