Testbräu: Himbeer-Duft für Sonnentage

Harte Zeiten, gute Biere: Dass auch Quereinsteiger gute Sude brauen können, beweisen Nicole Herdin, Dirk Lamprecht und Heiko Schwanz von Testbräu. Kürzlich hatte ich das sechsprozentige „Sorachi Blanche“ in der Himbeere-Cider-Edition im Glas. Wie bei allen ihren Bieren setzt das momentan in München brauende Team, das eigentlich in Nebra in Sachsen-Anhalt ihren Sitz hat, auch hier auf ihre Philosophie: „kein Reinheitsgebot ist uns zu heilig, keine Zutat zu teuer und keine Rezeptur zu abwegig.“

So braute das Testbräu-Trio ihr „Sorachi Blanche“ mit jeder Menge Himbeeren, Sorachi Ace-Hopfen und Cider-Hefe. In einem beerigen Rotton strahlt das Bier äußerst appetitlich durchs Glas, ein mittelporiger, zart pinker Schaum liegt oben auf. In die Nase strömen sofort die fruchtigen Noten der Himbeeren sowie ein leicht weiniger Anklang. Schon im Duft lässt sich vermuten, dass das Blanche eine leichte Säure mit sich bringt. Schlank und mit moderater Kohlensäure präsentiert sich das Bier auf der Zunge. Fruchtig-beerige Aromen dominieren das Geschmacksbild. Im Hintergrund zeigt der Hopfen dezente Zitrusnoten. Trotz sechs Prozent Alkohol wirkt das Fruchtbier angenehm leicht und regt zum weiteren Genießen ein.

Fazit: Ein absolut gelungenes Himbeer-Blanche, dass ich mir sehr gut im Sonnenschein auf der Terrasse als Aperitif vorstellen kann. Ich freue mich auf weitere Biere aus dem Hause Testbräu.

TrueBrew Brewing Co.: Münchner Craft-Brauer setzen auf aromatische Trinkfreude

Der Taproom der Jungs von TrueBrew in München zählt inzwischen zu den heißesten Craft-Bier-Hotspots der Stadt. Aus zehn Hähnen fließen dort neben Session Pils, Pale Ale und IPA auch Bockbiere sowie wechselnde Spezialitäten. Um ihre Fans nun auch zuhause zu beglücken, füllen Andreas, Lucas und Luis jetzt auch immer mehr Biere in schicke Dosen ab. Kürzlich habe ich die drei aktuellen Sorten probiert.

Schon mal vorab: Eines haben die drei Sude gemein. Sie legen alle einen berechenbaren Alkoholgehalt von 5,1 Prozent vor. Zuerst schenkte ich mir das bernsteinfarbene, naturtrübe Vienna Style Lager namens „Summit“ ins Glas. Ein schneeweißer Schaum toppt das attraktive Gesamtbild. Das Bier duftet angenehm malzig mit karamelligen Anklängen und einem würzigen sowie zart blumigen Touch. Auf der Zunge breiten sich nussige und auch malzige Töne aus, die ein wenig an Biskuit und Waldhonig erinnern, ohne süßlich zu wirken. Dazu gesellen sich herbe Hopfennoten. Die moderate und gut eingebundene Kohlensäure trägt zu einem ausbalancierten Bier bei.

Harmonisch präsentiert sich auch das Juicy Pale Ale namens „Joyride“, das durch eine helle Bernsteinfarbe besticht. Auch hier thront ein stabiler, weißer Schaum auf dem Bier. In die Nase strömt sofort ein fruchtiges Hopfen-Bukett, das mit Aromen von Mandarine und Maracuja zum ersten Schluck animiert. Im Mundraum entfaltet sich eine gewisse Vollmundigkeit mit einer sanften Karbonisierung. Dazu paaren sich tropisch-fruchtige Aromen von Mango und Maracuja von der eingesetzten Sorte Mosaic sowie Noten von Pfirsich und ein würziger Hauch. „Joyride“ verabschiedet sich mit einer angenehmen Herbe, die zum Weitertrinken anregt.

Das letzte der Trilogie ist das nachtschwarze „Bavarian Stout“, auf dem ein cremefarbener Schaum schwimmt. Es duftet klassisch-malzig mit Noten von Schokolade und etwas Lakritz. Im Antrunk zeigt sich das Stout angenehm schlank. Aromen von Milchschokolade und Kakao treffen auf eine dezente Röstigkeit. Das Finish ist langanhaltend, trocken und mild bitter.

Fazit: Drei wirklich harmonische Sude, die durch ihr jeweiliges Aromaspiel und ihre hohe Drinkability überzeugen. Keine Biere, die überfordern, sondern zu einem zweiten Glas anregen. Ich freue mich schon auf weitere kreative Sude aus dem Hause TrueBrew.

Brauer-Portrait: Hausfreund – „Ein Brauer muss sich an seinem Bier messen lassen“

David, Andy und Moritz von Hausfreund

„Einen Hausfreund braucht jeder“, heißt es bei den Machern der Marke Hausfreund aus Ottobrunn bei München, „mit ihm wird es nie langweilig.“ Und genau das haben sich Moritz, David und Andy auf die Fahnen geschrieben. Sie experimentieren fleißig bei den Rohstoffkombinationen und bringen somit bei hoher Trinkfreude einen kreativen Touch in ihre Sude. Moritz, der die Marke vor rund drei Jahren gründete, ist mit David für die Außendarstellung im Vertrieb und auf Festivals zuständig. Andy ist studierter Braumeister sowie ausgewiesener Hopfenexperte und somit zuständig für die Biere. Neben einem ungewöhnlichen Hellen, das mit den vier Hopfensorten Melon, Perle, Saphir und Cascade gebraut ist, führen die Münchner auch diverse andere Sorten: German Pale Ale, IPA, Imperial Stout und saisonale Sude wie etwa ein „Oktober Pale Lager“ oder einen „Wet Hop Weizendoppelbock“ im Portfolio.

Die Fragen beantworten Moritz und Andy gemeinsam:

Welche Eigenschaften zeichnen Eurer Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Andy: Neben Tattoos und Bart, die Kenntnis der Rohstoffe und wie man sie einsetzt sowie Flexibilität im Prozess und vor allem gute Qualität des Endproduktes.

Moritz: … dem kann ich mich nur anschließen. Ein guter Brauer muss sich an seinem Bier messen lassen.

Was macht für Euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Moritz: Eine außergewöhnliche Story, besondere Zutaten oder auch einfach eine außergewöhnliche Interpretation, die das Bedürfnis steigert, das Bier zu probieren.

Andy: Eine gute Drinkability gepaart mit gutem Aroma und außergewöhnlichem Geschmackserlebnis.

Was war das schrägste Bier, das ihr jemals getrunken habt?

Andy: Das war ein Oyster Stout, das mit Austernschalen gebraut wurde.

Moritz: Was ist schräg heutzutage? Man hört oft von sehr schrägen Bieren, leider bekommt man die selten tatsächlich in die Hände. Aber es gab schon einige Sude, die mir zwar aufgrund von Zutaten wie Thaibasilikum, Chili-Pfeffer, Salz usw. schräg klangen, aber doch sehr gut und ausgewogen geschmeckt haben. Es waren aber auch einige Sude dabei, die geschmacklich sehr schräg geblieben sind.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdet ihr gern einmal brauen?

Andy: Mit sibirische Bärenknochen😉… Spaß beiseite. Das Reinheitsgebot limitiert uns natürlich bei ungewöhnlichen Zutaten. Wir haben angelehnt an die Single Hop IPA‘s (SHIPA) aber letztes Jahr Biere gebraut, bei denen wir den die Hopfensorten von nur einem Hof genommen haben (Single Farm Hops).

Moritz: Wir haben aber auch ein paar Ideen für Ausnahmegenehmigungen…

Was ist eigentlich Euer Lieblingsgericht und was trinkt ihr dazu?

Moritz: Ich esse am liebsten was Lokales mit einem lokalen Bier und lass mich überraschen. Ein schönes Cordon Bleu mit einem guten Hellen geht aber fast immer.

Andy: … oder eine Pizza Quattro Formaggi mit einem leichten Pale Ale.

Wie seht ihr die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Moritz: Ich denke, dass vor allem das Segment Gasthausbrauerei bzw. „Brewpub“ wachsen wird. Sicher werden aber auch noch einige „Neue“ dazu kommen und auch noch mehr internationale Marken auf den deutschen Markt drängen. Alles in allem denke ich, dass die Szene noch deutlich wachsen wird.

Andy: Ich glaube, das Craft-Bier insgesamt noch regionaler werden wird und vor allem auch im regionalen Biermarkt aufgehen wird.

Und was habt ihr als Nächstes vor?

Moritz & Andy: Wir planen gerade ein Kollaborationsbier mit unseren Freunden von Higgins Ale Works und Jeremy von Neshaminy Creek Brewing Company. Außerdem arbeiten wir an einem neuen IPA, dass wir hoffentlich im Verlauf des Frühjahres präsentieren können.

Tilmans Biere: Modernes Weißbier par excellence

Weißbier gilt vor allem in Bayern als Grundnahrungsmittel und darf auch bei hiesigen Craft-Brauern nicht im Portfolio fehlen. Die meisten Hopfenzauberer setzen allerdings auf moderne Interpretationen dieses klassischen Bierstils. So auch die Macher von Tilmans Biere aus München bei ihrem Trunk „Der Weizen“. Vereint wird hierbei traditionelles Handwerk und kreative Braukunst. Den besonderen Touch schenkt Braumeister Til seinem Weißbier durch heimisches Weizen- und Gerstenmalz, Flaschengärung sowie mit Hopfensorten wie Comet aus der Hallertau und Strisselspalt aus Frankreich.

Sonnengelb und natürlich naturtrüb strahlt das sechsprozentige Weißbier durch das Glas. Ein feinporiger, schneeweißer Schaum komplementiert die Optik. Die Nase wird verführt durch ein frisches und fruchtiges Bukett. Estrige Noten von sanfter Banane und Nelke paaren sich mit Zitrusfrüchten und einem Touch von Weißwein. Auf der Zunge zeigt sich „Der Weizen“ frisch, schlank mit zarter Säure und cremigem Malzkörper. Hefe und Hopfen dominieren das Geschmacksbild mit würzigen und fruchtigen Aromen. So dringen vor allem Zitrusfrüchte und ein Anklang von Weißwein in den Vordergrund, begleitet von einem sanften Bananen- und Nelkenton. Das aromatische Finish lädt zum nächsten Schluck ein.

Fazit: Ein leckerer Klassiker, der niemanden so schnell überfordert und sicherlich auch gewöhnliche Weizen-Trinker zu Craft-Liebhabern bekehren kann. Für mich ist dieses moderne Weißbier ein ständiger Begleiter zum Weißwurstfrühstück, zur Pizza oder einfach am Tresen vom Frisches Bier, der Münchner Bierbar von Tilmans Biere.

BierForum: Braukunst Live! mit interessantem Wissensforum

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Die Braukunst Live!, eines der wohl größten deutschen Bierfestivals, rückt immer näher und Besucher können auf viele neue Ideen gespannt sein. Wie immer warten spannende Brauereien, ungewöhnliche Sude und interessante Gespräche auf ein genussfreudiges Publikum. Eine der wohl spannendsten Neuerungen ist das „BierForum“, das am Freitag (31.1.) im Vorfeld der Messe stattfindet. Bei diesem kongressähnlichen Symposium halten Top-Speaker verschiedene Vorträge, die sich alle um das Thema handeln: „Wie schaffen wir es, den Wert des Bieres beim Verbraucher darzustellen?“

Eine Materie, die viele aus der Bierbranche beschäftigt. Experten dozieren in zwei Räumen des MVG Museums und beleuchten die Themen aus Blickwinkeln der Gastronomie und des Handels. So spricht etwa Michael Ehler, einer der renommiertesten deutschen Rhetorik-Trainier, über Strategien beim Verkaufsgespräch. Klaus Artmann dagegen ist im „BierForum“ zuständig für Wissen am Point of Sale. Denn neben seinen Aktivitäten als Biersommelier ist er auch als Berater für mittelständische Unternehmen tätig. Alles Themen, die vor allem junge Craft-Brauer beim Aufbau ihres Geschäftes unterstützen können.

Einen Vergleich der Wertigkeit von Wein und Bier liefert Prof. Dominik Durner. Er fungiert als Professor für Lebensmitteltechnologie und Önologie an der Hochschule Kaiserslautern. Seine Funktionen am Weincampus: Er ist Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschuss der Fachbereiche (GAF), Leitung Dualer Studiengang (B. Sc.) Weinbau und Önologie sowie Mitglied im Prüfungsausschuss. Mit dem Thema Bier ist Durner in jeder Hinsicht bewandt, weil er unter anderem Vorstandsmitglied beim Meininger’s International Craft Beer Award ist. Auch Bier-Sensorik dient als wichtiges Verkaufsargument, worüber Dr. Wolfgang Stempfl referiert, der mehr als drei Jahrzehnte der Kopf und das Gesicht der Doemens Genussakademie in Gräfelfing bei München war.

Zudem gibt es Vorträge von der „BierBegeisterung“. Hans Wächtler, der sich seit mehr als 30 Jahren dem Bier und der Braubranche widmet, spricht über Erfolgsfaktoren der Szene. Wächtler liebt nicht nur Bier, er lebt es auch und spezialisierte sich daher auch auf die Aromen, die aus den verschiedenen Rohstoffen kommen. Seine Tochter Dorothea, eine renommierte Biersommelière, doziert im Forum über ihre Spezialgebiete Vertrieb und Marketing.

Das „BierForum“ ist als bunte Mischung von Vorträgen und Themen ausgelegt. Speziell richtet sich die Veranstaltung an Leute aus Handel und Vertrieb sowie an Brauer und die, die es noch werden wollen. Die Referenten stehen auch beratend zur Beantwortung gezielter Fragen zur Verfügung. Dabei stellen die Organisatoren auch diverse Getränke zur Verfügung. Im Anschluss an den Kongress finden ab 14:00 Uhr im MVG Museum die Fachbesucherstunden der Braukunst Live! statt. Jeder Teilnehmer ist herzlich eingeladen direkt im Anschluss in der Halle zu verweilen und sich durch die Welt der kreativen Biere zu verkosten.

„BierForum“

Wann: 31. Januar 2020, 9 bis 14 Uhr

Wo: MVG Museum Ständlerstr. 20, 81549 München

Preise: Tagesticket kostet 350 Euro pro Person. Aussteller der Braukunst Live! zahlen 250 Euro. Die Gebühr umfasst die eintägige Teilnahme am Bierforum inklusive Mittagessen, Tagungs- und Pausengetränke. Preise zzgl. MwSt. Sie erhalten von den Veranstaltern eine Auftragsbestätigung/Rechnung. Bitte beachten Sie, dass die Plätze limitiert sind. Ihre persönliche Eintrittskarte erhalten Sie direkt vor Ort im MVG Museum an der Registrierung.

Mehr Infos: https://www.braukunst-live-muenchen.de/highlights/bierforum.html

Bier-Festival: Braukunst Live! zeigt sich mit neuen Ideen

In wenigen Tagen öffnet die „Braukunst Live!“ (BKL) wieder ihre Türen für Bierfans aus aller Welt. Am Wochenende vom 31. Januar bis ersten Februar dreht sich im Münchner MVG Museum alles ums Thema Bier. Dieses Mal steht die Veranstaltung allerdings unter neuer Schirmherrschaft und präsentiert neue Ideen, neue Aussteller und neue Biere.

Die Veranstalter fordern alle ausstellenden Brauereien auf, am Wettbewerb, um den besten FestivalBrew mitzumachen. Vorgabe ist es, ein Bier mit der Flavour-Hopfenkomposition „Fantasia“ von BarthHaas zu brauen, die bei richtigem Einsatz fruchtige Noten von Aprikose und einen Hauch von Sahne und Karamell in den Sud zaubert. Das Siegerbier, das im Vorfeld von einer professionellen Jury gekürt wird, wird am Ende des Presserundgangs am Freitag bekanntgegeben.

Zudem gibt es erstmals das „BierForum“, eine Kooperationsveranstaltung zwischen der Braukunst Live und der „BierBegeisterung“ aus Bamberg, die am 31. Januar von 9.00 Uhr bis 14.00 Uhr stattfindet. Innerhalb verschiedener Vorträge soll folgendes Thema aus dem Blickwinkel von Handel und Gastronomie beleuchtet werden: Wie schaffen wir es, den Wert des Bieres beim Verbraucher darzustellen? Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Biermacher und Biervertreiber.

Für alle anderen Besucher warten rund 60 nationale und internationale Aussteller, die ihre besonderen Bierspezialitäten vorstellen. Neben bayerischen Craft-Machern wie Brewheart, Brewsli, Munich Brew Mafia, Hoppebräu, TrueBrew und vielen anderen, reisen auch Buddelship aus Hamburg, Schoppe Bräu aus Berlin oder Kuehn Kunz Rosen aus Mainz an. Zu den internationalen Highlights zählen der amerikanische Craft-Star Sierra Nevada sowie einige italienische Spezialitätenbrauereien, dessen Biere am Stand vom „Frisches Bier“ ausgeschenkt werden. Außerdem können die BKL-Gäste an beiden Tagen einige Münchner Helle blind verkosten und ihren eigenen Gaumen testen. Stammt das Bier aus einer großen oder einer kleinen Brauerei? Hier geht es nicht um Marketing und Marke, sondern nur um Geschmack.

Und wer kennt es nicht: Bier regt den Appetit an. Auch da haben sich die Veranstalter dieses Mal etwas überlegt. Im hinteren Hallenbereich stehen bekannte Foodtrucks wie etwa die „Suppenhühner“, die „Futterkiste“, “OX Grill by Ringlers“ und die „Wunderbar“ bereit. In diesem Food-Bereich gibt es auch einige Sitzmöglichkeiten, um sich zu entspannen. Und für noch mehr Stimmung sorgt Live-Musik mit bekannten Künstlern.

Brauer-Portrait: Luis Seubert von True Brew Brewing – „Keine Berührungsängste vor alternativen Zutaten“

Luis Seubert

München hat eine neue Craft-Station. Die drei Kumpels Andreas Dünkel, Lucas Jochem und Luis Seubert öffneten vor wenigen Wochen ganz still und heimlich den Taproom „True Brew“ im Dreimühlenviertel. Aus zehn Hähnen fließen hier ihre eigenen Biere, die von IPA über Mexican Lager, Ambar Ale, Witbier und Helles, bis hin zu saisonalen Spezialitäten wie Pumpkin Ale reichen. Vier Sorten kommen aus den glänzenden Kupferkesseln hinter der Theke. Gerade erst füllten die Wahlmünchner ihr Vienna Style Lager auch in eine schicke Dose. Verantwortlich für die Sude ist Braumeister Luis, der die Biere als Gypsy in einer befreundeten Biermanufaktur braut. Die True Brew-Sorten besitzen den gewissen Kreativ-Kick und eine hohe Drinkability, um auch Craft-Novizen nicht zu verschrecken. Luis verrät, dass sich Bierfans künftig auf noch mehr besondere Spezialitäten in der neuen Münchner Location freuen können.

Die Fragen beantwortete Braumeister Luis Seubert:

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Die richtige Mischung aus handwerklichem Können, Sachverstand, Kreativität und Leidenschaft…

…und was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Weniger ist mehr, da bin ich einfach gestrickt. Der Teufel steckt meiner Meinung nach im Detail. Ich finde ein feines, ausbalanciertes Pils oder Helles meist spannender und außergewöhnlicher als IPA und Co. Zudem bin ich ein großer Freund von Single-Hop-Bieren. Ich finde es interessant ein Bier auf die Charakterzüge einer einzelnen Hopfensorte auszurichten und so voll zur Geltung kommen zu lassen. IPA-Experimente mit sieben, acht oder gar einem Dutzend Sorten sind zwar ganz nett, schmecken meistens aber alle nach tropischem Fruchtkorb, wobei die charakteristischen Nuancen der einzelnen Hopfen dann leider etwas auf der Strecke bleiben.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Das war wohl 2010 im ersten Berufsschuljahr: ein Pils, originale Erstabfüllung der Schulbrauerei um 1982 und somit knapp 30 Jahre in der Flasche gelegen. Ein über die Jahre wunderbar bernsteinfarben gewordenes, schaurig oxidiertes und geschmacklich pappig-flaches Bier. Trotzdem fand ich es spannend, was nach 30 Jahren Dornröschenschlaf in einer Flasche so passiert.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Ich habe generell keine Berührungsängste, solange es sich um natürliche Zutaten handelt. Wir haben ein paar Kreationen am Hahn, die mit alternativen Zutaten gebraut sind. Aktuell ein Pumpkin Ale, ein Mexican-Style Lager mit Mais und Limette sowie ein Witbier mit Koriandersamen und Bitterorangenschalen.  Auf der „to-brew-Liste“ steht auch noch ein Blood Orange IPA, aber da warte ich wohl noch bis Frühjahr/Sommer 2020.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Rindsrouladen von Oma und dazu ein kerniges Dunkles. Unschlagbar!

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Ich denke die Szene wird in den nächsten Jahren noch wachsen. Gerade im Süden der Republik ist im Gegensatz zu den Craft-Ballungszentren Berlin oder Hamburg noch viel Luft für kreative Köpfe. Der Qualitätsanspruch des Konsumenten wird noch deutlich steigen und somit auch der Anspruch an die Brauer und ihre Biere. Ich freu mich auf eine spannende Zukunft mit alten wie neuen Brauerkollegen, noch mehr interessanteren Bieren und einer Menge Spaß.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Wir haben gerade unsere erste Biersorte in die Dose gebracht. Da werden demnächst auch noch ein weitere folgen. Ansonsten habe ich für den Winter noch ein paar spezielle Biere geplant. Langweilig wird es also erstmal nicht.

True Brew-Theke mit glänzenden Kupferkesseln

Münchner Bier-Event: O’zapft is auf dem Craftbeer-Oktoberfest

Craftbeer Oktoberfest

Nach der Wiesn ist vor dem Craftbeer-Oktoberfest. Am kommenden Freitag und Samstag findet in der Münchner Reithalle das für Bier-Geeks viel interessantere Spektakel statt. Insgesamt 16 Craft-Brauereien aus der bayerischen Hauptstadt und Umgebung sowie eine Biermanufaktur aus Polen schenken ihre Sude aus, die von süffigem hellen über modernes Weißbier, Pale Ale, India Pale Ale, Stout und Sorten fernab des Reinheitsgebotes reichen. Die Brauer stehen selbst hinter den Ständen, um den Gästen alles über ihre Geschichte, Intention und Biere zu erzählen. Ganz nach dem Motto: Genuss und Gemütlichkeit statt Einheitsgeschmack und Massenabfertigung.

Craftbeer Oktoberfest

Für zusätzliche Stimmung sorgen vier Münchner Bands, die von Funk, Soul, Pop, Blues bis hin zu Rock’n‘Roll etwas anderes als Helene Fischer oder DJ Ötzi im Repertoire haben. Verhungern muss auf dem Craftbeer-Oktoberfest auch niemand. Für die richtige Grundlage bilden sieben Foodtrucks vor der Tür einen Streetfood-Markt. Hier gibt es vom klassischem Burger, einem Pastramigriller, amerikanischen Beefbrisket oder vegetarisch und veganen Leckereien bis hin zu regionalen Bio Bratwürsteln, alles was den Hunger stillt und auch ideal zum Bier passt. Wer mehr zum Thema Foodpairing wissen möchte, kann sich auch zu speziellen Workshops anmelden.

Fakten auf einen Blick:
Wann: Freitag & Samstag den 11.-12. Oktober 2019 jeweils von 16-1 Uhr
Wo: Reithalle // Heßstraße 132 // 80797 München
Eintritt:  ab 10,31 €
Infos & Tickets: http://craftbeer-oktoberfest.de/

Munich Brew Mafia: Kaiserlicher Sud mit französischem Hopfen

Der Trend hält sich hartnäckig, dass Craft-Brauer traditionelle Bierstile modern interpretieren. Gut so! Gestern hatte ich zum Grillen das neue Weißbier der Munich Brew Mafia im Glas. Das fünfprozentige „Barbarossa“ braute das Team um Dario Stieren mit dem speziellen französischen Hopfen namens Barbe-Rouge.

In einem attraktiven Rotbraun präsentiert sich das obergärige Bier im Glas. Ein weißer, feinporiger und fast schon sahniger Schaum vollendet die Optik. „Barbarossa“ duftet nicht im klassischen Weißbierstil nach Banane oder Nelke, sondern feinmalzig, floral, etwas holzig und nach roten Beeren. Auf der Zunge breitet sich der Münchner Trunk vollmundig aus und überrascht auch hier mit fruchtigen Noten von Himbeere, rote Johannisbeere und Erdbeere. Eine zarte Säure lässt das Bier angenehm frisch wirken. Im Nachgang spielt sogar noch eine sanfte Herbe mit.

Fazit: An diesem Weißbier hätte sich bestimmt auch der Namensgeber, der rotbärtige Kaiser Barbarossa, der ein begeisterter Biertrinker war, seine Freude gehabt. Für mich ist der Sud ein schönes Beispiel, wie dieser spannende Hopfen aus Frankreich auch das Aromaspiel eines Weißbiers angenehm ergänzen kann. Hat zum gegrillten Fisch übrigens sehr gut gepasst.

Exklusivinterview: Braukunst Live mit neuem Besitzer

Selbst für Insider kam die Message überraschend: Frank Böer, Gründer und Veranstalter der Braukunst Live (BKL) und der Finest Spirits in München, hat beide Messen an den renommierten Fachverlag Meininger verkauft, der auch das CRAFT Magazin herausgibt. Feiner Hopfen sprach exklusiv mit Christoph Meininger und Frank Böer über ihre Einschätzung des Craft-Biermarktes und einer künftigen Positionierung des Events.

Herr Böer, die Braukunst Live hat sich zu einer der wichtigsten Biermessen in Deutschland etabliert und findet dieses Jahr zum achten Mal statt. Nach Meinung von Analysten nimmt der Craft-Biermarkt weiter an Dynamik zu. Warum verkaufen Sie das Festival gerade zum jetzigen Zeitpunkt?


Kurz gesagt: Aus strategischen Überlegungen. 2005 waren wir mit der Finest Spirits das erste Festival im Süden, die vierte Messe in Deutschland. Heute gibt es buchstäblich hunderte Whisky-, Spirituosen- und Genussmessen in Deutschland. Nicht ganz so krass, aber im Grunde ähnlich verlief seit 2012 die Entwicklung beim Bier. Einerseits haben wir uns in diesem Umfeld all die Jahre ganz oben behauptet. Auf der anderen Seite: Wenn man in diesen Gewässern langfristig überleben will, muss man leistungsfähige Allianzen bilden.

Herr Meininger, Sie sind der neue Besitzer der Braukunst Live. Was reizt Sie an diesem Event?


Die Braukunst Live! war die erste Messe ihrer Art und ist dadurch der Platzhirsch in Deutschland und marktführend. Deshalb passt sie – zusammen mit Meiningers Craft – genial in unser Verlagsportfolio. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite bewundere ich die Craft-Bierbrauer um ihren Ideenreichtum, ihren Individualismus, ihre Lust darauf, etwas Neues zu kreieren. Und wir wollen dabei helfen, dass die Message an Bierliebhaber, Handel und Gastronomie kommt.

Ihr Verlag gehört hierzulande zu den profiliertesten Medienhäusern im Getränke-Bereich. Was können Craft-Fans künftig von der Braukunst Live erwarten?


Wir möchten weiterhin den Craft-Biererzeugern die perfekte Plattform bieten, damit Image, Bierabsatz und das Wissen um Craft-Bier gepusht werden. Frank Böer hat ja bislang alles richtig gemacht. Das Bierfestival hat einen überaus hohen Bekanntheitsgrad, den wir mit Hilfe unseres Know-hows – Meiningers Craft und Meininger‘s International Craft Beer Award – weiter ausbauen möchten. Wir haben schon neue Ideen in petto, die wir aber erst verraten, wenn sie spruchreif sind.

Herr Böer, war der Verkauf für Sie auch eine ökonomische Entscheidung?


Konjunktur und Konsumklima werden sich ganz sicher eines Tages mal wieder eintrüben, was im Veranstaltungssektor zu einer begrüßenswerten Konsolidierung führen wird. Überleben wird dann derjenige, der breit, stark und innovativ aufgestellt ist. Gute Messen sind ein hoher, geradezu betriebswirtschaftlicher Wert, der über viele Jahre mit unglaublich viel Zeit, Geld, Know-how und Mühe geschaffen wurde – und zwar gerade auch seitens der beteiligten Aussteller. Diesen Wert gilt es zukunftssicher aufzustellen und dafür braucht man starke Partner. Der strategisch beste Zeitpunkt, mit unseren Festivals eine solche starke Allianz einzugehen, ist für mich genau jetzt.

Warum sehen Sie den Meininger Verlag mit all seinen medialen Potentialen als idealen Nachfolger?


Der Meininger Verlag ist einer der ältesten und renommiertesten deutschen Fachverlage für Wein, Spirituose und inzwischen bekanntlich Bier. Das Haus ist weit über die Branchen hinaus bestens vernetzt, hat bei zahlreichen Veranstaltungen und Wettbewerben jede Menge Erfahrung gesammelt, auch die bekannte Publikumsmesse Forum Vini in München läuft unter Meininger-Flagge. Daher bestehen auf zahlreichen Ebenen jede Menge professionelle Anknüpfungspunkte. Whisky, Sprit und Bier sind absolutes „people business“, man kennt sich – da zählen solche gemeinsamen Anknüpfungspunkte eine Menge. Die beiden Festivals waren 15 Jahre lang mein Leben, aufgebaut mit zwei tollen Mitarbeiterinnen, tollen Partnern und Subunternehmer, die über die Jahre – ebenso wie viele Aussteller – zu echten Freunden geworden sind. Dies alles in bester Ordnung an ein Haus wie Meininger zu übergeben, ist daher ein absoluter Gewinn für alle Beteiligten und macht mich stolz.

Und wie sehen Sie, Herr Meininger, die Entwicklung des deutschen Craft-Biermarktes in den kommenden fünf Jahren?


Craft-Bier hat eine enorme Chance, solange der Brauer den Bierliebhaber nicht aus den Augen verliert. Craft-Bier ist ein hochwertiges Nischenprodukt mit Potenzial nach oben, denn der Wunsch des Verbrauchers nach Individualisierung wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken.

Herr Böer, wie haben Sie die Entwicklung der Craft-Bierbranche in all den Jahren empfunden? Und wo geht’s hin?


Craft-Bier hat nach meiner Ansicht definitiv eine große Zukunft, das Thema wird sich weiterhin stetig etablieren. Die Frage ist jedoch: Wie stark wächst das Segment und wie lange wird das dauern. Nach dem Boom der ersten Jahre macht sich nach meiner Einschätzung momentan etwas Ernüchterung breit: Die Absatzmenge an Craft-Bier wächst – aber nicht so schnell wie, zugegeben auch von mir – mal erwartet wurde. Zugleich aber sind in letzter Zeit viele neue Brau-Projekte ins Spiel gekommen. Und damit tummeln sich derzeit viele Fische in einem kleinen Teich. Hinzu kommt, dass sich auch der Craft-Bierabsatz stärker eher regionaler entwickelt. Fazit: Ich sehe für Craft-Bier eine große Zukunft – nach einer vermutlich noch etwas längeren Phase der Konsolidierung. Ein Event wie die Braukunst Live kann helfen den Markt zu stabilisieren und das Wachstum langfristig zu befördern.

Bleiben Sie der Craft-Szene treu oder gibt es neue unternehmerische Ideen?


Whisky und Craft-Bier werden immer mein Leben sein, aber beruflich geht es künftig um andere Dinge: Ich baue ab Sommer ein sehr spannendes Tourismus-Projekt in Nova Scotia, Kanada, auf, Details erfahrt ihr zu gegebener Zeit über meine Facebook-Seite. Auch dabei geht es um „Genuss-Erlebnisse“ – aber in einem ganz anderen Kontext als bisher. Für mich beginnt ein völlig neuer Abschnitt, eine völlig neue Herausforderung, auf die ich mich riesig freue.