Corona-Krise: Wie geht es Giesinger Bräu?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Steffen Marx vom Giesinger Bräu in München.

Simon Rossmann und Steffen Marx vom Giesinger Bräu

Hallo Steffen, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Wir haben 40 Leute in Kurzarbeit. Die eigene Gastronomie mit über 1.000 Hektoliter ist platt. Rampenverkäufer, Staplerfahrer wurden schnell umgeschult zu Paketpackern und Auslieferern. Die Brauer und Brauerinnen sind fleißig, tapfer vor Ort und halten das Sudhaus warm. Und unser Shop läuft gut. Danke an das gesamte #teamgiesing.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Ja, die Situation ist schon blöd, wie bei allen anderen auch. Vor allem Biere, die schon bezahlt sind, gerade aber noch in den Kühlungen lagern und ablaufen werden. Deswegen: Liebe Bierverkäufer, wer Fassware von uns hat, kann diese natürlich noch zurückgeben. Meldet Euch bei mir, wenn ihr es noch nicht getan habt. Danke an alle Wirte und Wiederverkäufer.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Es ist schön, dass uns die loyale und engagierte Crowd, die Fans, die Genießer sowie alle diejenigen, die viel mehr Bier kaufen, als sie eigentlich trinken können, da sind, uns unterstützen und uns helfen. Das ist enorm wichtig. Danke an alle Fans, Investoren und Genießer vom Giesinger Bräu.

Welche Tipps könnt ihr den Kollegen geben?

Einfach weiter gutes Bier anbieten und keine Kompromisse eingehen. Qualität setzt sich durch. Unbedingt die Preise hochhalten, denn 16.99 Euro für eine Kiste ist zu wenig. Macht weiter, die Leute lieben und brauchen gutes Bier. Danke an alle Bierproduzenten da draußen!

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Na hoffentlich gesund!

Corona-Krise: Wie geht es der Bierbegeisterung?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Doro und Hans Wächtler von der „Bierbegeisterung“ aus Bamberg.

Hallo ihr beiden, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Da unsere Haupttätigkeit normalerweise die Entwicklung und Durchführung von Seminaren und Weiterbildungen im Bierbereich wie etwa der Bierbotschafter (IHK) und diverse Fortbildungsseminare im Rahmen des Institute of Masters of Beer sind, wirkt sich die heutige Lage auch deutlich auf unseren Arbeitsalltag aus. Wir können aktuell und bis auf weiteres keine Präsenz-Seminare anbieten. Unsere Kunden sind meist Biersommeliers, Brauereien, Gastronomie und Handel, die auch alle durch die Corona-Krise stark beeinflusst sind.

Aber den Kopf in den Sand stecken und rumjammern wollen wir nicht, sondern wir entwickeln neue Ideen und versuchen, wo es nur geht, die Branche zu unterstützen, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Wir haben uns, so wie viele unserer Kollegen auch, Gedanken gemacht, was wir in dieser Zeit Gutes für die Braubranche tun können und sind der Meinung: Gemeinsam überstehen wir das schon irgendwie. Deshalb haben wir uns bei der Initiative „Komm in die Hopfencrew!“ von BarthHaas® engagiert. Damit wollen wir noch mehr Leute darauf aufmerksam zu machen, dass die Hopfenbauern speziell von Ende April bis Ende Mai helfende Hände beim Hopfenausputzen brauchen.

Ein weiteres neues Projekt, das für uns Bamberger eine echte Herzensangelegenheit ist, ist der „Biershop Franken“, den wir gemeinsam mit Klaus Artmann (Inhaber des Biershop Bayerns und Biersommelier-Kollege) umgesetzt haben. Ziel ist es, die Brauereien in Franken zu unterstützen, die wie alle Brauereien mit den Gastronomie-Schließlungen und dem Wegfall der Feste zu kämpfen haben. Und natürlich denken wir dabei auch an alle Liebhaber der fränkischen Braukunst, die aufgrund von häuslicher Quarantäne nicht direkt zur Brauerei fahren können oder beim Getränkehändler ihres Vertrauens einkaufen können wie sonst.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Dadurch entsteht eine Vielzahl von Herausforderungen für alle Beteiligten. Zum einen sind das die wirtschaftlichen Probleme für Gastronomen und Angestellte. Zum anderen fällt durch die Schließungen auch für die Brauereien ein großer Absatzkanal weg. Nicht zu vergessen sind die Konsumenten, die es normalerweise gerne und oft in Anspruch nehmen, ein Bier mit Freunden und Kollegen nach Feierabend zu genießen. Das ist Lebensqualität, die uns da allen fehlt. Klar denken wir auch schon an die Zeit nach der Krise, denn es wird nicht auf Knopfdruck wieder wie vorher sein. Wir leben jetzt noch mehr als zuvor nach dem Motto: unterstützt die kleinen, regionalen Braugasthäuser, Restaurants, Bars etc. Jeder kann und muss seinen Teil dazu beitragen.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Wir sind der Meinung, dass neben dem großen wirtschaftlichen Schaden, den wir alle gerade erleben, der Fokus trotzdem noch auf dem Wesentlichen bleiben muss: Zusammenhalt in Familien, unter Freunden, in der Nachbarschaft und zu guter Letzt: Zusammenhalt in der Braubranche, denn nur gemeinsam sind wir stark!

Welche Tipps könnt ihr den Craft-Fans geben?

Kauft euer Obst und Gemüse auf dem Markt, kauft beim Bäcker und Metzger eures Vertrauens, besucht, sobald es wieder möglich ist, eure Lieblingsbrauereien und Lieblingsrestaurants und trinkt euer Lieblingsbier – und das alles regional!

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Das können wir leider nicht vorhersehen. Wir hoffen, dass nicht noch mehr Brauereien schließen müssen als es aktuell schon der Fall ist. Und wir freuen uns sehr auf das Wiedersehen mit all unseren Freunden aus der Braubranche und darauf, gemeinsam ein kühles Bier zu genießen – denn was gibt es Schöneres auf der Welt?

Corona-Krise: Wie geht es Tilmans Biere?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Tilman Ludwig von Tilmans Biere aus München.

Credit: Tilmans Biere

Hallo Tilman, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Da wir relativ wenige Kunden in der Gastronomie haben, sind die negativen Auswirkungen derzeit noch überschaubar. Dass wir unsere Kneipe „Frisches Bier“ schließen mussten, ist natürlich bitter, aber wir können das momentan noch ganz gut mit unserem Bier-Lieferservice auffangen.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Das ist schon ziemlich heftig und wir hoffen sehr, dass es alle über diese Zeit des Stillstands schaffen, ihre Läden zu halten. Neben den Betreibern trifft diese Situation aber vor allem die Angestellten, die teilweise ernsthafte Probleme bekommen ihre monatlichen Kosten zu stemmen. Keine Ahnung, ob es auch eine Soforthilfe für Privatleute gibt, falls Nein würde ich hiermit die Politiker und Politikerinnen bitten, den Leuten schnellstmöglich unter die Arme zu greifen.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Keine Ahnung, ob wir uns auf solche Situationen, die möglicherweise ähnlich sind, aber dann doch ganz anders ums Eck kommen, gut vorbereiten können. Allgemein würde ich aber sagen, dass es auf jeden Fall besser ist, Bier zu brauen, als Autos zu bauen.

Welche Tipps könnt ihr den Craft-Kollegen geben?

Also bei uns erweist sich grade eine gewisse Flexibilität als sehr hilfreich. Beispielsweise habe wir das Frische Bier kurzerhand in einen Lieferservice umgewandelt und unsere Veranstaltungen sind ins Internet umgezogen. Das wichtigste ist aber nicht den Kopf in den Sand zu stecken.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Ich bin mir sicher, dass die Leute auch nach Corona noch Lust auf leckere und vielfältige Biere haben. Corona ist krass, aber so krass nun auch wieder nicht!

Corona-Krise: Wie geht es Schanzenbräu?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Stefan Stretz von Schanzenbräu in Nürnberg.

Hallo Stefan, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Unser Tagesgeschäft ist von Ungewissheit geprägt, wie das vieler anderer Kollegen auch. Wir sind zur Zeit viel am Telefon, sprechen mit Großhändlern und Getränkefachhändlern, mit den Banken, Unternehmensberatern, der Stadt Nürnberg, den Wirten, den Schaustellern und den Endkunden. Das hat zur Folge, dass wir uns mittlerweile weniger als Brauer, sondern vielmehr als Vollzeit-BWLer fühlen. Auf dem Tagesprogramm steht jetzt: Absatzzahlen vergleichen und bewerten, Liquiditätsberechnungen kalkulieren, Besprechungen und mit Zahlen jonglieren. Wir haben Notfall-Teams gebildet, die dann die Produktion weiterführen könnten, falls uns das Virus erwischen sollte. So lange noch alle gesund sind, befinden sich drei Leute rotierend zu Hause und im Betrieb. Derzeit wird weiter gebraut. Tanks und Lager sind voll, aber es bewegt sich wenig auf dem Hof. Dennoch bedienen wir die Großhändler, entsprechend ihrer Nachfrage, und liefern einige Kunden selbst an. Als Unternehmer stellt man sich täglich die Frage, wie es wohl weitergeht.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Durch Schließung der Gaststätten und Wegfall der Feste sowie Kirchweihen haben wir natürlich einen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Wir haben den Lagerverkauf der Brauerei komplett geschlossen und versuchen so unsere Produktion und die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Dadurch fehlt uns der Umgang mit dem Endkunden und unseren Wirten. Wir haben einen Gastronomie- bzw. Veranstaltungsanteil von etwa 25 Prozent. Natürlich hoffen wir, dass die Kunden unser Bier weiterhin zu Hause trinken. Manche Wirte verkaufen unser Bier als „take away“ zu ihren Gerichten. Jeder Euro zählt.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Liquidität ist alles, aber das war schon immer so und wird auch so bleiben. Kosten und exakte Planung im Blick haben gilt als oberste Priorität. Es müssen auch unangenehme Entscheidungen getroffen werden. Wir müssen zusehen, dass unser Bier weiterhin preisstabil im Markt bleibt. Rabatte sind keine sinnvolle Maßnahme, um im Rennen zu bleiben. Und: Neue Absatzmärkte müssen generiert werden, wie auch immer.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Wenn nun die Handelsketten eine Kiste mit zwanzig 0,5-Flaschen für zehn Euro raushauen, dann wird es schon schwierig als kleiner und mittelständischer Brauer dagegen zu halten. Die Brauereien, die zu sehr spezialisiert sind, werden es schwer haben. Jetzt ist Kreativität angesagt, die sich durchsetzen wird. Aber ich denke, dass treue Kunden auch in der Krise zu ihrer Brauerei halten. Diejenigen, die trinkbare Craftbiere anbieten, werden es einfacher haben. Kreativbrauer werden weiterhin ihre Nische im Markt behalten.

Corona-Krise: Wie geht es dem Hopfenstopfer?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Thomas Wachno von Hopfenstopfer aus Bad Rappenau.

Hallo Thomas, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Dein Tagesgeschäft aus?

Es ist ruhig, sehr ruhig, zu ruhig! Im Moment steht die Brauerei eigentlich still. Wir waren für die anstehende Saison schon gerüstet und haben angefangen, den Keller zu füllen. Das haben wir jetzt erst einmal gestoppt und fahren den Bestand runter soweit es geht. Im Moment kümmern wir uns um andere Dinge, die liegen geblieben sind, wie etwa den Festzeltgarnituren einen neuen Anstrich verpassen, Außenanlagen pflegen und unser Lager aussortieren. Auch die Bestellungen im Onlineshop haben die letzten zwei Wochen zugenommen, aber tagesfüllend sind die nicht.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Unsere Hopfenstopfer-Biere verkaufen wir zum Großteil über Händler als Flaschenbier. Hier lässt sich der Rückgang noch nicht beziffern, zumal wir im letzten Jahr eh schon einen Rückgang verbuchen mussten, weil wir uns weigerten das MHD zu verlängern, da das Bier dadurch „frischer“ wird. Somit ist noch kein wirklicher Vergleich da. Bei unseren Standardbieren haben wir zweidrittel Fassbieranteil und das tut im Moment richtig weh, denn der ist komplett auf null.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Was passiert, wenn ein Flamingo das eine Bein auf dem er steht auch noch anhebt? Genau, er fällt um. Wir stehen Gott sei Dank auf mehreren Beinen im Sinne von Brauerei mit Hopfenstopfer und Häffner Bräu sowie dem Vertrieb von alkoholfreien Getränken mit Heimdienst und Gaststätte sowie Hotel. Somit können wir wenigstens noch ein wenig Umsatz generieren, wie lange aber so etwas auszuhalten ist, kann ich nicht sagen. Was ich für mich persönlich daraus gelernt habe, was wir aber auch schon immer praktizieren: Nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, das Risiko muss überschaubar bleiben und nicht jedes Geschäft ist ein gutes Geschäft. Und ich bin froh, dass wir den Gärkellerneubau, den wir schon lange geplant haben, noch nicht beauftragt haben. Insgesamt wird der Kuchen kleiner werden und um mehr vom Kuchen zu bekommen, heißt das Andere etwas abgeben müssen…

Welche Tipps kannst Du Kollegen geben?

Kommt immer auf die Umstände an. Grundsätzlich aber: durchhalten! Wenn Du allerdings merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steige ab!

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Das kommt ganz auf die allgemeine Wirtschaftslage an. Wenn unser Kundenkreis, also die Craft-Biertrinker, gut durch die Krise kommt, dann werden wir auch gut durchkommen, wenn auch nicht alle. Drücken wir mal die Daumen. Es ist schade um jede Brauerei, die verloren geht. Im Übrigen halte ich Brauereien für systemrelevant.

Corona-Krise: Wie geht es der Inselbrauerei?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Markus Berberich von der Inselbrauerei auf Rügen.

Markus, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Das ist sehr vielfältig. Der Außendienst kann die Kunden weitestgehend nicht besuchen und nur schwer erreichen. Heißt: es gibt viele Aufgaben, um die Distribution sicher zu stellen. Wir haben sehr viele Maßnahmen eingeleitet und umgesetzt, um uns so gut wie möglich auf die Situation einzustellen. Wir nutzen diese Zeit aber auch, um an vielen Zukunftsprojekten zu arbeiten. Jetzt ist es besonders wichtig, sich strategisch auf die Zeit danach vorzubereiten. Die Stimmung im Team ist gut und zwei Meter soziale Distanz ist in Vorpommern ja eine Annäherung.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Das hängt vor allem von der Zeitdauer ab. Vier bis sechs Wochen sind wahrscheinlich relativ gut verkraftbar, längerfristige Schließungen werden für viele Betriebe schwierig sein. Hier kann es insgesamt schon zu starken Veränderungen kommen. Wir freuen uns auf den Tag, an dem wir unseren Verkostungsraum wieder eröffnen können.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Staat und Gesellschaft müssen die Gesundheit der Bürger schützen. Die Politik macht hier, glaube ich, vieles sehr richtig. Ich glaube, dass man in Zukunft deutlich besser auf solche Situationen vorbereitet sein wird und man solch drastische Maßnahmen nicht mehr braucht. Hier sind vielleicht Südkorea, Taiwan oder Singapur schon etwas weiter als wir. Wenn man den Blick ein wenig weitet und schaut, was in anderen Ländern gerade passiert, muss man deutlich sehen und anerkennen, in was für einem gut strukturierten und sozialen Staat wir leben. Ich bin im Moment ganz froh Staatsbürger und Unternehmer in Deutschland zu sein und sehe die gezahlten Steuern als gute Anlage in Gesundheit und wirtschaftliche Zukunft des Staates.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Schwer zu sagen, da sind sehr viele Unwägbarkeiten drin. Ich glaube eher, das Marktsegment wird deutlich kleiner. Die zu vermutende Weltwirtschaftskrise wird die Preisbereitschaft für solche Biere sinken lassen. Es werden sich aber auch neue Chancen ergeben, die man versuchen muss zu nutzen. Ich kann mir auch vorstellen, in zwei Jahren besser da zu stehen. Ich muss aber zugeben, da ist natürlich eine Portion Wunschdenken drin.

Corona-Krise: Wie geht es Isarkindl?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Xaver Amler von Isarkindl.

Xaver, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Ziemlich drastisch. Der wichtige, persönliche Kundenkontakt ist nicht mehr möglich. Damit ist die im Vertrieb und Außendienst so bedeutende Kommunikation massiv beeinträchtig, eine mögliche Verkaufssteigerung dadurch sehr gehemmt. Unsere Zahlen brechen ein. Wir mit Isarkindl waren und sind zwar von Anfang an eher stark im Einzelhandel vertreten, daher trifft es uns vielleicht nicht ganz so schlimm. Aber Verkaufsförderungen sind schwer umzusetzen, Neugewinnung von Kundschaft ist quasi ausgeschlossen. Wir arbeiten ganz vorsichtig mit Kontaktaufnahme via Mail, aber zeigen natürlich Verständnis, wenn mögliche Kunden gerade keinen Kopf für neue Biere haben. Allerdings haben viele mögliche Kunden jetzt Zeit, sich mit Neuigkeiten auseinanderzusetzen. Das ist echt eine Gradwanderung.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Primär kämpfen wir mit Absatzverlusten. Zudem stellt man sich die Fragen: Überlebt der Gastronom das? Wenn ja, hat er in Zukunft noch Lust auf preisintensivere Produkte wie unsere? Haben die Leute nach der Krise erst richtig Bock auf Biere wie unsere? Oder sind alle Pleite und steigen auf günstigere Alternativen um?

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Ich erkenne leider keine Sieger, bis auf die „großen Einzelhändler“, also Aldi, Lidl, Rewe, Edeka usw. Daraus lernen wir, dass wir uns breit aufstellen und flexibler werden müssen, um kreative Ideen schnell umsetzen zu können, wie beispielsweise der Lieferdienst von Frisches Bier. Zudem sind wir dabei den Umgang mit Social Media zu professionalisieren, weil dort gerade hohe Aufmerksamkeit erzielt wird. Und: Lokale junge Unternehmer müssen sich noch enger vernetzen, um daraus lieber früher als später dringend benötigtes Kapital schlagen zu können. Ein gutes Beispiel ist die Aktion von Aqua Monaco mit dem Hastag #supportyourmünchnerdrinks.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Wir besprechen uns derzeit dazu intern sehr intensiv, aber zu einem Schluss können wir noch nicht kommen, es entwickelt sich alles noch zu dynamisch. Ich vermute, dass es preisintensive Biere noch schwerer haben werden. Bald werden die Gelddruckmaschinen rund um den Globus angeschmissen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Das bedeutet eine erhöhte Inflation in den kommenden Jahren. Gerade bei preisintensiven Produkten macht sich dann wohl eine Geldwertminderung bemerkbar. Egal welche Gründe angeführt werden, diese Krise kann für unsere Branche nur schlechte Auswirkungen haben. Selbst wenn Leute wieder auf lokale, junge, kreative, innovative Biere setzen wollten, wer soll sich diese dann leisten? Die Biere werden durch höhere Produktionspreise tendenziell sicherlich auch wieder teurer.  

Corona-Krise: Wie geht es der Munich Brew Mafia?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Dario Stieren von der Munich Brew Mafia aus München.

Niklas, Alex und Dario von der Munich Brew Mafia. Credit: Erik Bohr

Hallo Dario, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Da wir sehr gerne und häufig mit unseren Bierfreunden, unserer Familia feiern sind wir gerade sehr einsam ohne diese Feste und Veranstaltungen. Natürlich wirken sich die Einschränkungen auch auf unseren Verkauf aus. Als kleine Brauerei haben wir aber den Vorteil, dass wir flexibel auf den Markt reagieren können. Eine neue Webpage mit Onlineshop sowie Heimlieferdienst steht bereits und wir sind froh um jeden, der uns – sicher von zu Hause – unterstützt. Getränkemärkte, Fachgeschäfte und Einzelhandel haben weiter geöffnet und sind für euch im Einsatz. Wichtig ist, dass man seine regionale Vielfalt unterstützt, damit diese auch nach der Krise noch besteht.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Bier ist ein geselliges Getränk, das gern in der Runde getrunken wird. Dafür sind unsere Wirte da, die Gastlichkeit und Gemütlichkeit vermitteln. Wir hoffen doch sehr, dass alle unsere Bars, die so mutig waren Craft-Bier ins Sortiment aufzunehmen, diese schwere Zeit überstehen und wir dort gemeinsam wieder gutes Bier genießen können. Es gibt Projekte zur Unterstützung der Gastronomen und Gutscheinverkäufe, bei denen man seine Stammkneipe und Restaurants unterstützen kann. Schön, dass schon viele diese Angebote wahrgenommen haben.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Zusammenhalten ist wohl das Wichtigste, was wir aktuell lernen können. Auch wer nicht direkt betroffen ist, sollte solidarisch sein. Das kann heißen: zeigen von Mitgefühl für unsere systemrelevanten Arbeitsbienen, Verzicht auf viele Dinge, Hilfe in unserer Landwirtschaft (HOPFEN!!!) oder die Unterstützung seiner regionalen Brauereien. Jeder kann irgendwas beitragen und später sagen: Wir haben‘s gemeinsam geschafft!

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Na, wir hoffen, dass es munter weiter geht.

Corona-Krise: Wie geht es Brewheart?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Andreas Erfurt von Brewheart aus Otterfing bei München.

Hallo Andi, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Alle unsere Aufträge sind von heute auf morgen komplett weggebrochen. Wir waren gerade dabei in verschiedene europäische Länder zu exportieren, hatten dort Tap Takeovers vereinbart, das wurde alles umgehend storniert. Mit ein paar Tagen Verzögerung sind dann auch sämtliche Handelsbestellungen aus Deutschland auf null gefallen. Wir konnten das Ganze etwas abfedern, da wir von Anfang an sehr stark in unser Online-Geschäft investiert haben. Das war von Beginn an als eines unserer Standbeine geplant und rettet uns jetzt einigermaßen über die Runden. Inzwischen sehen wir für den deutschen Markt einen leichten Anstieg der Nachfrage. Viele kleine Unternehmen haben super kreative Aktionen gestartet, vom lokalen Lieferdienst über Online-Tastings. Das lässt die Nachfrage ein wenig anlaufen.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Die Schließung ist für uns aus zweierlei Hinsicht bitter. Unmittelbar trifft uns das wie alle anderen, da unsere komplette Fass-Ware momentan unverkäuflich ist und das ist ein wichtiger Umsatzbringer.
Zudem kämpfen aber viele der sehr kleinen Läden ohnehin schon mit den täglichen Herausforderungen wie laufende Kosten, Liquidität etc. Diese Läden sind ja nicht nur mitunter befreundete Kunden von uns, sondern es sind gesellschaftliche Treffpunkte, die extrem wichtig im sozialen Zusammenleben sind und für Vielfalt stehen. Ich hoffe, dass so viele wie möglich auch nach der Krise noch existieren und wünsche allen, das möglichst unbeschadet zu überstehen.

Jede Krise hat Sieger und Verlieren. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Ich sehe momentan viele kreative Ideen und tolle Ansätze, wie viele Kollegen aber auch Kunden die aktuellen Herausforderungen managen und das Beste daraus machen. Von virtuellen Tastings über online Pub Crawls, den schon erwähnten lokalen Lieferungen und vielem mehr. Ich denke, dass uns die aktuelle Situation zeigt, dass diejenigen zu den Gewinnern gehören, die sich jetzt gemeinsam, flexibel und kreativ einem Abschwung entgegenstemmen. Diejenigen, die jetzt nicht schnell reagieren und Alternativen auftun, die die Gemeinschaft – auch online – suchen, werden es danach umso schwerer haben. Die Formel „Das haben wir schon immer so gemacht“ wird so nicht weiter funktionieren.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Ich glaube fest daran, dass der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aufblüht. Zum einen werden die Menschen rausgehen und feiern, essen und trinken. Ich glaube auch, dass viele Menschen bewusster aus der Krise kommen und viele bisherige Sachen hinterfragen. Und ich sehe die Community gestärkt. Der Rückhalt, den wir alle momentan von unseren Freunden, Fans, Kunden und Kollegen bekommen ist atemberaubend und super motivierend. Das hätte ich mir niemals träumen lassen und ich bin sicher, dass dieses neue ‚wir‘ für uns alle von Vorteil sein wird.

Corona-Krise: Wie geht es Hoppebräu?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Markus Hoppe von Hoppebräu in Waakirchen.

Hallo Markus, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Dein Tagesgeschäft aus?

Es ist katastrophal. Unsere und andere Gastronomien sowie die Hotellerie sind zu, der Export ist tot und wir verzeichnen 50 Prozent Umsatzeinbußen.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Es gibt kein Umsatz mehr, volle Fässer stehen rum, die keiner anzapfen kann. Wir hoffen, dass sich die Situation bis Ende Mai, Anfang Juni beruhigt und wir wieder weiter machen können.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Regionalität ist wichtig! Beim Handwerk und in der Lebensmittebranche – es muss nicht alles von weit herkommen. Ich hoffe, dass die Leute hierzulande künftig mehr Wert auf regionale Lebensmittel legen und bereit sind ein paar Euro mehr auszugeben.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Eine Welle der Feste wird losgehen. Ein neues Lebensgefühl wird entstehen und einige Menschen werden mehr Neues ausprobieren, auch Biere. Somit sehe ich einen großen Aufwärtstrend in der Branche, wenn der Corona-Wahnsinn erst mal vorbei ist. Jetzt gilt es nur bis dahin auszuharren und irgendwie über die Runden zu kommen.