Feiner Hopfen urlaubt mal wieder…


Liebe Craftbeer-Fans,

es ist ja erst ein paar Wochen her, dass ich beruflich auf den Seychellen war. Doch morgen verreise ich schon wieder. Dieses Mal geht es in Richtung nördlicher Polarkreis. Zusammen mit meiner Schwester verbringe ich Silvester in einem meiner Lieblingsländer: Island.

Zwar war ich privat schon mehrfach und Anfang des Jahres wieder einmal beruflich dort, konnte mich aber leider nicht wirklich auf die Craftbeer-Szene konzentrieren. Dieses Mal dafür umso mehr! Ich werde euch berichten, welche Biere man von der Insel der Geysire, Vulkane und Wasserfälle unbedingt mal trinken sollte, was dort in den Bars so abgeht und wie es sich anfühlt ein isländisches Craftbeer unter bunten Polarlichtern bei eisiger Kälte zu genießen…

Kommt gut ins neue Jahr!

In diesem Sinne, cheers!

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De Molen „Op & Top“: Attraktiver Durstkiller

Foto: Feiner Hopfen
DeMolen „Op & Top“

Kein Wunder, dass sich in der 400 Jahre alten Mühle im niederländischen Bodegraven namhafte europäische Kuckucks-Brauer – und nicht nur Mikkeler– die Türklinke in die Hand geben. Wenn bei De Molen ein neuer Sud aufgelegt wird, dann freuen sich auch Hopfenfreaks in der ganzen Welt. Gestern habe ich das Op&Top probiert, nach Angaben der Brauerei ein American Bitter (Ale-ish).  Ich hätte nach dem ersten Schluck auf ein gut gehopftes US-Lager getippt.

Im Glas zeigt sich ein schönes Farbspiel, das sich irgendwo zwischen Bernstein und Blutorange bewegt. Schon in der Nase präsentiert sich eine feine Abstimmung von Amarillo, Cascade und dem tschechischen Bitterhopfen Sladek, den amerikanische Brauer gern für ihr Lager einsetzen. Pils- und Gerstenmalz runden den De-Molen Cocktail elegant ab. Das Ale duftet nach Kräutern, Pinienholz,  Zitrusfrüchten und Zitronengras, spielt dabei aber auch mit dezenten Malznoten.

Mit 4,5 Prozent Alkohol weist „Op&Top“ zwar allenfalls einen mittleren Körper auf und auch die auf dem Etikett versprochenen 38 EBU lassen nicht unbedingt einen großen Hopfentrunk erwarten.  Aber all das täuscht etwas über die wahre Attraktivität dieses Ales hinweg. Dies ist kein Bier mit großem Tiefgang,  sondern eher etwas für durstige Seelen und lange Abende. Es ist wohl die Gesamtkomposition, die mit schönen tropischen Fruchtnoten, einer ausgewogenen Süße, sanfter Kohlensäure und seinem erfrischenden Charakter den Reiz ausmacht. Trotz der 38 EBU spiegelt sich im Finish auch eine schöne Bitternote ab.

Fazit: Ein leckerer Tropfen dieses De-Molen-Ale. Man sollte es am besten gut gekühlt bei etwa sieben Grad trinken, dann zeigt es seine wahren Stärken als Super-Durstkiller. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass dieses Ale etwas kräftiger ausgelegt wäre. Nur ein zwei Prozentpunkte mehr beim Alkoholgehalt hätten „Op&Top“ sicherlich noch getoppt. Aber immerhin können Craft-Fans mit diesem Trunk einen ganzen Abend verbringen ohne in die Knie zu gehen.

Bier des Monats: „91X Socal IPA” von Crew Republic & Coronado Brewing

91X Socal IPA - Crew Republic und Coronado Brewery
91X Socal IPA – Crew Republic und Coronado Brewery

Für das „91X Socal“ reisten die amerikanischer Brauer aus dem kalifornischen Coronado ins bayerische Oberschleißheim, um mit der Münchner Crew Republic ein echtes Westcoast IPA zu zaubern. Fünf Hopfensorten geben dem Ale seinen unvergleichlichen Charakter: Tradition, Chinook, Simcoe, Citra, Centennial. Heraus kam ein Collaboration-Brew der sich wirklich sehen lassen kann.

  • Bierstil: India Pale Ale
  • Brauerei: Crew Republic und Coronado Brewing
  • Alkoholgehalt: 6,7 Prozent
  • Farbe: Bernstein
  • Schaum: feinporig
  • Bittere: 65 IBU
  • Hopfen: Citra, Centennial, Tradition, Chinook und Simcoe
  • Malz: Pale Ale, Crystal

Wow, Nase ans Glas und anfangen zu träumen. Vor mir sehe ich einen frischen tropischen Obstkorb. Ein herrlich exotischer und süßlicher Duft von Mango, Maracuja und Papaya schüren bereits die Erwartung an ein großes Bier. Auf der Zunge breitet sich dann das IPA dann vollmundig aber zugleich erfrischend aus. Aromen von Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Limone, gepaart mit süßen Früchten wie Mango und Papaya, legen sich an den Gaumen. Im Abgang machen sich die 65 Bittereinheiten noch einmal ordentlich bemerkbar. Das tropische Aroma mit der gewissen Herbe bleibt noch lange in der erinnerung zurück.

Fazit: Eine echte Fruchtbombe! So mag ich das. Gerade die Kombination aus den säuerlichen Zitrusfrüchten mit dem süßen Tropenobst machen das Bier fast perfekt! Wirklich ein gelungenes Westcoast IPA.

Hopfengut No. 20: Melonen-IPA für zarte Zungen

Hopfengut No. 20 - Melon IPA
Hopfengut No. 20 – Melon IPA

Momentan entstehen fast jede Woche neue Craft-Projekte mit ganz unterschiedlichen Qualitäten. Ob alle neuen Biere etwas taugen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls habe ich mir mal ein paar Flaschen aus dem erst im Juni eröffneten Hopfengut No. 20 aus Tettnang bestellt. Und die Craft-Brauer dort können sich mit ihren Kreationen wahrlich sehen lassen. Nicht nur optisch. Das Macher-Dreiergespann aus Lukas Locher, Fritz Tauscher und Charlotte Müller bildet eine gute Kombination für eine neue Brauerei. Lukas ist Hopfenbauer, Fritz der Braumeister und Charlotte die Koordinatorin des Start-Ups. Beste Zutaten zeigen sich auch in den Bieren. Kürzlich probierte ich ihr „Melon IPA“,  gebraut mit Cascade, Melon und, klar: Tettnanger Hopfen.

Im Glas leuchtet es bernsteinfarben mit einem kräftigen und stabilen Schaum. In die Nase dringen unerwartet zuerst Aromen von roten Beeren, bis die zarte Honigmelone sich wenig später durchkämpft. Der Gaumen wird vollmundig von der Melone aber auch süßlich von Himbeeren, Brombeeren und etwas Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Limone verwöhnt. Lange bleiben würzige, dezent bittere Noten im Mund zurück. Macht Lust auf einen weiter Schluck.

Fazit: Neue Brauerei mit viel Potential! Zwar habe ich bisher nur das eine Bier verkostet, doch das Melon IPA verspricht viel. Es schmeckt ausgewogen und lässt sich wunderbar genießen. Allerdings könnte es für ein India Pale Ale etwas bittere sein. Doch: zarte Zungen werden es lieben.

Braukollektiv: Sommerausklang mit „Moe“

Braukollektiv - Summer Ale "Moe"
Braukollektiv – Summer Ale „Moe“

Der Sommer ist vorbei. Zum Abschied trinke ich das Summer Ale „Moe“ vom Braukollektiv aus Freiburg. Vier Hobbybrauer – James, Chris, Børn und Gil – von jeweils verschiedenen Kontinenten der Welt, mischen seit vergangenem Jahr vor allem den badischen Biermarkt auf. Für dieses 5,2prozentige Ale verwendete das internationale Team vier Hopfensorten: Motueka, Mosaic, Cascade und Perle.

Orangefarben mit festem und feinporigem Schaum präsentiert sich dieses Craft-Bier im Glas. Im Geruch hält es sich etwas zurück, dennoch sind fruchtige und hopfige Noten wahrnehmbar. Spritzig und erfrischend schmeichelt Moe Zunge und Gaumen mit exotischen Aromen. Hier zeigen die Sorten Mosaic aus den USA und Motueka aus Neuseeland mal wieder ihre volle Wirkung. Aber auch Nuancen von Orange und der etwas würzige Charakter des Perle-Hopfens beeinflussen die Geschmacksplattform mit. Zudem ist das Summer Ale sehr vollmundig. Zarte 32 Bittereinheiten verabschieden sich fruchtig im Rachen.

Fazit: Ein leckeres Pale Ale, aber sicherlich nicht nur für den Sommer! Kräftig im Körper und lecker im Geschmack. Und da Mosaic derzeit einer meiner Lieblingshopfensorten ist und der Hopfen hier seine volle Pracht zeigt, empfehle ich das Freiburger-Bier gerne weiter. Freue mich auf die weiteren Sorten des Braukollektivs, die bereits in meinem Kühlschrank warten.

Kraftbierwerkstatt: Vom Fernsehen zum Sudkessel

Rasmus Muttscheller, Oliver Koblenzer und Oliver Bauss treiben seit kurzem ihr Unwesen im Stuttgarter Raum. Aus ihrem Hobby in klassischen Einkochtöpfen ein paar interessante Biere zu brauen wurde im vergangenen Jahr ein ernstes Business: Die Kraftbierwerkstatt. Die drei Böblinger, die auch in der Medienbranche tätig sind, mieten sich als Gypsy-Brauer in mittelständische Brauereien ein um ihre Sude zu verwirklichen. Ihre ersten drei Kreationen entstanden in der Böblinger Schönbuch-Brauerei – und sind ganz ordentlich gelungen.

Sud No. 1 - Kraftbierwerkstatt
Sud No. 1 – Kraftbierwerkstatt

Sud No. 1 – Toxic Harvest Ale

  • Alkohol: 5 Prozent
  • Stammwürze: 12 Prozent
  • Besonderes: Gebraut mit fünf Malz- und fünf Hopfensorten sowie ober- und untergäriger Hefe
  • Farbe: Orangefarben
  • Geruch: malzig, Hafer, Fruchtigkeit lässt sich erahnen
  • Geschmack: moussierend blumig mit fruchtigen Noten von Banane und Aprikose, dezente Bittere im Finish
  • Bittereinheiten: 28 IBU

Fazit: Durch die beiden verschiedenen Hefen zauberten die Brauer eine gewisse Frische mit fruchtiger Hopfenaromatik. Kann man so machen, aber eher etwas gegen den Durst!

663 Wheat Ale - Kraftbierwerkstatt
663 Wheat Ale – Kraftbierwerkstatt

663 – Urban Wheat Ale

  • Alkohol: 5,1 Prozent
  • Stammwürze: 12,8 Prozent
  • Besonderes: speziell gezüchteter Hefestamm, Aromahopfen
  • Farbe: helles Gold
  • Geruch: Schöne Mischung aus süß, sauer und fruchtig – reife Banane, Limone, malzig
  • Geschmack: vollmundig, leicht säuerlich von Hefe und Zitrusfrüchten, zugleich fruchtig
  • Bittereinheiten: 16 IBU

Fazit: Nein, es ist kein typisches Weizen. Das Interessante an diesem Bier ist die säuerliche Note, gepaart mit fruchtigen Aromen. Könnte noch kräftiger ausgebaut werden.

Triple Amber Ale - Kraftbierwerkstatt
Triple Amber Ale – Kraftbierwerkstatt

Triple A – Awesome Amber Ale

  • Alkohol: 5,3 Prozent
  • Stammwürze: 13 Prozent
  • Besonderes: Sieben Hopfensorten, gestopft mit Monroe
  • Farbe: Bernsteinfarben
  • Geruch: Banane, Pfirsich
  • Geschmack: Mirabelle, reife gelbe Kiwi, Pfirsich
  • Bittereinheiten: 30 IBU

Fazit: Das Amber Ale gefällt mir am besten von den drei Bieren. Schöne harmonische Fruchtnoten, die sicher auch hervorragend zu deftigen Essen wie etwa Burger passen.

Maisel & Friends „Simcoe Ale“: Feines Ale für feine Speisen

Simcoe Ale - Maisel & Friends
Simcoe Ale – Maisel & Friends

Jeff Maisel entwickelt sich mit seinem Kreativableger „Maisel & Friends“ immer mehr zu einem der beliebtesten Craft-Brauer im bierigen Mittelstand. Jetzt hob der Bayreuther wieder eine neue Kreation aus der Taufe. Ein Single Hop India Pale Ale mit 5,9 Prozent, 13,6 Prozent Stammwürze und 40 Bittereinheiten. Der Name: „Simcoe Ale“.

Dieses Bier hat erst mal einen dezenten Auftritt. Um den Flaschenhals ist eine unauffällige Banderole gewickelt, auf der die wichtigsten Informationen stehen. Eingeschenkt strahlt das Ale dann orangefarben durch das Glas, getoppt von einem feinporigen, aber cremigen Schaum. Schon im Geruch ist der Simcoe-Hopfen unverkennbar. Liebliche Aromen von Grapefruit, Maracuja aber auch Kiefer dringen in die Nase. Auf der Zunge breitet sich das IPA vollmundig und sanft aus. Bei dieser Textur spürt man die Weißbiererfahrung des Hauses Maisel. Nuancen von tropischen Früchten wie Sternfrucht, Mango und Maracuja kombiniert mit Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Limone streicheln mit einer gewissen Malzsüße den Gaumen. Im Finish ist die Bittere gut ausbalanciert und entwickelt sich erst im Schlund.

Fazit: Ein dezentes Bier aber herrliches für alle Tage. Angenehme Fruchtaromen, die aber keineswegs extrem den Geschmack überlagern. Daher ein echt toller Begleiter zu feinen Speisen. Für ein IPA – wie ich es gern trinke – fehlt mir allerdings noch etwas Herbe.

Tiny Rebel Brewery „Hadouken Amplified IPA“: Kräftiges IPA zum deftigen Burger

Hadouken IPA - Tiny Rebel
Hadouken IPA – Tiny Rebel

Typisch für die Craft-Bierszene: Homebrewing. So begannen auch Brad und Gazz. Immer am Wochenende, wenn die Engländer Lust hatten, rührten sie in heimischen Kesseln. Das war 2008. Zwei Jahre später tüftelten sie die Idee für ihre jetzige Brauerei „Tiny Rebel“ im englischen Newport aus. Im Februar 2012 gingen sie damit an den Start. Nur ein Jahr später sahnten die Beiden schon internationale Medaillen ab.

Gestern probierte ich zum selbstgemachten Chicken-Teriyaki-Burger das grapefruitgelbe „Hadouken Amplified IPA“. Im Duft ist es nicht allzu stark, doch Nuancen von Pfirsich, Aprikose und Pinie kitzeln das Riechorgan. Am Gaumen sprengt das 7,4-prozentige India Pale Ale dann seinen Aromenkorb. Gelbe Steinfrüchte wie Aprikose und Pfirsich, Zitrusfrüchte wie Grapefruit und Limone aber auch ziemlich herbe Noten und etwas Pinie paaren sich auf der Zunge. Nach ein paar Bissen köstlichem Burger wird das Ale etwas wärmer. Jetzt dringen tolle Honigmelonennuancen durch. Das Amplified IPA geht mit 80 kräftigen aber angenehmen Bittereinheiten die Kehle runter.

Fazit: Passende Begleitung zum Burger. Ein schönes IPA, an dem eigentlich nichts auszusetzen ist. Es hat aber auch nichts so besonderes, das man es hochjubeln müsste. Trotzdem hat es mich neugierig auf weitere Biere von Tiny Rebel gemacht.

Hanscraft & Co. „Saison Julie“: Ein Farmhouse für die Freundin

Saison Julie - Hanscraft & Co.
Saison Julie – Hanscraft & Co.

Was ein kleiner Liebesbeweis an seine Freundin werden sollte, ist zu einem ganz außergewöhnlichen Bier herangereift. Julie ist die Freundin von Christian Hans Müller und dieses neue Farmhouse Ale ist ihr Lieblingsstil. Was blieb dem Aschaffenburger Brauer der Hanscraft & Co. schließlich anderes übrig, als ein Bier zu brauen, wie sie es gerne haben wollte.

Aber dieses 6-prozentige Sommerbier, das Christian Hans Müller mit Chinook und Sorachi Ace ansetzte, trinkt Julie natürlich nicht allein. Damit dürfte Hanscraft auch viele Hop-Fans beglücken. Die aus dem Chinook entstehenden Aromen von Grapefruit, Limone und Pinie paaren sich äußerst harmonisch mit dem Bukett von Kokosnuss aus dem Sorachi Ace. Allein ein Blick auf das sonnengelbe Farbspiel im Glas macht schon Appetit auf die nächste Flasche. Der Chinook gibt dem Sud noch eine angenehme Bitter mit auf den Weg.

Im Geschmack überzeugt der Sorachi Hopfen total und zeigt all seine Stärken: Spritzig, frisch, dazu eine überzeugende Harmonie aus dezent säuerlichen, weinigen Noten mit einer leichter Dominanz von Grapefruit und Limone, an dessen Ende aber auch die Kokosaromen durchdringen. Er setzt diesem Saison seine Krone auf. Der ursprünglich in Japan gezüchtete Hopfen (eine Kreuzung aus Brewers Gold und Saazer) gehört inzwischen zu den gesuchtesten Bierrohstoffen der Welt.

Fazit: Nach dem genialen „Backbone Splitter” und dem „Black Nizza“ zeigt Christian Hans Müller erneut sein Können und den Mut zu ungewöhnlichen Hopfenkombinationen. Kompliment für dieses richtig tolle Farmhouse-Bier.