Interview mit Jeff Maisel: „Die Aufbruchstimmung in der Szene ist regelrecht spürbar“

Jeff Maisel ist Chef des renommierten Maisel Bräus und dessen Kreativableger „Maisel & Friends“ im bayerischen Bayreuth. Mit seinen modernen Kreationen zählt er seit 2012 auch zu den Vorreitern der Craft-Bierszene. Im Interview mit Feiner Hopfen verrät er sein Erfolgsrezept und erklärt, wie es in Zukunft mit der Branche weitergehen wird.

Jeff Maisel, Chef von Maisel & Friends
Jeff Maisel, Chef von Maisel & Friends
  1. Jeff Maisel, sind Sie mit dem Erfolg Ihres Kreativ-Ablegers „Maisel&Friends“ bislang zufrieden?

„Ich bin mit der Entwicklung sogar sehr zufrieden. Als wir 2012 gestartet sind, wussten wir noch nicht so genau, wohin die Reise geht. Schon mein Großvater Fritz Maisel hat zur Idee meines Vaters, Weißbier zu brauen, gesagt: „Wenn das Bier keiner kauft, müsst ihr es eben selbst trinken“. Nach diesem Credo und mit einem kleinen Augenzwinkern haben wir uns getraut „Maisel & Friends“ ins Leben zu rufen. Wenn es nicht funktioniert hätte, wäre es zwar superschade gewesen, dann hätten wir unser Bier aber eben selbst getrunken.“

  1. Und warum hat es so gut funktioniert?

„Heute kann ich sagen: Wir haben mit unseren Bieren genau den Nerv der Zeit getroffen. Die Bierliebhaber wollen außergewöhnliche Geschmäcker, gut trinkbare Biere und dahinter eine authentische Brauerei mit Braumeistern, die etwas von ihrem Handwerk verstehen und die noch mit Herzblut und Leidenschaft Bier brauen. Mit den vier Maisel & Friends-Fassbieren soll das Thema „Craft“ jetzt auch in die Gastronomie gebracht und gezeigt werden, wie toll die Abwechslung von Bierstilen bei den Gästen ankommt.“

  1. Gehört der Spagat zwischen Tradition und Moderne zu Ihrem Erfolgsrezept?

 „Ich sehe die Verbindung aus Tradition und Moderne tatsächlich als Chance und bin dankbar dafür. Pioniergeist und Abenteuerlust sind meine Leidenschaft – und kreatives Brauhandwerk passt perfekt dazu. Meine Familie braut nun schon in vierter Generation Bierspezialitäten mit viel Know-how, vielen Ideen und jeder Menge Liebe. Wir verstehen unser Handwerk, achten immer auf Top-Qualität und diese Expertise spüren die Bierliebhaber natürlich auch bei unserem Craft-Bier Maisel & Friends. „Modern“ ist heute, dass wir nicht mehr nur die klassischen Bierstile brauen, sondern alte Rezepturen neu und innovativ interpretieren. Wir wollten damit beweisen, dass auch mit Bier – streng nach dem traditionellen Reinheitsgebot gebraut – viel mehr Genuss und Aromenvielfalt möglich ist, als den meisten Menschen bisher bekannt war.“

  1. Brauereisterben und rückläufiger Bierkonsum setzen sich in Deutschland fort. Würden Sie auch anderen mittelständischen Brauereien empfehlen, neben ihrer klassischen Produktpalette auch Kreativbiere ihren Kunden anzubieten?

„Dazu kann ich nur schwer eine pauschale Empfehlung abgeben. Krampfhaft auf den Kreativzug aufzuspringen ist wahrscheinlich der falsche Weg. Ich denke, jeder muss für sich herausfinden, was zu ihm passt und dabei ehrlich und authentisch sein. Echte Bierliebhaber merken sofort, wenn ihnen etwas vorgegaukelt wird.“

  1. Sie unterscheiden zwischen „Traditional-Craft“ und „Modern-Craft. Wie würden Sie das konkret definieren?

„Gerade bei uns in Franken gab es schon immer nach traditioneller Braukunst hergestellte Bierspezialitäten. Wir haben in unserer Region die höchste Brauereidichte weltweit. Biere wie Kellerbier, Landbier oder Zwickl zähle ich zu dieser Kategorie ‚traditional craft‘.

‚Modern craft‘ sind für mich Biere, die sich vor allem durch außergewöhnliche Geschmäcker auszeichnen und die moderne, kreative Interpretationen sind. Ziel ist es, neue Geschmacksvielfalten abseits des Mainstreams zu erreichen. Handwerkliche Traditionsbrauereien sind aus meiner Sicht also nicht automatisch mit Craft-Brauereien gleichzusetzen, sie haben aber das Potenzial dazu.“

  1. Immer mehr Frauen interessieren sich für moderne Biere. Woraus resultiert aus Ihrer Sicht dieser Trend?

„Frauen sind viel experimentierfreudiger als Männer. In der Vergangenheit haben sich Frauen wenig für Bier interessiert, weil sie damit meistens nur bitteren Geschmack assoziiert haben. Jetzt entdecken sie, wie unterschiedlich Bierspezialitäten schmecken können und auch welche unglaubliche Vielfalt es in der Zwischenzeit gibt. Das weckt die Entdeckerlust und immer mehr Frauen werden zu Bierliebhabern – eine tolle Entwicklung!“

  1. Innerhalb von nur drei Jahren hat der deutsche Craft-Bier-Markt rasant an Fahrt aufgenommen. Wie schätzen Sie die Entwicklung der kommenden Jahre ein?

„Es ist wirklich überragend, wie viele Brauer inzwischen voller Inbrunst Craft-Bier brauen. Fast täglich kommen neue Mitstreiter dazu, die den Markt mit uns weiterentwickeln und ständig neue Impulse einbringen. Momentan stehen Craft-Biere auf dem deutschen Biermarkt sicherlich noch am Anfang, sie sind aber bereits in aller Munde. Damit aus diesem zarten Pflänzchen ein wirklicher Markt wird, muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet und auch die Rahmenbedingungen angepasst werden. Wir werden dies aber mit aller Kraft angehen und sind positiv gestimmt. Man kann die Aufbruchstimmung in der Branche jedenfalls regelrecht spüren!“

  1. Was ist in Zukunft aus Ihrem Hause an neuen Kreationen zu erwarten?

„In 2016 dürfen die Bierfans schon sehr gespannt auf weitere außergewöhnliche Bierspezialitäten von Maisel & Friends sein. Wir werden sowohl bei den Signature- als auch bei den Session-Bieren nachlegen und die gute Nachricht ist: es werden auch dauerhaft verfügbare Biere dabei sein. Mehr wird im Moment leider noch nicht verraten. Lasst Euch überraschen!“

  1. Und was ist eigentlich ihr ganz spezielles Lieblingsbier?

„Weißbier ist meine Leidenschaft, da kann ich nicht aus meiner Haut. Natürlich finde ich es aber auch unglaublich spannend, neue Geschmacksnuancen auszuprobieren. Innerhalb unserer Maisel & Friends Range habe ich mich deshalb auch dem Thema Weißbier gewidmet: Unser Bavaria Ale ist meine ganz persönliche moderne Interpretation eines klassischen Weißbieres, denn auch das typischste aller bayerischen Biere lässt sich neu erfinden.“

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