Brauer-Portrait: Eric Toft – Craft-Bier-König nach Budweiser und schottischem Whisky

Foto: Elena Hasenbeck
Foto: Elena Hasenbeck

Er ist einer der Vorreiter der deutschen Craft-Bier-Szene, er ist ein Qualitätsfanatiker, ein Lebenskünstler, ein Hopfen-Freak und ein überaus sympatischer Mensch… obendrein macht er wundervolle Biere –  und das nicht erst seit gestern. Ich muss zugeben, ich bin ein echter Fan von Eric Toft, dem Braumeister aus dem oberbayerischen Schönram. Sein Weg in die Craft-Bier-Oberliga lief keineswegs so gradlinig wie bei den meisten Brauern hierzulande. Eric Toft, der gebürtige US-Amerikaner aus Wyoming, traf nach einem Geophysik Studium in Colorado die – seiner Meinung nach – beste Entscheidung für einen künftigen Beruf: Er wolle doch lieber Braumeister werden. Erst zog er durch die Braustätten der Staaten um möglichst viel über Bier zu erfahren, wurde Hobbybrauer, wollte in Wyoming eine Brauerai aufmachen,  ging dann aber doch erst nach Deutschland um in einem traditionellen Bierland sein Handwerk zu professionalisieren. Nach einem Deutschkurs im Schwarzwald studierte er schließlich Brauereiwesen im oberbayerischen Weihenstephan bei Freising. Jetzt ist er – nach einem kurzen Intermezzo in belgischen Brauereien – seit über 15 Jahren Braumeister und Betriebsleiter der Privatbrauerei Schönram. Vielen Nachwuchsbrauern gilt er als Guru der deutschen Craft-Bier-Szene. Für seine Bierkreationen erhielt der 48-Jährige – den man meist  in bayerischer Traditionstracht antrifft – wohl mehr Auszeichnungen – national und international – wie kein anderer Brauer in diesem Land. Sein Leben ist eine einzigartige Story.

1. Wann und wie tranken Sie ihr erstes Bier?

Mein erstes Bier war ein Budweiser (US-Budweiser) aus der Dose an einem Lagerfeuer neben einem Biberteich in den „Laramie Mountains“ 30 km westlich meiner Heimat Cheyenne, Wyoming. Ich war 16 und mit meinen zwei besten Freunden beim Fliegenfischen. Wir hatten unser Abendessen gefangen und am Lagerfeuer zubereitet, dazu Budweiser und schottischen Whisky in viel zu großen Mengen getrunken… Gemessen am Schädelweh am nächsten Tag ist es ein Wunder, dass ich Bier noch mal getrunken habe (vom Whisky habe ich danach aber längere Zeit die Finger gelassen).

2. Wann und warum haben Sie sich für den Brauerberuf entschieden?

1987 hatte ich das Geologie/Geophysik-Studium in Golden, Colorado abgeschlossen und stand vor der Entscheidung, entweder nach Saudi Arabien zu gehen oder was Anderes zu machen; damals waren die einzigen Stellenangebote für frischgebackene Geophysiker in Saudi Arabien. Ich hatte mir eine Karriere beim US-Geologischen Vermessungsamt vorgestellt, sie hatten aber damals gerade Einstellungsstopp. Ich war zu der Zeit bereits seit drei Jahren als Hobby Brauer tätig, gleichzeitig ist die Bierrevolution in den USA langsam in Fahrt gekommen, ich habe mich also entschlossen, eine Brauerei in Wyoming aufzumachen, wollte aber das Bierbrauen richtig von Grund auf lernen und dachte, wenn so was irgendwo auf der Welt geht, dann in Deutschland. Ich bin blind nach Deutschland geflogen, hatte nur einen Platz für einen Sprachkurs am Goethe-Institut im Schwarzwald reserviert und sonst nichts… Jetzt bin ich (bis auf einen zweijährigen Abstecher als Braumeister in Belgien) immer noch da.

3. Auf welches Bier sind Sie besonders stolz und warum?

Eine schwierige Frage, da ich sie je nach Verfassung täglich anders beantworten würde. Sicherlich bin ich sehr stolz auf unser Schönramer Hell und das Schönramer Pils: gerade bei einem Hellen ist ein konstantes, gleichmäßig hohes Qualitätsniveau wegen des filigranen Charakters und der delikaten Harmonie zwischen Hopfen und Malz sehr schwer reproduzierbar. Auch unser Saphir Bock ist sehr gelungen; er sprengt den normalen Rahmen eines hellen Bocks und ist Beweis dafür, dass man belgisch anmutende Biere innerhalb des Reinheitsgebots brauen kann, ohne Zugabe von Zucker oder Kräutern. Zurzeit bin ich auch von unserem Bayrisch Pale Ale begeistert, die neue Hopfen-Sorte „Mandarina Bavaria“ kommt sehr gut zur Geltung und ich verspreche mir viel für die Zukunft dieses Hopfens.

4. Was macht für Sie ein wirklich gutes Spezialitätenbier aus?

Ein richtig gutes Bier muss ein unerklärlich anhaltendes Durstgefühl auslösen, das nach dem Genuss mehrerer Halbe oder Maß nicht im Geringsten nachlässt.

5. Was sind Ihre Lieblingshopfensorten?

Das ist wie wenn man einen stolzen Vater vieler Kinder fragt, welches sein Lieblingskind sei…

Als Allrounder ist Tradition ein sehr guter Hopfen, aber auch Select ist vielseitig einsetzbar. Saphir eignet sich besonders gut für Spezialbiere. Der Klassiker Hallertauer mittelfrüh kann klassischen Bieren das I-Tüperl verleihen und eine neu entdeckte Liebe zu Tettnanger hat mir auch die Augen geöffnet; die Sorte ist terroir-bedingt so abwechslungsreich wie die Landschaft rund um den Bodensee. Mandarina Bavaria, auch wenn der Name nicht besonders gelungen ist, bringt einen Hauch US-Hopfen-Charakter in jedes Spezialbier ein. Die alte Sorte Hersbrucker ist als Aroma-Hopfen sehr unterschätzt und kann das „gewisse Etwas“ liefern. Außerhalb Deutschlands finde ich Simcoe und Nelson Sauvin besonders spannend.

6. Was ist für Sie der schönste Ort der Welt?

Der schönste Ort der Welt kann ständig wechseln und hängt sehr stark von der Situation und der Mitmenschen ab. Er kann für mich in einem Biergarten oder auch in einem Wirtshaus sein, oder an einem See, und wenn er in der freien Natur ist, dann gehören für mich unweigerlich die Berge oder wenigstens ein Bergpanorama dazu. Gute Freunde und die richtige Stimmung machen den Ort vollkommen…

Wenn es bei mir rein um geographische Plätze geht, dann: In meiner Ur-Heimat ist der schönste Ort in den Bergen der „Snowy Range“ westlich von Laramie, Wyoming, und in Bayern auf dem Gipfel des Hochkalters. An beiden Standorten schmeckt Bier auch besonders gut…

7. Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Privat: so weit möglich dafür zu sorgen, dass meine Tochter zu einem feinen, glücklichen und zufriedenen Menschen heranwächst – das Bestreben nach eigenem Glück, sowie privat als auch beruflich, ist selbstverständlich… Beruflich: dazu beitragen, dass die Wertschätzung und Wertigkeit des Bieres im Allgemeinen massiv gesteigert wird, in dem wir stets erstklassige und anspruchsvolle Biere brauen…

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