Buchtipp zum Weihnachtsfest: „Craft-Bier – Brauen und Genießen“

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In seinem neuesten Werk geht der promovierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler sowie passionierte Hobbybrauer Hagen Rudolf explizit auf die Thematik Craft-Bier ein. Der Autor spricht mit bekannten Personen aus der Craft-Szene, um Aufschluss zu geben, was denn das Besondere an den neuen Kreativbieren ist, warum diese so ungewöhnlich schmecken und meist mehr kosten als herkömmliche Biere. Bei Rudolfs Gesprächspartner handelt es sich um Bierexperten, wie etwa Michael Hanreich, Braumeister beim Schlenkerla, Alexander Welzel, Geschäftsführer vom Online-Hopfenshop „Hopfen der Welt“, Thomas Vogel, Biersommelier und Geschäftsführer von der Brausystem GmbH „Das Bier!“ sowie die Brauerin und Inhaberin der Brauerei Schneeeule in Berlin.

Mit seinem Buch will Hagen Rudolf zum einen aufzeigen, was die Craft-Bierbewegung ausmacht und was sie in nur wenigen Jahren in der Getränkeindustrie bewirkt hat. Gleichzeitig sollen Craft-Novizen animiert werden, auch mal ein unkonventionelles Bier zu probieren. Hinzu kommen Informationen über Glaskultur, die sich durch die Craft-Szene immer vielfältiger gestaltet und praktische Ratschläge, wie man ein Bier richtig verkostet und was beim Thema Foodpairing zu beachten ist. Außerdem beschreibt der Autor, wie Aficionados zuhause ihr eigenes Craft-Bier brauen können und gibt hilfreiche Tipps.

So geht er auch explizit auf die Rohstoffe ein und erklärt, warum sich beispielsweise ein „Carabelge“-Malz besonders für Biere wie Blonde, Tripel oder Dubbel eignet, ein dunkles böhmisches Tennenmalz dagegen eher für dunkle Ales und Bockbiere pass. Selbst Hopfensorten wie Callista, Ariana sowie Sabro und der Einsatz des grünen Goldes beim Brauprozess finden Beachtung. Auch die Hefe wird als komplexester Bier-Rohstoff bis ins Detail aufgegriffen – selbst im Bezug auf alkoholfreie Sude. Alternative Zutaten wie Kräuter, Süßholz, Blüten, Kakao und Honig macht Rudolf ebenso zum Thema.

In „Craft-Bier – Brauen und Genießen“, das im Fachverlag Hans Carl erschienen ist, vermittelt der Autor aktuelles Wissen und mit seinen Expertengesprächen auch interessante Details, die sicherlich noch nicht jedermann weiß. Eher ein kurzweiliges Lesebuch als ein trockenes Lehrbuch, das sich an Craft-Novizen und Hobbybrauer richtet, sowie an alle Genussmenschen, die mehr über dieses spannende Thema wissen wollen.

www.carllibri.com, 24,90 Euro

Kommentar: Stunde der Propheten

So mancher Craft-Fan dürfte erstaunt darüber sein, was selbsternannte Marktpropheten in letzter Zeit an Hiobsbotschaften über die Craft-Szene so rausposaunen: Demnach schwächelt der Absatz im Handel, die Branche habe ihren Zenit erreicht und alles in allem sei der Hype bei Kreativbieren inzwischen vorbei. Nach neusten Erhebungen des Marktforschungsinstituts Nielsen wurde 2018 im deutschen Einzelhandel angeblich erstmals weniger Craft-Bier verkauft als noch im Jahr zuvor. Der Markt für Craft-Biere – so das Urteil – befinde sich im Stadium der Konsolidierung.

Wir sollten uns grundsätzlich von solchen Umfragen nicht verunsichern lassen. Selbst wenn der Handel über sinkende Umsätze klagt, so darf man die vielen Craft-Events nicht vergessen, bei denen an einem Tag manchmal mehr ausgeschenkt wird als so mancher Supermarkt im ganzen Jahr verkauft. Vielmehr sollte der Einzelhandel auch mal über eine bessere Beratung zum Thema Kreativbiere nachdenken. Nur mal eben ein Regal mit alternativen Suden aufzustellen, reicht eben nicht aus.

Wenn sich der weltweit größte Braukonzern AB InBev an einem deutschen Craft-Pionier wie der Münchner Crew Republic beteiligt, mit Brewdog die wohl größte europäische Craft-Brauerei massiv in Berlin investiert, immer mehr Traditionsbrauereien sich an neue Hopfenbomben heranwagen und selbst einschlägige Braugiganten mit neuen Suden werben, kann das nicht bedeuten, dass ein Markt rückläufig ist. Ganz im Gegenteil. Forschungsergebnisse des renommierten Marktforschungsinstituts Mintel besagen vielmehr, dass Europa – und hier insbesondere Deutschland – inzwischen bei Produkteinführungen von Craft-Bieren sogar weitaus innovativer ist als Nordamerika.

Klar ist, der noch junge Craft-Markt durchlebt – wie auch jede andere Branche in ihren Anfangsjahren – gewisse Veränderungsprozesse. Konsolidierung ist dabei ein ganz normaler Prozess. Kreativbiere, so das Urteil wahrer Marktkenner, sind in der Gesellschaft angekommen. Definitiv! Auch wenn der Einzelhandel noch hinterherhinkt, steht fest: Der deutsche Craft-Biermarkt wird weiterwachsen und sich innerhalb einer Genussbranche weiter als feste Größe etablieren.

Erschienen in Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Craft-Bier-Trends 2019 – eine Prognose

Credit: Rawpixel_Pixabay

Alle Jahre wieder: ob im TV, im Radio oder in Zeitungen und Zeitschriften – überall werden derzeit obligatorischen Jahresrückblicke präsentiert. Bei all den Turbulenzen, die auch Craft-Brauer im vergangenen Jahr überstehen mussten, möchte ich lieber einen Blick in die Zukunft werfen. Im folgenden Szenario habe ich eine Prognose mit 10 Trends gewagt, was uns meiner Meinung nach 2019 in der Craft-Bierszene erwartet.

  1. Tradition trifft Moderne: Klassische Bierstile wie Pils, Helles und Weißbier erleben weiterhin eine Renaissance. Um neue Zielgruppen anzusprechen, setzen Craft-Brauer vermehrt auf traditionelle Stilistik, denen sie jedoch neues Leben einhauchen, in dem sie die Biere mit Aromahopfen, speziellen Malzen oder ungewöhnlichen Hefen modern interpretieren.
  2. Hohe Trinkbarkeit: Schon US-amerikanische Craft-Bierhelden wie Ken Grossmann von Sierra Nevada prophezeite vor rund zwei Jahren, dass die Szene künftig auf leichte, aber hocharomatische und vor allem trinkbare Biere schwört. Stimmt! So mancher Brauer wird sich auch hierzulande mehr auf solche Sude mit weniger Umdrehungen konzentrieren, bei dessen Genuss man nicht gleich nach zwei Gläsern vom Hocker kippt.
  3. Mehr Qualität: Zu einem immer wichtigeren Thema wird die Qualität von Craft-Bieren. Erfahrene Craft-Genießer erkennen inzwischen Qualität und Pfusch beim Brauen und sind von deutlichen Fehlaromen häufig enttäuscht. Viele Craft-Brauer setzten deshalb in Zukunft noch stärker auf wirklich saubere Biere.
  4. Neuer Rohstoff-Star: Nach Hopfen und Malz tritt die Hefe jetzt immer mehr in den Vordergrund bei neuen Craft-Kreationen. Zahlreiche Craft-Brauer experimentieren inzwischen mit teilweise noch völlig unbekannten Mikroorganismen und erzielen damit ganz ungewöhnliche Aromaspiele. Auch bei alkoholfreien Bieren kommen verstärk solche speziellen Hefen zunehmend zum Einsatz, die Sude auch ohne Alkoholpower zu einem spannenden Genussabenteuer machen.
  5. Bitter vs. Flavour: Nach anfänglicher Euphorie reduzieren deutsche Hopfenbauern ein Großteil ihrer Flavour-Sorten und setzen – bedingt durch weltweite Nachfragedynamik – wieder auf lukrativere Bittersorten. Die Rückbesinnung kann man auch im aktuellen Barth-Haas Hopfenbericht nachlesen. Somit orientieren sich Craft-Brauer künftig noch stärker für ihre fruchtbetonten Biere an Sorten aus USA oder Neuseeland.
  6. Sauer schafft Genuss: In Belgien haben Sauerbiere eine lange Tradition. Aber auch hierzulande setzen Brauer wieder stärker auf deutsche Oldies wie Berliner Weiße und Gose oder probieren sich mit ganz eigenen Sauerinterpretationen. Sauerbiere treten einen Siegeszug um die Welt an – denn vor allem im Sommer sind diese Sorten ein polarisierender Hochgenuss.
  7. Edles aus dem Fass: Immer mehr Brauer legen ihre Biere zur perfekten Reifung in vorbelegte Holzfässer. Im Trend liegen derzeit alkoholreichere Gerstensäfte, die monatelang in Whisky-, Wein-, Brandy- oder Sherry-Fässern reiften. Hinter diesen Bierspezialitäten verbergen sich wahre Geschmacksfeuerwerke mit kräftigen Umdrehungen. Barrel-aging heißt das Zauberwort, was übersetzt nichts anderes bedeutet, als Fassreifung. Hinter diesem Anglizismus stehen seltene Biere, die die Aromatik der zuvor gelagerten Alkoholgeister annehmen. Viele Kreativbrauer haben schon in 2018 solche Fässer geordert und wollen in diesem Jahr ihre Fans mit ganz ungewöhnlichen Suden überraschen.
  8. Do it Yourself: Dieses Jahr bekommen Hobbybrauer eine noch größere Bühne als bisher. Für 2019 werden neue Festivals angekündigt, auf Messen entstehen eigene Präsentationsbereiche und immer mehr neue Homebrew-Awards werden aus der Taufe gehoben, damit auch Freizeitbrauer ihre Biere zeigen können. Man weiß ja nie, wer vielleicht einer der neuen Top-Craft-Brauer sein könnte…
  9. Kulinarische Erlebnisse: Craft-Bier etabliert sich zu einem immer stärkeren Bestandteil in der Gastronomie. Neben Weinkarten liegen vermehrt auch Bierkarten in modernen Restaurants aus. Zudem werden in modernen Locations immer häufiger Bierverkostungen angeboten oder als Menü-Begleitungen anstatt Wein auch mal ein Pale Ale, Stout oder Barley Wine empfohlen.
  10. Erste Marktbereinigungen: In der Craft-Szene ist es längst kein Geheimnis mehr: die anfängliche Goldgräberstimmung unter den Brauern weicht immer mehr Ernüchterung. Im vergangenen Jahr mussten schon einige Craft-Stätten ihre Pforten schließen. Brauer, die jedoch auf Qualität setzten und ihre Hausaufgaben in Sachen Marketing machten, konnten sich im Markt zu behaupten und ihre Position stärken. Einige mussten ernüchternd feststellen: Das Business im Craft-Bierbereich ist schwerer, als sich wohl viele vorgestellt haben. Der Verdrängungswettbewerb – darüber sind sich viele Brauer einig – dürfte 2019 noch härter werden.

Ungewöhnliche Winterbiere

Stark, stärker, Winterbier: Mit der kalten Jahreszeit beginnt auch wieder die Saison der alkoholreichen Sude. Das sind aber nicht nur Bockbiere. In der Craft-Bierszene gibt es noch viel prächtigere Spezialitäten zu entdecken. Taucht bei der Verkostung ein in die Welt der kräftigen Sude, die auch aus Biernationen stammen, die wohl nur die wenigsten auf dem Schirm haben. Lasst euch überraschen, wie vielfältig und aromatisch solche Biere sein können.

Max. 20 Teilnehmer
Kosten: 59 Euro inklusive Essen

Anmeldungen bitte unter maximilian.heisler@gmail.de ODER 0176/84034005

Pilgrim: Modernes Craft-Bier aus uralten Gemäuern

20181025_131101Erst langsam erkämpft sich die Schweiz einen Ruf als attraktive Kreativbier-Nation. Umso mehr erstaunt, dass sich eine alte Benediktiner-Abtei mit 900-jähriger Tradition nun mit einer Craft-Bier-Kollektion für Furore sorgt. Unter dem Markennamen Pilgrim hat sich Braumeister Martin Wartmann im Kloster Fischingen im Kanton Thurgau, im Nordwesten des Alpenstaates, an mehr als ein Dutzend handwerklicher Sude herangemacht, die sich teilweise fernab des deutschen Reinheitsgebotes bewegen. Ich hatte jetzt die Möglichkeit, gleich vier der Pilgrim-Biere aus der einzigen Klosterbrauerei der Schweiz zu probieren.

20181025_131203Mit seinem „Cherry Ale“ schuf Brauer Wartmann ein gelungenes Aperitif-Bier. Das belgisch Blond leuchtet in einem dunklen Rubinrot im Glas, bedeckt mit schneeweißer Krone. Der im Braukessel verarbeitete Kirschsaft macht sich in der Nase ebenso intensiv wie am Gaumen bemerkbar. Die Fruchtnoten paaren sich aber auch mit verschiedenen Gewürzen und einem malzigen Grundton aus Hafer, Gerste und Weizen, der dem Sud etwas an Frucht nimmt. Am Gaumen hinterlässt das 4,5-prozentige Bier einen frischen Geschmack. Insgesamt könnte das „Cherry Ale“ noch etwas spritziger sein.

20181025_134632Spannender ist das mit verschiedenen Kräutern angesetzte „Waldbier“ nach der Art belgischer Wit- und Gruutbiere. Dieser Pilgrim-Ableger ist mit Eisenkraut, Tannen- und Pinienzapfen gebraut und erzielt gute 5,9 Umdrehungen. Schon beim Öffnen der Flasche umschmeicheln die Kräuteraromen den Geruchsinn und erinnern den Genießer an einen Waldspaziergang. Mit dezenten 15 bis 20 IBU ist der Trunk auf eine leichte Bittere ausgelegt. Alles in allem ein ungewöhnlicher Sud, der an historische Rezepturen erinnert, als die Mönche noch allerlei Kräuter und Wurzeln in den Kessel gaben um die Rauschwirkung zu verstärken.

20181025_132552Etwas kräftiger ist das nach belgischen Rezepten ausgelegte Amber Ale mit 5,7 Prozent Alkoholgehalt. Das bernsteinfarbene Bier soll an historische Abteibiere erinnern, die sich einst Mönche und Pilger als gängige Tafelbiere gönnten. Das nach einem uralten Maischerezepte gebraute Amber duftet fein-würzig nach diversen Kräutern, bei denen vor allem Nelkenaromen herausragen. Am Gaumen dominiert eine feine Malznote mit Anklängen von Karamell und Steinfrüchten. Zarte 15 IBU sorgen auch bei diesem Ale für eine geringe Bittere und machen das Bier zu einem vielseitigen Essensbegleiter.

Schlank und rank wirkt das in New England Style gebraute IPA. Der mit US-Cascade und -Citra gehopfte Trunk erzielt 6,6 Prozent Alkoholgehalt und mit rund 50 IBU eine respektable Bittere. Aromen von Zitrusfrüchten und ein Hauch von Litschi geben dem Bier eine angenehme Drinkability. Im Finish erobern dezente Mango-Noten den Gaumen. Allerdings überlagert der malzbetonte Körper ein wenig den fruchtbetonten Hopfeneinsatz. Mit einem typischen NEIPA hat das Bier leider nicht besonders viel gemein.

Fazit: Die vier degustierten Alltagsbiere aus dem Kloster Fischingen sind ein gelungener Einstieg in die Pilgrim-Welt, die auch mit 10-prozentigen Triple Blanches, 15-prozentigen Imperial Stouts und 15-prozentigen Imperial Belgian Blonds aufwartet. Was Braumeister Wartmann hier bereits auf die Beine gestellt hat, lässt auf weitere Überraschungen hoffen.

 

Kommentar: Keine Panik!

Erfolg zeigt manchmal sonderbare Seiten – auch in der Craft-Bierszene: Tonfall und Sitten werden rauer, Neid und Missgunst kennzeichnen heute so manche Diskussion, Brauer sticheln gegen Sommeliers, diese stänkern gegen neue Kreativbiere und selbst die Blogger-Gemeinde setzt ätzende Duftmarken. Es scheint, als habe die Devise aus den Anfängen „nur gemeinsam sind wir stark“, für viele Marktplayer inzwischen an Gültigkeit verloren.

Was aber soll der ganze Zoff? Es gibt weder Grund zum Streiten noch zum Jammern. Auch wenn der Anteil von Kreativsuden am Bierkonsum insgesamt noch relativ gering ist, hat sich Craft-Bier hierzulande doch ziemlich schnell etabliert und ist aus vielen Bars, Shops und Restaurants nicht mehr wegzudenken. Gewiss, der Markt steckt noch immer in den Windeln und wächst derzeit vielleicht nicht ganz so rasant, wie ungeduldige Tatmenschen in der Anfangshysterie erhofften. Wer die Craft-Branche jedoch nur als Goldgrube sieht, wird schnell Ernüchterung spüren. Man bedenke: Auch der US-Markt hat mehr als zwanzig Jahre gebraucht, bis er zur Erfolgsgeschichte wurde.

Es gibt also keineswegs Grund zur Panik, wenn mal wieder eine Craft-Kneipe schließen muss, finanzschwache Jungbrauer sich aus dem Markt zurückziehen, Landbrauereien glücklos das Spezialitätengeschäft aufgeben oder ehrgeizig gestartete Bier-Magazine nach wenigen Monaten dicht machen. Vielmehr geht es hier um ganz normale Turbulenzen in einer vor allem in Sachen Marketing noch unerfahrenen Wachstumsbranche. In ihrer ungestümen Startphase ist die Craft-Szene kein Revier für Zauderer und Zögerer – probieren, riskieren und experimentieren gehört zum Tagesgeschäft. Also Leute, übt euch einfach in Geduld, denn große Kessel kochen langsam, wie jeder Brauer weiß. Eines ist ganz sicher: Die Craft-Branche wird kräftig weiterwachsen und uns auch künftig mit wundervollen Suden überraschen.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Partnerprogramm: 24 Tage vorweihnachtlicher Gaumenschmaus

beyond-beer-onlineshop-adventskalender-171005[Sponsored Post] Es ist immer noch Herbst, aber es weihnachtet schon sehr: Lebkuchen, Dominosteine und Schokomänner stehen bereits in den Supermarktregalen und auf Märkten wird der erste Glühwein ausgeschenkt. Das ist zwar alles irgendwie pervers, aber mit dem ersten Zimtgebäck beginnt auch wieder die wunderbare Zeit der Bieradventskalender. Und die gibt es inzwischen zum Selbstbasteln, mit individueller Sud-Auswahl, mit ganz traditionellen Sorten und natürlich mit richtig kreativen Bieren. Mein Tipp: Der „Craft Beer Adventskalender“ vom Craft-Shop Beyond Beer aus Hamburg.

Warum ausgerechnet den? Weil der Kalender nicht nur schick aussieht, sondern sich vor allem wegen des Inhalts wirklich sehen lassen kann. Hinter jedem der 24 Türchen steckt ein wirkliches Geschmacksabenteuer. Liebevoll hat das Beyond Beer-Team verschiedene Bierstile von IPA, Witbier und Berliner Weiße bis hin zu Spiced Porter, Stout und Dubbel zusammengestellt – so wird das Türöffnen nicht langweilig. Die Craft-Biere stammen überwiegend aus Norwegen, Belgien und Deutschland. Im Paket steckt außerdem eine ausführliche Beschreibung der jeweiligen Biere sowie ein Tasting-Booklet für eigenen Notizen. Mit diesem Adventskalender kann man nicht nur Freunden oder Familie eine Freude machen, sondern auch sich selbst. Noch ein Tipp: einfach nur bestellen, und nicht auf der Website schauen, welche Biere denn wirklich drin sind. Umso größer ist dann die Überraschung. Bestellen könnt ihr ab sofort hier: Craft Beer Adventskalender.

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Craft-Bier des Monats: Buddelships „Mr. B“ – New England IPA per excellence

IMG_20170909_212501_129Es ist immer wieder spannend zu schmecken, was Lagerung und Alterung bei Craft-Bier ausmachen kann. Vor einiger Zeit kaufte ich das New England IPA von Buddelship namens „Mr. B“ in einem Online-Biershop. Es war in der Nase und am Gaumen echt ok. Vergangenen Woche traf ich bei den Hopfentagen in Wolnzach den Brauer Simon Siemsglüss. Der Hamburger hatte das Bier frisch aus der Brauerei dabei. Ich habe mich dort allein schon in den Duft verliebt – der war ganz anders, als bei meiner ersten Verkostung.

  •    Brauerei: Buddelship
  •    Herkunft: Hamburg
  •    Bierstil: New England IPA (NEIPA)
  •    Alkoholgehalt: 6,7 Prozent
  •    Stammwürze: 16,3 °P
  •    Farbe: saftiges Orange, trüb
  •    Schaum: feinporig, cremig
  •    Hopfen: Motueka, Callista, Citra
  •    Malz: Gersten- und Weizenmalz
  •    Bittereinheiten: 40 IBU

Das 6,7-prozentige NEIPA ist stiltypisch total trüb. Sieht aber durch einen strahlenden Orangeton und eine schneeweiße, feinporige Schaumkrone mehr als appetitlich aus. In meine Nase strömen Aromen von tropischen Früchten wie Mango, Maracuja und Ananas aber auch Zitrusnoten von Orange, Pampelmuse und Zitrone. Im Antrunk erinnert „Mr. B“ an einen Fruchtsaft, dann prickelt das Craft aber schön erfrischend auf der Zunge. Hier vereinen sich dann die fruchtigen Hopfennoten per excellence: Mango, Grapefruit, Maracuja und Orange. Eine gewisse Würze gesellt sich noch dazu. Angeblich hat Simon übrigens 25 Gramm des grünen Goldes pro Liter hinzugegeben. Die 40 Bittereinheiten zeigen sich im Finish, die das Gesamtbild noch mehr harmonisieren.

Fazit: Wow, dieses New England IPA ist echt gefährlich. Jeder Schluck macht Lust auf einen nächsten. Wer es gern mega fruchtig und saftig mag, kommt an „Mr. B“ nicht vorbei. Ich bin kurz davor mich auf den Weg nach Hamburg zu machen und mir das Auto mit frischen Flaschen vollzuladen…

 

Gotlands Bryggeri: Blaubeer-Bier von der Schweden-Insel

20160821_181027Einen Brautag ohne nebenbei ein paar Biere zu genießen ist langweilig. Gestern setzten meine Schwester und ich einen obergärigen Sud mit Mosaic und Chinook-Hopfen an. Nach dem Läutern öffneten wir uns das „Mors Lilla Bulldog – Blåbärs IPA“ mit 6,6 Prozent von der schwedischen Gotlands Bryggeri in Visby.

Was das Bier nun mit „Mutters kleiner Bulldogge“ zu tun hat, bleibt beim Verkosten ein Rätsel. Aber das Design hat was. Auf mehreren Etiketten der Gotländer lacht einem dieser Hund entgegen. Vermutlich eine Serie. Nun ja, jedenfalls regt die Farbe des IPAs schon mal den Appetit an: Rötlich mit einem leichten Fliederton glänzt es im Glas. Lässt also schon vermuten, dass dieses Nordland-IPA tatsächlich mit Blaubeeren gebraut wurde. Es verströmt einen kraftvollen beerigen Duft, den Zitrusnoten und eine schöne Hopfigkeit begleiten. Auf der Zunge hat das Craft dann dezente Anklänge der blauen Waldbeeren und etwas Limone. Eher dominiert die Herbe des Hopfens. Leider sind keine genauen Angaben zu den Zutaten auf Etikett oder Brauerei-Website zu finden. Da muss man wieder mal raten. Untermauert ist das Insel-Bier von einer Dosis Waldhonig, die eine dezente Süße mitbringt. Eine grasige Bittere mit leichter Fruchtnuance bleibt am Gaumen zurück.

Fazit: Ein interessantes IPA, das mir allerdings etwas zu unharmonisch ist. Wir haben uns beim Anblick auf das Etikett total auf eine schöne Blaubeernote auf der Zunge gefreut, die dann leider nur unterschwellig durchdringt. Die, ich schätze mal rund 80 Bittereinheiten, sind ziemlich knackig und überlagern etwas das feine fruchtige Aroma. Dennoch war es ein Genuss, ein Bier von der schwedischen Insel zu trinken. Ein paar weitere IPA`s mit der Bulldogge stehen schon im Kühlschrank.

Wo es das gibt? Zum Beispiel hier.

 

Airbräu: Flughafenmanufaktur hebt mit Craft-Bier ab

20160812_201406Sie gilt als die einzige Flughafenbrauerei der Welt. Auf jeden Fall ist sie bislang gleichermaßen beliebt bei Geschäftsreisenden und Touristen, die auf ehrliche und bodenständige Biere nach bayerischer Machart stehen. Jetzt hat der Münchner Airbräu, direkt am Franz-Josef-Strauss Flughafen, aber auf die Zeichen der Zeit reagiert. Mit seinem „AirCraft“ will Brauer René Jacobsen jetzt auch genussfreudige Liebhaber gut gehopfter Biere aus aller Welt bedienen. Sein goldfarbenes Helles, das er als Single-Hop mit reichlich Hallertauer Perle und traditionellem Gerstenmalz angesetzt hat, überrascht durch Frische und Süffigkeit. Der Sud reift über einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen bei drei Grad Celsius im Gärtank, bevor er dann vom Brauer in kleinen Mengen handgezapft abgefüllt wird. Aber nicht nur die  die Herstellung, auch das Logo-Design und die Etikettierung der Flaschen sind handgemacht.

In der Nase duftete das 4,9-prozentige Vollbier wie ein traditionelles Helles: malzig, aber mit mäßiger Süße. Doch am Gaumen überrascht AirCraft trotz seines dominierenden Malzcharkters mit einer feinen Bittere und mit ausgewogenen Fruchtaromen, die entfernt an Blutorange und ein wenig an reife Aprikose erinnern. Hinzu kommt ein leichter Zederngeschmack, der zur Charakteristika der Hallertauer Perle zählt.

Fazit: Obwohl der alleinige Einsatz von Hallertauer Perle nicht gerade eine gewagte Hopfenkombination im Sinne kreativer Craft-Biere darstellt, so ist dennoch ein leckerer Trunk entstanden. Vor allem ist es eine super Idee des Airbräu-Teams, auch am Flughafen etwas Besonderes anzubieten. Alles in allem ist das Flughafen-Craft ein wirklich gekonntes Helles und man kann sich nur wünschen, dass sich die Brau-Mannschaft künftig auch noch an weitere Sude herantraut.