Ungewöhnliche Winterbiere

Stark, stärker, Winterbier: Mit der kalten Jahreszeit beginnt auch wieder die Saison der alkoholreichen Sude. Das sind aber nicht nur Bockbiere. In der Craft-Bierszene gibt es noch viel prächtigere Spezialitäten zu entdecken. Taucht bei der Verkostung ein in die Welt der kräftigen Sude, die auch aus Biernationen stammen, die wohl nur die wenigsten auf dem Schirm haben. Lasst euch überraschen, wie vielfältig und aromatisch solche Biere sein können.

Max. 20 Teilnehmer
Kosten: 59 Euro inklusive Essen

Anmeldungen bitte unter maximilian.heisler@gmail.de ODER 0176/84034005

Pilgrim: Modernes Craft-Bier aus uralten Gemäuern

20181025_131101Erst langsam erkämpft sich die Schweiz einen Ruf als attraktive Kreativbier-Nation. Umso mehr erstaunt, dass sich eine alte Benediktiner-Abtei mit 900-jähriger Tradition nun mit einer Craft-Bier-Kollektion für Furore sorgt. Unter dem Markennamen Pilgrim hat sich Braumeister Martin Wartmann im Kloster Fischingen im Kanton Thurgau, im Nordwesten des Alpenstaates, an mehr als ein Dutzend handwerklicher Sude herangemacht, die sich teilweise fernab des deutschen Reinheitsgebotes bewegen. Ich hatte jetzt die Möglichkeit, gleich vier der Pilgrim-Biere aus der einzigen Klosterbrauerei der Schweiz zu probieren.

20181025_131203Mit seinem „Cherry Ale“ schuf Brauer Wartmann ein gelungenes Aperitif-Bier. Das belgisch Blond leuchtet in einem dunklen Rubinrot im Glas, bedeckt mit schneeweißer Krone. Der im Braukessel verarbeitete Kirschsaft macht sich in der Nase ebenso intensiv wie am Gaumen bemerkbar. Die Fruchtnoten paaren sich aber auch mit verschiedenen Gewürzen und einem malzigen Grundton aus Hafer, Gerste und Weizen, der dem Sud etwas an Frucht nimmt. Am Gaumen hinterlässt das 4,5-prozentige Bier einen frischen Geschmack. Insgesamt könnte das „Cherry Ale“ noch etwas spritziger sein.

20181025_134632Spannender ist das mit verschiedenen Kräutern angesetzte „Waldbier“ nach der Art belgischer Wit- und Gruutbiere. Dieser Pilgrim-Ableger ist mit Eisenkraut, Tannen- und Pinienzapfen gebraut und erzielt gute 5,9 Umdrehungen. Schon beim Öffnen der Flasche umschmeicheln die Kräuteraromen den Geruchsinn und erinnern den Genießer an einen Waldspaziergang. Mit dezenten 15 bis 20 IBU ist der Trunk auf eine leichte Bittere ausgelegt. Alles in allem ein ungewöhnlicher Sud, der an historische Rezepturen erinnert, als die Mönche noch allerlei Kräuter und Wurzeln in den Kessel gaben um die Rauschwirkung zu verstärken.

20181025_132552Etwas kräftiger ist das nach belgischen Rezepten ausgelegte Amber Ale mit 5,7 Prozent Alkoholgehalt. Das bernsteinfarbene Bier soll an historische Abteibiere erinnern, die sich einst Mönche und Pilger als gängige Tafelbiere gönnten. Das nach einem uralten Maischerezepte gebraute Amber duftet fein-würzig nach diversen Kräutern, bei denen vor allem Nelkenaromen herausragen. Am Gaumen dominiert eine feine Malznote mit Anklängen von Karamell und Steinfrüchten. Zarte 15 IBU sorgen auch bei diesem Ale für eine geringe Bittere und machen das Bier zu einem vielseitigen Essensbegleiter.

Schlank und rank wirkt das in New England Style gebraute IPA. Der mit US-Cascade und -Citra gehopfte Trunk erzielt 6,6 Prozent Alkoholgehalt und mit rund 50 IBU eine respektable Bittere. Aromen von Zitrusfrüchten und ein Hauch von Litschi geben dem Bier eine angenehme Drinkability. Im Finish erobern dezente Mango-Noten den Gaumen. Allerdings überlagert der malzbetonte Körper ein wenig den fruchtbetonten Hopfeneinsatz. Mit einem typischen NEIPA hat das Bier leider nicht besonders viel gemein.

Fazit: Die vier degustierten Alltagsbiere aus dem Kloster Fischingen sind ein gelungener Einstieg in die Pilgrim-Welt, die auch mit 10-prozentigen Triple Blanches, 15-prozentigen Imperial Stouts und 15-prozentigen Imperial Belgian Blonds aufwartet. Was Braumeister Wartmann hier bereits auf die Beine gestellt hat, lässt auf weitere Überraschungen hoffen.

 

Kommentar: Keine Panik!

Erfolg zeigt manchmal sonderbare Seiten – auch in der Craft-Bierszene: Tonfall und Sitten werden rauer, Neid und Missgunst kennzeichnen heute so manche Diskussion, Brauer sticheln gegen Sommeliers, diese stänkern gegen neue Kreativbiere und selbst die Blogger-Gemeinde setzt ätzende Duftmarken. Es scheint, als habe die Devise aus den Anfängen „nur gemeinsam sind wir stark“, für viele Marktplayer inzwischen an Gültigkeit verloren.

Was aber soll der ganze Zoff? Es gibt weder Grund zum Streiten noch zum Jammern. Auch wenn der Anteil von Kreativsuden am Bierkonsum insgesamt noch relativ gering ist, hat sich Craft-Bier hierzulande doch ziemlich schnell etabliert und ist aus vielen Bars, Shops und Restaurants nicht mehr wegzudenken. Gewiss, der Markt steckt noch immer in den Windeln und wächst derzeit vielleicht nicht ganz so rasant, wie ungeduldige Tatmenschen in der Anfangshysterie erhofften. Wer die Craft-Branche jedoch nur als Goldgrube sieht, wird schnell Ernüchterung spüren. Man bedenke: Auch der US-Markt hat mehr als zwanzig Jahre gebraucht, bis er zur Erfolgsgeschichte wurde.

Es gibt also keineswegs Grund zur Panik, wenn mal wieder eine Craft-Kneipe schließen muss, finanzschwache Jungbrauer sich aus dem Markt zurückziehen, Landbrauereien glücklos das Spezialitätengeschäft aufgeben oder ehrgeizig gestartete Bier-Magazine nach wenigen Monaten dicht machen. Vielmehr geht es hier um ganz normale Turbulenzen in einer vor allem in Sachen Marketing noch unerfahrenen Wachstumsbranche. In ihrer ungestümen Startphase ist die Craft-Szene kein Revier für Zauderer und Zögerer – probieren, riskieren und experimentieren gehört zum Tagesgeschäft. Also Leute, übt euch einfach in Geduld, denn große Kessel kochen langsam, wie jeder Brauer weiß. Eines ist ganz sicher: Die Craft-Branche wird kräftig weiterwachsen und uns auch künftig mit wundervollen Suden überraschen.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Partnerprogramm: 24 Tage vorweihnachtlicher Gaumenschmaus

beyond-beer-onlineshop-adventskalender-171005[Sponsored Post] Es ist immer noch Herbst, aber es weihnachtet schon sehr: Lebkuchen, Dominosteine und Schokomänner stehen bereits in den Supermarktregalen und auf Märkten wird der erste Glühwein ausgeschenkt. Das ist zwar alles irgendwie pervers, aber mit dem ersten Zimtgebäck beginnt auch wieder die wunderbare Zeit der Bieradventskalender. Und die gibt es inzwischen zum Selbstbasteln, mit individueller Sud-Auswahl, mit ganz traditionellen Sorten und natürlich mit richtig kreativen Bieren. Mein Tipp: Der „Craft Beer Adventskalender“ vom Craft-Shop Beyond Beer aus Hamburg.

Warum ausgerechnet den? Weil der Kalender nicht nur schick aussieht, sondern sich vor allem wegen des Inhalts wirklich sehen lassen kann. Hinter jedem der 24 Türchen steckt ein wirkliches Geschmacksabenteuer. Liebevoll hat das Beyond Beer-Team verschiedene Bierstile von IPA, Witbier und Berliner Weiße bis hin zu Spiced Porter, Stout und Dubbel zusammengestellt – so wird das Türöffnen nicht langweilig. Die Craft-Biere stammen überwiegend aus Norwegen, Belgien und Deutschland. Im Paket steckt außerdem eine ausführliche Beschreibung der jeweiligen Biere sowie ein Tasting-Booklet für eigenen Notizen. Mit diesem Adventskalender kann man nicht nur Freunden oder Familie eine Freude machen, sondern auch sich selbst. Noch ein Tipp: einfach nur bestellen, und nicht auf der Website schauen, welche Biere denn wirklich drin sind. Umso größer ist dann die Überraschung. Bestellen könnt ihr ab sofort hier: Craft Beer Adventskalender.

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Craft-Bier des Monats: Buddelships „Mr. B“ – New England IPA per excellence

IMG_20170909_212501_129Es ist immer wieder spannend zu schmecken, was Lagerung und Alterung bei Craft-Bier ausmachen kann. Vor einiger Zeit kaufte ich das New England IPA von Buddelship namens „Mr. B“ in einem Online-Biershop. Es war in der Nase und am Gaumen echt ok. Vergangenen Woche traf ich bei den Hopfentagen in Wolnzach den Brauer Simon Siemsglüss. Der Hamburger hatte das Bier frisch aus der Brauerei dabei. Ich habe mich dort allein schon in den Duft verliebt – der war ganz anders, als bei meiner ersten Verkostung.

  •    Brauerei: Buddelship
  •    Herkunft: Hamburg
  •    Bierstil: New England IPA (NEIPA)
  •    Alkoholgehalt: 6,7 Prozent
  •    Stammwürze: 16,3 °P
  •    Farbe: saftiges Orange, trüb
  •    Schaum: feinporig, cremig
  •    Hopfen: Motueka, Callista, Citra
  •    Malz: Gersten- und Weizenmalz
  •    Bittereinheiten: 40 IBU

Das 6,7-prozentige NEIPA ist stiltypisch total trüb. Sieht aber durch einen strahlenden Orangeton und eine schneeweiße, feinporige Schaumkrone mehr als appetitlich aus. In meine Nase strömen Aromen von tropischen Früchten wie Mango, Maracuja und Ananas aber auch Zitrusnoten von Orange, Pampelmuse und Zitrone. Im Antrunk erinnert „Mr. B“ an einen Fruchtsaft, dann prickelt das Craft aber schön erfrischend auf der Zunge. Hier vereinen sich dann die fruchtigen Hopfennoten per excellence: Mango, Grapefruit, Maracuja und Orange. Eine gewisse Würze gesellt sich noch dazu. Angeblich hat Simon übrigens 25 Gramm des grünen Goldes pro Liter hinzugegeben. Die 40 Bittereinheiten zeigen sich im Finish, die das Gesamtbild noch mehr harmonisieren.

Fazit: Wow, dieses New England IPA ist echt gefährlich. Jeder Schluck macht Lust auf einen nächsten. Wer es gern mega fruchtig und saftig mag, kommt an „Mr. B“ nicht vorbei. Ich bin kurz davor mich auf den Weg nach Hamburg zu machen und mir das Auto mit frischen Flaschen vollzuladen…

 

Gotlands Bryggeri: Blaubeer-Bier von der Schweden-Insel

20160821_181027Einen Brautag ohne nebenbei ein paar Biere zu genießen ist langweilig. Gestern setzten meine Schwester und ich einen obergärigen Sud mit Mosaic und Chinook-Hopfen an. Nach dem Läutern öffneten wir uns das „Mors Lilla Bulldog – Blåbärs IPA“ mit 6,6 Prozent von der schwedischen Gotlands Bryggeri in Visby.

Was das Bier nun mit „Mutters kleiner Bulldogge“ zu tun hat, bleibt beim Verkosten ein Rätsel. Aber das Design hat was. Auf mehreren Etiketten der Gotländer lacht einem dieser Hund entgegen. Vermutlich eine Serie. Nun ja, jedenfalls regt die Farbe des IPAs schon mal den Appetit an: Rötlich mit einem leichten Fliederton glänzt es im Glas. Lässt also schon vermuten, dass dieses Nordland-IPA tatsächlich mit Blaubeeren gebraut wurde. Es verströmt einen kraftvollen beerigen Duft, den Zitrusnoten und eine schöne Hopfigkeit begleiten. Auf der Zunge hat das Craft dann dezente Anklänge der blauen Waldbeeren und etwas Limone. Eher dominiert die Herbe des Hopfens. Leider sind keine genauen Angaben zu den Zutaten auf Etikett oder Brauerei-Website zu finden. Da muss man wieder mal raten. Untermauert ist das Insel-Bier von einer Dosis Waldhonig, die eine dezente Süße mitbringt. Eine grasige Bittere mit leichter Fruchtnuance bleibt am Gaumen zurück.

Fazit: Ein interessantes IPA, das mir allerdings etwas zu unharmonisch ist. Wir haben uns beim Anblick auf das Etikett total auf eine schöne Blaubeernote auf der Zunge gefreut, die dann leider nur unterschwellig durchdringt. Die, ich schätze mal rund 80 Bittereinheiten, sind ziemlich knackig und überlagern etwas das feine fruchtige Aroma. Dennoch war es ein Genuss, ein Bier von der schwedischen Insel zu trinken. Ein paar weitere IPA`s mit der Bulldogge stehen schon im Kühlschrank.

Wo es das gibt? Zum Beispiel hier.

 

Airbräu: Flughafenmanufaktur hebt mit Craft-Bier ab

20160812_201406Sie gilt als die einzige Flughafenbrauerei der Welt. Auf jeden Fall ist sie bislang gleichermaßen beliebt bei Geschäftsreisenden und Touristen, die auf ehrliche und bodenständige Biere nach bayerischer Machart stehen. Jetzt hat der Münchner Airbräu, direkt am Franz-Josef-Strauss Flughafen, aber auf die Zeichen der Zeit reagiert. Mit seinem „AirCraft“ will Brauer René Jacobsen jetzt auch genussfreudige Liebhaber gut gehopfter Biere aus aller Welt bedienen. Sein goldfarbenes Helles, das er als Single-Hop mit reichlich Hallertauer Perle und traditionellem Gerstenmalz angesetzt hat, überrascht durch Frische und Süffigkeit. Der Sud reift über einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen bei drei Grad Celsius im Gärtank, bevor er dann vom Brauer in kleinen Mengen handgezapft abgefüllt wird. Aber nicht nur die  die Herstellung, auch das Logo-Design und die Etikettierung der Flaschen sind handgemacht.

In der Nase duftete das 4,9-prozentige Vollbier wie ein traditionelles Helles: malzig, aber mit mäßiger Süße. Doch am Gaumen überrascht AirCraft trotz seines dominierenden Malzcharkters mit einer feinen Bittere und mit ausgewogenen Fruchtaromen, die entfernt an Blutorange und ein wenig an reife Aprikose erinnern. Hinzu kommt ein leichter Zederngeschmack, der zur Charakteristika der Hallertauer Perle zählt.

Fazit: Obwohl der alleinige Einsatz von Hallertauer Perle nicht gerade eine gewagte Hopfenkombination im Sinne kreativer Craft-Biere darstellt, so ist dennoch ein leckerer Trunk entstanden. Vor allem ist es eine super Idee des Airbräu-Teams, auch am Flughafen etwas Besonderes anzubieten. Alles in allem ist das Flughafen-Craft ein wirklich gekonntes Helles und man kann sich nur wünschen, dass sich die Brau-Mannschaft künftig auch noch an weitere Sude herantraut.

 

 

 

Brauer Portrait: Simon Rossmann – Brauer und Radio-Star

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Simon Rossmann vom Giesinger Bräu

Giesinger Bräu war die erste Craft-Bierbrauerei in München. Sie wurde 2006 in einer Garage ins Leben gerufen. Schnell kamen Erfolg und Umzug. Inzwischen hat sich der Giesinger zu einer echten Kultstätte in der bayerischen Hauptstadt entwickelt. Simon Rossmann gehört zwar nicht zum Gründungsteam, aber stand schon ziemlich früh mit am Kesseln. Er ist Produktionsleiter und im Prinzip für den ganzen Betrieb verantwortlich. Der 30-Jährige steht total auf den Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne. So braut er mit seinem Team neben konventionellen Hellen, Weißbier und Pils immer wieder mal Neues aus. So kamen allein im vergangenen Jahr vier neue Spezialsude heraus, darunter ganz ungewöhnliche Starkbiere. Wer beim Giesinger den Biergarten oder Bräu-Stüberl besucht, wird jedes Mal mit saisonalen Spezialitäten überrascht. Mit Simon am Kessel wird es beim Giesinger nie langweilig.

Außerdem hat der Münchner mit ein paar Kumpels eine eigene Radiosendung namens „Biergebiete“. Einmal im Monat senden sie auf Radio Lora 92,4 spannende Themen über`s Bier. Dabei laden sie Personen aus dem Braugewerbe ein, diskutieren mit Experten über die Szene oder verkosten Live ein paar neue Sorten. Zwischendrin läuft ausgewählte Punk-Musik.

 

  1. Was ist passiert, damit du sich für den Brauer-Beruf entschieden hast?

Mit neun Jahren habe ich die ersten offenen Gärbottiche gesehen, die mich bis heute faszinieren. Eigentlich wollte ich aber immer Lebensmittelchemie studieren. Bin dann aber doch auf Brauwesen und Getränketechnologie gekommen.

 

  1. Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das war 2009 mit zwei anderen Studienkollegen. Da haben wir ein IPA mit deutschen Hopfensorten gebraut. Die Biersorte kannte zu dem Zeitpunkt noch keiner 😉

 

  1. Welche anderen Brauer/Brauereien haben dich am meisten inspiriert?

Eric Toft und Ludwig Narziß.

 

  1. Welches Bier (außer den eigenen) würdest du deinem besten Freund empfehlen?

Den Gutmann Weizenbock. Für mich eins der besten Biere der Welt.

 

  1. Was sind deine Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Vollster Einsatz fürs Produkt mit allen Optionen.

 

  1. Was sind Deine Lieblings-Hopfensorten?

Alltime-Classics: Saphir, Saazer, Tradition, Tettnanger, Mittelfrüh

Zurzeit: Zuchtstamm 10416

 

  1. Mit welcher berühmten Person würdest du gern mal anstoßen und warum?

Carl von Linde. Würde mich bei ihm für die wohl beste Erfindung aller Zeiten bedanken: Das Kühlsystem.

Stone Brewing: Gaumenschmeichler aus der Büchse

IMG_20160622_184159Lange wurden wir darauf heiß gemacht. Jetzt ist es soweit. Die ersten Kreationen der Stone Brewing mit Standort in den USA und Berlin gibt es in Dosen. Angeblich sollen diese Aluminiumbehälter einen optimalen Schutz für das Aroma von Craft-Bier bieten, sie lassen kein Licht rein, das den Geschmack zerstören kann und machen irgendwie schon was her. Das Bauarbeiter-Image beim Büchsenbier ist jedenfalls längst überholt.

Ich habe mir mal das „Stone IPA“ mit 6,9 Prozent aufgemacht. Bei sommerlichen Temperaturen ist allein das Zischgeräusch und das Klacken beim Öffnen der Büchse schon ein toller Effekt. Das Westcoast-Bier ist mit drei amerikanischen Hopfensorten gebraut: Magnum, Chinook und Centennial. Es leuchtet goldfarben im Glas, gekrönt mit einem appetitlichen schneeweißen Schaum. Die Nase wird bedient mit würzigen und grasigen Noten sowie einem Hauch von Zitronenschale. Das Mundgefühl ist erfrischend. Dennoch hat dieses IPA wenig Rezenz, das stört aber nicht. Auf der Zunge zeigen sich Aromen von Zitrone und Pampelmuse, unterlegt mit einem harmonischen Malzkörper. Im Finish geht es schön herb am Gaumen hinunter.

Fazit: Gefällt mir! Zwar hat dieses IPA fast sieben Umdrehungen, dennoch empfinde ich es als ein tolles fruchtig-herbes Craft-Bier für den Sommer – ob als Aperitif, zum Grillen oder einfach als Erfrischung nach einem Arbeitstag. Spannend bleibt allerdings, wie die Preise des Büchsen-IPA im deutschen Markt bei angeblich rund zwei Euro ankommen…

 

Hopferei Hertrich: Hopfentiger gegen Massenbierhaltung

1457095347747Ich muss zugeben, je mehr IPAs ich trinke, umso mehr wächst der Anspruch. Kürzlich hielt ich den „Veto – Hopfentiger“ von der fränkischen Hopferei Hertrich in den Händen. Manch einer wird denken „schon wieder ein IPA…“ von einer neuen Brauerei. Aber schon die optische Aufmachung fand ich ziemlich ansprechend.

Im Glas leuchtet das Ale in einem goldenen Orangeton. Nach Meinung der Brauer soll das an die Fellfarbe der majestätischen Raubkatze erinnern. Aromen der verwendeten Hopfensorten Cascade, Centennial, Chinook und Columbus verwöhnen auch gleich die Nase. Ein Hauch von tropischen Früchten, dazu frische Noten von Pfirsich und Aprikose spielen mit einer dezenten Grasigkeit. Auf der Zunge tummeln sich die gleichen Aromen, werden aber durch Zitrusnuancen wie Grapefruit und einem leichten Touch von Waldbeeren ergänzt. Ein vollmundig-seidiges Mundgefühl komplementiert den Genuss des 7,5-prozentigen Crafts. Im Finish verabschiedete sich das Ale mit 55 unaufdringlichen Bittereinheiten. Die Fruchtigkeit bleibt noch eine Weile am Gaumen hängen.

Fazit: Mit dem Hopfentiger hat das fränkische Biersommelier-Team – mit weiblicher Unterstützung – wirklich ein köstliches India Pale Ale entwickelt. Vor allem wirkt es mit den fast acht Prozent nicht zu schwer. Die Aromen sind nicht zu überladen, was das Bier zu einem echten Genuss auch für den Alltag macht und zu einem Highlight für nächtelanges Chillen.