Stone Brewing: Geistliche Weisse nach dem Vorbild alter Tradition

IMG_20170929_213530_948In der Craft-Bierszene ist es inzwischen zum Trend geworden, auch deutsche, fast schon ausgestorben Bierstile neu zu interpretieren. Nach Brauhaus Lemke, Schneeeule, Brewbaker und BRLO, bringt jetzt auch Stone Brewing eine Berliner Weisse namens „White Geist“ auf den Markt. Die Berliner Brauerei produzierte ihren Sud mit speziellen Bakterienstämmen aus lokalen Stämmen. Die Brauer behaupten, dass ihre Weisse sich von bisherigen Suden deutlich abhebt. „White Geist“ soll stärker, direkter und erfrischender sein.

Klar, erfrischend ist eine Berliner Weisse doch immer. Mit 4,7 Prozent kommt die Berliner Interpretation von Stone jetzt auch nicht unbedingt stärker daher. Optisch strahlt das Bier jedoch ansprechend sonnengelb im Glas, getoppt von einem festen, schneeweißen Schaum. Sehr appetitlich! In die Nase strömen fruchtige Aromen von reifer Birne, rotem Apfel und Zitrone. Auf der Zunge zeigt sich sofort eine angenehme Spritzigkeit sowie eine dezente Säure, die nicht überfordert. Auch hier sind erst die Fruchtnoten präsent. Später entwickeln sich Noten von Weißbrotkruste, die noch etwas am Gaumen zurückbleiben.

Fazit: Berliner Weisse genieße ich gern als Aperitif – dafür ist auch „White Geist“ wirklich perfekt. Allerdings finde ich nicht unbedingt, dass sich die Kreation von Stone so wahnsinnig von anderen Weissen abgrenzt. Ist aber auch gar nicht schlimm, sie schmeckt und wer möchte, kann das zartsaure Bier auch gern mit gegrilltem Fisch oder Schafskäse kombinieren.

 

Top-Brauerin: Ulrike Genz von Schneeeule – Reanimation der Berliner Weiße

schneeeule-2Ulrike Genz will Berlin ein kulturelles Gut zurückgeben. Die Braumeisterin verschwor sich der Berliner Weiße. Schließlich gab es einst 200 Brauereien in der Stadt, die nur diesen Stil brauten. Jetzt kennen die meisten Leute den Begriff nur in Kombination mit pappsüßen Sirups. Anfang 2016  gründete Ulrike im Stadtteil Wedding ihre eigene Brauerei namens „Schneeeule“ um die historische Berliner Weiße wiederzubeleben und diese Form von Sauerbier wieder trinkbar zu machen. Vier Sorten führt die Berlinerin inzwischen im Sortiment, darunter auch eine mit Jasmin und eine mit Holunderblüten aromatisiert. Allein schon für ihren Mut und ihren Ehrgeiz verdient sie es, zu den deutschen Top-Brauern zu gehören.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Ich hatte schon mehrere Jahre Brauwesen studiert, aber um mein eigenes Bier zu brauen, war ich durch die benötigten Geräte und Voraussetzungen ziemlich eingeschüchtert. Es kam mir wahnwitzig teuer und aufwändig vor, den Sauerstoffeintrag zu vermeiden, das Bier zu filtrieren und zu kühlen. Meine ersten schüchternen Brauversuche startete ich dann vor rund 9 Jahren mit Malzextrakt. Es war ein IPA und schmeckte fürchterlich. Nachdem ich das erste Mal im Museum Veßra in Thüringen historisch mit Holzbottichen gebraut hatte, fielen jegliche Bedenken gegenüber den komplizierten Vorgaben der Industrie.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Schneeeule“ gekommen?

Das war zufällig. Ähnlich wie bei einem Kunstwerk, das erst intuitiv entsteht. Erst mal fand ich die drei E markant. Die Erklärung wurde erst später klar: Die Schneeeule, ein schützenswerter, majestätischer Vogel mit großen, weißen Schwingen – so wie der Schaum der Berliner Weiße mit gelben Augen. In der Altmark gibt es den Spruch: Wat diin iin siin Uhl (Eule) is diin andern siin Nachtigall. Was so viel heißt: was der eine nicht mag, schätzt der andere. Berliner Weiße ist eben auch Geschmackssache, der eine ist total begeistert, der andere hält es für schlecht gewordenes Bier.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Außergewöhnlich ist immer eine Frage von Ausgewogenheit. Nur bitter, nur sauer, nur brettig, nur malzig ist zu wenig und nicht lecker. Wenn man es schafft, ein Bier auf eine besondere Weise zu betonen ohne die Ausgewogenheit zu verlieren, dann ist das ein außergewöhnliches Bier.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Berliner Weiße natürlich. Hätte es eine annehmbare Weiße gegeben, hätte ich nicht angefangen welche zu brauen. Aber eigentlich trinke ich fast jeden Typ gern. Außer Pils, das finde ich meistens nicht so lecker, zu trocken, zu bitter – einfach nicht mein Stil.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Soraci Ace, Cristal, Hallertauer Blanc…da gibt es bestimmt noch so einige, die ich noch nicht kenne. Da Berliner Weiße eher unterhopft ist, ist das auch keine große Frage für mich.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Sauberkeit. Aber zuerst stellt sich doch die Frage: Was ist eigentlich ein Craft-Brauer? Kann man craft eigentlich mit „handwerklich“ übersetzen? Wo  fängt Handwerk an und wo hört sie auf? Ist es Handwerk, wenn man anderen sein Rezept gibt und dann nur noch das fertige Bier vermarktet? Eine kontroverse Diskussion. Klar es geht um „andere“ Biere. Und definitiv nicht darum, möglichst viele Sachen dem Bier zuzufügen. Es muss am Ende trinkbar sein.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Über schlechte Biere rede ich lieber nicht. Aber beispielsweise das Porter und das Gruit-Beer von Popes Yard waren interessant. Das Kamille Bier von Heidenpeters fand ich auch ziemlich schräg.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Im Liegestuhl am Tegler See, die Sonne geht unter und ich bin mit der Brauerei fertig und zufrieden.

Oder auf einem Open Air Konzert von meinen Lieblingsbands Earthship, Gorguts, Future of the left, Käptn Peng, Dyse, Don Vito, Obelyskkh….

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Brauen, brauen und das nächste Jahr überstehen. Die Brauerei soweit ausbauen, dass ich damit selbst zufrieden bin – wenn es sowas überhaupt gibt.

 

 

Super Freunde: Ein Super-Ale für den super Feierabend

img_20161118_182747In wahrscheinlich keiner anderen europäischen Stadt gibt es so viele Hotspots für Craft-Jünger wie in Berlin. Hier gibt es die meisten Kneipen, die meisten Braustätten und ganz schräge Biere. Eine der heißesten Anlaufstellen ist seit 2015 ein kleiner Laden im In-Viertel Friedrichshain mit dem ungewöhnlichen Namen „Frenc heartcrafted goods“. Den Gründern Michael und Stefan war von Anfang an klar, dass sie ein eigenes Hausbier brauchen: Ein Pale Ale. Nach reichlich Szene-Lob beschlossen die Connaisseurs schnell, dass es an der Zeit war auch eine eigene Biermarke auf den Markt zu bringen. Der Name: SuperFreunde.

Und dieses Berliner Pale Ale hatte ich kürzlich im Glas. Optisch macht das Etikett mit dem schwarz-weiß Spiel schon mal echt was her. Das „Super Ale“ kommt auf 5,9 Prozent Alkohol und wurde mit fünf Hopfensorten gebraut. Darunter der Klassiker Cascade, aber auch Columbus, Pilgrim, Centennial und Styrian Golding aus Slowenien, auch genannt Celeia. Kupferfarben scheint es durch das Glas, komplementiert durch eine schneeweiße Schaumkrone. In die Nase strömen Zitrusnoten von Limone und Orange sowie etwas Pfirsich, Pinie und zarte Karamellnuancen.

Auf der Zunge zeigt sich das Super-Ale mit einem frischen aber vollmundigen Körper. Es schmeckt grasig-würzig mit einer nussigen Komponente und einer gewissen Harzigkeit. Klar gesellen sich aber bei der Hopfengabe auch noch Zitrusaromen von Mandarine und Orange dazu. Eine feine Bittere rundet das Gesamtbild ab.

Fazit: Ein frisches und fruchtiges Pale Ale, das wirklich gut ausbalanciert ist. Nichts ausgefallenes, aber ein tolles Bier mit hoher Trinkbarkeit für den Feierabend oder einfach mal für zwischendurch. Das Pale Ale ist vermutlich erst der Anfang. Ich bin wirklich gespannt, was von den Superfreunden noch als nächstes auf den Markt kommt.

BRLO: Sundowner mit Hauptstadtflair

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„German IPA“ von BRLO

Das dreiköpfige Team der Berliner Craft-Werkstatt BRLO ist ziemlich heimatverbunden. Nicht nur der Name der Craft-Schmiede, dessen Bedeutung dem alt-slawischen Ursprung der Hauptstadt entspricht, deutet darauf hin. Da in Berlin jedoch noch keine Hopfenfelder blühen, nannten sie das neueste Bier etwas weitgefasster einfach „German IPA“. Denn die eingebrauten Hopfensorten – Comet, Hüll Melon und Polaris – kommen ausschließlich aus deutschen Landen.

Bei dieser Mixtur läuft Craft-Bierfans wahrscheinlich schon das Wasser im Mund zusammen. So geht es mir jedenfalls. Das kupferfarbene Bier hat ordentliche sieben Prozent. Ein komplexer Duft nach Pfirsich, Mango und reifer Birne aber hauptsächlich von roten Beeren strömen in die Nase. Im Antrunk cremig-süß, bis sich dann die wunderbare Aromastruktur der Hopfensorten zeigt. Erdbeer-Nuancen vom Hüll Melon gesellen sich zu Blaubeer-Noten vom Comet und der Polaris bringt eine angenehme Frische. Ein Hauch von Orange und Zitrone rundet das Finish ab. 50 Bittereinheiten machen das IPA komplett. Die angenehme Herbe bleibt noch einige Zeit im Rachen zurück.

Fazit: Schmeckt! Bei diesem Craft merkt man zum einen das handwerkliche Können des Braumeisters. Zum anderen die Kraft der ausgewählten deutschen Hopfensorten. Die sieben Umdrehungen, kombiniert mit den dezent süßlichen Malzaromen wirken zwar anfangs etwas schwer, aber dieses Bier eignet sich wirklich ideal als Sundowner-Getränk.

Bestellen kann man das Bier zum Beispiel hier.

Stone Brewing: Gaumenschmeichler aus der Büchse

IMG_20160622_184159Lange wurden wir darauf heiß gemacht. Jetzt ist es soweit. Die ersten Kreationen der Stone Brewing mit Standort in den USA und Berlin gibt es in Dosen. Angeblich sollen diese Aluminiumbehälter einen optimalen Schutz für das Aroma von Craft-Bier bieten, sie lassen kein Licht rein, das den Geschmack zerstören kann und machen irgendwie schon was her. Das Bauarbeiter-Image beim Büchsenbier ist jedenfalls längst überholt.

Ich habe mir mal das „Stone IPA“ mit 6,9 Prozent aufgemacht. Bei sommerlichen Temperaturen ist allein das Zischgeräusch und das Klacken beim Öffnen der Büchse schon ein toller Effekt. Das Westcoast-Bier ist mit drei amerikanischen Hopfensorten gebraut: Magnum, Chinook und Centennial. Es leuchtet goldfarben im Glas, gekrönt mit einem appetitlichen schneeweißen Schaum. Die Nase wird bedient mit würzigen und grasigen Noten sowie einem Hauch von Zitronenschale. Das Mundgefühl ist erfrischend. Dennoch hat dieses IPA wenig Rezenz, das stört aber nicht. Auf der Zunge zeigen sich Aromen von Zitrone und Pampelmuse, unterlegt mit einem harmonischen Malzkörper. Im Finish geht es schön herb am Gaumen hinunter.

Fazit: Gefällt mir! Zwar hat dieses IPA fast sieben Umdrehungen, dennoch empfinde ich es als ein tolles fruchtig-herbes Craft-Bier für den Sommer – ob als Aperitif, zum Grillen oder einfach als Erfrischung nach einem Arbeitstag. Spannend bleibt allerdings, wie die Preise des Büchsen-IPA im deutschen Markt bei angeblich rund zwei Euro ankommen…

 

Berlin Beer Week: Paradies für Craft-Bier-Fans

Ab Samstag verwandelt sich die Bundeshauptstadt in ein Mekka für Craft-Freaks. Eine Woche lang, vom 13. bis 20. Juni, präsentiert Berlin die Beer Week. An verschiedenen Stationen, seien es Bars, Restaurants oder Brauereien, können Connaisseurs ihrer Leidenschaft nachgehen: Handwerklich gebraute Biere verkosten, Brauen live erleben sowie Kulinarisches und auch etwas Kultur genießen.

Neben Brauern, Händlern und Köchen zeigen auch Künstler und Enthusiasten aus der Craft-Community wie kreative Biere mit allen Sinnen zu genießen sind. Vertreten sind viele Brauer aus ganz Deutschland, aber auch einige internationale, die mit ihren Kreationen überraschen wollen.

Die Eröffnungsparty startet am Samstag am Brauhaus Lemke am Hackeschen Markt in Mitte. Hier wird auch das offizielle Festbier vorgestellt – ein Sommerbier, das von zwölf lokalen Brauern extra für den Event entworfen wurde. Natürlich gibt es dann auch eine Abschlussfeier, die auf dem Gelände der Stone Brauerei in Mariendorf die craftige Woche ausklingen lässt. Achtung: Für beide Veranstaltungen, müssen Karten besorgt werden.

Wo was genau stattfindet, findet ihr hier.

Freuen könnt ihr euch auf:

Berliner Brauereien

Bierfabrik – Hops & Barley – Brauerei Lemke – Meierei Im Neuen Garten – Vagabund Brauerei – Rollberg – Heidenpeters – Brewbaker – Schlossplatzbrauerei Cöpenick – Flessabräu – Flying Turtle – Bogk-Bier Privatbrauerei – Spent Collective – Brauerei Heldenblut – BRLO – Stone Brewing GmbH – Circus Hostel – Brauhaus Vaust – Schoppe Bräu – Braumanufaktur Forsthaus Templin – Brauhaus Spandau – Tentacion Craftbeer – Berliner Berg

Nationale Brauereien

BrauKunstKeller (Michelstadt) – Kuehn Kunz Rosen (Mainz) – Hanscraft & Co. (Aschaffenburg) – Brewcifer (Hamburg) – Kehrwieder Kreativbrauerei (Hamburg) – Von Freude (Hamburg)

Bars, Kneipen & Orte

John Muir – Berlin Bier Shop – Monterey Bar – Bierlieb – Getränkefeinkost Berlin – Kaschk – Herman – Salt n Bone – Twinpigs – Das Gift – Black Lodge – Hopfenreich – Foersters Feine Biere – Tu Salud – Mezcal & Craft Beer Pop-Up Bar -The Castle Pub – IPA Bar – Szimpla Kaffeehaus Budapest – FRENC Heartcrafted Goods – Das Meisterstück – Bar Le Labo – Die BierRebellen – The PIER „Badeanzüge und Bier” – Biererei – Agora Collective – Bierlinie – HOME

weitere Teilnehmer

Braumeister e.V. – Berlin Beer Academy – Berlin Brew Tours – Zehli Bräu – Deutsche Bierakademie – Live in Berlin – Beergeeks Distribution – Bier-Index Bright Site – Berlin Boulder Project – Homebrewers Berlin United – Berlin Craft Beer Tours

Heidenpeters: American IPA zu saftigem Angus-Steak

Heidenpeters - American India Pale Ale
Heidenpeters – American India Pale Ale

Endlich ist auch der Sommer in München angekommen. Und was gibt es Schöneres, als am Sonntagnachmittag den Grill anzuheizen und ein ordentliches Bier zu genießen? Also gab es neben Spargelsalat mit tasmanischem Pfeffer, der wunderbare Zitrusaromen präsentiert, ein deftiges Angus-Steak aus texanischer Produktion. Kombiniert wurde gut gewürzte Mal mit dem leuchtend kupferfarbenen „American IPA“ von Heidenpeters aus Berlin. Mit 6,5 Umdrehungen ein ideale Begleitung zum Fleisch.

Während das Grillgut auf dem Rost brutzelt, duftet das IPA sommerlich nach tropischen Früchten und etwas nach frisch gemähter Wiese. Dem Hopfen sei Dank! Schon der erste Schluck lässt für einen kurzen Moment das Fleisch vergessen: Sternfrucht, Maracuja, Pfirsich und rote Beeren vereinen sich erfrischend-prickelnd auf der Zunge. Im Abgang verabschiedet sich das „American IPA“ herb-hopfig mit einer ausgeprägten Bitterkeit.

Fazit: So mag ich das. Und bei solchen Geschmackserlebnissen frage ich mich, wieso kann nicht immer Sonntag sein? Wirklich ein klasse Bier, das perfekt zu gut gewürztem Grillgut passt und so manches Westcoast-IPA aus kalifornischer Fertigung locker in den Schatten stellt.

Craft-Bier: Kulturführer durch Berlins Biermanufakturen

Biermanufakturen in Berlin
Biermanufakturen in Berlin

Berlin ist die deutsche Hauptstadt des Craft-Bieres. Regelmäßig eröffnen neue Kneipen, Restaurants bieten Food-Pairing an und die Genießerschaft wächst täglich. Nebst Markus Raupach aus Bamberg, schrieb nun auch der Autor, Medienpädagoge und Kabarettist Peter Korneffel aus Münster ein Buch über die enorme Biervielfalt der hippen Stadt. 2008 zog Korneffel nach Berlin. Dort erlebte er in den vergangenen Jahren die spannende Entwicklung der kreativen Hopfensaftszene und musste sie einfach aufschreiben.

Für seine 208 Seiten „Biermanufakturen in Berlin“ besuchte der Journalist, der sonst eigentlich Wirtschaftsreportagen schreibt, insgesamt 22 Brauer, sämtliche Kneipen und trank die besten Biere der Stadt. Neben interessanten Portraits der Menschen, die hinter Schoppe Bräu, Spent Brewers Collective oder Heidenpeters stehen, finden Leser auch historische Geschichten, wie sich das Thema Bier in der Hauptstadt entwickelte. Außerdem eine Sammlung von Adressen der jeweiligen Brauereien und Bars mit Anfahrtswegen und Öffnungszeiten, wichtigen Terminen und weiteren Literaturtipps.

Fazit: Wer es bisher nicht geschafft hat, sich in der Berliner Craft-Szene umzusehen, kann sich mit dieser Lektüre einen guten Überblick verschaffen, wo die Hotspots sind. Zudem haben die meisten Brauer immer interessante Geschichten zu erzählen, wie sie zum eigenen Bier gekommen sind. Also eine schöne, lehrreiche Unterhaltung und für echte Craft-Freaks eigentlich ein Muss im Bücherregal. Wirklich ein klasse Bier-Guide – unbedingt lesen!

Getränkefeinkost Berlin: Ein Store, der nicht nur Craft-Herzen höher schlagen lässt

Getränkefeinkost Berlin
Getränkefeinkost Berlin

Klar, in Berlin am Simon-Dach-Kiez wird immer knallhart gefeiert. Einmal um die Ecke, nahe der 3,50-Euro-Cocktail-Happy-Hour-Szene, versteckt sich in der Boxhagener Straße 24 der Getränkefeinkost von Kai Charkiewicz. Hier ist es auch bald Zeit für die nächste große Party. Mitte Dezember feiert der Store seinen ersten Geburtstag. Der Shop, mit seinem Angebot von mehr als 350 Biersorten, lässt das Craft-Bier-Herz höher schlagen. Aber auch Freunde besonderer Weine, Limonaden und Spirituosen fühlen sich hier wohl.

Kai Charkiewicz stemmt meist den ganzen Tag allein seinem Laden und verwöhnt die Kunden mit seinem Fachwissen. „Das Publikum ist ziemlich gemischt“, erzählt der 38-Jährige. Tendenziell habe er aber eher jüngere Kunden im Alter von 20-35 Jahren. Oft schlagen bei ihm auch internationale Gäste auf, um in den heiligen Regalen ein wenig rum zu stöbern. „Viele kommen auch, weil sie einfach mal etwas anderes probieren wollen“, sagt Charkiewicz.

Der Chef im Getränkefeinkost: Kai Charkiewicz
Der Chef im Getränkefeinkost: Kai Charkiewicz

Sein Laden ist gut besucht, optisch einladend und ordentlich sortiert. Rechts greifen Bier-Fans die Flaschen aus den Regalen, während auf der anderen Seite Limo-Freaks auf ihre Kosten kommen. Alle sechs Wochen bietet der Berliner Getränke-Dealer eine Verkostung mit Bierspezialist und Brauer Rory Lawton an. Ob belgisch oder amerikanisch, jedes Mal wird ein anderes Thema abgedeckt.

Expansion ist wichtig. Deswegen plant Kai Charkiewicz noch weitere Shops in anderen Städten zu eröffnen. Allerdings scheut er sich noch von einer deutschen Craft-Bier-Revolution zu sprechen. „Wir haben bei uns eher ein Revolutiönchen, da muss noch einiges mehr passieren“, sagt der 38-Jährige. Seiner Meinung nach müssten noch mehr Verkostungen stattfinden, Facebook noch mehr gepusht und die Leute dazu gebracht werden, mehr Geld für kreative Bier zu investieren. Außerdem müssten Craft-Brauer nach seiner Ansicht einen Weg finden, um günstiger zu produzieren. „Die Zukunft unserer Szene ist ungewiss“, orakelt Kai Charkiewicz, „der Markt kann stagnieren oder explodieren.“

 

Die heiligen Regale
Die heiligen Regale

Getränkefeinkost Berlin
Boxhagener Str. 24
10245 Berlin

Mo. – Fr. 13.00 – 20.00 Uhr
Sa. 11.00 – 20.00 Uhr