Biere vom Discounter: Was hinter dem Lidl-Deal steckt

1448009305149Wenn ein Einzelhandelskonzern wie Lidl mit mehr als 3200 Filialen in Deutschland moderne Craft-Biere ins Sortiment aufnimmt, dann sorgt das für heiße Diskussionen im Netz. Ich habe die drei Maltos-Biere bereits am vergangenen Montag getrunken, mir aber mit einem eigenen Kommentar bewusst etwas Zeit gelassen, um die ersten Reaktionen abzuwarten. Die Streifrage lässt sich auf einen Punkt fixieren: Fluch oder Segen?

Eines vorweg: Die drei untergärigen „Maltos“-Biere – darunter ein Zwickl mit Mosaic-Hopfen, ein heller Bock mit Hallertauer Blanc sowie ein 7,6-prozentiger „Barrique Style Doppelbock“ mit Amarillo, Cascade, Simcoe – lassen sich durchaus trinken. Und wahrscheinlich werden sie genau den Leuten schmecken, die noch nie zuvor ein Craft getrunken haben. Auch die Hemmschwelle für den Griff ins Regal ist relativ gering, denn ein Dreierpack kostet gerade mal 2,49 Euro. Für dieses Geld kann man natürlich keine Hopfenwunder erwarten. Aber die drei Maltos-Biere, gebraut in der Mannheimer Eichbaum Brauerei, sind mehr als Einstiegsdroge für Craft-Novizen zu sehen. Wobei das „Paradiso Zwickel“ für den Durst und das „Barley Blanc“ als unkomplizierter Essensbegleiter gar nicht mal so schlecht sind.

Ob man diese Biere allein aufgrund der gebrauten Mengen als handwerkliches Produkt bezeichnen kann, sollen andere entscheiden. Denn immerhin ist hierzulande die Definition für Kreativbiere selbst noch nicht mal in Gänze abgeschlossen. Für Kreativbrauer bedeutet der Lidl-Vorstoß aber auf jeden Fall: Wenn jemand erst mal auf den Geschmack gekommen ist, wird er vielleicht auch mal ein „echtes“ Craft-Bier probieren. Das allein bringt den Markt weiter nach vorn.

Ich möchte hier ganz bewusst auf meine üblichen Degustationsnotizen und Qualitätsurteile verzichten, denn wie angeblich schlecht die Lidl-Biere schmecken, darüber haben sich schon andere Experten in epischer Breite ausgelassen. Der Lidl-Deal ist keineswegs ein Weltuntergang, auch wenn die drei Maltos-Typen echte Hop-Heads bestimmt nicht gerade vom Hocker hauen. Aber das Thema Craft-Bier erzielt jetzt immerhin auch dort Aufmerksamkeit, wo bislang nur Standardpils und Allerweltshelles im Kühlschrank standen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass so manche Lidl-Kundin so einen fruchtigen Bock oder einen kräftigeren Doppelbock zum Christfest auf den Gabentisch stellen werden – als etwas ganz besonderes für den Familienvater mit Gruß vom Weihnachtsmann!

Kommentar: Briefmarken zu Ehren des Reinheitsgebots

Foto: wiki commons
Foto: wiki commons

Die alteingesessene deutsche Brauer-Lobby lässt sich schon was einfallen, wenn es darum geht, weiter ihre Märkte abzuschotten. Zum Anlass des 500. Jahrestages bekommt das deutsche Reinheitsgebot ab 2016 sogar eine eigene Sonderbriefmarke. Das teilte jetzt das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in Berlin offiziell mit.

Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich sehe das Reinheitsgebot von 1516 im Kern keineswegs als eine schlechte Sache, wenngleich es mehr Legende als wirklich angewandte Praxis ist. Die heute geltenden Bestimmungen, in denen 1993 festgelegt wurde, was bei der gewerblichen Herstellung ins Bier darf und was nicht, sind gerade mal zwanzig Jahre alt. Aber das sogenannte „vorläufige Biergesetz“ hat mit dem 500 Jahre alten Reinheitsgebot – wie jeder halbwegs intelligente Brauer weiß – rein gar nichts mehr zu tun.

Interessant wäre zu erfahren, was wohl die ehrbaren deutschen Weißbier-Produzenten  oder die mit Hafer arbeitenden Steinbierbrauer zur geplanten Briefmarke sagen. Denn eigentlich sieht das Reinheitsgebot ja ausschließlich das Brauen mit Gerste vor. Wenn dem deutschen Bier schon ein Briefmarkendenkmal gesetzt wird, dann müssten eigentlich auch die Honigbiere der Germanen mit einem Postwertzeichen geehrt werden. Sortenrein, ohne chemische Zusätze, nur mit natürlichen Bienenhonig gebraut, regten diese Sude bereits vor mehr als 2000 Jahren germanische Hobbydichter und Bierliebhaber zum Reimen an: Wir trinken den Met bis keiner mehr steht.

Während der Bierkonsum hierzulande weiter einbricht und in Berlin noch über die grafische Gestaltung der Sondermarke gerätselt wird, ist der nächste Marketing-Coup der Brauer-Lobby bereits angeschoben. Parallel zur Briefmarke soll das Reinheitsgebot – unter Aspekten des Verbraucherschutzes – nun auch zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt werden. Einen Antrag für die Heiligsprechung deutscher Sude haben die Brauerverbände bereits eingereicht. Wenn Sie mit ihrem Anliegen durchkommen, würden deutsche Fernseh-/Stadion-/Massen-/Billig-Biere künftig den gleichen Rang einnehmen wie der Kölner Dom, das dänischen Wattenmeer und die Pyramiden von Gizeh. Herrliche Aussichten…

Kommentar: Der absolute Schwachsinn im Netz

Selten so einen Schwachsinn über Craft-Biere gelesen, wie den heutigen Online-Eintrag der Süddeutschen Zeitung. Dort kritisiert eine in San Francisco ansässige Autorin „die amerikanische Bierkultur, die sich so stark von der heimatlich-bayerischen unterscheidet“. In der Craft-Bierszene bekannte Produktnamen wie „Pliny the Elder“, „Hammerhead“, „Juego Con Fuego“ oder „Death and Taxes“ vergleicht die Dame mit „drittklassigen Western“. Diese Biere – neben 43 weiteren internationalen Spezialitäten -schenkt „The Toronado Pub“, eine der besten Kneipen der Stadt direkt in ihrer Straße aus – welch ein Skandal!!!

Dem Kneipier kann man zu Auswahl und Vielfalt seines Angebots nur gratulieren. Allerdings bemängelt die Autorin der Bierstory, dass bei diesen Bieren kein einziges dabei ist, was ihr schmeckt, nämlich so “wie ein bayerisches Helles“. Originalzitat: „An das Gebräu, das sie hier Bier nennen, kann ich mich als Bayerin nur schwer gewöhnen.“ Sie sei „nun mal groß geworden mit Bier, das nach dem Reinheitsgebot gebraut und weltweit gelobt wird“. Und dann hat Frau Wild auch noch herausgefunden, dass es ihr „im Übrigen mittels einer nichtrepräsentativen Umfrage unter befreundeten Exildeutschen aus Hamburg, Hessen und Sachsen“ mit dem amerikanischen Bier ähnlich ergeht wie ihr. Oh Gott, oh Gott! Vielleicht sollte Beate Wild mit ihren deutschen Freunden anstatt Bier lieber Coca Cola saufen, denn dieser Geschmack dürfte ihr – neben den bayerischen Allerweltsbieren – wahrscheinlich eher bekannt sein, als ein richtig gutes amerikanisches West-Coast Ale…

Mein Kommentar: Wie kann eine so seriöse Tageszeitung wie die Süddeutsche die Veröffentlichung eines solchen Unsinns nur zulassen…

 

Die 10 Eigenschaften des wahren Craft-Bier-Genießers

Craft-Bier ist LeidenschaftWas macht eigentlich den perfekten Craft-Bier-Genießer aus? Über welche Eigenschaften muss er verfügen? Welche Wesenszüge zeichnen ihn aus?  Dazu habe ich in vielen Gesprächen mit Brauern, Sommeliers,  Hopfen-Experten, Szene-Wirten und Blogger-Kollegen ein paar Fakten zusammengetragen. Hier nun die nicht ganz ernst gemeinte Charakteristika für den perfekten oder die perfekte Craft-Bier-Trinker/in:

1.      Passion: Passionierte Craft-Bier-Fans widmen sich ihrem Lieblingsgetränk mit absoluter Hingabe. Sie tun alles für den ultimativen Gaumenkitzel, sprühen vor Lebenslust, begeistern sich für neue Kreationen und empfehlen diese gern im Freundeskreis.

2.      Genussfreude: Craft-Bier-Fans haben Spaß am Besonderen, am Unbekannten und Ungewöhnlichen. Das gilt nicht nur für Bier, sondern auch für gutes Essen. Eine Kombination ist natürlich ideal!

3.      Experimentierlust: Die Vielfalt macht’s! Bei den tollen Bierstilen und unzähligen Kreationen muss die Bereitschaft vorhanden sein, leidenschaftlich alles mal zu probieren. Ein weites Feld für Degustationen in Gesellschaft.

4.      Wissensdurst: Biere und Brauer haben meist spannende Geschichten, für die man sich interessieren sollte. In jedem Bier verbergen sich verschiedenste Rohstoffe, Verfahren und Herstellungsprozesse – nur wer diese kennt, kann wirklich mitreden.

5.      Kommunikationslust: Die internationale Craft-Bier-Szene ist eine Community, in der sich Genussfreunde, Brauer, Blogger etc. gern – und nicht nur an Stammtischen – untereinander austauschen. Wer da mitmacht, erfährt viel über neue Biere und ihre Macher.

6.      Online-Affinität: Soziale Netzwerke bringen den Craft-Markt voran, Blogger degustieren die neuesten Produkte – orientieren und kaufen kann man dann in den vielen Online-Shops. Also: Liken, Teilen, Posten.

7.      Sinnlichkeit: Kopp in Nacken und weg damit ist out. Craft-Bier-Trinker/innen lassen die Kreation mit allen Sinnen auf sich wirken – Farbe, Geruch, Geschmack, Mundgefühl.

8.      Rohstofforientierung: Ein gutes Craft-Bier besteht aus ausgewählten Rohstoffen und deren Kombination, die das Getränk erst zum Genusserlebnis machen. Ein echter Craftbier-Fan orientiert sich vor allem am Hopfen, der bei modernen Bieren der wohl wichtigste Geschmacksträger ist.

9.      Unternehmungslust: Neue Shops eröffnen, neue Kneipen machen auf und mittlerweile gibt es auch hierzulande viele neue, coole Craft-Bier-Events – wer Zeit hat, lässt sich das alles nicht entgehen.

10. Begeisterung: Ein Craft-Bier ist kein Saufbier, es ist ein Stück Genusskultur, ein besonderes Produkt, dem man sich langsam öffnen muss. Es bildet für den wahren Connaisseur eine der edelsten Formen der Flüssigkeitsaufnahme. Ein echter Craft-Bier-Genießer trinkt mit Begeisterung und Verstand. Er pflegt eine leidenschaftliche Beziehung zu seinem Lieblingsgetränk.

Kommentar: Furcht vor Edelbier mit Bilsenkraut und Bullenblut

Die Huffington Post bat mich um einen Kommentar zur Online-Debatte über den Einstieg der amerikanischen Stone Brewery in den deutschen Markt und die für manche damit verbundene Frage nach dem Reinheitsgebot. Einige hetzen im Netz über US-Craft-Biere mit Worten wie „Plörre, die keiner braucht“. Meine Meinung dazu findet ihr hier.
Freue mich, wenn ihr mich bei fiesen Kommentaren der Massenbiertrinker unterstützt.

Die 100 besten Brauereien der Welt für 22,50 Euro

100 best breweries in the world
100 best breweries in the world

Kaum zieht die deutsche Craft-Bier-Branche so richtig an, schon befeuern seltsame Akteure die Zeitungskioske mit fragwürdigen Publikationen zum neuen In-Thema. Als ich vergangene Woche im Auftrag von FOCUS nach Amsterdam flog, um dort den neuen Citroen Cactus zu testen, machte ich meinen obligatorischen Rundgang durch den Münchner Flughafen-Kiosk. Was mir in der Genuss-Ecke sofort ins Auge fiel, war ein 170 Seiten starkes Magazin, das dort unter dem aufwendig produzierten Titel „ Craft Beer – 100 Best Breweries in the World“ auslag. Für 22,50 Euro habe ich dieses optisch vielversprechende Magazin eines britischen Verlages schließlich gekauft.

Deutsches Craft-Bier in Maßkrügen?
Deutsches Craft-Bier in Maßkrügen?

Als ich dann im Flieger saß und das Heft durchblätterte, habe ich mich geärgert, auch nur einen Cent dafür ausgegeben zu haben. Ein wohl selbsternannter „Expert in German Craft Beer“ präsentierte da unter den weltweit 100 besten Craft-Brauereien neben Bildern von klirrenden Maßkrügen erst mal eine dünne Story vom Münchner Oktoberfest. Nichts gegen dieses Wiesn-Event, aber ich glaube, dass ich nicht allein mit meiner Meinung stehe, dass dieses Massenveranstaltung mit der Craft-Bier-Szene so viel zu tun hat, wie Lady Gaga mit dem Reinheitsgebot von 1516.

Passend dazu werden deutsche Bierstile präsentiert: Helles, Pils, Alt- und Weißbier – die Craft-Brauer lassen grüßen. Dann folgt der Höhepunkt des Magazins – die besten deutschen Craft-Brauer: Allen voran die Münchner Oktoberfest-Liga mit Paulaner, Hacker Pschorr und Augustiner neben einigen Traditionsproduzenten von Kölsch, Weiß- und Rauchbier. Diese Auswahl verwundert umso mehr, da im gleichen Magazin so namhafte Brauereien wie BrewDog, Firestone Walker, Flying Dog, Mikkeller, To Øl und Nogne Ø vertreten sind.

Hacker Pschorr und Augustiner Bräu
Hacker Pschorr und Augustiner Bräu

Immerhin brilliert der Autor noch mit seinem Wissen über typisch deutsche Biergläser, darunter: Der Maßkrug, der Bierstiefel und der mir bislang unbekannte „Willi Becher“. Bei so viel gedrucktem Unsinn ärgern mich nicht nur die dafür hingeblätterten 22,50 Euro. Auch das Image, das hier über die deutsche Craftbier-Szene ausgegossen wird, ist schädlich für die vielen jungen und ehrgeizigen Kreativ-Brauer und erweckt einen völlig falschen Eindruck von den wundervollen, neuen Bieren und ihren Machern.

Entweder war der Auftritt deutscher Brauereien nur eine primitive PR-Kampagne nach dem Motto „Nur wer für eine Anzeige löhnt, gehört mit zur weltweiten Bierelite“ oder der selbsternannte „Expert in German Craft Beer“ ist so ahnungslos, dass er sein Wissen über deutsches Bier allein aus seinen Oktoberfest-Besuchen bezieht.

Feiner Hopfen feiert heute Geburtstag!

Liebe Bierfreunde,

heute ist ein besonderer Tag für mich: Feiner Hopfen ist genau ein Jahr alt. Seit zwölf Monaten beschäftige ich mich nun explizit mit dem Thema Craft-Bier, mit interessanten Brauereien, und den vielen tollen Menschen die hinter ihren kreativen Produkten stehen. In dieser Zeit habe ich viele spannende Leute und die unterschiedlichsten Bierstile kennen gelernt, viele Hopfensorten probiert, zahlreiche Brauer vor Ort besucht, ein eigenes IPA gebraut und hunderte geschmacksintensive und leckere, aber auch etliche nicht so tolle Biere getrunken. Damit konnte ich mir ein kostbares Wissen aneignen, das mir zuvor völlig fremd war.

Der Geburtstag ist ein idealer Anlass, mal ein Toast aussprechen: DANKE an Euch – an meine vielen Leser – für das Interesse an Feiner Hopfen. Es ist ein Ansporn für mich, Euch auch weiterhin mit interessanten Degustationen, Interviews, Brauerportraits und spannenden Craftbier-Meldungen aus aller Welt zu begleiten, Euch zu informieren, zu inspirieren und zu unterhalten. Darauf hebe ich mein Glas!

Foto: Elena Hasenbeck
Foto: Elena Hasenbeck

Brugghús Steðja: Wie schmeckt denn nun dieses verbotene isländische Walbier?

Eine Sache muss ich unbedingt vorweg klar stellen: Auf gar keinen Fall bin ich eine Befürworterin des grausamen Walfangs. Ich verachte das sinnlose Abschlachten von Lebewesen! Ich bin keine Veganerin und auch keine Vegetarierin, achte aber als Genussfrau auf das, was auf den Teller kommt. Mein Fleisch hole ich von regionalen Bauern um keine Massentierhaltung zu unterstützen. Versteht mich bitte nicht falsch, aber ich sehe es als meine Aufgabe als Journalistin und Bloggerin meinen Leser auch gute Geschichten über außergewöhnliche Biere und den Machern dahinter zu präsentieren. Deswegen bestellte ich mir direkt aus dem isländischen Brugghús Steðja das umstrittene und inzwischen verbotene Finnwalbier „Hvalur Þorrabjór Steðja“. Die Meldung über dieses Ale ging inzwischen um die ganze Welt und rief Proteststürme von Tierschützern hervor. Das Islandbier gilt seitdem als Gipfel der Geschmacklosigkeit.

In keinem Fall möchte ich die Brauerei dafür hochjubeln, dass sie mit Walmehl braute. Doch gibt es sicherlich einige unter meinen Lesern, die sich fragen, wie dieses Bier aussieht, wie es riecht und wie es schmeckt. Hintergrund zu dem Walgetränk: Produziert haben die Isländer dieses Lager Ale nur für ihr nordgermanisches Opferfest „Thorrablot“. Die Feier stammt aus der Zeit der Wickinger und wurde im 19. Jahrhundert von den Inselbewohnern als Teil der Volkskultur wieder belebt. In dem Fest-Zeitraum von Januar bis Februar werden viele Bräuche festlich zelebriert. So wie in etwa bei uns die Kirta-Gans, die Weihnachtsente oder die Ochsenbraten auf dem Oktoberfest.

Das soll keineswegs eine Entschuldigung für die Produktion des Hvalur Þorrabjór Steðja sein. Aber keineswegs wurden Finnwale nur wegen einer geplanten Bierproduktion getötet. Island verfügt über eine international genehmigte Fangquote. Das proteinreiche Walmehl, das angeblich nur in homöopathischen Dossierungen beim Brauprozess der Isländer eingesetzt wurde, entsteht als Nebenprodukt beim Auskochen des Fleisches zur Ölgewinnung.

Walbier
Walbier

Kommen wir nun zum Bier, das der 32-jährige Düsseldorfer Braumeister und Wahlisländer Philip Ewers in dem kleinen Hafenort Stykkishólmur nördlich von Reykjavik kreiert hat. Farblich glänzt das 5,2prozentige Ale in einem kräftigen Kirschrot, der Schaum verflüchtigt sich schnell. Wer dann einen Geruch von Meeresgetier erwartet, dürfte enttäuscht sein. Es riecht malzig, mit leichter Dominanz von Röstaromen – fast wie geräucherter Speck. Im Mund ist das Bier sehr fein und mild, was wohl mit dem isländischen Quellwasser zusammenhängt. Es schmeckt etwas herb nach nordischen Steinbeeren, aber auch süßlich nach Malz. Ungewöhnliche Aromen spielen mit, aber ob diese nun vom Walmehl kommen, kann ich nicht beurteilen. Ich bin zwar vor einigen Jahren mal in einem Hafenrestaurant in Reykjavik in die Situation geraten, Finnwalfleisch probieren zu müssen, aber die Erinnerung daran ist verschollen.

Fazit: „Hvalur Þorrabjór Steðja“ ist für deutsche Gaumen gar nicht mal so ungewöhnlich, dürfte aber vor allem Nordmänner und Wikingerfrauen begeistern, die sich auf das isländische Thorrablot Festival freuen. Wer ein ungewöhnliches Bier erwartet, sollte sich anderweitig orientieren. Denkt man sich den Wal mal weg, dann findet man ein handwerklich korrekt gebrautes Bier vor. Das ganze war wohl eher eine wilde Idee, die einer kleinen Craft-Brauerei in einem winzigen Absatzmarkt einen riesigen Marketingerfolg beschert hat.

Stedji Brauhaus: Isländische Craft-Brewer schockieren mit Walfisch-Bier

Mit Entsetzen haben Biertrinker auf allen Kontinenten reagiert, als heute eine Meldung um den Globus ging. Die Craft-Brewer des „Stedji“-Brauhauses nördlich von Reykjavik haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und ein Bier produziert, bei dem sie aus Walfleisch gewonnenes Mehl in den Sudkessel kippten. Stedji-Chef Dabjartur Arilíusson preist sein Bier, das mit einem Alkoholgehalt von 5,2 Prozent nur für das isländische Mitwinter-Fest Thorrablot und zu Ehren des alten Wikingerkönigs Thorri  (Frost) produziert wurde, als «sehr gesundes Getränk» an. Das Walmehl im Sud ermögliche ein proteinreiches und kaum fetthaltiges Bier.

Tierschützer nennen dies den „Gipfel der Geschmacklosigkeit“ und die Väter des deutschen Reinheitsgebots würden sich wohl im Grabe umdrehen. Aber eines darf man dabei nicht vergessen: Die Isländer haben eine traditionelle Beziehung zu Walfleisch und finden es gar nicht so abwegig, daraus auch mal ein Bier zu brauen. Schon bei ihren Vorfahren, den Wikingern, gehörte halbvergorenes Meeresgetier zu den bevorzugten Getränken, und auf den Speisekarten der Feuerinsel finden sich seit jeher ganz köstliche Walgerichte. Ich selbst – Tierschützer mögen mir verzeihen – habe nach einem Adventure-Trip durch die isländische Wildnis in einer Fischerkneipe im Hafen von Reykjavik schon mal Walfleisch probiert und fand es äußerst schmackhaft.

Ob – bei aller Experimentierfreude – künftig Walaromen für deutsche Kreativ-Brauer eine Rolle spielen könnten, glaube ich eher nicht. Schon bei der letzten „Braukunst“ in München konnte man ein Austern-Bier probieren, von dem man aber seitdem nichts mehr gehört hat. Immerhin haben die isländischen Kultbrauer einen grandiosen Marketingerfolg erzielt, denn die Meldung über das Walbier ging um die ganze Welt. Und zur Beruhigung aller Apostel der bayerischen Landesordnung von 1516: Stedji braut neben Wal-, Erdbeer- und Lakritzbieren auch wunderbare Lagerbiere, Rauchbiere und Weihnachtsbiere – eisern nach dem deutschen Reinheitsgebot.