Kommentar: Treibjagd auf junge US-Craftbrauer

Manche Nachrichten übergeht man und lässt sie im Tagesgeschehen unbemerkt versickern. In einer kurzen Meldung las ich vergangene Woche, dass der Brauriese Anheuser Busch InBev, größter Bierkonzern der Welt, in den USA jetzt eine Treibjagd auf Craft-Brauer eröffnet hat. Wettbewerbshüter werfen dem Budweiser-Hersteller vor, mit hinterhältigen Rabattaktionen den Verkauf von Bieren aus sogenannten Mikrobrauereien zu behindern. Auch der Branchenprimus spürt inzwischen wohl, dass der Absatz bei industriell produzierten Bieren durch die wachsende Craftbeer–Konkurrenz kontinuierlich in den Keller geht. Die Gegenreaktion lässt nicht lange auf sich warten: Anheuser Busch belohnt jetzt angeblich Großhändler mit Nachlässen, wenn sie den Verkaufsanteil ihrer Marken auf Kosten kleinerer Konkurrenten erhöhten. Diese Attacke muss kommentiert werden.

Dass ein Braugigant so reagiert, ist im Kern eigentlich ein gutes Zeichen. Aufstrebende Craft-Brauer, die angesichts geringer Produktionsmengen lange Zeit belächelt wurden, werden plötzlich ernst genommen. Man kann nur schmunzeln, dass ein Riese wie Anheuser Busch plötzlich spüren muss, dass ihm kleine Kreativbrauereien immer weiter auf die Pelle rücken, weil deren Biere offensichtlich beim Konsumenten besser ankommen. Fakt ist: Trotz millionenschwerer Werbekampagnen und gigantischer Investitionen in Produktions- und Labortechnik bei den Großproduzenten, nehmen die Marktanteile der Micro-Brewer kontinuierlich zu. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob Rabattaktionen dazu führen, dass eine wachsende Gemeinde von Genusstrinkern ihren Geschmack umstellt und zum Billigbier greift.

Auch wenn viele Vertreter von Großbrauereien, die rasante Entwicklung in der Craft-Szene gern herunterspielen, so zeigen die Reaktionen in den USA doch, dass wohl auch eine gewisse Furcht mitspielt, die Konsumenten könnten weiter den Gefallen an ihren Bieren verlieren.  Erfreulicher als die US-Attacken von Anheuser ist da wohl der eingeschlagene Weg einiger deutscher Großbrauereien. Sie haben bereits die Zeichen der Zeit erkannt und zeigen mit ihren Kreativ-Ablegern gerade auf, wie sie ein Stück des Mainstreams verlassen und klug in neue, spannende Bierstile investieren.

Es ist nicht zu übersehen, dass sich der Markt derzeit rasant verändert und selbst in konservativen Landbrauereien die Rezepte längst vergessener Biersorten wieder aus der Schublade gekramt werden. Klar ist: Die Craft-Brauer haben eine ganze Branche wachgeküsst, die Jahrzehnte lang im Dornröschenschlaf verharrte und dazu beitrug, dass der Bierkonsum von Jahr zu Jahr weiter absackte. Nach langer Zeit des Schweigens wird nun auch hierzulande wieder über Bier gesprochen, diskutiert und debattiert wird. Und das ist gut so!

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