Kommentar: Helles contra Hopfenbombe

beer-2536111_1920Jeder Brauer braucht ein Bier, mit dem er Geld verdient. Wenn aber etablierte Crafter – berühmt geworden mit knackigen IPAs, Stouts & Co. – jetzt beginnen „simples“ Helles in die Flaschen abzufüllen, dann sorgt das für heftige Debatten.

So ist in der jungen Branche ein wahrer Richtungsstreit darüber entbrannt, ob ein Helles aus dem Kessel einer ideenreichen Craft-Hütte so richtig in die Szene passt oder ob man solche Sude lieber den Hektoliter-Riesen überlassen sollte. Fakt ist: Helles liegt plötzlich auch bei Kreativbrauern im Trend, spaltet jedoch die Craft-Community in zwei Lager. Was die einen aus Gründen der Trinkbarkeit für gut befinden, ist für andere ein Teufelswerk schlechthin. Aufgebrachte Hop-Guys prophezeien sogar mit Hinweis auf Authentizitätsverluste den Abgesang der ganzen Branche.

Das ist natürlich Quatsch. Zwar genießt das Helle mancherorts noch das Image austauschbarer Maurer-Biere und selbst große Marken kämpfen seit Jahren mit anhaltenden Anteilsverlusten. Stellt sich also die Frage, warum muss die hierzulande noch junge Kreativbierbranche jetzt auch noch Helles brauen, obwohl viele Bierstile längst nicht ausgereizt sind? Klare Antwort: Craft-Brauer brauchen dringend neue Zielgruppen, die ihnen anhaltendes Wachstum versprechen. Denn noch immer ist es nicht ganz einfach, notorische Maßtrinker mit finessenreichen Hopfenbomben zu beglücken.

Dass Jungbrauer auch auf der Klaviatur der Branchenriesen spielen, heißt jedoch keineswegs, dass ihre Sude nun zum Allerweltstrunk verkommen. Auch ein modern interpretiertes Helles mit spannender Rohstoffkombination kann zum wahren Craft-Vergnügen werden. So könnte sich in den kommenden Jahren eine Renaissance des traditionellen Hellen abzeichnen, das ursprünglich mal mit erheblich mehr Hopfenanteilen und Bittereinheiten gebraut wurde.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin.

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3 Gedanken zu “Kommentar: Helles contra Hopfenbombe

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  2. Das Helle von meinem Nachbar-Craft-Brauer Brewbaker trinke ich ziemlich gern. Es ist schon besser als Späti-Massenware. Wird es aber, wegen nicht sehr deutlichem Alleinstellungsmerkmal, schwer haben, sich gegen preisgünstige Konkurrenz durchzusetzen. Oder anders: Die bayrischen Massen-Hellen sind schon ziemlich ordentliche Biere.

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  3. Gottfried Seitz

    Ganz klar! Craftbierbrauer sollen auch ein Helles brauen und brauen können. Denn: Ein wirklich gutes Helles Bier zu brauen, ist gar nicht so einfach wie es auf den ersten Blick ausschaut. Nur wenige beherrschen diese Kunst. Eine Hopfenbombe z.B. mit 5 Malzsorten und 6 verschiedenen Aromahopfensorten und vielleicht 50 Bittereinheiten ist leicht gebraut! Man erklärt dem Biertrinker einfach, dass Craftbiere halt so schmecken.
    Leider ist in den vergangenen Jahren/Jahrzenten das Helle weit unter seinem Wert geschlagen worden, es wurde zum Massenartikel degradiert und in den Getränkemärkten regelrecht verramscht.
    Ein ausgewogenes Helles mit 11,5°Plato und 22 – 25 Bittereinheiten zu brauen, dass dann auch noch gut schmeckt, erfordert großes Können, Fingerspitzengefühl und Erfahrung bei der Auswahl der Rohstoffe. Nicht wenige Braumeister beherrschen diese Kunst und haben immer schon ein süffiges und harmonisch schmeckendes Helles in ihrem Sortiment.
    Neuerdings besinnen sich wieder einige Brauereien dieses Biertyps und haben es neu aufgelegt, wie z.B. das Meckatzer Hell oder das Lindauer Hell.
    Ein Helles wird nie seine Berechtigung verlieren und wenn sich Craftbierbrauer über dieses Thema trauen und ein sortentypisches rundes süffiges Helles Bier das Ergebnis ist, haben alle was davon.
    Das Helle kann eine richtige Wiedergeburt erleben!

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