Top-Brauer: Tilmans Biere – „…wie die Faust aufs Auge“

Tilman Ludwig (1)
Tilman Ludwig mit seinem Flaggschiff: „Das Helle“

Heute ist nicht nur Tag des Deutschen Bieres, sondern auch der Geburtstag von Tilmans Biere. Vor genau drei Jahren meldete Tilman Ludwig seine Marke an – angeblich war das ein Zufall. Ein super Anlass, einen meiner Münchner Lieblings-Crafter in die Liste der Top-Brauer aufzunehmen. Tilman hat es mit seinen Suden schon ziemlich weit gebracht:  die jungen Leute in der bayerischen Metropole sitzen inzwischen mit seinen Bieren an den Isarauen, und nicht mehr nur mit den Münchner Standardsuden.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Mein erstes Bier habe ich 2006 mit Glühweinkocher und allerlei selbst zusammengebauten Gerätschaften in der Küche gebraut. Ich wollte damals ein Helles brauen, das aber am Ende extrem nach Weißbier geschmeckt hat. Kann mir bis heute nicht 100prozentig erklären was da schief lief…

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Neben dem kreativen Anspruch, dem Umgang mit Rohstoffen, der Wahl der Biersorte und dem leidenschaftlichen Brauen, muss das Bier auf alle Fälle auch lecker schmecken.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Tatsächlich mag ich eigentlich alle Biersorten. Ich bin der Meinung, dass jedes Bier seinen bestimmten Moment hat und in diesem wie die Faust aufs Auge passt. Es wäre fatal einem Biertyp vorab einen Sonderstatus zu geben.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Auch hier habe ich keinen bestimmten Favoriten. Wie ein Gewürz zum Essen, so muss der Hopfen zum Bier passen. Entscheidender als die jeweilige Sorte ist die unkonventionelle Verwendung und die daraus resultierenden Aromen. Was ich allerdings gar nicht mag sind Hopfensorten, die am Ende grasige oder seifige Geschmäcker ins Bier bringen.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Kreativität, Knowhow und gute Laune!

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Hui, ich habe schon wirklich sehr viele total abgedrehte oder auch ekelige Biere getrunken. Ein Bier, das mich jedenfalls ordentlich beeindruckt hat, war das „Sour Dampson“ von The Kernel – ein Sauerbier mit Pflaume. Oder die hopfengestopfte Berliner Weisse von Wiper and True sowie das Basilikumbier einer kleinen Brauerei aus dem italienischen Busalla, dessen Namen ich leider vergessen habe.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Der Ort ist mir eigentlich egal. Der Freund und das Bier sind die wichtigen Größen!

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Leider noch nichts Spruchreifes. Ich habe aber einige Ideen und bereits ein paar Versuche gemacht. Sicher ist jedoch: Das Bier wird hopfenaromatisch.

 

Top-Brauer: Isarkindl – Brauen mit dicken Brettern

Isarkindl_Isar-3_klein
Das Isarkindl-Team: (v.l.) Rainer, Nina, Xaver und Simon. (Foto: Christian Büttner)

Xaver Amler und Simon Klur gehören zu ausgewiesenen Experten für untergärige Biere. Mit ihrer Marke Isarkindl, die aus dem Innovationswettbewerb der TU München in Weihenstephan entstanden ist, stellten die bayerischen Jungbrauer bisher modern interpretiertes Helles und Märzen in die Regale. Das Isarkindl-Team trägt damit zu einer neuen Münchner Biervielfalt bei und sprudelt geradezu von spannenden Ideen. Wegen ihrer kreativen Sude gehören sie zu den Top-Brauern der Nation.

Wann habt ihr euer erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Simon: Das müsste bei mir im ersten oder zweiten Semester gewesen sein. Es war ein dunkler Weißbierbock. Damals ist er mir wirklich wahnsinnig gut vorgekommen…

Xaver: Bei mir war das kurz vor dem Abi. Mein Thema zur Facharbeit im Leistungskurs Chemie hieß: „Vergleichen Sie moderne und klassische Biersorten. Herstellung eines hellen Lagerbieres“. Dabei habe ich erstmal richtig versagt. Der erste Versuch scheiterte an der Gärung. Meine Kumpels und ich haben es aber trotzdem getrunken.

 

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen „Isarkindl“ gekommen?

Simon: Das war das Ergebnis eines sehr langen Brainstormings. Nina, Rainer, Xaver und ich haben uns über Wochen einfach alles was uns eingefallen ist zugeschickt. Das war dann letztendlich eine Liste mit hunderten Namen. Da stand dann eben auch ISARKINDL mit drin.

Xaver: Das erstaunliche daran war ja, dass das ganze per E-Mail-Austausch funktionierte. Zu dem Zeitpunkt sahen wir uns nämlich noch nicht allzu oft und mussten Brainstorming vor dem Computer leisten.

 

Was macht für euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Simon: Ganz einfach – es muss mir außergewöhnlich gut schmecken. Dabei ist mir eigentlich ziemlich egal, ob es ein ausgefallenes Craft-Bier mit Kiwi, Milchsäurebakterien und Brettanomyces oder einfach ein sehr gutes Helles ist. Und vor allem spielt auch immer irgendwie die Umgebung mit rein.

Xaver: Mir ist wichtig zu erkennen, wer hinter dem Produkt steht. Das heißt auch, dass Biere von großen Konzernen zwar qualitativ top sein mögen, aber aufgrund der Anonymität gar nicht außergewöhnlich sein können. Wir arbeiten gerade zusammen mit vielen kleinen Brauern an einer zukunftsträchtigen Bewegung: Die alteingesessene Bierkultur neu zu beleben. Da ist für mich eine echte Berliner Weiße genauso außergewöhnlich wie ein Festbier mit Mandarina Bavaria.

 

Welchen Biertyp trinkt ihr am liebsten und warum?

Simon: Das kommt immer auf die Situation an. Zurzeit trinke ich sehr gerne Sauerbiere. Gerade im Frühling und Sommer bin ich da immer recht scharf drauf.

Xaver: Ich gehöre zum Team untergärig. Das sind meist sehr saubere Biere, die bei richtiger Hopfenzugabe auch Ales und Weißbieren in nichts nachstehen. Dazu sind sie häufig auch noch süffiger.

 

Was sind eure Lieblingshopfensorten?

Simon: Schwer zu sagen, aber die gute alte Hersbruckerin findet schon sehr oft ihren Weg in meine Biere. Wenn es dunkler wird, benutze ich auch gern Super Styrian Aurora. Nicht zu vergessen die Sorte Comet, die ist halt einfach klasse.

Xaver: Das kommt ganz auf den Hopfengabe-Zeitpunkt an. Die Klassiker wie Hallertauer Mittelfrüh, Tettnanger und Hersbrucker schmeiß ich schon sehr gern in den Whirlpool. Die Gabe im Heißbereich ergibt meiner Meinung nach sehr rund-ausbalancierte Hopfennoten, die sich mit der Malzaromatik besser verbinden. Aber auch Cascade gibt richtig geile Noten. Kaltgehopft stehe ich auf Callista, Comet und auch wieder den Cascade.

 

Welche Eigenschaften zeichnen euer Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Simon: Craft-Brauer*innen brauchen Mut und Eigensinn. Das ist jetzt in Bayern natürlich noch leichter gesagt als getan, aber wer weiß, vielleicht dürfen wir ja auch irgendwann mit speziellen Zutaten jenseits des Reinheitsgebotes mal richtig Gas geben…

Xaver: Ein richtig guter Craft-Brauer vergisst nie den handwerklichen Geist hinter seinem Produkt. Je mehr er in sein Handwerk oder in qualifiziertes Personal investiert, umso besser werden seine Biere. Und dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

Was war das schrägste Bier, das ihr jemals getrunken habt?

Simon: Das war wohl das Bier, dass wir während eines Uni-Praktikums gerührt haben. Wir brauten einen dunklen Weißbierbock und gaben in den Whirlpool zwei Tafeln Zartbitterschokolade und Habaneros dazu. Ja, das hat dann ziemlich gebrannt auf der Zunge…

Xaver: Ich durfte schon viele schräge Biere verkosten, aber die „Gurken Gose“ von Hopfmeister und Braumanufaktur Hertl gehört ganz oben auf die Liste. Auch das „Room 101“, ein gemeinschaftlicher Sud von Yankee&Kraut, Freigeist Bierkultur und Pirate Brew Berlin gehört für mich dazu.

 

An welchem Ort der Welt würdet ihr mit eurem besten Freund gern ein Bier trinken?

Simon: Eigentlich reicht mir da wirklich die Isar im Sommer. Das ist schön und vor allem einfacher umzusetzen als auf der Nase der Sphinx in Ägypten zu hocken.

Xaver: Mein Traum: Auch mal das eigene Bier aus der Maß in der Haager Schloßallee an der Amper zu trinken (weit und breit der schönste Biergarten der Welt!). Vielleicht brauen wir ja dann auch mal ein Collab mit Hofbräu Freising…

 

Und was habt ihr als nächstes vor?

Simon: Ich habe mir vorgenommen, wieder mehr mit unserer alten Brettanomyces-Hefe zu experimentieren.

Xaver: „Brett-Bier“ im Großformat zu brauen – das wäre schon der Hit. Derweil aber konzentriere ich mich auf moderne Interpretationen klassischer Bier-Rezepturen. Pils, Weißbier, Braun- und Kellerbier, da ist überall so wahnsinnig viel Potential drin!

 

Top-Brauer: Markus Berberich von der Rügener Inselbrauerei – „Meine Ideenschublade ist für Jahre gefüllt“

inselbrauerei_201510073
Markus Berberich (rechts) und sein Brauer-Team in der Inselbrauerei

Er ist ein Mann voller Tatendrang und frischen Ideen. Markus Berberich arbeitete lange Zeit als Braumeister bei der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund, bis er sich entschied, sein eigenes Bier zu brauen. So öffnete er, nur eine Brückenfahrt von der Piratenbrauerei entfernt, die Rügener Inselbrauerei. Im 1000-Seelendorf Rambin produziert Markus mit seinem Team inzwischen „seltene Biere“. Darunter ein Ale mit Champagner-Hefe, ein fruchtig-elegantes Sauerbier sowie auch ein India Pale Ale mit einer ordentlichen Portion Übersee-Hopfen – und räumt damit regelmäßig Preise ab. Kein Wunder, denn in seiner Werkstatt hat er ein ausgewähltes Team: Darunter Braumeister Frank Lucas, frischgebackener deutsche Meister der Biersommeliers. Da ich bislang noch kein langweiliges Bier aus der Rügener-Manufaktur genossen habe, und jede Sorte auf ihre Art heraussticht, zählt Markus Berberich für mich zu Deutschlands Top-Brauern.

Markus, wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das dürfte so um 1987 gewesen sein. In der Küche meiner Freundin habe ich gebraut und mich bei der Speisegabe für die Flaschenreifung verrechnet. Das führt dazu, dass eines Sonntagmorgens zwei heftige Explosionen in der Küche passierten und alle davon wach wurden. Die Scherben steckten im Küchenschrank und ich bekam Hausbrauverbot…

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Für mich gibt es mehrere Faktoren: ein Bier soll eigenständig und charaktervoll sein, eine gute Balance haben, gut trinkbar sein. Die goldene Regel: man muss die Flasche wirklich leer trinken können und der Biergenuss soll lange anhalten und nicht nach ein paar Tagen oder Wochen schon vergessen sein. Um das zu erreichen zählen hohe Vergärungsgrade und Flaschenreifung zur Grundvoraussetzung.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Je nach Anlass und Situation: im Alltag zum Feierabend trinke ich Sauerbier – unser „Seepferd“ – das erfrischt. Ein weiteres Lieblingsbier von mir ist belgisches Orval. Ab und an darf es auch alkoholfrei sein, dann bevorzuge ich nach wie vor das „Frei-Bier“ von Störtebeker.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Kann ich so nicht sagen, dass kommt auf die Einbettung des Hopfens an. Aber Sorachi Ace, Galaxy und Simcoe gefallen mir ziemlich gut.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Er ist weltoffen und respektvoll gegenüber allen Brauern. Er ist glaubwürdig, macht und deklariert alles was er sagt, ist kreativ, handwerklich und fleißig. Die Begeisterung für Bier sollten alle seine Partner spüren können. Damit man als Craft-Brauer erfolgreich sein kann, sollte man neben der Braukompetenz auch etwas von Markenbildung, Vertrieb, Logistik, Organisation und führen einer Firma verstehen. Man braucht eine soziale Kompetenz für seine Mitarbeiter und leider recht viel Geld für den Aufbau. Das Paket ist sehr anspruchsvoll und wird sehr häufig unterschätzt oder erst gar nicht gesehen.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Eine 20 Jahre alte Geuze von einem befreundeten belgischen Braumeister. Man hatte echt das Gefühl, man beißt in eine Pferdedecke – unglaublich!

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Ganz klar auf Rügen, bei der Insel Brauerei.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Wir erweitern derzeit unsere Brau- und Abfüllanlagen. Und klar, wir entwickeln immer neue Ideen. Was als nächstes kommt, wird aber noch nicht verraten. Meine Ideenschublade ist jedenfalls für Jahre gefüllt.

Top-Brauer: Enzo Frauenschuh – Der hippe Hopfen- und Hefe-Guru von „FrauGruber“

fraugruber
Enzo Frauenschuhe und Matthias Gruber von „FrauGruber“

Bevor Enzo Frauenschuh als Braumeister bei der Braumanufaktur Riegele in Augsburg anheuerte erlernte er sein Handwerk bei den Profis in Weihenstephan. Inzwischen ist der 35-Jährige nicht nur Brauchef der neuen Camba Old Factory in Gundelfingen, sondern auch Gründer seiner eigenen Biermarke „FrauGruber“. Hinter diesem Label steht ein Zusammenspiel der beiden Nachnamen von Enzo Frauenschuh und seinem Mitstreiter Matthias Gruber. Die beiden Kumpels kennen sich seit ihrer Jugend und haben sich jetzt ihren Traum von eigenen Kreativbieren mit eigenem Signum verwirklicht. Das IPA musste ich gleich zum Craft-Bier des Monats küren. Weil auch die anderen Sorten echt super schmecken und Enzo mir zudem erzählte, was er gerade spannendes plant, gehört er eindeutig zu den Top-Brauern der Republik.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Mein erstes Bier? Ich glaube da war ich 13 oder 14 Jahre alt. Wir haben das bei einem Kumpel in der Küche gebraut. Das hat irgendwie total Spaß gemacht. Allerdings war das Resultat leider nicht wie erhofft. Es war ein klassisches Helles, das total mastig und süß geschmeckt hat.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „FrauGruber“ gekommen?

Um ehrlich zu sein haben Matthias und ich wirklich lange überlegt, ob wir unserem Label einen deutschen oder englischen Namen geben sollen. Eines Tages erzählten wir einem Kumpel was wir beide vorhaben und der meinte nur ganz trocken: „Ihr zwei, was soll denn da schon gescheites raus kommen aus Frauenschuh und Gruber – FrauGruber?“ Wir haben uns erst mal kaputtgelacht und ab dem Moment war klar, wir nennen es „FrauGruber“.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Ein außergewöhnlich gutes Bier ist für mich, wenn ich direkt beim ersten Schluck schon Lust auf den zweiten bekomme. Es darf gern komplex sein, muss aber eine geile Trinkbarkeit und ein geiles Mundgefühl mitbringen.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Ich trinke am liebsten schöne trockene Pilsner, Pale Ales, IPAs, Imperial IPAs und Sauerbier. Im Winter auch gerne mal Stout und Porter.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Opal, Hersbrucker, Mittelfrüher, Mandarina, Callista, Cascade, Columbus, Summit, Mosaic, Citra und auf jeden Fall Simcoe.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Allen voran steht Leidenschaft, Selbstkritik, Kontinuität und eine hohe Frustrationstoleranz. Ich denke es ist keine Kunst, einmal ein gutes Bier zu kreieren und zu brauen, sondern vielmehr dieses immer und immer wieder so gut zu hinzukriegen wie die Ursprungsversion – wenn nicht sogar noch besser. Selbstverständlich gehört genauso eine ordentliche Portion Kreativität dazu.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Bei „De Struisse“ in Belgien habe ich mal morgens um halb zehn einen Barley Wine mit 22 Prozent Alkohol probiert, der mehr als fünf Jahre in sechs verschiedenen Holzfässern gelagert wurde. Dass war ein echt schräges, aber auch sensationell gutes Bier!

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Gerne würde ich mal zusammen mit Matthias auf der Terrasse von „Hill Farmstead“ (Vermont, USA) sitzen und deren Biere probieren. Einfach mal schön durch das Sortiment trinken um zu schauen, ob die Biere wirklich so sensationell sind, wie so viele behaupten. Alternativ wäre der Lagerkeller von „Rodenbach“ noch einer meiner Top-Favoriten.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Wo soll ich da anfangen? Es sind wirklich unzählige Projekte. Im Moment mache ich mir Gedanken über die aktuellen Biere und was ich gerne verbessern würde. Ansonsten möchten wir 2017 eine „Experimental Serie“ rausbringen und uns unbedingt vermehrt um das Thema Hefe kümmern, die für uns enorm wichtig ist.

 

 

Top-Brauer: Bernhard Hecht von „Hecht German Craft“ – Liaison mit Ella und Galaxy

flo-benny
Bernhard und Florian von „Hecht German Craft“

Bernhard Hecht gilt mit seiner Kreativbrauerei namens „Hecht German Craft“ in Pappenheim in Mittelfranken in der Craft-Bierszene noch als wahrer Geheimtipp. Kein Wunder, bisher setze der 49-Jährige mit seinem Sohn Florian auf regionalen Verkauf. Das soll sich jetzt allerdings ändern. Im Portfolio führen die beiden ein Red Lager, ein Amber Lager sowie ein Strong Dark Lager – alle bedingungslos hopfenbetont. Auf der BrauBeviale im vergangen November konnte ich alle drei Sorten probieren. Demnächst erweitern die Franken ihr Portfolio um ein „Callista Wheat“, auf das ich mich schon sehr freue. Bei mehr als 25 Jahren Brauerfahrung, schmeckt man Wissen und Können von Bernhard aus jedem Tropfen seiner Kreativdrinks heraus. Deswegen zählt er für mich zu den deutschen Top-Brauern.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das war 1989, zusammen mit drei Freunden (einer davon war zufällig gelernter Brauer) im Gartenhäuschen in einem alten Wurstkessel. Es wurde ein Dunkles mit 13,9 % Stammwürze, das ich von der Brauereiberatung Speckner in Augsburg analysieren lies und mit dem ich nach Bewertung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft erstaunliche 5,0 Punkte erhalten habe.

 

Warum hast Du Dich für den Namen „Hechtbräu“ entschieden?

Das war eigentlich gar nicht so schwer. Mein Name ist ja irgendwie ziemlich speziell und selten. „Hechtbräu“ hat sich einfach gut angehört. Für meine Craft-Biere musste dann noch ein eigener Name bzw. Label gefunden werden, der ab Mitte 2015 wiederum mit „HECHT German Craft – made in Pappenheim“ auch sehr schnell feststand.

 

Was macht für dich ein außergewöhnliches Bier aus?

Bier muss mich neugierig machen. Wenn sich die Erwartung dann erfüllt oder sogar übertroffen wird und ich am liebsten sofort loslaufen möchte, um mir davon einen kleinen Vorrat anzulegen, dann ist es für mich ein außergewöhnliches Bier. Das ist dann auch absolut unabhängig ob „Craft“ oder „Klassisch“, denn auch für traditionelle Helle, Dunkles oder Weizen kann das zutreffend sein.

 

Welchen Biertyp trinkst du am liebsten und warum?

Da bin ich zum Glück für alles offen. Ich habe nur meine Probleme mit ganz extremen Rauchbieren. Prinzipiell kommt es aber auch eindeutig auf die Situation und die Stimmung an. Alles in allem bin ich aber doch ein absoluter Fan von untergärigen Lagerbieren in jeglichem Stil, egal ob hell, dunkel, hopfengestopft oder auch mal „vogelwild“.

 

Was sind deine Lieblingshopfensorten?

Meine zwei „Australier“ Ella und Galaxy. Die sind einfach einzigartig. Und der „Klassiker“ Amarillo mit seiner schönen Note von Bitterorange.

 

Welche Eigenschaften zeichnen deiner Meinung einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Zuallererst natürlich Kreativität und Leidenschaft. Dazu die ständige Neugier und Offenheit für das Produkt Bier. Der Brauer muss absolut hinter seinem Bier und seinem Stil stehen, seine Idee und Inspiration dazu darstellen können und nichts machen, nur weil es andere auch machen.

Außerdem sollte er immer das Bestreben haben, sich nicht auf „seinen Lorbeeren“ auszuruhen, das heißt, kritikfähig zu sein und stets versuchen noch besser zu werden und sich weiter zu entwickeln. Und: immer gelassen bleiben und sich darüber im Klaren zu sein, einen der schönsten Berufe der Welt zu haben.

 

Was war das schrägste Bier das du jemals getrunken hast?

Hier fallen mir spontan zwei Biere ein: „Vroni’s Blueberry Stout“ von David Hertl, das geschmacklich schon interessant war, aber im Glas aussah wie die abgezogene Haut von Paulchen Panther. Und von Freigeist Bierkultur die „Atlantis Gose“ mit eingebrauten Austern, die stark nach „saurem Salzhering“ geschmeckt hat.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Bis jetzt bin ich einfach nicht dazu gekommen, aber es  war schon immer mein absoluter Wunsch: Eine „Kneip(p)tour“ quer durch Irland.

 

Und was hast du als nächstes vor?

Der größte Fokus im Jahr 2017 steht auf „Hecht German Craft“. Mit meinem Sohn Florian (24), der derzeit seine Ausbildung zum Brauer macht, ist es unsere Priorität, die Marke aus ihrem regionalem „Dornröschenschlaf“ zu erwecken, deutschlandweit bekannter zu machen, um somit dem Namensteil „German“ gerecht zu werden. Für mich ist jetzt schon das persönliches Highlight die Präsentation auf der Braukunst Live in München, die mir Frank Böer durch das „Braukunst Lab“ ermöglicht.

Biertechnisch möchte ich, meinem Credo zufolge, die drei bestehenden Sorten „Amberella“, „Cascarillo“ und „Pappenheimer German Ale“ noch weiter perfektionieren. Außerdem wollen wir neue Ideen mittels eines „Collabrews “ umzusetzen, da ja bekanntlich im „sturen“ Bayern gewisse Hindernisse hinsichtlich alternativer Zutaten bestehen.

Top-Brauerin: Ulrike Genz von Schneeeule – Reanimation der Berliner Weiße

schneeeule-2Ulrike Genz will Berlin ein kulturelles Gut zurückgeben. Die Braumeisterin verschwor sich der Berliner Weiße. Schließlich gab es einst 200 Brauereien in der Stadt, die nur diesen Stil brauten. Jetzt kennen die meisten Leute den Begriff nur in Kombination mit pappsüßen Sirups. Anfang 2016  gründete Ulrike im Stadtteil Wedding ihre eigene Brauerei namens „Schneeeule“ um die historische Berliner Weiße wiederzubeleben und diese Form von Sauerbier wieder trinkbar zu machen. Vier Sorten führt die Berlinerin inzwischen im Sortiment, darunter auch eine mit Jasmin und eine mit Holunderblüten aromatisiert. Allein schon für ihren Mut und ihren Ehrgeiz verdient sie es, zu den deutschen Top-Brauern zu gehören.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Ich hatte schon mehrere Jahre Brauwesen studiert, aber um mein eigenes Bier zu brauen, war ich durch die benötigten Geräte und Voraussetzungen ziemlich eingeschüchtert. Es kam mir wahnwitzig teuer und aufwändig vor, den Sauerstoffeintrag zu vermeiden, das Bier zu filtrieren und zu kühlen. Meine ersten schüchternen Brauversuche startete ich dann vor rund 9 Jahren mit Malzextrakt. Es war ein IPA und schmeckte fürchterlich. Nachdem ich das erste Mal im Museum Veßra in Thüringen historisch mit Holzbottichen gebraut hatte, fielen jegliche Bedenken gegenüber den komplizierten Vorgaben der Industrie.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Schneeeule“ gekommen?

Das war zufällig. Ähnlich wie bei einem Kunstwerk, das erst intuitiv entsteht. Erst mal fand ich die drei E markant. Die Erklärung wurde erst später klar: Die Schneeeule, ein schützenswerter, majestätischer Vogel mit großen, weißen Schwingen – so wie der Schaum der Berliner Weiße mit gelben Augen. In der Altmark gibt es den Spruch: Wat diin iin siin Uhl (Eule) is diin andern siin Nachtigall. Was so viel heißt: was der eine nicht mag, schätzt der andere. Berliner Weiße ist eben auch Geschmackssache, der eine ist total begeistert, der andere hält es für schlecht gewordenes Bier.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Außergewöhnlich ist immer eine Frage von Ausgewogenheit. Nur bitter, nur sauer, nur brettig, nur malzig ist zu wenig und nicht lecker. Wenn man es schafft, ein Bier auf eine besondere Weise zu betonen ohne die Ausgewogenheit zu verlieren, dann ist das ein außergewöhnliches Bier.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Berliner Weiße natürlich. Hätte es eine annehmbare Weiße gegeben, hätte ich nicht angefangen welche zu brauen. Aber eigentlich trinke ich fast jeden Typ gern. Außer Pils, das finde ich meistens nicht so lecker, zu trocken, zu bitter – einfach nicht mein Stil.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Soraci Ace, Cristal, Hallertauer Blanc…da gibt es bestimmt noch so einige, die ich noch nicht kenne. Da Berliner Weiße eher unterhopft ist, ist das auch keine große Frage für mich.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Sauberkeit. Aber zuerst stellt sich doch die Frage: Was ist eigentlich ein Craft-Brauer? Kann man craft eigentlich mit „handwerklich“ übersetzen? Wo  fängt Handwerk an und wo hört sie auf? Ist es Handwerk, wenn man anderen sein Rezept gibt und dann nur noch das fertige Bier vermarktet? Eine kontroverse Diskussion. Klar es geht um „andere“ Biere. Und definitiv nicht darum, möglichst viele Sachen dem Bier zuzufügen. Es muss am Ende trinkbar sein.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Über schlechte Biere rede ich lieber nicht. Aber beispielsweise das Porter und das Gruit-Beer von Popes Yard waren interessant. Das Kamille Bier von Heidenpeters fand ich auch ziemlich schräg.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Im Liegestuhl am Tegler See, die Sonne geht unter und ich bin mit der Brauerei fertig und zufrieden.

Oder auf einem Open Air Konzert von meinen Lieblingsbands Earthship, Gorguts, Future of the left, Käptn Peng, Dyse, Don Vito, Obelyskkh….

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Brauen, brauen und das nächste Jahr überstehen. Die Brauerei soweit ausbauen, dass ich damit selbst zufrieden bin – wenn es sowas überhaupt gibt.

 

 

Deutsche Top-Brauer: Braukollektiv Freiburg – internationales Stehvermögen

Braukollektiv Freiburg
Credit: Ralf Strittmatter

Vier Brauer aus drei Kontinenten vereinen in ihrem Braukollektiv in Freiburg ihr Wissen, ihr Können und die Leidenschaft zum Bier. Aus dieser Kombo entstehen grandiose Sude, bei denen an keinem Rohstoff gespart wurde. Jedes Bier war für mich bisher ein tolles Erlebnis mit einer wahren Harmonie, die den Gaumen streichelt.

 

Die Fragen haben alle vier Hopfenkünstler aus dem Braukollektiv (Gil, James, Chris und Börn) beantwortet:

Wann habt ihr euer erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Gil: Mein persönlicher erster Sud war 2007 – ein Altbier, das allerdings ein ziemlich leckeres Brown Ale geworden ist.  Unser erstes gemeinsames Baby war jedoch 2014 das „Black Sheep IPA“, das jetzt „Dolly IPA“ heißt. Das brauen wir immer noch regelmäßig. Damals war es allerdings nur mit einem Drittel der heutigen Hopfenmenge gestopft und auch mit wesentlich mehr Restextrakt. Für die meisten Freiburger Gaumen ein guter Einstieg. Wir dosieren sie langsam hoch.

James: Den genauen Zeitpunkt weiß ich nicht mehr, aber es dürfte etwa neun Jahre her sein. Es war schrecklich, aber ich habe es trotzdem getrunken.

Chris: 24.8.2004: ein Amber Ale, das tatsächlich geschmeckt hat. Wir hatten nicht genügend leere Flaschen um das Bier abzufüllen und mussten daher die Nachbarn holen, um mit deren Hilfe noch schnell eine Kiste ‚leer‘ zu machen.

Börn: Ich glaube vor sechs Jahren. Das Bier war echt lecker, obwohl ich damals der Meinung war, dass 28 Grad genau die richtige Temperatur für die Gärung sind. Das Bier hatte interessante Fruchtaromen…

 

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen „Braukollektiv“ gekommen?

Chris: Namensfindung ist total schwierig. Wir hatten viele schräge Ideen noch vor der Firmengründung, aber irgendwie ist Braukollektiv einfach und bleibt gut im Kopf. Wir sind ein Kollektiv aus Brauern. Basta.

James: Die Entscheidung kam von den anderen, noch bevor ich dazu gestoßen bin. Der Name passt aber, weil wir eine Gruppe Brauer aus verschiedenen Gegenden sind.

Gil: Wir werden auch manchmal gefragt, ob wir ein „richtiges” Kollektiv sind. So mit Konsensprinzip etc. – und das ist tatsächlich so bei uns. Meistens jedenfalls.

braukollektiv_at-work

Was macht für Euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Börn: Das Bier sollte eine lange Geschmacksreise bieten: Vom ersten Schnüffeln bis fünf Minuten nach dem ersten Schluck, dabei soll es auch ausgewogen und ohne Fehlgeschmäcker sein.

James: Es muss eine hohe Trinkbarkeit haben, ohne dabei langweilig zu sein. Wenn ich den letzten Schluck genommen habe und ein wenig Enttäuschung eintritt, dass es schon leer ist, dann habe ich ein außergewöhnliches Bier im Glas gehabt.

Chris: Da stimme ich James zu!

Gil: Wow. Stimmt. Mensch, du bist ja ein richtiger Poet, James.

 

Welchen Biertyp trinkt ihr am liebsten und warum?

Chris: Ich liebe vor allem starkgehopfte Biere.

James: Ich will mich nicht festlegen. Ich mag es malzbasiert, frisch, hopfig, manchmal gereift, aber auch sauer.

Gil: Sauer oder hopfig ist meistens eine gute Wahl. Kommt aber immer auf die Gelegenheit drauf an.

Börn: IPA … davon habe ich zwei ganz besonders leckere immer im Keller.

 

Was sind Eure Lieblingshopfensorten?

Börn: Chinook, Simcoe, Perle, Hersbrucker

Gil: Das ändert sich ständig. Allzeit-Favoriten wären Simcoe, Mosaic, Columbus – je nach Einsatz. Pekko bzw. ADHA 871 ist spannend. Mit dem spiele ich gerade herum.

James: Ich bin fasziniert von den neuen Aromavarianten wie Azacca, El Dorado, Idaho 7 und Callista.  Zu meinen Lieblingssorten gehören aber auch Amarillo, Mosaic, Citra und Cascade.

Chris: Als Australier stehe ich total auf die Kiwi-Sorten wie Nelson Sauvin – ich weiß, es ist fast unmöglich ihn zu bekommen – und Motueka.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Börn: Eigensinn, Neugier, Offenheit, Stehvermögen

James: Den Wunsch zu experimentieren und den Eifer, zu lernen, was das Bier zu sagen hat. Bier ist das wichtigste, danach kommt alles andere.

Chris: Ich stimme James zu. Man soll sich erst um Geschmack und Qualität bemühen – später kann man sich Gedanken über den Preis der Zutaten machen.

Gil: Auf jeden Fall Kreativität.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

James: Kürzlich trank ich eine Dose Budweiser. Das war schon schlecht genug, aber jemand hatte die Dose als Aschenbecher benutzt. Ich habe es trotzdem getrunken.

Gil: Meine eigenen Erfahrungen sind nicht wirklich ausgefallen, außer vielleicht ein paar Homebrews mit Mädesüß oder Damiana sowie anderen Pflanzen. Diese ganzen Vaginal- oder Barthefe-Dinger, von denen man immer mal wieder hört, hab ich nie probiert.

Börn: Ein wirklich schräges Bier war bisher nicht dabei. Chris hat mal ein Bier mit Hühnchen gebraut. Das ist schräg.

Chris: Oh ja, ich habe wirklich mal ein Bier namens „Cock Ale” mit gebratenem Hühnchen gebraut.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

James: Ganz einfach: in einer dunklen, rauchfreien Craft-Bierbar mit Juke-Box in der Ecke und einer endlosen Vielfalt an Weltklasse-Bieren, die in den richtigen Gläsern und der richtigen Temperatur serviert werden.

Chris: Eigentlich kann man doch überall gut Bier trinken…

Börn: Auf einem Berggipfel der bayerischen Alpen nach einer ausgiebigen Bergwanderung.

Gil: Oben auf‘m Hangar. Mit lauem Sommerwind um die Nase und Bass in den Ohren.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

James: Wenn ich das wüsste…

Chris: Die Leidenschaft großartige Biere zu brauen weiter zu treiben.

Börn: Ein Bier trinken.

Gil: Warte, ich komm‘ mit.

Top-Brauer: Andreas Seufert von Pax Bräu – „Schwerter zu Zapfhähnen“

14195232_1197248547013602_1030554918200451930_oAndreas Seufert braut ganz nach dem Motto: „Bier sollte nie geschmacklos langweilig und charakterlos schmecken.“ Seine Biere sieht der Chef und Braumeister von Pax Bräu im unterfränkischen Oberelsbach, ein kleiner Ort in der Rhön, deswegen als „Leuchtfeuer der Nonkonformität in einer zunehmenden Wüste der Eintönigkeit der Großkonzernbiere.“ So überrascht Andreas seine Fans neben dem Standartsortiment mit Weizen- und Vollbier, jeden Monat mit einer neuen Spezialität. Dieses Jahr mit dabei: Eine ganz spezielle Gose, ein Milk Stout und auch ein „Basalt Bock“. Wegen seiner Experimentierfreude und bemerkenswerter Liebe zum Bier, zählt der Unterfranke für mich zu den besten Brauern der Nation.

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das muss so um 1997 zu Beginn meiner Lehre bei der Würzburger Hofbräu in unserer damaligen WG-Küche gewesen sein. Es war auf jeden Fall ein helles untergäriges Bier. Ich war damals ziemlich positiv überrascht von dem gelungenen Geschmack – allerdings ging die Kohlensäure gar nicht. Damit habe ich mir die ganze Bude eingesaut.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Pax Bräu“ gekommen?

Das geht zurück auf meine Zeit bei Doemens. Der 9/11 war unser erster Tag an zur Meisterschule. Danach wurde wieder verstärkt über Krieg und Frieden diskutiert. Dabei hat ein Klassenkollege irgendwann den Trinkspruch „Drum lasst uns also Schwerter zu Zapfhähnen schmieden. Trinken für den Frieden!“ ausgebracht. Dieser hat sich so positiv bei mir eingebrannt, dass ich ihn Jahre später als Brauereimotto hernehmen wollte. Nur hatte ich noch keinen passenden Namen für das Unternehmen. Das Motto mit dem Frieden stand nun mal schon. Aber Friedensbräu hörte sich für meinen Geschmack etwas zu morbide an, zumal wenn Du in einer Stadt aufgewachsen bist, in der es ein Bestattungsinstitut mit selbigen Namen gibt.

Auf den Namen kamen meine Freundin und ich schließlich während einer Rucksackreise in Laos, Kambodscha und Vietnam. In Laos las meine Freundin beim Warten auf einen Bus die Infotafel für die Fahrt nach Pakse vor. Bei ihr hat es klick gemacht, denn plötzlich ging ihr das lateinische Wort für Frieden, nämlich pax, durch den Kopf. Und pax hatte dann auch den von mir gesuchten guten Klang.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss charakterstark und doch ausgewogen sein. Gerne auch mit alternativen Zutaten.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Mein Lieblingsbier darf gerne etwas rauchig sein. Vielleicht bin ich als Kind mit Bauernhof-Background schon zu früh mit Geräuchertem aus der Hausschlachtung konfrontiert gewesen. Als ich am Ende meiner Ausbildung noch einmal alle Mitschüler und Lehrer auf eine Party in unseren WG-Garten eingeladen hatte, hat der eine Lehrer aus Bamberg einen Rucksack mit Bier von der Brauerei Spezial mitgebracht. Ab da war ich dem Rauchbier verfallen. Und sind wir doch mal ehrlich was gibt es leckereres zu einer deftigen Mahlzeit (von Brotzeit bis Schäuferla) als ein leicht rauchiges Bier?

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Motueka und Riwaka aus Neuseeland, Topaz aus Australien und Perle aus Deutschland.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

  • Er muss endlos belastbar sein.
  • Ein Ausbund an Kreativität.
  • Er braucht einen zuverlässigen Freundeskreis.
  • Einen elaborierten Sinn für Geschmack.
  • Niemals versiegende Neugierde.
  • Eine gewisse Unbeirrbarkeit gegenüber modischen und/oder vom Handel ausgeübten Einflüssen. 7. Organisationstalent und strukturiertes Arbeiten hilft ungemein.
  • Er braucht einen starken Rückhalt in der Familie.
  • Gutes handwerkliches Geschick.
  • Ein Gespür für die kaufmännischen Belange.
  • Sauberkeit, Sauberkeit, Sauberkeit!!!

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Die Gurkengose von David Hertl und Hopfmeister.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

An einem lauen Sommerabend auf der Festungsmauer zu Würzburg sitzend mit traumhaften Stadtpanorama vor der Nase.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Also biertechnisch kommen 2017 einiges Neues dazu: ein Milk Stout, eine Rhabarber-Hibiskus-Rosen-Gose, ein Rubin Single Hop Pils. Und dann steht ja noch Anfang Juni (Pfingsten) das Festwochenende zum 10-jährigen Bestehen der Pax Bräu in Oberelsbach an. Das wird echt ein Brett.

Top-Brauer: Oliver Wesseloh von Kehrwieder Kreativbrauerei, der vom Bier berührt werden will

olliwesseloh
Oliver Wesseloh – Copyright: Julia Schwendner

Er war nicht nur Weltmeister der Biersommeliers. Oliver Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei ist auch Buchautor und braut mit „Wow-Effekt“einige der besten IPAs in Deutschland. Der Hamburger lebt quasi das Thema Bier mit allen Sinnen und zählt daher für mich zu den besten Brauern der Nation.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Hmm, da muss ich wirklich kurz überlegen… ich glaube technisch gesehen habe ich das erste Mal während meines Praktikums in der Hamburger Hausbrauerei Gröninger gebraut. Das erste eigene Bier braut ich dann zusammen mit Kommilitonen in Berlin – dabei ist die neugierige Katze einer Kommilitonin in die Maische gesprungen. Sie war aber auch sehr schnell wieder draußen. Trotz den Umständen, schmeckte das Bier echt gut.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen Kehrwieder Kreativbrauerei gekommen?

Als Hamburger wollten wir unsere Verbindung zur Stadt zum Ausdruck bringen. Die Kehrwiederspitze war die alte Hafenausfahrt und der Legende nach haben hier die Seefahrer-Frauen ihre Männer mit dem Wunsch „kehr wieder“ auf große Fahrt verabschiedet. Das passt natürlich perfekt zu unserer eigenen Geschichte: wir sind lange in der Welt unterwegs gewesen und haben viele Erfahrungen und Eindrücke gesammelt. Als der Plan reifte eine eigene Brauerei zu starten gab es für uns als Hamburger keine große Überlegung, wo man so ein Projekt startet – man kehrt wieder Heim! Abgesehen davon, hoffen wir unseren Beitrag dazu zu leisten, dass nach Hamburg zumindest ein Teil der Biervielfalt wiederkehrt die es hier einmal gab – auch wenn es noch ein langer Weg ist zu den 500 Braustätten die es zur Blütezeit der Hanse hier gab.
Kreativbrauerei ist wiederum unser Ansatz um unsere Philosophie und Anspruch darzustellen. Uns war damals schon klar, dass der Begriff „Craft Beer“ bzw. „Craft Brewery“ in Deutschland nicht funktionieren kann und wenn wir uns anschauen wie der Begriff heute vergewaltigt wird, sind wir sehr froh, uns von Anfang an davon distanziert zu haben.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss mich berühren! Auch wenn man schon viele tolle Biere probiert hat, gibt es immer mal wieder welche die einen „Wow-Effekt“ auslösen. Die einfach so spannend sind, dass sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen und man (fast) alles dafür tun würde um sich ein paar für den eigenen Keller zu sichern.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Sorry, aber das kann ich wirklich nicht so vereinfachen – das hängt viel zu sehr von der jeweiligen Situation ab. Aber ich versuche mal zwei Gruppen zu bilden: auf der einen Seite sind da Biere die eine sehr hohe „Trinkbarkeit“ mit genau so viel Charakter verbunden, dass sie spannend aber nicht aufdringlich sind. Die man quasi immer entspannt nebenbei trinken kann ohne dass sie langweilig werden. Zu der Gruppe zählt für mich z.B. das Sierra Nevada Pale Ale und unser Prototyp. Auf der anderen Seite sind da die Biere die eine unglaubliche Komplexität und ganz viel Facetten mitbringen. Biere die man nicht mal eben so trinken kann, für die man sich Zeit nehmen muss um sie zu entdecken so wie Firestone Walker Anniversary oder Rodenbach Vintage.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Mosaic, Simcoe, Callista, Hüll Melon, Saazer… – und mit jedem SHIPA kommen neue dazu.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Unmenschliche Belastbarkeit, Frustrationstoleranz, den Mut ständig neues zu wagen, gegen den Strom zu schwimmen, sich selbst und die Welt um einen herum ständig zu beobachten und zu hinterfragen sowie den absoluten Willen zur Perfektion.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Hmm, da gab es sicher einige, da ich ja (fast) alles probiere was ich in die Finger bekommen kann. Aber Dogfish Head „Chocolate Lobster“ ist sicher ganz weit vorne. Naja, und eben das mit der Katze…

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Tja, prinzipiell würde ich mich schon mal freuen wenn ich überhaupt die Zeit hätte mit meinem besten Freund mal wieder ein Bier zu trinken – wo ist da völlig nebensächlich.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Brauerei erweitern, noch mehr Rezepte die mir im Kopf rumspuken ausprobieren, Lobbyarbeit leisten, Neubau planen…

 

Deutsche Top-Brauer: Christian Hans Müller von Hanscraft – „Bier muss mich zum Lachen bringen“

chm_01Zugegeben, ich habe noch kein Bier von Hanscraft aus Aschaffenburg genossen, das mir nicht geschmeckt hat. Erst kürzlich kürte ich ein fassgelagertes Stout zum Craft-Bier des Monats. Christian Hans Müller und sein Team wissen, was die Konsumenten wollen und liefert einfach hochwertigen Genuss. Was will man mehr?

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das war 1995 mit zwei Kameraden aus dem Fußballverein. Wir hatten das damals schon eine ganze Weile vor, bis wir es dann irgendwann mit einfachstem Equipment in der Miniküche meiner ersten Wohnung umgesetzt haben. Es ging jedoch gnadenlos schief, weshalb die anderen beiden hinterher keine Lust mehr hatten. Ich aber, als chronischer Pedant, hatte den Anspruch auf Fehlersuche zu gehen. Ich wollte herausfinden, warum es nicht klappte und wie ich es denn richtig hinbekomme. Also blieb ich dran, habe viel gelesen und probiert. Eigentlich waren meine Berufsweichen zunächst aber in eine andere Richtung gestellt.

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Hanscraft“ gekommen?

Zunächst whießen wir ja „Hans Müller“. Aber durch die Trennung von meinem damaligen Partner vor drei Jahren haben wir hier so viel überdacht und neu ausgerichtet, dass von Hans Müller an sich nicht mehr viel übrig war. Weder vom Auftritt, noch von allem anderen. Dazu kam dann, dass wir von den Leuten eine ganze Zeit lang nur noch als „Hanscraft“, dem eigentlichen Namen einer Produktlinie unseres Hauses, bezeichnet wurden. Das in Summe war Anlass genug, den ganzen Laden dahingehend umzubenennen. Und wie schon der alte Name baut der neue auf meinem zweiten Vornamen „Hans“ auf, den seit vielen Generationen jeder männliche Nachfolger des väterlichen Stammes trägt. Und daraus entstand Hanscraft – bestehend aus Hans und handcraft (Handwerk).

 Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss mich entweder umhauen oder mich zum Lachen bringen. Um das zu können, muss es etwas Neuartiges sein. Dafür muss es nicht zwingend meinem Geschmack entsprechen, weil es trotzdem handwerklich gut gemacht sein kann. Also im Prinzip eine runde Sache mit besonders kreativem Ansatz.

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Interessanterweise wechselt das je nach Stimmung. Ich hänge nicht ständig an einem Bierstil fest, sondern favorisiere mal den, mal den… so wie man mal lieber dies hört und mal jenes. Trotz allem haben da aber meist die hopfenbetonten und insbesondere die IPAs die Überhand.

 Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Horizon, Amarillo und Kazbek. Den Horizon bekomme ich leider nicht mehr, aber ich probiere auch immer mal gerne was Neues aus, was noch nicht so zwingend in die breite Öffentlich gerät. So z.B. letztes Jahr mit dem Kazbek. Auf dem bin ich voll hängengeblieben.

 Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Der braucht Persönlichkeit und Kompetenz. Das muss ein Macher sein, einer der das tut, wonach ihm ist und der sich nicht fremdbestimmen lässt. Er sollte natürlich wissen was er tut und auch tun, was es erfordert, gut zu sein. Dabei soll er die Extraportion Leidenschaft, eine hohe Schmerztoleranz und vor allem die Liebe zum Rohstoff besitzen. Wenn er dann noch gute Biere macht, hätte ich nichts mehr auszusetzen.

 Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Als ich mit meinem spanischen Brauerfreund Ernesto Anfang dieses Jahres in Schweden war, haben wir Ice Cream Ale getrunken – hell und dunkel. Man mag es kaum glauben aber es war wirklich abgefahren. Das Helle hat geschmeckt, wie eine Kugel Vanilleeis, das Dunkle wie Schokoeis. Diese Intensität hätte ich nicht erwartet.

 An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Ganz ehrlich, ich bin so viel unterwegs und bin in meinem Leben schon so viel gereist, dass der schönste Ort für ein Bier für mich und meinen besten Freund zu Hause auf meiner Terrasse ist. Am liebsten noch mit Zigarre und Rum und vor allem mit einem guten Gespräch über Gott und die Welt.

 Und was hast Du als nächstes vor?

Einmal wieder richtig Urlaub machen… Irgendwann.