Craft-Bier des Monats: Hammerhartes „Sidekick“ mit nachtschwarzer Optik

20171130_194654Wenn ein „Brauer“ mich zur Verkostung seines neuen Bieres einlädt und meine Meinung dazu wissen möchte, ist das schon eine coole Sache. Vergangene Woche besuchte ich Franz von Tilmans Biere im Münchner Nordwesten. Er war ganz schön nervös als ich an seinem Imperial Stout schnupperte und erst mal verstummte um den neuen Trunk in all seinen Facetten zu analysieren. Der Grund: Franz ist eigentlich überhaupt nicht für das Brauen zuständig, das macht in der Regel Tilman.

Aber wie kam es überhaupt dazu, dass ausgerechnet Franz die neue Kreation aus der Taufe hob? Die Münchner sind mit Yankee & Kraut aus Ingolstadt gut befreundet und planen schon seit längerem einen kreativen Kollab. Beide Startups saßen bei einigen Kaltgetränken zusammen und überlegten krampfhaft, was für einen besonderen Sud sie denn produzieren könnten. Aus der Bierlaune heraus fragte Yankee-Bryan, warum nicht mal sein Kollege Max, der eigentlich für die Vermarktung zuständig ist, und sein Pendant Franz bei Tilmans mal was ganz Eigenes entwickeln wollen. Die beiden „Sidekicks“, so wie Max und Franz sich selbst betiteln, waren spontan begeistert und eine neue Brauidee stand im Raum. Aber warum gleich ein Imperial Stout, das in seiner Herstellungsweise schließlich nicht ganz unkompliziert ist? „Wir stehen beide auf starke und dunkle Biere“, verrät Franz, „außerdem passt der Stil gut zur kalten Jahreszeit“.

Eigentlich sollte das Imperial Stout satte elf Prozent Alkohol ins Glas bringen. Mit den jetzigen neun sind die beiden aber überausaus zufrieden. Es dominiert nicht der Alkohol wie bei so manchem Imperial-Bruder. In den Sudkessel gaben Max und Franz neben diversen Spezialmalzen die Hopfensorten Merkur, Saphir und Comet. So steht „Sidekick“ nun nachtschwarz und mit espresso-farbenen Schaum im Glas. Es duftet nach Milchschokolade, Haselnuss, Filterkaffee und roten Beeren. Das Bukett lässt ein süßliches Stout erwarten. Cremig-weich fließt es mit kräftigen Schoko- und Kaffeearomen auf die Zunge. Im Antrunk  lässt sich tatsächlich eine dezente Süße entdecken, aber dann driftet eine elegante und leichte Säure an den Gaumen und die ganze Wucht des Hopfens bricht durch. Ein Aromaspiel aus dunklen Malznoten, dem beerigen Anklang des Comet-Hopfens und einem Hauch von Zitrus der Sorte Saphir balanciert dieses Stout optimal aus. Im Abgang zeigt sich eine unaufdringliche Bittere, die dem Charakter des Ales den letzten Schliff verleiht.

Fazit: „Sidekick“ ist mein Craft-Bier des Monats, weil es allein schon von den beiden Machern her ein ungewöhnliches Imperial Stout ist. Vor allem überrascht ein wirklich voluminöses Aromaspektrum. Ich finde es toll, dass sich der Geschmack nach einer Weile ganz anders entwickelt, als es der etwas liebliche Duft anfänglich vermuten lässt. Die massige Hopfengabe neutralisierte die Röstaromen des Malzes und macht das Bier zu einem wahren Geschmackserlebnis. Kompliment an Franz und Max, verbunden mit der Bitte, dass es nicht ihr letzter Sidekick ist.

 

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