Kommentar: Zerplatzte Träume

Wer jemals einen öffentlichen Auftritt von Greg Koch erlebte, wird diesen wohl so schnell nicht vergessen: Der in der Branche wegen Langmähne und Rauschebart als „Bier-Jesus“ gefeierte Chef der amerikanischen Craft-Schmiede Stone Brewing, ließ gern symbolisch mit Hilfe von Gabelstaplern auch mal internationale Standardbiere mit zentnerschweren Felsbrocken zertrümmern. Deutschland war für ihn ein „altes und müdes Bierland“, welches er revolutionieren wollte.

Eigentlich hätte Koch solch markige Sprüche gar nicht nötig, denn sein Brau-Team überraschte immer wieder mit ganz wundervollen, wenn auch sehr starken Charakter-Bieren. Trotz toller Ideen und Innovationen, in der Bundeshauptstadt ein neues Biermekka für Craft-Fans aus ganz Europa zu schaffen, ist jetzt sein Traum zerplatzt. In der historischen Gasfabrik in Berlin-Mariendorf blieben leider die Pilger aus. Dass der Biertempel – nach nur 3-jährigen Engagement – an die schottische Kreativschmiede Brewdog verkauft wurde, bringt dem Stone-Gründer nun viel unberechtigte Häme ein.

Immerhin bekennt Koch, dass er sich mit seinem Projekt ziemlich verhoben hat, sein Vorhaben „zu groß, zu mutig und zu früh“ angegangen wurde. Aber er hat wohl auch die Einzigartigkeit der deutschen Bierbranche mit ihren weit über tausend regionalen Spezialitätenbrauereien etwas unterschätzt. Diese Bastion zu erobern, geht nicht allein mit hohem Dollar-Einsatz und Hauruck-Aktionen, sondern nur mit viel Geduld.

Die beiden Brewdog-Chefs, James Watt und Martin Dickie, haben offensichtlich eine etwas bessere Bodenhaftung als der extrovertierte US-Amerikaner Koch. Egal ob nun bei den Schotten ein voraussichtlicher Brexit bei diesem Deal eine Rolle spielt oder ob es nur ein cleverer Schachzug ist, um im deutschen Biermarkt sesshaft zu werden: Feinfühlig, bescheiden und mit weniger Tamtam haben sie ihre Ziele für Berlin formuliert (siehe auch Interview unter www.meininger.de). Craft-Fans dürfen nun gespannt darauf sein, mit welchen Ideen das Brewdog-Team die deutsche Craft-Szene aufmischen wird.  

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Kommentar: Kampfplatz Gastronomie

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Foto: Veex_Pixabay

Für alte Branchenhasen ist es längst eine Binse: Über Zukunft und Erfolg der Craft-Bierbranche wird maßgeblich die Akzeptanz in der Gastronomie entscheiden. Zwar zeichnet sich in urbanen Bars, Clubs, Kneipen und Restaurants bereits eine gewisse Dynamik ab, aber so richtig sind Kreativbrauer mit ihrem Bierabsatz noch nicht zufrieden.

Das Craft-Potential in der Gastronomie ist zwar enorm, aber die meisten Wirte haben die Bedeutung eines vielfältigen Bierangebots, wohl noch nicht überrissen. Wie sich mit einem attraktiven Bierangebot auch Image, Reputation und Umsatz steigern lassen, machen die in den Geburtsstunden der neuen Bier-Szene entstanden freien Kneipen und Restaurants gerade vor. Junge Konsumenten auf der Suche nach neuen Geschmacksabenteuern wollen sich jedoch den Craft-Kick nicht nur in Tap-Houses abholen, sondern auch bei ihrem Lieblingsitaliener, beim Chinesen oder in der Sushi-Bar. Hier liegen noch viele Absatzchancen brach.

Klar ist, Marken werden in der Gastronomie gemacht. Aber der Kampf um neue Gastro-Partner verlangt auch von Craft-Einsteigern viel Kreativität bei der Wahl des richtigen Sortiments, bei Events und Aktionen. Dabei fehlt es an potentiellen Craft-Tankstellen noch immer an Bierwissen und kompetenten Bedienungen, die ihre Gäste mit neuen Bierstilen vertraut machen. Ein spannendes Bierangebot – das ist inzwischen bewiesen – überrascht nicht nur den probierfreudigen Gast, es lockt auch neue, kaufkräftige Kunden an den Tresen. Dazu müssen sich die Wirte jedoch vor allem aus langfristigen Abnahmeverpflichtungen der Großbrauereien lösen. Wer als Kneipier nur ideenlos eine einzige Biermarke ausschenkt, hat kaum eine Überlebenschance, wie Kneipen- und Wirtshaussterben schmachvoll demonstriert.

Ein Tipp noch für alle Craft-Jünger: Immer wieder mal in Kneipe oder im Restaurant mit der Frage nach Craft-Bieren nerven. Irgendwann wird auch der behäbigste Schankwirt reagieren müssen.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Kommentar: Keine Panik!

Erfolg zeigt manchmal sonderbare Seiten – auch in der Craft-Bierszene: Tonfall und Sitten werden rauer, Neid und Missgunst kennzeichnen heute so manche Diskussion, Brauer sticheln gegen Sommeliers, diese stänkern gegen neue Kreativbiere und selbst die Blogger-Gemeinde setzt ätzende Duftmarken. Es scheint, als habe die Devise aus den Anfängen „nur gemeinsam sind wir stark“, für viele Marktplayer inzwischen an Gültigkeit verloren.

Was aber soll der ganze Zoff? Es gibt weder Grund zum Streiten noch zum Jammern. Auch wenn der Anteil von Kreativsuden am Bierkonsum insgesamt noch relativ gering ist, hat sich Craft-Bier hierzulande doch ziemlich schnell etabliert und ist aus vielen Bars, Shops und Restaurants nicht mehr wegzudenken. Gewiss, der Markt steckt noch immer in den Windeln und wächst derzeit vielleicht nicht ganz so rasant, wie ungeduldige Tatmenschen in der Anfangshysterie erhofften. Wer die Craft-Branche jedoch nur als Goldgrube sieht, wird schnell Ernüchterung spüren. Man bedenke: Auch der US-Markt hat mehr als zwanzig Jahre gebraucht, bis er zur Erfolgsgeschichte wurde.

Es gibt also keineswegs Grund zur Panik, wenn mal wieder eine Craft-Kneipe schließen muss, finanzschwache Jungbrauer sich aus dem Markt zurückziehen, Landbrauereien glücklos das Spezialitätengeschäft aufgeben oder ehrgeizig gestartete Bier-Magazine nach wenigen Monaten dicht machen. Vielmehr geht es hier um ganz normale Turbulenzen in einer vor allem in Sachen Marketing noch unerfahrenen Wachstumsbranche. In ihrer ungestümen Startphase ist die Craft-Szene kein Revier für Zauderer und Zögerer – probieren, riskieren und experimentieren gehört zum Tagesgeschäft. Also Leute, übt euch einfach in Geduld, denn große Kessel kochen langsam, wie jeder Brauer weiß. Eines ist ganz sicher: Die Craft-Branche wird kräftig weiterwachsen und uns auch künftig mit wundervollen Suden überraschen.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Kommentar: Gutes Bier ist Heimatbier

Es ist wahrlich erstaunlich, was uns selbsternannte Craft-Propheten derzeit wieder als neuesten Trend aus den USA verkaufen wollen. Dort rücken jetzt sogar einige der innovativsten Hopfenzauberer verstärkt klassische deutsche Bierstile ins Rampenlicht: Pils, Helles, Weißbier und Berliner Weiße werden so angepriesen als hätten es US-Brauer gerade erst erfunden.

Vielen Hop-Heads gelten Sude aus amerikanischen Tanks noch immer als ganz besonderer Kick. Ohne jeden Zweifel, es gibt ganz fantastische Biere in den USA. Aber klar ist auch, selbst der beste Stoff mundet nach langer Reise über den Atlantik nie so gut, wie frisch aus den Zapfhähnen in San Francisco, San Diego oder Sacramento. Wenn auf dem Weg nach Europa zudem die Kühlkette nicht perfekt funktioniert, die Flaschen erst im rumpelnden Schiffsbauch und dann noch einige Zeit in hiesigen Regalen überleben müssen, entwischen selbst die spannendsten Aromen.

Wem es also nach dem hundertsten Pumpkin Ale nach einem süffigen Hellen verlangt, der sollte sich vorzugsweise mal wieder in heimatlichen Gefilden umschauen. Denn seit deutsche Craft-Brauer auch traditionelle Bierstile in modernen Gewand anbieten und auch Privatbrauereien mit neuen Rohstoffen experimentieren, haben Pils, Helles & Co. das Image langweiliger Onkelbiere abgelegt. Klar ist jedenfalls: Regionales Bier ist immer frisch, so dass Hopfen und Malz ihre volle Aromapracht ausspielen können.

So setzt sich auch bei anspruchsvollen Hop-Guys zunehmend die Erkenntnis durch: Gutes Bier ist Heimatbier. Und das muss keineswegs langweilig sein. Ein frischgezapfter Gerstensaft aus dem Nachbardorf kann zuweilen deutlich besser schmecken, als der kreativste Sud aus einer kalifornischen Craft-Hütte, wenn dieser Wochen braucht, um in ein deutsches Glas zu kommen. Und zugegeben, das ultimative Helle aus amerikanischer Produktion muss man mit der Lupe suchen.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin.

Kommentar: Helles contra Hopfenbombe

beer-2536111_1920Jeder Brauer braucht ein Bier, mit dem er Geld verdient. Wenn aber etablierte Crafter – berühmt geworden mit knackigen IPAs, Stouts & Co. – jetzt beginnen „simples“ Helles in die Flaschen abzufüllen, dann sorgt das für heftige Debatten.

So ist in der jungen Branche ein wahrer Richtungsstreit darüber entbrannt, ob ein Helles aus dem Kessel einer ideenreichen Craft-Hütte so richtig in die Szene passt oder ob man solche Sude lieber den Hektoliter-Riesen überlassen sollte. Fakt ist: Helles liegt plötzlich auch bei Kreativbrauern im Trend, spaltet jedoch die Craft-Community in zwei Lager. Was die einen aus Gründen der Trinkbarkeit für gut befinden, ist für andere ein Teufelswerk schlechthin. Aufgebrachte Hop-Guys prophezeien sogar mit Hinweis auf Authentizitätsverluste den Abgesang der ganzen Branche.

Das ist natürlich Quatsch. Zwar genießt das Helle mancherorts noch das Image austauschbarer Maurer-Biere und selbst große Marken kämpfen seit Jahren mit anhaltenden Anteilsverlusten. Stellt sich also die Frage, warum muss die hierzulande noch junge Kreativbierbranche jetzt auch noch Helles brauen, obwohl viele Bierstile längst nicht ausgereizt sind? Klare Antwort: Craft-Brauer brauchen dringend neue Zielgruppen, die ihnen anhaltendes Wachstum versprechen. Denn noch immer ist es nicht ganz einfach, notorische Maßtrinker mit finessenreichen Hopfenbomben zu beglücken.

Dass Jungbrauer auch auf der Klaviatur der Branchenriesen spielen, heißt jedoch keineswegs, dass ihre Sude nun zum Allerweltstrunk verkommen. Auch ein modern interpretiertes Helles mit spannender Rohstoffkombination kann zum wahren Craft-Vergnügen werden. So könnte sich in den kommenden Jahren eine Renaissance des traditionellen Hellen abzeichnen, das ursprünglich mal mit erheblich mehr Hopfenanteilen und Bittereinheiten gebraut wurde.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin.

Kommentar: Schlappe Rohrkrepierer

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Foto: Pixabay/Free-Photos

Kaum ein Problem wird in den Hinterzimmern deutscher Craft-Brauer derzeit heißer diskutiert, als das Thema Qualität. Jeder kennt das Phänomen: Man lernt auf dem Craft-Bierfest einen besonders kreativen Brauer kennen, begeistert sich für sein neuestes IPA und bestellt davon per Online gleich eine ganze Kiste. Später öffnet man die erste Flasche, erinnert sich an das gelungene Bierfest, die guten Gespräche und an den erlesenen Schluck. Aber der Trunk riecht und schmeckt im heimatlichen Glase plötzlich völlig anders. Warum?

Qualitätsschwankungen bei Craft-Bieren sind ein bekanntes Phänomen, über das niemand in der Branche gerne spricht. Aber jeder Brauer weiß: Sobald das Bier in der Flasche ist, beginnt es sukzessive zu altern. Oxidationsprozesse und anderer chemischer Reaktionen führen schon nach wenigen Wochen dazu, dass Aromastoffe sich verändern. Zu lange Lagerzeiten – insbesondere bei kaltgehopften Bieren – haben Auswirkungen auf Konzentration, Aromaprofil und Geschmacksstabilität. Der Sud wirkt flach, es fehlt an Frische, der Schaum ist weg und auch der Genuss.

Ein weiteres Problem: Ein Großteil der Craft-Spezialitäten wird über Online-Shops vertrieben. Wie das Bier dort lagert und wie lange schon, weiß niemand so genau. Fakt ist: Falsche Lagerung, Temperaturschwankungen oder die Unterbrechung der Kühlkette sind der Tod eines jeden Kreativbieres. Da kann selbst die visionärste Hopfenbombe zum schlappen Rohrkrepierer werden, obwohl das Haltbarkeitsdatum noch längst nicht abgelaufen ist.

Der Weg vom Sudkessel zum Konsumenten ist in der Craft-Szene sehr steinig. Auch wenn manche Biere durch längere Lagerung durchaus spannender werden, Themen wie Haltbarkeit, Aromastabilität und Qualitätssicherung stehen heute im Pflichtenheft vieler Brauer. Was aber heißt das für den Verbraucher? Nur bei Händlern seines Vertrauens kaufen, immer auf Abfüll- und Haltbarkeitsdatum achten, das Bier kühl lagern und vor allem: Schnell trinken!

Erschienen im „Meiningers CRAFT Magazin“

Kommentar: Eskalation der Phantasie

Wahrscheinlich ist es selbst hartgesottenen Hop-Guys schon mal so ergangen. In letzter Zeit bin ich häufig über Craft-Biere gestolpert, die mit vogelwilden Rohstoffkombinationen an ihre Geschmacksgrenzen stießen: Pralle Hopfenzugaben und satte Malzkombinationen, inklusive IBU-Rekordwerte und sensationellem Alkoholgehalt. Das kann durchaus spannend sein, aber wenn die Balance nicht stimmt, wenn nach Kalthopfung und der Beigabe von Bohnenkraut und Chilischoten der Sud noch monatelang im Whisky- oder Cognac-Fass lagert, dann sind die meisten Konsumenten – ganz abgesehen vom Flaschenpreis – ziemlich überfordert. Sicher, es ist äußerst effektvoll, wenn das Etikett rund 20 Hopfen- und ein Dutzend Malzsorten anpreist. Aber wenn selbst Experten nicht mehr begreifen, was da am Gaumen eskaliert, ist wohl was schiefgelaufen.

Nichts gegen Experimentierfreude und tollkühne Geschmacksabenteuer, selbst wenn alle erträglichen IBU-Grenzen fallen. Aber so manch unharmonisches Gebräu bringt die noch junge Kreativbier-Branche nicht unbedingt weiter. So mancher Einsteiger dürfte von seinem ersten Craft-Genuss derart schockiert sein, dass er nie wieder ein Glas anrührt. Selbst die wahren Hop-Heads ziehen inzwischen Biere vor, mit denen sie schon mal einen ganzen Abend bestreiten können ohne gleich die Theke aus der Froschperspektive betrachten zu müssen.

Es ist durchaus ehrenvoll, wenn die kreativen Macher bei ihren Fans mit phantasievollen Gaumenerlebnissen punkten wollen. Aber nicht jeder Braumeister ist gleich ein Mikkel Bjergsø (Mikkeller), ein James Watt (BrewDog) oder Samuel Richardson (Other Half Brewing). Klar ist jedoch: Vielseitigkeit und Kreativität zählen zum Grundgesetz der Craft-Bierbranche, und ein richtig gutes Bier sollte sich innovativ, originell und überraschend präsentieren – aber es muss auch trinkbar und bezahlbar sein.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin.

Kommentar: Der Preis ist heiß

euro-1557431_1920Was darf eigentlich ein gutes Craft-Bier kosten? Bekomme ich einen akzeptablen Gegenwert, wenn ich mehr als 15 Euro für ein Ale hinblättern muss? Und wie werden die Verkaufspreise derzeit überhaupt kalkuliert? Fest steht: Der Markt kennzeichnet sich derzeit vor allem durch ein Preis-Wirrwarr, was die gesamte Community zunehmend  irritiert, verärgert und abschreckt.

Nach vielen Enttäuschungen ist faires Pricing bei Brauern, Händlern und Konsumenten eines der am heißesten diskutierten Themen. Immer häufiger protzen Brauereien, die jetzt auf den rollenden Craft-Bierzug aufspringen wollen, mit teuren Verpackungen,  Champagnerflaschen sowie edel designten Etiketten  und gaukeln damit eine Produktqualität vor, die den Preis des Inhalts meist in keiner Weise rechtfertigt. Nicht selten ist der Kronkorken teurer als der verwendete Hopfen. Solche Trickserei wird der Craft-Bier-Bewegung nachhaltig schaden.

Fakt ist: Ein richtig gutes Craft-Bier ist immer teurer als ein Standardpils vom Discounter. Alles was in handwerklichen Mengen produziert wird, basiert nicht nur auf teuren Rohstoffeinsatz sondern auch auf höheren Produktionskosten. Ehrliche Kreativbrauer benutzen in der Regel die besten Hopfen-, Malz- und Hefesorten. Viele füllen sogar noch per Hand ab und bekleben ihre Flaschen selbst. Ist das Bier dann noch monatelang im Rum-, Whisky- oder Weinfass gelagert, dann darf es gerne auch mal jenseits der zehn Eurogrenze rangieren.

Manchmal könnte man glauben, dass die deutschen Craft-Brauer noch kein wirklich funktionierendes  System für ein intelligentes Preisgefüge gefunden haben. Der Konsument fragt sich, warum ein IPA von Brauer A doppelt so teuer ist wie von Brauer B und ihm trotzdem nicht schmeckt. Gefahr ist vor allem in Verzug, wenn reiche US-Brauereien künftig ihre Dependancen in Deutschland gründen werden, die mit modernster Brautechnik, kostengünstigen Rohstoffen, mit guter Qualität und kleinen Preisen die Gourmets verwöhnen. Der Preiskampf hat gerade erst begonnen.

Erschienen im Craft Magazin.

Kommentar: Vom Selbstbild der Brauer

beer-bottles-797992_1280Aufmerksamkeit ist die härteste Währung in neu entstehenden Märkten. Diese Faustregel gilt auch für die noch junge Craft-Bierbranche, die sich gerade anstrengt uraltes Terrain mit ungewöhnlichen Hopfensäften neu zu definieren. Ihr Selbstbildnis: Kreativ, modern, originell und revolutionär. Dieses Image aber ist nicht immer stimmig. Es gibt viele Brauer, die zwar hervorragende Biere aus dem Kessel zaubern, diese aber mit eher trauriger Optik ins Regal stellen.

Meine Kritik gilt vor allem den Etiketten, die eigentlich das Aushängeschild für jeden Craft-Zauberer sein sollten. Wenn schon auf den Flaschen nur Langeweile und Tristesse geboten wird, dürfte sich wohl kaum ein Kunde vom Inhalt verführen lassen. Die Optik –  das wird leider häufig unterschätzt –  ist für eine Kreativbranche ein extrem wichtiges Element um Interesse beim Konsumenten zu wecken. Und außerdem weiß doch jeder: Das Auge trinkt mit.

Aber was sollte so manche Brauwerkstatt besser machen? Etiketten müssen Inhalt, Herkunft, Leidenschaft und den kreativen Charakter des Bieres repräsentieren. Spannende Drinks brauchen auch einen spannenden Auftritt. Eine emotionale Präsentation regt die Fantasie an und steigert die Spannung auf den Inhalt. Man muss es ja nicht gleich so weit treiben wie der bayerische Weißbierproduzent Georg Schneider, der mit künstlerischem Einsatz seine eigenen Etiketten malt.

Für alle anderen Brauer gilt, bei der Wahl des Außenauftritts wirklich echte Profis zu beauftragen und nicht den Werbe-Fuzzi aus dem Nachbardorf. Sonst kann das auch schon mal zu traurigen Entgleisungen führen. So jüngst geschehen bei der Röhrl Brauerei im bayerischen Straubing, die mit ihrer „Grenzzaun Halbe“ auf die aktuelle Flüchtlingskrise hinweisen wollte und das Haltbarkeitsdatum – ob bewusst oder unbewusst – sogar noch auf den Jahrestag der Reichspogromnacht legte. Nach so viel haarsträubenden Unsinn mussten die Straubinger das Bier schließlich vom Markt nehmen.

Aber es geht nicht allein um geschmackloses Flaschendesign oder hausbackene Optik. Wer sich für Kreativbiere interessiert, will auch wissen, was in der Flasche ist. Wahren Craft-Bierfans ist – neben allen gesetzlichen Angaben – vielmehr wichtig, welche Malz- und Hopfensorten verbraut wurden, wieviel Stammwürze und wieviel IBUs die Kreation erzielt. Damit werden schließlich keine Staatsgeheimnisse verraten, weil allein die Mixtur entscheidet. Solche Informationen aber regen zu Diskussionen an und machen neugierig auf den ersten Schluck – noch bevor er genussvoll die Kehle herunterrinnt.

Mein Kommentar erschien auch in „Hasenbeck’s Bierwelt“ im CRAFT Magazin.

Kommentar: Treibjagd auf junge US-Craftbrauer

Manche Nachrichten übergeht man und lässt sie im Tagesgeschehen unbemerkt versickern. In einer kurzen Meldung las ich vergangene Woche, dass der Brauriese Anheuser Busch InBev, größter Bierkonzern der Welt, in den USA jetzt eine Treibjagd auf Craft-Brauer eröffnet hat. Wettbewerbshüter werfen dem Budweiser-Hersteller vor, mit hinterhältigen Rabattaktionen den Verkauf von Bieren aus sogenannten Mikrobrauereien zu behindern. Auch der Branchenprimus spürt inzwischen wohl, dass der Absatz bei industriell produzierten Bieren durch die wachsende Craftbeer–Konkurrenz kontinuierlich in den Keller geht. Die Gegenreaktion lässt nicht lange auf sich warten: Anheuser Busch belohnt jetzt angeblich Großhändler mit Nachlässen, wenn sie den Verkaufsanteil ihrer Marken auf Kosten kleinerer Konkurrenten erhöhten. Diese Attacke muss kommentiert werden.

Dass ein Braugigant so reagiert, ist im Kern eigentlich ein gutes Zeichen. Aufstrebende Craft-Brauer, die angesichts geringer Produktionsmengen lange Zeit belächelt wurden, werden plötzlich ernst genommen. Man kann nur schmunzeln, dass ein Riese wie Anheuser Busch plötzlich spüren muss, dass ihm kleine Kreativbrauereien immer weiter auf die Pelle rücken, weil deren Biere offensichtlich beim Konsumenten besser ankommen. Fakt ist: Trotz millionenschwerer Werbekampagnen und gigantischer Investitionen in Produktions- und Labortechnik bei den Großproduzenten, nehmen die Marktanteile der Micro-Brewer kontinuierlich zu. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob Rabattaktionen dazu führen, dass eine wachsende Gemeinde von Genusstrinkern ihren Geschmack umstellt und zum Billigbier greift.

Auch wenn viele Vertreter von Großbrauereien, die rasante Entwicklung in der Craft-Szene gern herunterspielen, so zeigen die Reaktionen in den USA doch, dass wohl auch eine gewisse Furcht mitspielt, die Konsumenten könnten weiter den Gefallen an ihren Bieren verlieren.  Erfreulicher als die US-Attacken von Anheuser ist da wohl der eingeschlagene Weg einiger deutscher Großbrauereien. Sie haben bereits die Zeichen der Zeit erkannt und zeigen mit ihren Kreativ-Ablegern gerade auf, wie sie ein Stück des Mainstreams verlassen und klug in neue, spannende Bierstile investieren.

Es ist nicht zu übersehen, dass sich der Markt derzeit rasant verändert und selbst in konservativen Landbrauereien die Rezepte längst vergessener Biersorten wieder aus der Schublade gekramt werden. Klar ist: Die Craft-Brauer haben eine ganze Branche wachgeküsst, die Jahrzehnte lang im Dornröschenschlaf verharrte und dazu beitrug, dass der Bierkonsum von Jahr zu Jahr weiter absackte. Nach langer Zeit des Schweigens wird nun auch hierzulande wieder über Bier gesprochen, diskutiert und debattiert wird. Und das ist gut so!