Shepherd Neame IPA: Inseltrunk aus alter Zeit

Shepherd Neame - IPA
Shepherd Neame – IPA

Zugegeben, die Erwartung war groß. Ein IPA aus der ältesten englischen Brauerei, ein Bier, so wie es noch in alter Zeit mit Segelschiffen über die Ozeane nach Indien verschifft wurde. Also ein ursprüngliches Ale aus der Tradition des 18. Jahrhunderts, das auf historischen Rezepten basiert. Gebraut wie damals, mit lokalen Hopfensorten wie Kentish, Fuggles und East-Kent-Golding. Schon als der erste Sud 1698 in der Grafschaft Kent angesetzt wurde, verwendeten die Brauer ihr eigenes Quellwasser. Und auch die Hefe wird von hauseigenen Mikrobiologen vor Ort kultiviert.

Also – ein Sud aus einer glorreichen Epoche, das muss doch etwas ganz Besonderes sein. Aber schnell wird klar: Dieses Classic IPA hat mit einem Trunk, wie man ihn heute aus der jungen Craft-Bier-Szene kennt, so absolut gar nichts zu tun. Dieses Bier erinnert mich vielmehr an die allseits bekannten Ales, wie sie in gängigen Londoner Pubs im traditionellen Henkelkrug ausgeschenkt werden. Für britische Zungen mag es ein interessanter Trunk sein, aber meinen Geschmack trifft es nicht. Auch wenn das traditionell gestaltete Etikett und der schöne Kupferton im Glas die Erwartungen schüren, so enttäuscht das Aromenspiel leider die Sinne eines eingefleischten IPA-Experten.

Die eher milden englischen Hopfensorten – vor allem der Fuggels- dominieren mit ihren dezent würzigen, leicht grasig-minzigen Aromen und ihrem geringen Alphasäuregehalt. Zwar schwirren irgendwo in der etwas wässrigen Textur noch Noten von süßlichen Röstbrot, Aprikose, Tee und Tabak herum, die in einen erdig-trockenen und leicht salzigen Abgang münden. Aber für ein richtig spannendes IPA fehlen nach meinem Geschmack vor allem subtile Fruchtaromen sowie eine ausgewogene Bittere.

Fazit: Von einem klassisch britischen IPA habe ich mir mehr erwartet. Mir fehlt an diesem Bier sowohl Substanz als auch Charakter. Trotz 6,1 Prozent Alkoholgehalt wirkt dieses Ale auf mich sehr schwach. Shepherd Neame, die älteste Brauerei Englands, ist heute nun mal eine Großbrauerei, die jährlich mehr als 30 Millionen Liter raushaut. Da kann man wohl kaum einen individuellen Trunk erwarten, eher ein durchschnittliches Pub-Ale, wie man es auf der Insel in fast jeder Kneipe findet.

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