Axiom Brewery: Nichts für zarte Zungen

Manche Biere kaufe ich einfach wegen ihren schrägen Zutatenkonstellationen. So auch das Pastry Sour IPA namens „Ascent“ von der Axiom Brauerei aus Prostějov in Tschechien. Neben den vier klassischen Rohstoffen stecken hier noch Laktose, Ananas und Erdnussbutter drin. Zugegeben war ich echt skeptisch, ob so was wirklich schmeckt.

Die Optik dieses Bieres spricht jedenfalls schon mal an: In gelboranger Farbe schwimmt das Ale im Glas, ein cremiger, schneeweißer Schaum liegt auf dem Sud. Das macht also schon mal Lust zu probieren. In die Nase schleicht sich ein säuerlich-milchiger Geruch, der sich mit fruchtigen Ananasaromen und dem Eigengeschmack der Erdnussbutter vereint. Relativ sauer läuft das Bier über die Lippen, bis es sich vollmundig im Mundraum ausbreitet. Im Geschmack zeigt sich deutlich die süßliche Erdnussbutter und vereint sich mit der Ananas und einem leicht muffigen Touch. Das Finish ist lang und regt irgendwie doch an, den nächsten Schluck zu nehmen.

Fazit: Etwas gewöhnungsbedürftig, aber wirklich spannend. Kein Bier für Craft-Novizen, eher etwas für Profis, die Lust haben sich auf ein neues Geschmacksabenteuer einzulassen.

New Belgium: Geburtstags-IPA zur Muschel-Pasta

Diese Dose von New Belgium aus Fort Collins, Colorado, habe ich extra für meinen Geburtstag aufgehoben. Warum? Weil das Bier „1985 IPA“ heißt – das ist mein Geburtsjahrgang. Die Erwartung auf das Bier war daher zugegeben groß. Gehopft haben es die US-Crafter mit Citra, Simcoe und Cascade. Zusätzlich packten die Brauer auch noch Mango-Flavour und Gewürze in den Sud.

So strahlt mein 6,7-prozentiges Geburtstags-IPA in einem trüben strohgelb durchs Glas, eine schneeweiße, stabile Schaumkrone liegt oben auf. In die Nase strömen kräftige Fruchtnoten von Mango, Ananas und eine gewisse Würzigkeit. Das Aromaspiel führt sich auf der Zunge fort. Vollmundig mit wenig Kohlensäure präsentiert das IPA einen fruchtigen Cocktail mit Mango, Ananas und etwas Litschi. Zum Gesamtbild gesellt sich etwas Würziges, das an weißen Pfeffer erinnert. Mit einer moderaten Bittere von 30 IBU verabschiedet sich das US-Ale im Finish.

Fazit: Ein tolles Bier, das durch die Zugabe des Mango-Aromas leider etwas künstlich wirkt und für meinen Geschmack etwas mehr Kohlensäure vertragen könnte. Schmeckt aber trotzdem toll und hat hervorragend zu meiner Geburtstags-Pasta mit verschiedenen Muscheln gepasst.

BlechBrut: Saftige Hopfen-Power aus der Dose

Mit „Kancel Kulture“ hat Benedikt von Blechbrut aus Bamberg wieder mal ordentlich was rausgehauen. In das saftgelbe Double Dry Hopped IPA, das von einem beigefarbenen stabilen Schaum getoppt ist, packte er massig Mosaic-, Strata-, Citra- und Amarillo-Hopfen rein. Das merkt man schon beim Öffnen der Dose. Sofort schießen einem fruchtige Noten entgegen.

So duftet das 6,7-prozentige IPA nach reifer Ananas, Zitrusfrüchten und Maracuja. Begleitet wird das tropische Bukett noch von einem grasig-würzigen Touch. Schön spritzig-frisch fließt das Bier über die Lippen. Auf der Zunge explodiert die Hopfenbombe vollends. So zeigt sich das Ale superfruchtig mit Noten von Ananas, Maracuja und Grapefruit. Ein blumiger und würzig-grasiger Anklang spielt zudem noch mit. Im Finish bleibt das IPA mit einer moderaten Bittere noch lange im Mund zurück.

Fazit: Wirklich ein sehr gelungenes und absolut harmonisches Hazy IPA, das man eigentlich zu jedem Anlass genießen kann. Ich hatte den vollen Genuss, als ich das Bier einfach gemütlich als Feierabend-Trunk im Glas hatte.

Privatbrauerei Schnitzelbaumer: West Coast IPA aus dem Chiemgau

Es ist schon was Besonderes, wenn eine mehr als 400 Jahre alte Brauerei ihre ureigenen Pfade verlässt und sich an etwas Kreatives wagt. So führt etwa die Schnitzelbaumer Brauerei im bayerischen Traunstein ein West Coast IPA im Portfolio, mit dem die Macher sogar mal ihre Regionalitätsphilosophie verlassen haben. Kern des Sudes ist die amerikanische Hopfensorte Centennial. Beim „Traunsteiner IPA“ handelt es sich um ein 6,4-prozentiges Single Hop-Bier, das mit vier Spezialmalzen gebraut ist.

So leuchtet das IPA aus dem Chiemgau in einem attraktiven Orangeton durchs Glas. Ein cremefarbener, feinporiger Schaum toppt die Optik und macht Lust auf den Genuss. In der Nase zeigen sich die typischen Centennial-Aromen: Zitrusfrüchte treffen hier auf harzige Piniennoten. Ein blumiger Touch sowie ein sanfter Hauch von Aprikose spielen zusätzlich mit. Vollmundig breitet sich das bayerische Ale im Mundraum aus. Die Kohlensäure ist moderat. Im Geschmack präsentiert das Bier ein Aromaspiel aus fruchtigen Noten von Zitrus, etwas Aprikose und Holunder sowie würzige und harzige Anklänge. Im Finish verabschiedet sich das IPA mit einer deutlichen Herbe von 66 Bittereinheiten.

Fazit: Ein tolles Bier, das wirklich Spaß macht. Und ein Musterbeispiel dafür, dass auch Traditionsbrauereien neue Wege einschlagen können, ohne dabei ihre Ursprünglichkeit zu verlieren. Gerne mehr davon!

Zagovor Brewery: Russische IPAs als perfekte Sundowner

Die internationale Craft-Szene blickt eher selten in Richtung Osten. Dabei entwickeln sich vor allem russische Craftbiere immer mehr zum Must-have für Fans von kreativen Suden. Ganz vorne dabei sind die Sorten der Zagovor Brewery aus Moskau. Klar, dass der Trend zu Hazy IPAs auch dort längst angekommen ist, aber die Russen präsentieren ihre Sude noch mit einem besonderen Touch. Ich habe mal zwei solcher Hopfenbomben probiert.

Beim „Against Milk“ mit 6,5 Umdrehungen handelt es sich um ein sonnengelbes New England IPA, das mit Mosaic, Citra und Citra Incognito gehopft ist. Zudem kam noch Laktose in den Kessel. So duftet das trübe Ale wie ein Pfirsich-Maracuja-Limone-Grapefruit-Milchshake. Der Duft bestätigt sich auch auf der Zunge. Geschmacklich erinnert das Bier an einen tropische Frucht-Milchshake mit Mango, Maracuja und Zitrusfrüchten. Die angegebenem 65 Bittereinheiten sind so gut eingebunden, dass man sie kaum wahrnimmt.

Das zweite Bier verspricht beim ersten Blick auf die Dose mit dem Namen „Bitter End“ eine deutlichere Herbe. Aber eines vorweg: Die 50 IBUs sind hier ebenso wunderbar eingebaut wie beim „Against Milk“. Bei dieser Sorte geht es jedoch um ein Double Dry Hopped Double IPA mit 8,5 Prozent Alkohol. Hier stecken jede Menge Galaxy-, Mosaic- und Citra-Hopfen drin, was man schon am Bukett deutlich wahrnehmen kann. Das sonnengelb-milchige Bier duftet fruchtig-tropisch und dominierend nach Zitrusfrüchten. Das Mundgefühl zeigt sich cremig bei moderater Kohlensäure und einer leichten Säure. Aromen von Ananas, Maracuja und Zitrus gestalten das Geschmacksbild.

Fazit: Zwei tolle Biere mit angenehm fruchtigen Aromaspielen. Das „Against Milk“ hat mir allerdings einen Tick besser gefallen, weil es etwas harmonischer und nicht ganz so wuchtig daherkommt. Beide Sude passen ideal zum gegrillten Steak, zu Pasta Arrabiata oder einfach so als Sundowner im Sommer.

Brewheart: Fruchtige Session an der „Hopacabana“

Double Dry Hopped Double IPAs mit rund acht Umdrehungen zählen gerade zu den Megatrends der Craft-Bierszene. Zu den bekanntesten hiesigen Produzenten solcher Hammerbiere gehört Brewheart aus Otterfing, im Süden von München. Andi und Roland brauen ihre wirklich tollen Sude als Gypsys bei Frau Gruber & Friends im bayerischen Gundelfingen. Dass die beiden Bayern aber auch hervorragende leichtere Biere draufhaben, beweist das neue Session IPA mit schlanken 4,5 Prozent Alkohol. Natürlich ist das aber auch doppelt kaltgehopft. Für das Aroma in „Hopacabana“ sind die Sorten El Dorado, Azacca und Mosaic verantwortlich.

Der Name des Bieres lässt schon ein wenig sommerliches Brasilien-Flair erwarten. Bei der Farbgebung kann man schon mal nicht meckern. Der attraktive Gelbton erinnert ein wenig an die Sonne über der Copacabana. Im Bukett legt das Session IPA schmeichelnde Tropik-Noten vor, die etwas an Multivitamin erinnern. Dazu gesellt sich eine gewisse Würze, die das Geschmacksprofil ziemlich einmalig macht. Die eingesetzten Hopfensorten schmettern anschließend ein exotisches Aroma auf die Zunge. Hier trifft Maracuja auf Mango und auf gelbe Steinfrüchte wie Pfirsich und Aprikose. Grasig-würzige Töne sowie ein Touch von Gelee-Banane runden den Geschmack ab. Der Körper gestaltet sich schlank mit moderater Kohlensäure, sodass das Bier schön erfrischend rüberkommt.

Fazit: Perfekt für den Sommer! Und ja, wenn man die Augen schließt und das Bier auf der Zunge hat, dann könnte man sich durch das tropisch-fruchtige Geschmacksbild für einen kurzen Moment schon am Strand von Rio de Janeiro sehen. Gefällt mir richtig gut!

BRLO: Exotischer Hochgenuss für den Sommer

Dass Dosen-Design immer cooler wird, beweist auch die Kreativbrauerei BRLO in Berlin. Aber hier stimmt nicht nur die Verpackung, sondern auch das Bier. Kürzlich hatte ich das nagelneue Hazy IPA namens „Blurry Visions“ mit 6,5 Prozent im Glas. Gehopft haben die Macher es mit Citra Cryo, Sabro, Azacca und Galaxy. Klingt doch schon mal sehr vielversprechend.

Schon beim Klacken der Dose in Zebra-Optik strömt ein Duft von Fruchtcocktail in den Raum. In einem trüben Gelborange leuchtet das Ale im Glas, ein feinporiger, schneeweißer und stabiler Schaum komplementiert die attraktive Optik. Macht Appetit. Hält man den Riechkolben zum Glas, so wird die Nase sofort von tropischen Aromen verführt. Das Bukett zeigt angenehme Noten von  Ananas, Zitrusfrüchten, Pfirsich und etwas Kokosnuss. Cremig-weich rinnt das Hazy IPA über die Lippen. Auf der Zunge explodiert der Fruchtkorb erneut. Mit fünf IBUs verabschiedet sich der Berliner Sud. Das Finish ist lang und regt durch seinen Frischecharakter gleich zum nächsten Schluck an.

Fazit: Ein wirklich cooles Sommerbier. Fruchtige Noten treffen auf eine angenehme Frische. Das Aromaspiel macht Lust auf mehr. Passt hervorragend zu exotischen Gerichten, zum gegrillten Steak oder einfach nur so zum Genuss auf Terrasse, Balkon oder im Garten.

Hoppebräu und Yankee & Kraut: Hopfenlust mit Hefepower

Wenn sich zwei Topmarken zusammentun, kann eigentlich nur ein gutes Bier bei rauskommen. Heute morgen war ich bei Hoppebräu in Waakirchen, wo Brauereichef Markus mit Max und Bryan von Yankee & Kraut aus Ingolstadt dessen Freundschaftssud in Dosen abgefüllt haben. Bei dem Collab handelt es sich um ein siebenprozentiges „Kveik NEIPA“ namens „Døgn“, das mit norwegischer Hornindal Kveik-Hefe bei 40 Grad vergoren und ausschließlich mit Simcoe-Hopfen gestopft ist.

Im Glas präsentiert sich das trübe New England IPA in einem saftigen Gelborange und mit einer feinporigen, fast schon sahnigen, schneeweißen Schaumhaube. In die Nase strömen sofort superfruchtige Noten von Ananas, Weinbergpfirsich und Grapefruit. Über die Lippen fließt das Bier mit einer zarten Säure, die gleich in das Aromaspiel aus von frischer Ananas, Maracuja, Grapefruit und einer gewissen Würze übergeht. Dazu gesellt sich ein sanft süßlicher Touch von Dosenpfirsichen. Die Kohlensäure zeigt sich moderat, ist aber perfekt eingebunden. Im Finish zeigt sich noch eine zurückhaltende Bittere, bis sich das NEIPA staubtrocken verabschiedet und gleich animiert, den nächsten Schluck zu nehmen.

Fazit: Mit diesem Collab haben die Macher mal wieder ihr ganzes Können bewiesen. Ein echt gelungenes, rundes Bier, dass zeigt, welche Aromen auch durch den Einsatz spezieller Hefen erzielt werden können und wie diese sich mit dem Hopfen zu einer außergewöhnlichen Fruchtbombe paaren lassen. Trotz sieben Umdrehungen bringt „Døgn“ eine grandiose Trinkfreude mit sich. Absolute Probierempfehlung!

Brewheart: Exotik-Drink für laue Sommerabende

Wer noch einen fruchtigen Sommerdrink für das kommende Wochenende sucht, sollte mal bei den neuen Suden von Brewheart aus Otterfing bei München stöbern. Gerade erst machte ich mir eine Dose des 8,2-prozentigen Double Dry Hopped Double IPA namens „Beer Gees“ auf. Gebraut haben Andi und Roland es mit einer ordentlichen Portion Bru-1, Citra und El Dorado.

Gelborange fließt das IPA ins Glas, ein feinporiger, cremefarbener Schaum toppt das attraktive Gesamtbild. In die Nase steigt ein tropisches Feuerwerk aus Zitrusfrüchten, Mango und Ananas. Hinzu gesellt sich ein sahniger Touch und Noten von Aprikose, Pfirsich und selbstgekochter Erdbeermarmelade. Im Antrunk zeigt sich „Beer Gees“ samtig-weich, bis sich auf der Zunge eine eher zurückhaltende Kohlensäure ausbreitet. Auch im Geschmack dringen gleich die Hopfennoten durch. Es trifft reife Ananas auf Zitrusfrüchte, Pfirsich, Multivitamin und etwas Beeriges. Untermauert wird das Aromaspiel durch ein angenehmes Malzbett und eine sehr sanfte Herbe im sehr langen Abgang.

Fazit: Das ideale Bier für einen sonnigen Tag oder einen langen lauen Sommerabend. Die Aromatik ist schön ausbalanciert und macht enorm Spaß im Duft und auf der Zunge. Trotz acht Umdrehungen präsentiert sich das IPA mit einer hohen Trinkfreude. Für noch mehr Frischecharakter hätte ich mir allerdings etwas mehr Kohlensäure gewünscht.

Frau Gruber: Ein Gedicht aus Mosaic

Zugegeben, manchmal kommt man bei den vielen neuen Bieren von Frau Gruber aus dem bayerischen Gundelfingen gar nicht mehr richtig hinter her. Gefühlt bringen Enzo und Matthias jede Woche eine nagelneue Sorte auf den Markt. Mein Favorit aus den vergangenen Wochen ist jedenfalls das 6,8-prozentige „Purple Haze“. Ein Double Dry Hopped IPA mit Mosaic BBC, Mosaic Incognito und Mosaic T90 sowie Steffi-Malz aus 100 Prozent eigenem Anbau.

Schon beim Einschenken schwirren fruchtige Noten aus dem Glas. Die gelborange Optik mit schneeweißem Schaum regt sofort den Appetit an. In die Nase schießen köstliche Aromen des Hopfens: Maracuja, Ananas, Mandarine, Mango und ein wenig Gras. Cremig-weich fließt das IPA über die Lippen, bis es sich mit einer moderaten Kohlensäure und exotischen Tönen von Ananas und Maracuja sowie Noten von reifen gelben Steinfrüchten und Limone ausbreitet. Eine sanfte Würze und etwas Grasiges gesellen sich zum Gesamtbild hinzu. Abgerundet wird das Bier durch eine wunderbar eingebundene Bittere.

Fazit: Die Biere von Frau Gruber enttäuschen eigentlich nie, denn hier zeigt sich wahre Kreativität. „Purple Haze“ brilliert neben seinen perfekten Mosaic-Aromen auch durch eine hohe Trinkfreude. Locker könnten man davon noch ein paar Dosen mehr genießen, denn die fast sieben Umdrehungen merkt man erst später. Für mich ein Bier, das jetzt regelmäßig in meinem Kühlschrank auf besondere Anlässe wartet.