Orca Brau: Nippon-Sonnenschein aus dem Frankenland

Felix vom Endt von Orca Brau aus Nürnberg zaubert mit seinem neuen Milkshake IPA „Ukiyo“ schon den Sommer ins Glas. Bei dem Trunk handelt es sich um ein 7,2-prozentiges Ale, das der Franke mit Laktose, Mango und Maracuja braut. Neben alternativen Zutaten steckt noch jede Menge Citra- und Amarillo-Hopfen im Sud. Der Name stammt übrigens aus dem Japanischen und bedeuten so viel wie „fließende Welt“. In der Nippon-Philosophie ist damit gemeint, dass man einfach jeden Moment leben soll – in diesem Fall wohl mit dem „Ukiyo“-Bier.

Gesagt, getan: Schenkt man das Bier ins Glas, geht wahrlich die Sonne auf. Ein schneeweißer Schaum thront zurückhaltend oben drauf. Das Milkshake IPA katapultiert eine tropische Fruchtbombe in die Nase. Auf der Zunge zeigt sich eine sanfte Säure, die sich mit fruchtigen Noten der eingesetzten Früchte und den Zitrustönen des Hopfens vereint. Die Laktose sorgt für einen zart milchigen Touch, der der IPA-Spielart alle Ehre macht. Eine sanfte Herbe hält sich im Finish dezent am Gaumen.

Fazit: Ein perfektes Sonnenscheinbier! Was aufs Erste vielleicht ziemlich wuchtig klingt, ist ein hocharomatisches Bier, das durch seine Zutaten und den höheren Alkoholgehalt dennoch seine tolle Trinkbarkeit behält. Nicht nur die Farbe, auch die fruchtigen Aromen bringen sommerliche Gefühle hervor. Also: Bier ins Glas, Sonnenbrille auf und genießen.

Brewdog Overworks: Vielfältige Aromawumme

Nach dem Grillen darf es gern auch mal ein Bier mit richtig Wumms sein. Neulich hatte ich als Digestif das „Brettanarchist Overlord No. 2“ von Brewdog Overworks. Dabei handelt es sich um ein Triple IPA, das mit Citra kaltgehopft und mit 100 Prozent Brettanomyces-Hefe vergoren wurde. Zudem lag der Sud noch ein Jahr in einem Rotweinfass. Ich muss gestehen, das zwölfprozentige Bier hat meine Erwartungen absolut übertroffen.

In einem orangegelben Farbton fließt das IPA ins Glas, ein beigefarbener Schaum liegt oben auf. Das Bukett betört vielfältig. Ein Duft aus getrockneten Aprikosen, Dörrpflaume, Waldhonig und Toffee macht Lust auf den ersten Schluck. Auf die Zunge legt sich vorerst eine gewisse Honigsüße, die sich mit getrockneten Aprikosen und Limonen paart. Das Mundgefühl ist angenehm vollmundig. Zarte Holztöne und eine leichte Würzigkeit ergänzen das Geschmacksbild. Im Finish zeigt sich eine dezente Bitterkeit und der wärmende Alkohol mit ordentlicher Power.

Fazit: Was für eine Aromawumme! „Brettanarchist Overlord No. 2“ ist der perfekte Absacker mit einem spannenden Geschmacksprofil. Die schottischen Brauhunde zeigen mit diesem Trunk mal wieder, dass sie nach wie vor zur Elite der europäischen Craft-Brauereien gehören. Absolute Probierempfehlung.

Wittorfer Brauerei Neumünster: Sommersonne aus der Büchse

Rund 30 Jahre saßen die Neumünsteraner auf dem Trockenen. Doch seit etwa drei Jahren gibt es in der knapp 80.000-Seelen-Stadt endlich wieder eine Brauerei. Die Wittorfer Brauerei Neumünster, um es genau zu sagen. Ich habe mir mal ein paar Sorten bestellt und möchte euch gern eine meiner Favoriten vorstellen. „Treibsand“ heißt das Hazy Juicy Little IPA der Nordlichter. Es besitzt 5,7 Prozent und ist ordentlich gehopft mit Citra und Mosaic.

Schon beim Einschenken geht die Sonne auf. Das Bier strahlt sommerlich in einem satten Gelbton durch das Glas, ein schneeweißer Schaum liegt obenauf. Im Duft zeigen sich Aromen von Mango, Maracuja und Grapefruit. Ich komme mir vor, als würde ich durch eine tropische Obstplantage schlendern. Auf der Zunge breitet sich das Hazy IPA mit einem cremig-weichen Mundgefühl aus. Auch hier zeigen sich die exotischen Fruchtnoten der eingesetzten Hopfensorten. Hinzu kommen ein zarter grasiger und leicht harziger Anklang sowie eine abgerundete Bittere im Finish.

Fazit: Was für ein geiles Bier! Das Little IPA macht einfach Spaß und zaubert gerade bei diesem Corona-Wahnsinn echte Lebensfreude an den Gaumen. Die Gesamtkomposition ist absolut harmonisch. Wenn sich meine aktuellen Biervorräte reduzieren, werde ich ganz sicher noch ein paar Dosen davon bestellen. 

Camba Bavaria & Fat Head’s Brewery: Transatlantischer Sud mit exotischem Gaumenspiel

India Pale Ale zählt zu den vielfältigsten Bierstilen der Welt. Klar, zu den heißesten Trends zählen gerade die hopfigen Spielformen der New England- bzw. der Hazy-IPAs. So ist es neben diesen saftigen Varianten aber auch mal wieder eine angenehme Abwechslung ein American IPA mit 70 Bittereinheiten im Glas zu haben. Gestern probierte ich den neuen siebenprozentigen Gemeinschaftssud „Hop Fusion“, der in Zusammenarbeit mit der Camba Bavaria und der Fat Head’s Brewery aus Cleveland in Ohio entstand. Gebraut haben es die Macher mit drei Top-Hopfensorten: Simcoe, Mosaic und Citra.

Schon beim Einschenken des gelborangen Bieres mit cremefarbener Schaumdecke schwirren fruchtige Noten umher. Hält man das Riechorgan näher in Richtung Sud, so wird es betört von hopfig-grasigen Noten, die von einem Fruchtbukett aus Maracuja und Zitrus untermauert sind. Auf der Zunge zeigt sich „Hop Fusion“ vollmundig mit einem exotischen Geschmacksspiel aus Passionsfrucht, Mango und Citrus. Hinzu kommt ein leicht grasiger Touch. Im Finish bricht eine angenehme Herbe durch.

Fazit: Tolle Aromatik, schöne Herbe und eine hohe Drinkability – was will man mehr. Das American IPA überfordert nicht und passt eigentlich immer, aber perfekt zu scharfen Asia-Gerichten, zum gegrillten Rindersteak als auch zum Feierabendgenuss. Also: Flasche auf und genießen.

Yankee & Kraut: Tropischer Frühlingstraum

Der Trend zu hazy IPAs reißt nicht ab. Jetzt legen auch Bryan und Max von Yankee & Kraut aus Ingolstadt einen schmackhaften Vertreter vor – und zwar in der Dose. Bei ihrem neuen „Heart Waves“ handelt es sich um ein 6,5-prozentiges Double Dry Hopped IPA mit den Hopfensorten Citra, Mosaic BBC und Ekuanot BBC.

Schon das Knacken der Dose und die Optik des Bieres macht Lust auf mehr. Schenkt man den Sud ins Glas, so scheint die Sonne darin aufzugehen. In einem trüben Gelb strahlt mir das Ale entgegen. Ein tropisch-fruchtiges Bukett mit dominierenden Mango-Noten verführen den Geruchssinn. Dazu gesellen sich Zitrusfrüchte sowie ein blumiger Anklang und ein Hauch von Kräutern. Auf der Zunge setzt sich das Fruchtspiel fort. Neben einer frischen Cremigkeit entfalten sich tropische Aromen von Mango, Maracuja und Ananas, die von einer gewissen Würzigkeit begleitet werden. Im Finish zeigt das IPA noch eine ordentliche Herbe.

Fazit: Ein Bier, wie ich es gerne mag. Beim Genuss dieses IPA merkt man sofort, dass Bryan und Max mal wieder nicht am Hopfen gespart haben. „Heart Waves“ ist ein wunderbar ausbalancierter Sud, mit dem ich mir definitiv noch mal meinen Kühlschrank auffülle. Ein perfekter Trunk für den Frühling.

Bierol & Hoppebräu: Gefährlicher IPA-Hammer aus der Euroflasche

Für die Macher von Bierol aus dem österreichischen Schwoich und das Team von Hoppebräu aus dem bayerischen Waakirchen bedeutet ein Kollaborationssud echte Freundschaft. Schon häufig entwickelten die Kreativbrauer gemeinsame Biere. Jetzt kam eine neue Kreation auf den Markt: das 5,6-prozentige „Hammertime 2.0“. Dabei handelt es sich um ein India Pale Ale, dass die Freunde mit den vier Hopfensorten Callista, Calypso, Sabro und Citra brauten.

In einem trüben Orangegelb strahlt das unfiltrierte IPA im Glas, getoppt von schneeweißem Schaum. In die Nase schwirren fruchtige Noten von Ananas, Zitrus und gelben Steinfrüchten. Dazu gesellen sich würzige und grasige Aromen mit einem Anklang von Kokosnuss. Im Antrunk zeigt sich „Hammertime 2.0“ schön schlank, die Kohlensäure ist perfekt eingebunden. Auf der Zunge entfalten sich harmonische Komponenten von tropischen Früchten, Kokosnuss, Pfirsich und Aprikose sowie ein sanfter, würziger Kräuterton. Im Finish legt das IPA eine ausgewogene Bittere vor und regt nach jedem Schluck gleich zum nächsten an.

Fazit: Dieses IPA sorgt wirklich für eine Hammerzeit. Kein überhopfter Trunk, der nach Aufmerksamkeit hechelt, sondern ein perfekt ausbalanciertes und hocharomatisches Bier für alle Tage. Und für alle, die sich wundern, warum das IPA in einer 0,5-Liter Euroflasche steckt: Es ist gefährlich süffig. Davon könnte man locker auch mal ein paar Flaschen mehr genießen. Ich bin schon gespannt auf das „Hammertime 3.0“.

Munich Brew Mafia: Scharfes Hopfengeschoss

Etikettendesign by Elena Hasenbeck

Die Munich Brew Mafia aus der bayerischen Hauptstadt macht mit ihrem Double India Pale Ale „Schießprügel“ ihrem Namen wieder mal alle Ehre. Das achtprozentige Ale hopfte das Team um Dario Stieren ordentlich mit den Sorten Callista, Comet und einem neuen Zuchtstamm mit der Nummer 13/60, der noch gar nicht offiziell auf dem Markt ist.

So schwimmt das kräftige IPA in einem Goldorangeton im Glas, ein feinporiger, cremefarbener Schaum liegt oben auf. In die Nase schießen sofort die Aromen des Hopfens: beerige Noten, gepaart mit Zitrusfrüchten und einem Hauch Dörrpflaume. Im Mundraum zeigt sich der „Schießprügel“ angenehm erfrischend mit moderater Kohlensäure und cremigem Körper. Auch hier dringt die urtypische Kraft des grünen Goldes durch. Es präsentiert sich ein rundes Geschmacksbild aus Erdbeeren, Zitrus und einem zarten Anklang von Minze, dass ein harmonisches Malzbett untermauert. Im Finish verabschiedet sich das Double IPA mit einer deutlichen, aber keinesfalls kratzigen Bittere.

Fazit: Ein tolles Double IPA, in dem nicht die typischen Tropiknoten dominieren, sondern bei dem ein schmackhaftes Aromaspiel von roten Beeren geschmacksgebend ist. Allerdings ist beim Genuss dieses umdrehungsstarken Bieres durchaus Vorsicht geboten, da sich die acht Prozent geschickt im Hintergrund verstecken. Ich freue mich jedenfalls schon auf die zweite Flasche, die noch im Kühlschrank schlummert.

Kurztrip durch den IPA-Dschungel

India Pale Ales zählen zu den renommiertesten und beliebtesten Bierstilen der Welt. Aber erst mit Beginn der Craft-Bierbewegung entwickelten sich neue Spielarten der hopfigen Typologie. Inzwischen scheinen der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt.

Kaum ein anderer Bierstil performt derzeit so vielfältig wie India Pale Ale (IPA). Vor rund 30 Jahren war es der amerikanische Zündfunke, der auch die letzten Bierländer zum Brennen brachte. Nicht umsonst gilt das IPA als Mutter-Typologie der internationalen Craft-Bewegung. Obwohl häufig der Glaube vorherrscht, dass dieser Bierstil eine Neuerfindung der Kreativbrauer sei, pflegt der obergärige Hopfentrunk eine lange Tradition. So ranken sich um die Entstehung dieses Bieres etliche Mythen. Tatsache ist, dass IPA um das 18. Jahrhundert in England aus der Taufe gehoben und einst angeblich als „October beer“ gehandelt wurde. Brauer verwendeten erntefrische Rohstoffe und legten das Ale zur Abrundung für mehrere Monate in Holzfässer. Beschrieben hat man den Trunk aber schon damals als helles, starkgehopftes besonders bitteres Bier.

Die IPA-Legende besagt indes, dass die Briten während ihrer Kolonialzeit ein Bier entwickelten, dass für den langen Transport für ihre in Indien stationierten Soldaten mit größerem Hopfeneinsatz haltbarer gemacht wurde. Bis heute haben IPAs ihre typische Hopfigkeit nicht verloren – egal in welchem Land sie produziert werden. Doch inzwischen existieren zahlreiche Varianten, die teilweise sehr stark in Optik, Duft, Geschmack und Mundgefühl sowie Bitterkeit variieren. Verantwortlich dafür ist die internationale Craft-Bierbewegung, die vor keiner Mixtur zurückschreckt. Nachwuchsbrauer lassen ihrer Experimentierfreudigkeit freien Lauf und zaubern verschiedenste Unterkategorien wie etwa Westcoast-, Eastcoast-, New England-, Belgian-, Brut-, Milkshake-, White-, Black-, Rye- oder Session-IPA. Bei dieser nahezu unüberschaubaren Bandbreite verlieren nicht nur Konsumenten, sondern selbst Biersommeliers manchmal den Überblick.

Aber wie begann eigentlich der weltweite IPA-Trend? Die Erfolgsstory des modernen India Pale Ales startete vermutlich um 1975, als Anchor Brewing in San Francisco ein Christmas Ale auflegte, das mit dem damals noch sehr jungen Cascade-Hopfen gebraut wurde und etwa 40 Bittereinheiten besaß. Dieses Ale gilt als Senkrechtstarter der sogenannten Westcoast IPAs, die sich durch deutliche Fruchtnoten, eine ordentliche Herbe und eine gewisse Harzigkeit charakterisieren. Zu einem der besten Biere dieser Art gehört das achtprozentige „Pliny the Elder“ der kalifornischen Russian River Brewing aus Santa Rosa, nördlich von San Francisco.

Brauer der US-Ostküste wussten lange nicht, was sie dem Erfolg der Crafties aus Kalifornien entgegensetzen konnten. So entwickelten sie schließlich ihre eigene IPA-Variante: New England India Pale Ales (NEIPA), die gerade den wohl heißesten Trend der Craft-Bierszene darstellen, grenzen sich eindeutig von klassischen IPA-Vertretern ab. Dafür streben die Macher durch intensives, meist mehrfaches Hopfenstopfen und den Einsatz bestimmter Hefestämme, wie etwa der norwegischen Sorte Kveik, eine stabile sowie deutliche Trübung an. So wirken NEIPAS optisch häufig wie Fruchtsäfte. Aber auch in Duft und Geschmack präsentiert sich diese Ale-Art wie ein saftiger Tropenfrucht-Cocktail mit sanfter Bittere. Dieser Stil wird inzwischen auch lebhaft von deutschen Brauern interpretiert. Musterbeispiele typischer NEIPAs finden Aficionados beispielsweise im Portfolio der Macher von Frau Gruber, Brewheart oder Blech Brut. Häufig werden NEIPAs inzwischen auch als sogenannte Hazy IPAs vermarktet.

Milkshake IPA von Omnipollo

Ein vergleichbarer Vertreter der Ostküsten-Ales ist das Milkshake IPA – auch als Smoothie oder Slushie IPA bekannt. Craft-Brauer experimentieren dabei mit frischen Früchten, Gewürzen oder Laktose. Die Verwendung von Milchzucker erzielt dabei eine cremige Textur. Für den besonderen Kick wird häufig auch Vanille eingesetzt. Als einer der Topseller dieser IPA-Kategorie gilt das „Mexican Vanilla Piña Colada Milkshake IPA“, das aus einer Kollaboration der schwedischen Manufaktur Omnipollo und der US-Brauerei Tired Hands Brewing Co. entstammt. Das trübe Ale mit Zugaben von Laktose und Vanille erinnert geschmacklich an eine exotische Piña Colada, während der Geschmack des „Orange Vanilla IPA“ von Belching Beaver aus San Diego eher einem Orangen-Milcheis ähnelt.

Eine weitere In-Version ist knochentrockenes Brut IPA. Erfunden hat diese Spielart angeblich der Braumeister von Social Brewing in San Francisco. In den Sud kommt ein ganz spezielles Enzym (Amylase), das normalerweise bei Porter oder Stout eingesetzt wird. Dies macht das Bier vom Körper her schlanker, ohne jedoch den Alkoholgehalt zu minimieren. Der Begriff „brut“ wurde aus der Champagner-Welt adaptiert und steht ursprünglich für einen sehr trockenen Schaumwein. Auch bei diesem Bierstil geht es um einen staubtrockenen, prickelnden Sud, mit geringem Malzcharakter und minimaler Restsüße. Dabei sollen die Fruchtnoten des Hopfens das Aroma zwar dominieren, aber kaum Bittereinheiten aufweisen. Einige Brauer setzen dabei nicht auf Enzyme, sondern setzen auf besondere Mikroorganismen wie etwa Champagner-Hefe, die ebenfalls einen trockenen Charakter erzielt.

Auch bei deutschen Brauern ist der Brut-Trend angekommen. Zu den Vorreitern zählt das Kreativteam von Yankee & Kraut aus Ingolstadt. Für die Aromatik des schlanken und sehr fruchtigen Brut IPA namens „Dry Humor“ verwendet Braumeister Bryan France die Hopfensorten Topaz, Ariana, Callista und Hüll Melon. Zeitgleich legte auch Oliver Wesseloh von der Hamburger Kreativbrauerei Kehrwieder eine knochentrockene IPA-Version vor, die nur 0,05 Prozent Restsüße aufweist. Für die Fruchtigkeit sorgen insgesamt sieben Hopfensorten. Craft-Pionier Wesseloh sieht Brut-IPAs als nachhaltigsten Trend bei den vielen IPA-Ablegern und als erfrischenden Kontrast zu NEIPAs. Inzwischen führt der Hamburger gleich mehrere Sorten im Portfolio.

Neben Brut, Milkshake und Westcoast IPAs gibt es noch zahlreiche weitere Kategorien. So etwa eine interessante Version, die mit belgischer Hefe vergoren wurde. Craft-Fans stehen aber auch auf Black IPAs, die durch ihre schwarze Farbe bestechen und neben fruchtigen Hopfenanklängen auch angenehme Röstnoten vorlegen. White IPAs indes sind eine Kreuzung aus belgischem Witbier und amerikanischem IPA, während sogenannte Fruit IPAs meist mit Früchten wie Grapefruit, Mandarine oder Wassermelone gebraut werden. Rye IPAs sind mit Roggen gemaischt und Sour IPAs meist mit Milchsäurebakterien oder wilde Hefen angesetzt.

Alkoholfreies IPA von Riegele

Was die weltweite IPA-Szene vor allem auszeichnet, ist ein ständiger Run auf neue Geschmacksabenteuer. Als aktuelle Bereicherung der Craft-Bierbewegung gelten Session IPAs mit moderatem Alkoholgehalt oder sogar alkoholfreie Varianten. Selbst die Non-Alcoholic-Varianten erzielen durch viel Hopfeneinsatz oder Dry Hopping einschmeichelnde und fruchtige Aromen, die den typisch alkoholfreien Charakter überdecken und somit für Überraschungsmomente bei Verkostungen sorgen. Die Experimentierfreude bei India Pale Ale scheint unbegrenzt und bleibt wohl noch lange eine spannende Spielwiese für Kreativbrauer, Connaisseurs und Sommeliers.

Erschienen im Verbandsmagazin der Diplom Biersommeliers.

Brewdog: Mal ein ganz anderes Festtagsbier aus Schottland

Die Brauhunde aus Schottland legen mit ihrem „Hoppy Christmas Festive IPA“ ein Weihnachtsbier für echte Hopheads vor. Name und Etikett lassen bei so manchem wohl erst ein anderes Aromaspiel erwarten, aber wenn man das sechsprozentige Ale ins Glas schenkt, katapultieren sich keine Zimt-, Lebkuchen- oder Sternanisnoten in die Nase, sondern kräftige Hopfendüfte. Beim schottischen Festbier handelt es sich um einen Single-Hop-Sud mit der amerikanischen Sorte Simcoe.

Bernsteinfarben und opal schwimmt das Weihnachts-IPA im Glas, ein elfenbeinweißer Schaum liegt oben auf. Es duftet nach tropischen Früchten wie Papaya und reife Ananas, dazu gesellen sich Zitrustöne von Grapefruit und Blutorange. Auf der Zunge zündet das Bier erneut ein Fruchtfeuerwerk. Aromen von Zitrus und Ananas vereinen sich mit einem cremig-weichen Mundgefühl. „Hoppy Christmas“ verabschiedet sich mit 40 Bittereinheiten, die sich dominant, aber angenehm harmonisch zeigen und mit dem fruchtigen Geschmack ein langes Finish bieten.

Fazit: Mit diesem IPA macht Brewdog seinem Namen wieder alle Ehre. Mal ein ganz anderes Weihnachtsbier, mit einer Aromakomposition, genau wie ich es mag. Das Festbier braucht keine Speisebegleitung: Einfach einschenken und genießen. Wer Lust verspürt das Bier nachzubrauen, der findet hier das Rezept.

Kuehn Kunz Rosen: Von schrillen Nächten, wärmenden Böcken und asiatischen Experimenten

In der deutschen Craft-Szene sind die Macher von Kuehn Kunz Rosen aus Mainz längst kein Geheimtipp mehr. Mit ihren experimentellen Suden überraschen sie aber dennoch immer wieder ihre Fan-Gemeinde mit ganz ungewöhnlichen Bieren. Neben den Klassikern „Kerlig Hell“, „Festland“ und „Mystique IPA“, kommen gerade neue Sude auf den Markt, die sich auch mal fernab der Zutatenliste des heiligen Reinheitsgebots bewegen und ideal zur Vorweihnachtszeit passen. Drei der neuen Spezialitäten möchte ich euch gern vorstellen:

„Gutenberg Bock“ – die innere Wärmflasche

Nach einem ausgiebigen Spaziergang in den Wintermonaten gibt es wohl kaum etwas Besseres im Glas, als einen kräftigen Doppelbock. So fließt die 8,5-prozentige Variante der Mainzer in einem leuchtenden Bernsteinton ins Glas, ein fast schon sahniger und cremefarbener Schaum legt sich oben auf. Im Duft entfalten sich malzige Noten von Karamell und Waldhonig sowie ein würziger Anklang, der wohl von den ein gesetzten Hopfensorten Magnum und Spalter kommt. Im Mundraum breitet sich der Bock vollmundig aus. Aromen von Karamell, Waldhonig und Orange prägen das Geschmacksbild. Das Finish bleibt aromatisch und wirkt angenehm wärmend.

Fazit: Ein schmackhafter Doppelbock, der wohl niemanden so schnell überfordert. Wer noch einen starken Begleiter zur Weihnachtsgans mit Orangensauce sucht: et voilà.

„Thaipa“ – die asiatische Geschmacksbombe

India Pale Ales werden inzwischen ganz unterschiedlich interpretiert, aber so eine Variante habe ich bisher noch nie getrunken. Sein ungewöhnliches Aroma erlangt das „Thaipa“ neben den Hopfensorten Summit, Lemondrop und Citra vor allem durch den Einsatz von Zitronengras, Kaffir-Limetten und dessen Blättern sowie Thai-Basilikum. Goldorange zeigt sich das 6,5-prozentige Ale im Glas, der schneeweiße Schaum bleibt stabil. In die Nase strömen süßliche und tropische Düfte und intensive Noten von Zitronengras, Zitrus und Thai-Basilikum. Auf der Zunge explodiert die asiatische Geschmacksbombe vollends und zeigt ihre ganze Aromabandbreite. Das IPA zeigt sich durch das Thai-Basilikum frisch und würzig-süßlich. Hinzu kommen die fruchtigen Töne der eingesetzten Hopfensorten und der Kaffir-Limette. Im Finish zeigt sich noch eine angenehme Herbe.

Fazit: Das Experiment ist definitiv gelungen, aber wohl nichts für standard-orientierte Craft-Fans. Das wirklich spannende Aromaspiel lässt sich wunderbar mit asiatischen Speisen kombinieren, die eine gewisse Schärfe aufweisen. Für den puren Genuss am Biertisch zeigt sich das „Thaipa“ indes als sehr ungewöhnlicher Trunk, aber es lohnt sich auf jeden Fall, ihn mal zu probieren.

„Schrille Nacht“ – das winterliche India Pale Ale

Dem Spielraum bei IPAs sind offensichtlich keine Grenzen gesetzt. In einer Kooperation mit den Machern von der Brauerei Schwarze Rose aus Mainz, ist dieses winterliche IPA mit 6,8 Prozent Umdrehungen entstanden. In den Kessel kamen Piniennadeln, Kardamom und Piment. So leuchtet das Bier in einem kräftigen Orangeton durchs Glas. In die Nase werden sofort tropische Noten vom eingesetzten Simcoe-Hopfen katapultiert. Dazu paaren sich waldige Aromen der Piniennadeln. Auf der Zunge entfaltet sich eine cremige Vollmundigkeit mit Noten von reifer Mango, Pinie und den weihnachtlichen Gewürzen. Das Ale bleibt noch lange angenehm mit einer sanften Herbe im Rachen zurück.

Fazit: Der erste Eindruck mag manche Genießer dezent an Hustensaft erinnern. Aber schon der zweite Schluck hat mich komplett überzeugt und zeigt, dass dieses unkonventionelle Aromaspiel wirklich Spaß macht. Wer also mal ein ganz anderes IPA probieren möchte, der kommt an der „Schrillen Nacht“ nicht vorbei.