Munich Brew Mafia: Scharfes Hopfengeschoss

Etikettendesign by Elena Hasenbeck

Die Munich Brew Mafia aus der bayerischen Hauptstadt macht mit ihrem Double India Pale Ale „Schießprügel“ ihrem Namen wieder mal alle Ehre. Das achtprozentige Ale hopfte das Team um Dario Stieren ordentlich mit den Sorten Callista, Comet und einem neuen Zuchtstamm mit der Nummer 13/60, der noch gar nicht offiziell auf dem Markt ist.

So schwimmt das kräftige IPA in einem Goldorangeton im Glas, ein feinporiger, cremefarbener Schaum liegt oben auf. In die Nase schießen sofort die Aromen des Hopfens: beerige Noten, gepaart mit Zitrusfrüchten und einem Hauch Dörrpflaume. Im Mundraum zeigt sich der „Schießprügel“ angenehm erfrischend mit moderater Kohlensäure und cremigem Körper. Auch hier dringt die urtypische Kraft des grünen Goldes durch. Es präsentiert sich ein rundes Geschmacksbild aus Erdbeeren, Zitrus und einem zarten Anklang von Minze, dass ein harmonisches Malzbett untermauert. Im Finish verabschiedet sich das Double IPA mit einer deutlichen, aber keinesfalls kratzigen Bittere.

Fazit: Ein tolles Double IPA, in dem nicht die typischen Tropiknoten dominieren, sondern bei dem ein schmackhaftes Aromaspiel von roten Beeren geschmacksgebend ist. Allerdings ist beim Genuss dieses umdrehungsstarken Bieres durchaus Vorsicht geboten, da sich die acht Prozent geschickt im Hintergrund verstecken. Ich freue mich jedenfalls schon auf die zweite Flasche, die noch im Kühlschrank schlummert.

Kurztrip durch den IPA-Dschungel

India Pale Ales zählen zu den renommiertesten und beliebtesten Bierstilen der Welt. Aber erst mit Beginn der Craft-Bierbewegung entwickelten sich neue Spielarten der hopfigen Typologie. Inzwischen scheinen der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt.

Kaum ein anderer Bierstil performt derzeit so vielfältig wie India Pale Ale (IPA). Vor rund 30 Jahren war es der amerikanische Zündfunke, der auch die letzten Bierländer zum Brennen brachte. Nicht umsonst gilt das IPA als Mutter-Typologie der internationalen Craft-Bewegung. Obwohl häufig der Glaube vorherrscht, dass dieser Bierstil eine Neuerfindung der Kreativbrauer sei, pflegt der obergärige Hopfentrunk eine lange Tradition. So ranken sich um die Entstehung dieses Bieres etliche Mythen. Tatsache ist, dass IPA um das 18. Jahrhundert in England aus der Taufe gehoben und einst angeblich als „October beer“ gehandelt wurde. Brauer verwendeten erntefrische Rohstoffe und legten das Ale zur Abrundung für mehrere Monate in Holzfässer. Beschrieben hat man den Trunk aber schon damals als helles, starkgehopftes besonders bitteres Bier.

Die IPA-Legende besagt indes, dass die Briten während ihrer Kolonialzeit ein Bier entwickelten, dass für den langen Transport für ihre in Indien stationierten Soldaten mit größerem Hopfeneinsatz haltbarer gemacht wurde. Bis heute haben IPAs ihre typische Hopfigkeit nicht verloren – egal in welchem Land sie produziert werden. Doch inzwischen existieren zahlreiche Varianten, die teilweise sehr stark in Optik, Duft, Geschmack und Mundgefühl sowie Bitterkeit variieren. Verantwortlich dafür ist die internationale Craft-Bierbewegung, die vor keiner Mixtur zurückschreckt. Nachwuchsbrauer lassen ihrer Experimentierfreudigkeit freien Lauf und zaubern verschiedenste Unterkategorien wie etwa Westcoast-, Eastcoast-, New England-, Belgian-, Brut-, Milkshake-, White-, Black-, Rye- oder Session-IPA. Bei dieser nahezu unüberschaubaren Bandbreite verlieren nicht nur Konsumenten, sondern selbst Biersommeliers manchmal den Überblick.

Aber wie begann eigentlich der weltweite IPA-Trend? Die Erfolgsstory des modernen India Pale Ales startete vermutlich um 1975, als Anchor Brewing in San Francisco ein Christmas Ale auflegte, das mit dem damals noch sehr jungen Cascade-Hopfen gebraut wurde und etwa 40 Bittereinheiten besaß. Dieses Ale gilt als Senkrechtstarter der sogenannten Westcoast IPAs, die sich durch deutliche Fruchtnoten, eine ordentliche Herbe und eine gewisse Harzigkeit charakterisieren. Zu einem der besten Biere dieser Art gehört das achtprozentige „Pliny the Elder“ der kalifornischen Russian River Brewing aus Santa Rosa, nördlich von San Francisco.

Brauer der US-Ostküste wussten lange nicht, was sie dem Erfolg der Crafties aus Kalifornien entgegensetzen konnten. So entwickelten sie schließlich ihre eigene IPA-Variante: New England India Pale Ales (NEIPA), die gerade den wohl heißesten Trend der Craft-Bierszene darstellen, grenzen sich eindeutig von klassischen IPA-Vertretern ab. Dafür streben die Macher durch intensives, meist mehrfaches Hopfenstopfen und den Einsatz bestimmter Hefestämme, wie etwa der norwegischen Sorte Kveik, eine stabile sowie deutliche Trübung an. So wirken NEIPAS optisch häufig wie Fruchtsäfte. Aber auch in Duft und Geschmack präsentiert sich diese Ale-Art wie ein saftiger Tropenfrucht-Cocktail mit sanfter Bittere. Dieser Stil wird inzwischen auch lebhaft von deutschen Brauern interpretiert. Musterbeispiele typischer NEIPAs finden Aficionados beispielsweise im Portfolio der Macher von Frau Gruber, Brewheart oder Blech Brut. Häufig werden NEIPAs inzwischen auch als sogenannte Hazy IPAs vermarktet.

Milkshake IPA von Omnipollo

Ein vergleichbarer Vertreter der Ostküsten-Ales ist das Milkshake IPA – auch als Smoothie oder Slushie IPA bekannt. Craft-Brauer experimentieren dabei mit frischen Früchten, Gewürzen oder Laktose. Die Verwendung von Milchzucker erzielt dabei eine cremige Textur. Für den besonderen Kick wird häufig auch Vanille eingesetzt. Als einer der Topseller dieser IPA-Kategorie gilt das „Mexican Vanilla Piña Colada Milkshake IPA“, das aus einer Kollaboration der schwedischen Manufaktur Omnipollo und der US-Brauerei Tired Hands Brewing Co. entstammt. Das trübe Ale mit Zugaben von Laktose und Vanille erinnert geschmacklich an eine exotische Piña Colada, während der Geschmack des „Orange Vanilla IPA“ von Belching Beaver aus San Diego eher einem Orangen-Milcheis ähnelt.

Eine weitere In-Version ist knochentrockenes Brut IPA. Erfunden hat diese Spielart angeblich der Braumeister von Social Brewing in San Francisco. In den Sud kommt ein ganz spezielles Enzym (Amylase), das normalerweise bei Porter oder Stout eingesetzt wird. Dies macht das Bier vom Körper her schlanker, ohne jedoch den Alkoholgehalt zu minimieren. Der Begriff „brut“ wurde aus der Champagner-Welt adaptiert und steht ursprünglich für einen sehr trockenen Schaumwein. Auch bei diesem Bierstil geht es um einen staubtrockenen, prickelnden Sud, mit geringem Malzcharakter und minimaler Restsüße. Dabei sollen die Fruchtnoten des Hopfens das Aroma zwar dominieren, aber kaum Bittereinheiten aufweisen. Einige Brauer setzen dabei nicht auf Enzyme, sondern setzen auf besondere Mikroorganismen wie etwa Champagner-Hefe, die ebenfalls einen trockenen Charakter erzielt.

Auch bei deutschen Brauern ist der Brut-Trend angekommen. Zu den Vorreitern zählt das Kreativteam von Yankee & Kraut aus Ingolstadt. Für die Aromatik des schlanken und sehr fruchtigen Brut IPA namens „Dry Humor“ verwendet Braumeister Bryan France die Hopfensorten Topaz, Ariana, Callista und Hüll Melon. Zeitgleich legte auch Oliver Wesseloh von der Hamburger Kreativbrauerei Kehrwieder eine knochentrockene IPA-Version vor, die nur 0,05 Prozent Restsüße aufweist. Für die Fruchtigkeit sorgen insgesamt sieben Hopfensorten. Craft-Pionier Wesseloh sieht Brut-IPAs als nachhaltigsten Trend bei den vielen IPA-Ablegern und als erfrischenden Kontrast zu NEIPAs. Inzwischen führt der Hamburger gleich mehrere Sorten im Portfolio.

Neben Brut, Milkshake und Westcoast IPAs gibt es noch zahlreiche weitere Kategorien. So etwa eine interessante Version, die mit belgischer Hefe vergoren wurde. Craft-Fans stehen aber auch auf Black IPAs, die durch ihre schwarze Farbe bestechen und neben fruchtigen Hopfenanklängen auch angenehme Röstnoten vorlegen. White IPAs indes sind eine Kreuzung aus belgischem Witbier und amerikanischem IPA, während sogenannte Fruit IPAs meist mit Früchten wie Grapefruit, Mandarine oder Wassermelone gebraut werden. Rye IPAs sind mit Roggen gemaischt und Sour IPAs meist mit Milchsäurebakterien oder wilde Hefen angesetzt.

Alkoholfreies IPA von Riegele

Was die weltweite IPA-Szene vor allem auszeichnet, ist ein ständiger Run auf neue Geschmacksabenteuer. Als aktuelle Bereicherung der Craft-Bierbewegung gelten Session IPAs mit moderatem Alkoholgehalt oder sogar alkoholfreie Varianten. Selbst die Non-Alcoholic-Varianten erzielen durch viel Hopfeneinsatz oder Dry Hopping einschmeichelnde und fruchtige Aromen, die den typisch alkoholfreien Charakter überdecken und somit für Überraschungsmomente bei Verkostungen sorgen. Die Experimentierfreude bei India Pale Ale scheint unbegrenzt und bleibt wohl noch lange eine spannende Spielwiese für Kreativbrauer, Connaisseurs und Sommeliers.

Erschienen im Verbandsmagazin der Diplom Biersommeliers.

Brewdog: Mal ein ganz anderes Festtagsbier aus Schottland

Die Brauhunde aus Schottland legen mit ihrem „Hoppy Christmas Festive IPA“ ein Weihnachtsbier für echte Hopheads vor. Name und Etikett lassen bei so manchem wohl erst ein anderes Aromaspiel erwarten, aber wenn man das sechsprozentige Ale ins Glas schenkt, katapultieren sich keine Zimt-, Lebkuchen- oder Sternanisnoten in die Nase, sondern kräftige Hopfendüfte. Beim schottischen Festbier handelt es sich um einen Single-Hop-Sud mit der amerikanischen Sorte Simcoe.

Bernsteinfarben und opal schwimmt das Weihnachts-IPA im Glas, ein elfenbeinweißer Schaum liegt oben auf. Es duftet nach tropischen Früchten wie Papaya und reife Ananas, dazu gesellen sich Zitrustöne von Grapefruit und Blutorange. Auf der Zunge zündet das Bier erneut ein Fruchtfeuerwerk. Aromen von Zitrus und Ananas vereinen sich mit einem cremig-weichen Mundgefühl. „Hoppy Christmas“ verabschiedet sich mit 40 Bittereinheiten, die sich dominant, aber angenehm harmonisch zeigen und mit dem fruchtigen Geschmack ein langes Finish bieten.

Fazit: Mit diesem IPA macht Brewdog seinem Namen wieder alle Ehre. Mal ein ganz anderes Weihnachtsbier, mit einer Aromakomposition, genau wie ich es mag. Das Festbier braucht keine Speisebegleitung: Einfach einschenken und genießen. Wer Lust verspürt das Bier nachzubrauen, der findet hier das Rezept.

Kuehn Kunz Rosen: Von schrillen Nächten, wärmenden Böcken und asiatischen Experimenten

In der deutschen Craft-Szene sind die Macher von Kuehn Kunz Rosen aus Mainz längst kein Geheimtipp mehr. Mit ihren experimentellen Suden überraschen sie aber dennoch immer wieder ihre Fan-Gemeinde mit ganz ungewöhnlichen Bieren. Neben den Klassikern „Kerlig Hell“, „Festland“ und „Mystique IPA“, kommen gerade neue Sude auf den Markt, die sich auch mal fernab der Zutatenliste des heiligen Reinheitsgebots bewegen und ideal zur Vorweihnachtszeit passen. Drei der neuen Spezialitäten möchte ich euch gern vorstellen:

„Gutenberg Bock“ – die innere Wärmflasche

Nach einem ausgiebigen Spaziergang in den Wintermonaten gibt es wohl kaum etwas Besseres im Glas, als einen kräftigen Doppelbock. So fließt die 8,5-prozentige Variante der Mainzer in einem leuchtenden Bernsteinton ins Glas, ein fast schon sahniger und cremefarbener Schaum legt sich oben auf. Im Duft entfalten sich malzige Noten von Karamell und Waldhonig sowie ein würziger Anklang, der wohl von den ein gesetzten Hopfensorten Magnum und Spalter kommt. Im Mundraum breitet sich der Bock vollmundig aus. Aromen von Karamell, Waldhonig und Orange prägen das Geschmacksbild. Das Finish bleibt aromatisch und wirkt angenehm wärmend.

Fazit: Ein schmackhafter Doppelbock, der wohl niemanden so schnell überfordert. Wer noch einen starken Begleiter zur Weihnachtsgans mit Orangensauce sucht: et voilà.

„Thaipa“ – die asiatische Geschmacksbombe

India Pale Ales werden inzwischen ganz unterschiedlich interpretiert, aber so eine Variante habe ich bisher noch nie getrunken. Sein ungewöhnliches Aroma erlangt das „Thaipa“ neben den Hopfensorten Summit, Lemondrop und Citra vor allem durch den Einsatz von Zitronengras, Kaffir-Limetten und dessen Blättern sowie Thai-Basilikum. Goldorange zeigt sich das 6,5-prozentige Ale im Glas, der schneeweiße Schaum bleibt stabil. In die Nase strömen süßliche und tropische Düfte und intensive Noten von Zitronengras, Zitrus und Thai-Basilikum. Auf der Zunge explodiert die asiatische Geschmacksbombe vollends und zeigt ihre ganze Aromabandbreite. Das IPA zeigt sich durch das Thai-Basilikum frisch und würzig-süßlich. Hinzu kommen die fruchtigen Töne der eingesetzten Hopfensorten und der Kaffir-Limette. Im Finish zeigt sich noch eine angenehme Herbe.

Fazit: Das Experiment ist definitiv gelungen, aber wohl nichts für standard-orientierte Craft-Fans. Das wirklich spannende Aromaspiel lässt sich wunderbar mit asiatischen Speisen kombinieren, die eine gewisse Schärfe aufweisen. Für den puren Genuss am Biertisch zeigt sich das „Thaipa“ indes als sehr ungewöhnlicher Trunk, aber es lohnt sich auf jeden Fall, ihn mal zu probieren.

„Schrille Nacht“ – das winterliche India Pale Ale

Dem Spielraum bei IPAs sind offensichtlich keine Grenzen gesetzt. In einer Kooperation mit den Machern von der Brauerei Schwarze Rose aus Mainz, ist dieses winterliche IPA mit 6,8 Prozent Umdrehungen entstanden. In den Kessel kamen Piniennadeln, Kardamom und Piment. So leuchtet das Bier in einem kräftigen Orangeton durchs Glas. In die Nase werden sofort tropische Noten vom eingesetzten Simcoe-Hopfen katapultiert. Dazu paaren sich waldige Aromen der Piniennadeln. Auf der Zunge entfaltet sich eine cremige Vollmundigkeit mit Noten von reifer Mango, Pinie und den weihnachtlichen Gewürzen. Das Ale bleibt noch lange angenehm mit einer sanften Herbe im Rachen zurück.

Fazit: Der erste Eindruck mag manche Genießer dezent an Hustensaft erinnern. Aber schon der zweite Schluck hat mich komplett überzeugt und zeigt, dass dieses unkonventionelle Aromaspiel wirklich Spaß macht. Wer also mal ein ganz anderes IPA probieren möchte, der kommt an der „Schrillen Nacht“ nicht vorbei.

Brewheart: Kokos-Cocktail aus der Dose

Es ist doch immer wieder eine Freude, sich mit Brauern zu treffen und auszutauschen. Vergangenen Woche hatte ich ein Date mit Andreas von Brewheart. Er ist zwar kein ausgebildeter Bierproduzent, aber seine Sude können sich echt sehen lassen. So gab er mir die neuen Sorten mit, die er und sein Kollege in der Camba Old Factory in Gundelfingen bei Augsburg eigenständig verwirklichen. Mein bisheriger Favorit ist das 7,7-prozentige Double Dry Hopped India Pale Ale namens „Hop Eye”, in dem jede Menge Citra- und Sabro-Hopfen stecken.

Schon beim Einschenken strömen hopfige Noten in die Nase, während das IPA in einem trüben Gelborange ins Glas fließt. Ein feinporiger, cremefarbener Schaum setzt dem Bier eine attraktive Haube auf. „Hop Eye“ duftet intensiv nach Kokosnuss, ausgelöst vom noch ziemlich neuen amerikanischen Sabro-Hopfen. Angenehme tropische Noten von Ananas und Mango sowie deutliches Zitrus-Aroma komplimentieren das Bukett. Schon im Antrunk zeigt sich das Ale vollmundig mit moderater Kohlensäure und einer zarten Süße. Auch auf der Zunge präsentieren die beiden Hopfensorten ihre volle Power. Kokos, Limone und Ananas dominieren den Geschmack. Eine geringe Bittere rundet das Bier ab.

Fazit: Bei diesem Hazy IPA gibt es eigentlich nichts zu meckern. Das Aromaspiel ist ausbalanciert und durch die Kokos-Noten mal was anderes. Vielleicht könnte das Bier einen Tick mehr Kohlensäure für einen stärkeren Erfrischungseffekt haben, aber das ist wohl Geschmackssache. Passt bestimmt hervorragend zu Curry-Gerichten oder gegrilltem Fisch wie Red Snapper oder Dorade.

Lervig Aktiebryggeri: Alkoholfreier IPA-Genuss aus Norwegen

Früher war ich absolut kein Fan von alkoholfreien Bieren. Doch jetzt bringen Craft-Brauer immer mehr überzeugende Sude auf den Markt, die sogar richtig Spaß machen. Eines davon ist das 0,5-prozentige „No Worries“ von Lervig aus Norwegen. Leider finde ich zu den eingesetzten Hopfensorten weder Hinweise auf der Dose noch im Netz. Tatsache ist aber, dass die Macher aus Stavanger eine spezielle Hefe einsetzten, die den Malzzucker nicht vergären kann und somit kaum Alkohol entsteht.

Das alkoholfreie India Pale Ale fließt in einem ansprechenden Sonnengelb ins Glas, der schneeweiße, feinporige Schaum komplementiert die Optik und macht Appetit. In die Nase schwirren würzige und überwiegend fruchtige Noten, die vor allem an Grapefruit erinnern. Auf der Zunge zeigt sich das Ale erfrischend und schlank, aber keineswegs wässrig. Das Aromaspiel präsentiert dominierende Fruchttöne von Banane, Orange, Grapefruit und Mango. Eine gewisse Malzigkeit schwingt sanft am Gaumen mit. Und tatsächlich macht das Finish gleich Lust auf den nächsten Schluck.

Fazit: Ich bin positiv überrascht, wie eine gute Mixtur von Aromahopfen die alkoholfreien Sude geschmacklich aufmotzen kann. Das norwegische IPA ist ein Musterbeispiel dafür, wie auch ein Bier ohne Umdrehungen richtig Spaß machen kann.

The Garden Brewery: Kroatisches Feierabend-IPA

Ich muss gestehen, dass mir The Garden Brewery bis vor kurzem noch völlig unbekannt war. Dabei feierte die kroatische Craft-Stätte im Juni bereits ihren dritten Geburtstag. Umso mehr freute ich mich auf den Genuss dessen American Westcoast Style IPAs mit 6,5 Umdrehungen. Die Macher brauten das Ale mit sechs Hopfensorten: Simcoe, Cascade, Azacca, Mandarina Bavaria und Zythos. Letztlich wurde es noch dreifach kaltgehopft.

In einem golden Orangeton steht das IPA im Glas. Es duftet harzig und fruchtig mit Noten von Pfirsich, Mandarine, Orange, Maracuja und Waldhonig. Im Antrunk zeigt sich eine gewisse Süße, bis dann die volle Hopfenpower wieder mit ihren fruchtigen Aromen durchdringt. Im Vordergrund präsentieren sich Aromen von Saftorange, Aprikose, Mango und Maracuja. Am Schluss dringen 60 Bittereinheiten durch, die aber eher sanft in der Wahrnehmung sind.

Fazit: Das kroatische IPA ist ein sehr solides, unkompliziertes und gut trinkbares Bier. Vom Geschmack her nicht unbedingt ein Ausreißer, aber ein sehr schöner Allrounder zum Feierabend, in der Sonne oder zu asiatischen Speisen. Für Genießer mit Lust auf hohe Drinkability aber auch für Craft-Newcomer ein empfehlenswerter Tropfen. Ich werde mir auf jeden Fall noch ein paar Sorten von The Garden Brewery zum Verkosten besorgen.

Hanscraft & Co.: Yakima-Valley versus Hallertau

Bei seinen neuen Juicy IPAs hatte Christian Hans Müller von Hanscraft wirklich eine spannende Idee. Beide Biere basieren auf dem gleichen Grundrezept, besitzen 6,3 Prozent Alkohol und strahlen zwillingshaft in einem attraktiven goldgelb durch das Glas, getoppt von einem schneeweißen, feinporigen und stabilen Schaum. Der Clou aber an den „Split Decisions“: Eines davon braute der Aschaffenburger mit Hopfensorten aus der Hallertau und das andere mit grünem Gold aus dem US-amerikanischen Yakima-Valley.

Christian steckte in sein „Hallertau Style“-IPA jede Menge an Hüll Melon, Hallertauer Blanc und Cascade. So duftet es angenehm blumig-würzig und fruchtig nach Pfirsich, Stachelbeere, Grapefruit und einem Touch Honigmelone. Auf der Zunge präsentiert sich das IPA erst hopfig-grasig, bis Aromen von gelben Steinfrüchten durchdringen. Ein dezent weiniger Hauch und eine solide Herbe runden das Bier ab.

In der „Yakima Style“-Version landeten dagegen die Hopfensorten Simcoe, Mosaic und Citra im Kessel. In die Nase steigen blumige und tropische Noten von Maracuja, Mango sowie Papaya. Im Hintergrund schwingt noch ein erdiger Anklang mit. Im Geschmack zeigen sich intensive Zitrusnoten, die von Maracuja, Mango und Papaya unterstützt werden.

Fazit: Beide Biere zeigen einen völlig unterschiedlichen Charakter. Obwohl sie das gleiche Grundbier besitzen, unterscheiden sich die Juicy IPAs stark. So wirkt das Ale mit den bayerischen Hopfensorten leichter, frischer und prickelnder mit höherer Süffigkeit. Das IPA im Yakima-Style dagegen besitzt einen cremigeren Körper und ein intensiveres Aromaspiel mit längerem Abgang. Ich mag beide Biere, weil jedes davon ein harmonisches sowie ganz individuelles Profil besitzt.

Russian River Brewing: „Pliny the Elder” – großer Hype um eine Craft-Legende

Mitbringsel frisch aus dem Brewpub in Santa Rosa. Abfülldatum: 13.3.2019

Zu den besten India Pale Ales der Welt zählt angeblich das „Pliny the Elder“ von der Russian River Brewery aus dem kalifornischen Santa Rosa. Nicht nur auf der Bierbewertungsplattform „ratebeer“ ist es von Bierfans mit vollen 100 Punkten bewertet, auch heimste sich das Ale schon zahlreiche Goldmedaillen bei internationalen Awards ein. Für jeden echten Craft-Bierfan gilt es als Herausforderung, dieses achtprozentige Double IPA irgendwo zu ergattern und zumindest einmal in seinem Leben probieren. Dafür braucht man sogar im USA-Urlaub etwas Glück, das Bier vom Fass in irgendeinem Tap-House oder bei einem Craft-Shop in der Flasche zu finden. Russian River produziert ihr Flaggschiff wahrscheinlich absichtlich in äußerst reduzierten Mengen, um so den Kultstatus um dieses Bier zu pushen.

Glück gehabt in Haight-Ashbury

Als meine Schwester und ich uns Anfang März im Hippie-Viertel von San Francisco umsahen, stießen wir eher zufällig auf diesen Sud mit Legendenstatus. Beim Bummel durch die Stadt kamen wir an einer Kneipe vorbei, und da sprang uns ein Plakat mit einer vielversprechenden Botschaft ins Auge: „Pliny the Elder on draft“. Das war die erste Bekanntschaft mit diesem Bier. Ein weiteres Mal genossen wir das kräftige IPA im Brewpub der Russian River Brauerei in Santa Rosa, wo ich mir auch eine Flasche für eine genauere Verkostung mit nach Hause nahm.

Brewpub von Russian River Brewing in Santa Rosa

Aber was ist denn nun das Besondere an diesem Bier und wie schmeckt es überhaupt? Aromatisiert haben es die Brauer mit sechs Hopfensorten: Amarillo, Cascade, CTZ, Centennial, Simcoe und Warrior. Golden-opal schwimmt es im Glas, ein feinporiger, schneeweißer Schaum liegt oben auf. Das Ale duftet nach weißem Bergpfirsich, Zitrusfrüchten, dezent nach Mango sowie angenehm würzig, harzig und grasig. Auf der Zunge breitet sich eine moderate Kohlensäure aus. Im Geschmack stehen blumige, sowie grasig-würzige Noten im Vordergrund, die sich mit Aromen von Grapefruit vereinen. Im Finish zeichnet sich das Ale mit einer deutlichen Herbe von rund 90 Bittereinheiten ab.

Fazit: Das ist wirklich ein absolut gelungenes Double IPA, keine Frage. Es ist hocharomatisch, perfekt ausbalanciert und sehr gut trinkbar. Allerdings finde ich den Hype um dieses Bier ein wenig übertrieben. Beim ersten Schluck war ich erst einmal verwundert. Die Erwartungshaltung war so hoch, bis ich dann merkte, es ist doch bloß ein sehr, sehr gutes Double IPA. Und ehrlich gesagt, gibt es hierzulande inzwischen auch einige Kreativ-Brauer, die hervorragende DIPAs entwickeln.

Partnerprogramm: Genussfreudiges Top-IPA mit Grünhopfen aus der Hallertau

[Sponsored Post] Seit einigen Jahren legt Braufactum nun schon ihr Flaggschiff-IPA „Progusta“ auch in einer Harvest-Edition vor. Heißt: das Ale wird mit erntefrischen Hopfensorten aus der Hallertau gebraut, die direkt vom Feld kommen. In der 2018er-Version stecken jede Menge feinster Magnum vom Hof Wendl und aromatischer Mittelfrüh vom Hof Kirzinger. Für das fruchtige Aroma packt das Team um Marc Rauschmann noch eine ganze Schippe amerikanischen Citra mit in den Kessel zum kalthopfen.

Die Farbe erinnert schon fast an einen Sonnenuntergang, wie man ihn im Hopfenhimmel oberhalb duftender Felder vom Kirzinger Hof erleben kann. Ein stabiler, cremefarbener Schaum vollendet die Optik. Das 6,8-prozentige Grünhopfen-IPA duftet fruchtig-süß mit Anklängen von Litschi und Zitrusfrüchten. Auf der Zunge zeigt sich ein angenehmer, vollmundiger, dezent süßlicher Malzkörper, der von den Hopfenaromen begleitet wird. Noten von gelben Steinfrüchten, Orange und Litschi stehen deutlich im Vordergrund. Im Finish präsentiert sich eine sanfte Herbe, die das IPA abrundet.

Fazit: Wow, da ist Braufactum wieder ein Meisterstück gelungen. Die Aromen sind super aufeinander abgestimmt und machen den Trunk absolut rund. Macht wirklich Spaß dieses IPA zu genießen. Die anderen Jahrgänge haben mich auch begeistert, aber meiner Meinung nach toppt das 18er die anderen noch um ein paar Genusspunkte.