Hoppebräu und Yankee & Kraut: Hopfenlust mit Hefepower

Wenn sich zwei Topmarken zusammentun, kann eigentlich nur ein gutes Bier bei rauskommen. Heute morgen war ich bei Hoppebräu in Waakirchen, wo Brauereichef Markus mit Max und Bryan von Yankee & Kraut aus Ingolstadt dessen Freundschaftssud in Dosen abgefüllt haben. Bei dem Collab handelt es sich um ein siebenprozentiges „Kveik NEIPA“ namens „Døgn“, das mit norwegischer Hornindal Kveik-Hefe bei 40 Grad vergoren und ausschließlich mit Simcoe-Hopfen gestopft ist.

Im Glas präsentiert sich das trübe New England IPA in einem saftigen Gelborange und mit einer feinporigen, fast schon sahnigen, schneeweißen Schaumhaube. In die Nase strömen sofort superfruchtige Noten von Ananas, Weinbergpfirsich und Grapefruit. Über die Lippen fließt das Bier mit einer zarten Säure, die gleich in das Aromaspiel aus von frischer Ananas, Maracuja, Grapefruit und einer gewissen Würze übergeht. Dazu gesellt sich ein sanft süßlicher Touch von Dosenpfirsichen. Die Kohlensäure zeigt sich moderat, ist aber perfekt eingebunden. Im Finish zeigt sich noch eine zurückhaltende Bittere, bis sich das NEIPA staubtrocken verabschiedet und gleich animiert, den nächsten Schluck zu nehmen.

Fazit: Mit diesem Collab haben die Macher mal wieder ihr ganzes Können bewiesen. Ein echt gelungenes, rundes Bier, dass zeigt, welche Aromen auch durch den Einsatz spezieller Hefen erzielt werden können und wie diese sich mit dem Hopfen zu einer außergewöhnlichen Fruchtbombe paaren lassen. Trotz sieben Umdrehungen bringt „Døgn“ eine grandiose Trinkfreude mit sich. Absolute Probierempfehlung!

Brewheart: Exotik-Drink für laue Sommerabende

Wer noch einen fruchtigen Sommerdrink für das kommende Wochenende sucht, sollte mal bei den neuen Suden von Brewheart aus Otterfing bei München stöbern. Gerade erst machte ich mir eine Dose des 8,2-prozentigen Double Dry Hopped Double IPA namens „Beer Gees“ auf. Gebraut haben Andi und Roland es mit einer ordentlichen Portion Bru-1, Citra und El Dorado.

Gelborange fließt das IPA ins Glas, ein feinporiger, cremefarbener Schaum toppt das attraktive Gesamtbild. In die Nase steigt ein tropisches Feuerwerk aus Zitrusfrüchten, Mango und Ananas. Hinzu gesellt sich ein sahniger Touch und Noten von Aprikose, Pfirsich und selbstgekochter Erdbeermarmelade. Im Antrunk zeigt sich „Beer Gees“ samtig-weich, bis sich auf der Zunge eine eher zurückhaltende Kohlensäure ausbreitet. Auch im Geschmack dringen gleich die Hopfennoten durch. Es trifft reife Ananas auf Zitrusfrüchte, Pfirsich, Multivitamin und etwas Beeriges. Untermauert wird das Aromaspiel durch ein angenehmes Malzbett und eine sehr sanfte Herbe im sehr langen Abgang.

Fazit: Das ideale Bier für einen sonnigen Tag oder einen langen lauen Sommerabend. Die Aromatik ist schön ausbalanciert und macht enorm Spaß im Duft und auf der Zunge. Trotz acht Umdrehungen präsentiert sich das IPA mit einer hohen Trinkfreude. Für noch mehr Frischecharakter hätte ich mir allerdings etwas mehr Kohlensäure gewünscht.

Frau Gruber: Ein Gedicht aus Mosaic

Zugegeben, manchmal kommt man bei den vielen neuen Bieren von Frau Gruber aus dem bayerischen Gundelfingen gar nicht mehr richtig hinter her. Gefühlt bringen Enzo und Matthias jede Woche eine nagelneue Sorte auf den Markt. Mein Favorit aus den vergangenen Wochen ist jedenfalls das 6,8-prozentige „Purple Haze“. Ein Double Dry Hopped IPA mit Mosaic BBC, Mosaic Incognito und Mosaic T90 sowie Steffi-Malz aus 100 Prozent eigenem Anbau.

Schon beim Einschenken schwirren fruchtige Noten aus dem Glas. Die gelborange Optik mit schneeweißem Schaum regt sofort den Appetit an. In die Nase schießen köstliche Aromen des Hopfens: Maracuja, Ananas, Mandarine, Mango und ein wenig Gras. Cremig-weich fließt das IPA über die Lippen, bis es sich mit einer moderaten Kohlensäure und exotischen Tönen von Ananas und Maracuja sowie Noten von reifen gelben Steinfrüchten und Limone ausbreitet. Eine sanfte Würze und etwas Grasiges gesellen sich zum Gesamtbild hinzu. Abgerundet wird das Bier durch eine wunderbar eingebundene Bittere.

Fazit: Die Biere von Frau Gruber enttäuschen eigentlich nie, denn hier zeigt sich wahre Kreativität. „Purple Haze“ brilliert neben seinen perfekten Mosaic-Aromen auch durch eine hohe Trinkfreude. Locker könnten man davon noch ein paar Dosen mehr genießen, denn die fast sieben Umdrehungen merkt man erst später. Für mich ein Bier, das jetzt regelmäßig in meinem Kühlschrank auf besondere Anlässe wartet.

Yankee & Kraut: Geschmackswumme aus dem Lockdown

Die Corona-Krise bringt nicht nur Negatives mit sich. In dieser Zeit entstehen auch richtig coole Biere. Ein absolutes must-have ist der neue Sud von Yankee & Kraut aus Ingolstadt, den Bryan und Max gerade erst auf den Markt brachten. Bei dem Prachtstück handelt es sich um ein 6,4-prozentiges Double Dry Hopped IPA namens „Straight outta Lockdown“, welches die Kreativlinge mit einer ordentlichen Portion Simcoe-, Motueka- und Azacca-Hopfen ansetzten. Allein schon wegen dem Namen küre ich den Sud zum Craft-Bier des Monats – aber auch der Geschmack ist sensationell.

Schon nach dem Öffnen der Dose zischen gleich mal fruchtige Noten hervor. Goldfarben und mit fein-mittelporigem Schaum fließt das naturtrübe Bier ins Glas. Aromen von Birne, Orange, Pfirsich und Mango strömen in die Nase. Ergänzt wird das Bukett durch einen würzigen Touch. Auf der Zunge weitet sich der Fruchtcocktail erfrischend aus. Noten von reifer Birne, Mandarine, Mirabelle und Limone vereinen sich mit einem angenehmen Malzbett und einer sanften Säure. Im Nachgang verabschiedet sich das Bier mit einer schmeichelnden Herbe und einem Aromaspiel, das zum nächsten Schluck animiert.

Fazit: Das IPA kann sich definitiv sehen lassen. Das fruchtige Aromaspiel vom Hopfen ist perfekt ausbalanciert und machte richtig Freude beim Genießen. Vorsicht: Trotz 6,4 Umdrehungen ist das Bier mega-süffig!

BlechBrut: Systemrelevante Fruchtbombe

Bier ist definitiv systemrelevant. Deswegen nannte Benedikt von BlechBrut aus Bamberg eines seiner neuesten Abfüllungen auch gleich mal so. Beim „Systemrelevant“ handelt es sich um ein IPA mit 6,9 Umdrehungen, das der Franke mit den Hopfensorten Palisade, Sabro, Azacca und Citra braute.

Das IPA schwimmt in einem attraktiven Gelborange im Glas, der Schaum zeigt sich feinporig und stabil. Ein Bukett aus Nektarine, Limone, Kumquats, Ananas und Kokosnuss verführt die Nase. Vollmundig-cremig fließt das Ale über die Lippen. Ein Aroma von gelben Steinfrüchten, Ananas, zarte Kokosnuss und eine gewisse Würzigkeit sowie ein sanft erdiger Touch bilden das Geschmacksbild. Eine wahrnehmbare, aber sehr ausbalancierte Herbe runden das fränkische Bier ab.

Fazit: Ein richtig geiles IPA, das mal mit ganz anderen Fruchtaromen überrascht. Ein Muss für alle Hopfenfans und die, die es noch werden wollen. Grill an, Dose auf und genießen!

Dry & Bitter und Good Guys Brew: Neuseeländischer Sommerdrink aus Skandinavien

Skandinavien zählt zu den spannendsten Craft-Bierregionen der Welt. Kürzlich hatte ich einen Kollaborationssud von Dry & Bitter aus dem dänischen Gørløse und Good Guys Brew aus Karlstad in Schweden im Glas. Wer sich das Sortiment der beiden Marken ansieht, merkt sofort, dass bei der Zusammenarbeit geballte Kreativität aufeinandertrifft. So handelt es sich bei „Balancing Pact” um ein siebenprozentiges New Zealand IPA mit wirklich spannenden neuseeländischen Hopfensorten: Waimea, Waiiti, Rakau, Motueka und Nelson Sauvin.

Orangegelb leuchtet das Bier durchs Glas, der Schaum thront feinporig und schneeweiß oben drauf. Schon beim Einschenken schießen tropische Noten in die Nase. Das Bukett präsentiert einen verführerischen Obstkorb aus Papaya, reife Mango, Maracuja, Ananas, Zitrus und Feige. Prickelnd-frisch rinnt das IPA über die Lippen, während sich im Mundraum ein fruchtiger Cocktail ausbreitet. Auch auf der Zunge zeigen die neuseeländischen Hopfensorten ihre Power, die von einem angenehmen Malzbett unterlegt sind. Im Finish bleiben die fruchtigen Noten mit einer harmonischen Herbe noch lange zurück.

Fazit: Ein wahnsinnig spannendes Bier, das die Kraft und Aromatik der Hopfen vom anderen Ende der Welt präsentiert. Der perfekte Sommerdrink!

Orca Brau: Nippon-Sonnenschein aus dem Frankenland

Felix vom Endt von Orca Brau aus Nürnberg zaubert mit seinem neuen Milkshake IPA „Ukiyo“ schon den Sommer ins Glas. Bei dem Trunk handelt es sich um ein 7,2-prozentiges Ale, das der Franke mit Laktose, Mango und Maracuja braut. Neben alternativen Zutaten steckt noch jede Menge Citra- und Amarillo-Hopfen im Sud. Der Name stammt übrigens aus dem Japanischen und bedeuten so viel wie „fließende Welt“. In der Nippon-Philosophie ist damit gemeint, dass man einfach jeden Moment leben soll – in diesem Fall wohl mit dem „Ukiyo“-Bier.

Gesagt, getan: Schenkt man das Bier ins Glas, geht wahrlich die Sonne auf. Ein schneeweißer Schaum thront zurückhaltend oben drauf. Das Milkshake IPA katapultiert eine tropische Fruchtbombe in die Nase. Auf der Zunge zeigt sich eine sanfte Säure, die sich mit fruchtigen Noten der eingesetzten Früchte und den Zitrustönen des Hopfens vereint. Die Laktose sorgt für einen zart milchigen Touch, der der IPA-Spielart alle Ehre macht. Eine sanfte Herbe hält sich im Finish dezent am Gaumen.

Fazit: Ein perfektes Sonnenscheinbier! Was aufs Erste vielleicht ziemlich wuchtig klingt, ist ein hocharomatisches Bier, das durch seine Zutaten und den höheren Alkoholgehalt dennoch seine tolle Trinkbarkeit behält. Nicht nur die Farbe, auch die fruchtigen Aromen bringen sommerliche Gefühle hervor. Also: Bier ins Glas, Sonnenbrille auf und genießen.

Brewdog Overworks: Vielfältige Aromawumme

Nach dem Grillen darf es gern auch mal ein Bier mit richtig Wumms sein. Neulich hatte ich als Digestif das „Brettanarchist Overlord No. 2“ von Brewdog Overworks. Dabei handelt es sich um ein Triple IPA, das mit Citra kaltgehopft und mit 100 Prozent Brettanomyces-Hefe vergoren wurde. Zudem lag der Sud noch ein Jahr in einem Rotweinfass. Ich muss gestehen, das zwölfprozentige Bier hat meine Erwartungen absolut übertroffen.

In einem orangegelben Farbton fließt das IPA ins Glas, ein beigefarbener Schaum liegt oben auf. Das Bukett betört vielfältig. Ein Duft aus getrockneten Aprikosen, Dörrpflaume, Waldhonig und Toffee macht Lust auf den ersten Schluck. Auf die Zunge legt sich vorerst eine gewisse Honigsüße, die sich mit getrockneten Aprikosen und Limonen paart. Das Mundgefühl ist angenehm vollmundig. Zarte Holztöne und eine leichte Würzigkeit ergänzen das Geschmacksbild. Im Finish zeigt sich eine dezente Bitterkeit und der wärmende Alkohol mit ordentlicher Power.

Fazit: Was für eine Aromawumme! „Brettanarchist Overlord No. 2“ ist der perfekte Absacker mit einem spannenden Geschmacksprofil. Die schottischen Brauhunde zeigen mit diesem Trunk mal wieder, dass sie nach wie vor zur Elite der europäischen Craft-Brauereien gehören. Absolute Probierempfehlung.

Wittorfer Brauerei Neumünster: Sommersonne aus der Büchse

Rund 30 Jahre saßen die Neumünsteraner auf dem Trockenen. Doch seit etwa drei Jahren gibt es in der knapp 80.000-Seelen-Stadt endlich wieder eine Brauerei. Die Wittorfer Brauerei Neumünster, um es genau zu sagen. Ich habe mir mal ein paar Sorten bestellt und möchte euch gern eine meiner Favoriten vorstellen. „Treibsand“ heißt das Hazy Juicy Little IPA der Nordlichter. Es besitzt 5,7 Prozent und ist ordentlich gehopft mit Citra und Mosaic.

Schon beim Einschenken geht die Sonne auf. Das Bier strahlt sommerlich in einem satten Gelbton durch das Glas, ein schneeweißer Schaum liegt obenauf. Im Duft zeigen sich Aromen von Mango, Maracuja und Grapefruit. Ich komme mir vor, als würde ich durch eine tropische Obstplantage schlendern. Auf der Zunge breitet sich das Hazy IPA mit einem cremig-weichen Mundgefühl aus. Auch hier zeigen sich die exotischen Fruchtnoten der eingesetzten Hopfensorten. Hinzu kommen ein zarter grasiger und leicht harziger Anklang sowie eine abgerundete Bittere im Finish.

Fazit: Was für ein geiles Bier! Das Little IPA macht einfach Spaß und zaubert gerade bei diesem Corona-Wahnsinn echte Lebensfreude an den Gaumen. Die Gesamtkomposition ist absolut harmonisch. Wenn sich meine aktuellen Biervorräte reduzieren, werde ich ganz sicher noch ein paar Dosen davon bestellen. 

Camba Bavaria & Fat Head’s Brewery: Transatlantischer Sud mit exotischem Gaumenspiel

India Pale Ale zählt zu den vielfältigsten Bierstilen der Welt. Klar, zu den heißesten Trends zählen gerade die hopfigen Spielformen der New England- bzw. der Hazy-IPAs. So ist es neben diesen saftigen Varianten aber auch mal wieder eine angenehme Abwechslung ein American IPA mit 70 Bittereinheiten im Glas zu haben. Gestern probierte ich den neuen siebenprozentigen Gemeinschaftssud „Hop Fusion“, der in Zusammenarbeit mit der Camba Bavaria und der Fat Head’s Brewery aus Cleveland in Ohio entstand. Gebraut haben es die Macher mit drei Top-Hopfensorten: Simcoe, Mosaic und Citra.

Schon beim Einschenken des gelborangen Bieres mit cremefarbener Schaumdecke schwirren fruchtige Noten umher. Hält man das Riechorgan näher in Richtung Sud, so wird es betört von hopfig-grasigen Noten, die von einem Fruchtbukett aus Maracuja und Zitrus untermauert sind. Auf der Zunge zeigt sich „Hop Fusion“ vollmundig mit einem exotischen Geschmacksspiel aus Passionsfrucht, Mango und Citrus. Hinzu kommt ein leicht grasiger Touch. Im Finish bricht eine angenehme Herbe durch.

Fazit: Tolle Aromatik, schöne Herbe und eine hohe Drinkability – was will man mehr. Das American IPA überfordert nicht und passt eigentlich immer, aber perfekt zu scharfen Asia-Gerichten, zum gegrillten Rindersteak als auch zum Feierabendgenuss. Also: Flasche auf und genießen.