Braukunst Live: Topbrauer wollen mit Zaubertrank überraschen

Einige der besten Brauer Deutschlands zauberten gemeinsam einen „streng limitierten Sondersud“: Ein IPA mit knapp sieben Prozent Alkoholgehalt und verschiedenen Hopfensorten aus Neuseeland, USA und Deutschland. Verantwortlich für die angekündigte Hopfenbombe sind Alexander Himburg, Thomas Wachno, Thorsten Schoppe, Fritz Wülfing, Andreas Seufert und Oliver Wesseloh. Eingebraut haben die kreativen Köpfe im BrauKunstKeller im Odenwald. Verkosten können Bierfans das India Pale Ale am Verkostungsstand der Craft-Brauer auf der Braukunst Live vom 21. bis 23. Februar in München im MVG Museum.

Meine Meinung: Ich bin sehr gespannt! Das kann nur etwas ganz Besonderes sein, bei der hochkarätigen Konstellation von Brauern. Vielleicht sieht man sich am Braukunst-Stand…

 

Kreativbrauerei Kehrwieder: Feuchter Traum aus der Oberpfalz

Foto: Mareike Hasenbeck
Foto: Mareike Hasenbeck

Es muss ein Bild für Götter gewesen sein, als die beiden Hamburger Brauer der Kreativbrauerei Kehrwieder diesen September von der Hallertau losfuhren. Ihr Auto stopften sie bis auf den letzten Zentimeter voll mit frischen Hopfen, den sie bei Josef Huber in Oberwangenbach ernteten. Von dort fegten Oliver Wesseloh und Friedrich Matthies über die Autobahn zu ihren Freunden ins oberpfälzische Brauhaus Nittenau und warfen den Hopfen unbehandelt und ungetrocknet in die Sudpfanne. Vom Feld bis in den Sud sind keine acht Stunden vergangen. Ergebnis: ein nassgehopftes, superfrisches Pale Ale, ein Jahrgangsbier, mit dem außergewöhnlichen Namen „Feuchter Traum“.

Die Namensidee kam wohl durch die Künstlerin Katja Marx, die mit einem besonderen Geschenk zu Ollis Geburtstag kam: Die Biergöttin Ninkasi auf Schiefer gemalt – und alles passte zusammen, das Bild, der Name und das Bier.

Der fast 5,6-prozentige Traum besitzt eine kupferne Farbe mit feinporigem Schaum. Wuchtig strömt der Geruch des deutschen Cascade Hopfens in die Nase, mit Noten von Waldhonig und Toffee. Im Geschmack erinnert das Bier – wohl durch den Einsatz des Pale-Malzes – etwas an Sahnekaramellbonbons, durch die Kalthopfung allerdings auch hopfig, erfrischend und prickelnd, nicht schwer. Mit 40 IBUs rutscht der feuchte Traum angenehm den Rachen herunter. Ein leckeres und harmonisches Bier mit einem besonderen Schmelz. Ich habe den Rat der Brauer befolgt und das Pale Ale – entsprechend der Jahreszeit – zu einem Grünkohlgericht mit leckeren norddeutschen Bregenwürsten gegessen, die mir meine Großmutter von einem Dorfmetzger in der Nähe von Hannover mitgebracht hat – passt bei einer empfohlenen Trinktemperatur von acht Grad optimal. Dieses limitierte Bier, wird es so bis zur nächsten Hopfenernte nicht mehr geben. Also Leute: schnell noch zugreifen.

Interview: Oliver Wesseloh – Bierenthusiast, Brauer & neuer Sommelierweltmeister

Die 54 besten internationalen Biersommeliers kämpften vergangenes Wochenende in München um den Weltmeistertitel. Nur einer trat nicht mit dem Anspruch an um zu gewinnen – und siegte trotzdem.  Ein Gespräch mit dem frisch gekürten Weltmeister Weiterlesen „Interview: Oliver Wesseloh – Bierenthusiast, Brauer & neuer Sommelierweltmeister“

Das Brauer-Portrait: Olli & Fiete, die Kuckucksbrauer aus dem Norden

Oliver (Olli) Wesseloh, Brauer und Biersommelier, und Friedrich (Fiete) Matthies, Absolvent der Brauerei- und Getränketechnologie waren viel unterwegs in den letzten Jahren. Sie sahen sich in der neuen Welt der Craftbiere um, fuhren durch die USA, besuchten die Karibik, um bei der Rückkehr in ihre Heimatstadt Hamburg eine eigene Kreativbrauerei zu gründen.

So leicht war das für die beiden Nordlichter allerdings nicht. Die Suche nach einem geeigneten Standort zog sich immer weiter hin und die Sehnsucht nach dem eigenen Bier, wie sie selber sagen, wurde immer mächtiger. Also entschlossen sich der 40-jährige Olli und der 26-jährige Fiete zum Brauen in Kooperation mit befreundeten Brauereien. Zum Beispiel im FANØ BRYGHUS in Dänemark.

Im Herbst 2012 gründeten sie die Kreativbrauerei Kehrwieder. Eine stillgelegte Brauerei aufzukaufen sei zu teuer. Also schweißten sie Milchtanks selbst zusammen und funktionierten sie um: Am Boden der Bottiche steckt nun anstatt einer Kühlung ein Heizelement. Die Eigenkreation steht bislang noch ungenutzt in einer Garage von Freunden. Seit einem Jahr suchen die beiden Brauer eine Halle, in der sie sich weiter verwirklichen können – vielleicht kennt jemand eine passende Lokation.

Foto: Kreativbrauerei Kehrwieder
Foto: Kreativbrauerei Kehrwieder

Das Brauer-Portrait – 7 Fragen an Oliver Wesseloh und Friedrich Matthies

1. Wann und wie tranken Sie ihr erstes Bier?

Olli:

Das war mit Sicherheit ein norddeutsches Pils, von dem ich offensichtlich damals schon nicht allzu beeindruckt war, da es keine bleibenden Eindrücke hinterlassen hat.

Fiete:

Das ist schon lange her, deswegen geht es mir da ähnlich wie Olli. Aber eines der ersten Biere trank ich im Apfelbaum bei einem meiner besten Freunde. Wir waren noch sehr jung.

2. Wann und warum haben Sie sich für den Brauerberuf entschieden?

Olli:

Die Idee entstand 1991 nach einem Schüleraustausch mit kanadischen Kollegen. Erst waren die Kanadier bei uns. Als wir sie vom Flughafen abgeholt haben, fragte ich, ob sie etwas Besonderes machen wollen. Antwort: Reeperbahn sehen und deutsches Bier trinken. Den Wunsch haben wir ihnen gerne erfüllt. Von da an haben die Kanadier jeden Abend in einer Kneipe verbracht. Als wir dann schließlich in Toronto ankamen sind wir auch gleich in eine Bar gegangen, wo es „The Labatt’s Blue“ gab. Welches von den Kanadiern mit „it’s pisswater, isn’t is?“ kommentiert wurde. Während der ganzen Zeit in Toronto schwärmte jeder von deutschem Bier, als sie mitbekamen, dass ich Deutscher bin. Diese Eindrücke resultierten schnell in die Idee in Kanada deutsches Bier zu brauen. (damals war ich noch jung und wusste es nicht besser;)

Fiete:

Ich musste mir mit 15 ein Schulpraktikumsplatz suchen und da ich keine Lust auf einen 08/15 Beruf hatte, habe ich lange überlegt, bis mein Vater mir von unsern Dortmunder Vorfahren und dessen Brauerei erzählte, die es da aber leider schon lange nicht mehr gab. Naja, dann machte ich Praktikum bei der Holsten Brauerei und mir war klar was ich werden will.

3. Auf welches Bier sind Sie besonders stolz und warum?

Olli und Fiete:

Definitiv unser erstes Bier. PROTOTYP! Ein kalt gehopftes starkes Lager. Wir haben uns gegen den Trend entschieden mit einem Ale anzufangen und haben bewiesen, dass Lager mehr kann als man bisher in Deutschland annehmen musste.

4. Was macht für Sie ein wirklich gutes Spezialitätenbier aus?

Olli und Fiete:

Es sollten ausgetretene Pfade verlassen werden. In dem Bier muss etwas zu entdecken sein, es muss etwas ganz Eigenes haben und bei jedem weiteren Schluck müssen sich mehr bzw. neue Nuancen auftun. Ekstase für die Sinne!

5. Was sind Ihre Lieblingshopfensorten?

Olli:

Saazer, Cascade, Simcoe und Amarillo

Fiete:

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zum einen gibt es so viele Hopfensorten, die ich noch nicht probiert habe und zum anderen kommt es natürlich auf das Bier an dem ich den Hopfen zugebe. Aber bis jetzt sind auf jeden Fall Simcoe, Saazer, Tettnanger und Amarillo vorne mit dabei.

6. Was ist für Sie der schönste Ort der Welt?

Olli:

Elbstrand Hamburg!

Fiete:

Naja für ein Hamburger gibt es ja keine große Auswahl 🙂 . Obwohl ich sehr gerne reise freue ich mich immer wieder auf Hamburg!

7. Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Olli:

Weiterhin spannende Biere zu brauen. Ein Teil derer zu sein, die den deutschen die Biervielfalt allgemein schmackhaft machen. Zu guter letzt unsere Brauerei an den Punkt zu bringen, dass wir davon leben können und ich trotzdem genug Zeit für meine Familie habe.

Fiete:

Olli hat schon sehr schöne Ziele genannt, die ich mit Sicherheit auch sehr gerne erreichen möchte! Und ob man dann, wenn man sich einige Craft Brewer in den USA anguckt, von Zielen oder Träumen sprechen muss wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Aber so eine Brennstoffzelle für die Brauerei oder ein eigener Hopfengarten wären schon schön.

Shipac IPA: Lust auf Karibikfeeling

Foto: Mareike Hasenbeck
Foto: Mareike Hasenbeck

Das IPA, das die beiden nordischen Jungbrauer Olli Wesseloh und Fiete Matthies im dänischen FANØ BRYGHUS gebraut haben, ist schon eine besondere Erwähnung wert. Shipac heißt die Zauberdroge aus reinem Cascade-Hopfen und Wiener Malz, mit denen die beiden Hamburger auf einen Alkoholgehalt von 7,5 Prozent kommen und eine Stammwürze von 16,8 Prozent und einen Bitterwert von 65 IBU erzeugten.

Die beiden Brauer haben sich in den letzten Jahren in der Welt der Craftbiere umgesehen. Reisten durch die USA, streiften durch die Karibik und verbrachten einige Zeit auf Menorca. In diese sonnigen Zonen, wo der Durst ein täglicher Begleiter ist, reifte wohl die Idee, in Hamburg die eigene Kreativbrauerei zu gründen, die sie nach ihrer Rückkehr in die Hansestadt dann auch „Kehrwieder“ nannten.

Das Shipac ist jetzt das zweite IPA, das aus der jungen Initiative entstanden ist. Man muss dieses Ale relativ kühl trinken, am besten macht sich die Frische bei acht Grad bemerkbar. Im Glas macht dieses Bier gleich Appetit. Dazu trägt sicherlich auch die Farbspiegelung bei – irgendwo zwischen Rotgold und Bernstein – sowie die gletscherweiße Schaumkrone. Im Duft macht sich der Cascade-Hopfen klassisch durch seine Zitrus-Aromen bemerkbar, der an Sonnenuntergänge in der Karibik erinnert. Zurück bleibt aber ein leicht harziger Eindruck, der das Gesamtbild etwas stört. Vielleicht ist es das Wiener Malz, das hier etwas zu körperreich in Erscheinung tritt. Im Mund überzeugt eine seidig moussierende Struktur, die von einer angenehmen Bitterkeit umspielt wird.

Es ist erstaunlich, was die beiden Brauer allein aus dem Cascade-Hopfen herausholten, aber eine kreative IPA-Mixtur mit verschiedenen Hopfensorten sollten sich die Hamburger zusätzlich noch in ihr Pflichtenheft schreiben. Aber nachdem, was Olli und Fiete mit ihren ersten Ale-Kreationen auf die Theke stellten, dürfte man in der Zukunft noch einiges von diesem Team erwarten.