Kommentar: Vom Selbstbild der Brauer

beer-bottles-797992_1280Aufmerksamkeit ist die härteste Währung in neu entstehenden Märkten. Diese Faustregel gilt auch für die noch junge Craft-Bierbranche, die sich gerade anstrengt uraltes Terrain mit ungewöhnlichen Hopfensäften neu zu definieren. Ihr Selbstbildnis: Kreativ, modern, originell und revolutionär. Dieses Image aber ist nicht immer stimmig. Es gibt viele Brauer, die zwar hervorragende Biere aus dem Kessel zaubern, diese aber mit eher trauriger Optik ins Regal stellen.

Meine Kritik gilt vor allem den Etiketten, die eigentlich das Aushängeschild für jeden Craft-Zauberer sein sollten. Wenn schon auf den Flaschen nur Langeweile und Tristesse geboten wird, dürfte sich wohl kaum ein Kunde vom Inhalt verführen lassen. Die Optik –  das wird leider häufig unterschätzt –  ist für eine Kreativbranche ein extrem wichtiges Element um Interesse beim Konsumenten zu wecken. Und außerdem weiß doch jeder: Das Auge trinkt mit.

Aber was sollte so manche Brauwerkstatt besser machen? Etiketten müssen Inhalt, Herkunft, Leidenschaft und den kreativen Charakter des Bieres repräsentieren. Spannende Drinks brauchen auch einen spannenden Auftritt. Eine emotionale Präsentation regt die Fantasie an und steigert die Spannung auf den Inhalt. Man muss es ja nicht gleich so weit treiben wie der bayerische Weißbierproduzent Georg Schneider, der mit künstlerischem Einsatz seine eigenen Etiketten malt.

Für alle anderen Brauer gilt, bei der Wahl des Außenauftritts wirklich echte Profis zu beauftragen und nicht den Werbe-Fuzzi aus dem Nachbardorf. Sonst kann das auch schon mal zu traurigen Entgleisungen führen. So jüngst geschehen bei der Röhrl Brauerei im bayerischen Straubing, die mit ihrer „Grenzzaun Halbe“ auf die aktuelle Flüchtlingskrise hinweisen wollte und das Haltbarkeitsdatum – ob bewusst oder unbewusst – sogar noch auf den Jahrestag der Reichspogromnacht legte. Nach so viel haarsträubenden Unsinn mussten die Straubinger das Bier schließlich vom Markt nehmen.

Aber es geht nicht allein um geschmackloses Flaschendesign oder hausbackene Optik. Wer sich für Kreativbiere interessiert, will auch wissen, was in der Flasche ist. Wahren Craft-Bierfans ist – neben allen gesetzlichen Angaben – vielmehr wichtig, welche Malz- und Hopfensorten verbraut wurden, wieviel Stammwürze und wieviel IBUs die Kreation erzielt. Damit werden schließlich keine Staatsgeheimnisse verraten, weil allein die Mixtur entscheidet. Solche Informationen aber regen zu Diskussionen an und machen neugierig auf den ersten Schluck – noch bevor er genussvoll die Kehle herunterrinnt.

Mein Kommentar erschien auch in „Hasenbeck’s Bierwelt“ im CRAFT Magazin.

Kommentar: Treibjagd auf junge US-Craftbrauer

Manche Nachrichten übergeht man und lässt sie im Tagesgeschehen unbemerkt versickern. In einer kurzen Meldung las ich vergangene Woche, dass der Brauriese Anheuser Busch InBev, größter Bierkonzern der Welt, in den USA jetzt eine Treibjagd auf Craft-Brauer eröffnet hat. Wettbewerbshüter werfen dem Budweiser-Hersteller vor, mit hinterhältigen Rabattaktionen den Verkauf von Bieren aus sogenannten Mikrobrauereien zu behindern. Auch der Branchenprimus spürt inzwischen wohl, dass der Absatz bei industriell produzierten Bieren durch die wachsende Craftbeer–Konkurrenz kontinuierlich in den Keller geht. Die Gegenreaktion lässt nicht lange auf sich warten: Anheuser Busch belohnt jetzt angeblich Großhändler mit Nachlässen, wenn sie den Verkaufsanteil ihrer Marken auf Kosten kleinerer Konkurrenten erhöhten. Diese Attacke muss kommentiert werden.

Dass ein Braugigant so reagiert, ist im Kern eigentlich ein gutes Zeichen. Aufstrebende Craft-Brauer, die angesichts geringer Produktionsmengen lange Zeit belächelt wurden, werden plötzlich ernst genommen. Man kann nur schmunzeln, dass ein Riese wie Anheuser Busch plötzlich spüren muss, dass ihm kleine Kreativbrauereien immer weiter auf die Pelle rücken, weil deren Biere offensichtlich beim Konsumenten besser ankommen. Fakt ist: Trotz millionenschwerer Werbekampagnen und gigantischer Investitionen in Produktions- und Labortechnik bei den Großproduzenten, nehmen die Marktanteile der Micro-Brewer kontinuierlich zu. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob Rabattaktionen dazu führen, dass eine wachsende Gemeinde von Genusstrinkern ihren Geschmack umstellt und zum Billigbier greift.

Auch wenn viele Vertreter von Großbrauereien, die rasante Entwicklung in der Craft-Szene gern herunterspielen, so zeigen die Reaktionen in den USA doch, dass wohl auch eine gewisse Furcht mitspielt, die Konsumenten könnten weiter den Gefallen an ihren Bieren verlieren.  Erfreulicher als die US-Attacken von Anheuser ist da wohl der eingeschlagene Weg einiger deutscher Großbrauereien. Sie haben bereits die Zeichen der Zeit erkannt und zeigen mit ihren Kreativ-Ablegern gerade auf, wie sie ein Stück des Mainstreams verlassen und klug in neue, spannende Bierstile investieren.

Es ist nicht zu übersehen, dass sich der Markt derzeit rasant verändert und selbst in konservativen Landbrauereien die Rezepte längst vergessener Biersorten wieder aus der Schublade gekramt werden. Klar ist: Die Craft-Brauer haben eine ganze Branche wachgeküsst, die Jahrzehnte lang im Dornröschenschlaf verharrte und dazu beitrug, dass der Bierkonsum von Jahr zu Jahr weiter absackte. Nach langer Zeit des Schweigens wird nun auch hierzulande wieder über Bier gesprochen, diskutiert und debattiert wird. Und das ist gut so!

Kommentar: Der absolute Schwachsinn im Netz

Selten so einen Schwachsinn über Craft-Biere gelesen, wie den heutigen Online-Eintrag der Süddeutschen Zeitung. Dort kritisiert eine in San Francisco ansässige Autorin „die amerikanische Bierkultur, die sich so stark von der heimatlich-bayerischen unterscheidet“. In der Craft-Bierszene bekannte Produktnamen wie „Pliny the Elder“, „Hammerhead“, „Juego Con Fuego“ oder „Death and Taxes“ vergleicht die Dame mit „drittklassigen Western“. Diese Biere – neben 43 weiteren internationalen Spezialitäten -schenkt „The Toronado Pub“, eine der besten Kneipen der Stadt direkt in ihrer Straße aus – welch ein Skandal!!!

Dem Kneipier kann man zu Auswahl und Vielfalt seines Angebots nur gratulieren. Allerdings bemängelt die Autorin der Bierstory, dass bei diesen Bieren kein einziges dabei ist, was ihr schmeckt, nämlich so “wie ein bayerisches Helles“. Originalzitat: „An das Gebräu, das sie hier Bier nennen, kann ich mich als Bayerin nur schwer gewöhnen.“ Sie sei „nun mal groß geworden mit Bier, das nach dem Reinheitsgebot gebraut und weltweit gelobt wird“. Und dann hat Frau Wild auch noch herausgefunden, dass es ihr „im Übrigen mittels einer nichtrepräsentativen Umfrage unter befreundeten Exildeutschen aus Hamburg, Hessen und Sachsen“ mit dem amerikanischen Bier ähnlich ergeht wie ihr. Oh Gott, oh Gott! Vielleicht sollte Beate Wild mit ihren deutschen Freunden anstatt Bier lieber Coca Cola saufen, denn dieser Geschmack dürfte ihr – neben den bayerischen Allerweltsbieren – wahrscheinlich eher bekannt sein, als ein richtig gutes amerikanisches West-Coast Ale…

Mein Kommentar: Wie kann eine so seriöse Tageszeitung wie die Süddeutsche die Veröffentlichung eines solchen Unsinns nur zulassen…

 

Kommentar: Furcht vor Edelbier mit Bilsenkraut und Bullenblut

Die Huffington Post bat mich um einen Kommentar zur Online-Debatte über den Einstieg der amerikanischen Stone Brewery in den deutschen Markt und die für manche damit verbundene Frage nach dem Reinheitsgebot. Einige hetzen im Netz über US-Craft-Biere mit Worten wie „Plörre, die keiner braucht“. Meine Meinung dazu findet ihr hier.
Freue mich, wenn ihr mich bei fiesen Kommentaren der Massenbiertrinker unterstützt.