New Beer Generation: Tropischer Traum mit Galaxy-Explosionen

1457463402734Es war der letzte Stand auf der Braukunst Live, an dem wir vorbei kamen. Die Brauer durften schon nichts mehr ausschenken. Ich wollte aber unbedingt noch das „Hop Burst Interstellar IPA“ von der New Beer Generation aus Nürnberg probieren. Da am Stand nichts mehr ging, schenkten uns Mark Zunkel und sein Kollege zwei Flaschen für den Nachhauseweg. Danke nochmals dafür! Zum Glück haben meine Schwester und ich sie aber nicht nach fünf Stunden Bierkonsum geöffnet. Die Überraschung war einige Tage später kürzlich umso größer.

Das IPA glitzert bernsteinfarben im Glas. Ein feinporiger, cremiger und schneeweißer Schaum macht das Gesamtbild des 5,6-prozentigen Ales wohl perfekt. Schon gleich nach dem Einschenken schwirren herrliche Aromen des verwendeten Galaxy Hopfens umher. Tropische Früchte wie Grapefruit und Maracuja verwöhnen die Nase. Bereits im Duft merkt man, dass hier eine gigantische Dosis des grünen Goldes drin sein muss. Im Mund geht das tropische Geschmacksspiel weiter. Und vor allem bleibt nach dem schön bitteren Finish das Bier noch sehr lange im Mundraum.

Fazit: Wow! Ein ganz wunderbares India Pale Ale – nicht zu schwer, dafür wundervoll hopfig – eine Komposition, wie ich sie am liebsten mag. Diese tropischen Aromen des Galaxy Hopfens sind wirklich ein Traum und hier in einer tollen Malzkomposition mit einer feinen Bittere vereint. Kein komplizierter Drink, sondern vielmehr ein Genuss für alle Tage

Hopferei Hertrich: Hopfentiger gegen Massenbierhaltung

1457095347747Ich muss zugeben, je mehr IPAs ich trinke, umso mehr wächst der Anspruch. Kürzlich hielt ich den „Veto – Hopfentiger“ von der fränkischen Hopferei Hertrich in den Händen. Manch einer wird denken „schon wieder ein IPA…“ von einer neuen Brauerei. Aber schon die optische Aufmachung fand ich ziemlich ansprechend.

Im Glas leuchtet das Ale in einem goldenen Orangeton. Nach Meinung der Brauer soll das an die Fellfarbe der majestätischen Raubkatze erinnern. Aromen der verwendeten Hopfensorten Cascade, Centennial, Chinook und Columbus verwöhnen auch gleich die Nase. Ein Hauch von tropischen Früchten, dazu frische Noten von Pfirsich und Aprikose spielen mit einer dezenten Grasigkeit. Auf der Zunge tummeln sich die gleichen Aromen, werden aber durch Zitrusnuancen wie Grapefruit und einem leichten Touch von Waldbeeren ergänzt. Ein vollmundig-seidiges Mundgefühl komplementiert den Genuss des 7,5-prozentigen Crafts. Im Finish verabschiedete sich das Ale mit 55 unaufdringlichen Bittereinheiten. Die Fruchtigkeit bleibt noch eine Weile am Gaumen hängen.

Fazit: Mit dem Hopfentiger hat das fränkische Biersommelier-Team – mit weiblicher Unterstützung – wirklich ein köstliches India Pale Ale entwickelt. Vor allem wirkt es mit den fast acht Prozent nicht zu schwer. Die Aromen sind nicht zu überladen, was das Bier zu einem echten Genuss auch für den Alltag macht und zu einem Highlight für nächtelanges Chillen.

Hanscraft & Co. „Saison Julie“: Ein Farmhouse für die Freundin

Saison Julie - Hanscraft & Co.
Saison Julie – Hanscraft & Co.

Was ein kleiner Liebesbeweis an seine Freundin werden sollte, ist zu einem ganz außergewöhnlichen Bier herangereift. Julie ist die Freundin von Christian Hans Müller und dieses neue Farmhouse Ale ist ihr Lieblingsstil. Was blieb dem Aschaffenburger Brauer der Hanscraft & Co. schließlich anderes übrig, als ein Bier zu brauen, wie sie es gerne haben wollte.

Aber dieses 6-prozentige Sommerbier, das Christian Hans Müller mit Chinook und Sorachi Ace ansetzte, trinkt Julie natürlich nicht allein. Damit dürfte Hanscraft auch viele Hop-Fans beglücken. Die aus dem Chinook entstehenden Aromen von Grapefruit, Limone und Pinie paaren sich äußerst harmonisch mit dem Bukett von Kokosnuss aus dem Sorachi Ace. Allein ein Blick auf das sonnengelbe Farbspiel im Glas macht schon Appetit auf die nächste Flasche. Der Chinook gibt dem Sud noch eine angenehme Bitter mit auf den Weg.

Im Geschmack überzeugt der Sorachi Hopfen total und zeigt all seine Stärken: Spritzig, frisch, dazu eine überzeugende Harmonie aus dezent säuerlichen, weinigen Noten mit einer leichter Dominanz von Grapefruit und Limone, an dessen Ende aber auch die Kokosaromen durchdringen. Er setzt diesem Saison seine Krone auf. Der ursprünglich in Japan gezüchtete Hopfen (eine Kreuzung aus Brewers Gold und Saazer) gehört inzwischen zu den gesuchtesten Bierrohstoffen der Welt.

Fazit: Nach dem genialen „Backbone Splitter” und dem „Black Nizza“ zeigt Christian Hans Müller erneut sein Können und den Mut zu ungewöhnlichen Hopfenkombinationen. Kompliment für dieses richtig tolle Farmhouse-Bier.

Kehrwieder Kreativbrauerei: „Azacca“ – Göttertrunk mit Karibikflair

Kehrwieder Kreativbrauerei - Azacca
Kehrwieder Kreativbrauerei – Azacca

Wenn das Etikett schief auf der Flasche klebt, dann erkennt man, dass wirklich noch mit der Hand gearbeitet wurde. Und ich kann mich noch erinnern, als Oliver Wesseloh, Brauer der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg, einmal sagte, dass man von Craft spricht, wenn jede Flasche die Hand des Brauers berührt hat. So scheint es auch bei seiner neuen Kreation „Azacca“.

Dafür experimentierte der Sommelier Weltmeister für Bier für seine Shipa-Serie wieder mit einer davor kaum bekannten Hopfensorte: „Azacca“. Sie stammt aus den USA und wurde nach einem karibischen Ackergott benannt, der in Haiti angerufen wird, wenn man sich eine gute Ernte wünscht. Angeblich weiß der Inselgeist vor allem die einfachen Genüsse zu schätzen. Aber mit einfachen Gaumenfreuden hat Wesselohs Bier wahrlich nichts zu tun.

Vom Design her dachte ich erst einmal an Jamaica und Reggae, als ich die Flasche in der Hand hielt. Im Glas leuchtet es dann appetitlich in einem warmen Orangeton. Im Duft strömen tropische Früchte wie Mango und Ananas in die Nase, gepaart mit etwas harzig-würzigem und reifen Orangen. Rinnt das 7,5-prozentige IPA erst über die Lippen, dann breitet es sich samtig-weich im Mundraum aus, fast schon cremig. Es schmeckt auch tropisch: Mango und Ananas vermählen sich mit Clementine, Pinienharz und Hopfenwürze. Im Finish können sich Hopheads auf 65 Bittereinheiten freuen, die sich harmonisch mit dem Harz noch länger in der Kehle festkrallen.

Fazit: Ein toller Hopfen, ein tolles Single Hop Ale. Diese tropische Hopfenbombe, macht dem haitischen Ackergeist alle Ehre. Da ist dem Braumeister wieder ein harmonisches, absolut süffiges und leckeres Bier für seine Serie gelungen. Ich hab gleich nochmal 24 Flaschen bestellt. Kompliment!

The Kernel: Tropisches Pale Ale aus der Nebelstadt

The Kernel - Pale Ale
The Kernel – Pale Ale

Das ist ein spannende Idee: The Kernel, eine besonders kreative Craft-Brauerei aus London, experimentiert immer wieder mit ihrem Sortiment. Auf ihrer Website können Genießer verfolgen, welches neue Pale Ale, India Pale Ale oder Porter mit welchen Hopfen- und Malzsorten im kommenden Monat herauskommt.

Ich probierte gestern das Pale Ale mit den leckeren Hopfensorten Columbus und Nelson Sauvin. Glänzend golden verführt das 5,4-prozentige Bier schon in der Optik. Es duftet kräftig nach einem Cocktail von Südfrüchten und einem Hauch von Gras. Im Antrunk schwimmt das Londoner-Craft süßlich-malzig über die Lippen, bis dann die hopfige Fruchtigkeit von Mango, Ananas, Papaya und Sternfrucht mit Nuancen von Limone und Würze am Gaumen explodiert. Die Sorten Columbus und Nelson Sauvin zeigen in diesem Ale ihre ganze Aromenvielfalt. Eine angenehme Bittere finalisiert den Abgang.

Fazit: Mal wieder ein Pale Ale, das mich echt begeistert hat. Es erfrischt, schmeckt tropisch und bringt die Sonne ins Glas. Passt für mich auch mit dem geringen Alkoholanteil ideal zum Sommer – auf der Terrasse als Feierabendgenuss, zum Grillen oder einfach mit Freunden schön gekühlt am See.

Brewdog: Restorative Beverage for Invalids & Convalescents

Brewdogs Hopfenhammer
Brewdogs Hopfenhammer

Wenn ein neues IPA aus der schottischen Hopfenhölle von Brewdog kommt, wartet schon eine ganze Fangemeinde auf den Zaubertrank. Was die Punker aus Ellon in Aberdeenshire diesmal aus dem Sudkessel hexten, ist pure Medizin. Darauf lässt nicht zuletzt auch der ungewöhnliche Name des Bieres schließen: Restorative Beverage for Invalids & Convalescents ist tatsächlich die zarte Umschreibung für ein IPA aus dem medizinischen Lehrbuch des berühmten Medicus Dr. Jonathan Pereira (1804–1853) und heißt ungefähr so viel wie „stärkendes Getränk für Invaliden und Menschen im Genesungsprozess“.

Ob die aufbauende Wirkung im Krankheitsfall tatsächlich funktioniert, kann ich nicht beurteilen. Aber eines ist ganz klar: Brewdogs Invalidenbier ist mit 100 Bittereinheiten ein richtiger Hopfenhammer geworden. Die Mixtur aus Citra, Amarillo und Centennial unterstützt von kraftvollen 7,8 Umdrehungen – zeigt hier ihre volle Durchschlagskraft. Als Malzbeigabe wurde der extrem helle Marris Otter verwendet, der das Ale mit einen blass-goldenen Körper versieht. Unbedarfte könnten glauben, ein leichtes Sommerbier im Glas zu haben. Aber Vorsicht: Dieser Trunk im Stil des 19. Jahrhunderts ist nichts für schwache Gemüter sondern ein Double IPA in seiner reinsten Form, mit brutalen Hopfengeschmack, staubtrocken, ohne jegliche Süße, aber mit höchster Intensität. Im Mund explodieren Zitrusaromen, unterlegt von noch nicht ganz reifen Steinfrüchten und münden in einen sehr langen Abgesang.

Fazit: Diese Brewdog-Medizin ist nichts für Craftbier-Novizen, aber ein Muss für alle echten Hopfen-Aficionados. Ein wirklich extrem bitteres IPA, bei dem man spürt, dass die Schotten hier Berge von Hopfen in den Sud gekippt haben. Mit über sechs Euro im Handel nicht gerade billig, aber irgendwie genial und seinen Preis allemal wert.