Steamworks Brewing: Hopfenfeuer ohne Brandfolgen

IMG_20160831_192450Es ist immer wieder erstaunlich, wie Bier schmecken kann. Auch wenn es nur schlanke 4,4 Prozent Alkohol vorweist. Ich rede hier vom India Session Ale namens „YVR“ aus der kanadischen Steamworks Brauerei in Vancouver, das ich kürzlich mit meiner Schwester genossen habe. Was mich gleich ansprach: Es ist mit einem Hopfentrio von der südlichen Halbkugel gebraut – Galaxy, Orbit und Nelson Sauvin.

Die schöne goldene Farbe bringen vier verschiedene Malze wie Premium 2-Row, Cara 20, Carapils und Münchner ins Glas. Obendrauf sitzt ein schneeweißer, feinporiger Schaum. Schon beim Eingießen betört das fruchtige Bukett das Riechorgan. Hängt die Nase aber erst mal direkt über dem Bier, dann schießt ein tropischer Cocktail empor: Maracuja, Mango, Stachelbeere und Pampelmuse vereinen sich mit einer würzig-grasigen Note. Am Gaumen angekommen, bringt das Session Ale köstliche Erfrischung, bis dann auch im Mundraum die Südfrüchte ihr volles Aroma entfalten. Unterlegt ist „YVR“, dass übrigens der Flughafencode für Vancouver ist, mit einem zarten Malzcharakter. Ich wollte es anfangs gar nicht runterschlucken, weils eine so schöne Aromatik auf der Zunge verbreitet. Aber auf die 40 Bittereinheiten im Finsih wollte ich dann doch nicht verzichten. Und: Nuancen von reifer Aprikose und eine liebevolle Herbe bleiben noch einige Zeit auf der Zunge haften.

Fazit: Wow, über was für eine wunderbare Aromastruktur dieses India Session Ale verfügt. Hier legt Steamworks ein Musterbeispiel vor, das zeigt: wenn die Hopfensorten stimmen, dann braucht man echt nur wenig Alkohol als Befeuerung für den Geschmack. Damit kann man einen ganzen Abend verbringen, ohne ins Straucheln zu geraten. Ich glaube, ich habe mich ein bisschen in dieses Bier verliebt. Probiert es selbst!

Craftwerk Brewing: Session Lager mit neuem Hopfenzauber

CraftwerkBrewingCallistaSeit dieser Brausaison gibt es wieder neue spannende Hopfensorten. Eine davon nennt sich „Callista“. Sie kennzeichnet sich durch längliche und große Dolden. Ihr Aroma: Multivitamin-Cocktail. In der Brauszene heißt es sogar, dass es der deutsche Amarillo werden könnte. Spannend, oder?

Und ich wollte ganz klar wissen, was da so dran ist. Daher probierte ich kürzlich das „Mad Callastia“ mit zarten 3,9 Prozent von Craftwerk Brewing. Das Session Lager des Kreativablegers von Bitburger ist eines der ersten, dass mit der neuen Sorte gebraute wurde. Im Glas strahlt schneeweißer Schaum auf purem Gold. Ein verwobenes Bukett von frischen Aromen der Sternfrucht, Stachelbeere und Limone strömt in das Riechorgan. Der Antrunk ist erfrischend, dezent süß. Am Gaumen schwirren dann komplexe Fruchtnuancen von Aprikose, Zitrusfrüchten und roten Beeren aus. Ein leichter Malzkörper mit einem grasigen Hauch des Hopfens vollenden das Ganze. Im Finish bleibt das Lager sogar noch mit einer dezenten Herbe zurück.

Fazit: Der Hopfen kann was! Ein Session Lager ist ein gutes Beispiel um den Konsumenten die neue Sorte vorzustellen. Trotz der geringen Prozentanzahl zeigt Callista, was sie kann. Wirklich hocharomatisch und komplex. Ich freue mich auf noch weitere Biere mit diesem grünen Gold. Olli Wesseloh von der Kreativbrauerei Kehrwieder hat beispielsweise ein IPA damit gebraut, das muss ich mir holen.

Stone Brewing: Gaumenschmeichler aus der Büchse

IMG_20160622_184159Lange wurden wir darauf heiß gemacht. Jetzt ist es soweit. Die ersten Kreationen der Stone Brewing mit Standort in den USA und Berlin gibt es in Dosen. Angeblich sollen diese Aluminiumbehälter einen optimalen Schutz für das Aroma von Craft-Bier bieten, sie lassen kein Licht rein, das den Geschmack zerstören kann und machen irgendwie schon was her. Das Bauarbeiter-Image beim Büchsenbier ist jedenfalls längst überholt.

Ich habe mir mal das „Stone IPA“ mit 6,9 Prozent aufgemacht. Bei sommerlichen Temperaturen ist allein das Zischgeräusch und das Klacken beim Öffnen der Büchse schon ein toller Effekt. Das Westcoast-Bier ist mit drei amerikanischen Hopfensorten gebraut: Magnum, Chinook und Centennial. Es leuchtet goldfarben im Glas, gekrönt mit einem appetitlichen schneeweißen Schaum. Die Nase wird bedient mit würzigen und grasigen Noten sowie einem Hauch von Zitronenschale. Das Mundgefühl ist erfrischend. Dennoch hat dieses IPA wenig Rezenz, das stört aber nicht. Auf der Zunge zeigen sich Aromen von Zitrone und Pampelmuse, unterlegt mit einem harmonischen Malzkörper. Im Finish geht es schön herb am Gaumen hinunter.

Fazit: Gefällt mir! Zwar hat dieses IPA fast sieben Umdrehungen, dennoch empfinde ich es als ein tolles fruchtig-herbes Craft-Bier für den Sommer – ob als Aperitif, zum Grillen oder einfach als Erfrischung nach einem Arbeitstag. Spannend bleibt allerdings, wie die Preise des Büchsen-IPA im deutschen Markt bei angeblich rund zwei Euro ankommen…

 

Braufactum Harvest Edition: Würziger Sud zum Wikingerfisch

BraufactumHarvestEdition2015
Braufactum – Progusta Harvest Edition 2015

Schon Ende des vergangenen Jahres präsentierte Braufactum die neue „Progusta Harvest Edition 2015“. Da ich aber eine 0,75 Liter Flasche nie allein trinke, wartete ich noch auf den passenden Moment. So schenkte ich es am Sonntag zu einem skandinavischen Skrei-Fischgericht aus, als ein paar gute Freunde zu Besuch kamen. Nur zur Info: Skrei ist ein in arktischen Gewässern gefangener, fettarmer und besonders schmackhafter Winterkabeljau, den schon die Wikinger schätzten.

Seit einigen Spätsommern legt Braufactum ihr Progusta-IPA jede Hopfensaison wieder neu auf – immer mit Grüngoldsorten, die ganz frisch vom Feld in den Sudkessel kommen. 2015 entschied sich die Frankfurter Crew rund um Braufactum-Chef Marc Rauschmann für die Sorten Magnum und Hallertauer Mittelfrüh. Um bei den eher würzigen Dolden noch eine fruchtige Komponente zu erzielen, stopfte das Brauteam den Sud noch mit frischen Citra-Hopfen. Das Ergebnis: Ein bernsteinfarbenes, 6,8-prozentiges Ale, das von einem cremigen Schaum gekrönt ist.

Im Duft zeigt erst mal der Citra-Hopfen sein ganzes Können. Tropische Aromen wirbeln aus dem Glas. Aber auch der Mittelfrüh gesellt sich mit seinen grasigen und kräuterigen Nuancen dazu. Im Mund verbreitete sich die Harvest Edition vollmundig und erzielt angenehm duftende grünhopfige Aromen: herb, würzig, harzig, dazu ein Hauch von Pinie. Leider kommt der Citra nicht ganz so kräftig durch, wie ich ihn am liebsten mag. Im Finish bleibt die Hopfenwürze noch dezent zurück.

Fazit: Ja, es ist ein wunderbares Grünhopfen-Bier, keine Frage. Gut gelungen! Ich mag zwar lieber Hopfensorten, die mit ihren Fruchtnuancen einen exotischen Gesamteindruck vermitteln, aber die Harvest Edition war ein idealer Begleiter zum norwegischen Fisch, der nach einem feinwürzigen Begleiter verlangt. Meine Gäste waren begeistert!

New Beer Generation: Tropischer Traum mit Galaxy-Explosionen

1457463402734Es war der letzte Stand auf der Braukunst Live, an dem wir vorbei kamen. Die Brauer durften schon nichts mehr ausschenken. Ich wollte aber unbedingt noch das „Hop Burst Interstellar IPA“ von der New Beer Generation aus Nürnberg probieren. Da am Stand nichts mehr ging, schenkten uns Mark Zunkel und sein Kollege zwei Flaschen für den Nachhauseweg. Danke nochmals dafür! Zum Glück haben meine Schwester und ich sie aber nicht nach fünf Stunden Bierkonsum geöffnet. Die Überraschung war einige Tage später kürzlich umso größer.

Das IPA glitzert bernsteinfarben im Glas. Ein feinporiger, cremiger und schneeweißer Schaum macht das Gesamtbild des 5,6-prozentigen Ales wohl perfekt. Schon gleich nach dem Einschenken schwirren herrliche Aromen des verwendeten Galaxy Hopfens umher. Tropische Früchte wie Grapefruit und Maracuja verwöhnen die Nase. Bereits im Duft merkt man, dass hier eine gigantische Dosis des grünen Goldes drin sein muss. Im Mund geht das tropische Geschmacksspiel weiter. Und vor allem bleibt nach dem schön bitteren Finish das Bier noch sehr lange im Mundraum.

Fazit: Wow! Ein ganz wunderbares India Pale Ale – nicht zu schwer, dafür wundervoll hopfig – eine Komposition, wie ich sie am liebsten mag. Diese tropischen Aromen des Galaxy Hopfens sind wirklich ein Traum und hier in einer tollen Malzkomposition mit einer feinen Bittere vereint. Kein komplizierter Drink, sondern vielmehr ein Genuss für alle Tage

Hopferei Hertrich: Hopfentiger gegen Massenbierhaltung

1457095347747Ich muss zugeben, je mehr IPAs ich trinke, umso mehr wächst der Anspruch. Kürzlich hielt ich den „Veto – Hopfentiger“ von der fränkischen Hopferei Hertrich in den Händen. Manch einer wird denken „schon wieder ein IPA…“ von einer neuen Brauerei. Aber schon die optische Aufmachung fand ich ziemlich ansprechend.

Im Glas leuchtet das Ale in einem goldenen Orangeton. Nach Meinung der Brauer soll das an die Fellfarbe der majestätischen Raubkatze erinnern. Aromen der verwendeten Hopfensorten Cascade, Centennial, Chinook und Columbus verwöhnen auch gleich die Nase. Ein Hauch von tropischen Früchten, dazu frische Noten von Pfirsich und Aprikose spielen mit einer dezenten Grasigkeit. Auf der Zunge tummeln sich die gleichen Aromen, werden aber durch Zitrusnuancen wie Grapefruit und einem leichten Touch von Waldbeeren ergänzt. Ein vollmundig-seidiges Mundgefühl komplementiert den Genuss des 7,5-prozentigen Crafts. Im Finish verabschiedete sich das Ale mit 55 unaufdringlichen Bittereinheiten. Die Fruchtigkeit bleibt noch eine Weile am Gaumen hängen.

Fazit: Mit dem Hopfentiger hat das fränkische Biersommelier-Team – mit weiblicher Unterstützung – wirklich ein köstliches India Pale Ale entwickelt. Vor allem wirkt es mit den fast acht Prozent nicht zu schwer. Die Aromen sind nicht zu überladen, was das Bier zu einem echten Genuss auch für den Alltag macht und zu einem Highlight für nächtelanges Chillen.