Sudden Death Brewing: Schlanker Fruchtmix

20180619_130455Sommer, Sonne, Durst: Was gibt es schöneres als an heißen Tagen ein leichtes, aber fruchtiges Bier zu genießen? Genau richtig war gerade das 4-prozentige Session IPA „Juice Willis” von Sudden Death Brewing vom Timmendorfer Strand zu Spargel in einer Kräutersauce. Gebraut haben die Nordlichter das Bier mit speziellen Gersten- und Weizenmalz, Haferflocken sowie Ale-Hefe. Für das Aroma packten sie vier fruchtige Hopfensorten dazu: Ekuanot, Azacca, Denali, El Dorado.

Das sonnengelbe, trübe IPA hat eine schneeweiße, stabile Schaumkrone, die das Bier optisch schon mal sehr attraktiv gestaltet. Es duftet fruchtig-frisch nach Birne sowie tropischen Früchten wie Maracuja, Ananas und Mango. Am Gaumen zeigt sich das Session IPA schön schlank mit einem hefigen Anklang, der dann von den Hopfennoten dominiert wird. Im Finish präsentiert sich noch eine gewisse Herbe mit 33 Bittereinheiten.

Fazit: Ein schlankes, fruchtiges und erfrischendes Session IPA, bei dem mir allerdings etwas die Balance fehlt. Die Nase verspricht mehr, als der Geschmack hält. Auf der Zunge war die Hefenote etwas zu überladend, bis dann die Fruchtnoten der tollen Hopfensorten durchdringen. Dennoch war es zum Essen ein Genuss.

 

Brauer-Portrait: Flügge Brauerei – „Wir lassen gern mal das Reinheitsgebot hinter uns“

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Biere von der Flügge Brauerei

Kennen gelernt habe ich die Flügge Brauerei aus Frankfurt am Main auf dem Craft-Bierfest im April in Stuttgart. Das war wohl auch einer der ersten öffentlichen Auftritte von Dominik Pietsch und seinem Kumpel Joachim – und eine tolle Entdeckung für mich. Eine neue Marke mit neuen spannenden Bieren. Dabei schrieben sich die Flügge-Macher auf die Fahnen, wilde und charakterstarke Sude zu brauen, die gern auch mal das Reinheitsgebot hinter sich lassen. So gilt als echter Sommertipp etwa „Fränk“, ein 3,2-prozentiges Sauerbier, vergoren mit norwegischer Hefe und anschließend auf Maracuja-Püree gelagert. Mit im Portfolio haben die Frankfurter auch Roggenbier, Imperial Stout und ein IPA, das mit 100 Prozent Brettanomyces-Hefe vergoren ist. Wer sich wundert, warum verschiedene Vögel auf den Etiketten prangen: Die Flügge-Macher sind bekennende Vogelfans.

Dominik Pietsch beatwortete die Fragen:

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Eine große Portion Neugier, die Fähigkeit, über den Tellerrand (bzw. das Reinheitsgebot) zu schauen und einfach leckere, ausgewogene und handwerklich gut gemachte Biere zu brauen.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Man trinkt sich als Bier-Nerd durch allerlei Sorten, und die haben auch alle ihren Charme und ihre Daseinsberechtigung. Aber ab und zu bleibt man regelrecht an einem Bier hängen und man wünscht sich, dass das Glas nie leer wird – entweder, weil es so gut runtergeht oder weil es einfach so wahnsinnig toll und neu schmeckt, dass man immer weiter trinken will. So einen Trunk würde ich dann als außergewöhnlich bezeichnen.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Schwierig, sich da auf das schrägste Bier zu beschränken. Ein Bier, was mir zuletzt als besonders schräg in Erinnerung geblieben ist, war das „Grie Soß“ von Glaabsbräu. Man denkt erst, das kann doch nicht funktionieren, dass man Kräuter der in Hessen bekannten Grünen Soße ins Bier zu bringen kann. Aber: es funktioniert!

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Hmm… also, sobald mir etwas Ungewöhnliches einfällt, probiere ich es immer erst auf unserer kleinen Brauanlage aus. Nicht wirklich ungewöhnlich, aber bei uns schwierig zu beschaffen sind z.B. englische Malze.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Jetzt gerade: Spargel, klassisch mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise, dazu ein selbstgebrautes, leichtes Saison mit ca. 3,5 Prozent Alkohol. Das passt super.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Das ist schwer abzuschätzen. Die aktuelle Entwicklung ist ja sehr positiv. Es kommen immer wieder neue, spannende Brauereien hinzu und mittlerweile arbeiten viele auch mit Brett-Hefen oder Lactos, was ich sehr begrüße. Bleibt nur zu hoffen, dass die Entwicklung und die Neugier in Deutschland nach neuen Geschmäckern anhalten. Ich bin da aber sehr optimistisch.

Und was hast Du als nächstes vor?

Wir haben gerade einen spannenden Sud zusammen mit dem Winzer Daniel Mattern angesetzt. Das Thema Bier/Wein-Hybrid interessiert mich schon lange, mal sehen, was draus wird – die Zwickl-Proben aus den Tanks sind schon richtig lecker! Außerdem würde ich mich gerne ans Thema „Fassreifung“ heranwagen. Und da wir als Brauerei ja noch nicht so lange existieren, wollen wir einfach erst mal so weitermachen und schauen, dass wir noch viele Menschen für unsere Biere begeistern können.

 

Partnerprogramm: Bierothek® sucht Partner(innen) zur Eröffnung neuer Filialen

B_Flyer_Franchise_Druck_V3_0518[Sponsored Post] Die Bierothek® – einer der führende Einzelhändler im Bereich Bierspezialitäten – sucht bierbegeisterte Partner(innen) zur Eröffnung neuer Ladengeschäfte, bevorzugt in Berlin, Hamburg, Köln oder Dresden.

Bereits 2014 eröffnete die erste Bierothek® in der selbsternannten Bierhauptstadt Bamberg. Als Bierfachhandel mit einer Auswahl von weit über 300 regionalen und internationalen Bierspezialitäten und einer kompetenten Beratung erfreute sich die Bierothek® von Anfang an reger Begeisterung der Bier-Interessierten. Seitdem wuchs die Bierothek® stetig weiter, sodass sie heute neun Standorte in vier Bundesländern zählt. Unter diesen neun Filialen befinden sich mittlerweile auch vier Franchise-Filialen, die von selbstständigen Unternehmern geleitet werden.

Die Bierothek® bietet den Partnern eine starke Marke, Erfahrung im Aufbau und Betrieb von neuen Läden, eine zentrale Beschaffung und Zugang zu exklusiven Bierspezialitäten, ein starkes Netzwerk, eine verlässliche Partnerschaft und Hilfe bei der Finanzierung und Standortsuche. Hierfür werden Persönlichkeiten mit Bierbegeisterung, unternehmerischen Denken, selbstständiger Arbeitsweise und Freude am Verkauf gesucht.

Um nun auch den Rest der Bundesrepublik mit außergewöhnlichen Bieren versorgen zu können, sucht die Bierothek® nach Partnern, die bevorzugt in den Städten Berlin, Hamburg, Köln und Dresden ein eigenes Ladengeschäft eröffnen möchten. Ebenso können bereits existierende Händler die Vorteile des Verbundes nutzen und im Rahmen einer Partnerschaft auf die Infrastruktur der Bierothek® zurückgreifen.

Informationen und Bewerbungen:

Bierothek GmbH

Hafenstr. 13 | 96052 Bamberg

Tel.: 0951/3017 8389

E-Mail: franchise@bierothek.de

www.bierothek.de/FranchisePartnerschaft

Deutschlands Top-Brauer: Markus Becke von Braufactum – „Die deutsche Craft-Bierszene ist auch internationale eine Bereicherung“

IMG_20180127_000902_228Craft-Bier lernte Markus Becke an der Uni in Berlin kennen. Dort studierte er Brauwesen. Einestages kam ein Gastprofessor aus den USA und schenkte den Studenten ein paar amerikanische Sorten zum Probieren ein. Becke war sofort begeistert und konnte Duft und Geschmack nicht mehr vergessen. Nach mehreren Stationen in Brauereien unterschiedlicher Größe, tobt sich der Braumeister heute kreativ bei Braufactum aus, eine der ersten deutschen Craft-Marken mit Sitz in Frankfurt am Main. Dort braut Becke neben sehr gut trinkbaren und hocharomatischen Brown Ale, Summer Ale und Grünhopfen-IPA auch Biere, die monatelang im Whisky- oder Barrique-Fass reifen.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Wissensdurst, Leidenschaft, Kreativität, Lebensfreude, Teamgeist und Aufrichtigkeit.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Ein außergewöhnliches Bier braucht erst einmal Wissen und Können des Brauers. Dann kommt es auf die richtige Auswahl der Zutaten sowie auf Kreativität, Wissenschaft und Leidenschaft an. Das führt dann zu einem ausgewogenen, faszinierenden Endprodukt mit hoher Trinkfreude.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Eines der schrägsten, aber auch faszinierenden Biererlebnisse, war für mich die Verkostung eines im Yorkshire-Square vergorenem Real Ale der Black Sheep Brewery. Wir probierten es während meines Studiums in Berlin direkt aus einem kleinen Holzfass. Gezapft wurde vom angereisten Braumeister mit einer extra eingeflogenen Yorkshire-Pump. Ich war damals noch ziemlich unwissend, was es alles für tolle Biere außerhalb Deutschlands gibt. Mich hatte dieses warme, schale, ordentlich hopfengestopfte und überaus leckere Bier total umgehauen. Das war das absolute Gegenteil meiner damaligen Idealvorstellung eines „perfekten“, kalten, möglichst schlanken, perlendem Pils mit dicker Schaumkrone. Ich bin bis heute ein großer Freund der schottischen und englischen Ales und trinke mein Bier generell gerne etwas wärmer.

 

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Mit alternativen Mikroorganismen zur Gärung. Ich hatte vor ein paar Jahren mal erste Versuche unter anderem mit Zymomonas mobilis als ungewöhnlichen Gärer gemacht, allerdings bisher nicht weiterverfolgen können. Da warten noch bisher unentdeckte Aromen auf uns.

 

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Träubleskuchen nach Rezept meiner Omi mit Framboise von Boon.

 

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Bezogen auf die deutsche Craft-Bierszene werden wir eine eigene Handschrift entwickelt haben die auch international anerkannt und geschätzt wird. Es gibt vermehrt Neuinterpretationen und Hybride-Bierstile wie z.B. Weizen IPA, Kooperation mit deutschen Destillateuren zur Fasslagerung wie etwa der Jägermeister Bock von David Hertl etc. Unsere Kunden können mit Freude und Wissen zwischen guter und schlechter Qualität, zwischen Kreativität und Abklatsch, zwischen traditioneller Handwerkskunst und Craft-Bier unterscheiden. Ihnen ist es wichtig wie gebraut wird, wer braut und was man von einem guten Craft-Bier erwarten kann. Das IPA wird irgendwann ein ganz normaler Bierstil sein. Aber klar ist: Die deutsche Craft-Bierszene ist international eine Bereicherung, man kocht nicht mehr nur im eigenen Sud. Viele gut ausgebildete Braumeisterkolleginnen und Kollegen sorgen dafür, dass Craft nicht mehr für Garage und Start-Up steht, sondern für kreative und verlässliche Qualität.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Da wir unsere Versuchsbiere nun auch als „Tagessuppe“ im BraufactuM Berlin ausschenken können und nicht mehr alles selber trinken müssen, kann ich wieder etwas mehr in der Versuchsbrauerei spielen und tüfteln. Nachdem wir uns mit Bierstilen aus England, Belgien und zuletzt mit einem amerikanischen West Coast IPA beschäftigt haben, spielen jetzt gerade die deutschen Wurzeln wieder eine größere Rolle. Mitte des Jahres wird es hierzu von uns eine Überraschung geben.

 

 

Bier.Kultur.Region: Innovativer Schulterschluss niederbayerischer Brauereien

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Die Brauer der „Bier.Kultur.Region“ (Foto: WEISSRAUM.media)

„Gemeinsam sind wir stark“ – unter dieser Devise feierten acht Brauereien, 17 Gastronomie- und Hotelbetriebe sowie eine Glashütte in Niederbayern gerade offiziell ihren Zusammenschluss als „Bier.Kultur.Region“. Neben regionaler DNA spannender Biere, wollen die Macher gemeinsam auch die Trink- und Tischkultur rund um den Biergenuss weiterentwickeln. Anheizer der Initiative ist Bernhard Sitter, Diplom-Biersommelier und Inhaber des „Bier- und Wohlfühlhotel Gut Riedelsbach“. Die erste Vision für dieses Projekt hatte er schon 2005. „Jetzt ist es endlich soweit“, freut sich Sitter.

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Fünf Hopfensorten stecken im Kollaborationssud (Foto: WEISSRAUM.media)

Bei der Einstandsfeier in dieser Woche beim Apostelbräu in Hauzenberg stellten die Brauereien aus den niederbayerischen Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau auch gleich ihren ersten Kollaborationssud vor. Für den Auftakt entwickelten die Brauer ein spezielles Starkbier aus Weizen-, Pilsner-, Dinkel- und Cara Amber-Malz sowie fünf verschiedenen Hopfensorten: Mandarina Bavaria, Ariana, Cascade, Opal und Sorachi Ace. Flaschengärung rundet den „Hopfenklang – Partitur 1“, wie das Bier heißt, aromatisch ab.

IMG_20180507_231143_672Das Ergebnis leuchtet bernsteinfarben durch das Glas, das extra für das Event von der Glashütte „Eisch“ in Frauenau angefertigt wurde. Getoppt ist das 6,8-prozentige Starkbier von einem feinporigen, cremigen und beigefarbenen Schaum. In die Nase strömen Noten von Kokos, Grapefruit, Orange und Banane. Dabei spielt ein blumiger, würziger und hefiger Anklang mit. Auf der Zunge moussiert das obergärige Bier und breitet sich samtig-weich aus. Es zeigt sich ein Aromaspektrum von Aprikose, Zitrone, reifer Banane, Birne und Ananas, gepaart mit einer angenehmen Malzigkeit. Im Finish taucht neben einer dezenten Hopfenbittere noch ein zarter nussiger Grundton auf.

Fazit: Erst einmal großen Respekt für das Projekt, mit dem die Bierszene einer Region gemeinsam vorangetrieben wird. Mit ihrem ersten Wurf „Hopfenklang“ haben die Macher auch gleich gezeigt, dass sie nicht nur Wert auf Tradition, sondern auch auf Kreativität und Authentizität legen. Die „Bier.Kultur.Region“ plant weitere Mitglieder aufzunehmen und regelmäßig gemeinsame Sude zu brauen. Ich freue mich schon auf die nächsten Biere, die aus dieser Kooperation entstehen!

 

 

 

Deutschlands Top-Brauer: Simon Rossmann von Giesinger Bräu – „Außergewöhnliches Bier muss sensorisch umhauen“

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Simon Rossmann vom Giesinger Bräu und ich beim Zwickeln

Simon Rossmann hat schon einen besonderen Job. Er arbeitet als Produktionsleiter bei der ältesten Craft-Brauerei in München: dem Giesinger Bräu. Vor zwölf Jahren wurde die Marke in einer Garage aus der Taufe gehoben, heute gilt die Biermanufaktur mit Bräustüberl, Rampe und Stehausschank schon als Kultstätte. Hinter den Spezialitätenbieren wie Märzen, Pils, Weißbier und diversen Böcken sowie den Craft-Sorten wie Triple oder Altbier steht Simon. Seine Kreativität und Leidenschaft für das Produkt spürt man nicht nur auf der Zunge. Die Brauerei vergrößert sich und bald wird es auch einen Biertruck vom Giesinger geben.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Kreativität, Offenheit und tiefgründiges Fachwissen.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Ein außergewöhnliches Bier muss für mich immer einen Überraschungseffekt haben. Es muss mich sensorisch umhauen.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Da gabs echt schon einige: Mit Austern, mit Pizza, mit Sauerkraut, mit Bretzeln, mit Gurke, technischen Enzymen…

 

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Hab schon so viele Biere mit anderen Zutaten außer Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut, da bin ich momentan eher entspannt was das angeht.

 

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Das wechselt, aber zurzeit ist es der Süßkartoffel-Burger von meiner Frau. Dazu genieße ich ein schönes Märzen.

 

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Craft-Bier-Brauereien müssen sich klar werden, was sie eigentlich wollen, um auf dem Markt in Zukunft bestehen zu können. Ich denke die, die es wirklich ernst meinen, die sehen wir auch noch in 5 Jahren.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Technische Planungen zu unserem Neubau-Projekt fertigstellen.

Turning Wheels Craft Brewery: Starke Sude aus pazifischer Inselwelt

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Credit: Turning Wheels Craft Brewery

Für deutsche Craft-Bierfans sind die Philippinen wahrscheinlich absolutes Niemandsland. Bislang nur als Urlaubsziel mutiger Backpacker bekannt, entwickelt sich das Archipel im Pazifischen Ozean mit seinen fast 8000 Inseln und mehr als 100 Millionen Einwohner, jedoch gerade zu einem Geheimtipp für Liebhaber kreativer Mikrobrauereien. Während sich der Bierkonsum dort bislang nur eher mäßig entwickelte und sich Besucher meist nur mit Standardpils von San Miguel beglücken können, entdecken viele Philippinos – aller politischen Krisen zum Trotz – gerade ihre Liebe zum Bier. Immerhin gibt es nach aktuellen Zahlen inzwischen mehr als 250 verschiedenen Biertypologien aus rund einem Dutzend Brewpubs und 24 bemerkenswerten Microbreweries.

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Die Sudkessel (Credit: Tunring Wheels Craft Brewery)

Eine der ersten und wahrscheinlich bekanntesten Braustätten im Pazifikstaat ist die „Turning Wheels Craft Brewery“. Die 2014 eröffnete Craft-Schmiede befindet sich auf dem Eiland Cebu in Cebu City, wo im 16. Jahrhundert die erste spanische Siedlung auf den Philippinen gegründet wurde. Chef und Brauer ist Michael Nikkel, ein gebürtiger Amerikaner aus Los Angeles, der aus Liebe zu einer Frau auf der Inselgruppe strandete und blieb. Sie war letztlich auch diejenige, die ihn zum klassischen Werdegang als Craft-Brauer animierte: Nikkel startet als Hobbybrauer in einer Garage und sein Markenname „Turning Wheels“ entstammt passend zu einer weiteren Leidenschaft, dem Fahrradfahren.

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Michael Nikkel, Gründer von Turning Wheels, auf dem Craft-Bierfest in Manila

Heute produziert der Wahl-Philippino mit 260 Litern pro Batch zwar noch keine großen Mengen, dafür pflegt er die Leidenschaft zum Experimentieren. In seiner Kellerbrauerei stehen vier glänzende Gärtanks aus Edelstahl. Damit entwickelt Nikkel mit unterschiedlichen Hefe-Stämmen, frischen Früchten vom Markt und lokalen Gewürzen gänzlich neue Sudprofile. Bei Hopfen, Malz und Hefe muss der Turning Wheels-Chef so wie die meisten Brauereien auf den Philippinen, jedoch auf Importware zurückgreifen. Das sei kein Problem, denn sein Hopfen-Dealer aus der Hauptstadt Manila schaffe ihm eine passende Auswahl an US-Sorten heran. „Mit hocharomatischen US-Hopfen kann ich auch fern der Heimat großartige West Coast IPAs brauen“, bekräftigt Nikkel.

Und das hat er bereits eindrucksvoll bewiesen. Momentan führt der Nachwuchsbrauer zwei Biere dieser Art im Sortiment, die sich wahrlich sehen lassen können. Als Musterbeispiel für ein West Coast IPA sieht Nikkel sein kupferfarbenes „Mountain King IPA“ mit sieben Prozent und 65 Bittereinheiten. Es duftet und schmeckt nach Grapefruit und Ananas – mit ganz speziellen Insel-Touch. Die härtere Variante heißt „Backbone Double IPA“. Dieses Ale besitzt 8,5 Prozent Alkohol und 85 IBU. Auf der Zunge tanzen Aromen von tropische Früchte wie Ananas und Mango, dazu gesellt sich eine kräftige Grapefruitnote. Ein echtes Hammerbier ist das „Singlespeed Imperial Stout“ mit satten 9,3 Prozent. Das vollmundige Stout bringt Noten von gerösteten Kaffeebohnen, Schokolade, Dörrobst und eine angenehme Malzsüße an den Gaumen.

Selbst diese starken Sude bieten bei tropischen Temperaturen einen wahrhaft frischen Hochgenuss für anspruchsvolle Craft-Bierfans. Gerade erst brachte Nikkel auch eine Saison-Serie heraus: Die reguläre Version hat 6,3 Prozent, die aufgepimpte Variante schon zehn und das ganz neue Black-Saison sogar starke zwölf Umdrehungen. Als nächstes will er neben seiner Garage einen Biergarten errichten und plant schon mal ein erfrischendes Witbier für erschöpfte Radfahrer. Voller Optimismus blickt der Brauer in die Zukunft: „Es steckt wahnsinnig viel Potential im philippinischen Markt, aber zuerst müssen wir die Begeisterung der Leute für Craft-Biere weiter ankurbeln.“

 

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

 

 

 

 

Brasilien: Feiner Hopfen unterwegs

Liebe Craft-Community,

in den nächsten 14 Tagen werdet ihr ausnahmsweise mal nichts von mir hören. Ich fliege heute nach Brasilien, wo in Sachen Craft-Bier inzwischen ganz schön was los ist. Noch in dieser Woche sitze ich in der Jury des „Brazilian Beer Contest“. Der Award findet im Süden des Landes, in der von deutschen Einwanderern gegründeten Metropole Blumenau statt. Anschließend bin auf Recherche-Tour zu den coolsten Brauereien des Landes. Dabei geht des durch abgelegene Regionen im Landesinneren, über Sao Paulo bis nach Rio de Janeiro. Nach meiner Rückkehr berichte ich Euch gern, was sich so in der brasilianischen Bierszene tut und welche spannenden Sude es dort zu probieren gibt. Bitte habt etwas Geduld.

In diesem Sinn, feingehopfte Grüße

Eure Mareike

Brauer Portrait: Superfreunde – Bodenständiges Bier aus Berlin

Superfreunde
Stefan und Marco von den Superfreunden

Dass Stefan Schröer und Michael Arndt ihr Bierlabel „Superfreunde“ nannten, hat einen ganz einfachen Grund. Sie sind echte Buddys und zwar nicht erst seit gestern. Angefangen haben die beiden Berliner, die eigentlich gar keine ausgebildeten Brauer sind, mit einem eigenen Bistro in der Hauptstadt, in dem ein eigenes Bier vom Hahn fließen sollte. Das Ale kam so gut an, dass die Marke Superfreunde, dessen Team sich aktuell erweitert hat, seit Ende 2015 als renommiertes Mitglied der deutschen Craft-Bierszene anerkannt ist. So hat sich seit der Gründung des Labels auch das Portfolio erweitert: Neben Alt, Golden Pale Ale und IPA gibt es bald auch ein Pils in den Verkaufsregalen.

Bei ihren Produkten verfolgen die Berliner ihre eigene Philosophie: „Unsere Biere sind süffig, gradlinig, und leicht zu verstehen“, sagt Stefan. Dennoch geht es bei den Superfreunden keinesfalls um herkömmliche Standardbiere, sie sind kaltgehopft, aber ausgewogen. Schließlich will das Kollektiv interessante Biere verkaufen, die jeder gern trinken möchte.

Die Fragen beantworteten Marco Sgarra, Vertriebsleiter, und Stefan Schröer, Mitgründer, gemeinsam:

Welche Eigenschaften zeichnen Eurer Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Back to the roots! Ein Craft-Brauer darf auch normale und alt bewehrte Sude brauen, schließlich müssen auch Craft-Biere eine gute Trinkbarkeit vorweisen. Viele Leute verbinden Craft-Bier gleich mit „verrücktes Bier“. Das ist sehr schade, da Einsteiger in die Craft-Welt schnell abgeschreckt sind. Ein guter Brauer muss solide Biere herstellen können, die gern auch Ecken und Kanten haben dürfen aber Lust auf mehr machen. Gute Rohstoffe, transparente Wege und ein ehrlicher Umgang mit dem Produkt sind ebenso es­sen­zi­ell. Ohne eine gute Marke und das dazugehörige Marketing ist die Präsenz im Markt und die Bindung zum Kunden leider nur sehr schwer und gehört natürlich ebenso mit zu den Aufgaben.

Was macht für Euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss schmecken, am besten gleich zehn Mal hintereinander.

Was war das schrägste Bier, das ihr jemals getrunken hast?

Five O’Clock – Earl Grey IPA von Next Level Brewing. Darin stimmen wir wohl beide überein.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdet ihr gern einmal brauen?

Schwierige Frage. Da wir in Bayern brauen, sind wir einerseits an das Reinheitsgebot gebunden und andererseits sind wir auch sehr bodenständig unterwegs. Dennoch planen wir in diesem Jahr einige Special-Sude in Kollaboration mit MÜCKE Craft Beer und Sudden Death Brewing. Details sind allerdings noch nicht klar. Schokolade finden wir aber sehr interessant.

Wie seht ihr die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Die Szene könnte lebendiger und unterschiedlicher nicht sein. Jedes Land agiert und funktioniert völlig anders. Deutsche Konsumenten sind gerade erst aufgewacht und machen die ersten Schritte. Es werden noch viele Brauereien kommen und gehen. Deutschland ist ein Bierland, das allerdings sehr verwöhnt und ziemlich träge ist, wenn es um neue Aromen bzw. Bierarten geht. Aber wir sind uns sicher, der Geschmack wird sich nach und nach entwickeln, denn Craft-Bier und die damit verbundene Transparenz sowie Nachhaltigkeit kleiner und mittelständischer Bertriebe trifft den heutigen Zeitgeist zu 100 Prozent. Also: go for it!

Und was habt ihr als nächstes vor?

Wir sind gerade auf der Autobahn Richtung Kemmern bei Bamberg unterwegs, um unseren ersten Pils-Sud abzufüllen. Außerdem haben wir dieses Jahr vor, auf viele Festivals und Craft-Messen zu gehen.

 

Brauer Portrait: Olaf Wirths von „Labieratorium“ – vom Spucke-Sud zum Aphrodisiakum

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Olaf Wirths von Labieratorium

Olaf Wirths verfolgt ein klares Ziel: Seine Heimatstadt Cottbus braucht wieder ein eigenes Bier. So begann er vor rund drei Jahren unter der Marke „Labieratorium“ mit seiner Partnerin Anja Braun besondere Sude zu brauen. Seit Sommer 2017 führen die beiden Brandenburger auch ihre eigene 10-Hektoliter-Anlage, auf der sie inzwischen rund 14 verschiedene Hopfen- und Malzsäfte produzieren. Dabei legt Olaf und sein 7-köpfiges Team viel Wert auf Biere mit eigenem Charakter, Ecken und Kanten. „Vergessene und alte Bierstile neu zu interpretieren und diese vor dem Verschwinden zu bewahren sind dabei echte Herausforderungen“, sagt Olaf.

Doch das mit dem Cottbuser-Bier funktionier bisher ganz gut. Schließlich öffnete der Brauer auch eine eigene Bierbar namens „Labyrinth am Altmarkt“. Dort fließen neben „Cottbuser Pils“, „Cottbuser Rotbier“ und „Cottbuser Hell“ auch „Der geile Bock“, „Schwarze Pumpe“ sowie „Paranoid IPA“ frisch vom Hahn.

Olaf, welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Im Grunde ist der wahre Craft-Brauer ein Suchender. Er sollte unabhängig, selbständig, authentisch, neugierig, kreativ, experimentierfreudig, mutig und anspruchsvoll sein. Sein Antrieb: jedes seiner Biere immer weiter zu perfektionieren und seine alchemistische Berufung in unverwechselbare Form zu gießen.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es gibt für mich zwei Varianten außergewöhnlicher Biere. Zum einen gibt es solche, die durch Ihre Komplexität, ihre Balance oder bewusst geschaffene Nicht-Balance eine Emotion in mir wecken. Als inspirierendes Beispiel möchte ich das „Westbrook Mexican Cake Imperial Stout“ nennen.  Außerdem gibt es Biere, die mich mit jedem Schluck dazu animieren einen weiteren zu nehmen und durch ihre Drinkability bestechen. In einem außergewöhnlichen Sud möchte ich eintauchen, um dessen geheimnisvolle Einfachheit zu entdecken. Als Beispiel möchte ich das Helle von Tilmans nennen.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Das schrägste Bier war mit Sicherheit „Chicha“, ein echtes Spucke-Bier aus Mais, das ich in Peru getrunken habe – wirklich eine sehr archaische Begegnung mit dem Getränk Bier. Aber auch „Mbege“, das traditionelle Bier der Chagga, einer Volksgruppe am Fuße des Kilimanjaro war echt ungewöhnlich. Es wird aus Hirsemehl und Kochbananen hergestellt. Nicht zu vergessen ein Bilsenkrautbier, dass ich von einer bayrischen Brauerin einer bekannten Biobierbrauerei geschenkt bekommen habe.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Unser Symbol und Logo, auf dem der Gott Pan zu sehen ist, steht für Fruchtbarkeit, Rausch und Lust. Daher möchte ich natürlich irgendwann ein Bier brauen, welches das ultimative Aphrodisiakum-Bier ist. Dafür möchte ich gern die Rinde des immergrünen Yohimbe- Baums aus Westafrika verwenden, vielleicht werden aber auch Kräuter wie indische Narde oder Eberraute zum Einsatz kommen. Aber eins ist sicher: Das wird ein geiles Bier.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Ich liebe die Thailändische Küche, dass sicherlich meinen längeren Aufenthalten in Südostasien geschuldet ist. Diese Mischung aus chinesischen, indischen und europäischen Einflüssen im Essen finde ich fantastisch und das dann kombiniert mit einem kräftig gehopften IPA, Pale Ale oder Lager ist ein wahrer Genuss.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Die Entwicklung wird global völlig unterschiedlich verlaufen. Deutschland ist diesbezüglich noch ein sehr junges Pflänzchen. Das Reinheitsgebot hat bis vor wenigen Jahren noch wie eine Art Mauer gewirkt, die sich nun langsam öffnet. Mittelfristig wird sich Craft-Bier in Deutschland dann etablieren, wenn hohe Qualität der Anspruch der Szene bleibt. Durchsetzen werden sich Brauereien, die finanziell und strukturell gut aufgestellt sind. Hier werden leider nicht ausschließlich die besten Produkte und damit auch besten Brauereien überleben, sondern vor allem die mit hervorragender Vernetzung, gezielten Marketingstrategien und klarem Imageaufbau. Letztlich entscheiden aber doch die Konsumenten, welche Art von Craft-Bier in Deutschland überleben wird.

Und was hast Du als nächstes vor?

Ende Mai mache ich mit einem meiner Partnerunternehmen eine spannende Bierreise durch Irland. Neben viel wandern besuchen wir innerhalb der acht Tage sieben Brauereien und natürlich viele tolle Pubs. Das wird lustig.