Schräge Biere: Wahres Zuckerschlecken

Egal ob Stout, India Pale Ale oder Sauerbier: Immer mehr Craftbrauer geben jetzt Laktose in ihre Biere, um ein besonderes Aroma und ein spezielles Mundgefühl zu erzeugen. Bei diesem Trend sind auch deutsche Macher ganz vorne mit dabei.

Wer hätte gedacht, dass es auch mal Biere geben wird, die einen Teil von Biergenießern einfach ausschließen. Craftbrauer packen jetzt gern auch mal Laktose in ihre Sude, um ein besonders cremiges Mundgefühl zu erzeugen. Wer allerdings eine Intoleranz gegen den süßlichen Milchzucker besitzt, der muss auf solche Biere verzichten oder beim Genuss so manche Probleme in Kauf nehmen, von denen Magen- und Darmbeschwerden wahrscheinlich noch die geringsten sind.

Beim Konsum von Bieren mit Laktose ist für einige Konsumenten also äußerste Vorsicht geboten. Fest steht: Es stehen immer mehr solcher Sude in den Regalen der Craftbier-Dealer und der Inhaltsstoff ist meist nur bei einem Check auf die Zutatenliste erkennbar. Brauer setzten den Milchzucker jedoch nicht erst neuerdings etwa in Milk Stouts, Sweet Stouts oder Cream Stouts zum Süßen ein. Jetzt kommt er vermehrt auch bei Sauerbieren und India Pale Ales in den Sud. Wichtig dabei ist: Laktose ist ein Zucker, der durch die Hefe nicht vergärbar ist. So gleicht die sanfte Süße bei Sours etwa die Säure aus. Bei IPAs bringt sie überwiegend eine cremige Textur auf die Zunge und kompensiert die Hopfenbittere. In einigen Sorten zeigt sich die Laktose auch mit einem milchähnlichen Geschmack.

Und wer jetzt glaubt, dass nur internationale Craftbier-Größen wie Omnipollo aus Schweden, Amundsen aus Norwegen, Brewdog aus Schottland oder aber die US-Amerikaner von Left Hand Brewing, Sierra Nevada und Destihl Brewery solche Sude produzieren, liegt falsch. Als besonders experimentierfreudiger Brauer in dieser Sparte gilt Felix vom Endt von OrcaBrau aus Nürnberg. Er legte schon mehrere Biere mit Laktose auf. Eines seiner neuesten Werke ist das 6,8-prozentige Milkshake IPA namens „Orca Yoisho“. Neben dem Milchzucker für ein smoothes Trinkgefühl gibt der Wahlfranke hier noch grünen Tee, Zitronengras und eine ordentliche Menge Citra- und Mosaic-Hopfen in den Kessel, um ein spezielles Aroma zu erzielen.

Bekannt für besondere Aromen sind auch die Macher von Schwarze Rose aus Mainz sowie das Team von TrueBrew aus München. Gemeinsam brachten die Crafties ein 6,3-prozentiges Milkshake IPA namens „Bloody Slush“ auf den Markt. Zum Einsatz kamen neben dem Milchzucker, der sich hier sowohl im Mundgefühl als auch im Geschmack präsentiert, auch Himbeerpüree, Hibiskus-Blüten und die Hopfensorten Idaho7, Comet sowie ein Yakima Chief Hops Cryo Pop Blend. Auf gemeinsame Laktose-Sude stehen auch die Macher von Yankee & Kraut aus Ingolstadt sowie Markus Hoppe von Hoppebräu aus dem oberbayerischen Waakirchen. Die befreundeten Brauer versuchten sich an einem Sauerbier mit Milchzucker, der hierbei die Säure etwas reguliert. Ihr „Daubern Sour“ mit 6,1 Prozent reifte zudem auf 600 Kilogramm Blaubeerpüree. Die Blaubeernoten werden hier von einer sanften Säure sowie einem milchig-süßlichen Touch der Laktose umschmeichelt.

Milchzucker steht offensichtlich auch bei dem Team von AleMania aus Bonn ganz oben auf der Zutatenliste. Neben diversen Milkshake IPAs braute das Kollektiv um Fritz Wülfing auch schon ein nachtschwarzes Imperial Coffee Milk Stout mit deftigen 9,5 Prozent. Hier verrät die Bezeichnung des Bieres bereits, dass es sich um eine Sorte mit Milchzucker handelt. Bei anderen Bieren sollten Bierfans mit Unverträglichkeiten sicherheitshalber auf die Zutatenliste achten. Denn neuerdings ist Laktose auch häufiger in New England IPAs zu finden.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

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