The Garden Brewery: Kroatisches Feierabend-IPA

Ich muss gestehen, dass mir The Garden Brewery bis vor kurzem noch völlig unbekannt war. Dabei feierte die kroatische Craft-Stätte im Juni bereits ihren dritten Geburtstag. Umso mehr freute ich mich auf den Genuss dessen American Westcoast Style IPAs mit 6,5 Umdrehungen. Die Macher brauten das Ale mit sechs Hopfensorten: Simcoe, Cascade, Azacca, Mandarina Bavaria und Zythos. Letztlich wurde es noch dreifach kaltgehopft.

In einem golden Orangeton steht das IPA im Glas. Es duftet harzig und fruchtig mit Noten von Pfirsich, Mandarine, Orange, Maracuja und Waldhonig. Im Antrunk zeigt sich eine gewisse Süße, bis dann die volle Hopfenpower wieder mit ihren fruchtigen Aromen durchdringt. Im Vordergrund präsentieren sich Aromen von Saftorange, Aprikose, Mango und Maracuja. Am Schluss dringen 60 Bittereinheiten durch, die aber eher sanft in der Wahrnehmung sind.

Fazit: Das kroatische IPA ist ein sehr solides, unkompliziertes und gut trinkbares Bier. Vom Geschmack her nicht unbedingt ein Ausreißer, aber ein sehr schöner Allrounder zum Feierabend, in der Sonne oder zu asiatischen Speisen. Für Genießer mit Lust auf hohe Drinkability aber auch für Craft-Newcomer ein empfehlenswerter Tropfen. Ich werde mir auf jeden Fall noch ein paar Sorten von The Garden Brewery zum Verkosten besorgen.

Handwerksbrauerei Lemke: Helles wieder sexy

Helles Lager war lange Zeit für das Team um Oliver Lemke eher unsexy. Jetzt geben die Berliner dem Stil aber eine neue Chance. Unter dem Namen „Berliner Perle“ kommt die Version nun in die Bierregale. Das Helle besitzt 4,9 Prozent Alkohol und wurde mit den vier Hopfensorten Perle, Magnum, Mittelfrüh und Tradition aus der bayerischen Hallertau gebraut.

In einem glänzenden Gold, gekrönt von einem schneeweißen, feinporigen Schaum, präsentiert sich das untergärige Bier im Glas. Es duftet würzig-hopfig mit einem zart grasigen, harzigen und blumigen Anklang. Ein sanfter Malzton komplementiert das Bukett. Auf der Zunge breitet sich das Berliner Helle vollmundig-frisch mit angenehmen Malzaromen aus, die sich mit würzigen Hopfennoten vereinen. Im Finish zeigen sich sanfte 23 Bittereinheiten, die das Gesamtbild abrunden.

Fazit: Ein herrlich aromatisch und sehr gut trinkbares Helles, dass sich doch von einigen traditionellen Vertretern dieser Typologie abhebt. Passt sowohl zur Brotzeit als auch zum Grillen oder einfach als entspannter Genuss auf Terrasse oder Balkon. Probieren kann man das Bier auch am letzten Augustwochenende beim 20. Geburtstag der Lemke Brauerei.

Munich Brew Mafia: Kaiserlicher Sud mit französischem Hopfen

Der Trend hält sich hartnäckig, dass Craft-Brauer traditionelle Bierstile modern interpretieren. Gut so! Gestern hatte ich zum Grillen das neue Weißbier der Munich Brew Mafia im Glas. Das fünfprozentige „Barbarossa“ braute das Team um Dario Stieren mit dem speziellen französischen Hopfen namens Barbe-Rouge.

In einem attraktiven Rotbraun präsentiert sich das obergärige Bier im Glas. Ein weißer, feinporiger und fast schon sahniger Schaum vollendet die Optik. „Barbarossa“ duftet nicht im klassischen Weißbierstil nach Banane oder Nelke, sondern feinmalzig, floral, etwas holzig und nach roten Beeren. Auf der Zunge breitet sich der Münchner Trunk vollmundig aus und überrascht auch hier mit fruchtigen Noten von Himbeere, rote Johannisbeere und Erdbeere. Eine zarte Säure lässt das Bier angenehm frisch wirken. Im Nachgang spielt sogar noch eine sanfte Herbe mit.

Fazit: An diesem Weißbier hätte sich bestimmt auch der Namensgeber, der rotbärtige Kaiser Barbarossa, der ein begeisterter Biertrinker war, seine Freude gehabt. Für mich ist der Sud ein schönes Beispiel, wie dieser spannende Hopfen aus Frankreich auch das Aromaspiel eines Weißbiers angenehm ergänzen kann. Hat zum gegrillten Fisch übrigens sehr gut gepasst.

Brauerei Kemker: Hohe Trinkfreude mit der grantigen „Mia“

Jan Kemker schwört auf historische Bierstile. In seiner gleichnamigen Brauerei, die sich auf einem Bauernhof mit eigenem Getreideanbau in Alverskirchen bei Münster befindet, produziert er neben Pflaumen-Sauer auch Gruit-Bier, Saison und Cider mit eigens angebauten Äpfeln. Bei den tropischen Temperaturen öffnete ich mir am Wochenende die vierprozentige Berliner Weiße namens „Mia“, die er einst für die Berliner Beer Week einbraute. Eines vorweg: Von dem grantigen Mädchen auf dem Etikett sollten sich Bierfans keinesfalls abschrecken lassen.

In einem trüben Gelbton schwimmt das Bier im Glas. Schaum ist kaum vorhanden. „Mia“ duftet frisch und fruchtig mit einem zarten Anklang von Brettanomyces-Noten. Im Antrunk zeigt sich eine sanfte Perlage mit einer angenehmen Säure, bis leichte Milchsäuretöne durchdringen, die etwas an Joghurt erinnern. Dazu paaren sich frische und fruchtige Aromen von Apfel und Stachelbeere.

Fazit: Die Berliner Weiße aus dem Münsterland besitzt eine hohe Trinkbarkeit und ist genau das Richtige bei heißem Wetter. Aromatisch schön ausbalanciert und keinesfalls überordernd. Ich werde mir auf jeden Fall noch weitere Biere von Jan Kemker besorgen, der immer wieder mit verführerischen Aromen überrascht.

Stone Brewing & Metallica: Ein Pils, das auf der Zunge rockt

Gutes Bier und harte Gitarren-Klänge gehören zusammen. Das beweist gerade auch Stone Brewing, dessen Macher gemeinsam mit der kalifornischen Metal-Band Metallica ein Pilsner auf den Markt brachten. Beim „Enter Night“ handelt es sich um ein 5,7-prozentiges, hopfengestopftes Pils. Leider verrät das Brau-Team allerdings nicht, welche Hopfensorte in den Kesseln landete. Dafür soll Metallica aber bei jedem Schritt des Brauprozesses involviert gewesen sein.

Die schwarze Dose macht schon Appetit auf das Bier, das beim Einschenken goldgelb-opal ins Glas fließt. Der Schaum zeigt sich schneeweiß, feinporig und stabil. Hält man dann die Nase rein, duftet „Enter Night“ zart grasig, hopfig-würzig und nach Zitrusfrucht sowie einem Anklang von Wiesenkräutern. Auf der Zunge präsentiert sich das Pils angenehm schlank und erfrischend. Neben einer gewissen Malzigkeit dringt ein frischer Zitronenton sowie ein grasiger Touch durch, bis es sich kräftig, aber angenehm herb verabschiedet und wieder Lust auf den nächsten Schluck macht.

Fazit: Frisch, fruchtig und knackig: Eine tolle Interpretation eines New Style Pilsners. Das Bier erfreut die Geschmacksnerven, überfordert aber nicht und lässt sich wirklich sehr gut genießen. Passt sowohl zum gegrillten Steak, als Allrounder am sonnigen Samstag oder auf dem Rock-Festival.

Buddelship: Superfood mit Erfrischungsfaktor

In den vergangenen Tagen stieg das Thermometer in diesem Jahr in Bayern erstmalig über 30 Grad. Was passt da besser, als eine leichte und vor allem erfrischende Berliner Weiße? Kürzlich öffnete ich mir das Sauerbier „Godzilla“ von Buddelship aus Hamburg. Für den besonderen Kick braute Simon Siemsglüß seinen 3,3-prozentigen Champagner des Nordens mit Haskap-Blaubeeren. Diese Früchte sind keine gewöhnlichen Blaubeeren, sondern werden als neues „Superfood“ gehandelt. Ihr Aroma erinnert an eine Mischung aus Heidelbeere, Brombeere und Himbeere.

In einem sehr ansehnlichen Himbeerrot strahlt die Weiße durch das Glas, ein roséfarbener Schaum liegt oben auf. In die Nase strömt ein frischer und sanfter Duft von dunklen Beeren und Hefe. Auf der Zunge zeigt sich „Godzilla“ feinperlig mit einer schmeichelnden Säure und einer gewissen Fruchtigkeit. Jeder Schluck regt durch das lange und sehr angenehme Finish zum nächsten an.

Fazit: Ein perfektes, erfrischendes und fruchtiges Sommergetränk. Von dem Namen Godzilla sollte man sich nicht abschrecken lassen. Die Hamburger Weiße ist wirklich sehr harmonisch und gar nicht gefährlich wie das Monster aus der Phantasiewelt von Hollywood. Passt auch gut zu einem leichten Sommersalat oder zu einem Meeresfrüchtecocktail.

Cervecera Cru Cru: Mexikanische Gose con Chapulines

Es ist immer wieder spannend, wenn mir Freunde ein Bier von ihren Reisen mitbringen. So packte Craft-Pionier und Biersommelier Tibor Kantor auf seinem Trip in Mexiko, einen Sud in seinen Koffer, den er als Vegetarier selbst nicht anrührt. Eines vorweg: Da hat er was verpasst. Bei dem Mitbringsel-Bier handelt es sich um eine 3,5-prozentige Gose von der Brauerei Cru Cru aus Ciudad de México. Das Besondere daran: gebraut haben es die kreativen Macher mit Koriandersamen, Wurmsalz und Heuschrecken (Chapulines).

In einem attraktiven und trüben Gold schwimmt das Sauerbier im Glas, Schaum besitzt es kaum. Das Bier duftet salzig und fruchtig nach Birne und Limette. Auch auf der Zunge zeigt sich zuerst eine gewisse Salzigkeit, die auch für das rundes Mundgefühl verantwortlich ist. Zudem machen sich Honig- und Umami-Noten sowie eine zarte Fruchtigkeit von Zitrusfrüchten bemerkbar. Im Finish bleibt die Gose lang zurück, allerdings spielt ein dezent muffiger Touch mit. Vielleicht kommt der von den Heuschrecken?

Fazit: Auch wenn ich weder Wurm noch Heuschrecke explizit herausschmecke, ist dieses Bier wirklich in jeder Hinsicht sehr spannend. Das salzig-fruchtige Aromaspiel gefällt mir und die Leichtigkeit passt ideal zu heißen mexikanischen, aber auch deutschen Sommertemperaturen. Danke noch mal Tibor, dass ich diese Gose probieren konnte.

Hanscraft & Co.: Yakima-Valley versus Hallertau

Bei seinen neuen Juicy IPAs hatte Christian Hans Müller von Hanscraft wirklich eine spannende Idee. Beide Biere basieren auf dem gleichen Grundrezept, besitzen 6,3 Prozent Alkohol und strahlen zwillingshaft in einem attraktiven goldgelb durch das Glas, getoppt von einem schneeweißen, feinporigen und stabilen Schaum. Der Clou aber an den „Split Decisions“: Eines davon braute der Aschaffenburger mit Hopfensorten aus der Hallertau und das andere mit grünem Gold aus dem US-amerikanischen Yakima-Valley.

Christian steckte in sein „Hallertau Style“-IPA jede Menge an Hüll Melon, Hallertauer Blanc und Cascade. So duftet es angenehm blumig-würzig und fruchtig nach Pfirsich, Stachelbeere, Grapefruit und einem Touch Honigmelone. Auf der Zunge präsentiert sich das IPA erst hopfig-grasig, bis Aromen von gelben Steinfrüchten durchdringen. Ein dezent weiniger Hauch und eine solide Herbe runden das Bier ab.

In der „Yakima Style“-Version landeten dagegen die Hopfensorten Simcoe, Mosaic und Citra im Kessel. In die Nase steigen blumige und tropische Noten von Maracuja, Mango sowie Papaya. Im Hintergrund schwingt noch ein erdiger Anklang mit. Im Geschmack zeigen sich intensive Zitrusnoten, die von Maracuja, Mango und Papaya unterstützt werden.

Fazit: Beide Biere zeigen einen völlig unterschiedlichen Charakter. Obwohl sie das gleiche Grundbier besitzen, unterscheiden sich die Juicy IPAs stark. So wirkt das Ale mit den bayerischen Hopfensorten leichter, frischer und prickelnder mit höherer Süffigkeit. Das IPA im Yakima-Style dagegen besitzt einen cremigeren Körper und ein intensiveres Aromaspiel mit längerem Abgang. Ich mag beide Biere, weil jedes davon ein harmonisches sowie ganz individuelles Profil besitzt.

Brouwerij Kees: Flüssiges Dessert zum Sonntagsmenü

Wer kennt das nicht: nach einem guten Mahl ist der Bauch eigentlich schon gefüllt, aber häufig gelüstet es noch nach einem leckeren Dessert. Klar könnte man noch Kekse, Pudding oder Kuchen futtern, aber als alternativer Nachtisch ist ein kräftiges Bier doch viel interessanter. Mein Tipp ist das „Caramel Fudge Stout“ mit 11,5 Umdrehungen von der niederländischen Brauerei Kees, das nach einem üppigen Festmenü jedes Dessert toppen kann.

Fast schon ölig fließt das kastanienbraune Stout ins Glas, ein kräftiger Mokka-Schaum liegt obendrauf. Der Trunk duftet attraktiv nach Milchschokolade und Karamell. Vollmundig-cremig legt sich dieses Hammerbier auf die Zunge und präsentiert sich im Aroma als süße Karamell-Schoko-Bombe. Im Hintergrund spielt noch eine zarte Kaffeenote mit. Der eingesetzte Mosaic-Hopfen wird von den malzigen Tönen vollständig verdrängt. Im Finish bleibt das flüssige Dessert noch lang und angenehm am Gaumen kleben, so als hätte man gerade ein Stück Schokoladentorte verspeist. Die angegebenen 45 Bittereinheiten sind so eingebunden, dass sie kaum wahrnehmbar sind.

Fazit: Dieses Imperial Stout ist eine herrliche Alternative zu Kuchen & Co. Aber zugegeben kann man auch nicht mehr als ein Glas davon genießen. Mit 11,5 Prozent Alkoholgehalt und der süßlichen Aromawucht kommt das „Caramel Fudge“ doch sehr mächtig daher.

Brewdog: Saure Himbeerbombe für den Frühling

Bei den warmen Frühlingstemperaturen darf es gern mal etwas erfrischend Saures sein. Kürzlich hatte ich das „Cosmic Crush Raspberry Sour“ aus der OverWorks-Serie von Brewdog im Glas. Die Schotten lassen das 5,8-prozentige Ale mit wilden Hefen wie Brettanomyces und Cher Ami vergären und verfeinern es mit Himbeeren. Anschließend lagert es in ehemaligen Sangiovese-Rotweinfässern aus der Emilia Romagna in Norditalien.

In einem attraktiven Himbeerrot strahlt das Sauerbier durchs Glas. In der Nase zeigt sich der pure Duft der Beerenfrucht mit einem dezenten Hefe-Touch. Auf der Zunge präsentiert sich das Bier prickelnd-sauer mit saftigem Fruchtcharakter. Dazu gesellen sich weinige, holzige und feinherbe Noten. Das lange Finish regt zum nächsten Schluck an.

Fazit: Ein perfekter Aperitif und eine hocharomatische Erfrischung für die warmen Temperaturen. Da ist den Schotten ein wirklich tolles Sauerbier gelungen, bei dem wirklich die Himbeere im Vordergrund steht.