Destihl Brewery: Wild, salzig und fruchtig

Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen: Was passt da besser als ein fruchtiges Sauerbier? Ich habe mir mal die „Pina Colada Gose“ von der Destihl Brewery aus Normal, Illinois, eingeschenkt. Dabei handelt es sich um ein Wild Sour, das neben Ananas und Kokosnuss auch mit Koriander sowie Meersalz gebraut ist. Diese goldgelbe Spezialität besitzt 5,7 Prozent Alkohol. Ganz kurz liegt ein weißer Schaum oben auf.

Der Duft schafft ein bisschen Sommer-Feeling. In die Nase schießen genau die Aromen, die der Name des Bieres bereits erwarten lässt. Das Wild Sour duftet nach Ananas und Kokosnuss – wie eine Pina Colada also. Auf der Zunge zeigt es sich prickelnd, frisch und mit angenehmer Säure. Im Geschmack dominieren auch wieder die fruchtigen Aromen, die sich mit einem sanften Koriander-Touch kombinieren. Das Salz dringt ebenso durch und lässt das Mundgefühl ein wenig moussieren. Das Finish macht sofort Lust auf den nächsten Schluck.

Fazit: Ein tolles Wild Sour, das mir wegen seinem vielfältigen Aromaspiel viel Spaß beim Verkosten gebracht hat. Kann ich mir sehr gut als spannenden Aperitif oder zu sommerlichen Salaten vorstellen – oder aber einfach als Genusserlebnis auf der heimischen Terrasse.

Orca Brau: Sauer bei Schnee und Eis

Es gibt Bierfans, die sagen, dass Sauerbiere nichts für den eisigen Winter sind. Ich bin der Meinung, dass man immer genießen sollte, auf was man gerade Lust hat. Also habe ich mir gestern das „it’s okay to not be okay“ von Orca Brau aus Nürnberg eingeschenkt. Dabei handelt es sich um ein 7,5-prozentiges Imperial Fruited Sour, das Felix mit Himbeeren und Kokosflocken gebraut hat.

Schon in der Farbe zeigen sich die Beerenfrüchte. Das Bier präsentiert sich in einem strahlenden Himbeerrot, der schneeweiße Schaum liegt stiltypisch nur kurz obenauf. Im Duft kitzeln sofort die beerigen Noten das Riechorgan, dazu gesellen sich Zitrus- und Rhabarberaromen. Auf der Zunge breitet sich eine angenehme und erfrischende Säure aus. Im Geschmack dominieren eindeutig die Himbeeren. Dazu ergänzen sich ein Rhabarber-Touch, Zitrusfrüchte und dezent im Hintergrund die Kokosnuss. Das Finish gestaltet sich trocken und lang.

Fazit: Ein echt tolles Bier! Die Säure harmoniert hervorragend mit den fruchtigen Noten. Auch die kräftigen 7,5 Umdrehungen sind gut eingebunden, dass man sie kaum spürt. An dem Bier gibt es nichts zu meckern. Für mich ein Hochgenuss auch bei frostigen Temperaturen.

Other Half: Superfun und super teuer

Die Sude aus der Craft-Stätte Other Half aus Brooklyn gelten derzeit als besonders heißer Stoff. Hierzulande kommt man echt nur schwer an diese Biere. So musste ich im niederländischen Onlineshop „Beerrepublic“ zuschlagen, als es dort frische Ware gab. Zugegeben habe ich zweimal überlegt, wie viele Dosen ich bestellen soll. Der Preis beginnt bei 9,99 Euro. So auch beim 4,2-prozentige Double Dry Hopped Pale Ale namens „Superfun!“. Vor allem die Hopfenkombination mit Galaxy, El Dorado und Simcoe hatte mich zum Kauf angeregt.

Gestern habe ich mir die teure Dose freudig und erwartungsvoll aufgemacht. Sonnengelb zeigt sich das US-Ale im Glas, getoppt von einem feinporigen, schneeweißen Schaum. Es duftet sanft nach Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Zitrone sowie etwas grasig-würzig mit tropischem Anklang von Mango und Ananas. Im Mund präsentiert sicher Sud schlank und frisch mit einer eher zurückhaltenden Fruchtigkeit. Es dominieren gelbe Steinfrüchte wie Aprikose und Pfirsich. Im Finish verabschiedet sich das Bier mit einer dezenten Bittere.

Fazit: Die Erwartung war groß, die Enttäuschung umso größer. Ehrlich gesagt hätte ich mir bei diesem Preis etwas mehr erwartet. Klar, das Bier schmeckt durchaus super, zeigt eine angenehme Aromatik und besitzt auch keine Fehler. Versteht mich nicht falsch, ich bin die Letzte, die nicht gern viel Geld für gutes Bier ausgibt. Aber für zehn Euro bekomme ich Dutzende regionale Sude, die diesen Trunk locker übertrumpfen. Ein weiteres Bier von Other Half steht noch im Kühlschrank, vielleicht öffnet das eher mein Herz.

Oud Beersel: Die Kirsche macht‘s

Oud Beersel in Beersel, südlich von Brüssel gelegen, zählt zu den bekanntesten Lambic-Brauereien Belgiens. Gegründet wurde die Braustätte 1882 von Henri Vandervelden. Geschlossen wurde sie Anfang der 2000er wegen fehlender Nachfolger, aber fünf Jahre später von Gert Christiaens übernommen und mit neuen Ideen gepusht. Heute wird die Würze allerdings nicht mehr selbsthergestellt, sondern bei den Machern von der Brouwerij Boon produziert, in Eichenfässern bei Oud Beersel vergoren und verblendet.  

Zu den beliebtesten Produkten zählt das sechsprozentige Oude Kriek. Ich habe das zum ersten Mal während der Toer de Geuze vor ein paar Jahren in der Brauerei probiert und war sofort begeistert. Seitdem gehört es zu den regelmäßigen Gästen in meinem Kühlschrank. Für den speziellen Geschmack kommen 400 Gramm Kirschen von den 320 Kirschbäumen im eigenen Brauereigarten auf einen Liter Lambic. So präsentiert sich das naturtrübe Bier in einem attraktiven Kirschrot, getoppt von einem feinporigen, stabilen und rötlichen Schaum.

In die Nase strömen holzige, animalische und fruchtige Noten der Kirschenbeigabe. Ein Touch von Mandel schwingt auch noch mit. Der Antrunk gestaltet sich fruchtig-säuerlich, bis sich das Kriek prickelnd-erfrischend und vollmundig auf der Zunge ausbreitet. Hier zeigen sich neben einer deutlichen, aber angenehmen Säure auch die fruchtigen Aromen der Kirsche, das Holz und die Brettanomyces. Im Finish kommen noch eine harmonische Bittere sowie ein sanfter Mandel-Ton durch.

Fazit: Für mich ist dieses Oude Kriek ein Musterbeispiel für den ungesüßten Bierstil. Schön gekühlt eignet sich das Bier ideal als Aperitif, als Pairings-Partner zum Schokokuchen oder einfach im Sommer als köstliche Erfrischung.

Batzen Bräu: Trendsetter für Italian Grape Ales

Italian Grape Ales (IGA) scheinen sich als ein neuer Trend in der Craftbier-Szene durchzusetzen. Bei diesem noch relativ neuen Bierstil handelt es sich um eine Erfindung aus Italien, die 2015 auch in die Liste des „Beer Judge Certification Programs“ (BJCP) aufgenommen wurde. Dafür werden Trauben oder Traubenmost – der Anteil kann bis 40 Prozent reichen – entweder beim Kochen, bei der Gärung oder erst bei der Reifung des Trunks dazugegeben. Abhängig von der eingesetzten Traube und der Technik des Brauers variieren sowohl Farbe als auch Geschmack und Mundgefühl eines IGAs.

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich ein Italian Grape Ale durch eine gewisse Frische und Komplexität sowie die eingesetzten Trauben charakterisiert. Dabei sollte das Aroma und vor allem die Säure gefällig sein und nicht unbedingt an ein belgisches Lambic erinnern. So kann ein IGA Aromen von gelben Steinfrüchten, tropischen Früchten oder roten Beeren besitzen. Manche legen auch animalische Noten von wilden Hefen aus einem Holzfass vor.

Ein harmonisches Musterbeispiel legt der 2012 gegründete Batzen Bräu aus Südtirol vor. Bei der 6,6-prozentigen Version aus Bozen gab das Team um Robert Widmann bei der Gärung Traubenmaische vom Gewürztraminer hinzu. So präsentiert sich „Julitta Rosé“ in goldgelber Opaltönung im Glas. Schaum hat der Trunk nicht. In die Nase strömen florale Noten, die an Rose erinnern, sowie fruchtige Töne von Litschi, Holunder, Zitrone und weißen Trauben. Ein sanfter Leder-Touch spielt auch noch mit. Im Antrunk zeigt sich schon eine deutliche Säure, die sich auf der Zunge mit den fruchtigen und hefigen Aromen verbindet. Im Abgang macht sich eine sanfte Herbe bemerkbar, die das Gesamtbild abrundet.

Fazit: Dieser Bier-Wein-Hybrid ist wirklich spannend und vielfältig im Aroma. Ich denke, dass sich solche Sude in diesem Jahr verstärkt in der Craftbier-Szene durchsetzen werden. Gerade, weil Sauerbiere immer mehr im Kommen sind. Für mich ein echter Genuss.

Brouwerij Verhaeghe: Komplexes Genusserlebnis

Innerhalb meiner Fortbildung zum „Master of Beer“ muss ich auch bestimmte Bierpakete im Eigenstudium bearbeiten. In 2020 hieß das Thema „Sauerbier“. Ein paar Spezialitäten möchte ich euch nicht vorenthalten. Zu meinen Favoriten zählt vor allem das Flanders Red Ale namens „Duchesse de Bourgogne“ von der Brauerei Verhaeghe aus dem belgischen Vichte in Westflandern.

Das Besondere an diesem Bierstil, auch häufig Oud Bruin genannt, ist, dass der Sud mit Hefe sowie Lactobacillus gärt und anschließend mehrere Monate in Stahltanks reift. In Westflandern, also auch bei den Machern von Verhaeghe, kommt das Bier nach der Gärung bis zu zwei Jahre in Holzfässer, um spätestens hier noch mit Brettanomyces-Hefe zu arbeiten.

So zeigt sich das 6,2-prozentige „Duchesse de Bourgogne“ in einem appetitlichen Kastanienbraun, getoppt von einem moderaten feinporigen und beigefarbenen Schaum. Es duftet nach Balsamico-Essig, Holz, Nougat, Dörrobst wie Pflaume und Rosine. Im Antrunk fließt das Flanders Red süßlich-sauer mit feiner Rezenz über die Lippen. Der Körper ist vollmundig, fast schon cremig. Die Säure ist auf der Zunge deutlich präsent, aber absolut harmonisch in die kräftige Süße eingebunden. Aromen von Balsamico, Honig, Holz und getrockneten Früchten charakterisieren das Geschmacksbild. Das Finish zeigt sich aromatisch und trocken.

Fazit: Dieses Flanders Red lag auf meiner Bewertungsskala ganz weit oben. Das Aromaspiel ist absolut spannend, vielfältig und komplex. Ein Bier, das nicht umsonst von Sauerbier-Fans rund um den Globus gefeiert wird.

Schneeeule: Berliner Weisse wie aus dem Bilderbuch

Für meine Fortbildung zum Master of Beer habe ich vergangene Woche ein Seminar zum Thema Sauerbier besucht. Kaum jemand ahnt, dass Deutschland eigentlich zu den größten Sauerbier-Nationen weltweit zählt. Einige traditionelle Bierstile starben hierzulande allerdings fast aus. Umso cooler, dass Ulrike Genz mit der Berliner Marke Schneeeule der Bundeshauptstadt ein altes Kulturgut zurückgibt.

Bei „Dietrich“ handelt es sich um eine Original Berliner Vintage Weisse mit schlanken 3,8 Prozent – denn ursprünglich fiel dieser Bierstil unter die Kategorie Schankbiere. So strahlt die Interpretation von Ulrike in einem appetitlichen Goldgelb durchs Glas. Ein schneeweißer Schaum ist kurzfristig präsent. Im Duft zeigen sich gelbe Steinfrüchte wie Quitte und Mirabelle, ein würziger Ton und etwas zart Animalisches aus der Hefe sowie ein Touch von Brioche. Im Antrunk fließt die Weisse mit einer angenehmen Säure über die Lippen, die Kohlensäure ist harmonisch eingebunden. Im Geschmack zeigen sich die Aromen der Brettanomyces-Hefe etwas deutlicher und gehen in Richtung Leder. Aber auch auf der Zunge spielen fruchtige Noten und etwas Brotiges mit. Im Finish verabschiedetet sich „Dietrich“ knochentrocken.

Fazit: Diese Berliner Weisse zählt für mich inzwischen zu einem echten Klassiker, der regelmäßig auf den Tisch kommt. Die Säure in diesem Sud harmoniert wunderbar mit den Aromen, sodass es immer wieder ein Hochgenuss ist, dieses Bier zu trinken.

De Moersleutel: Stout trifft Lebkuchenmännchen

Wer noch nicht so recht in Weihnachtsstimmung ist, sollte unbedingt dieses nachtschwarze Imperial Stout probieren. In „Wanna Taste My Gingerbread Man?“ der angesagten niederländischen Craft-Brauern von De Moersleutel, stecken jede Menge winterliche Gewürze wie Ingwer, Vanille, Zimt und Muskatnuss. Hinzu kommen satte zehn Prozent Alkohol, die von innen wärmen.

Schon beim Öffnen der Dose springt einem ein Lebkuchenmännchen entgegen. Das Stout duftet nach Spekulatius, Vanille und den winterlichen Gewürzen. Im Mund breitet sich das Bier vollmundig mit einer cremigen Textur aus. Auch auf der Zunge erinnert der Trunk an einen würzigen Lebkuchen. Im Geschmack hält das Stout, was es in der Nase verspricht. Es gesellen sich allerdings noch schokoladige Noten und ein sanfter röstiger Touch hinzu. Im Finish ist eine zarte Hopfenbittere erkennbar.

Fazit: Dieses Bier zaubert definitiv Weihnachts-Feeling auf die Zunge. Die Aromen des Stouts in Kombination der Gewürze bildet eine tolle Symbiose. Mir ist es allerdings mit den zehn Prozent etwas zu wuchtig.

TrueBrew: Hammerharte Hopfenbombe für kalte Wintertage

Nach Milkshake, Brut und Hazy starten jetzt rund um den Globus sogenannte Triple IPAs mit zweistelligem Alkoholgehalt so richtig durch. Solche Sude sind ideal für den Winter, wo sie sich gern auch mal mit einige Umdrehungen mehr präsentieren dürfen. Eine spannende Interpretation legen gerade die Macher von TrueBrew aus München vor. Ihr zehnprozentiges New England Triple IPA namens „Short Fuzed“ hopften die Macher mit jeder Menge Sabro-, Azacca- und Bru-1-Hopfen.

Das Bier strahlt im trüben Orangegold durch das Glas, der stabile Schaum liegt feinporig und schneeweiß obenauf. In die Nase schießen sofort fruchtige Hopfennoten von Bergpfirsich, reifen Steinfrüchten, Ananas und Maracuja. Begleitet wird das Bukett von einer gewissen Würze. Kaum über die Lippen geflossen, breitet sich das hammerharte IPA vollmundig mit einer angenehmen Malzüße aus. Auch hier zeigen sich im Aroma vor allem reife Früchte wie Pfirsich und Ananas. Hinzu kommt ein angenehmer Kokos-Touch. Im Finish erinnert die Kombination fast an eine Pina Colada.

Fazit: Vorsicht: Ein ziemlich fieses Bier! Dem Braumeister Luis ist es gelungen, den Alkoholanteil von satten zehn Prozent so harmonisch in das Aromaspiel einzubinden, dass man ihn anfangs gar nicht richtig wahrnimmt. Für mich ist dieser Sud definitiv ein wunderbarer Genuss-Allrounder in diesem Winter.

Orca Brau: Sommerlicher Throwback

Felix vom Endt von Orca Brau in Nürnberg ist bekannt für Sude mit alternativen Zutaten. Begeistert bin ich aktuell von seinem „Oh dude, that’s mint“. Dabei handelt es sich um ein siebenprozentiges Milkshake IPA mit Mango, Limette, Minze, Vanille und Milchzucker. Klingt erst mal schräg, aber allein die Farbe, die an Mango-Nektar erinnert, reizt zum Probieren.

Im Duft entfaltet sich ein fruchtiges Bukett von reifer Mango und frischer Limette. Den Kick gibt dann noch die Minze, die dem ganzen einen frischen Eindruck verleiht. Vollmundig zeigt sich das Milkshake IPA auf der Zunge, wo neben den eingesetzten Früchten und der Minze auch die Vanille zum Geschmacksbild beiträgt. Besonders gefällt mir auch das gut ausbalancierte süßsauer Verhältnis. Im Abgang bleibt das Bier noch lang und absolut harmonisch am Gaumen kleben.

Fazit: Ein echt spannendes Bier, das ich gern schon im Sommer kennengelernt hätte. Durch den frischen Limette-Minze-Charakter und die Fruchtigkeit der Mango ist das der perfekte Sommertrunk. Macht sich aber auch bei dem aktuellen Herbstwetter gut, so holt man sich die Sommermonate noch mal zurück ins Glas.