Dugges Ale och Porterbryggeri: Sauerbier wie Eis am Stiel

Jedes Jahr an Silvester reise ich mit meiner Schwester und Freunden in eine andere Metropole der Welt. Dieses Mal waren wir in Göteborg. Klar, dass ich mich im Vorfeld informiere, welche Biere von welchen Brauereien ich unbedingt probieren muss. In der zweitgrößten Stadt Schwedens kam ich an Dugges Ale & Porterbryggeri, die sich rund 25 Kilometer östlich der Stadt befindet, leider nicht vorbei. In jeder Craft-Bierbar und in jedem Alko-Shop gab es aber Sorten der 2005 gegründeten Braustätte. Ein paar Flaschen nahm ich mit nach Hause, um in Ruhe zu verkosten.

Eines meiner Favoriten möchte ich euch nicht vorenthalten. Darf ich vorstellen: „Tropic Thunder“ ist ein 4,5-prozentiges Sour Fruit Ale, das in Kollaboration mit Stillwater Artisanal entstanden ist. Die Idee dabei war es, einen Sud zu kreieren, der wie ein Eis am Stiel schmeckt. „Ein Bier, das so erfrischend ist wie die eiskalten, fruchtigen Leckereien, die wir als Kinder geliebt haben“, heißt es auf der Website. Also ließen die Macher ihr goldgelbes Sour mit Maracuja, Pfirsich und Mango sowie Lactobacillus vergären. Und genauso duftet und schmeckt das Bier auch. Zu den fruchtigen Noten gesellt sich eine sanfte Säure und der zart milchige Charakter der Laktose.

Fazit: Das Experiment der Brauer ist gelungen. „Tropic Thunder“ erinnert tatsächlich an ein Fruchteis am Stil, von dem man gern noch ein zweites hätte. Ein toller Aperitif oder aromatischer Begleiter für warme Tage.

Yankee & Kraut: Tropischer Frühlingstraum

Der Trend zu hazy IPAs reißt nicht ab. Jetzt legen auch Bryan und Max von Yankee & Kraut aus Ingolstadt einen schmackhaften Vertreter vor – und zwar in der Dose. Bei ihrem neuen „Heart Waves“ handelt es sich um ein 6,5-prozentiges Double Dry Hopped IPA mit den Hopfensorten Citra, Mosaic BBC und Ekuanot BBC.

Schon das Knacken der Dose und die Optik des Bieres macht Lust auf mehr. Schenkt man den Sud ins Glas, so scheint die Sonne darin aufzugehen. In einem trüben Gelb strahlt mir das Ale entgegen. Ein tropisch-fruchtiges Bukett mit dominierenden Mango-Noten verführen den Geruchssinn. Dazu gesellen sich Zitrusfrüchte sowie ein blumiger Anklang und ein Hauch von Kräutern. Auf der Zunge setzt sich das Fruchtspiel fort. Neben einer frischen Cremigkeit entfalten sich tropische Aromen von Mango, Maracuja und Ananas, die von einer gewissen Würzigkeit begleitet werden. Im Finish zeigt das IPA noch eine ordentliche Herbe.

Fazit: Ein Bier, wie ich es gerne mag. Beim Genuss dieses IPA merkt man sofort, dass Bryan und Max mal wieder nicht am Hopfen gespart haben. „Heart Waves“ ist ein wunderbar ausbalancierter Sud, mit dem ich mir definitiv noch mal meinen Kühlschrank auffülle. Ein perfekter Trunk für den Frühling.

TrueBrew Brewing Co.: Münchner Craft-Brauer setzen auf aromatische Trinkfreude

Der Taproom der Jungs von TrueBrew in München zählt inzwischen zu den heißesten Craft-Bier-Hotspots der Stadt. Aus zehn Hähnen fließen dort neben Session Pils, Pale Ale und IPA auch Bockbiere sowie wechselnde Spezialitäten. Um ihre Fans nun auch zuhause zu beglücken, füllen Andreas, Lucas und Luis jetzt auch immer mehr Biere in schicke Dosen ab. Kürzlich habe ich die drei aktuellen Sorten probiert.

Schon mal vorab: Eines haben die drei Sude gemein. Sie legen alle einen berechenbaren Alkoholgehalt von 5,1 Prozent vor. Zuerst schenkte ich mir das bernsteinfarbene, naturtrübe Vienna Style Lager namens „Summit“ ins Glas. Ein schneeweißer Schaum toppt das attraktive Gesamtbild. Das Bier duftet angenehm malzig mit karamelligen Anklängen und einem würzigen sowie zart blumigen Touch. Auf der Zunge breiten sich nussige und auch malzige Töne aus, die ein wenig an Biskuit und Waldhonig erinnern, ohne süßlich zu wirken. Dazu gesellen sich herbe Hopfennoten. Die moderate und gut eingebundene Kohlensäure trägt zu einem ausbalancierten Bier bei.

Harmonisch präsentiert sich auch das Juicy Pale Ale namens „Joyride“, das durch eine helle Bernsteinfarbe besticht. Auch hier thront ein stabiler, weißer Schaum auf dem Bier. In die Nase strömt sofort ein fruchtiges Hopfen-Bukett, das mit Aromen von Mandarine und Maracuja zum ersten Schluck animiert. Im Mundraum entfaltet sich eine gewisse Vollmundigkeit mit einer sanften Karbonisierung. Dazu paaren sich tropisch-fruchtige Aromen von Mango und Maracuja von der eingesetzten Sorte Mosaic sowie Noten von Pfirsich und ein würziger Hauch. „Joyride“ verabschiedet sich mit einer angenehmen Herbe, die zum Weitertrinken anregt.

Das letzte der Trilogie ist das nachtschwarze „Bavarian Stout“, auf dem ein cremefarbener Schaum schwimmt. Es duftet klassisch-malzig mit Noten von Schokolade und etwas Lakritz. Im Antrunk zeigt sich das Stout angenehm schlank. Aromen von Milchschokolade und Kakao treffen auf eine dezente Röstigkeit. Das Finish ist langanhaltend, trocken und mild bitter.

Fazit: Drei wirklich harmonische Sude, die durch ihr jeweiliges Aromaspiel und ihre hohe Drinkability überzeugen. Keine Biere, die überfordern, sondern zu einem zweiten Glas anregen. Ich freue mich schon auf weitere kreative Sude aus dem Hause TrueBrew.

Bierol & Hoppebräu: Gefährlicher IPA-Hammer aus der Euroflasche

Für die Macher von Bierol aus dem österreichischen Schwoich und das Team von Hoppebräu aus dem bayerischen Waakirchen bedeutet ein Kollaborationssud echte Freundschaft. Schon häufig entwickelten die Kreativbrauer gemeinsame Biere. Jetzt kam eine neue Kreation auf den Markt: das 5,6-prozentige „Hammertime 2.0“. Dabei handelt es sich um ein India Pale Ale, dass die Freunde mit den vier Hopfensorten Callista, Calypso, Sabro und Citra brauten.

In einem trüben Orangegelb strahlt das unfiltrierte IPA im Glas, getoppt von schneeweißem Schaum. In die Nase schwirren fruchtige Noten von Ananas, Zitrus und gelben Steinfrüchten. Dazu gesellen sich würzige und grasige Aromen mit einem Anklang von Kokosnuss. Im Antrunk zeigt sich „Hammertime 2.0“ schön schlank, die Kohlensäure ist perfekt eingebunden. Auf der Zunge entfalten sich harmonische Komponenten von tropischen Früchten, Kokosnuss, Pfirsich und Aprikose sowie ein sanfter, würziger Kräuterton. Im Finish legt das IPA eine ausgewogene Bittere vor und regt nach jedem Schluck gleich zum nächsten an.

Fazit: Dieses IPA sorgt wirklich für eine Hammerzeit. Kein überhopfter Trunk, der nach Aufmerksamkeit hechelt, sondern ein perfekt ausbalanciertes und hocharomatisches Bier für alle Tage. Und für alle, die sich wundern, warum das IPA in einer 0,5-Liter Euroflasche steckt: Es ist gefährlich süffig. Davon könnte man locker auch mal ein paar Flaschen mehr genießen. Ich bin schon gespannt auf das „Hammertime 3.0“.

Cloudwater Brew Co. & Salt Beer Factory: Pale Ale und Marmelade

Zugegeben, kann ich selten an Dosen von Cloudwater aus Manchester vorbeigehen, ohne sie zu kaufen. So griff ich kürzlich bei meinem Craft-Bier-Dealer auch zum Pale Ale namens „Is There Room In The Budget For A Sports Car“, dass die Engländer mit der UK-Brauerei Salt aus Shipley, nördlich von Bradfort gelegen, entwickelt haben. Gebraut haben es die Macher mit 100 Prozent Münchner Malz.

Daher präsentiert sich das 4,6-prozentige Ale in einer für den Stil eher untypischen kastanienbraunen Farbe. Der Schaum ist feinporig, cremefarben und stabil. Das Bier duftet blumig, würzig und nach Zitrusfrüchten. Auf der Zunge erinnert der Kollaborationssud an Brombeer-Marmelade, in die man einen süßlichen Keks einstippt. Hintenraus zeigt sich zusätzlich eine ordentliche Hopfenherbe, die ich mit Zitrusschale assoziiere, und ein trockenes Mundgefühl.

Fazit: Ein echt ungewöhnliches Pale Ale. Ob ich es für rund acht Euro noch mal kaufen würde, weiß ich nicht, aber es war sehr interessant, es probiert zu haben. Cloudwater hat mich erneut nicht enttäuscht. Wer übrigens mal in London ist, sollte unbedingt auf ein paar Biere in den Taproom gehen.

Kehrwieder Kreativbrauerei: Bierige Kaffee-Alternative

Alkoholfreie Biere werden immer vielfältiger. So legte Oliver Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei vor kurzem neben seinem fruchtigen Klassiker „ü.N.N.“ auch ein Coffee Stout namens „Road Runner“ mit nur 0,4 Umdrehungen vor. Gebraut hat der Hamburger es mit Kaffeebohnen, geröstet in der Hansestadt.

Schon im Glas zeigt sich das Coffee Stout espressofarben mit einem nussbraunen, cremigen Schaum. Im Duft zeigen sich röstig-malzige und schokoladige Aromen sowie die Kaffeebohnen. Das Bukett erinnert an Cold Brew Coffee. Über die Lippen fließt das alkoholfreie Stout unerwartet leicht cremig. Auch auf der Zunge präsentiert sich eine angenehme Malzigkeit mit zart süßlichen Noten von Schokolade sowie die Kaffeebohnen. Im Finish rundet eine röstige Herbe das Gesamtbild harmonisch ab.

Fazit: „Road Runner” ist ein toller Cold Brew Coffee in Bierform. Neben der Aromatik hat mich der zart cremige Körper überzeugt, der hier nicht wie bei vielen alkoholfreien Suden leider etwas wässrig daherkommt. Oli zauberte damit eine hervorragend Alternative zum Kaffee nach dem Essen.

Omnipollo: Imperial Stout für echte Geeks

Die Macher der schwedischen Marke Omnipollo sind bekannt für ungewöhnliche und zum Teil auch extreme Sude, mit denen sie immer wieder polarisieren. Kürzlich probierte ich ihr Barrel Aged Imperial Stout „Aon Rum Mini Maple Cinammon Bites“ mit elf Prozent Alkohol und zusätzlichen Zutaten wie Rumrosinen, Vanille, Zimt, Ahornsirup und Pekannussaroma.

Optisch zeigt sich das im Rumfass gereifte Stout in einem tiefen Schwarz, getoppt von einem kakaobraunen Schaum. In die Nase strömen süßliche Aromen von Tonkabohne, Ahornsirup, Schokolade, Kakao, Karamell und eingelegten Rumrosinen. Im Antrunk zeigt sich das Bier ölig mit einer leichten Säure, bis es sich dann zu einer süßen Bombe mit Noten von Ahornsirup, Zimt und Vanille entwickelt. Dazu gesellen sich Anklänge von Rum-Pflaume, Pekannuss und Sauerkirsche. Im Finish bleiben die Aromen noch lange zurück.

Fazit: Ein Bier für echte Craft-Geeks, bei dem sich aber wohl die Geschmacksgeister scheiden. Für mich hat dieser Trunk ein wirklich interessantes Aromaspiel, das man unbedingt mal probieren sollte. Aber bei 11 Alkoholprozenten reicht ein Glas davon auch vollkommen aus.

Tilmans Biere: Modernes Weißbier par excellence

Weißbier gilt vor allem in Bayern als Grundnahrungsmittel und darf auch bei hiesigen Craft-Brauern nicht im Portfolio fehlen. Die meisten Hopfenzauberer setzen allerdings auf moderne Interpretationen dieses klassischen Bierstils. So auch die Macher von Tilmans Biere aus München bei ihrem Trunk „Der Weizen“. Vereint wird hierbei traditionelles Handwerk und kreative Braukunst. Den besonderen Touch schenkt Braumeister Til seinem Weißbier durch heimisches Weizen- und Gerstenmalz, Flaschengärung sowie mit Hopfensorten wie Comet aus der Hallertau und Strisselspalt aus Frankreich.

Sonnengelb und natürlich naturtrüb strahlt das sechsprozentige Weißbier durch das Glas. Ein feinporiger, schneeweißer Schaum komplementiert die Optik. Die Nase wird verführt durch ein frisches und fruchtiges Bukett. Estrige Noten von sanfter Banane und Nelke paaren sich mit Zitrusfrüchten und einem Touch von Weißwein. Auf der Zunge zeigt sich „Der Weizen“ frisch, schlank mit zarter Säure und cremigem Malzkörper. Hefe und Hopfen dominieren das Geschmacksbild mit würzigen und fruchtigen Aromen. So dringen vor allem Zitrusfrüchte und ein Anklang von Weißwein in den Vordergrund, begleitet von einem sanften Bananen- und Nelkenton. Das aromatische Finish lädt zum nächsten Schluck ein.

Fazit: Ein leckerer Klassiker, der niemanden so schnell überfordert und sicherlich auch gewöhnliche Weizen-Trinker zu Craft-Liebhabern bekehren kann. Für mich ist dieses moderne Weißbier ein ständiger Begleiter zum Weißwurstfrühstück, zur Pizza oder einfach am Tresen vom Frisches Bier, der Münchner Bierbar von Tilmans Biere.

Munich Brew Mafia: Scharfes Hopfengeschoss

Etikettendesign by Elena Hasenbeck

Die Munich Brew Mafia aus der bayerischen Hauptstadt macht mit ihrem Double India Pale Ale „Schießprügel“ ihrem Namen wieder mal alle Ehre. Das achtprozentige Ale hopfte das Team um Dario Stieren ordentlich mit den Sorten Callista, Comet und einem neuen Zuchtstamm mit der Nummer 13/60, der noch gar nicht offiziell auf dem Markt ist.

So schwimmt das kräftige IPA in einem Goldorangeton im Glas, ein feinporiger, cremefarbener Schaum liegt oben auf. In die Nase schießen sofort die Aromen des Hopfens: beerige Noten, gepaart mit Zitrusfrüchten und einem Hauch Dörrpflaume. Im Mundraum zeigt sich der „Schießprügel“ angenehm erfrischend mit moderater Kohlensäure und cremigem Körper. Auch hier dringt die urtypische Kraft des grünen Goldes durch. Es präsentiert sich ein rundes Geschmacksbild aus Erdbeeren, Zitrus und einem zarten Anklang von Minze, dass ein harmonisches Malzbett untermauert. Im Finish verabschiedet sich das Double IPA mit einer deutlichen, aber keinesfalls kratzigen Bittere.

Fazit: Ein tolles Double IPA, in dem nicht die typischen Tropiknoten dominieren, sondern bei dem ein schmackhaftes Aromaspiel von roten Beeren geschmacksgebend ist. Allerdings ist beim Genuss dieses umdrehungsstarken Bieres durchaus Vorsicht geboten, da sich die acht Prozent geschickt im Hintergrund verstecken. Ich freue mich jedenfalls schon auf die zweite Flasche, die noch im Kühlschrank schlummert.

Kollaborationssud: Von Schmetterlingen, Erbsen und violetten Blumen

An besonderen Tagen muss auch ein besonderes Bier ins Glas. So köpfte ich am Weihnachtsabend für meine Familie das 5,9-prozentige, offenvergorene Golden Sour namens „Monotreme“, das in Kollaboration zwischen Speciation Artisan Ales aus Michigan und der Urbanrest Brewery aus Ferndale entstand. Gebraut haben es die US-Crafter mit Butterfly Pea Flower, ein koffeinfreier Tee aus violetten „Schmetterlings-Erbsen-Blumen“. Zudem stopften es die Macher noch mit jeder Menge Galaxy- und Summer-Hopfen.

Beim Einschenken zeigt sich das Sauerbier in einem Goldorange mit leichtem Purpur-Schimmer, der vom Tee stammt. Der Schaum liegt feinporig auf dem Bier, verschwindet aber stiltypisch ziemlich schnell. Die US-Kreation duftet blumig und erdig, mit einem gewissen Hefe-Touch. Auf der Zunge entfaltet sich ein komplexes Aromaspiel der eingesetzten Rohstoffe. „Monotreme“ präsentiert sich moussierend mit einer sanften Säure, die eine Fruchtigkeit mit Noten von Melone, Maracuja und Zitrusfrüchten sowie einer deutlichen Blumigkeit begleitet. Dazu gesellen sich sehr angenehme und feine animalische Akzente von Brettanomyces-Hefe.

Fazit: Wow, das amerikanische Golden Sour ist ein wahrlich ungewöhnliches Bier. Die verführerische Komplexität der Rohstoffe hat mich vollends überzeugt – auch wenn ich zuvor noch nie etwas von „Schmetterlings-Erbsen-Blumen“ gehört habe. Meine Familie konnte ich damit übrigens auch begeistern. Wer dieses Bier in die Hände bekommt, sollte unbedingt zugreifen.