Kehrwieder Kreativbrauerei: Karibik-Flair für zuhause

Wegen der Covid19-Situation gestaltet sich die Urlaubssaison auch für viele Craft-Freunde nicht ganz so einfach. Wer sich ein bisschen Karibik-Flair nach Hause holen möchte, kann das auch mit Bier machen. Ein toller Vertreter ist das Double Dry Hopped Pale Ale namens „Dominica“ von der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg. Das Brau-Team um Oliver Wesseloh packt für das Summer-Feeling jede Menge fruchtige Hopfensorten in den 4,7-prozentigen Sud: Mosaic, Citra, Callista, Simcoe, Cascade und Centennial.

In einem Orangebraun fließt das Pale Ale ins Glas, getoppt ist es von einem weißen, feinporigen und stabilen Schaum. Die Nase wird von einem fruchtig-frischen Duft betört, der tropische Aromen von Maracuja, Grapefruit und gelben Steinfrüchten präsentiert. Über die Lippen fließt das Ale angenehm schlank mit moderater und erfrischender Kohlensäure. Auf der Zunge zeigen die eingesetzten Hopfensorten was sie so draufhaben. So schmeckt das Bier nach einem tropischen Obstkorb mit Früchten wie Maracuja, Pfirsich, Aprikose, Grapefruit und Limone. Eine sanfte Bittere und eine zarte Würze runden das Pale Ale im Finish ab.

Fazit: „Dominica“ schenkt den Sinnen wirklich etwas Urlaubs-Flair. Also: Einschenken, Sonnenbrille auf, ab in den Liegestuhl und Karibik-Feeling genießen. Passt sicher auch hervorragend zu gegrilltem Fisch, Meeresfrüchten und karibischen Salaten.

BRLO: Exotischer Hochgenuss für den Sommer

Dass Dosen-Design immer cooler wird, beweist auch die Kreativbrauerei BRLO in Berlin. Aber hier stimmt nicht nur die Verpackung, sondern auch das Bier. Kürzlich hatte ich das nagelneue Hazy IPA namens „Blurry Visions“ mit 6,5 Prozent im Glas. Gehopft haben die Macher es mit Citra Cryo, Sabro, Azacca und Galaxy. Klingt doch schon mal sehr vielversprechend.

Schon beim Klacken der Dose in Zebra-Optik strömt ein Duft von Fruchtcocktail in den Raum. In einem trüben Gelborange leuchtet das Ale im Glas, ein feinporiger, schneeweißer und stabiler Schaum komplementiert die attraktive Optik. Macht Appetit. Hält man den Riechkolben zum Glas, so wird die Nase sofort von tropischen Aromen verführt. Das Bukett zeigt angenehme Noten von  Ananas, Zitrusfrüchten, Pfirsich und etwas Kokosnuss. Cremig-weich rinnt das Hazy IPA über die Lippen. Auf der Zunge explodiert der Fruchtkorb erneut. Mit fünf IBUs verabschiedet sich der Berliner Sud. Das Finish ist lang und regt durch seinen Frischecharakter gleich zum nächsten Schluck an.

Fazit: Ein wirklich cooles Sommerbier. Fruchtige Noten treffen auf eine angenehme Frische. Das Aromaspiel macht Lust auf mehr. Passt hervorragend zu exotischen Gerichten, zum gegrillten Steak oder einfach nur so zum Genuss auf Terrasse, Balkon oder im Garten.

Brauerei Flügge: Sommerliche Sauerbier-Symbiose

Die Macher der Brauerei Flügge aus Frankfurt etablieren sich in der hiesigen Craft-Bierszene immer mehr als wahre Sauerbier-Spezialisten. Gerade erst brachten Joachim und Dominik wieder eine neue sommerliche Variante auf den Markt: ein 6,9-prozentiges Rosé Himbeer Sour namens „Éric“. Dabei geht es um eine Berliner Weiße, die mit einer Saisonhefe vergoren und mit 33 Prozent Roséwein versetzt wurde. Gelagert wurde das Ganze noch auf zehn Prozent Himbeerpüree. Klingt doch schon mal sehr vielversprechend.

Ins Glas fließt Éric in einem appetitlichen Himbeerrot. Im Duft präsentiert sich ein Bukett aus sauren Himbeeren und einem würzig-hefigen Touch. Über die Lippen gleitet die Berliner Weiße mit einer sanften Säure und einer prickelnden Kohlensäure, bis sich das Aroma der Himbeeren ausbreitet. Hinzu gesellen sich Noten des Weins und eine gewisse Würzigkeit der Hefe.

Fazit: Eine tolle Symbiose aus Bier und Wein. Die Säure und das Himbeer-Aroma kreieren in Kombination mit der Hefe einen sommerlichen Erfrischungstrunk. Die knapp sieben Prozent sollte man allerdings beim Genuss nicht unterschätzen.

Kemker Kultuur: Historisches Bier mit Holunderblüten

Jan Kemker von der Kemker Kultuur in Alverskirchen, aus der Nähe von Münster, schwört auf historische Biere. Seit nunmehr drei Jahren hat er sich als Ziel gesetzt mit seinen Suden lokale Braugeschichte wiederzubeleben. Jan verwendet ursprüngliche Zutaten, wilde Hefen und lässt seine Biere zur Vollendung lange im Holzfass reifen. Kürzlich habe ich sein „Fliärblome“ probiert. Dabei handelt es sich um ein 5,5-prozentigen Verschnitt aus spontanvergorenem Weizenbier mit Holunderblüten und jungem „Aoltbeer“, inspiriert vom dem historischen Sauerbier aus Münster.

Gelborange leuchtet das Sour Ale durchs Glas, ein fein- bis mittelporiger, schneeweißer Schaum liegt oben auf. Das Bukett betört die Nase mit einem intensiven Duft des Holunders. Hinzugesellen sich Noten von gelben Steinfrüchten und ein würziger Touch der Hefe. Über die Lippen fließt das Bier mit einer zarten Säure, bis sich eine moderate Kohlensäure und auch die Holunderaromen ausbreiten. Ein sanft fruchtiger, würziger und herber Touch runden „Fliärblome“ harmonisch ab.

Fazit: Ein tolles Bier für den Sommer mit einem ungewöhnlichen Aromaspiel. Kann ich mir sehr schön als Aperitif vorstellen oder auch zu bunten Sommersalaten. Ich freue mich schon auf die anderen Sorten, die ich aus dem Hause Kemker bestellt habe.

Hoppebräu und Yankee & Kraut: Hopfenlust mit Hefepower

Wenn sich zwei Topmarken zusammentun, kann eigentlich nur ein gutes Bier bei rauskommen. Heute morgen war ich bei Hoppebräu in Waakirchen, wo Brauereichef Markus mit Max und Bryan von Yankee & Kraut aus Ingolstadt dessen Freundschaftssud in Dosen abgefüllt haben. Bei dem Collab handelt es sich um ein siebenprozentiges „Kveik NEIPA“ namens „Døgn“, das mit norwegischer Hornindal Kveik-Hefe bei 40 Grad vergoren und ausschließlich mit Simcoe-Hopfen gestopft ist.

Im Glas präsentiert sich das trübe New England IPA in einem saftigen Gelborange und mit einer feinporigen, fast schon sahnigen, schneeweißen Schaumhaube. In die Nase strömen sofort superfruchtige Noten von Ananas, Weinbergpfirsich und Grapefruit. Über die Lippen fließt das Bier mit einer zarten Säure, die gleich in das Aromaspiel aus von frischer Ananas, Maracuja, Grapefruit und einer gewissen Würze übergeht. Dazu gesellt sich ein sanft süßlicher Touch von Dosenpfirsichen. Die Kohlensäure zeigt sich moderat, ist aber perfekt eingebunden. Im Finish zeigt sich noch eine zurückhaltende Bittere, bis sich das NEIPA staubtrocken verabschiedet und gleich animiert, den nächsten Schluck zu nehmen.

Fazit: Mit diesem Collab haben die Macher mal wieder ihr ganzes Können bewiesen. Ein echt gelungenes, rundes Bier, dass zeigt, welche Aromen auch durch den Einsatz spezieller Hefen erzielt werden können und wie diese sich mit dem Hopfen zu einer außergewöhnlichen Fruchtbombe paaren lassen. Trotz sieben Umdrehungen bringt „Døgn“ eine grandiose Trinkfreude mit sich. Absolute Probierempfehlung!

Brewheart: Exotik-Drink für laue Sommerabende

Wer noch einen fruchtigen Sommerdrink für das kommende Wochenende sucht, sollte mal bei den neuen Suden von Brewheart aus Otterfing bei München stöbern. Gerade erst machte ich mir eine Dose des 8,2-prozentigen Double Dry Hopped Double IPA namens „Beer Gees“ auf. Gebraut haben Andi und Roland es mit einer ordentlichen Portion Bru-1, Citra und El Dorado.

Gelborange fließt das IPA ins Glas, ein feinporiger, cremefarbener Schaum toppt das attraktive Gesamtbild. In die Nase steigt ein tropisches Feuerwerk aus Zitrusfrüchten, Mango und Ananas. Hinzu gesellt sich ein sahniger Touch und Noten von Aprikose, Pfirsich und selbstgekochter Erdbeermarmelade. Im Antrunk zeigt sich „Beer Gees“ samtig-weich, bis sich auf der Zunge eine eher zurückhaltende Kohlensäure ausbreitet. Auch im Geschmack dringen gleich die Hopfennoten durch. Es trifft reife Ananas auf Zitrusfrüchte, Pfirsich, Multivitamin und etwas Beeriges. Untermauert wird das Aromaspiel durch ein angenehmes Malzbett und eine sehr sanfte Herbe im sehr langen Abgang.

Fazit: Das ideale Bier für einen sonnigen Tag oder einen langen lauen Sommerabend. Die Aromatik ist schön ausbalanciert und macht enorm Spaß im Duft und auf der Zunge. Trotz acht Umdrehungen präsentiert sich das IPA mit einer hohen Trinkfreude. Für noch mehr Frischecharakter hätte ich mir allerdings etwas mehr Kohlensäure gewünscht.

Daubringer Hällche: Seltener Bierstil aus Hessen

Schwarzbier ist hierzulande definitiv ein unterschätzter Bierstil und über die aktuellen Einkaufsportale kaum zu finden. Deswegen beschloss wohl das Team von Daubringer Hällche aus dem mittelhessischen Daubringen, solch eine eher seltene Spezialität auf den Markt zu bringen – natürlich nach eigener Interpretation und dem Namen „Nachtschatten“.

In einer tiefschwarzen Farbe schwimmt das 5,1-prozentige Bier im Glas, ein beigefarbener, feinporiger Schaum krönt die Optik. Das Schwarzbier duftet malzig, nach Schwarzbrot, Toffee und zart nach Kaffee. Im Antrunk präsentiert es sich schlank mit moderater Kohlensäure. Auf der Zunge breiten sich malzige Aromen mit Noten von Schwarzbrot, Filterkaffee und einer gewissen Röstigkeit aus. Hinzu gesellt sich ein beeriger Touch. „Nachtschatten“ verabschiedet sich trocken und mit einer angenehmen Herbe.

Fazit: Mal ein ganz anderes Geschmackserlebnis! Das hessische Schwarzbier ist absolut harmonisch und legt eine hohe Trinkfreude vor. Kann ich mir auch gut zu gegrilltem Fleisch vorstellen.

Frau Gruber: Ein Gedicht aus Mosaic

Zugegeben, manchmal kommt man bei den vielen neuen Bieren von Frau Gruber aus dem bayerischen Gundelfingen gar nicht mehr richtig hinter her. Gefühlt bringen Enzo und Matthias jede Woche eine nagelneue Sorte auf den Markt. Mein Favorit aus den vergangenen Wochen ist jedenfalls das 6,8-prozentige „Purple Haze“. Ein Double Dry Hopped IPA mit Mosaic BBC, Mosaic Incognito und Mosaic T90 sowie Steffi-Malz aus 100 Prozent eigenem Anbau.

Schon beim Einschenken schwirren fruchtige Noten aus dem Glas. Die gelborange Optik mit schneeweißem Schaum regt sofort den Appetit an. In die Nase schießen köstliche Aromen des Hopfens: Maracuja, Ananas, Mandarine, Mango und ein wenig Gras. Cremig-weich fließt das IPA über die Lippen, bis es sich mit einer moderaten Kohlensäure und exotischen Tönen von Ananas und Maracuja sowie Noten von reifen gelben Steinfrüchten und Limone ausbreitet. Eine sanfte Würze und etwas Grasiges gesellen sich zum Gesamtbild hinzu. Abgerundet wird das Bier durch eine wunderbar eingebundene Bittere.

Fazit: Die Biere von Frau Gruber enttäuschen eigentlich nie, denn hier zeigt sich wahre Kreativität. „Purple Haze“ brilliert neben seinen perfekten Mosaic-Aromen auch durch eine hohe Trinkfreude. Locker könnten man davon noch ein paar Dosen mehr genießen, denn die fast sieben Umdrehungen merkt man erst später. Für mich ein Bier, das jetzt regelmäßig in meinem Kühlschrank auf besondere Anlässe wartet.

BlechBrut: Systemrelevante Fruchtbombe

Bier ist definitiv systemrelevant. Deswegen nannte Benedikt von BlechBrut aus Bamberg eines seiner neuesten Abfüllungen auch gleich mal so. Beim „Systemrelevant“ handelt es sich um ein IPA mit 6,9 Umdrehungen, das der Franke mit den Hopfensorten Palisade, Sabro, Azacca und Citra braute.

Das IPA schwimmt in einem attraktiven Gelborange im Glas, der Schaum zeigt sich feinporig und stabil. Ein Bukett aus Nektarine, Limone, Kumquats, Ananas und Kokosnuss verführt die Nase. Vollmundig-cremig fließt das Ale über die Lippen. Ein Aroma von gelben Steinfrüchten, Ananas, zarte Kokosnuss und eine gewisse Würzigkeit sowie ein sanft erdiger Touch bilden das Geschmacksbild. Eine wahrnehmbare, aber sehr ausbalancierte Herbe runden das fränkische Bier ab.

Fazit: Ein richtig geiles IPA, das mal mit ganz anderen Fruchtaromen überrascht. Ein Muss für alle Hopfenfans und die, die es noch werden wollen. Grill an, Dose auf und genießen!

Vault City Brewing: Schottisches Sauerbier-Schmankerl

Dass auch schottische Brauer Sauerbier können, beweist vor allem Vault City Brewing in Edinburgh. Die Macher haben sich auf saure Sude in Kombination mit Früchten spezialisiert. Ein echtes Highlight ist das 5,6-prozentige „Peach & Nectarine Sour“, in dem neben dem Geschmack von Steinfrüchten auch noch ein Hauch Vanille steckt.

In einem ansprechenden Goldgelb schwimmt das Bier im Glas, ein beigefarbener, feinporiger Schaum liegt oben auf. Das Sour duftet intensiv nach reifem Pfirsich und dezent nach Minibanane. Im Antrunk präsentiert sich der schottische Sud frisch, bis sich das Mundgefühl dann cremig-weich entfaltet. Auf der Zunge zeigt sich eine zurückhaltende Säure. Fruchtige Aromen von Nektarine und Pfirsich, dessen Geschmack ein wenig an das Obst aus der Dose erinnert, paaren sich mit zarten Vanilletönen und hefig-würzigen Anklängen. Das angenehme Finish verführt sofort zum nächsten Schluck an.

Fazit: Ein absolut gelungenes Bier, bei dem eine sanfte Säure auf schöne Fruchtaromatik und einen besonders weichen Körper trifft. Toller harmonischer Sud für einen schmackhaften Aperitif im Sonnenschein.

Gekauft bei Beergium.