Schräge Biere: “Beer time” statt “tea time”

Egal ob schwarz, grün oder weiß – Tee gilt als eines der ältesten Getränke der Menschheit. Jetzt gibt es ihn auch als Aroma-Turbo und Wachmacher im Bier.

NextLevelBrewingKaum ein anderes Getränk ist von so viel Legenden umrankt wie der Tee. Angeblich von chinesischen Himmelskaisern entdeckt, wird ihm Wunderwirkung bei Krankheiten jeglicher Art nachgesagt. Er hilft beim Abspecken ebenso wie bei der Durchblutung und gilt sogar als Stoffwechselbeschleuniger mit eingebautem Verjüngungseffekt. Aber nicht nur in aufgebrühter Form erzielt das Blättergewächs seine Wirkung, sondern neuerdings auch in den Sudkesseln unerschrockener Craft-Brauer. Also: Nicht „tea time“ ist angesagt, sondern „beer time“.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis zwei der weltweit beliebtesten Blattpflanzen – Hopfen und Tee – enge Tuchfühlung aufnehmen würden. Nahezu alle verfügbaren Teesorten werden inzwischen mit köstlichen Stouts, Portern, Kürbisbieren oder India Pale Ales kombiniert. Jüngstes Beispiel:  Die Gypsy-Brauer von Next Level Brewing aus Wien brachten gerade erst ihr „Five o‘ clock“ in die Regale – ein kupferfarbene IPA mit 5,7 Prozent Alkohol, das mit Earl Grey Tee gebraut ist. Dabei geht es um einen Schwarztee, der mit Bergamotte-Öl aromatisiert ist. Und so duftet das österreichische Bier auch betörend nach süßer Limette und Bitterorange. Hinzu kommen noch englische Hopfensorten wie First Gold, East Kent Golding und Fuggles, die mit ihrer Würze das Geschmackserlebnis noch verstärken.

Ähnlich wie das Wiener Craft, schmeckt das „Earl Grey Tea Pale Ale” von Crafty Bastard aus Knoxville, Tennessee. Allerdings glänzt der 5,5-prozentige Sud nicht grau, sondern eher sonnengelb im Glas. Im Aromaspiel macht sich noch etwas grüner Apfel breit. Aber ganz klar: Die zitrusartigen Noten des Tees überwiegen. Das gilt auch für das 3,6-prozentigen Blonde Ale namens „Vermont Tea Party“ der Siren Brewing Company aus Wokingham, südwestlich von London. Allerdings schenken dem Gesamtbild hier noch die Hopfensorten Chinook, Citra, Equinox und Amarillo ihre fruchtigen Nuancen.

Der schwarze Wachmacher macht sich jedoch nicht nur gut in hellen Bieren. Die Brauerei Ardent aus Richmont in Virginia, braut ein Brown Ale im nordenglischen Stil. Da passt der Earl Grey Tee perfekt hinein. „Earl Grey Brown Ale“ bringt 5,5 Umdrehungen ins Glas sowie ein typisch nussiges Aroma mit leichtem Malzkörper. Der Abgang ist staubtrocken und nur mit einem Hauch von Bergamotte versehen.

Kräftiger wird’s beim „Pumpkin Chai“ von Saugatuck Brewing aus Douglas, Michigan. Hier werden Kürbis-Genießer und Teefreunde gleichermaßen verwöhnt. Gebraut ist dieses Ale mit der orangefarbenen Feldfrucht und Chai, einer besonderen Teevariante, die in dieser Bezeichnung den Indern als Nationalgetränk dient. Dabei geht es um eine traditionelle Zubereitungsform: Zum schwarzen Tee werden noch Gewürze wie Kardamom, Ingwer, Zimt, Nelken, Fenchel und Anis gerührt – und die lassen sich ideal mit Kürbisaromen kombinieren. Geschmacklich liegt das hellbraune Bier mit seinen 6,5 Prozent Alkohol irgendwo zwischen herb-würzigem Kürbiskuchen und indischer Curry-Speise.

Wem dieser Aroma-Cocktail noch nicht schräg genug ist, der sollte mal das „Sacred Cow Chai Tea Milk Stout” von Red Brick Brewing aus Atlanta probieren. Es ist ebenso aromatisch, wird aber noch durch einen Hauch Zimt und einer pfeffrigen Komponente verstärkt. Der Gewürzdrink mit seinen vielfältigen Teeanklängen harmoniert schließlich noch mit der schokoladigen Komponente des sechsprozentigen Stouts.

In der Tee-Liga mischt auch Stone Brewing mit einem „Japaneses Green Tea IPA“ mit. Die jetzt auch in Berlin ansässige kalifornische Brauerei entwickelte mit diesem zehnprozentigen Power-Ale eine richtige Koffeinbombe. Denn grüner Tee soll wesentlich mehr Muntermacherstoffe enthalten, als herkömmliche Kaffeebohnen. Dieses grasige Double IPA könnte deshalb neben all den faden Energy-Drinks auch als neue Berliner Partydroge reüssieren.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

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