Clucking Hen: Weiniges Weißbier

20180927_134611Zufällig bin ich im Netz auf die neue Craft-Marke „Clucking Hen“ aus Meschede gestoßen. Tolles Design, interessant klingendes Bier und sympathischer Auftritt der Macher waren Grund genug, gleich mal ein paar Flaschen zu bestellen. Vor wenigen Tagen legte der Postbote das Paket vor die Tür. Nach kurzem einkühlen, wollte ich das Hefeweizen „Sauvin Blanc“ mit 5,1 Prozent auch gleich probieren. Gebraut ist es übrigens mit den Hopfensorten Nelson Sauvin, Hallertauer Mittelfrüh und Saazer.

In einem ansprechenden Sonnengelb scheint das trübe Bier durch das Glas. Ein feinporiger, schneeweißer Schaum liegt oben auf. Weinige Noten vom neuseeländischen Hopfen Nelson Sauvin präsentieren sich elegant im Bukett, begleitet von fruchtigen Aromen einer grünen Banane sowie Zitrus und einem würzigen Touch. Auch auf der Zunge zeigt sich die weinige Note, die sich mit einem Anklang von Eisbonbon, einer zarten Säure und einer aromatischen Malzigkeit paart. Leider hat das Hefeweizen etwas wenig Körper und Kohlensäure. Schlanke 14 Bittereinheiten zeigen sich ganz zart im Finish.

Fazit: Ein schlankes Bier mit tollen filigranen Aromen. Die Hopfennoten sind fein eingearbeitet. Leider fehlen mir hier für ein Hefeweizen noch ein wenig der Körper und eine gewisse Karbonisierung um das Gesamtbild zu vollenden. Viel Potential, aber für mich nicht 100 Prozent rund. Auf jeden Fall haben die Mescheder Brauer echtes Potential und ich werde mir noch die zweite Sorte im Portfolio der „Clucking Hen“ besorgen.

Kollaborationssud: Bayerisches Weißbier mit amerikanischem Hopfen-Touch

20180127_131032Es ist schon was Besonderes, wenn zwei Brauereien aus verschiedenen Ländern ein gemeinsames Bier brauen. Aber wenn das die älteste Braustätte der Welt, also die Bayerische Staatbrauerei Weihenstephan und die Craft-Pioniere von Sierra Nevada aus Kalifornien sind, liegt die Erwartungshaltung bei Kreativfans schon ziemlich hoch. Bei dem Gemeinschaftssud handelt es sich um ein 6-prozentiges Weißbier namens „Braupakt“, das aber mit eimerweise Hallertauer Tradition, Chinook und Amarillo gebraut wurde. Für die Hopfengabe luden die Braumeister Tobias Zollo von Weihenstephan und Scott Jennings von Sierra Nevada ein paar Bierexperten auf den heiligen Berg nach Freising ein. Probieren konnte ich den Sud dort dabei leider noch nicht, nur der Duft lag mir lange in der Nase.

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Scott Jennings gibt den ersten Eimer Hopfen in den Sud

Jetzt hatte ich das orangefarbene Weißbier mit cremiger und stabiler Schaumkrone endlich im Glas. Es duftet kräftig nach Banane und Nelke. Hinzu kommen würzige Aromen der eingesetzten Hopfensorten sowie ein Touch Zitrusfrüchte. Vollmundig und mit zarter Kohlensäure fließt der „Braupakt“ auf die Zunge. Das Mundgefühl wirkt äußerst frisch. Eine sanfte Säure paart sich mit Bananennoten und würziger Hopfenherbe, die von einem kräftigen Malzkörper unterstützt werden. Im Abgang zeigen sich die 21 Bittereinheiten mit einer gewissen Pfeffrigkeit und einer zusätzlichen Aromakomponente von Weißbrotkruste.

Fazit: Ein solides aber durchaus kräftiges Weißbier, das durch die Kombination der fruchtig-würzigen Hefe- und Hopfennoten überzeugt. Auch eingefleischte Craft-Bierfans merken sofort, dass beim „Braupakt“ zwar die Individualität an erster Stelle steht, aber auch die Trinkbarkeit beim Rezeptentwurf wichtig war. Und vorsichtig: Sehr süffig! Die sechs Prozent spürt man erst nach dem Genuss mehrerer Gläser.

Übrigens: Zum ersten Mal wird der Sud offiziell auf der kommenden Braukunst Live (2. bis 4.2.) in München ausgeschenkt. Ab März steht das Bier dann in den Regalen von 32 Ländern.

 

Bierschau: Von schwarzem Weißbier bis Kellerbier mit Lakritzaroma

Bierschau
Eine Auswahl der Bierschau aus Landshut

Manchmal entdeckt man coole Biere eher durch Zufall. Eine Freundin machte mich kürzlich auf die „Bierschau“ aufmerksam: Ein Shop mitten in der Altstadt von Landshut, in dem neben regionalen Bierspezialitäten auch eigene Sude verkauft werden, für die Braumeister Uwe Janssen verantwortlich ist. Eine Auswahl der Landshuter Biere hatte ich kürzlich im Glas.

Zuerst schenkte ich das helle 5,2-prozentige Festbier namens „Lagerleben“ ins Gebinde. Goldfarben leuchtet es durch das Glas. Im Duft betört das Lager durch eine harmonische Kombination aus blumigen Noten des Hopfens und einer leichten Malzsüße. Auf der Zunge präsentiert sich das Bier mit einer angenehmen Frische, einem sanften Malzbett und einem würzigen Hopfen-Touch. Echt süffig! Das bayerische Rotbier „Winnätuuh“ dagegen zeigt sich kräftiger mit 5,8 Prozent Alkohol und malzig-nussigen Aromen und einem deutlichen Anklang von Karamell. Im Abgang entpuppt sich eine dezente Hopfenherbe, die den rotbraunen Gerstensaft sanft abrundet.

Besonders spannend tritt das dunkle Kellerbier „Unhelles“ auf. Dunkelbraun mit zartem Rotstich steht es im Glas, getoppt von einem cremigen espressofarbigen Schaum. In die Nase schwirren malzige Aromen mit einem Hauch Kaffee. Auf der Zunge breiten sich weiterhin die Malzkomponenten aus, die allerding an Haselnuss und Lakritz erinnern. Noch kräftiger im Geschmack ist das „Mokkasinn“, ein auf Flaschengärung basierendes, schokoschwarzes Weißbier mit 6,1 Umdrehungen. Im Duft überraschen kräftige Noten wie Banane und Nelke. Am Gaumen kitzeln röstig-würzige Aromen von Zartbitterschokolade und Lakritz. Dazu gesellt sich noch eine dezente Säure.

Fazit: Diese vier Biere liegen auf angenehme Weise fernab des Mainstreams. Am interessantesten fand ich das Kellerbier, mit seinen ungewöhnlichen Aromen. Das Festbier passt perfekt zu jeder Brotzeit und dient als süffiger Feierabendbegleiter mit ganz eigenem Charakter. Auch das Rotbier kann ich mir gut als Speisebegleiter zu kräftigen Fleischgerichten wie Gulasch oder scharfgebratenem Steak vorstellen. Zugegeben: An das schwarze Weißbier musste ich mich erst gewöhnen, für mich war der Aromacocktail nicht so richtig harmonisch. Ich bin gespannt, was noch so von der „Bierschau“ auf den Markt kommt.

Craft-Bier des Monats: „HopGaudi“ – das vielleicht beste Weißbier der Welt

IMG_20170802_145043_306Es ist raus. Mein Kollaborationssud, den ich mit Tölzer Mühlfeldbräu und Yankee & Kraut gebraut habe, steht in den ersten Läden. Ab heute wird es unsere „HopGaudi“ in der „Getränke Oase“ und der „Bierothek“ in München geben. Spätestens kommende Woche gibt es das Bier auch im „Biervana“ und weiteren Craft-Biershops der Nation wie etwa im „Dolden Mädel“ in Berlin. Und: Heute und am Samstag fließt das Craft auch frisch vom Hahn bei den „Welde Craft Beer Days“ in Plankstadt.

Was euch erwartet? „HopGaudi“ ist das etwas andere Weißbier – und genau das Richtige für den Sommer. Denn schon beim Einschenken geht die Sonne im Glas auf. Das 5,6-prozentige Craft duftet nach Banane und dezent nach roten Früchten. Im Aroma dominiert aber ganz klar die Maracujanote. Kein Wunder: Wir haben es mit ordentlich Mosaic- und Callista-Hopfen gestopft und dabei wahrlich nicht gespart. Das Mundgefühl ist sehr erfrischend, vollmundig und verlangt nach Mehr. Auf der Zunge paaren sich die typischen bananigen Weißbiernoten mit den Hopfenaromen wie Maracuja, Waldbeeren und Zitrus zu einem harmonischen einer harmonischen Geschmackstiefe. Im Abgang ist neben frischen Zitrustönen noch eine dezente Bittere wahrnehmbar.

Fazit: Mit einem Augenzwinkern darf ich wohl sagen, dass unsere „HopGaudi“ für mich das derzeit wahrscheinlich beste Weißbier der Welt ist. Nicht nur eingefleischte Hop-Guys werden daran ihre Freude haben, denn dieses Bier hat eine hohe Trinkbarkeit und ist ein Spaßbegleiter für einen ganzen Abend. Craft-Bier soll glücklich machen, und zumindest was den Geschmack meiner Freunde anbelangt, die sich bereits an diesem Göttertrunk laben konnten, ist dies wohl gelungen. Freue mich auf euer Feedback!

 

Kollaboration: Gestopfte „HopGaudi“

Nach einigen Suden in heimischen Gefilden bin ich das Thema Bierbrauen jetzt mal professioneller angegangen. Gemeinsam mit Yankee & Kraut aus Ingolstadt und dem Tölzer Mühlfeldbräu habe ich im bayerischen Bad Tölz ein vollmundiges Weißbier namens „HopGaudi“ gebraut, das ordentlich mit Mosaic- und Callista-Hopfen gestopft ist.

Premiere ist am kommenden Wochenende bei der „Langen Nacht der Brauerei“ beim Giesinger Bräu in München. Am Stand vom Tölzer Mühlfeldbräu könnt ihr das Bier zum ersten Mal ausgiebig probieren. Bin gespannt auf euer Feedback.

 

Schneider Weisse: Barocker Bajuwarensud als Craftbeer des Monats

1456852332239Wer Georg Schneider kennt, weiß, dass er auch ein leidenschaftlicher Maler ist, der seine Ideen nicht nur auf die Leinwand bannt. Die Kreativität des bekannten Weißbier-Bajuwaren spiegelt sich auch zunehmend in seinen Craft-Suden. Mit dem neuen TapX namens „Marie‘s Rendezvous“, brachte er zusammen mit seinem Braumeister Hans-Peter Drexler, der in den USA mittlerweile sogar Autogramme geben muss, eine barocke Genuss-Weisse auf den Markt, die wohl auch seinen Vorfahren geschmeckt hätte. Gewidmet hat das Schneider-Team jedenfalls diesen edlen Sud der Ahnherrin Anna-Maria Schneider, deren Begegnung und Liebe zum englischen König Georg I. angeblich die Weißbierleidenschaft in der Brauerfamilie entfachte.

Marie’s Rendezvous muss wohl ziemlich wild gewesen sein. Schließlich hat das neue TapX zehn Prozent Alkohol und eignet sich wohl eher, kräftige Mannsbilder als zarte Damen flach zu legen. Aber nun zum Bier: In einem Karamellton leuchtet es im Glas. In die Nase schießen sofort kräftige Düfte von Waldhonig, Banane und überreifen Steinfrüchten wie etwa Pfirsich, Mirabelle und Pflaume. Am Gaumen breitet sich der Weizendoppelbock vollmundig aus. Ein honigartiger Film legt sich auf die Zunge, während die süßlichen Aromen von Steinfrüchten und Rosinen sanft den Gaumen verwöhnen. Der weiße Bock kommt zwar sehr schwergewichtig daher, aber schmeckt einfach toll. „Marie’s Rendezvous“ wird im Finish durch eine leichte Pfeffrigkeit komplementiert.

  • Brauerei: Schneider Weisse, Kehlheim
  • Bierstil: Weizendoppelbock
  • Alkoholgehalt: 10 Prozent
  • Stammwürze: 24 Prozent
  • Farbe: karamellfarben
  • Schaum: feinporig
  • Bittere: 27 IBU
  • Hopfen: Tradition und Cascade, für die Kalthopfung ein neuer Zuchtstamm
  • Malz: Weizen, Gerste

Fazit: Definitiv kein Bier für alle Tage. Dafür ein echter Genuss für besondere Momente. Dieser Bock passt übrigens nicht nur zu bayerischem Sushi, wie gerade erst auf der „Braukunst Live“ vom Schneider-Team demonstriert, sondern auch ideal zu kräftigen Käsesorten und feinen Desserts. Aber Vorsicht: Die zehn Prozent sind nicht zu unterschätzen!

Brauer-Portrait: Anton Schwendl – Craft-Bier-Pionier mit hauseigener Hefe

Foto: Anton Schwendl
Foto: Anton Schwendl

Im Weißbräu Schwendl im oberbayerischen Tacherting im Chiemgau wird seit 70 Jahren überwiegend obergärig gebraut – aber mit selbstgezogener Hefe, die den Bieren individuellen Geschmack und Charakter verleihen soll. Chef am Braukessel ist heute Anton Schwendl, auch genannt Done. Der 28-Jährige wurde schon als Kind mit Bier infiziert. Nach dem Kindergarten war es für ihn das Größte als erstes in die Familienbrauerei zu flitzen um beim Brauen, Hefe ernten oder Bottich waschen zuzuschauen. Später machte er schließlich eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer. 2008 und 2012 gewann er Gold beim European Beer Star Award.

Bereits seit mehreren Jahren beschäftigt sich Anton Schwendl mit seltenen Hopfenspezialitäten und gilt deswegen als einer der Pioniere in der deutschen Craft-Bier-Szene. Charakterisierend für die Brauerei ist die offene Hauptgärung. Dabei werden dem Bier die unedlen Bitterstoffe entzogen. Neben seiner Berufung ist der Oberbayer stolzer Vater einer Tochter. Klar, das sind viele. Aber Schwendl widmete seiner Emilia ein IPA. Mit einem Freund steckte er viel Herzblut in den Sud. Nur drei Tage später bekam sein Kollege seinen Sohn Hannes. Also nannten die Brauer ihr hopfiges Bier „Don HaMilia“. Don stammt übrigens aus Familientradition und bedeutet „Done“ nur ohne „e“ – Vater, Großvater und vermutlich noch einige Vorfahren hießen Anton. Typisch Bayerisch!

Das Brauer-Portrait: Anton Schwendl

1. Wann und wie tranken Sie ihr erstes Bier?

Wann genau das weiß ich leider nicht mehr, ich schätze, dass das ca. 15 Jahre her ist. Wir saßen wie oft bei einem Freund in der Nachbarschaft vor der Sommerhütte. An diesem Abend haben wir das restliche Weißbier aus dem Kühlschrank getrunken und am nächsten Tag, um es zu vertuschen mit einem neuen Kasten von mir zu Hause aufgefüllt. Aber gefragt wurden wir trotzdem schmunzelnd warum im Kühlschrank auf einmal wieder ein ganzer Kasten Bier eingeräumt ist und wo der halb leere ist.

2. Wann und warum haben Sie sich für den Brauerberuf entschieden?

Schon als Kind war mir klar was ich mal machen werde. Ich bin damals schon immer gleich nach dem Kindergarten heim und rein in die Brauerei: Türe von der Sudpfanne auf um zu schauen was da grad passiert, unseren Brauern im Gärkeller bei Hefe ernten oder Bottich waschen zu geschaut usw. Schon damals hat mich das alles interessiert und fasziniert.

3. Auf welches Bier sind Sie besonders stolz und warum?

Auf unser helles Weißbier und unser 5 Korn. Unsere Weisse ist unsere Hauptsorte und laut den Endverbrauchern unserer Region eines der beliebtesten bei uns in der Gegend und das freut mich als reiner Weissbierbrauer schon sehr. Mit unserem 5 Korn haben wir 2010 unser erstes obergäriges Spezialbier ins Leben gerufen das mittlerweile auch zu einer Hauptsorte aus unserem Sortiment wurde. Aber auch unser Weizendoppelbock Don Impala, ein Bier für das es keine Kategorie gibt, aber doch sehr positive Meinungen darüber .

4. Was macht für Sie ein wirklich gutes Spezialitätenbier aus?

Ein wirklich gutes Spezialbier ist für mich ein Bier das nicht vergleichbar ist mit anderen und nicht einfach nur kopiert ist, sondern eigene und neue Geschmackseindrücke mit sich bringt.

5. Was sind Ihre Lieblingshopfensorten?

Es gibt sehr viele gute Hopfensorten, es kommt nur darauf an welchen Hopfen man für welchen Bierstil verwendet. Ich verwende beispielsweise Perle, Saphir, Hersbrucker, Tettnanger, Mandarina Bavaria und Mittelfrüh und jede dieser Hopfensorten bringt seine eigene Stärke in bestimmte Biere und deshalb ist es schwierig sich für einen Lieblingshopfen zu entscheiden. Es macht sehr viel Spaß in diesem Thema zu experimentieren.

6. Was ist für Sie der schönste Ort der Welt?

Der schönste Ort der Welt ist für mich die Heimat, obwohl es bestimmt noch sehr viele schöne Orte auf der Welt gibt. Aber wie sagt man bei uns: Dahoam is Dahoam…

7. Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Mich immer weiter zu entwickeln und auch in Zukunft neue Biere mit Erfolg zu kreieren. Und natürlich für´s beste Wohlbefinden meiner Frau und meiner Tochter sorgen.