„Simonius“: Giesinger läuten starke Saison ein

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Braumeister Simon Rossman im Giesinger Bräu

(Bezahlter Beitrag) Bald beginnt wieder die Starkbierzeit. Der Giesinger Bräu in München legte gerade schon mal einen dunklen Weizenbock namens „Simonius“ vor. Braumeister Simon Rossmann braute das Bier mit vier verschiedenen Malzen: dunkles Weizen-, Wiener-, bernsteinfarbenes Caramel- und Weizenröstmalz. Vergoren wurde der Bock mit zwei Weißbierhefen. Veredelt ist er zusätzlich mit den Hopfensorten Unique, Saazer und Saphir. Sechs Wochen ließen die Giesinger ihr 7-prozentiges „Baby“ lagern.

„Simonius“ leuchtet in nussbrauner Farbe im Glas, getoppt von einem stabilen Schaum. Der kräftige Weizenbock duftet nach Toffee, Nuss und reifer Banane. Im Antrunk präsentiert sich erst ein vollmundiges, malzbetontes Aroma, bis sich auf der Zunge eine Karamellsüße zeigt, die sich mit Toffee, Nuss und Banane vereint. Die Kohlensäure ist wunderbar eingebunden. Im Finish runden die 20 Bittereinheiten den Giesinger-Trunk ab. Wer den Sud probieren möchte, der sollte sich beeilen. Simon hat ihn nur einmal gebraut und das in limitierten Dimensionen.

 

„Tilmans´ Friends of mine Fest“: Tagesfestival mit Craft-Bier und Live-Musik

25289317_1998190883756983_3316887660071076871_nWas gibt es Schöneres, als bei guter Live-Musik ein köstliches Craft-Bier zu genießen? Wahrscheinlich nicht viel. In den USA gibt es inzwischen schon mehrere Festivals, bei denen bekannte Punkrockbands wie etwa Pennywise oder NOFX in die Gitarren hauen und die Mikros quälen, während kreative Brauereien besondere Craft-Sude ausschenken.

Jetzt gibt es so eine Veranstaltung auch in Deutschland. Am 27. Januar startet in München im „Kafe Kult“ das wahrscheinlich erste hiesige Tagesfestival mit Craft-Bier und Live-Musik. Das „Tilmans´ Friends of mine Fest“ wird organisiert von Franz und Til von der Münchner Craft-Schmiede „Tilmans Biere“ aus München, die beide aus der Punk-Szene kommen.

Warum die beiden das machen? Nach Ansicht von Franz gibt es inzwischen hierzulande so viele große Craft-Bierfeste auf denen sich die Brauer präsentieren.  „Das ist ja ganz schön“, sagt er, „ aber wir wollen einfach mal was ganz anderes machen und eine große Party unter Freunden feiern“. Darunter verstehen Til und Franz sowohl ihre Brauerkollegen, als auch diverse Bands und interessierte Gäste.

Das Fest beginnt bereits um 12 Uhr mittags mit eher sanfter Musik, die auch als familienfreundlich angepriesen wird. Auf der Bühne sorgt ein buntes Programm für gute Stimmung: Von Singer-Songwriter über Beatbox-Rap bis hin zu knallhartem Punk. Während des Schunkelns, Mitgrölens, Kopfnickens und Pogotanzes verwöhnen sieben Brauereien die Gaumen des Publikums. Neben regionalen Highlights wie Yankee & Kraut aus Ingolstadt, Hoppebräu aus Waakirchen und Open Your Mind Brewing aus Freising reisen auch Heidenpeters aus Berlin, Buddelship aus Hamburg und BrewAge aus Wien mit ihren Fässern an. Klar schenken auch Franz und Til ihre Biere aus.

Karten gibt es vor Ort oder im Vorverkauf ganz anolog im Craft-Biershop „Biervana“ in Schwabing und im Black Wave Records Plattenladen im Westend.

Craft-Bier des Monats: Hammerhartes „Sidekick“ mit nachtschwarzer Optik

20171130_194654Wenn ein „Brauer“ mich zur Verkostung seines neuen Bieres einlädt und meine Meinung dazu wissen möchte, ist das schon eine coole Sache. Vergangene Woche besuchte ich Franz von Tilmans Biere im Münchner Nordwesten. Er war ganz schön nervös als ich an seinem Imperial Stout schnupperte und erst mal verstummte um den neuen Trunk in all seinen Facetten zu analysieren. Der Grund: Franz ist eigentlich überhaupt nicht für das Brauen zuständig, das macht in der Regel Tilman.

Aber wie kam es überhaupt dazu, dass ausgerechnet Franz die neue Kreation aus der Taufe hob? Die Münchner sind mit Yankee & Kraut aus Ingolstadt gut befreundet und planen schon seit längerem einen kreativen Kollab. Beide Startups saßen bei einigen Kaltgetränken zusammen und überlegten krampfhaft, was für einen besonderen Sud sie denn produzieren könnten. Aus der Bierlaune heraus fragte Yankee-Bryan, warum nicht mal sein Kollege Max, der eigentlich für die Vermarktung zuständig ist, und sein Pendant Franz bei Tilmans mal was ganz Eigenes entwickeln wollen. Die beiden „Sidekicks“, so wie Max und Franz sich selbst betiteln, waren spontan begeistert und eine neue Brauidee stand im Raum. Aber warum gleich ein Imperial Stout, das in seiner Herstellungsweise schließlich nicht ganz unkompliziert ist? „Wir stehen beide auf starke und dunkle Biere“, verrät Franz, „außerdem passt der Stil gut zur kalten Jahreszeit“.

Eigentlich sollte das Imperial Stout satte elf Prozent Alkohol ins Glas bringen. Mit den jetzigen neun sind die beiden aber überausaus zufrieden. Es dominiert nicht der Alkohol wie bei so manchem Imperial-Bruder. In den Sudkessel gaben Max und Franz neben diversen Spezialmalzen die Hopfensorten Merkur, Saphir und Comet. So steht „Sidekick“ nun nachtschwarz und mit espresso-farbenen Schaum im Glas. Es duftet nach Milchschokolade, Haselnuss, Filterkaffee und roten Beeren. Das Bukett lässt ein süßliches Stout erwarten. Cremig-weich fließt es mit kräftigen Schoko- und Kaffeearomen auf die Zunge. Im Antrunk  lässt sich tatsächlich eine dezente Süße entdecken, aber dann driftet eine elegante und leichte Säure an den Gaumen und die ganze Wucht des Hopfens bricht durch. Ein Aromaspiel aus dunklen Malznoten, dem beerigen Anklang des Comet-Hopfens und einem Hauch von Zitrus der Sorte Saphir balanciert dieses Stout optimal aus. Im Abgang zeigt sich eine unaufdringliche Bittere, die dem Charakter des Ales den letzten Schliff verleiht.

Fazit: „Sidekick“ ist mein Craft-Bier des Monats, weil es allein schon von den beiden Machern her ein ungewöhnliches Imperial Stout ist. Vor allem überrascht ein wirklich voluminöses Aromaspektrum. Ich finde es toll, dass sich der Geschmack nach einer Weile ganz anders entwickelt, als es der etwas liebliche Duft anfänglich vermuten lässt. Die massige Hopfengabe neutralisierte die Röstaromen des Malzes und macht das Bier zu einem wahren Geschmackserlebnis. Kompliment an Franz und Max, verbunden mit der Bitte, dass es nicht ihr letzter Sidekick ist.

 

Partnerprogramm: „Ein Profit der Gemütlichkeit“ – Giesinger Bräu startet neue Crowdfunding-Kampagne

Giesinger-18-1_594x420[Sponsored Post] Die Erfolgsgeschichte des Giesinger Bräus begann einst in einer Garage. Steffen Marx entwickelte vor knapp zehn Jahren schon ungewöhnliche und besondere Biere. Und genau diese lieben die Konsumenten inzwischen mehr denn je. Nach rasantem Erfolgsstart platzen die Kessel bald aus allen Nähten, sodass die Münchner Brauerei stetig wächst. Jetzt möchte das Team um Steffen Marx eine eigene Abfüllanlage bauen. Bislang nutzten die Giesinger dafür Kapazitäten einer Partner-Brauerei außerhalb von München. Das war zunächst eine pragmatische Lösung. Aber jetzt möchten die Bayern aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit eine eigene Abfüllanlage innerhalb Münchens errichten. „Damit sparen wir Zeit und Geld und stärken gleichzeitig die Identität unserer Brauerei“, bekräftigt Marx.

Unter dem Motto „Ein Profit der Gemütlichkeit“ startet jetzt eine neue Crowdfundig-Kampagne. Die Giesinger Kultbrauerei mit Bräustüberl und neuem Stehausschank hoffen dabei auf treue Unterstützung, die sich aber auch lohnen soll: „Investier in Bier – mit sechs Prozent Verzinsung und der Zinsauszahlung in Bier und Speisen“.

Wie das genau funktioniert seht ihr hier.

 

 

 

Partnerprogramm: Craft-Bier & Tapas in der Kocharena

beer-2435382_1920Dario Stieren von der Munich Brew Mafia lässt sich immer wieder neu inspirieren. Am kommenden Samstag gibt der Braumeister und Biersommelier zusammen mit einem Profikoch ein Tasting, in dem die beiden ausgewählte Biere aus aller Welt mit feinsten spanischen Tapas paaren. Dabei können Gäste einiges über das Thema Food Pairing im Zusammenhang mit neuen Hopfensäften lernen und nachvollziehen, warum genau diese Kombinationen besondere Geschmackserlebnisse versprechen. Teilnehmer dürfen sich auf ein köstliches 7-Gänge-Menü mit bekannten Klassikern aus der spanischen Küche, aber auch auf spannende Neuinterpretationen in der Symbiose von Bier und Food freuen. Zudem wird Dario ein exklusives Bier vorstellen, das kaum jemand kennt. Das Spektakel findet Samstag, den 21. Oktober um 18 Uhr in der Event-Location „München kocht“ in der Kazmairstrasse 28 statt.

Reservierungen an dario.stieren@brewmafia.de
Kosten: 99 Euro
Auch als Gutschein möglich!

BLOCK IPA: Craft-Bier vom Edel-Rocker

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BLOCK IPA

Motörhead und Iron Maiden fingen damit an. Inzwischen ist es hipp, dass immer mehr Bands, vor allem in den USA und England, unter die Bierbrauer gehen. Die meisten von ihnen pappen jedoch meist nur ein neues Etikett auf die mit Standardbieren abgefüllten Flaschen. Erstmalig wagt sich jetzt ein deutscher Rockmusiker an einen eigenen Sud, den er zusammen mit dem Münchner Craft-Maker „Hopfenhacker“ speziell für das Bandprojekt BLOCK entwickelt hat. Das Bier wird im Vierer-Pack unter dem Motto „Bier spielt die Musik“ als Bundle zusammen mit CD und Vinyl  plus digitalem Album-Download in ausgewählten Craft-Shops angeboten. Das Komplettpaket ist im hiesigen Musikgeschäft eine echte Novität.

Hinter BLOCK steht als Mastermind der Filmproduzent, Musiker und Craft-Fan Michael Pöttinger, der im Süden von München in einem zum coolen Wohnturm umgebauten Speicher lebt. Morgen, am 13. Oktober startet er mit seinem Debütalbum „Hitparade“  und 14 deutschsprachigen Songs in einem selbst ausgedachten Genre, das der Künstler Salon-Punk nennt.

Ich kenne Michi Pöttinger seit vielen Jahren, da er auch mal mein Nachbar war. Er ist ein absoluter Vollblutmusiker, der seit frühester Jugend in nahezu allen namhaften Münchner Bands am Bass stand. Gleichermaßen genießt er den Ruf eines charismatischen Sängers, der ein ganzes Festival allein rocken kann. Michi ist ein unkonventioneller, feinsinniger und individueller Künstler – sein Bier enthält nahezu die gleichen Eigenschaften. Das mit Centennial und Simcoe gebraute IPA mit 6,8 Umdrehungen und 45 IBUs kann sich durchaus sehen lassen. Es demonstriert eine angenehme Balance zwischen Hopfen und Malz und sorgt dabei für eine hohe Drinkability.

Das Bier heißt wie die Band, nämlich BLOCK, und ist geeignet auch bei Konzerten für gute Laune zu sorgen, ohne dass gleich jemand vor der Bühne zusammenbricht. Es duftet nach Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Zitrone, dazu gesellen sich dezente Noten von Papaya und Maracuja. Der Sud schmeckt ebenso frisch und fruchtig mit tropischen Aromen, wie es schon die Nase verspricht. Kennzeichnend für den Centennial-Hopfen macht sich noch ein harziger Touch bemerkbar. Im Finish zeigen sich die 45 Bittereinheiten, die noch lange am Gaumen verweilen.

Michis Devise heißt „Genießen mit allen Sinnen“. Wer den Song  „Der stahlblaue Panzer“ mit einem guten BLOCK-IPA genießt, der spürt, wie Rock & Roll fetzen kann. Eine Kostprobe – zumindest was die Songs angeht – gibt es unter www.block-band.de.

 

 

Giesinger Bräu: Heller Bock mit Hopfenmischung

20170609_170307Giesinger Bräu überrascht seine Fans immer wieder mit neuen, interessanten Suden. Gerade erst brachte die erste großformatige Craft-Brauerei der bayeriscnten Landeshauptstadt einen untergärigen hellen Bock namens „Munique“ heraus – ein Wortspiel aus dem verwendeten Hopfen „Unique“ und München. Das Besonders an dem Bock ist der neuen Hopfen von Hopsteiner aus der Hallertau. „Unique“ ist eine Mischung aus knapp 2000 Zuchtstämmen von einem Versuchsfeld.

Goldgelben strahlt der 6,8-prozentige Giesinger-Bock durch das Glas. Eine gewaltige, schneeweiße Schaumkrone sitzt oben drauf. Im Duft zeigt sich schon die Hopfenmischung mit einer gewissen Würze und fruchtigen Aromen von gelben Steinfrüchten und Orange. Am Gaumen breitet sich ein kräftiger Malkörper aus, der Noten von Weißbrot und Karamell mit sich bringt. „Unique“ zeigt sich auf der Zunge eher zurückhaltend mit dezentem Zitrus-Touch und einem Hauch roter Beeren. Erst im Abgang ist eine angenehme Bittere spürbar, die Lust auf den nächsten Schluck macht.

Fazit: Ein solider heller Bock, der wirklich sehr gut zu trinken ist. Die fast sieben Prozent merkt man erst nach einem Gläschen. Auch aromatisch hat „Munique“ einiges zu bieten. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Hopfennoten etwas stärker durchdringen. Aber Braumeister Simon Rossmann hat das wohl so gewollt, das grüne Gold wurde nur im Heißbereich eingesetzt.

Top-Brauer: Munich Brew Mafia – Vierfachgehopftes Pils und Dekobier unter Wasser

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Niklas (links) und Dario von der Munich Brew Mafia in der Camba Old Factory. Foto: Eric Bohr

Dario Stieren und Niklas Zerhoch zählen mit ihrem Label „Munich Brew Mafia“ zu den spannendsten Newcomern der deutschen Craft-Bierszene. Neben vierfachgehopftem Pils verwöhnen die beiden Münchner die Gaumen der Feinschmecker auch mit rauchigem Dubbel, Hallertauer Blanc-Grünhopfenbier und fruchtigem Pale Ale namens „Golden Jail Ale“. Immer wieder tüftelt das Mafia-Duo an neuen Rezepten und Kollaborationssuden mit anderen namhaften Brauern. Ländergrenzen werden dabei gern überschritten und somit auch die Anerkennung international gesteigert. Dario und Niklas Biere sind kreativ, aber vor allem auch sehr gut trinkbar – deswegen gehören die beiden Vollblut-Bayern für mich zu den Top-Brauern der Republik.

Die Fragen beantwortete Braumeister Dario Stieren:

Dario, wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das ist nun fast sieben Jahre her. Es sollte ein Altbier werden, von dem mein Vater immer geschwärmt hat. Die Auswahl hier war spärlich. Versehentlich haben wir jedoch die doppelte Malzmenge eingemaischt. Das Resultat war ungeplant sehr stark, geschmacklich jedoch so gut, dass ich sofort das nächste Bier brauen wollte, ein Double-IPA.

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Munich Brew Mafia“ gekommen?

Die ersten zwei Teile sind dem Papagei-Syndrom eines Barkeepers zuzuordnen. Täglich durfte ich im Münchner Tap House verwirrten Biertrinkern aus aller Welt erklären, wo der Chiemsee liegt und, dass der Name unsrer regionalen, herausragenden Hausbrauerei „Camba“ und nicht „Cambia“, „Samba“ oder „Cambuia“ heißt. Warum das Menschen so schwerfallen kann, bleibt mir jedoch bis jetzt ein Rätsel. Daher die Ortsbezeichnung im Namen und ein Wort das direkt erklärt was wir machen: Brauen!

Der dritte Namensteil soll uns als Craft-Brauer identifizieren: Grenzlegales Brauen am Rande des Reinheitsgebotes, die Revolution aus dem Untergrund, Standards durchbrechen. Bevor es uns gab, hätte man unter den Suchbegriffen „München Brauerei Mafia“ eher – hier nicht namentlich erwähnten – sechs große Brauereien gefunden mit dem Vorwurf von Preisabsprachen etc. Das hat sich geändert: Jetzt kommen wir!!!

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Außergewöhnlich kann für mich jeder Bierstil sein – auch ein passioniert gebrautes, fehlerfreies Kellerbier aus Franken, das sich von anderen Bieren abhebt. Die Kunst steckt im Detail. Begeistern kann ich mich derzeit am meisten für kreative Neuinterpretationen. Wenn also ein Brauer die Grenzen der Style-Guidelines durchbricht und quasi einen neuen Stil erfindet. Ein Beispiel wäre das White-IPA: Ein Mix aus belgischem Weißbier und IPA. Wenn nun beide Bierstile klar zu erkennen bleiben und man sozusagen zwei Biere in einem kombiniert sensorisch erfassen kann, dann fasziniert mich das.

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Das kann man so nicht sagen, dafür liebe ich die Vielfalt zu sehr. Je nach Situation, Stimmung und natürlich auch Jahreszeit und Wetter, schöpfe ich gern aus dem Vollen bis es leer ist.

Besonders interessant finde ich die Kombination mit Essen: Wenn Aromen und Geschmäcker, Texturen und Mundgefühl sich zu einem raffinierten Ganzen fügen.

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Es gibt so viele tolle Hopfen….Das Beste ist eigentlich, dass auch hier durch die stets wachsende Vielfalt dem Brauer keine Grenzen mehr gesetzt werden. Jedes Jahr laufe ich mit funkelnden Augen über die Brauer-Fachmessen und erfreue mich über die neuen Züchtungen. Das Highlight des Jahres ist trotzdem noch der direkte Kontakt zu unseren Hopfenbauern. Die halten mich fast für verrückt, wenn ich bei der Ernte grinsend knietief in den Dolden stehe und riesige Säcke für mein Grünhopfenbier abhole.

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Produktion mit Leidenschaft, Liebe fürs Produkt, sich ständig weiterentwickeln, Kreativität, Wissen aufsaugen, Improvisationstalent und Frustrationstoleranz, wenn’s anders läuft als geplant. Am meisten aber eine fundierte theoretische und praktische Ausbildung. Und: ein Hauch von Wahnsinn.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Schräge Biere vom Stil her gab‘s viele. So wie etwa das amerikanische „Beard Beer“ mit Hefe aus dem Bart des Brauers. Ziemlich schräg war auch ein sogenanntes Dekobier (das ist ein Bier das man nach einem Tauchgang trinkt), dass ich mit einem ägyptischen Tauchguide noch unter Wasser – damit ihn keiner dabei erwischt – getrunken habe. Unter (Salz-)Wasser Bier zu trinken ist schwerer als zunächst vermutet.

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Eines schönen Tages in der eigenen Brauerei…

Und was hast Du als nächstes vor?

Nur ein Stichwort: Untergärig.

 

Top-Brauer: Isarkindl – Brauen mit dicken Brettern

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Das Isarkindl-Team: (v.l.) Rainer, Nina, Xaver und Simon. (Foto: Christian Büttner)

Xaver Amler und Simon Klur gehören zu ausgewiesenen Experten für untergärige Biere. Mit ihrer Marke Isarkindl, die aus dem Innovationswettbewerb der TU München in Weihenstephan entstanden ist, stellten die bayerischen Jungbrauer bisher modern interpretiertes Helles und Märzen in die Regale. Das Isarkindl-Team trägt damit zu einer neuen Münchner Biervielfalt bei und sprudelt geradezu von spannenden Ideen. Wegen ihrer kreativen Sude gehören sie zu den Top-Brauern der Nation.

Wann habt ihr euer erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Simon: Das müsste bei mir im ersten oder zweiten Semester gewesen sein. Es war ein dunkler Weißbierbock. Damals ist er mir wirklich wahnsinnig gut vorgekommen…

Xaver: Bei mir war das kurz vor dem Abi. Mein Thema zur Facharbeit im Leistungskurs Chemie hieß: „Vergleichen Sie moderne und klassische Biersorten. Herstellung eines hellen Lagerbieres“. Dabei habe ich erstmal richtig versagt. Der erste Versuch scheiterte an der Gärung. Meine Kumpels und ich haben es aber trotzdem getrunken.

 

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen „Isarkindl“ gekommen?

Simon: Das war das Ergebnis eines sehr langen Brainstormings. Nina, Rainer, Xaver und ich haben uns über Wochen einfach alles was uns eingefallen ist zugeschickt. Das war dann letztendlich eine Liste mit hunderten Namen. Da stand dann eben auch ISARKINDL mit drin.

Xaver: Das erstaunliche daran war ja, dass das ganze per E-Mail-Austausch funktionierte. Zu dem Zeitpunkt sahen wir uns nämlich noch nicht allzu oft und mussten Brainstorming vor dem Computer leisten.

 

Was macht für euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Simon: Ganz einfach – es muss mir außergewöhnlich gut schmecken. Dabei ist mir eigentlich ziemlich egal, ob es ein ausgefallenes Craft-Bier mit Kiwi, Milchsäurebakterien und Brettanomyces oder einfach ein sehr gutes Helles ist. Und vor allem spielt auch immer irgendwie die Umgebung mit rein.

Xaver: Mir ist wichtig zu erkennen, wer hinter dem Produkt steht. Das heißt auch, dass Biere von großen Konzernen zwar qualitativ top sein mögen, aber aufgrund der Anonymität gar nicht außergewöhnlich sein können. Wir arbeiten gerade zusammen mit vielen kleinen Brauern an einer zukunftsträchtigen Bewegung: Die alteingesessene Bierkultur neu zu beleben. Da ist für mich eine echte Berliner Weiße genauso außergewöhnlich wie ein Festbier mit Mandarina Bavaria.

 

Welchen Biertyp trinkt ihr am liebsten und warum?

Simon: Das kommt immer auf die Situation an. Zurzeit trinke ich sehr gerne Sauerbiere. Gerade im Frühling und Sommer bin ich da immer recht scharf drauf.

Xaver: Ich gehöre zum Team untergärig. Das sind meist sehr saubere Biere, die bei richtiger Hopfenzugabe auch Ales und Weißbieren in nichts nachstehen. Dazu sind sie häufig auch noch süffiger.

 

Was sind eure Lieblingshopfensorten?

Simon: Schwer zu sagen, aber die gute alte Hersbruckerin findet schon sehr oft ihren Weg in meine Biere. Wenn es dunkler wird, benutze ich auch gern Super Styrian Aurora. Nicht zu vergessen die Sorte Comet, die ist halt einfach klasse.

Xaver: Das kommt ganz auf den Hopfengabe-Zeitpunkt an. Die Klassiker wie Hallertauer Mittelfrüh, Tettnanger und Hersbrucker schmeiß ich schon sehr gern in den Whirlpool. Die Gabe im Heißbereich ergibt meiner Meinung nach sehr rund-ausbalancierte Hopfennoten, die sich mit der Malzaromatik besser verbinden. Aber auch Cascade gibt richtig geile Noten. Kaltgehopft stehe ich auf Callista, Comet und auch wieder den Cascade.

 

Welche Eigenschaften zeichnen euer Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Simon: Craft-Brauer*innen brauchen Mut und Eigensinn. Das ist jetzt in Bayern natürlich noch leichter gesagt als getan, aber wer weiß, vielleicht dürfen wir ja auch irgendwann mit speziellen Zutaten jenseits des Reinheitsgebotes mal richtig Gas geben…

Xaver: Ein richtig guter Craft-Brauer vergisst nie den handwerklichen Geist hinter seinem Produkt. Je mehr er in sein Handwerk oder in qualifiziertes Personal investiert, umso besser werden seine Biere. Und dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

Was war das schrägste Bier, das ihr jemals getrunken habt?

Simon: Das war wohl das Bier, dass wir während eines Uni-Praktikums gerührt haben. Wir brauten einen dunklen Weißbierbock und gaben in den Whirlpool zwei Tafeln Zartbitterschokolade und Habaneros dazu. Ja, das hat dann ziemlich gebrannt auf der Zunge…

Xaver: Ich durfte schon viele schräge Biere verkosten, aber die „Gurken Gose“ von Hopfmeister und Braumanufaktur Hertl gehört ganz oben auf die Liste. Auch das „Room 101“, ein gemeinschaftlicher Sud von Yankee&Kraut, Freigeist Bierkultur und Pirate Brew Berlin gehört für mich dazu.

 

An welchem Ort der Welt würdet ihr mit eurem besten Freund gern ein Bier trinken?

Simon: Eigentlich reicht mir da wirklich die Isar im Sommer. Das ist schön und vor allem einfacher umzusetzen als auf der Nase der Sphinx in Ägypten zu hocken.

Xaver: Mein Traum: Auch mal das eigene Bier aus der Maß in der Haager Schloßallee an der Amper zu trinken (weit und breit der schönste Biergarten der Welt!). Vielleicht brauen wir ja dann auch mal ein Collab mit Hofbräu Freising…

 

Und was habt ihr als nächstes vor?

Simon: Ich habe mir vorgenommen, wieder mehr mit unserer alten Brettanomyces-Hefe zu experimentieren.

Xaver: „Brett-Bier“ im Großformat zu brauen – das wäre schon der Hit. Derweil aber konzentriere ich mich auf moderne Interpretationen klassischer Bier-Rezepturen. Pils, Weißbier, Braun- und Kellerbier, da ist überall so wahnsinnig viel Potential drin!