BlechBrut: Systemrelevante Fruchtbombe

Bier ist definitiv systemrelevant. Deswegen nannte Benedikt von BlechBrut aus Bamberg eines seiner neuesten Abfüllungen auch gleich mal so. Beim „Systemrelevant“ handelt es sich um ein IPA mit 6,9 Umdrehungen, das der Franke mit den Hopfensorten Palisade, Sabro, Azacca und Citra braute.

Das IPA schwimmt in einem attraktiven Gelborange im Glas, der Schaum zeigt sich feinporig und stabil. Ein Bukett aus Nektarine, Limone, Kumquats, Ananas und Kokosnuss verführt die Nase. Vollmundig-cremig fließt das Ale über die Lippen. Ein Aroma von gelben Steinfrüchten, Ananas, zarte Kokosnuss und eine gewisse Würzigkeit sowie ein sanft erdiger Touch bilden das Geschmacksbild. Eine wahrnehmbare, aber sehr ausbalancierte Herbe runden das fränkische Bier ab.

Fazit: Ein richtig geiles IPA, das mal mit ganz anderen Fruchtaromen überrascht. Ein Muss für alle Hopfenfans und die, die es noch werden wollen. Grill an, Dose auf und genießen!

Brauer-Portrait: Felix vom Endt von Orca Brau – Vom Bierblogger zum Kreativbrauer

Felix vom Endt von Orca Brau

Felix vom Endt gilt als einer der umtriebigsten Brauer im Lande. Der 33-Jährige stammt eigentlich vom bayerischen Starnberger See, zählt zu den ersten Bierbloggern der Republik, begann das Brauhandwerk auf einer längeren Kanadareise wirklich zu lieben, arbeitete nach seiner Rückkehr bei der „Berlin Beer Academy“ in der Hauptstadt und ging dann bei der Craft-Brauerei „Heidenpeters“ in die Lehrjahre. Sein Traum, einen eigene Braustätte zu eröffnen, rückte näher, als Johannes Heidenpeters neue Kessel kaufte. Felix übernahm das alte Equipment und gründete 2017 im Norden von Nürnberg, in der Heimatstadt seiner Frau, seine eigene Marke „Orca Brau“. Dort produziert er nun auf seiner 5-Hektoliter-Anlage besonders kreative Sude jenseits des Massengeschmacks und gern auch fernab des deutschen Reinheitsgebotes. Felix braut nach dem „Natürlichkeitsgebot“ und setzt gern Biere mit frischen Himbeeren, Rosmarin oder Zitronenzesten an. Mit seinen Sorten lädt er seine Fans immer wieder auf eine Reise in neue Genusswelten ein.

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Wenn wir über „craft beer“ reden, dann denke ich immer sofort an Kreativität, Mut und absolute Besessenheit vom Produkt mit all seinen Facetten. „Craft beer“ beginnt bei mir im Kopf. Es ist eine Philosophie, eine Grundeinstellung das „Bier“ neu zu denken, voran zu treiben und immer weiter zu entwickeln. Ebenso muss eine ordentliche Portion Mut vorhanden sein, da „Craft Beer“ ein Produkt ist, dass sehr speziell ist, erklärt werden muss und einfach viel Geld kostet.

Alles keine einfachen Voraussetzungen…

Ja, vor allem muss sich die Besessenheit zum Produkt in all seiner Vielfalt zeigen. Es geht um Qualitätsbewusstsein, Einsatz bester Rohstoffe, nie still zu stehen und mit sich und seinem Bier zufrieden zu sein. Dazu gehört Fortbildung und Weiterentwicklung sowie einer großen Liebe zum Bier. Ganz zuletzt sollte man probieren immer wieder auch die Eigenschaften Spaß und Lockerheit mit reinzunehmen. Ich glaube nur dann geht die Mischung auf. Eine große Herausforderung.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss mich auf irgendeine Art emotional berühren, da ist der Stil eigentlich fast egal. Das kann ein Lagerbier genauso wie ein Barrel Aged Imperial Stout oder andere Sorten sein. Das kann vom einzigartigen Geschmack hin zu der Umwelt, in der ich das Bier trinke, alles sein.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Da gab es eine Menge Sorten im Laufe der Jahre. Ein paar sind etwas stärker in Erinnerung geblieben und verblassen auch nicht so schnell. Da ich auch selbst manchmal gerne „schräge Zutaten“ verwende, ist es aber trotzdem die größte Herausforderung, damit so arbeiten zu können, dass sie gleichzeitig auch trinkbar sind. Wenn ich mich an meine aktive Zeit während „orca brau“ erinnere, also die letzten drei Jahre, dann kommt eigentlich immer wieder die „Room-Serie“ von „Freigeist Bierkultur“ in meinen Kopf. Das „Tomato Bier“, das wir zusammen mit „Freigeist“ und „Pirate Brew“ gebraut haben, war trotz des Einsatzes von Tomatenpüree, Salz, Chipotles und einigen weiteren Zutaten ein wirklich erstaunliches, aber trinkbares Bier, das ist schon schräg.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Ungewöhnliche Zutaten sind bei uns eigentlich so ein Steckenpferd. Mir fallen auf Anhieb gleich einige ein, die tatsächlich auch schon länger auf der Liste stehen, das verrate ich aber nicht. Aktuell finde ich das Brauen mit historischen Kräutermixturen sehr spannend. Mit der Thematik „Gruit Ales“ wollen wir uns in diesem Jahr etwas stärker auseinandersetzen, auch die norwegischen Farmhouse Ales, bei denen einfach mal die Würze durch einen Baumstamm geführt oder mit ganzen Ästen gebraut wird, gefällt mir sehr. Grundsätzlich sind wir als Brauerei im Knoblauchland Nürnberg ansässig, eines der größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiete Deutschlands. Hier gibt es auch noch viele Kleinbetriebe, die spannende Sachen machen und wenn man manchmal mit dem Fahrrad durch die Felder radelt, begegnet man ganz interessanten Sachen, die man auch direkt vor Ort einfach mal testen kann. 

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

Ich esse und koche unglaublich gern. Lieblingsgerichte habe ich viele, aber ich nehme immer ganz gern die Pizza, in allen Varianten. Erinnert mich immer ans „craft beer“, die Grundvoraussetzung ist immer gleich und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Dazu ein schönes schlankes hopfig fruchtiges Pale Ale und alles ist gut.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Es wird sich mehr und mehr die Spreu vom Weizen trennen. Der Markt in Deutschland ist aktuell unglaublich klein, hat aber noch eine Menge Potential. Wir werden mehr und mehr lokale und kleine Craft-Bierbrauereien sehen, die in ihrem regionalen Markt großen Erfolg haben werden. Hier zählt vielleicht manchmal die Devise „weniger ist mehr“. Es gilt auch, die Balance zwischen traditionellen und modernen Bierstilen zu halten. Pale Ales, IPAs und weitere eher klassische „craft beer“-Sorten werden mehr und mehr Mainstream und „normal“ werden. Ein gutes Lagerbier in Form von einem Hellen oder Pils wird essenziell sein.

…und wie siehst Du die Preisgestaltung?

Es wird einen Preisrutsch nach unten geben, aber auch im höherpreisigen Segment werden sich einige Brauer ansiedeln können. Es wird sich eine starke Nische entwickeln, in der auch wirkliche Spezialitäten-Brauereien Erfolg haben können. Insgesamt wird es ein paar Brauereien gegeben, die mit dem nötigen Kapital ein gewisses Wachstum erzielen können und wir werden sicherlich noch einige bekannte Namen erleben, die es in fünf Jahren nicht mehr geben wird.

Was hast Du als Nächstes vor?

Grundsätzlich habe ich leider immer viel zu viel vor und weiß manchmal gar nicht was als nächstes kommt, aber aktuell ist alles ziemlich einfach. Wir bekommen ab Mitte des Jahres eine neue Brauanlage (10hl-System), neue Tanks, einen neuen Boden und so weiter. Wir werden also endlich nach drei Jahren so langsam erwachsen und können uns damit für die Zukunft richtig gut aufstellen, was für uns als Familie die perfekte Ausgangsposition ist, um unseren Traum weiter zu verwirklichen und die Selbstständigkeit als kleines Familienunternehmen zu leben. 

Deutschlands Top-Brauer: Georg Tscheuschner von Schorschbräu – „Schorsch bleibt stark!“

Georg Tscheuschner von Schorschbräu

Diplom-Braumeister Georg Tscheuschner hatte eine Mission, als er 1996 seine Brauerei in Gunzenhausen öffnete. Schorsch schrieb sich auf die Fahnen, besondere Biere durch das Eisbock-Verfahren reifen zu lassen: Er kühlt seine Sude immer wieder stark runter und filtriert dann das entstehende Eis ab. Zurück bleibt eine alkoholstarke Essenz, die ein komplexes Geschmackserlebnis auf die Zunge zaubert. Damit hält der Franke aber auch sämtliche Rekorde hinsichtlich des Alkoholgehalts seiner Gerstensäfte.

Vor rund zehn Jahren lieferte sich Schorsch etwa ein heißes Battle um das stärkste Bier rund um den Globus. Er setzte sich mit seinem aufwendigen und handwerklichen Prozess gegen alle internationalen Brauereien durch und hält mit seinem 57-prozentigen Schorschbock die Weltspitze. Nicht selten wird der experimentierfreudige Franke gefragt, ob diese Alkoholwummen überhaupt noch zur Kategorie Bier zählen. Daraufhin antwortet er stolz, dass alle seine Sorten nach dem deutschen Reinheitsgebot hergestellt sind. Chapeau an seine hochprozentigen, komplexen und wirklich genussvollen Sude.

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Schwierig zu sagen, aber ein guter Craft-Bierbrauer schafft es den Kunden auf eine Aromareise mitzunehmen. In seinen Bieren sollten genau die außergewöhnlichen Verfahren und Rohstoffe deutlich erkennbar sein, die gewollt waren. Er darf nicht zu wenig aber auch nicht zu viel in den Sud reinpacken. Die Komponenten müssen harmonieren.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Wie das Wort schon sagt, muss das Bier außerhalb der Gewöhnlichkeit sein. Es muss mir das erzählen was in der Brauerei gemacht wurde: Das kann ein bestimmtes Brauverfahren (historisch oder selbst entwickelt), besondere Zutaten (alte Getreidesorten, Hopfen, Kräuter, Honig…) oder auch eine Fassreifung mit verschiedenem Holz oder Vorbelegung mit Whisky, Sherry, Rum etc. sein. All diese Parameter müssen im Bier erkennbar sein. Außergewöhnlich heißt aber auch, wenn das Bier außergewöhnlich süffig ist.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Am Schrägsten finde ich eigentlich die „Gurken Gose“ vom David Hertl. Ich war anfangs der Meinung, dass das nicht funktionieren kann. Tut es aber. Rein aus Marketinggründen schräg gebraute Biere wie beispielweise mit Walhoden, Ziegenhirn oder Vaginalflora habe ich mir erspart.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Gern würde ich mal ein Bier mit Honig und/oder weihnachtlichen Gewürzen brauen. Ein heller Sud mit Lavendel wäre auch mal was. Aber meine Brauerei steht in Bayern, da ist mir Kreativität in dieser Richtung behördlich untersagt.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

So banal fränkisch es auch klingt: Ein schönes rötliches Kellerbier zu einem Schäuferla. Danach einen tollen Bock, der im Eichenfass gereift ist, zu einem alten Blauschimmelkäse und dann einen dunkeln Eisbock zum Schokoladentörtchen.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Momentan findet über viel zu viele Geistermarken und Verwässerungen durch beispielsweise Craft-Biermessen mit überwiegend anderen Schwerpunkten eine Schwächung der Szene statt. Meiner Meinung nach wenden sich deshalb genau die Bierverrückten ein wenig ab. Mein Appell an die Entscheider ist eindeutig: macht Craft-Bier nicht kaputt. Auch die Preisgestaltung im Handel geht jetzt schon hin zu Verdrängungspreisen. Da ist in Zukunft Kreativität und echte Authentizität gefragt. Das geht nicht mit dem tausendsten IPA.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Im Mai kommt mein Imperial Stout mit milden 12,5 Prozent auf den Markt. Das blubbert aber noch kräftig vor sich hin. Zudem plane ich einen stark gehopften hellen Bock mit 12,5 Prozent. Der wird aber nicht kaltgehopft, denn das verträgt sich nicht mit meinen langen Haltbarkeiten. Biere aus dem Hause Schorschbräu wird es unter zwölf Prozent nicht geben. Schorsch bleibt stark. Ansonsten gibt’s Heuer noch einen Riesenknaller, aber da verrate ich erstmal noch nichts.

Hopferei Hertrich: Witbier mit Pacifica-Hopfen

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Viele Craft-Brauer beginnen ihre Bierkarriere als Hobbybrauer. Auch Ralph Hertrich aus dem fränkischen Feucht bei Nürnberg startete vor wenigen Jahren auf einer kleinen Anlage im heimischen Keller. Über Seminare und Fachliteratur stieg er immer tiefer in die Materie ein, bis er seine ersten Sude kommerziell verkaufen konnte. Dazu zählen beispielsweise ein fruchtiges IPA und ein schokoladiges Stout. Kürzlich hatte ich seine neueste Kreation im Glas. Der „Orangenfalter“ ist nach Art belgischer Witbiere gebraut, den Ralph mit Koriandersamen, Orangenschalen und Kamillenblüten kombinierte.

Im Glas hat der 4,8-prozentige „Orangenfalter“ eine stiltypische, sonnengelbe Farbe. Ein schneeweißer, stabiler Schaum macht Lust auf den ersten Schluck. In die Nase schwirren aber zuerst Noten von Orange und den beigegebenen Gewürzen. Das Orangenaroma wird noch kräftig von neuseeländische Pacifica-Hopfen unterstützt, der dem Bier seinen komplexen Charakter verleiht. Auf der Zunge wirkt das Wit schlank und leicht, dennoch besitzt es einen deutlichen Malzkörper. Das Mundgefühl ist frisch und samtig-weich. Das Aromaspiel zeigt sich auch hier fruchtig-würzig mit einer zarten Herbe, und einem leichten Süße. Im Finish bleibt der Koriander und ein Hauch der Kamille noch lang zurück.

Fazit: „Orangenfalter“ ist ein schlankes, aber köstlich-aromatisches Witbier. Wegen seines eher geringen Alkoholgehalts und der dominierenden Orangennote passt es wirklich gut zu Fischgerichten wie gegrilltem Lachs. Aber auch als Erfrischungsgetränk kann das Wit bei den heißen Temperaturen den Tag versüßen.

Orca Brau: Fränkisches Pale Ale mit amerikanischer Hopfen-Power

20180106_113818Felix vom Endt kann auf eine ungewöhnliche Karriere zurückblicken: Er stieg als Blogger in die Bierszene ein. Der 30-Jährige erlernte das Brauhandwerk bei Heidenpeters in Berlin. Jetzt führt Felix seine eigene Brauerei „Orca Brau“ in Nürnberg und experimentiert im Kessel wie wahrscheinlich nur wenige deutsche Brauer. Die Zutaten für seine Biere bewegen sich schon mal außerhalb des Reinheitsgebotes. Bei ihm kamen auch schon Rhabarber, Tomaten oder Habaneros in den Sud. Zu seinen eher normalen Bieren gehört ein 5,4-prozentiges Pale Ale namens „Wanderlust“, das der Franke mit Citra, Amarillo und Mosaic Hopfen braut.

Das Franken-Ale schwimmt bernsteinfarben mit leichter Trübung im Trinkgefäß, getoppt von einem mittelporigen Schaum. Es duftet nach dem fruchtigen Hopfen-Cocktail und präsentiert sich mit Noten von Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Limone. Auch der Mosaic entfaltet seine schöne Maracuja-Note. Hinzu kommt ein grasig-würziger Touch des Amarillos. Auf der Zunge zeigt sich auch das grüne Gold in voller Pracht. Das Mundgefühl ist frisch mit einer zarten Karbonisierung. Neben der Fruchtigkeit macht sich auch eine starke Kiefernnote bemerkbar sowie ein sanftes Malzbett und eine deutliche Herbe im Finish.

Fazit: „Wanderlust“ kann sich in jedem Fall sehen lassen. Mir gefällt die Kombination aus den fruchtigen Noten des Hopfens gepaart mit dem Kiefernaroma und der Bittere. Passt sehr gut zum scharfgebratenem Steak. Craft-Bierfans können sich sicher noch auf viele coole Sude aus dem Hause Orca Brau freuen.

Top-Brauer: Andreas Seufert von Pax Bräu – „Schwerter zu Zapfhähnen“

14195232_1197248547013602_1030554918200451930_oAndreas Seufert braut ganz nach dem Motto: „Bier sollte nie geschmacklos langweilig und charakterlos schmecken.“ Seine Biere sieht der Chef und Braumeister von Pax Bräu im unterfränkischen Oberelsbach, ein kleiner Ort in der Rhön, deswegen als „Leuchtfeuer der Nonkonformität in einer zunehmenden Wüste der Eintönigkeit der Großkonzernbiere.“ So überrascht Andreas seine Fans neben dem Standartsortiment mit Weizen- und Vollbier, jeden Monat mit einer neuen Spezialität. Dieses Jahr mit dabei: Eine ganz spezielle Gose, ein Milk Stout und auch ein „Basalt Bock“. Wegen seiner Experimentierfreude und bemerkenswerter Liebe zum Bier, zählt der Unterfranke für mich zu den besten Brauern der Nation.

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das muss so um 1997 zu Beginn meiner Lehre bei der Würzburger Hofbräu in unserer damaligen WG-Küche gewesen sein. Es war auf jeden Fall ein helles untergäriges Bier. Ich war damals ziemlich positiv überrascht von dem gelungenen Geschmack – allerdings ging die Kohlensäure gar nicht. Damit habe ich mir die ganze Bude eingesaut.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Pax Bräu“ gekommen?

Das geht zurück auf meine Zeit bei Doemens. Der 9/11 war unser erster Tag an zur Meisterschule. Danach wurde wieder verstärkt über Krieg und Frieden diskutiert. Dabei hat ein Klassenkollege irgendwann den Trinkspruch „Drum lasst uns also Schwerter zu Zapfhähnen schmieden. Trinken für den Frieden!“ ausgebracht. Dieser hat sich so positiv bei mir eingebrannt, dass ich ihn Jahre später als Brauereimotto hernehmen wollte. Nur hatte ich noch keinen passenden Namen für das Unternehmen. Das Motto mit dem Frieden stand nun mal schon. Aber Friedensbräu hörte sich für meinen Geschmack etwas zu morbide an, zumal wenn Du in einer Stadt aufgewachsen bist, in der es ein Bestattungsinstitut mit selbigen Namen gibt.

Auf den Namen kamen meine Freundin und ich schließlich während einer Rucksackreise in Laos, Kambodscha und Vietnam. In Laos las meine Freundin beim Warten auf einen Bus die Infotafel für die Fahrt nach Pakse vor. Bei ihr hat es klick gemacht, denn plötzlich ging ihr das lateinische Wort für Frieden, nämlich pax, durch den Kopf. Und pax hatte dann auch den von mir gesuchten guten Klang.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss charakterstark und doch ausgewogen sein. Gerne auch mit alternativen Zutaten.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Mein Lieblingsbier darf gerne etwas rauchig sein. Vielleicht bin ich als Kind mit Bauernhof-Background schon zu früh mit Geräuchertem aus der Hausschlachtung konfrontiert gewesen. Als ich am Ende meiner Ausbildung noch einmal alle Mitschüler und Lehrer auf eine Party in unseren WG-Garten eingeladen hatte, hat der eine Lehrer aus Bamberg einen Rucksack mit Bier von der Brauerei Spezial mitgebracht. Ab da war ich dem Rauchbier verfallen. Und sind wir doch mal ehrlich was gibt es leckereres zu einer deftigen Mahlzeit (von Brotzeit bis Schäuferla) als ein leicht rauchiges Bier?

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Motueka und Riwaka aus Neuseeland, Topaz aus Australien und Perle aus Deutschland.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

  • Er muss endlos belastbar sein.
  • Ein Ausbund an Kreativität.
  • Er braucht einen zuverlässigen Freundeskreis.
  • Einen elaborierten Sinn für Geschmack.
  • Niemals versiegende Neugierde.
  • Eine gewisse Unbeirrbarkeit gegenüber modischen und/oder vom Handel ausgeübten Einflüssen. 7. Organisationstalent und strukturiertes Arbeiten hilft ungemein.
  • Er braucht einen starken Rückhalt in der Familie.
  • Gutes handwerkliches Geschick.
  • Ein Gespür für die kaufmännischen Belange.
  • Sauberkeit, Sauberkeit, Sauberkeit!!!

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Die Gurkengose von David Hertl und Hopfmeister.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

An einem lauen Sommerabend auf der Festungsmauer zu Würzburg sitzend mit traumhaften Stadtpanorama vor der Nase.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Also biertechnisch kommen 2017 einiges Neues dazu: ein Milk Stout, eine Rhabarber-Hibiskus-Rosen-Gose, ein Rubin Single Hop Pils. Und dann steht ja noch Anfang Juni (Pfingsten) das Festwochenende zum 10-jährigen Bestehen der Pax Bräu in Oberelsbach an. Das wird echt ein Brett.

Hartmann Brauerei: Rauchiger Trunk aus der Felsenquelle

IMG_20160412_213844Bierempfehlungen können ganz schön nach Hinten losgehen. Müssen sie aber nicht. Kürzlich beim Meiningers International Craft Beer Award in Neustadt an der Weinstraße empfahl mir Tibor, Chef vom Red Hot in München, mal den Felsentrunk der Brauerei Hartmann aus Franken zu probieren. Dieses bernsteinfarbene Bier mit einem „Hauch von Rauch“, wie es auf dem Etikett steht, war eines der Gerstensäfte, die den Barchef – nach eigenen Worten –  damals überhaupt erst zum Thema Bier brachten.

Schon beim Begrüßungsabend des Awards in der Pfalz hat mir der Trunk eigentlich ganz gut gefallen, obwohl ich – zugegebenermaßen –  keineswegs ein Fan von Rauchbier bin. Ich nahm mir aber vorsichtshalber noch eine Flasche mit nach Hause, um noch mal in Ruhe zu verkosten. Die Brauerei Hartmann liegt übrigens zwischen Bamberg und Bayreuth, quasi am Tor zur Fränkischen Schweiz. Bier darf seit 1550 in dem dazugehörigen Gasthof ausgeschenkt werden. Daher zählt Hartmann zu den ältesten Brauereien in ganz Deutschland. Die Brauerfamilie verwendet für ihre Sude Aromahopfen, heimische Juragerste und Wasser aus der hauseigenen Felsenquelle.

Gestern schenkte ich mir den Felsentrunk mit 5,2 Prozent also noch mal ins Glas. Hier funkelt er keineswegs im meist sortentypischen Schwarz, sondern eher in einem dunklen Rehbraun. In die Nase strömt ein vorwiegend malziges Aroma, das sich allerdings mit grasigen Nuancen und mit dezenten Noten von Karamell und Dörrpflaume verbindet. Im Mund zeigt sich schön vollmundig ein kräftiger Malzkörper, mit einem Anstrich von Feige und Kernfrüchten. Erst im Finish bricht sehr harmonisch und angenehm der Rauch durch – aber nicht so durchdringend, wie in dieser Biergattung üblich. Und am Ende freut sich der Gaumen auch über eine leichte Hopfenbittere.

Fazit: Rauchige Biere sind meist sehr gewöhnungsbedürftig. Aber der Felsentrunk präsentiert eine wunderbare Harmonie aus Malz, Hopfen und Rauch. Wäre für mich zwar nichts für jeden Tag, aber das Bier ist durchaus süffig und definitiv eine Empfehlung wert. Wenn ich mal in die Gegend komme, wird die Hartmann Brauerei und das Wirtshaus auf jeden Fall ein Anlaufpunkt sein.

 

Hopferei Hertrich: Hopfentiger gegen Massenbierhaltung

1457095347747Ich muss zugeben, je mehr IPAs ich trinke, umso mehr wächst der Anspruch. Kürzlich hielt ich den „Veto – Hopfentiger“ von der fränkischen Hopferei Hertrich in den Händen. Manch einer wird denken „schon wieder ein IPA…“ von einer neuen Brauerei. Aber schon die optische Aufmachung fand ich ziemlich ansprechend.

Im Glas leuchtet das Ale in einem goldenen Orangeton. Nach Meinung der Brauer soll das an die Fellfarbe der majestätischen Raubkatze erinnern. Aromen der verwendeten Hopfensorten Cascade, Centennial, Chinook und Columbus verwöhnen auch gleich die Nase. Ein Hauch von tropischen Früchten, dazu frische Noten von Pfirsich und Aprikose spielen mit einer dezenten Grasigkeit. Auf der Zunge tummeln sich die gleichen Aromen, werden aber durch Zitrusnuancen wie Grapefruit und einem leichten Touch von Waldbeeren ergänzt. Ein vollmundig-seidiges Mundgefühl komplementiert den Genuss des 7,5-prozentigen Crafts. Im Finish verabschiedete sich das Ale mit 55 unaufdringlichen Bittereinheiten. Die Fruchtigkeit bleibt noch eine Weile am Gaumen hängen.

Fazit: Mit dem Hopfentiger hat das fränkische Biersommelier-Team – mit weiblicher Unterstützung – wirklich ein köstliches India Pale Ale entwickelt. Vor allem wirkt es mit den fast acht Prozent nicht zu schwer. Die Aromen sind nicht zu überladen, was das Bier zu einem echten Genuss auch für den Alltag macht und zu einem Highlight für nächtelanges Chillen.

Pyraser Herzblut: “Liebe im Kornfeld” – Gaumenschmaus für den Grillabend

Pyraser Herzblut - Liebe im Kornfeld
Pyraser Herzblut – Liebe im Kornfeld

Ich muss zugeben, dass ich eigentlich hopfige Biere bevorzuge. Doch die neue Kreation aus der Herzblut-Serie von Pyraser aus Bayern ist wirklich etwas Besonderes und begeistert selbst eingefleischte Hop Heads. Für „Liebe im Kornfeld“ spielte Brauermeister Achim Sauerhammer mit sechs verschiedenen Malzsorten: Weizen-, Dinkel-, Gersten-, Roggen-, Hafer- und Emmermalz und verfeinerte mit Spalter Select Hopfen.

In einem attraktiven Orangeton scheint das Bier durchs Glas, getoppt von einer mächtigen Schaumkrone. Es duftet nach Banane, aber zugleich fruchtig-erfrischend. „Liebe im Kornfeld“ verbreitet sich samtig-weich im Mund. Auch wenn die Malzaromen dieses Bier dominieren, so zeigen sich im Antrunk dennoch dezente Noten von Mandarine und Orange. Am Gaumen paaren sich zum ersten Eindruck liebliche Bananennuancen und eine harmonisch malzige Komponente mit einem Hauch von Walnuss. Und im Abgang zeigt sich sogar noch eine winzige Hopfennote.

Fazit: Toll, ein wirklich gelungenes Bier von den Pyraser Brauern! Ich habe mich positiv überraschen lassen, was für herrliche Aromen diese Malzmischung hervorbringt. Mit 5,5 Umdrehungen und 13,9 Prozent Stammwürze ist das obergärige Bier auch keineswegs zu schwer, eher angenehm leicht. Stelle es mir super zum Grillen vor, um meinen Gästen einen echten Gaumenschmaus zu Fleisch und Gemüse zu präsentieren.