Kehrwieder Kreativbrauerei: Karibik-Flair für zuhause

Wegen der Covid19-Situation gestaltet sich die Urlaubssaison auch für viele Craft-Freunde nicht ganz so einfach. Wer sich ein bisschen Karibik-Flair nach Hause holen möchte, kann das auch mit Bier machen. Ein toller Vertreter ist das Double Dry Hopped Pale Ale namens „Dominica“ von der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg. Das Brau-Team um Oliver Wesseloh packt für das Summer-Feeling jede Menge fruchtige Hopfensorten in den 4,7-prozentigen Sud: Mosaic, Citra, Callista, Simcoe, Cascade und Centennial.

In einem Orangebraun fließt das Pale Ale ins Glas, getoppt ist es von einem weißen, feinporigen und stabilen Schaum. Die Nase wird von einem fruchtig-frischen Duft betört, der tropische Aromen von Maracuja, Grapefruit und gelben Steinfrüchten präsentiert. Über die Lippen fließt das Ale angenehm schlank mit moderater und erfrischender Kohlensäure. Auf der Zunge zeigen die eingesetzten Hopfensorten was sie so draufhaben. So schmeckt das Bier nach einem tropischen Obstkorb mit Früchten wie Maracuja, Pfirsich, Aprikose, Grapefruit und Limone. Eine sanfte Bittere und eine zarte Würze runden das Pale Ale im Finish ab.

Fazit: „Dominica“ schenkt den Sinnen wirklich etwas Urlaubs-Flair. Also: Einschenken, Sonnenbrille auf, ab in den Liegestuhl und Karibik-Feeling genießen. Passt sicher auch hervorragend zu gegrilltem Fisch, Meeresfrüchten und karibischen Salaten.

BRLO: Exotischer Hochgenuss für den Sommer

Dass Dosen-Design immer cooler wird, beweist auch die Kreativbrauerei BRLO in Berlin. Aber hier stimmt nicht nur die Verpackung, sondern auch das Bier. Kürzlich hatte ich das nagelneue Hazy IPA namens „Blurry Visions“ mit 6,5 Prozent im Glas. Gehopft haben die Macher es mit Citra Cryo, Sabro, Azacca und Galaxy. Klingt doch schon mal sehr vielversprechend.

Schon beim Klacken der Dose in Zebra-Optik strömt ein Duft von Fruchtcocktail in den Raum. In einem trüben Gelborange leuchtet das Ale im Glas, ein feinporiger, schneeweißer und stabiler Schaum komplementiert die attraktive Optik. Macht Appetit. Hält man den Riechkolben zum Glas, so wird die Nase sofort von tropischen Aromen verführt. Das Bukett zeigt angenehme Noten von  Ananas, Zitrusfrüchten, Pfirsich und etwas Kokosnuss. Cremig-weich rinnt das Hazy IPA über die Lippen. Auf der Zunge explodiert der Fruchtkorb erneut. Mit fünf IBUs verabschiedet sich der Berliner Sud. Das Finish ist lang und regt durch seinen Frischecharakter gleich zum nächsten Schluck an.

Fazit: Ein wirklich cooles Sommerbier. Fruchtige Noten treffen auf eine angenehme Frische. Das Aromaspiel macht Lust auf mehr. Passt hervorragend zu exotischen Gerichten, zum gegrillten Steak oder einfach nur so zum Genuss auf Terrasse, Balkon oder im Garten.

Salzburg-Special: Österreichs geheime Bierhauptstadt

Salzburg ist bekannt für eine hohe Brauereidichte, eigenständige Sude und gemütliche Bierlokale. Ein Trip durch die Hopfen- und Malzszene der Mozartstadt und seiner Region zeigt, dass in kaum einem anderen Landesteil von Österreich die Bierkultur so lebendig ist wie hier

Salzburg zählt zu den touristischen Hotspots in der Alpenrepublik. Zu den Highlights für mehr als 5,5 Millionen Besucher pro Jahr gelten aber nicht nur die weltweit bekannten Festspiele, das Geburtshaus von Wolfgang Amadeus Mozart oder die fast 1000 Jahre alte Festung Hohensalzburg, die über der barocken Altstadt thront und als Wahrzeichen der Metropole gilt. Die Stadt, durch dessen Mitte sich idyllisch die Salzach schlängelt, pflegt eine uralte Brauhistorie mit jahrhundertealten Brauereien, aber inzwischen auch eine neue quirlige Bierszene mit jungen Craft-Machern, Bierbars und traditionellen Wirtshäusern.

Während die Landeshauptstadt Wien mit seinen Heurigen Lokalen punktet, in denen der rund um die Stadt wachsende Wein die Hauptrolle spielt, gilt Salzburg inzwischen als geheime Bierhauptstadt des Landes. In der Barockstadt finden Freunde des Hopfen- und Gerstensaftes neben historischen Brauhäusern, die ihr Portfolio inzwischen durch kreative Sude ergänzen, auch an fast jeder Straßenecke spannende Bierlokale, urige Bräustüberl, gemütliche Biergärten, eine zentrale Ausbildungsstätte für Diplom-Biersommeliers und eine hochaktive Craft-Bierszene. Laut aktuellen Zahlen des österreichischen Brauereiverbands produzieren in Salzburg und der Region derzeit 13 Brauereien und 14 Hausbrauereien besondere Sude – für Österreich ein rekordverdächtiges Kontingent.

Damit trägt die Mozartstadt wohl auch zu einem erheblichen Anteil am österreichischen Pro-Kopf-Verbrauch bei Bier bei, der im internationalen Vergleich weltweit immerhin den zweiten Platz belegt. Insgesamt zählt der Branchenverband in Österreich bei landesweit nur knapp 9 Millionen Einwohnern mehr als 300 Braustätten mit rund 1000 verschiedenen Bieren und einem Gesamtausstoß von immerhin rund zehn Millionen Hektoliter – inklusive alkoholfreien Sorten. „Der Wirtschaftsmotor Braubranche läuft in Österreich sehr stabil und unabhängig von konjunkturellen Schwankungen“, sagt Verbandschef Siegfried Menz. Das sei vor allem der ausgeprägten Regionalität mit großer Biervielfalt, dem damit verbundenen Qualitätsanspruch zu verdanken.

Dass die Bierkultur insbesondere in Salzburg sehr lebendig ist, kann der Branchenprimus indes nur bestätigen. Als älteste Braustätte der Mozartstadt gilt das Hofbräuhaus Kaltenhausen, das der einstige Bürgermeister Johann Elsenheimer 1475 unter dem Namen „Kaltes Bräuhaus“ errichtete. Nach etlichen Besitzern, wie etwa der fürsterzbischöflichen Hofkammer, diversen Herzögen und dem geschichtsträchtigen Kaiser Franz I., zog einst eine Kurfürstin die Braustätte zu einem der führenden regionalen Industriebetriebe des 19. Jahrhunderts hoch.

Aber nach zwei Weltkriegen und zahlreichen Besitzerwechseln ebbte der Erfolg allmählich ab, bis der Betrieb 2011 eingestellt und das alte Sudhaus abgerissen wurde. Aber Kaltenhausen lebt weiter, wenn auch in anderer Form: Eine neue, vollautomatisierte Kleinanlage wurde installiert, auf der heute Braumeister Martin Simion mit seinem Team süffiges Kellerbier, bernsteinfarbenes Pale Ale oder ein kräftig gehopftes India Pale Ale mit der Hopfensorte Citra braut. Im Sortiment finden Bierliebhaber immer wieder auch saisonale und limitierte Spezialitäten. Darunter ein Bier, vergoren mit dem Saft reifer Veltliner-Weintrauben, eine weitere Sorte, die auf frischgehobeltem Zirbelholz reift oder einen etwa einen 9,5-prozentigen Barley Wine.

Reinhold Barta, GF, Braumeister, Biersommelier, Brauhaus Gusswerk, Hof, Salzburg, 20130923, (c) wildbild

Auch wenn im Salzburger Land uralte Biertraditionen weiter erfolgreich gepflegt werden, so setzen heute immer mehr Jungbrauer auf kreative Sude. Neben dem Team von Kaltenhausen gehört auch Reinhold Barta mit seinem 2007 gegründeten Brauhaus Gusswerk im nur wenige Kilometer von Salzburg entfernten Hof zu den neuen Sudzauberern der Region. Vor den Toren der Stadt produziert der umtriebige Chef der aufstrebenden Bio-Manufaktur neben klassischen Bierstilen wie Weizen, Wiener Lager und hellem Vollbier auch ganz besondere Spezialitäten. So führt Barta in seinem Segment ein Dry Stout namens „Das schwarze Schaf“, ein dunkles Starkbier mit neun Umdrehungen und dem ungewöhnlichen Titel „Horny Betty“ sowie fassgereifte Aromabomben aus Ex-Bourbon oder Ex-Sherry-Fässern. Bei seinen biologisch-dynamischen Bieren setzt der Gusswerk-Chef auf Natürlichkeit und Regionalität. „Nachhaltigkeit und schonender Umgang mit Ressourcen,“ so Barta, „war für mich schon immer immens wichtig und integrativer Bestandteil unserer Philosophie.“

Besonderen Wert auf die Auswahl der Rohstoffe legt auch die fast 530-jährige Stiegl Brauerei mit ihrem „Gut Wildshut“, rund 30 Kilometer vom Haupthaus des Traditionsbetriebes entfernt. Dort betreibt ein Team eine eigene Bio-Landwirtschaft und kultiviert Urgetreidesorten wie die Alpine Pfauengerste oder den Laufener Landweizen. Diese Sorten werden vermälzt und in den „Wildshuter Bierspezialitäten“ umgesetzt. Zwar zählen zu den Stiegl-Flaggschiffen eher die Lager- und Märzenbiere. Aber die größte Privatbrauerei des Landes, in dessen Brauwelt sich auf 35.000 Quadratmetern das größte Biermuseum Österreichs befindet, ist auch bekannt für hohe Experimentierfreude.

Foto: Wildbild/Sandra Hallinger

Neben Märzen, Hellem, Pils und Weizen setzt das Stiegl-Kollektiv auch auf Pale Ale und innovative Biere wie etwa ein nachtschwarzes „Baltic Chili Porter“ mit Charapita-Chili, ein „Gin Style IPA“ mit Wacholder oder eine erfrischende Berliner Style Weiße mit Himbeeren sowie Jahrgangsbiere wie beispielsweise das beliebte „Faux Pas Apricot“, ein fassgereiftes Marillen-Starkbier. Alle Stiegl-Biere tragen als Garantie für Qualität und lange Reifung das Gütesiegel „Slow Brewing“. Für Brauereiinhaber Heinrich Dieter Kiener ist die Mitgliedschaft in dieser Qualitätsvereinigung selbstverständlich: „Der Hektik unserer Zeit erteilen wir mit unserer Art zu brauen eine klare Absage.“

Dieselbe Philosophie pflegt auch Seppi Sigl von der 1601 gegründeten Trumer Privatbrauerei im rund 15 Kilometer entfernten Obertrum, die er in achter Generation führt. Trumer ist seit nunmehr acht Jahren Mitglied bei „Slow Brewing“. Das Besondere an den Suden der Braustätte ist nicht nur die lange Reifezeit, sondern auch die Verwendung von Naturhopfen sowie ein patentiertes, offenes Gär-System, wobei Gerb- und Bitterstoffe in Handarbeit abgeschöpft werden. Durch dieses Verfahren schmecken die Trumer-Biere besonders mild. Spitzenreiter von Seppi Sigl sind das international ausgezeichnete, 4,9-prozentiges „Trumer Pils“ sowie das Session Pils „Hopfenspiel“ mit schlanken 2,9 Prozent. Kaltgehopft ist es mit dem französischen Aromahopfen Triskel und US-Cascade. Einmal im Jahr kommt auch die „Hopfenernte“ auf den Markt. Ein Bier, das meist etwas kräftiger und mit Hopfen eingebraut ist, der direkt vor der Trumer Haustür wächst. Seppi Sigl plant auch Neuerungen in der Brauerei: „Künftig werden wir definitiv in Nachhaltigkeit investieren und denken gerade auch über eine neue leichte Pilsspezialität nach.“

Sepp Sigl
Credit: Michael Königshofer moodley brand identity

Nur einen Steinwurf von der Trumer Privatbrauerei entfernt, befindet sich das österreichische Mekka für angehende Biersommeliers. Im Bierkulturhaus von Axel Kiesbye dreht sich alles um Hopfen- und Malzsäfte, aber auch um Technologie und Sensorik. Brauingenieur Kiesbye und sein Team haben sich in der Akademie auf das Biersommelierwesen spezialisiert. Neben der Ausbildung bieten die Obertrumer aber auch Braukurse sowie sogenannte Grand Cru-Seminare an, in denen es um spezielle Foodpairings und neue Technologien des Craft-Bierbrauens geht. In diesem Jahr startet auch das „Braumeister Camp“ die nächste Runde, bei dem Teilnehmer gemeinsam mit renommierten Brauern aus aller Welt ihr eigenes Bier produzieren und sich fachlich austauschen können.

Axel Kiesbye in Action
Credit: Bierkulturhaus

Zu den diesjährigen Stars gehören etwa Scott Jennings von Sierra Nevada Brewing aus den USA, Nikolas Marjanovic von der Beavertown Brewey aus England und Oliver Wesseloh von der Kreativbrauerei Kehrwieder aus Hamburg. Axel Kiesbye legt bei seinen Angeboten viel Wert darauf, den Nerv der Zeit zu treffen. „Ich versuche die Zukunft unserer Branche zu deuten und so die Kursinhalte attraktiv weiter zu entwickeln“, sagt er. Seiner Ansicht nach werde beispielsweise die Bedeutung von klimaschonenden Brautechniken und die Bier-Auspreisung mit Bio- und anderen Gemeinwohl-Auszeichnungen auch an Bedeutung für Diplom-Biersommeliers gewinnen.

Augustiner Salzburg

Nicht alle Macher der Salzburger Bierkultur setzen auf Modernität. Als eine der wichtigsten Traditionalisten in der Stadt gilt der Augustiner Bräu. Seit 1621 wird im Stadtteil Mülln, am Fuß des Mönchsbergs, süffiges Bier gebraut und auch dort genossen. Das urige Bräustüberl gilt als Österreichs größte Biergaststätte und der angeschlossene Biergarten als größter des Landes. Um in der quirligen Atmosphäre ein Bier zu bekommen, müssen Gäste zuerst bezahlen, sich aus dem Regal einen Steinkrug nehmen um sich dann das goldfarbene Märzen von den Schankburschen ganz frisch aus Holzfässern einschenken lassen. Im „Schmankerlgang“ finden Hungrige an Verkaufsständen die passende Speise zum Trunk.

Ein weiterer historischer Hotspot ist „Die Weisse Brauerei“. Seit mehr als hundert Jahren wird im Salzburger Stadtteil Schallmoos feinstes Weißbier gebraut. Im zweiten Weltkrieg wurde die Braustätte zwar von einer Bombe getroffen, vollständig zerstört, aber einige Jahre später wiederaufgebaut. Weißbier zählte damals nicht unbedingt zu den beliebtesten Stilen der Österreicher, so dass die Weisse damals die einzige Produktion für diese obergärige Spezialität in der Region war. In den 1980ger Jahren übernahm Hans Georg Gmachl die Brauerei, die er derzeit gemeinsam mit dem Brauer Wolfgang Schweitl führt. Das inzwischen allseits beliebte Bier wird auch heute noch nach traditionellem Rezept gebraut und im eigenen Wirtshaus ausgeschenkt.

Salzburgs Erfolgsgeschichte als heimliche Bierhauptstadt der Alpenrepublik ist untrennbar mit der regionalen Gastronomie verbunden. Attraktive Bierlokale findet der Salzburg-Besucher in jedem Stadtteil. Wer die Mozartstadt bereist, sollte jedoch unbedingt auch beim Gablerbräu, beim Sternbräu oder im s’Kloane Brauhaus einkehren. Die Wirtshäuser servieren neben österreichischer Küche meist ihre eigenen naturtrüben Biersorten.

 Zu den beliebtesten Bierlokalen der Stadt zählt zudem die Trumerei, die neben ihren eigenen Suden auch eine umfangreiche Bierkarte mit internationalen Craft-Sorten anbietet. Aber auch die Salzburger Volkswirtschaft „Fuxn“ mit ausreichender Bierauswahl und modernen Speisen sowie der älteste Bierkeller Salzburgs namens „PitterKeller“ sind einen Besuch wert. Dort servieren die Kellner neben diversen Biersorten auch kreative Bier-Cocktails. Nicht zu vergessen ist der Belgier Dirk Baert mit seinen Lokalen „Alchimiste Belge“ und der „Beffa Bar“, die angeblich die größte Auswahl an belgischen Bieren in ganz Österreich aufweisen. Auch wenn sich Traditionalisten erst noch an Lambic, Witbier und Trappistensude gewöhnen müssen, so freut sich Baert inzwischen über den regen Zuspruch seines Angebots – und nicht nur bei internationalen Touristen.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Hopfen-Innovation: Hops2Brew legt neuartige Pellets auf

nectar®-Pellets sind größer

[Sponsored Post / Werbung]

Hopfen ist die Seele des Bieres und unabdingbar für aromatische Sude. Für noch mehr Geschmack legte jetzt das Pelletier-Werk der Firma Hops2Brew in Wolnzach, im Herzen der Hallertau gelegen, eine neue Art von Hopfenpellets namens nectar® auf. Von der Verwendung können vor allem Brauer mit Trend zu aromatischen Suden nur profitieren. Anders als bei den bekannten Pellet-Typen, holt das Team um Matthias Siebler mit einem innovativen Verfahren maximale Aromen aus den Dolden.

nectar® ist ein hochangereichertes Hopfenprodukt zur üblichen Aromagabe und mit besten Eigenschaften zur Kalthopfung. Hierfür wird natürlich konzentriertes Hopfenpulver mit einer enormen Reduzierung von Blattanteilen pelletiert. Das heißt, dass in der Regel eine ungefähre Verdopplung vom Alpha- und Öl-Gehalt bei den nectar®-Pellets garantiert ist. So werden die gewünschten Aromen deutlich verstärkt und ungewünschte Noten wie Knoblauch, Kraut und Kratzigkeit reduziert. Weitere Vorteile: Es kommt mit den neuen Hopfenpellets, die übrigens einige Millimeter größer sind als die der bekannten Typen, viel weniger Grünmasse ins Bier. So hält sich der zusätzliche Eintrag adstringierender Polyphenole gering. Zudem entsteht beim Einsatz im Whirlpool weniger Heißtrub und beim Hopfenstopfen ein minimierter Satz. Durch die Verwendung von nectar®-Pellets hat der Brauer also deutlich weniger Würze- und Bierverlust. nectar® gleicht Schwankungen durch Jahrgangsunterschiede und Erntezeitpunkte aus. Das Produkt bringt zudem exakte Laborwerte mit sich. Insgesamt ermöglicht nectar® somit eine planbare Wiederholgenauigkeit im Brauprozess.

Die Pellets sind so weich, dass man die hochkonzentrierten Alphasäuren und die Aromaöle nicht schädigt, aber hart genug, damit der Brauer keine Einschränkung in der Handhabung berücksichtigen muss. Die Laborwerte von der Firma Hops2Brew sprechen für sich. Bisher gibt es sieben Sorten in Form von nectar®-Pellets: Hüll Melon, Hallertauer Blanc, Ariana, Sorachi Ace, Comet und Callista – viele weitere Sorten folgen im Oktober. Das Pelletier-Werk arbeitet mit dem Hopfenhandel Resch in Sandelzhausen in der Hallertau zusammen. Ein weiterer Vorteil für Brauer ist, dass Firmenchef Martin Resch jede gewünschte Menge von Nectar anbietet. Sogar Hobbybrauer können ab einem Gramm bestellen. Bei Hops2Brew ist die kleinste Verpackungsgröße die bekannte 5kg Folientüte. Umfassende Informationen zu nectar® gibt es unter www.hops2brew.de/nectar.

Wie aromatisch der neue Nectar im Bier rüberkommt beweist gerade Luis Seubert, Braumeister von TrueBrew aus München, der einen Sud mit diesen Pellets der Hopfensorte Callista gebraut hat. Bei seinem Bier handelt es sich um ein Kölsch Style Ale, das durch den Nectar ein angenehm fruchtiges Aroma von gelben Steinfrüchten und Grapefruit präsentiert. Seubert ist begeistert vom Einsatz dieser Pellets und vor allem über die Tatsache, dass selbst geringe Mengen so ein rundes und intensives Hopfenaroma ermöglichen.

Verkostung im TrueBrew in München mit (v.l.) Martin Resch, Luis Seubert und Matthias Siebler

Auch der bekannte Kollaborationssud „Hopfenreiter“, der jedes Jahr von Maisel & Friends in Bayreuth initiiert und mit anderen Brauern gebraut wird, kam dieses Mal nectar® zum Einsatz. Die Brauer-Gäste dürfen bei dem Double IPA jeweils einen Hopfen mitbringen. Bryan France von Yankee & Kraut aus Ingolstadt setzt dabei auf nectar®-Pellets der Sorte Ariana. Release des Bieres ist am 17. September. Bis dahin kommen zu den bisherigen Referenzbieren noch einige weitere spannende neue Biere namhafter Brauer raus. Mehr dazu hier.

Am 12. September findet ein „Brauertag bei Hops2Brew“ statt, bei dem sich Brauer vom Produkt überzeugen lassen können. Dabei geht es live zur Hopfenernte mit Bonitierung der ersten Hopfenpartien fast aller Hopfensorten inkl. nectar®-Pellets. Dazu werden auch die Verarbeitung und das Labor besichtigt. Zudem gibt es eine nectar®-Verkostung mit Referenzbieren sowie eine Tasting in Form von Schnellstopfversuch mit allen nectaren. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Brauer begrenzt. Anmeldung und mehr Infos unter: https://hops2brew.de/de/auf-gehts-zum-brauertag-2020/

Meininger’s International Craft Beer Award: „Die besten Biere des Jahres 2020“

Craft Beer Award 2020

[Werbung]

Die „Biere des Jahres 2020“ wurden heute im Rahmen einer virtuellen Preisverleihung live gekürt. Insgesamt zeichnete die Jury beim 7. Meininger’s International Craft Beer Award 222 Bierspezialitäten aus aller Welt aus. Das Craft-Bier des Jahres national ist der Senatsbock der Landgang Brauerei. Das internationale Craftbier des Jahres ist ein holzfassgereifter Rum-Bock der Brauerei Schützengarten aus der Schweiz.

Zum ersten Mal als Craft-Brauer des Jahres national wird die Brauerei-Gasthof Kundmüller aus Viereth-Trunstadt ausgezeichnet. Bereits in den vergangenen Jahren konnten Roland und Oswald Kundmüller mit großartigen Bieren im Wettbewerb auftrumpfen, in diesem Jahr überzeugen sie mit insgesamt 2 Platin, 6 Gold und 2 Silber Medaillen für ihre fränkischen Bierspezialitäten. Craft-Brauer des Jahres international ist die Brauerei Schützengarten aus der Schweiz. 2 Platin, 7 Gold und 2 Silber Medaillen werden an ihre Biere vergeben, darunter die Sonderauszeichnungen „Craftbier des Jahres international“ sowie „Bestes alkoholfreies Bier (untergärig)“ für das Schützengarten Alkoholfrei.

Die insgesamt erfolgreichsten Kategorien in diesem Jahr waren IPA mit 24 ausgezeichneten Bieren, Bock und Doppelbock (19), Kellerbier und Weizen (jeweils 15), holzfassgereifte Biere (14) sowie alkoholfreie Biere (13 Auszeichnungen). Weitere Kategorien wie Pils (10 Auszeichnungen), Helles und auch Lager (jeweils 8) runden die Vielfalt der insgesamt über 60 vertretenen Bierstile ab. Dass die Experimentierfreudigkeit sowohl deutscher wie auch internationaler Brauer auch in diesem Jahr groß ist, verdeutlichen die 17 Auszeichnungen an Biere, die in der Kategorie „Freestyle / Experimental Style“ verkostet und bewertet wurden. An deutsche Brauereien werden von der Expertenjury insgesamt 21 Platin, 81 Gold und 32 Silber Medaillen verliehen.

Der Wettbewerb genießt auch über die deutschen Grenzen hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. Neben Bieren aus der Schweiz (32 Auszeichnungen), wurden auch Biere aus Belgien und Italien (jeweils 8), Frankreich, den Niederlanden und Spanien (jeweils 6), Taiwan (5), Singapur (4) sowie der Tschechischen Republik und den Vereinigten Staaten von Amerika (jeweils 3) für ihre überdurchschnittliche Qualitäten ausgezeichnet. Insgesamt liegt der Anteil der internationalen Biere in diesem Jahr bei 40 %, was einer erneuten Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren (2019: 33 %, 2018: 23 %) bedeutet. „An insgesamt 4 Tagen in diesem Jahr haben unsere 45 Bierexperten sich durch die großartige und vielfältige Welt der Bierspezialitäten verkostet, um am Ende nur die besten mit einer Medaille auszuzeichnen. Und dies Kategorie übergreifend, sodass auch in diesem Jahr neben bekannten internationalen Stilen wie IPA oder Porter und Stout auch klassisch deutsche und leichtere Bierstile wie Pils, Helles oder Export ausgezeichnet wurden“, zieht Verkostungsleiter Christian Wolf ein erstes Fazit.

Craft Beer Award 2020

Auf eine Preisverleihung musste in diesem Jahr nicht verzichtet werden. Diese fand unter Moderation von Verkostungsleiter Christian Wolf und dem Bierexperten des Meininger Verlag, Benjamin Brouër, virtuell statt. Im Rahmen einer abwechslungsreichen Online-Preisverleihung wurden die Auszeichnungen für die „Biere des Jahres 2020“ an die persönlich zugeschalteten Braumeister „überreicht“. Dass der Wettbewerb in Zeiten einer globalen Pandemie überhaupt stattfinden konnte, ist einem durchdachten Hygiene-Konzept zu verdanken. So konnte mit dem diesjährigen Award den besten Bieren eine würdige Plattform geboten werden. Alle Sonderauszeichnungen sowie alle Ergebnisse von Meininger‘s International Craft Beer Award 2020 finden Sie auf MEININGER ONLINE sowie in der Ende August erscheinenden Ausgabe 4/2020 des „MEININGERS CRAFT – Magazin für Bierkultur“.

Hoppebräu: Von wilden Hühnern und wilden Hunden

Seine ersten Sude braute er in der Garage seiner Eltern, machte zeitgleich eine Brauerlehre und zog eine Gasthausbrauerei auf der Insel Mauritius hoch. Als Gypsy-Brauer etablierte sich Markus Hoppe mit seiner Marke Hoppebräu in der bayerischen Craft-Szene und gilt heute mit eigener Familienbrauerei als Erfolgsbeispiel für viele seiner Kollegen.

Credit: Hoppebräu

Wer das bayerische Oberland mit seiner malerischen Bergkulisse, gemütlichen Biergärten und urigen Traditionswirtschaften bereist, der begibt sich auf einen Trip durch die Seelenlandschaft der Bajuwaren. In dieser ländlichen Bilderbuchregion gibt es seit April dieses Jahres an der Bundesstraße 472 zwischen Miesbach und Bad Tölz einen neuen Hotspot für Liebhaber kreativer Sude. In der 6000-Seelen Gemeinde Waakirchen nahe des Tegernsees, wo bunte Geranien die Balkone der alten Bauernhäuser schmücken, erfüllte sich Markus Hoppe einen Lebenstraum. Hier, an seinem Heimatort, errichtete der junge Hopfenkünstler seine eigene Brauerei mit kultiviertem Pub und heimeligen Biergarten. Für einen Mann, der gerade erst sein 30. Lebensjahr erreicht hat, eine wahre Meisterleistung: „Das brauchte einen ganz schön langen Atem“, bekennt Markus Hoppe schmunzelnd, „aber wenn die Realisierung einer Brauerei so einfach wäre, dann würde es wohl jeder machen.“

Ein solches Vorhaben fernab der Craft-Monopolen Berlin, Hamburg oder München erfordert viel Willensstärke, Mut und finanzielle Risikobereitschaft. Was Markus Hoppe dabei ziemlich kalt lässt, ist zudem die Tatsache, dass er sich dennoch in einem harten Konkurrenzumfeld bewegt. Denn in einem Radius von vielleicht dreißig Kilometern befindet sich fast ein Dutzend namhafter Traditionsbrauereien, wie das Tegernseer Brauhaus, die Klosterbrauerei Reutberg sowie der Weißbierspezialist Hopf. Doch lange vor dem Start, analysierte er das Marktumfeld und hat heute etwas vorzuweisen, was kaum einer der umliegenden Konkurrenten bieten kann: „Bei uns zählen die Identifikation als Familienbetrieb und die damit verbundene Authentizität, vor allem aber unsere Kreativbiere, die es in dieser Form bei keinem unserer Konkurrenten gibt.“

Dass es sich bei Hoppebräu um einen hochengagierten Familienbetrieb handelt, spürt jeder, der schon mal in Waakirchen eingekehrt ist. Seine Mutter leitet mit viel Charm die gemütliche Gastronomie, die den bierseligen Namen „Zapferei“ führt. Der Vater fungiert als betriebswirtschaftlicher Berater und packt überall dort an, wo gerade Not am Mann ist. Seine Frau Christina bezeichnet der junge Brauereichef als Kopf der Marke, sie erledigt alle organisatorischen Aufgaben, kümmert sich um das Marketing und den Auftritt in den sozialen Medien. Sein jüngerer Bruder ist gelernter Destillateur und unterstützt mit seinem Wissen die Barrel Aged-Spezialitäten aus dem Hause Hoppebräu.

Auf seine bescheidene Art macht Markus Hoppe keinen Hehl daraus, dass er ohne die Unterstützung seiner Familie, wohl noch längst nicht da wäre, wo er heute mit seinem Betrieb steht. So wollte er gleich nach der Realschule eine Brauerausbildung antreten. Seine Eltern legten ihm allerdings nahe, doch erst das Fachabitur zu machen. Markus quälte sich durch die Fachoberschule und ein angepeiltes Studium zum Bauingenieur, trat er gar nicht erst an. Er entschloss sich Brauer zu werden.

Zu dieser Zeit war der Oberbayer noch nicht mal ein bewusster Bierbekenner. Erst nachdem er sich für eine Lehre bei der rund 30 Kilometer entfernten Maxlrainer Brauerei entschied, infizierte er sich mit dem Virus Bier. Um erste Sude zu realisierten, kaufte er sich 2010 eine 100-Liter Brauanlage und begann in der Garage seine eigenen Biere zu brauen. Der erste Gerstensaft, den Hoppe in seinen Töpfen zusammenrührte, war ein Märzen, das nach seinen Aussagen „sogar ganz gut schmeckte“. Der zweite Sud dagegen, ein Helles, sei ungenießbar gewesen und auch Weißbier habe er damals in kleineren Mengen nie so richtig hinbekommen.

Den Anspruch, ein gutes Bier zu brauen, hatte der engagierte Freizeitkoch aber von Anfang an. Seinen Ausbildungsbetrieb in Maxlrain bezeichnet der Waakirchner heute als Sprungbrett auf dem Weg zum Kreativ-Brauer. Immerhin konnte er innerhalb seiner Lehre ein Praktikum bei Brewdog in Schottland absolvieren. Hier tauchte er tief in die Philosophie hopfenbetonter Sude ein. Die Brauhunde boten ihm sogar eine Stelle an, die er allerdings ablehnte. Über den Maxlrainer Braumeister bekam er den Kontakt zur Firma Johann Albrecht, die weltweit Gasthausbrauereien verkaufen. Das Unternehmen hatte gerade ein Projekt auf der Insel Mauritius begonnen und wollte ihn dort als Braumeister einstellen. Der Braulehrling war anfangs unschlüssig, ob er den Schritt so weit von zuhause wagen sollte, sagte aber schließlich zu. Seine heutige Frau Christina erinnert sich: „Ich habe Markus damals gesagt, wenn du das allein wegen mir nicht machst, dann bist du echt dumm.“

Auf dem rund 9000 Kilometer entfernten Eiland im indischen Ozean zog er dann nahe der Hauptstadt Port Louis, die Flying Dodo Brauerei hoch und experimentierte erstmals mit Rohstoffen, die in seiner Heimat das Reinheitsgebot untersagt hätte. Das Flaggschiff der Braustätte war ein schlankes Blond, gebraut mit Zuckerrohr und gestopft mit Cascade-Hopfen. Neben verschiedenen India Pale Ales mit unterschiedlichen Hopfenspielen entwarf der Nachwuchsbrauer auch ein Imperial Stout, für das er Pinien-Rinde am Strand sammelte, trocknete und zur Nachgärung in den offenen Bottich packte. „In den 14 Monaten auf Mauritius habe ich wirklich alles ausprobiert, was irgendwie möglich war,“ bekennt der Oberbayer. Erst auf der Insel habe er die ganze Vielfalt kreativen Bierbrauens kennengelernt.

Mit der Intention, eine neue Biervielfalt nach Bayern zu bringen, kam Markus Hoppe zurück in sein Heimatdorf und experimentierte in der Garage seiner Eltern wie ein Besessener auf seiner 100-Literanlage. Seine Marke nannte er anfangs schlicht „Markus Hoppes Garagenbräu“. Aber kaum meldete er ein Gewerbe an, schon stand die Lebensmittelaufsicht vor der Tür und zwang ihn mit seinen Kesseln umzuziehen. Das Equipment wanderte ins ehemalige Schlachthaus auf dem Bauernhof seiner Großeltern – dort waren die Wände gefliest und es gab Heißwasseranschluss. Die neuen Biere kamen im Freundeskreis so gut an, dass der Jungbrauer mit der Produktion kaum nachkam. Inzwischen bedient er nahezu alle Vereine im Dorf, und rückt seine Sude zunehmend auf die Getränkekarten der umliegenden Gastronomie. 

Schon bald reichten die heimisch produzierten Mengen nicht mehr aus um die Nachfrage zu stillen. So wurde Markus schließlich zum Gypsy-Brauer, und er begann einige Sude im österreichischen Schwoich zu brauen. Auf der Rückfahrt von der Brauerei fragte er seinen Vater, wie er denn nun das hopfengestopfte Lager nennen solle. Dieser meinte daraufhin: „Alle sagen zu dir, du bist ein wuider Hund, wieso nennst du das Bier nicht einfach wuider Hund?“. Der Name stand fest und der Weg zur heutigen Wuid-Serie war gelegt. Beim zweiten Bier, dem India Pale Ale, fungierte der Opa als Testperson. Der nippte am Glas, verzog das Gesicht und sagte: „Das schmeckt ja vogelwuid!“ Somit war das „Vogelwuid IPA“ geboren.

Mit diesen beiden Sorten leistete der Gypsy-Brauer schon 2013 echte Pionierarbeit in der bayerischen Craft-Szene. Die freien Kapazitäten waren in Schwoich jedoch bald ausgereizt, sodass er mit seiner Produktion zum Wildbräu nach Grafing bei München wechselte. Zeitgleich holte er sich noch den Braumeister-Titel und sprach beim Waakirchner Bürgermeister vor, der ihn aber wegen seines Vorhabens eine eigene Brauerei im Ort zu errichten, regelrecht auslachte. Als Markus Hoppe 2016 eine Existenzgründerförderung erhielt, begann er intensiv mit der Planung seines Bierreichs.

Sein Glück war es, sagt er heute, dass seine Unternehmung noch nie schlechte Zahlen schrieb. Er hatte immer alle Einnahmen in seinen Betrieb reinvestiert und sich selbst nur wenig gegönnt. So konnte er schon vor dem Bau der Brauerei einen stabilen Marktwert und ein konstantes Wachstum verbuchen. Damit gelang es ihm beispielsweise finanzielle Unterstützung von der Regierung von Oberbayern zu bekommen, die ihm einen Zuschuss von 287.000 Euro gewährte. Auch Firmen wollten sich am Hoppe-Bräu beteiligen, das schlug er aber aus. „Die ganze Finanzierung war alles in allem ein echt brutaler Akt“, bekennt er ohne Reue.

Auch wenn der Jungbrauer zugibt, dass er viel Lehrgeld blechen musste, so hat sich die Mühe für ihn gelohnt. Inzwischen zählt er zu den bekanntesten Craft-Brauern der Nation. Der erste Spatenstich fand im April 2018 statt, bei dem Markus Hoppe die Freudentränen nur so über die Wangen kullerten. Ein Jahr danach eröffnete er sein Bier-Erlebniszentrum – und nur wenige Monate später musste er bereits die Brauerei um das Rolec-Sudhaus herum mit drei neuen Tanks erweitern. Machte seine Braumanufaktur 2016 noch etwa 1000 Hektoliter pro Jahr, waren es 2018 schon 2500 und in 2019 rechnet er mit einem Ausstoß von 4000 Hektolitern, die er wiederum innerhalb der nächsten drei Jahre auf 7000 ausreizen will. Sein Zugpferd ist inzwischen ein Helles, das vor allem den Regionalmarkt bedient.

Bei allen Erfolgen, auch mit Auszeichnungen für seine Biere, ist Markus Hoppe auf dem Teppich geblieben. Neben seiner Wuid-Serie mit Session Pale Ale, IPA, hopfengestopftem Lager, Double IPA und Amber Ale braut er zunehmend auch klassische Bierstile. Neben dem Bestseller Helles, auch Weißbier und Märzen – natürlich mit individuellem Hoppe-Touch und immer mit regionalen Zutaten. Wichtig ist es dem Braumeister, dessen Lieblingsplatz für ein Feierabendbier die Hausbank an der Ostseite der Brauerei ist, dass alle seine Sorten „rund, stimmig, charaktervoll und süffig“ sind. „Ich sehe unsere Sorten als Bindeglied zwischen traditionellen und extremen Bieren“, bekräftigt der 30-Jährige. Er versteht das als Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne, den viele Traditionsbrauereien derzeit gerade versuchen nachzuvollziehen.

Bei seinen Bieren hält sich der Chef von Hoppebräu strikt ans Reinheitsgebot, setzt aber auch auf Experimentierfreude. Seiner Meinung nach sind die Möglichkeiten, die das Gesetz hierzulande vorschreibt, noch längst nicht ausgereizt. Auf einer kleinen Versuchsanlage laboriert er bereits fleißig mit Sauerbieren, die mit Fruchtzucker vergoren werden. In den Kessel kommen alle möglichen Früchte, die in der Region wachsen. Vor allem Zwetschgen haben es ihm angetan.

Jetzt kam aber erst mal die neue Version seines alljährlich aufgelegten Imperial Stouts auf den Markt, dass er wieder in Whiskyfässern der nur 20 Kilometer entfernten Kultbrennerei Slyrs am Schliersee reifen ließ. Diesmal handelte es sich um Fässer einer Mountain-Edition, die auf 2000 Höhenmetern in den bayerischen Alpen lagerten. Um die hohe Kunst des Barrel Agings zu beherrschen, errichtete Markus Hoppe im Keller der Brauerei einen speziellen Reiferaum, in dem er die Luftfeuchtigkeit exakt regulieren kann. „Innovation ist sehr wichtig, um sich selbst weiterzuentwickeln und neue Bierstile auszuprobieren“, urteilt das typisch bayerische Mannsbild.

Alle Biere des umtriebigen Braumeisters können Interessierte auch in seiner „Zapferei“ genießen. In der gemütlichen Location fließen die Sude aus elf Hähnen, einer davon ist für wechselnde Gastsorten vorgesehen. Zudem gibt es eine Speisekarte mit zünftigen Brotzeit-Schmankerln und ein paar warmen Gerichten, wie einem speziellen Hoppe-Dog, Biergulasch oder Bierbratwürste. Die Zutaten stammen allesamt von Landwirten aus der Gegend, das Wild wird in den Bergen nahe der Brauerei geschossen. Die hauseigene Gastronomie überlässt der Jungunternehmer aber seiner Mutter Susanne. „Unser Leben hat sich komplett verändert“, sagt die quirlige Hoppe-Mama, „ich hätte nie gedacht, dass die Gastronomie so einschlägt.“ Häufig helfen auch ihre Schwester und die Schwiegermutter ihres Sohnes mit.

Zu den Hoppes kommen nicht nur neugierige Craft-Bierfans, sondern auch Ausflügler und Urlauber, vor allem aber fast alle Dorfbewohner, die eine Brauerei in ihrem Heimatdorf als echten Glücksfall verstehen. An Sonn- und Feiertagen bringen Stammtischler manchmal sogar ihre Instrumente mit und unterhalten mit Ziehharmonika und Gitarre die Gäste mit altbayerischem Liedgut. Und wenn der Chef sich nicht gerade ums Bierbrauen kümmert oder hin und wieder mal mit seinem Sohn in den Bergen des Voralpenlandes unterwegs ist, dann lässt er sich auch immer wieder mal in seiner Location sehen. „Das schafft Transparenz, baut Vertrauen auf und sorgt für den Gewinn neuer und nachhaltiger Kunden“, weiß Markus Hoppe. Aber dem Brauer ist auch klar, dass man sich niemals auf seinen Lorbeeren ausruhen darf. Er setzt auf Expansion und habe noch so einige Ideen in der Schublade – die will er aber noch nicht verraten.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Brauerei Flügge: Sommerliche Sauerbier-Symbiose

Die Macher der Brauerei Flügge aus Frankfurt etablieren sich in der hiesigen Craft-Bierszene immer mehr als wahre Sauerbier-Spezialisten. Gerade erst brachten Joachim und Dominik wieder eine neue sommerliche Variante auf den Markt: ein 6,9-prozentiges Rosé Himbeer Sour namens „Éric“. Dabei geht es um eine Berliner Weiße, die mit einer Saisonhefe vergoren und mit 33 Prozent Roséwein versetzt wurde. Gelagert wurde das Ganze noch auf zehn Prozent Himbeerpüree. Klingt doch schon mal sehr vielversprechend.

Ins Glas fließt Éric in einem appetitlichen Himbeerrot. Im Duft präsentiert sich ein Bukett aus sauren Himbeeren und einem würzig-hefigen Touch. Über die Lippen gleitet die Berliner Weiße mit einer sanften Säure und einer prickelnden Kohlensäure, bis sich das Aroma der Himbeeren ausbreitet. Hinzu gesellen sich Noten des Weins und eine gewisse Würzigkeit der Hefe.

Fazit: Eine tolle Symbiose aus Bier und Wein. Die Säure und das Himbeer-Aroma kreieren in Kombination mit der Hefe einen sommerlichen Erfrischungstrunk. Die knapp sieben Prozent sollte man allerdings beim Genuss nicht unterschätzen.

Schräge Biere: Doppelter Rausch

Eine weltweit geschätzte Zauberpflanze ist bekannt durch viele Namen: Hanf, Cannabis oder Marihuana. Aber beim Genuss dieses Allroundgewächses geht es nicht nur um den Joint, sondern vielmehr um eine Universalpflanze, die bei Craft-Brauern und -Genießern immer beliebter wird.

Credit: NickyPe_Pixabay

Hanf gehört zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt und gilt seit Jahrtausenden als eines der wirkungsvollsten Heilmittel für Erkrankungen jeglicher Art. Wen wundert da, dass das vielseitige Cannabisgewächs, als entfernter Verwandter des Hopfens, zunehmend auch im Sudkessel von Craft-Brauern landet. Wer sich hierzulande beim Genuss von Hanfbier allerdings einen doppelten Rausch verspricht, der dürfte enttäuscht sein. Nur in Ländern, in denen der Cannabis-Konsum gesetzlich erlaubt ist, kann ein Craft-Sud auch mal zur sanften Droge werden.

Aber den meisten Brauern geht es bei ihren Hanfbieren gar nicht um den Rausch, sondern vielmehr um das würzige und blumige Aroma der Pflanze. Verwendet wird das Gewächs in getrockneter Form, als Öl oder Extrakt. Manche Brauer setzen die Hanfblüten auch wie Hopfen beim Dry Hopping ein. Seit der Legalisierung von Marihuana in einigen US-Bundesstaaten hat sich Cannabis als Zutat im Bier dort sogar zum Trend entwickelt. Allerdings sind Sude, die mit dem berauschenden Stoff Tetrahydrocannabinol (THC) versetzt wurden, meist alkoholfrei.

Das gilt auch für die beiden erfolgreichen Sorten der „Ceria Brewing Company“ aus Colorado. Im würzigen Witbier namens „Grainwave” stecken fünf Milligramm THC, im IPA „Indiewave“ sogar noch etwas mehr von der psychoaktiven Substanz. Eine anregende Wirkung verspricht der Braumeister bereits nach 15 Minuten. Auch die Brauer der Flying Dog Brewery aus Maryland infundierten ihr „Hop Chronic IPA“ mit THC. Dafür kollaborierten sie mit einer spezialisierten Medical-Firma, sodass das Bier speziell für Cannabis-Patienten gedacht ist, die die therapeutischen Cannabinoide nicht rauchen wollen.

Solche berauschenden Sude suchen Hanf-Fans hierzulande bislang vergebens. Cannabis wird bei deutschen Brauern vielmehr als Aromabringer eingesetzt. Hanfbier-Vorreiter Philipp Overberg von der Gruthaus Brauerei in Münster produziert schon seit vier Jahren ein obergäriges, 5,6-prozentiges Landbier mit regionalen Cannabisblüten und grasigen, fast heuartigen Aromen. In Berlin führt die BRLO Brauerei sogar zwei „Cannabidiol-Biere“ im Sortiment. Ein knackiges Pils sowie ein 7,5-prozentiges Double IPA. Und in München hat der Hopfenhäcker ein 4,9-prozentiges Weißbier-Mixgetränk im Portfolio, das Werner Schürgraf für den würzig-blumigen Charakter mit Hanfblüten kaltstopft.

Auf Hanfblüten schwören auch die Macher vom österreichischen „BrauSchneider“. Ihrem 5,2-prozentigen „Hanfbier“, das angenehm nussige Noten hervorbringt, werden neben den Blättern reichlich Blüten hinzugefügt. Zu den Klassikern unter den Cannabis-Bieren zählt das „Californian Moonshine“ von „Tom & Harry Brewing“ aus der Steiermark. Das karamellige Lager ist mit österreichischen Cannabidiol-Hanfblüten gebraut, die sich mit Zitronennoten und einem würzigen Hanf-Touch vermählen.

Besonders beliebt ist der Einsatz von Cannabis auch in Biermischgetränken. So erweiterte Craftwerk Brewing aus Bitburg gerade das Portfolio mit einem „IPA Hanf-Radler“, bestehend zu 50 Prozent aus dem „Hop Head7 IPA“ und zu 50 Prozent aus Hanf-Zitronenlimonade. Das prickelnde Radler mit dem Geschmack von Zitrusfrüchten, Maracuja und einem grasigen Hanf-Touch macht zwar nicht high, ist aber eine wahre Erfrischung im Sommer.

Erschienen im Meininger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Sierra Nevada Brewing: Vom Hobbybrauer zum Craft-Giganten

Ken Grossman gilt als einer der bekanntesten Macher der kreativen Bierbranche. Er zog Sierra Nevada Brewing zu einer der größten Craft-Stätten der Welt hoch und ist für viele Jungbrauer ein großes Vorbild. Hier kommt seine Geschichte.

Credit: Sierra Nevada Brewing

Dass eine unspektakuläre kalifornische Mittelstadt wie Chico, knapp 150 Kilometer nördlich von Sacramento gelegen, mal eine der bekanntesten Craft-Brauereien rund um den Globus beherbergt, hätte vor 40 Jahren wohl niemand erwartet. Auch Ken Grossman nicht, der seinen ersten Sud im zarten Jugendalter braute, als er nach US-Gesetzen noch nicht mal offiziell Bier trinken durfte. „Das alles ist bis heute ein riesiges Abenteuer“, erinnert sich der Gründer von Sierra Nevada Brewing heute zurück, „das mich fesselt und selbst immer wieder erstaunt.“

Ken Grossmans Brauerei feiert gerade nicht nur ihr 40-jähriges Jubiläum. Mit einem Ausstoß von mehr als 1,2 Millionen Hektolitern im vergangenen Jahr zählt Sierra Nevada Brewing inzwischen auch zu den drei größten und modernsten Craft-Stätten in den USA. Zu Grossmans Imperium gehört neben dem Hauptquartier in Chico seit acht Jahren auch eine zweite Brauerei in Mills River im Henderson County in North Carolina, die sein Sohn Brain leitet, um Konsumenten an der Ostküste zu erfreuen. Hotspot ist aber noch immer die Mutterbrauerei in der quirligen College-Stadt Chico im Butte County. Sie gilt als kalifornisches Mekka für Bierliebhaber aus aller Welt. Selbst an den Wochenenden stehen Besucher vor den Brauereitüren und werden von einem verführerischen Maische-Duft begrüßt. Der Blick durch haushohe Schaufenster auf zwei glänzende, kupferfarbene Kessel in der Umgebung des hauseigenen Hopfengartens lassen die Herzen eines jeden Craft-Aficionado höherschlagen.

Für viele Brauer gleicht die Erfolgsstory von Sierra Nevada einem modernen Märchen – und Ken Grossman ist ihr Held. Der heute 65-jährige Gründervater ist zwar nicht der erste Craft-Brauer in Kalifornien. Aber im Laufe der Jahre wurde er zu einem der wichtigsten Vordenker der globalen Craft-Community und zum wohl einflussreichsten Macher der Kreativbierbewegung schlechthin. Ziemlich genau seit 40 Jahren braut der in Los Angeles geborene US-Amerikaner sein „Pale Ale“ – das noch heute 50 Prozent der Produktion ausmacht und zum Standardtrunk der internationalen Craft-Szene zählt. Das Besondere an diesem Bier damals war, dass es mit Cascade-Hopfen aus dem Yakima Valley angesetzt wurde und sich mit damals gänzlich neuartigen Aromen von Kiefern und Zitrusfrüchten präsentierte. „Bei der Entwicklung dieses Bieres war uns klar, dass wir einen einzigartigen Stil finden müssen“, betont Grossman. Das Ergebnis ist bekannt: das Sierra Nevada Pale Ale gilt als einer der Zündfunken, der die amerikanische Craft-Bierrevolution auslöste.

Credit: Sierra Nevada Brewing

Ken Grossmans Erfolgsweg gestaltete sich allerdings lang und steinig. Die Heldengeschichte von Sierra Nevada Brewing beginnt im Stadtviertel Winnetka von Los Angeles. Der Vater eines Kumpels braute in der Garage sein eigenes Ale. Fasziniert von Prozess und Duft besorgt sich der Minderjährige ein Brauset, dass er anfangs noch vor seiner Mutter verstecken musste. Als sie es dennoch findet, schwört der junge Grossman, dass er das Bier nur braue, aber selbst nicht trinken würde. Nach dem Schulabschluss begibt sich der leidenschaftliche Fahrradfahrer gemeinsam mit seinen Kumpels auf lange Touren durch die Sierra Nevada – eine Hochgebirgskette in Kalifornien – und verliebt sich in die Region rund um Butte County. Nachdem einige seiner Freunde beginnen dort in Chico zu studieren, schreibt sich auch Grossman 1972 für das Fach Chemie ein. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet er in einem Fahrradgeschäft.

Zwischen Job und Unterricht braut er wie ein Besessener und experimentiert an immer neuen Suden. Er orientiert sich an Fachbüchern wie „Big Book of Brewing“ und lernt dadurch einiges über europäische Lagerbiere und die Kunst des Hopfenstopfens. Irgendwann stellt der überzeugte Hobbybrauer sogar sein eigenes Weizenmalz her, bis er 1976 schließlich den „Homebrew Shop“ in Downtown am 336 Broadway öffnet. Anfangs lief der Laden nicht besonders, gibt Grossman zu, weil Hausbrauen offiziell in den USA noch verboten war. Das ändert sich, als US-Präsident Jimmy Carter, Bruder eines bekannten Brauers, im Oktober 1978 ein Gesetz unterschreibt, das Heimbrauen offiziell erlaubt. Dadurch änderte sich die Braulandschaft in den USA schlagartig und der Craftbier-Boom nimmt seinen Anfang. Plötzlich boomt auch Grossmans Shop und er entscheidet sich für den nächsten Schritt in seiner Karriere.

Gemeinsam mit seinem Kumpel Paul Camusi gründet Grossman eine Brauerei unter dem inzwischen weltweit bekannten Namen Sierra Nevada. Beiden ist bewusst, dass sie eine Marktnische für kreative Biere finden müssen, um erfolgreich zu werden. Das erste Sudhaus baut Grossman noch selbst. Es besteht aus einem Sammelsurium alter Molkereiausrüstungen, das optisch eher an eine Raumstation erinnert. Das Ungetüm steht – als Denkmal an alte Zeiten – noch heute auf dem Hinterhof der Brauerei in Chico und soll in diesem Jahr zum Jubiläum sogar auf Reisen gehen. Während einer Fahrradtour, stolpert Grossman damals auf ein Bier von Anchor Steam Brewing aus San Francisco, von dem er schon viel gehört hatte. Der erste Schluck begeistert ihn so, dass er beschloss, selbst einen Trunk auf diesem Niveau – fernab der amerikanischen Leichtbiere – auf den Markt bringen möchte.

Der erste Sierra Nevada Sud ist ein Stout. Aber nur wenige Wochen später braut Grossman ein Pale Ale, das allerdings erst nach zehn Brauvorgängen dem Team wirklich schmeckt. Der offizielle Verkauf beginnt und die Nachfrage in der Region steigt so rasant, dass die Produktionskapazitäten bald nicht mehr ausreichen. Es klingt wie ein Aberwitz: Grossman reist ins bayerische Aschaffenburg, um ein Sudhaus zu kaufen, da es im US-Markt gebrauchte Anlangen in der gewünschten Dimension nicht gibt. Allerdings fehlt das Geld, um die Kessel auch in Gang zu bringen. So steht das Sudhaus jahrelang unbenutzt herum. Erst 1987 findet der umtriebige Grossman einen neuen Brauerei-Standort in der 20th Street in Chico, wo er endlich die Anlage aus Bayern in Betrieb nehmen kann. Von da an wächst die Produktion Jahr für Jahr um rund 50 Prozent und das Unternehmen kennzeichnet sich alsbald durch permanente Bier-Innovationen. Sechs Jahre später produziert das Sierra Nevada Team das „Harvest Ale“, das als das erste „Wet Hop Lager“ im Lande gilt.

Schon bald ist die nächste Kapazitätsgrenze erreicht und Grossman muss seinen Betrieb um ein 200-Barrel-Sudhaus mit neuem Gärkeller erweitern. 1989, ein Jahr später, zahlt Grossman seinen Partner Paul Camusi aus und wird alleiniger Inhaber von Sierra Nevada. Mit dem „Torpedo Extra IPA“ führt er das erste ganzjährige India Pale Ale der Brauerei ein. Das Besondere an dem Trunk ist die hauseigene Erfindung eines Hopfentorpedos – ein System beim Hopfenstopfen, das noch mehr Aroma aus dem grünen Gold zaubert, ohne die Bittere zu verstärken. Vier solcher Torpedos kommen jeweils mit in den Tank. Dabei verwendet die Braumannschaft für ihre Biere meist nur Doldenhopfen oder Hopfenpulver.

Seit dem ersten „Pale Ale“ rücken immer mehr Hopfenbomben ins Portfolio der Chico-Brauer. Hinzu kommen ein Hazy IPA, ein Imperial IPA, sowie auch ein Easy-Drinking Lager, bei dem auch der Hopfen im Vordergrund steht. Das Sortiment ergänzt sich durch Sour Ale, Imperial Stout, Barley Wine und fassgereifte Spezialitäten. Zu den Klassikern gehören auch eine schlanke Gose, gebraut mit Agave und Limette, ein röstiges Porter sowie ein Weißbier nach bayerischer Art, gebraut mit der Hefe der Gutmann-Brauerei aus dem bayerischen Titting. Inzwischen fehlt kaum ein Bierstil im Angebot der kalifornischen Brauer.

Heute zählt Sierra Nevada mit mehr als 500 Mitarbeiter zu den Top-Brauereien der USA und gilt zudem als Musterbeispiel für Nachhaltigkeit. Eine Anlage mit mehr als 10.000 Solarzellen, ein eigenes Recycling-System sowie modernste Technik zur Wärmerückgewinnung macht aus dem Unternehmen einen Vorreiter für Umweltfreundlichkeit. Ken Grossman, der inzwischen das Tagesgeschäft in jüngere Hände übergeben hat, wird noch häufig in der Brauerei gesichtet – bevorzugt am Wochenende um fünf Uhr in der Früh. Sein Kommentar dazu: „Ich fühle mich noch immer stark zur Brauerei hingezogen und hoffe, dass die Faszination niemals aufhört.“

Ken Grossman und ich

Erschienen im Meiniger’s CRAFT Magazin für Bierkultur.

Kemker Kultuur: Historisches Bier mit Holunderblüten

Jan Kemker von der Kemker Kultuur in Alverskirchen, aus der Nähe von Münster, schwört auf historische Biere. Seit nunmehr drei Jahren hat er sich als Ziel gesetzt mit seinen Suden lokale Braugeschichte wiederzubeleben. Jan verwendet ursprüngliche Zutaten, wilde Hefen und lässt seine Biere zur Vollendung lange im Holzfass reifen. Kürzlich habe ich sein „Fliärblome“ probiert. Dabei handelt es sich um ein 5,5-prozentigen Verschnitt aus spontanvergorenem Weizenbier mit Holunderblüten und jungem „Aoltbeer“, inspiriert vom dem historischen Sauerbier aus Münster.

Gelborange leuchtet das Sour Ale durchs Glas, ein fein- bis mittelporiger, schneeweißer Schaum liegt oben auf. Das Bukett betört die Nase mit einem intensiven Duft des Holunders. Hinzugesellen sich Noten von gelben Steinfrüchten und ein würziger Touch der Hefe. Über die Lippen fließt das Bier mit einer zarten Säure, bis sich eine moderate Kohlensäure und auch die Holunderaromen ausbreiten. Ein sanft fruchtiger, würziger und herber Touch runden „Fliärblome“ harmonisch ab.

Fazit: Ein tolles Bier für den Sommer mit einem ungewöhnlichen Aromaspiel. Kann ich mir sehr schön als Aperitif vorstellen oder auch zu bunten Sommersalaten. Ich freue mich schon auf die anderen Sorten, die ich aus dem Hause Kemker bestellt habe.