Other Half: Superfun und super teuer

Die Sude aus der Craft-Stätte Other Half aus Brooklyn gelten derzeit als besonders heißer Stoff. Hierzulande kommt man echt nur schwer an diese Biere. So musste ich im niederländischen Onlineshop „Beerrepublic“ zuschlagen, als es dort frische Ware gab. Zugegeben habe ich zweimal überlegt, wie viele Dosen ich bestellen soll. Der Preis beginnt bei 9,99 Euro. So auch beim 4,2-prozentige Double Dry Hopped Pale Ale namens „Superfun!“. Vor allem die Hopfenkombination mit Galaxy, El Dorado und Simcoe hatte mich zum Kauf angeregt.

Gestern habe ich mir die teure Dose freudig und erwartungsvoll aufgemacht. Sonnengelb zeigt sich das US-Ale im Glas, getoppt von einem feinporigen, schneeweißen Schaum. Es duftet sanft nach Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Zitrone sowie etwas grasig-würzig mit tropischem Anklang von Mango und Ananas. Im Mund präsentiert sicher Sud schlank und frisch mit einer eher zurückhaltenden Fruchtigkeit. Es dominieren gelbe Steinfrüchte wie Aprikose und Pfirsich. Im Finish verabschiedet sich das Bier mit einer dezenten Bittere.

Fazit: Die Erwartung war groß, die Enttäuschung umso größer. Ehrlich gesagt hätte ich mir bei diesem Preis etwas mehr erwartet. Klar, das Bier schmeckt durchaus super, zeigt eine angenehme Aromatik und besitzt auch keine Fehler. Versteht mich nicht falsch, ich bin die Letzte, die nicht gern viel Geld für gutes Bier ausgibt. Aber für zehn Euro bekomme ich Dutzende regionale Sude, die diesen Trunk locker übertrumpfen. Ein weiteres Bier von Other Half steht noch im Kühlschrank, vielleicht öffnet das eher mein Herz.

Oud Beersel: Die Kirsche macht‘s

Oud Beersel in Beersel, südlich von Brüssel gelegen, zählt zu den bekanntesten Lambic-Brauereien Belgiens. Gegründet wurde die Braustätte 1882 von Henri Vandervelden. Geschlossen wurde sie Anfang der 2000er wegen fehlender Nachfolger, aber fünf Jahre später von Gert Christiaens übernommen und mit neuen Ideen gepusht. Heute wird die Würze allerdings nicht mehr selbsthergestellt, sondern bei den Machern von der Brouwerij Boon produziert, in Eichenfässern bei Oud Beersel vergoren und verblendet.  

Zu den beliebtesten Produkten zählt das sechsprozentige Oude Kriek. Ich habe das zum ersten Mal während der Toer de Geuze vor ein paar Jahren in der Brauerei probiert und war sofort begeistert. Seitdem gehört es zu den regelmäßigen Gästen in meinem Kühlschrank. Für den speziellen Geschmack kommen 400 Gramm Kirschen von den 320 Kirschbäumen im eigenen Brauereigarten auf einen Liter Lambic. So präsentiert sich das naturtrübe Bier in einem attraktiven Kirschrot, getoppt von einem feinporigen, stabilen und rötlichen Schaum.

In die Nase strömen holzige, animalische und fruchtige Noten der Kirschenbeigabe. Ein Touch von Mandel schwingt auch noch mit. Der Antrunk gestaltet sich fruchtig-säuerlich, bis sich das Kriek prickelnd-erfrischend und vollmundig auf der Zunge ausbreitet. Hier zeigen sich neben einer deutlichen, aber angenehmen Säure auch die fruchtigen Aromen der Kirsche, das Holz und die Brettanomyces. Im Finish kommen noch eine harmonische Bittere sowie ein sanfter Mandel-Ton durch.

Fazit: Für mich ist dieses Oude Kriek ein Musterbeispiel für den ungesüßten Bierstil. Schön gekühlt eignet sich das Bier ideal als Aperitif, als Pairings-Partner zum Schokokuchen oder einfach im Sommer als köstliche Erfrischung.

Batzen Bräu: Trendsetter für Italian Grape Ales

Italian Grape Ales (IGA) scheinen sich als ein neuer Trend in der Craftbier-Szene durchzusetzen. Bei diesem noch relativ neuen Bierstil handelt es sich um eine Erfindung aus Italien, die 2015 auch in die Liste des „Beer Judge Certification Programs“ (BJCP) aufgenommen wurde. Dafür werden Trauben oder Traubenmost – der Anteil kann bis 40 Prozent reichen – entweder beim Kochen, bei der Gärung oder erst bei der Reifung des Trunks dazugegeben. Abhängig von der eingesetzten Traube und der Technik des Brauers variieren sowohl Farbe als auch Geschmack und Mundgefühl eines IGAs.

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich ein Italian Grape Ale durch eine gewisse Frische und Komplexität sowie die eingesetzten Trauben charakterisiert. Dabei sollte das Aroma und vor allem die Säure gefällig sein und nicht unbedingt an ein belgisches Lambic erinnern. So kann ein IGA Aromen von gelben Steinfrüchten, tropischen Früchten oder roten Beeren besitzen. Manche legen auch animalische Noten von wilden Hefen aus einem Holzfass vor.

Ein harmonisches Musterbeispiel legt der 2012 gegründete Batzen Bräu aus Südtirol vor. Bei der 6,6-prozentigen Version aus Bozen gab das Team um Robert Widmann bei der Gärung Traubenmaische vom Gewürztraminer hinzu. So präsentiert sich „Julitta Rosé“ in goldgelber Opaltönung im Glas. Schaum hat der Trunk nicht. In die Nase strömen florale Noten, die an Rose erinnern, sowie fruchtige Töne von Litschi, Holunder, Zitrone und weißen Trauben. Ein sanfter Leder-Touch spielt auch noch mit. Im Antrunk zeigt sich schon eine deutliche Säure, die sich auf der Zunge mit den fruchtigen und hefigen Aromen verbindet. Im Abgang macht sich eine sanfte Herbe bemerkbar, die das Gesamtbild abrundet.

Fazit: Dieser Bier-Wein-Hybrid ist wirklich spannend und vielfältig im Aroma. Ich denke, dass sich solche Sude in diesem Jahr verstärkt in der Craftbier-Szene durchsetzen werden. Gerade, weil Sauerbiere immer mehr im Kommen sind. Für mich ein echter Genuss.

Brouwerij Verhaeghe: Komplexes Genusserlebnis

Innerhalb meiner Fortbildung zum „Master of Beer“ muss ich auch bestimmte Bierpakete im Eigenstudium bearbeiten. In 2020 hieß das Thema „Sauerbier“. Ein paar Spezialitäten möchte ich euch nicht vorenthalten. Zu meinen Favoriten zählt vor allem das Flanders Red Ale namens „Duchesse de Bourgogne“ von der Brauerei Verhaeghe aus dem belgischen Vichte in Westflandern.

Das Besondere an diesem Bierstil, auch häufig Oud Bruin genannt, ist, dass der Sud mit Hefe sowie Lactobacillus gärt und anschließend mehrere Monate in Stahltanks reift. In Westflandern, also auch bei den Machern von Verhaeghe, kommt das Bier nach der Gärung bis zu zwei Jahre in Holzfässer, um spätestens hier noch mit Brettanomyces-Hefe zu arbeiten.

So zeigt sich das 6,2-prozentige „Duchesse de Bourgogne“ in einem appetitlichen Kastanienbraun, getoppt von einem moderaten feinporigen und beigefarbenen Schaum. Es duftet nach Balsamico-Essig, Holz, Nougat, Dörrobst wie Pflaume und Rosine. Im Antrunk fließt das Flanders Red süßlich-sauer mit feiner Rezenz über die Lippen. Der Körper ist vollmundig, fast schon cremig. Die Säure ist auf der Zunge deutlich präsent, aber absolut harmonisch in die kräftige Süße eingebunden. Aromen von Balsamico, Honig, Holz und getrockneten Früchten charakterisieren das Geschmacksbild. Das Finish zeigt sich aromatisch und trocken.

Fazit: Dieses Flanders Red lag auf meiner Bewertungsskala ganz weit oben. Das Aromaspiel ist absolut spannend, vielfältig und komplex. Ein Bier, das nicht umsonst von Sauerbier-Fans rund um den Globus gefeiert wird.

Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan: Erfolgsrezept mit Tradition und Innovation

Foto: Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan

Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan, einst gegründet von Benediktinermönchen, gilt mit ihrer rund tausendjährigen Geschichte als älteste Braustätte der Welt. Hinter den ehrwürdigen Mauern wirkt heute nicht nur hochmodernste Brautechnik, sondern auch ein Team mit vielen neuen Ideen.

Wer den heiligen Berg von Weihenstephan erklimmt, der betritt ein historisches Terrain, das umrankt ist von Legenden und Geschichten über Krieg, Plünderung, Zerstörung und wunderbaren Suden, die maßgeblich den Ruf des bayerischen Bieres begründeten. Seitdem hier oberhalb von Freising, rund 40 Kilometer nordwestlich von München, einst durstige Benediktinermönche begannen in ihren Sudkesseln zu rühren, hat sich einiges im Weihenstephaner Brautempel getan. „Unser Erfolgsrezept ist das Spannungsfeld zwischen althergebrachtem Wissen des Bierbrauens“, betont Brauereidirektor Dr. Josef Schrädler, „in Kombination mit moderner Wissenschaft.“

So gilt die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan mit ihrer erstmals urkundlichen Erwähnung von 1040, als die Ordensbrüder das offizielle Brau- und Schankrecht erwarben, nicht nur als älteste Braustätte der Welt. Durch die Zusammenarbeit mit der Technischen Universität für Brauwesen und Getränketechnologie, die sich gleich nebenan befindet, zählt sie auch zu einer der innovativsten Bierproduktionen überhaupt. Bis die Brauerei sich mit diesem Status rühmen durfte, erlebten die Gründer turbulente Zeiten mit beispiellosen Schicksalsschlägen. Als die Weihenstephaner Mönche im Jahre 725 unter Leitung des heiligen Korbinian das Benediktinerkloster gründeten, folgte 955 die komplette Zerstörung der Braustätte durch die Ungarn. Nach dem Wiederaufbau plünderten und verwüsteten im Dreißigjährigen Krieg erst Schweden, dann Franzosen und später die Österreicher im Spanischen Erbfolgekrieg das Weihenstephaner Heiligtum. Zwischen 1085 und 1463 brannte das Kloster dann auch noch viermal vollständig ab und wurde durch drei Pestepidemien, Hungersnöte sowie ein starkes Erdbeben lahmgelegt.

Brauereichef Josef Schrädler. Foto: Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan

Erst 1803, während der Säkularisation, wurde die Klosterbrauerei aufgelöst und alle Rechte gingen an den bayerischen Staat über. Ihren heutigen Namen trägt die Staatsbrauerei erst seit 1921 und ist seitdem ein nach privatwirtschaftlichen Maßstäben geführtes Unternehmen. Dass die Braustätte heute über modernste Technik verfügt, ist größtenteils Brauereidirektor Josef Schrädler zu verdanken. Der 57-jährige Betriebswirtschaftler, der auch als Professor an der Weihenstephaner Universität lehrt, führt das Unternehmen seit gut zwanzig Jahren und schreckt vor keiner Prozessoptimierung zurück: „Wenn die Qualität unserer Biere in irgendeiner Weise noch besser werden kann, dann setzen wir das sofort um.“

Das Engagement der Freisinger Brauer wird sichtlich auch belohnt. Im Sortiment finden Bierliebhaber heute insgesamt 16 Sorten, die mit unzähligen Medaillen geehrt wurden. Als Flaggschiffe der Staatsbrauerei gelten ein bananiges Hefeweißbier und das „Original Helles“, das sich durch eine gewisse Malzigkeit und einen würzigen Hopfen-Touch kennzeichnet. Für Starkbier-Fans gibt es den 7,4-prozentigen, dunklen Doppelbock namens „Korbinian“ sowie den mehrfach prämierten Weizenbock „Vitus“ mit 7,7 Prozent Alkohol, der mit wuchtigen Noten von Banane und getrockneter Aprikose überzeugt.

1. Braumeister Tobias Zollo und Braumeisterin Sina Fürlauf

Braumeister Tobias Zollo, der einen Jahresausstoß von 450.000 Hektolitern verantwortet, erweitert sukzessive das Portfolio. So tüftelte er mit seinem Team ein Jahr lang an einem Rezept für ein neues Helles mit ganz unterschiedlichen Hopfensorten. „Obwohl wir mit unserem neuen Bier vor allem jüngere Zielgruppen ansprechen wollen, vereinen wir auch dabei Tradition mit Moderne,“ bekräftigt Zollo. So präsentiert sich das Helle denn auch mit frischem Design und in der bauchigen Retro-Euroflasche.

Dass all ihre Biere nach dem Reinheitsgebot und mit überwiegend regionalen Rohstoffen gebraut werden ist für die Freisinger zwar gesetzt, aber dabei beschreitet das Braukollektiv teilweise Wege, die den meisten Traditionsbrauereien noch fremd sind. Um sich auch in der Craft-Szene zu positionieren, setzen sie auf Kollaborationen mit ausländischen Kreativbrauereien. So entstand aus purer Experimentierfreude schon ein 10,5-prozentiges Champagner-Bier namens „Infinium“, das gemeinsam mit Samuel Adams aus Boston angesetzt und mit französischer Sekthefe vergoren wurde. Zudem brauten die Bayern vor zwei Jahren mit den kalifornischen Kultbrauern von Sierra Nevada den Kollaborationssud „Braupakt“. Dabei handelte es sich um ein Weißbier mit sechs Prozent Alkohol, das mit den amerikanischen Hopfensorten Chinook und Amarillo gebraut wurde. „Sobald es nach Corona wieder aufwärts geht, wird es wieder einen neuen spannenden Collab geben,“ verspricht Weihenstephaner Braumeisterin Sina Fürlauf. Ihr Team sei bereits mit australischen Brauern im Gespräch.

Josef Schrädler schätzt den Ehrgeiz seiner rund 160 Mitarbeiter. Seit der umtriebige Brauereichef in Weihenstephan die Geschäfte führt, hat sich vieles verändert. Die Staatsbrauerei vergrößert sich nicht nur stetig, auch der Absatz hat sich mehr als verdreifacht. Nach einer Investition von rund 16 Millionen Euro eröffnete er erst im vergangenen Jahr ein neues Logistikzentrum mit einer Fläche von 11.000 Quadratmetern, um auch bei einem Exportanteil von rund 60 Prozent die komplette Logistik aus einer Hand abwickeln zu können. „Da wir zu den modernsten Betrieben in unserer Branche gehören wollen, haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel Geld in Technik investiert“, umschreibt Schrädler den Erfolg seiner Brauerei.

Foto: Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan

Dass sich niemand in der Staatsbrauerei auf den Lorbeeren ausruhen darf, gilt auf dem heiligen Berg als ungeschriebenes Gesetz. Aktuell ist ein neuer Lagerkeller und eine moderne Anlage zur Entalkoholisierung in der Planungsphase. Damit erhoffen sich die Freisinger vor allem einen Innovationssprung bei alkoholfreiem Weißbier, zumal sie schon seit langem bei solchen Suden einen kontinuierlichen Aufwärtstrend registrieren. Allein im vergangenen Jahr konnten sie mit ihrem Angebot ein Ausstoßplus von fast 40.000 Hektolitern verbuchen. Inzwischen gibt es auch ein bleifreies Helles, das auf neue Zielgruppen abzielt. „Unsere alkoholfreien Sorten sorgen jetzt auch außerhalb Deutschlands für steigendes Interesse“, weiß Matthias Ebner, der in der Freisinger Braustätte als internationaler Markenbotschafter fungiert.

Trotz zahlreicher Neuerungen und modernster Technik, präsentieren sich die Weihenstephaner nach wie vor als ältesten Braustätte der Welt. Vordenker Josef Schrädler ist sich aber bewusst, dass Tradition heute als Verkaufsargument allein nicht mehr reicht: „Es gehört zwar zum Zeitgeist, dass sich Verbraucher gern auf alte Werte besinnen und dabei regionale Produkte mit individuellem Charakter bevorzugen, aber man sollte dabei nicht vergessen, dass hinter einer alten Brautradition meist viel Erfahrung und hohe Qualität steht.“

Erschienen im MEININGER’S CRAFT MAGAZIN FÜR BIERKULTUR.

Sponsored Post: Bier-Spaß für zuhause

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Ausgangssperren, geschlossene Gastronomie und Wegfall jeglicher Art von Veranstaltungen: Schwierige Zeiten fordern neue Ideen. So setzen Biersommeliers inzwischen vermehrt auf virtuelle Bierverkostungen, bei denen die Teilnehmer ganz entspannt zuhause auf dem Sofa vor Laptop oder TV-Gerät sitzen und die köstlichsten Sude genießen können.

Auch Lennart Claessens aus Münster, veranstaltet mit seinem Team von „Bier-Events“ solch digitale Tastings via Video. Als besonderes Highlight dabei gilt die sogenannte „Home Edition“. Interessierte Bierliebhaber können per online eine Tasting-Box bestellen und erhalten dann bis zu sechs Biere aus unterschiedlichen Brauereien. Auch die Bierstile sind bewusst ausgewählt, damit eine spannende Vielfalt bei der Verkostung abgedeckt ist. Das kann beispielsweise ein Paket mit heimischen Suden sein. Zu probieren gibt es dann ein bayerisches Helles, ein Hamburger Rotbier, ein kreatives Pils aus Berlin, einen kräftigen Doppelbock sowie die fränkische Interpretation eines englischen Stouts oder aber ein fruchtig-frisches Pale Ale, das seinen aromatischen Kick durch eine amerikanische Hopfensorte erzielt.

Neben der Bierauswahl, einem Verkostungsglas und einer Anleitung stecken noch weitere interessante Details in der Tasting-Box. Zu entdecken gibt es liebevoll verpackte Hopfen- und Malz-Proben, die man anfassen, riechen und schmecken kann. Denn den Veranstaltern ist klar: eine Verkostung funktioniert am besten über alle Sinne. Als Beilage zum Verkostungspaket finden die Probanden auch ein Bier-Aromarad, das zur sensorischen Orientierung dient, sowie ein Verköstigungsformular, mit dem jeder Teilnehmer seine eigenen Geschmackserlebnisse beschreiben und als Erinnerung aufbewahren kann. Das ist aber noch nicht alles: eine Besonderheit ist noch eine beigelegte Edelbitter-Schokolade, die perfekt auf die Biere abgestimmt ist und womit der Genießer gleich noch in das Thema Foodpairing einsteigen kann.

Über die Online-Plattform von „Bier-Events“ werden die verschiedenen Biere gemeinsam mit Biersommelier Lennart Claessens über Video verkostet und analysiert. Claessens Ziel ist es den Genussfaktor mit viel Wissen über Bierstile, Brauereien, Sensorik und Trends zu vermitteln. Und das Ganze funktioniert ganz einfach und bequem an einem Ort und Tag nach Wahl.

Schneeeule: Berliner Weisse wie aus dem Bilderbuch

Für meine Fortbildung zum Master of Beer habe ich vergangene Woche ein Seminar zum Thema Sauerbier besucht. Kaum jemand ahnt, dass Deutschland eigentlich zu den größten Sauerbier-Nationen weltweit zählt. Einige traditionelle Bierstile starben hierzulande allerdings fast aus. Umso cooler, dass Ulrike Genz mit der Berliner Marke Schneeeule der Bundeshauptstadt ein altes Kulturgut zurückgibt.

Bei „Dietrich“ handelt es sich um eine Original Berliner Vintage Weisse mit schlanken 3,8 Prozent – denn ursprünglich fiel dieser Bierstil unter die Kategorie Schankbiere. So strahlt die Interpretation von Ulrike in einem appetitlichen Goldgelb durchs Glas. Ein schneeweißer Schaum ist kurzfristig präsent. Im Duft zeigen sich gelbe Steinfrüchte wie Quitte und Mirabelle, ein würziger Ton und etwas zart Animalisches aus der Hefe sowie ein Touch von Brioche. Im Antrunk fließt die Weisse mit einer angenehmen Säure über die Lippen, die Kohlensäure ist harmonisch eingebunden. Im Geschmack zeigen sich die Aromen der Brettanomyces-Hefe etwas deutlicher und gehen in Richtung Leder. Aber auch auf der Zunge spielen fruchtige Noten und etwas Brotiges mit. Im Finish verabschiedetet sich „Dietrich“ knochentrocken.

Fazit: Diese Berliner Weisse zählt für mich inzwischen zu einem echten Klassiker, der regelmäßig auf den Tisch kommt. Die Säure in diesem Sud harmoniert wunderbar mit den Aromen, sodass es immer wieder ein Hochgenuss ist, dieses Bier zu trinken.

De Moersleutel: Stout trifft Lebkuchenmännchen

Wer noch nicht so recht in Weihnachtsstimmung ist, sollte unbedingt dieses nachtschwarze Imperial Stout probieren. In „Wanna Taste My Gingerbread Man?“ der angesagten niederländischen Craft-Brauern von De Moersleutel, stecken jede Menge winterliche Gewürze wie Ingwer, Vanille, Zimt und Muskatnuss. Hinzu kommen satte zehn Prozent Alkohol, die von innen wärmen.

Schon beim Öffnen der Dose springt einem ein Lebkuchenmännchen entgegen. Das Stout duftet nach Spekulatius, Vanille und den winterlichen Gewürzen. Im Mund breitet sich das Bier vollmundig mit einer cremigen Textur aus. Auch auf der Zunge erinnert der Trunk an einen würzigen Lebkuchen. Im Geschmack hält das Stout, was es in der Nase verspricht. Es gesellen sich allerdings noch schokoladige Noten und ein sanfter röstiger Touch hinzu. Im Finish ist eine zarte Hopfenbittere erkennbar.

Fazit: Dieses Bier zaubert definitiv Weihnachts-Feeling auf die Zunge. Die Aromen des Stouts in Kombination der Gewürze bildet eine tolle Symbiose. Mir ist es allerdings mit den zehn Prozent etwas zu wuchtig.

TrueBrew: Hammerharte Hopfenbombe für kalte Wintertage

Nach Milkshake, Brut und Hazy starten jetzt rund um den Globus sogenannte Triple IPAs mit zweistelligem Alkoholgehalt so richtig durch. Solche Sude sind ideal für den Winter, wo sie sich gern auch mal mit einige Umdrehungen mehr präsentieren dürfen. Eine spannende Interpretation legen gerade die Macher von TrueBrew aus München vor. Ihr zehnprozentiges New England Triple IPA namens „Short Fuzed“ hopften die Macher mit jeder Menge Sabro-, Azacca- und Bru-1-Hopfen.

Das Bier strahlt im trüben Orangegold durch das Glas, der stabile Schaum liegt feinporig und schneeweiß obenauf. In die Nase schießen sofort fruchtige Hopfennoten von Bergpfirsich, reifen Steinfrüchten, Ananas und Maracuja. Begleitet wird das Bukett von einer gewissen Würze. Kaum über die Lippen geflossen, breitet sich das hammerharte IPA vollmundig mit einer angenehmen Malzüße aus. Auch hier zeigen sich im Aroma vor allem reife Früchte wie Pfirsich und Ananas. Hinzu kommt ein angenehmer Kokos-Touch. Im Finish erinnert die Kombination fast an eine Pina Colada.

Fazit: Vorsicht: Ein ziemlich fieses Bier! Dem Braumeister Luis ist es gelungen, den Alkoholanteil von satten zehn Prozent so harmonisch in das Aromaspiel einzubinden, dass man ihn anfangs gar nicht richtig wahrnimmt. Für mich ist dieser Sud definitiv ein wunderbarer Genuss-Allrounder in diesem Winter.