Ratsherrn: Die Rache des Captain Ahab

Ratsherrn Ahabs RevengeFassgereifte Biere scheinen in diesem Jahr so beliebt zu sein, wie noch nie zuvor. Gerade erst stellte auch die Ratsherrn Brauerei aus Hamburg eine solche Spezialität in die Regale. Dabei geht es aber nicht um ein Imperial Stout, sondern um ein in Barrique-Gebinden spontanvergorenes „Sour Barrel Aged Belgian White Ale“. Das Hanseaten-Team ließ für diese Version ihr „Moby Wit“ fast drei Jahre in Madeira- und Bordeaux-Fässern schlummern.

Das Ergebnis heißt „Ahab’s Revenge“, besitzt 5,8 Prozent Alkohol und schwimmt in einem trüben Goldorange-Ton im Glas. In diese Nasen strömt ein frischer Duft von Joghurt und Vanille mit einem ergänzend hefigem, holzigem sowie fruchtigem Charakter. Auf der Zunge präsentiert sich das fassgereifte Bier cremig-weich mit einer moderaten Säure und einem weinigen Anklang. Dazu gesellen sich mostige Fruchtnoten, die an Birne erinnern, sowie Aromen von Joghurt und Vanille. Im Finish bleibt eine gewisse Würzigkeit noch lange am Gaumen zurück.

Fazit: Dieses Bier ist wirklich eine Verkostung wert. So eine fassgereifte Variation habe ich bisher selten im Glas gehabt und muss sagen: ich bin begeistert. Das Aromaspiel ist komplex, aber schön harmonisch und keinesfalls zu sauer. Bietet sich auch als schmackhafter und frischer Aperitif an.

Partnerprogramm: Riegele BierManufaktur stellt neues holzfassgereiftes Jahrgangsbier vor

Riegele_Magnus 18[Sponsored Post] Seit Jahren steht die Riegele BierManufaktur für ausgefallene Brauspezialitäten, Kreativität und Qualität. Auch 2018 haben sich die Brauer um Braumeister Frank Müller und Biersommelier-Weltmeister Sebastian Priller-Riegele einem Thema gewidmet, das in der Branche als Königsklasse gilt: der Holzfassreifung. Die vierte Kreation aus der Jahrgangsbier-Reihe „Magnus“ besticht – laut Herstellern – mit weinbrandinspirierten Sauernoten und Nuancen von Banane, Vanille, Honig und Eichenholz. „Fruchtig im Anklang, überraschend in der Säure und geheimnisvoll in der Erinnerung“ beschreibt Sebastian Priller-Riegele die Kreation Magnus 18 „Edition Brandy“. Wildhefen sorgen in Kombination mit zwei obergärigen Spezialhefen aus der Riegele-Hefesammlung für die säuerliche Komplexität dieses Jahrgangs. Die Lagerung auf Holz ist ursächlich für die weichen, sahnigen Vanillenuancen, die einen Gegenpol zu den weinbrandinspirierten Sauernoten bilden. Feine Aromen werden von einem vielschichtigen Körper getragen, der im zweiten Gärvorgang entsteht. Sie entfalten sich optimal bei einer Trinktemperatur von 16 Grad Celsius.

Tilmans Biere: Bayerisches Pils mit friesisch-tschechischer Raffinesse

20181112_163040Dass traditionelle Bierstile gerade unter Craft-Brauern eine Renaissance erleben, beobachte ich immer mehr. Vor allem setzen einige Kreativköpfe jetzt besonders gern auf neuinterpretierte Pilssorten. Gerade komme ich aus der Craft-Kneipe „Frisches Bier“ in München, wo Tilman Ludwig, Chef und Braumeister von Tilmans Biere seine neue, 4,7-prozentige Spezialität vorgestellt hat. Gebraut hat Tilman es in der Brauerei Gut Forsting im Landkreis Rosenheim mit ausschließlich hellem und karamellisiertem Malz aus regionalem Anbau. Der Hopfen stammt dagegen aus Übersee.

Und genau dieses fruchtige Aroma der Sorten Mosaic und Citra verwöhnen schon die Nase. Das Pils duftet nach Mango, Zitrus und reifem Pfirsich. Da sich dieser moderne Pils-Vertreter an die tschechische Braukultur anlehnt, paart sich zu den Fruchtnoten ein Anklang von Biskuit-Keksen. Auf der Zunge zeigt sich das untergärige Bier frisch und vollmundig mit einer zarten Säure. Auch im Geschmack präsentieren sich fruchtige Töne, das typisch tschechische Aroma, dass an Butterkekse erinnert und eine schlanke Malzigkeit. Im Nachhall scheint eine deutliche, aber keineswegs störende Bittere durch.

Fazit: Ein modernes, schlankes, aromatisches, angenehm herbes und harmonisches Pils, das genau die Beschreibung des Braumeisters vorlegt: „Dieses Bier verbindet tschechische Braukultur, friesisches Wetter und einen jungen Umgang mit Hopfen.“ Dass keine der Aromakomponenten dominierend heraussticht ist von Tilman Ludwig gewollt und daher in einer sehr guten Balance, absolut gelungen. So zeigt jede einzelne Zutat auf ihre Art und Weise, was sie kann. Das Ergebnis: ein sehr süffiges Bier, an dem man lange festhalten kann.

Tipp: Offizieller Release-Termin ist übrigens morgen ab 17 Uhr im „Frisches Bier“.

Hoppebräu: Dunkle Verführung mit kräftigen Sherry-Kick

20181108_184059Auch wenn sich dieser Spätherbst als der wohl wärmste seit der Wetteraufzeichnung präsentiert, beginnt jetzt wieder die Zeit der fassgereiften Spezialitäten. Markus Hoppe von Hoppebräu ist wohl einer der ersten deutschen Craft-Brauer, der diese Saison mit einem frischgebackenen Imperial Stout mit stolzen 11,6 Prozent Alkohol einleitet. Sein „Oloroso“ lag mehrere Monate in einem gleichnamigen Sherry-Fass aus dem andalusischen Jerez. Oloroso-Sherrys gelten als besonders komplex und schwer, sie bezaubern meist durch ein Bukett mit Aromen von Karamell, Vanille und Nuss. Ob davon auch was in dem Hoppe-Stout steckt?

Beim Einschenken zeigt sich das espressofarbene Bier mit cremigem Schaum in einer fast öligen Textur. Das Stout duftet – äußerst appetitanregend – röstig-malzig mit Schokoladen- und Kakaonoten. Erst auf der Zunge geht das Aromafeuerwerk so richtig hoch. Vollmundig und cremig fließt die dunkle Verführung über die Lippen, bis sich ein komplexes Geschmacksspiel von süß-sauren, holzigen und röstigen Anklängen mit Noten von Vanille, Zartbitterschokolade, Nuss und Rosinen absolut harmonisch vereint. Ein langes, kraftvolles  Finish bleibt mit sehr schönem, herbem Kakao-Touch zurück.

Fazit: Das nenne ich mal einen gelungenen Saison-Start. Das Imperial Stout von Markus ist wahrlich eine komplexe Geschmacksbombe, die sich aber nicht überladen zeigt, sondern super harmonisch und ausbalanciert einen Aromatanz auf der Zunge hinlegt. Großes Kompliment an Hoppebräu. Übrigens: Mit so einem Bier als Geschenk, kann man sicher auch unter dem Weihnachtsbaum glänzen.

 

Maisel & Friends und Schanzenbräu: Fränkische Beerenpower

Maisel und Schanzenbräu_roter BärEinen fränkischen Kollaborationssud wie „gestopfter Bär“ hat es so wohl noch nie gegeben. Maisel & Friends aus Bayreuth und Schanzenbräu aus Nürnberg schlossen sich zusammen, um einen hopfengestopften Bock zu entwerfen. In das 7,3-prozentige Bier packten die Frankenbrauer gleich vier Hopfensorten: Saphir, Topaz, Vic Secret und Ariana.

In einer Kupferfarbe leuchtet der untergärige Bock durch das Glas, eine feinporige, cremige Schaumkrone liegt oben auf. Die Nase wird verwöhnt von einem Duft nach Karamell, Honig, roten Früchten wie Walderdbeeren und Brombeeren sowie einem Hauch Zitrus. Das Bier fließt mit einer leichten Süße auf die Zunge. Dort präsentiert sich der Bock mit einem weichen Mundgefühl und kräftigen Aromen von roten Beeren, Karamell, Brotkruste, Nuss und einem Anklang von Nougat. Letztlich verabschiedet sich der Kraftprotz mit 50 Bittereinheiten, die angenehm den Gaumen schmeicheln.

Fazit: Eine wirklich spannende Komposition eines Bockbieres. Die Beerennoten harmonieren schön mit der karamelligen Malzsüße. Ungewöhnlich für einen Bock ist der kräftige IBU-Wert, der Hopfenliebhabern wie mir sehr zugute kommt. Tatsächlich könnte ich mir den bärigen Sud auch als besondere Zutat in einer Erdbeerbowle gut vorstellen.

Brasserie de la Senne: Ein echtes Pferd im Glas

20181105_155348Biere, die mit Brettanomyces-Hefe vergoren sind, polarisieren. Man kann sie lieben oder hassen. Ich kenne viele Malz- und Hopfensaftliebhaber, die es vor den animalischen Aromen graust. Ich mag das spezielle Aroma eigentlich ganz gern. Daher verkostete ich kürzlich das „Brett Pale Ale Bruxellensis Local“ von der belgischen Brasserie de la Senne aus Brüssel, das nach der Hauptgärung noch einer viermonatigen Flaschenreifung mit 100 Prozent Brettanomyces durchlaufen ist.

Beim Öffnen der Flasche merkt man, dass das Bier lebt. Langsam quillt der Schaum aus dem Flaschenhals. Schon beim Einschenken strömen dann typisch animalische Noten der Hefe in die Nase. Schnuppert man aber am Glas, während sich das 6,5-prozentige Pale Ale in einem gelborangen Ton präsentiert, so gesellen sich auch Mirabellen- und Aprikosen-Noten dazu. Auf der Zunge zeigt sich das Bier samtig-weich moussierend. Wieder dringen massive Aromen der Brettanomyces durch: etwas Leder und ein bisschen Pferdedecke machen sich breit. Begleitet werden die tierischen Noten von fruchtigen und sauren Tönen. Im Finish verabschiedet sich das Ale mit einer ordentlichen Herbe, die noch lange am Gaumen zurückbleibt.

Fazit: Ein ganz schönes Brett! Wie gesagt, die Aromen der Brettanomyces muss man mögen. Mir hat das Pale Ale mit den animalisch-fruchtigen Noten gut gefallen. Mehr als ein Glas davon wäre aber zu viel des Guten. Überrascht hat mich tatsächlich die kräftige Bittere. Kombinieren würde ich es zu einem starkwürzigen Käse.

Craft-Bier des Monats: „Death by Coconut” – Dessertbier vom Feinsten

20181031_101125Biergenuss ist immer situationsabhängig. Während ich im Sommer auf erfrischende, hopfige oder saure Sude setze, darf es jetzt im Spätherbst gern auch mal etwas Kräftiges und Dunkles sein. In meinem Bierkeller stolperte ich vor ein paar Tagen über das Irish Style Porter „Death by Coconut“ von der US-amerikanischen Oskar Blues Brewery aus Colorado, das mit Kokosnuss und Kakao gebraut ist. Es ist kalt draußen, also warum nicht.

  • Brauerei: Oskar Blues Brewery
  • Herkunft: USA
  • Bierstil: Irish Style Porter
  • Alkoholgehalt: 6,5 Prozent
  • Farbe: espressobraun
  • Schaum: feinporig, cremig, beigefarben
  • Sonstige Zutaten: Kokosnuss und Kakao
  • Bittereinheiten: 25 IBUS

Im Glas schwimmt das 6,5-prozentige Porter in einem Espressobraun mit einem cremigen, beigefarbenen Schaum. Das Bukett präsentiert eine wahre Kokos-Schokoladen-Bombe mit leicht süßlichem Touch. Mit einer zarten Karamellgeschmack fließt das Bier sanft über die Lippen, bis es sich in voller Pracht mit röstigen Noten und Aromen von Kakao, Zartbitterschokolade und Kokosflocken angenehm vollmundig auf der Zunge entfaltet. Auch im Nachgang bleibt ein harmonischer Geschmack noch lange zurück.

Fazit: Wow, das ist mal ein ganz anderes Irish Porter. Wer die Kombination von Kakao und Kokosnuss mag, der sollte dieses Bier unbedingt probieren. Die Aromen sind sehr präsent, aber keineswegs zu überladen. Genießen kann man dieses Bier ideal anstatt eines Desserts wie etwa Mousse au Chocolat oder als rassiger Begleiter zu einer Crème brûlée.

Pilgrim: Modernes Craft-Bier aus uralten Gemäuern

20181025_131101Erst langsam erkämpft sich die Schweiz einen Ruf als attraktive Kreativbier-Nation. Umso mehr erstaunt, dass sich eine alte Benediktiner-Abtei mit 900-jähriger Tradition nun mit einer Craft-Bier-Kollektion für Furore sorgt. Unter dem Markennamen Pilgrim hat sich Braumeister Martin Wartmann im Kloster Fischingen im Kanton Thurgau, im Nordwesten des Alpenstaates, an mehr als ein Dutzend handwerklicher Sude herangemacht, die sich teilweise fernab des deutschen Reinheitsgebotes bewegen. Ich hatte jetzt die Möglichkeit, gleich vier der Pilgrim-Biere aus der einzigen Klosterbrauerei der Schweiz zu probieren.

20181025_131203Mit seinem „Cherry Ale“ schuf Brauer Wartmann ein gelungenes Aperitif-Bier. Das belgisch Blond leuchtet in einem dunklen Rubinrot im Glas, bedeckt mit schneeweißer Krone. Der im Braukessel verarbeitete Kirschsaft macht sich in der Nase ebenso intensiv wie am Gaumen bemerkbar. Die Fruchtnoten paaren sich aber auch mit verschiedenen Gewürzen und einem malzigen Grundton aus Hafer, Gerste und Weizen, der dem Sud etwas an Frucht nimmt. Am Gaumen hinterlässt das 4,5-prozentige Bier einen frischen Geschmack. Insgesamt könnte das „Cherry Ale“ noch etwas spritziger sein.

20181025_134632Spannender ist das mit verschiedenen Kräutern angesetzte „Waldbier“ nach der Art belgischer Wit- und Gruutbiere. Dieser Pilgrim-Ableger ist mit Eisenkraut, Tannen- und Pinienzapfen gebraut und erzielt gute 5,9 Umdrehungen. Schon beim Öffnen der Flasche umschmeicheln die Kräuteraromen den Geruchsinn und erinnern den Genießer an einen Waldspaziergang. Mit dezenten 15 bis 20 IBU ist der Trunk auf eine leichte Bittere ausgelegt. Alles in allem ein ungewöhnlicher Sud, der an historische Rezepturen erinnert, als die Mönche noch allerlei Kräuter und Wurzeln in den Kessel gaben um die Rauschwirkung zu verstärken.

20181025_132552Etwas kräftiger ist das nach belgischen Rezepten ausgelegte Amber Ale mit 5,7 Prozent Alkoholgehalt. Das bernsteinfarbene Bier soll an historische Abteibiere erinnern, die sich einst Mönche und Pilger als gängige Tafelbiere gönnten. Das nach einem uralten Maischerezepte gebraute Amber duftet fein-würzig nach diversen Kräutern, bei denen vor allem Nelkenaromen herausragen. Am Gaumen dominiert eine feine Malznote mit Anklängen von Karamell und Steinfrüchten. Zarte 15 IBU sorgen auch bei diesem Ale für eine geringe Bittere und machen das Bier zu einem vielseitigen Essensbegleiter.

Schlank und rank wirkt das in New England Style gebraute IPA. Der mit US-Cascade und -Citra gehopfte Trunk erzielt 6,6 Prozent Alkoholgehalt und mit rund 50 IBU eine respektable Bittere. Aromen von Zitrusfrüchten und ein Hauch von Litschi geben dem Bier eine angenehme Drinkability. Im Finish erobern dezente Mango-Noten den Gaumen. Allerdings überlagert der malzbetonte Körper ein wenig den fruchtbetonten Hopfeneinsatz. Mit einem typischen NEIPA hat das Bier leider nicht besonders viel gemein.

Fazit: Die vier degustierten Alltagsbiere aus dem Kloster Fischingen sind ein gelungener Einstieg in die Pilgrim-Welt, die auch mit 10-prozentigen Triple Blanches, 15-prozentigen Imperial Stouts und 15-prozentigen Imperial Belgian Blonds aufwartet. Was Braumeister Wartmann hier bereits auf die Beine gestellt hat, lässt auf weitere Überraschungen hoffen.