Degustation in Nessi-Land

Raues Juli-Wetter im schottischen Nordwesten am mythischen „Loch Ness“. Um es vorweg zu nehmen, Nessi das Seemonster habe ich nicht gesehen. Aber immerhin mit meiner Schwester E am Ufer des Mythengewässers ein paar starke Biere ausprobiert – und auch dann ließ sich das Urzeitvieh nicht blicken.

Wir befinden uns an einem Ort, an dem seit mehr als tausend Jahren ein Mythos erzählt wird. Im 6. Jahrhundert wurde in Schottlands zweitgrößtem See von dem Mönch Adamnan zum ersten Mal ein Ungeheuer gesichtet. Einige Jahre später soll das Monster sogar drei Männer erschlagen haben. Alles Legenden, die wahrscheinlich auf den unbotmäßigen Whisky-Konsum der Schotten zurückzuführen sind.

Foto: Elena Hasenbeck
Foto: Elena Hasenbeck

Aber die grandiose Kulisse ist nicht nur gut für sagenumwobene Geschichten sondern auch für eine zünftige schottische Brotzeit mit Lachssemmel und einer feinen Bierdegustation. Auch wenn Loch Ness das Touristenziel Nummer Eins hier oben ist, so fanden wir tatsächlich noch eine einsame Stelle zum genießen von Natur und Natürlichen. Von der Straße aus mussten wir uns allerdings erst steil bergab durch Gestrüpp kämpfen. Belohnung: Ein Felsen am Ufer des Sees mit steifer Brise von Nordwest. Erster Schritt geschafft, zweiter Schritt: Bier kühlen.

Wir fingen mit dem Punk IPA an, da wir das bereits kennen. Lecker, so wie immer, auch aus der Flasche. Als nächstes kredenzten wir das Rok IPA gebraut von Traditional Scottish Ales mit vier Prozent Alkoholgehalt. Dezente fruchtige Aromen und eine schwache Bitterkeit versuchen sich in den Vordergrund zu drängen. Sonst gibt es über dieses Bier nicht viel zu erzählen. Wenig Alkohol, wenig Geschmack. War nicht gerade der Brüller. Eher etwas gegen den Durst.

Foto: Elena Hasenbeck
Foto: Elena Hasenbeck

Nachdem das Ungeheuer immer noch nicht auftauchte, öffnen wir das Black Isle Yellowhammer mit ebenso vier Prozent Alkohol. Das Bier duftet schon aus der Flasche nach Hopfen und Zitrusfrüchten. Ein fruchtiger Antrunk mit einem nicht sehr kräftigen Körper. Es schmeckt nach einer gesüßten Grapefruit, hat aber einen seltsamen Abgang. Leider kann ich den Nachhall nicht definieren. Vielleicht gewöhnt man sich daran oder es liegt an der Flasche, warum auch immer. Jedenfalls ist das Yellowhammer ein leckeres Bier für Zwischendurch, dass man mal probieren sollte.

Das Big Blonde rutschte mir leider aus der Hand, als ich es aus dem See holte und und auf einem Stein zerplatzte. Dazu also leider kein Kommentar.

An diesen Felsen im Loch Ness hätte noch länger verweilen können. Der Wind war zwar etwas kräftig und bei langen Haaren etwas nervig, aber bei so einem Ausblick: kein Problem! Nessi blieb in der Tiefe des Sees verborgen und wird es wohl auch die nächsten hundert Jahre bleiben, auch wenn jedes Jahr Millionen Touristen mit gezückten Kameras ängstlich über das Wasser starren.

Foto: privat
Foto: privat

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