„Edelbiere passen nicht zur Geiz-ist-geil-Mentalität“

Fünf Fragen an Harald Schieder: Harald Schieder ist einer der profiliertesten Bierexperten Deutschlands, Jurymitglied beim European-Beer-Stars-Award und Autor mehrerer Bierführer Nach seiner Meinung haben Edelbiere gute Chancen, sich künftig als Alternative zu Top-Weinen zu etablieren.

Harald Schieder
Foto: Harald Schieder

1. Der Bierkonsum geht seit Jahren deutlich zurück, nur die Edelbiere gewinnen momentan jedes Jahr dazu. Was macht sie besonders attraktiv?

Handwerkliche Arbeit, hochwertiger Rohstoffeinsatz, lange Haltbarkeit (ähnliche Reife wie bei guten Weinen ist überhaupt kein Problem), individuelle Hopfen- oder Hefesorten, beim Getreide eventuelle Einzellagen, um ähnlich wie beim Wein verschiedenartiges Terroir zu schmecken.

2. Die Edelbierszene in Amerika konzentriert sich meist auf kleine Craft-Breweries. In Deutschland beginnen schon bekannte Brauriesen sehr teure Edelbiere an den Mann zu bringen. Sind diese Biere ihren Preis wirklich wert?

Da kommt es natürlich auf die Rohstoffe an. Kleine Brauereien bemühen sich natürlich ausgefallene und gute Rohstoffe zu verwenden, das heißt aber noch lange nicht, dass dies nicht auch auf einer großen ‚industriellen‘ Anlage funktionieren kann. Größerer Absatz macht die Biere natürlich preislich erschwinglicher, was bei uns in Deutschland ja gerade auf dem Biertrinkermarkt immer ein sehr wichtiger Punkt ist. Wer mal abgesehen von bieraffinen Weintrinkern gibt schon 10 Euro und mehr für eine Flasche Bier aus, sei sie auch noch mit so guten Rohstoffen oder größeren Hopfenmengen hergestellt.

Wichtig hierbei ist eine transparente Kommunikation, was an den Bieren besser, also teurer ist. Parameter sind hierbei guter (Bio?) Hopfen, seltene Sorten und ein teilweise extrem höherer Einsatz des Hopfens. Dann solche Sachen wie Fasslagerung, besondere (evtl. heikle) Hefen (Ale, belgische, Champagner usw.), lange Lager- und Reifefähigkeit, die wiederum mit erhöhtem Alkoholgehalt einhergeht und somit auch wieder höheren Rohstoffeinsatz erfordert.

3. Wie wird sich der Markt der Edelbiere in den nächsten Jahren entwickeln?

Da bin ich mir nicht ganz sicher, denn Deutschland ist ein Biertrinkerland, das vor allem nach Preis und Menge kauft, also möglichst billig. Bier hat leider noch nicht den Ruf wie Wein, ein wertiges Getränk zu sein, das man auch aus Weingläsern trinken kann. Die Italiener sind da anders und bereit, auch für ein gutes Glas Bier ebenso viel auszugeben wie für ein gutes Glas Wein. Ebenso ist dies in USA, Belgien sowieso aber auch Dänemark und Holland.

Wenn sich die Edelbiere eher auf dem Markt der Weintrinker etablieren können, sehe ich da gute Chancen. Der deutsche Biertrinker muss bereit sein, Edelbiere bewusst zu trinken, eben nicht aus dem Maßkrug oder eisgekühlt aus der Flasche. Da kann man alles trinken.

4. Geben Sie den gerade neu entstehenden Craft-Breweries wirklich eine Chance?

Ja, wenn sie wirklich gut und transparent arbeiten und der deutsche Biertrinker  von der Geiz-ist-geil-Mentalität abrückt.

5. Was sind Ihre drei Favoriten der Edelbiere?

Schwierig, ich trinke und probiere am liebsten immer wieder was anderes aus.

was mir aber vom Stil in den letzten Jahren am besten gefallen hat:

1. Birrificio Doppio Malto – Bitterland

2. Rittmayer Oak Reserve Bourbon Barrel 

3. Brewdog Punk IPA

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