Ratsherrn & The Pier: Flüssiger Speck im Birnenmantel

img_20161203_133537So was habe ich noch nie genossen. „RauchBirne“ heißt der ungewöhnliche Sud der Hamburger Ratsherrn Brauerei, den die Macher zusammen mit „The Pier“ aus Berlin entwickelt haben. In den Sudkessel kam jede Menge Rauchmalz, um genauer zu sein, Buchenbrauchmalz, und beschwipste Williamsbirne. Mit 3,8 Prozent Alkohol ist das Bier zwar recht schlank, aber das Aroma hat es dafür echt in sich.

Rauchige Noten strömen schon beim Einschenken durch die Nase. Goldgelb strahlt die RauchBirne durch das Glas, getoppt von einem schneeweißen Schaum. Betörend ist auch der Duft von geräuchertem Schinken – und das in Verbindung mit einem Hauch fruchtiger Birnenaromen. Im Mund ist das Craft schön spritzig und erfrischend. Specknoten verbinden sich mit einer angenehmen Rauchigkeit, Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Limone und etwas Alkoholischem von der eingelegten Birne. Der Abgang ist äußerst spannend, weil sich auf einmal noch eine gewisse Süße mit den Aromen paart.

Fazit: Das ist mal ein ganz ungewöhnliches und hochinnovatives Bier. Leider war das nur eine limited Edition, aber wer Glück hat, findet es noch in ausgewählten Shops. Für mich ist das zwar kein Bier, das ich regelmäßig einschenken würde, aber diese Aromakombination ist wirklich einmalig und bestens für besondere Gäste geeignet. Kompliment an die Brauer für die Idee und die spannende Umsetzung.

Crew Republic: Handwerk aus „Hop Knox“

Eines der innovativsten deutschen Craft-Teams ist seit kurzem stolzer Besitzer einer eigenen Brauerei im Norden von München. Mit einem renommierten Investor und einem ehrgeizigen Konzept erleben die einstigen Kuckucksbrauer von Crew Republic derzeit ein Bilderbuchmärchen, wie es hierzulande nur die Craft-Bierbranche schreiben kann.  

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Welde & Jopen: Power aus dem Roggenfeld

img_20170211_100948_087Wahrscheinlich war ich eine der ersten Genießerinnen, die dieses Bier probieren durfte. Zumindest peilte ich auf der Braukunst Live in München zuerst den Welde-Stand an. Es war der erste Tag der Craft-Messe und für normale Gäste waren die Tore noch verschlossen. Aber bei Welde feierte der untergärige Kollaborationssud der Plankstädter Brauerei mit der niederländischen Bierschmiede Jopen aus Haarlem schon seine Premiere: „First tRye“ heißt das India Pale Lager mit 5,5 Prozent Alkohol.

Das Besondere daran: In diesem Bier zeigt sich die Lager-Expertise der Braumanufaktur Welde und die Erfahrung der Holländer mit Roggenmalz, das laut vieler Brauer nicht ganz einfach zu handhaben sei im Brauprozess. Satte 51 Prozent Roggen wurde für den Kollab verwendet. Schmeckt man! Das Korn bringt schöne würzige und kräftige Noten in das bernsteinfarbene Lagerbier. Dazu gesellen sich Aromen der eingesetzten Hopfensorten Chinook, Calypso, Mosaic und Pekko. Pekko ist übrigens ein neuer Zwerghopfen, benannt nach dem finnischen Gott des Feldes und der Fruchtbarkeit. Allein der Duft von „First tRye“ nach tropischen Früchten mit einem grasigen Anklang regt an, endlich zu probieren. Frisch und mit aromatischer Power breiten sich dann all die Aromen von Grapefruit, Limone und reifen Steinfrüchten auf der Zunge aus. Mit einer unaufdringlichen, zarten Bittere verabschiedet sich der Craftstoff.

Fazit: Mich fasziniert in diesem Bier der hohe Roggenanteil. Es ist wirklich spannend, welche Power und welche würzigen Aromen dieses Korn ins Lager bringt. Die Kombination mit den fruchtig-grasigen Noten der Hopfensorten ergibt für mich ein wahres Genussbier mit ganz individuellen Nuancen. Sollte man unbedingt mal probiert haben. Leider wird es hierzulande aber nicht in Flaschen verkauft, sondern nur an den Hähnen ausgewählter Craft-Bars ausgeschenkt.

 

Tölzer Mühlfeldbräu & Weyerbacher: Hammerbock aus bayerisch-amerikanischer Kollaboration

img_20170131_185335_529So ein Bier hat es hierzulande wohl noch nie gegeben. Der bayerische Tölzer Mühlfeldbräu aus Bad Tölz entwickelte gemeinsam mit der amerikanischen Weyerbacher Brewing Company aus Pennsylvania einen Vierfach-Weizenbock mit kräftigen 10,1 Prozent Alkohol. Sein Name: „BrauHeist“. Beide Bierschmieden brauten den Hammerbock in ihren eigenen Kesseln, aber selbstverständlich mit denselben Zutaten. Es gibt wohl nur einen minimalen Unterschied: Während die Bayern rund 500 Liter nach einem 24-stündigen Brautag erwirtschafteten, produzierten die Amerikaner gleich 96 Hektoliter.

Für beide Braustätten war dieses Projekt eine Premiere. Die Tölzer brauten zum ersten Mal mit einer Brauerei aus Übersee und das Weyerbacher-Team rührte angeblich erstmalig bewusst einen Sud nach deutschem Reinheitsgebot. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Kastanienbraun mit leichtem Rotschimmer steht der Bock im Glas, getoppt von einem feinporigen, fast cremigen Schaum. In die Nase strömt ein angenehmer Duft von Banane und Karamell, gepaart mit einem Anklang von roten Beeren und blumigen Noten des Hopfens. Auf der Zunge breitet sich ein wuchtiger Malzkörper aus. Das Mundgefühl ist so cremig, dass es schon fast an Likör erinnert. Der Geschmack ist absolut stimmig: Gebackene Honigbanane kombiniert sich mit fruchtigen Noten des Loral- und würzigen Aromen des Herkules-Hopfens. Im Finish lässt sich eine zarte Bittere wahrnehmen.

Fazit: Das ist mal ein Weizenbock! Trotz seiner zehn Prozent ist „BrauHeist“ fast schon süffig und daher auch echt gefährlich. Der Bock ist wirklich schön ausbalanciert und zum Glück im Geschmack – wie erst erwartet – kaum alkoholisch. Mal eine ganz andere Interpretation eines Weizenbocks. Ich hoffe, dass sich Bierfans noch auf weitere spannende Kollaborationen der beiden Brauereien freuen können.

 

Brauer-Portrait: Marcel Alberti von „Brewers Fantasy“ – Oma als Inspirationsquelle

15319157_1227142207328557_169717939609532842_nMarcel Alberti entwickelte ziemlich früh die Leidenschaft zum Bier. Mit 14 probierte der Halb-Ire schon heimlich Selbstgebrautes von seiner Oma in Dublin und lies sich von diesem Zaubertrank inspirieren. Wenige Jahre später trat er eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer an. In Fürth-Erlenbach im Odenwald erfüllte er sich 2015 den Traum einer eigenen Brauerei namens Brewers Fantasy. Marcel Albertis Fokus liegt auf irischen und englischen Bierstilen wie Porter, Stout oder India Pale Ale. Je nach Saison produziert das Fantasy-Team auch veredelte Sorten mit Champagnerhefe oder gar mit Fasslagerung.

 

  1. Marcel, was ist passiert, damit Du dich für den Brauer-Beruf entschieden hast?

Wegen meiner halb irischen Herkunft ist mir die Leidenschaft für Bier in die Wiege gelegt worden. Bereits mit 14 habe ich bei meiner Omi in Dublin heimlich ihr selbstgebrautes Stout probiert. In Irland ist es nämlich durchaus üblich, Bier selbst zu brauen. Das liegt an der hohen Alkoholsteuer. Mit 16 habe ich dann ein Praktikum in einer Brauerei absolviert. Von da war mir klar, dass ich eine Ausbildung als Brauer und Mälzer beginnen möchte.

 

  1. Wann hast Du Dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Mein erstes Bier war ein Ale, das ich mit einem Homebrew Kit gebraut habe. Da war ich 16 Jahre alt. Mein Onkel aus Dublin hat mir das Set zum Geburtstag geschenkt. Wir haben damit dann zusammen experimentiert. Das Bier war aufgrund der Zuckerzugabe für die Nachgärung recht stark und geschmacklich eher mittelmäßig.

 

  1. Welche anderen Brauer/Brauereien haben Dich am meisten inspiriert?

Inspiriert hat mich Alexander Himburg von Himburgs Braukunstkeller. Ich fand es sehr mutig von ihm, als erster Brauer im Odenwald den Versuch zu wagen, Craft-Bier auf den Markt zu bringen..

 

  1. Welches Bier (außer den eigenen) würdest Du Deinem besten Freund empfehlen?

Besonders empfehlenswert:

– „Amarsi“ und „Pale Ale“ von Himburgs Braukunstkeller

– “Marc`s Chocolate Bock” von Maisel & Friends

– „Rochefort 10“ von Brasserie de Rochefort

– „Kriek“ von Lindemanns

 

  1. Was sind Deine Kriterien für ein richtig gutes Craft-Bier?

Meine Kriterien für ein gutes Craft-Bier sind zu aller erst ein ausgewogener und runder Geschmack sowie eine schöne Farbe mit einer feinporigen Schaumkrone als Topping. Des Weiteren ist es wichtig, dass man die eigene Handschrift des Braumeisters erkennt. Außerdem sollte das Bier eine besondere Note haben.

 

  1. Was sind Deine Lieblings-Hopfensorten?

Ich experimentiere generell gern mit verschiedenen Hopfensorten. Zu meinen absoluten Favoriten aber zählen Apollo Chinook, Cascade, Amarillo und Saphir.

 

  1. Mit welcher berühmten Person würdest Du gern mal anstoßen und warum?

Ich würde gerne mit Ludwig Narziß anstoßen. Leider hatte ich im Gegensatz zu manchen Brauerkollegen nicht das Vergnügen, an einer Vorlesung von ihm teilnehmen zu können. Viele Leute erzählten mir, dass er eine ganz eigene und besondere Ansicht zum Thema Brauen hat. Das finde ich gut. Außerdem halte ich ihn für den besten Brautechnologen seiner Zeit.

 

Feiner Hopfen hat Grund zu feiern!

Liebe Beer Geeks,

feiner_hopfen_geburtstagheute ist für mich mal wieder ein ganz besonderer Tag: Feiner Hopfen feiert Geburtstag. Seit nun vier Jahren schon reise ich durch die Welt der Kreativbiere. In dieser Zeit besuchte ich spannende Brauer in ihren Brauereien rund um den Globus, probierte Biere mit ganz verrückten Zutaten und rühre mittlerweile sogar regelmäßig selbst in heimischen Kesseln. Ich habe viele tolle Leute kennen gelernt, mit denen ich nächtelang über Bier, dessen Herstellungsweise, die verwendeten Rohstoffe und deren Aromen philosophiert habe. Keinen dieser Tage möchte ich jemals missen.

Insgesamt hat sich in der Craft-Bierszene innerhalb von vier Jahren einiges getan. Anfangs gab es nur eine Handvoll mutiger Brauer, die um Aufmerksamkeit in der schwierigen deutschen Bier-Szene kämpften. Die interessantesten Sude kamen damals meist aus den USA, einige aus Schottland oder Skandinavien. Inzwischen vergrößert sich die hiesige Community stetig und der Begriff Craft-Bier geistert durch alle Medien. Immer mehr Restaurants oder Bars schreiben kreative Biere auf ihre Karten und in den Metropolen eröffnen im Monatsrythmus neue Tap Houses. Auch bei den Rohstoffen wandelt sich der Markt. Immer neue Aromahopfensorten werden angepflanzt und befeuern die Kreativbiere mit vielen spannenden Aromen. Experimentiert wird auch mit unbekannten Hefestämmen sowie ausgefallenen Malzkombinationen.

Heute ist ein perfekter Anlass, mal ein Toast aussprechen: DANKE an Euch – an meine vielen Leser – für das Interesse an Feiner Hopfen. Es ist ein Ansporn für mich, Euch auch weiterhin mit interessanten Degustationen, Interviews, Brauer-Portraits und Kommentaren zu begleiten, Euch zu informieren, zu inspirieren und zu unterhalten. Und ihr dürft gespannt sein, denn in diesem Jahr wird sich rund um feinerhopfen.com einiges tun. Das bleibt aber noch mein Geheimnis.

Und nun hebe ich mein Glas auf alle Craft-Devils und -Manufacturer, auf alle echten Hop-Guys und Malz-Girls und auf all die vielen Genießer und Genießerinnen im Lande, die nach langer Durststrecke jetzt wieder die wahren Biere entdeckt haben.