Corona-Krise: Wie geht es der Brauerei Flügge?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Joachim Amrhein von der Brauerei Flügge aus Frankfurt am Main.

Credit: Brauerei Flügge

Hallo Jo, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Vor ein paar Wochen wussten wir freitags nicht, was die Woche drauf passieren würde. Wir haben einen Not-Produktionsplan gemacht, damit wir für den Fall, dass das Leben wieder losgeht, schnell ein bis zwei Biere abfüllbereit haben. „Fränk“ und „Fil“ waren derzeit ohne Püree im Tank und wir hatten beschlossen, dass da auch erst mal keins reinkommt. Es wäre für uns schon schlimm genug, die „Weisse“ wegzukippen. In der ersten Woche des „Lockdown“ haben wir dann so langsam angefangen, unser Online-Geschäft zu stabilisieren. Aktuell dreht sich im Grunde alles um die Liquiditätsplanung. Ein „Tagesgeschäft“ im eigentlichen Sinn findet nicht statt.         

Welche Probleme entstehen durch die Schließung von Bars, Taprooms und Restaurants?

Durch den Lockdown sind etwa 80 Prozent unseres Umsatzes von heute auf morgen weggebrochen.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Das ist momentan schwer zu sagen. Da möchte ich momentan auch nicht wirklich gern eine Prognose abgeben.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Ich wünsche mir, dass die Leute endlich aufwachen und aufhören, ständig dem billigsten Schnäppchen hinterher zu rennen und sich mehr auf lokale Erzeuger konzentrieren – auch wenn die Produkte dort einen Euro mehr kosten.

Corona-Krise: Wie geht es der Kehrwieder Kreativbrauerei?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Julia Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg.

Oli und Julia Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei
Credit: Julia Schwendner

Hallo Julia, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Divers. Der Bereich Gastronomie ist zu einem Zeitpunkt weggebrochen, an dem die Produktion auf Hochtouren lief, um das Ostergeschäft zu versorgen. Wir konnten durch den Fokus auf unseren bereits bestehende Online-Shop zwar etwas kompensieren, jedoch ist die Arbeit dadurch viel kleinteiliger und aufwändiger geworden. Es ist halt ein Unterschied ob man Fassbier in die Gastronomie oder eine Palette an einen Großhändler liefert, als die gleiche Menge gemischt in Versandkartons packt. Das Schöne ist aber, dass wir dadurch eine engere Bindung zu unseren Endkunden aufbauen und sehr positives Feedback erhalten. Das motiviert uns gerade sehr.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Die Gastronomie ist neben den Veranstaltungen unser Sprachrohr zu den Konsumenten. Was jetzt fehlt ist die persönliche Ansprache und Empfehlung. Wir kompensieren das zurzeit durch verstärkte Online-Präsenz wie etwa mit virtuellen Brauereiführungen, Verkostungen oder der Jubiläumsfeier für unser „Prototyp“. Die war bereits beim Hamburger Event „Galopper des Jahres“ geplant. Wir haben kurzerhand von dort aus eine virtuelle Feier in die Wohnzimmer der Gäste gespielt. Die Einnahmen der Eintrittskarten, die wir hierfür verkauft haben, kommen dem Galopper zugute. Denn im Gegensatz zu unseren Gastropartner haben wir noch auf anderen Wegen Möglichkeiten Umsätze zu generieren.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Im Kleinen, dass man immer darauf vorbereitet sein sollte flexibel zu reagieren. Im Makroökonomischen, dass solche Situation nur gemeinschaftlich und solidarisch gemeistert werden können.

Welche Tipps könnt ihr Kollegen geben?

Jammern hilft nicht. Jede Krise hat auch ihre Chancen und wenn man die jetzt erkennt, können neue Ideen, im Idealfall auch dazu führen, dass man nach der überstandenen Krise weiterhin davon profitiert, beispielsweise wenn die eigene Online-Präsenz ausgebaut wurde.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Gute Frage. Ärmer an Vielfalt? Regionaler? Erste Kommentare von Kollegen in den sozialen Medien lassen befürchten, dass die Konzerne die krisengebeutelten Gastronomen nach überstandener Krise so mit Lieferverträgen zuschnüren, dass die kleinen und mittleren auf lange Sicht kein Bier mehr an den Hahn bekommen. Die Frage wird auch sein, ob und wie viele diese Zeit überstehen. Darüber hinaus wundert es uns, dass noch nicht die großen Übernahmen angefangen haben, denn es wird sicher viele kleine und mittlere Brauereien geben, die in der aktuellen Situation einer Übernahme eher zustimmen würden, als in einem wachsenden Markt. Nach überstandener Krise wird der Markt sicher deutlich regionaler sein. Viele Brauereien veranstalten gerade diverse Soli-Aktionen in ihrer Region, die die Bindung dort deutlich stärken werden. Gleichzeitig kaufen viele Verbraucher wieder bewusster ein und greifen verstärkt zu regionalen Produzenten.

Corona-Krise: Wie geht es ÜberQuell?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Axel Ohm von ÜberQuell aus Hamburg.

Axel Ohm von ÜberQuell

Hallo Axel, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus? 

Wie für alle Gastronomen und Brauereien mit Ausschank entfallen auch für uns die Umsätze im Restaurant, Brewpub, Biergarten und Veranstaltungsraum. Nur durch unser Pizza- und Bier To Go-Angebot konnten wir bisher etwa 20 Prozent der Gastroumsätze retten. Nach der ersten Corona-Verordnung haben wir mit digitalen Tastings und dazu passenden Bierboxen gestartet. Unser Restaurant wurde kurzfristig zu einer Packstraße umgebaut, so dass wir die täglichen Bestellungen abwickeln können. Der Online-Shop mit den „Spaß am Glas“ Web-TV-Sendungen hat einen weiteren Teil der Verluste kompensieren können.

Unsere Küchenteam hat zusammen mit anderen Hamburger Gastronomen „Kochen für Helden“ in Hamburg gestartet. Die wohltätige und von uns zu 100 Prozent finanzierte Aktion versorgt alle mit Mahlzeiten, die dafür sorgen, dass unser Leben unter den derzeitigen Umständen weiterlaufen kann. Aktuell haben wir eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext  (Status 23.04. bei 42.000 Euro) mit dem Ziel die Aktion mit Hilfe von anderen weiterlaufen zu lassen. Trotz Kurzarbeit haben wir zu tun und dabei noch das beste Teambuilding seit Gründung unserer Brauerei am Laufen.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Keine Perspektiven wie es wann weiter gehen wird. In der Kombination mit Kurzarbeit ist das für alle Mitarbeiter demotivierend und existenzbedrohend.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Miteinander ist immer besser als gegeneinander, weil in der Gemeinschaft neue Perspektiven entstehen können. Oder: jeder sollte einen Dagobert Duck in der Familie haben. 

Welche Tipps könnt ihr Kollegen geben?

Seine Stärken und Schwächen analysieren und sich die Frage stellen, ob Motivation, Talent und Finanzkraft auch noch in sechs Wochen vorhanden ist, um seine Gastronomie und Brauerei weiterführen zu können.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Die Herausforderungen für Craft-Brauer waren bereits vor der Corona-Krise deutlich spürbar und werden größer. Es wird in Zukunft weniger Gastronomien und Händler geben, die ein Craft-Biersortiment führen werden. Zusätzlich entfallen noch über Monate Craftbier- und Food-Festivals. Online-Shops und schnelle Lieferdienste werden immer wichtiger.

Corona-Krise: Wie geht es Amperbräu?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Matthias Bachhuber von Amperbräu aus Neuhimmelreich.

Das Amperbräu-Team

Hallo Matthias, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Wir spüren einen leichten Umsatzrückgang. Dieser hält sich aber zum Glück bislang noch in Grenzen, da wir sehr stark in den Vertrieb im Einzelhandel investiert haben. Drastischer macht sich die Krise bei den Veranstaltungen bemerkbar. Wir waren in den vergangenen Jahren von Frühling bis Herbst auf vielen Stadtfesten und Festivals vertreten. Durch die Absagen werden wir sehr wahrscheinlich auf einer großen Menge bereits abgefülltem Fassbier sitzen bleiben.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Davon sind wir glücklicherweise noch nicht so betroffen, da wir in der Gastronomie bislang nicht stark vertreten sind. Wir können die kritische Situation der Gastronomen aber durchaus nachvollziehen und versuchen sie soweit wie möglich zu unterstützen, indem wir ausgelieferte Ware zurücknehmen und in den Einzelhandel stecken.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Wirkliche Sieger wird es in dieser Branche aktuell wohl nicht geben, denn Bier ist schlichtweg ein soziales Getränk. Es gibt aber schon Tendenzen dahingehend, dass manche Brauereien etwas besser in dieser Krise bestehen. Fixkosten niedrig zu halten ist hier ein wichtiger Punkt. Wir haben beispielsweise schon länger überlegt in eine eigene Anlage zu investieren, sind aber letztlich doch bei dem Betriebsmodell einer Gypsy-Brauerei geblieben. Das hat sich in der heutigen Situation aufgrund der niedrigen Fixkosten als die richtige Entscheidung herausgestellt. Auch für die Lohnbrauerei ist das in der aktuellen Zeit ein Vorteil, da wir trotz der Krise für eine gewisse Auslastung der Anlagen sorgen. Außerdem hat sich unser Konzept bewährt, den regionalen Markt zu fördern.

Welche Tipps könnt ihr Kollegen geben?

Durchhalten und nicht die Flinte ins Korn werfen! Bier hat über die Jahrhunderte schon so einige Krisen überlebt.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Wir erwarten, dass der Craft-Biermarkt die Krise besser meistern wird als die meisten denken. Mehr Sorgen machen wir uns da über die vielen handwerklichen, mittelständischen Traditionsbrauereien. Diese leiden ganz besonders unter der geschlossenen Gastronomie und den abgesagten Volksfesten sowie ihren nicht ausgelasteten Anlagen und Mitarbeitern. Gerade diesen Kollegen drücken wir in diesen Tagen besonders die Daumen!

Corona-Krise: Wie geht es der Störtebeker Braumanufaktur?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Elisa Raus von der Störtebeker Braumanufaktur aus Stralsund.

Hallo Elisa, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Auch uns hat die Corona-Krise fest im Griff und schränkt uns in unserem Tagesgeschäft ein. Selbstverständlich haben wir die bereits sehr hohen hygienischen Anforderungen weiter verschärft. Wir sind froh, dass unsere Bemühungen dafür sorgen, dass wir unsere Produktion weiter am Laufen halten können. Die Kollegen im Sudhaus, in der Abfüllung und der Logistik arbeiten weiter wie gehabt, sodass wir hoffentlich in keinen Engpass geraten werden. Einschränkungen gibt es hingegen in anderen Bereichen wie der Gastronomie und dem Veranstaltungsbereich: Unser Braugasthaus hat seit Mitte März geschlossen. Es finden bis auf Weiteres keine Brauereiführungen, Verkostungen oder sonstigen Veranstaltungen statt. Auch unser Außendienst arbeitet anders. Statt Kundenbesuch vor Ort halten die Kollegen derzeit per Telefon Kontakt zu Handels- und Gastronomiekunden.

Doch nicht nur das Schließen unserer eigenen Gastronomie in Stralsund wirkt sich auf unseren Alltag aus. Mecklenburg-Vorpommern ist die Tourismusregion Deutschlands, die Insel Rügen und deren Umland zählt zu den beliebtesten Destinationen des Landes. Uns allen steht eine schwierige Saison bevor. Doch durch unsere gute deutschlandweite Positionierung als Spezialitätenbrauerei konnten wir in den letzten Jahren viele treue Fans im ganzen Land gewinnen, die jetzt bei ihrer Lieblingssorte bleiben und uns damit unterstützen. Die Absatzzahlen aus den letzten Wochen bestätigen das und geben uns Hoffnung.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Jedem einzelnen von uns fehlt es derzeit an Geselligkeit. Durch die Kontaktsperre und der Schließung von Gastronomien gibt es so gut wie keine Orte und Möglichkeiten, an denen man zusammenkommen kann. Uns selbst fehlen durch die Schließung unseres Braugasthauses in Stralsund sowie unserer Gastronomie in der Elbphilharmonie natürlich sehr wichtige Kundenkontaktpunkte, also Orte, an denen wir mit Bierliebhabern und Fans in die Welt der Störtebeker Brauspezialitäten eintauchen können. Dazu kommt der wirtschaftliche Verlust durch die Schließungen und die Absage jeglicher Veranstaltungen. Offen ist auch, wie viele Gastronomiekunden die Krise überstehen werden, da noch nicht in Sicht ist, wann diese wieder öffnen dürfen.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Wir (müssen) lernen, schnell und flexibel auf unerwartete Situationen zu reagieren. Es war spannend zu beobachten, wie schnell der erste Schockzustand bei einigen vorbei war und beispielsweise neue, kreative Formate wie Online-Tastings und virtuelle Stammtische entstanden sind. Das ist genau der richtige Ansatz und ein guter Indikator dafür, wer die Krise meistern wird.

Welche Tipps könnt ihr Kollegen geben?

Jeder Betroffene versucht natürlich, so gut wie möglich die Krise zu meistern und am Ende mit einem blauen Auge herauszukommen. Ob man wirklich sinnvolle Tipps geben kann ist fraglich, schließlich stecken wir noch mittendrin. Was uns aktuell hilft bzw. für erste positive Resonanzen sorgt, ist flexibel zu bleiben und neue Dinge auszuprobieren. Ein Beispiel ist unsere Online-Verkostung inklusive der Produkteinführung unseres neuen Mittsommer-Wit. Das Event hat unsere Erwartungen an Zuschauern und positivem Feedback mehr als übertroffen. Das Wichtigste wird generell sein, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Je länger der Schockzustand anhält, desto schlimmer sind die Auswirkungen.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Durch die Corona-Krise gerät der Craft-Biermarkt stärker unter Druck. Der Handel, aber auch die Konsumenten fokussieren sich auf die wesentlichen Dinge, es bleibt weniger Raum für kreative oder besondere Ideen. Craft-Biere zählen noch immer zu den eher langsam drehenden Produkten im Handel und stehen dadurch noch mehr auf der Abschussliste. Dazu kommt, dass der Hauptabsatz von Craft- oder Spezialitätenbrauereien oftmals in der Gastronomie bzw. auf Craft-Bierfestivals oder Messen gemacht wird, weniger im Lebensmitteleinzelhandel. Hier bricht eine Menge weg. Hier heißt es, Durchhaltevermögen wahren, um in den Köpfen der Verbraucher zu bleiben. Es wird eine Zeit nach Corona geben – darauf müssen wir uns alle konzentrieren und versuchen, so gut es geht mit neuen Ideen und positiven Signalen am Ball zu bleiben.

Corona-Krise: Wie geht es Giesinger Bräu?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Steffen Marx vom Giesinger Bräu in München.

Simon Rossmann und Steffen Marx vom Giesinger Bräu

Hallo Steffen, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Wir haben 40 Leute in Kurzarbeit. Die eigene Gastronomie mit über 1.000 Hektoliter ist platt. Rampenverkäufer, Staplerfahrer wurden schnell umgeschult zu Paketpackern und Auslieferern. Die Brauer und Brauerinnen sind fleißig, tapfer vor Ort und halten das Sudhaus warm. Und unser Shop läuft gut. Danke an das gesamte #teamgiesing.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Ja, die Situation ist schon blöd, wie bei allen anderen auch. Vor allem Biere, die schon bezahlt sind, gerade aber noch in den Kühlungen lagern und ablaufen werden. Deswegen: Liebe Bierverkäufer, wer Fassware von uns hat, kann diese natürlich noch zurückgeben. Meldet Euch bei mir, wenn ihr es noch nicht getan habt. Danke an alle Wirte und Wiederverkäufer.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Es ist schön, dass uns die loyale und engagierte Crowd, die Fans, die Genießer sowie alle diejenigen, die viel mehr Bier kaufen, als sie eigentlich trinken können, da sind, uns unterstützen und uns helfen. Das ist enorm wichtig. Danke an alle Fans, Investoren und Genießer vom Giesinger Bräu.

Welche Tipps könnt ihr den Kollegen geben?

Einfach weiter gutes Bier anbieten und keine Kompromisse eingehen. Qualität setzt sich durch. Unbedingt die Preise hochhalten, denn 16.99 Euro für eine Kiste ist zu wenig. Macht weiter, die Leute lieben und brauchen gutes Bier. Danke an alle Bierproduzenten da draußen!

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Na hoffentlich gesund!

Corona-Krise: Wie geht es der Bierbegeisterung?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Doro und Hans Wächtler von der „Bierbegeisterung“ aus Bamberg.

Hallo ihr beiden, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Da unsere Haupttätigkeit normalerweise die Entwicklung und Durchführung von Seminaren und Weiterbildungen im Bierbereich wie etwa der Bierbotschafter (IHK) und diverse Fortbildungsseminare im Rahmen des Institute of Masters of Beer sind, wirkt sich die heutige Lage auch deutlich auf unseren Arbeitsalltag aus. Wir können aktuell und bis auf weiteres keine Präsenz-Seminare anbieten. Unsere Kunden sind meist Biersommeliers, Brauereien, Gastronomie und Handel, die auch alle durch die Corona-Krise stark beeinflusst sind.

Aber den Kopf in den Sand stecken und rumjammern wollen wir nicht, sondern wir entwickeln neue Ideen und versuchen, wo es nur geht, die Branche zu unterstützen, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Wir haben uns, so wie viele unserer Kollegen auch, Gedanken gemacht, was wir in dieser Zeit Gutes für die Braubranche tun können und sind der Meinung: Gemeinsam überstehen wir das schon irgendwie. Deshalb haben wir uns bei der Initiative „Komm in die Hopfencrew!“ von BarthHaas® engagiert. Damit wollen wir noch mehr Leute darauf aufmerksam zu machen, dass die Hopfenbauern speziell von Ende April bis Ende Mai helfende Hände beim Hopfenausputzen brauchen.

Ein weiteres neues Projekt, das für uns Bamberger eine echte Herzensangelegenheit ist, ist der „Biershop Franken“, den wir gemeinsam mit Klaus Artmann (Inhaber des Biershop Bayerns und Biersommelier-Kollege) umgesetzt haben. Ziel ist es, die Brauereien in Franken zu unterstützen, die wie alle Brauereien mit den Gastronomie-Schließlungen und dem Wegfall der Feste zu kämpfen haben. Und natürlich denken wir dabei auch an alle Liebhaber der fränkischen Braukunst, die aufgrund von häuslicher Quarantäne nicht direkt zur Brauerei fahren können oder beim Getränkehändler ihres Vertrauens einkaufen können wie sonst.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Dadurch entsteht eine Vielzahl von Herausforderungen für alle Beteiligten. Zum einen sind das die wirtschaftlichen Probleme für Gastronomen und Angestellte. Zum anderen fällt durch die Schließungen auch für die Brauereien ein großer Absatzkanal weg. Nicht zu vergessen sind die Konsumenten, die es normalerweise gerne und oft in Anspruch nehmen, ein Bier mit Freunden und Kollegen nach Feierabend zu genießen. Das ist Lebensqualität, die uns da allen fehlt. Klar denken wir auch schon an die Zeit nach der Krise, denn es wird nicht auf Knopfdruck wieder wie vorher sein. Wir leben jetzt noch mehr als zuvor nach dem Motto: unterstützt die kleinen, regionalen Braugasthäuser, Restaurants, Bars etc. Jeder kann und muss seinen Teil dazu beitragen.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Wir sind der Meinung, dass neben dem großen wirtschaftlichen Schaden, den wir alle gerade erleben, der Fokus trotzdem noch auf dem Wesentlichen bleiben muss: Zusammenhalt in Familien, unter Freunden, in der Nachbarschaft und zu guter Letzt: Zusammenhalt in der Braubranche, denn nur gemeinsam sind wir stark!

Welche Tipps könnt ihr den Craft-Fans geben?

Kauft euer Obst und Gemüse auf dem Markt, kauft beim Bäcker und Metzger eures Vertrauens, besucht, sobald es wieder möglich ist, eure Lieblingsbrauereien und Lieblingsrestaurants und trinkt euer Lieblingsbier – und das alles regional!

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Das können wir leider nicht vorhersehen. Wir hoffen, dass nicht noch mehr Brauereien schließen müssen als es aktuell schon der Fall ist. Und wir freuen uns sehr auf das Wiedersehen mit all unseren Freunden aus der Braubranche und darauf, gemeinsam ein kühles Bier zu genießen – denn was gibt es Schöneres auf der Welt?

Corona-Krise: Wie geht es Tilmans Biere?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Tilman Ludwig von Tilmans Biere aus München.

Credit: Tilmans Biere

Hallo Tilman, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Da wir relativ wenige Kunden in der Gastronomie haben, sind die negativen Auswirkungen derzeit noch überschaubar. Dass wir unsere Kneipe „Frisches Bier“ schließen mussten, ist natürlich bitter, aber wir können das momentan noch ganz gut mit unserem Bier-Lieferservice auffangen.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Das ist schon ziemlich heftig und wir hoffen sehr, dass es alle über diese Zeit des Stillstands schaffen, ihre Läden zu halten. Neben den Betreibern trifft diese Situation aber vor allem die Angestellten, die teilweise ernsthafte Probleme bekommen ihre monatlichen Kosten zu stemmen. Keine Ahnung, ob es auch eine Soforthilfe für Privatleute gibt, falls Nein würde ich hiermit die Politiker und Politikerinnen bitten, den Leuten schnellstmöglich unter die Arme zu greifen.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Keine Ahnung, ob wir uns auf solche Situationen, die möglicherweise ähnlich sind, aber dann doch ganz anders ums Eck kommen, gut vorbereiten können. Allgemein würde ich aber sagen, dass es auf jeden Fall besser ist, Bier zu brauen, als Autos zu bauen.

Welche Tipps könnt ihr den Craft-Kollegen geben?

Also bei uns erweist sich grade eine gewisse Flexibilität als sehr hilfreich. Beispielsweise habe wir das Frische Bier kurzerhand in einen Lieferservice umgewandelt und unsere Veranstaltungen sind ins Internet umgezogen. Das wichtigste ist aber nicht den Kopf in den Sand zu stecken.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Ich bin mir sicher, dass die Leute auch nach Corona noch Lust auf leckere und vielfältige Biere haben. Corona ist krass, aber so krass nun auch wieder nicht!

Corona-Krise: Wie geht es Schanzenbräu?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Stefan Stretz von Schanzenbräu in Nürnberg.

Hallo Stefan, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Tagesgeschäft aus?

Unser Tagesgeschäft ist von Ungewissheit geprägt, wie das vieler anderer Kollegen auch. Wir sind zur Zeit viel am Telefon, sprechen mit Großhändlern und Getränkefachhändlern, mit den Banken, Unternehmensberatern, der Stadt Nürnberg, den Wirten, den Schaustellern und den Endkunden. Das hat zur Folge, dass wir uns mittlerweile weniger als Brauer, sondern vielmehr als Vollzeit-BWLer fühlen. Auf dem Tagesprogramm steht jetzt: Absatzzahlen vergleichen und bewerten, Liquiditätsberechnungen kalkulieren, Besprechungen und mit Zahlen jonglieren. Wir haben Notfall-Teams gebildet, die dann die Produktion weiterführen könnten, falls uns das Virus erwischen sollte. So lange noch alle gesund sind, befinden sich drei Leute rotierend zu Hause und im Betrieb. Derzeit wird weiter gebraut. Tanks und Lager sind voll, aber es bewegt sich wenig auf dem Hof. Dennoch bedienen wir die Großhändler, entsprechend ihrer Nachfrage, und liefern einige Kunden selbst an. Als Unternehmer stellt man sich täglich die Frage, wie es wohl weitergeht.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Durch Schließung der Gaststätten und Wegfall der Feste sowie Kirchweihen haben wir natürlich einen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Wir haben den Lagerverkauf der Brauerei komplett geschlossen und versuchen so unsere Produktion und die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Dadurch fehlt uns der Umgang mit dem Endkunden und unseren Wirten. Wir haben einen Gastronomie- bzw. Veranstaltungsanteil von etwa 25 Prozent. Natürlich hoffen wir, dass die Kunden unser Bier weiterhin zu Hause trinken. Manche Wirte verkaufen unser Bier als „take away“ zu ihren Gerichten. Jeder Euro zählt.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Liquidität ist alles, aber das war schon immer so und wird auch so bleiben. Kosten und exakte Planung im Blick haben gilt als oberste Priorität. Es müssen auch unangenehme Entscheidungen getroffen werden. Wir müssen zusehen, dass unser Bier weiterhin preisstabil im Markt bleibt. Rabatte sind keine sinnvolle Maßnahme, um im Rennen zu bleiben. Und: Neue Absatzmärkte müssen generiert werden, wie auch immer.

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Wenn nun die Handelsketten eine Kiste mit zwanzig 0,5-Flaschen für zehn Euro raushauen, dann wird es schon schwierig als kleiner und mittelständischer Brauer dagegen zu halten. Die Brauereien, die zu sehr spezialisiert sind, werden es schwer haben. Jetzt ist Kreativität angesagt, die sich durchsetzen wird. Aber ich denke, dass treue Kunden auch in der Krise zu ihrer Brauerei halten. Diejenigen, die trinkbare Craftbiere anbieten, werden es einfacher haben. Kreativbrauer werden weiterhin ihre Nische im Markt behalten.

Corona-Krise: Wie geht es dem Hopfenstopfer?

Covid-19 trifft auch die Craft-Bierbranche hart. Mit Kurzinterviews möchte ich die Community auf dem Laufenden halten, was bei Brauern, Biersommeliers, Händlern, Gastronomen und Bloggern derzeit passiert und wie all diese tollen Menschen mit dem Virus-Wahnsinn umgehen. Heute ging meine Mail an Thomas Wachno von Hopfenstopfer aus Bad Rappenau.

Hallo Thomas, wie wirkt sich die Corona-Krise auf Dein Tagesgeschäft aus?

Es ist ruhig, sehr ruhig, zu ruhig! Im Moment steht die Brauerei eigentlich still. Wir waren für die anstehende Saison schon gerüstet und haben angefangen, den Keller zu füllen. Das haben wir jetzt erst einmal gestoppt und fahren den Bestand runter soweit es geht. Im Moment kümmern wir uns um andere Dinge, die liegen geblieben sind, wie etwa den Festzeltgarnituren einen neuen Anstrich verpassen, Außenanlagen pflegen und unser Lager aussortieren. Auch die Bestellungen im Onlineshop haben die letzten zwei Wochen zugenommen, aber tagesfüllend sind die nicht.

Welche Probleme entstehen durch die Schließung der Bars, Taprooms und Restaurants?

Unsere Hopfenstopfer-Biere verkaufen wir zum Großteil über Händler als Flaschenbier. Hier lässt sich der Rückgang noch nicht beziffern, zumal wir im letzten Jahr eh schon einen Rückgang verbuchen mussten, weil wir uns weigerten das MHD zu verlängern, da das Bier dadurch „frischer“ wird. Somit ist noch kein wirklicher Vergleich da. Bei unseren Standardbieren haben wir zweidrittel Fassbieranteil und das tut im Moment richtig weh, denn der ist komplett auf null.

Jede Krise hat Sieger und Verlierer. Was lernen wir aus der jetzigen Situation?

Was passiert, wenn ein Flamingo das eine Bein auf dem er steht auch noch anhebt? Genau, er fällt um. Wir stehen Gott sei Dank auf mehreren Beinen im Sinne von Brauerei mit Hopfenstopfer und Häffner Bräu sowie dem Vertrieb von alkoholfreien Getränken mit Heimdienst und Gaststätte sowie Hotel. Somit können wir wenigstens noch ein wenig Umsatz generieren, wie lange aber so etwas auszuhalten ist, kann ich nicht sagen. Was ich für mich persönlich daraus gelernt habe, was wir aber auch schon immer praktizieren: Nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, das Risiko muss überschaubar bleiben und nicht jedes Geschäft ist ein gutes Geschäft. Und ich bin froh, dass wir den Gärkellerneubau, den wir schon lange geplant haben, noch nicht beauftragt haben. Insgesamt wird der Kuchen kleiner werden und um mehr vom Kuchen zu bekommen, heißt das Andere etwas abgeben müssen…

Welche Tipps kannst Du Kollegen geben?

Kommt immer auf die Umstände an. Grundsätzlich aber: durchhalten! Wenn Du allerdings merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steige ab!

Wie sieht der Craft-Biermarkt nach Covid-19 aus?

Das kommt ganz auf die allgemeine Wirtschaftslage an. Wenn unser Kundenkreis, also die Craft-Biertrinker, gut durch die Krise kommt, dann werden wir auch gut durchkommen, wenn auch nicht alle. Drücken wir mal die Daumen. Es ist schade um jede Brauerei, die verloren geht. Im Übrigen halte ich Brauereien für systemrelevant.