Top-Brauer: Enzo Frauenschuh – Der hippe Hopfen- und Hefe-Guru von „FrauGruber“

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Enzo Frauenschuhe und Matthias Gruber von „FrauGruber“

Bevor Enzo Frauenschuh als Braumeister bei der Braumanufaktur Riegele in Augsburg anheuerte erlernte er sein Handwerk bei den Profis in Weihenstephan. Inzwischen ist der 35-Jährige nicht nur Brauchef der neuen Camba Old Factory in Gundelfingen, sondern auch Gründer seiner eigenen Biermarke „FrauGruber“. Hinter diesem Label steht ein Zusammenspiel der beiden Nachnamen von Enzo Frauenschuh und seinem Mitstreiter Matthias Gruber. Die beiden Kumpels kennen sich seit ihrer Jugend und haben sich jetzt ihren Traum von eigenen Kreativbieren mit eigenem Signum verwirklicht. Das IPA musste ich gleich zum Craft-Bier des Monats küren. Weil auch die anderen Sorten echt super schmecken und Enzo mir zudem erzählte, was er gerade spannendes plant, gehört er eindeutig zu den Top-Brauern der Republik.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Mein erstes Bier? Ich glaube da war ich 13 oder 14 Jahre alt. Wir haben das bei einem Kumpel in der Küche gebraut. Das hat irgendwie total Spaß gemacht. Allerdings war das Resultat leider nicht wie erhofft. Es war ein klassisches Helles, das total mastig und süß geschmeckt hat.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „FrauGruber“ gekommen?

Um ehrlich zu sein haben Matthias und ich wirklich lange überlegt, ob wir unserem Label einen deutschen oder englischen Namen geben sollen. Eines Tages erzählten wir einem Kumpel was wir beide vorhaben und der meinte nur ganz trocken: „Ihr zwei, was soll denn da schon gescheites raus kommen aus Frauenschuh und Gruber – FrauGruber?“ Wir haben uns erst mal kaputtgelacht und ab dem Moment war klar, wir nennen es „FrauGruber“.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Ein außergewöhnlich gutes Bier ist für mich, wenn ich direkt beim ersten Schluck schon Lust auf den zweiten bekomme. Es darf gern komplex sein, muss aber eine geile Trinkbarkeit und ein geiles Mundgefühl mitbringen.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Ich trinke am liebsten schöne trockene Pilsner, Pale Ales, IPAs, Imperial IPAs und Sauerbier. Im Winter auch gerne mal Stout und Porter.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Opal, Hersbrucker, Mittelfrüher, Mandarina, Callista, Cascade, Columbus, Summit, Mosaic, Citra und auf jeden Fall Simcoe.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Allen voran steht Leidenschaft, Selbstkritik, Kontinuität und eine hohe Frustrationstoleranz. Ich denke es ist keine Kunst, einmal ein gutes Bier zu kreieren und zu brauen, sondern vielmehr dieses immer und immer wieder so gut zu hinzukriegen wie die Ursprungsversion – wenn nicht sogar noch besser. Selbstverständlich gehört genauso eine ordentliche Portion Kreativität dazu.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Bei „De Struisse“ in Belgien habe ich mal morgens um halb zehn einen Barley Wine mit 22 Prozent Alkohol probiert, der mehr als fünf Jahre in sechs verschiedenen Holzfässern gelagert wurde. Dass war ein echt schräges, aber auch sensationell gutes Bier!

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Gerne würde ich mal zusammen mit Matthias auf der Terrasse von „Hill Farmstead“ (Vermont, USA) sitzen und deren Biere probieren. Einfach mal schön durch das Sortiment trinken um zu schauen, ob die Biere wirklich so sensationell sind, wie so viele behaupten. Alternativ wäre der Lagerkeller von „Rodenbach“ noch einer meiner Top-Favoriten.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Wo soll ich da anfangen? Es sind wirklich unzählige Projekte. Im Moment mache ich mir Gedanken über die aktuellen Biere und was ich gerne verbessern würde. Ansonsten möchten wir 2017 eine „Experimental Serie“ rausbringen und uns unbedingt vermehrt um das Thema Hefe kümmern, die für uns enorm wichtig ist.

 

 

Mikes Wanderlust: Hopfenkraft aus Niederbayern

mikes-wanderlust-hasta-callistaMichael Sturm liebt nicht nur traditionelle Biere. Der Braumeister und Biersommelier des niederbayerischen Krieger Bräus in Landau an der Isar zaubert neben köstlichen Weißbieren, Dunklem und saisonalen Festbieren auch Craft-Bier aus dem Kessel. Seit wenigen Jahren braut er unter der Marke „Mikes Wanderlust“ ganz besondere Sude – darunter tiefschwarzes Stout, fruchtige Ales und Sorten, die er im Fass ausbaut. Dabei entfaltet sich der 34-Jährige total kreativ. Ich hatte kürzlich sein Single Hop Pale Ale namens „Hasta Callista“ im Glas.

Das fünfprozentige Bier leuchtet in einem goldenen Orangeton mit einem schönen, feinporigen Schaum im Glas. Schon beim Einschenken strömen fruchtige Aromen durch den Raum. Da komme ich mir fast vor, als stünde ich in einer Obstplantage. Ein Bukett von Birne, Grapefruit, Maracuja sowie Pfirsich und ein Anklang von süßen roten Beeren flutet die Nase. Hier merkt man schon im Geruch, dass der neue deutsche Callista Hopfen wirklich die Seele dieses Pale Ales darstellt. Das Mundgefühl ist frisch, ein bisschen prickelnd sogar. Auch über die Zunge schwimmt nun ein wahrer Fruchtcocktail. Noten von Birne und Maracuja, aber auch Stachelbeere und Sternfrucht schwirren die Kehle runter. Zarte 34 Bittereinheiten runden das Finish ab.

Fazit: „Hasta Callista“ ist ein Ale, das den Hopfen zum Star macht und zeigt, was die Sorte kann. Das mag ich. Dazu kommen Frische und eine wirklich hohe Trinkbarkeit. Eigentlich ein perfektes Sommerbier. Aber auch im Winter ein prima Feierabend-Drink und ein Begleiter zur leichten Küche.

Top-Brauer: Bernhard Hecht von „Hecht German Craft“ – Liaison mit Ella und Galaxy

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Bernhard und Florian von „Hecht German Craft“

Bernhard Hecht gilt mit seiner Kreativbrauerei namens „Hecht German Craft“ in Pappenheim in Mittelfranken in der Craft-Bierszene noch als wahrer Geheimtipp. Kein Wunder, bisher setze der 49-Jährige mit seinem Sohn Florian auf regionalen Verkauf. Das soll sich jetzt allerdings ändern. Im Portfolio führen die beiden ein Red Lager, ein Amber Lager sowie ein Strong Dark Lager – alle bedingungslos hopfenbetont. Auf der BrauBeviale im vergangen November konnte ich alle drei Sorten probieren. Demnächst erweitern die Franken ihr Portfolio um ein „Callista Wheat“, auf das ich mich schon sehr freue. Bei mehr als 25 Jahren Brauerfahrung, schmeckt man Wissen und Können von Bernhard aus jedem Tropfen seiner Kreativdrinks heraus. Deswegen zählt er für mich zu den deutschen Top-Brauern.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Das war 1989, zusammen mit drei Freunden (einer davon war zufällig gelernter Brauer) im Gartenhäuschen in einem alten Wurstkessel. Es wurde ein Dunkles mit 13,9 % Stammwürze, das ich von der Brauereiberatung Speckner in Augsburg analysieren lies und mit dem ich nach Bewertung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft erstaunliche 5,0 Punkte erhalten habe.

 

Warum hast Du Dich für den Namen „Hechtbräu“ entschieden?

Das war eigentlich gar nicht so schwer. Mein Name ist ja irgendwie ziemlich speziell und selten. „Hechtbräu“ hat sich einfach gut angehört. Für meine Craft-Biere musste dann noch ein eigener Name bzw. Label gefunden werden, der ab Mitte 2015 wiederum mit „HECHT German Craft – made in Pappenheim“ auch sehr schnell feststand.

 

Was macht für dich ein außergewöhnliches Bier aus?

Bier muss mich neugierig machen. Wenn sich die Erwartung dann erfüllt oder sogar übertroffen wird und ich am liebsten sofort loslaufen möchte, um mir davon einen kleinen Vorrat anzulegen, dann ist es für mich ein außergewöhnliches Bier. Das ist dann auch absolut unabhängig ob „Craft“ oder „Klassisch“, denn auch für traditionelle Helle, Dunkles oder Weizen kann das zutreffend sein.

 

Welchen Biertyp trinkst du am liebsten und warum?

Da bin ich zum Glück für alles offen. Ich habe nur meine Probleme mit ganz extremen Rauchbieren. Prinzipiell kommt es aber auch eindeutig auf die Situation und die Stimmung an. Alles in allem bin ich aber doch ein absoluter Fan von untergärigen Lagerbieren in jeglichem Stil, egal ob hell, dunkel, hopfengestopft oder auch mal „vogelwild“.

 

Was sind deine Lieblingshopfensorten?

Meine zwei „Australier“ Ella und Galaxy. Die sind einfach einzigartig. Und der „Klassiker“ Amarillo mit seiner schönen Note von Bitterorange.

 

Welche Eigenschaften zeichnen deiner Meinung einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Zuallererst natürlich Kreativität und Leidenschaft. Dazu die ständige Neugier und Offenheit für das Produkt Bier. Der Brauer muss absolut hinter seinem Bier und seinem Stil stehen, seine Idee und Inspiration dazu darstellen können und nichts machen, nur weil es andere auch machen.

Außerdem sollte er immer das Bestreben haben, sich nicht auf „seinen Lorbeeren“ auszuruhen, das heißt, kritikfähig zu sein und stets versuchen noch besser zu werden und sich weiter zu entwickeln. Und: immer gelassen bleiben und sich darüber im Klaren zu sein, einen der schönsten Berufe der Welt zu haben.

 

Was war das schrägste Bier das du jemals getrunken hast?

Hier fallen mir spontan zwei Biere ein: „Vroni’s Blueberry Stout“ von David Hertl, das geschmacklich schon interessant war, aber im Glas aussah wie die abgezogene Haut von Paulchen Panther. Und von Freigeist Bierkultur die „Atlantis Gose“ mit eingebrauten Austern, die stark nach „saurem Salzhering“ geschmeckt hat.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Bis jetzt bin ich einfach nicht dazu gekommen, aber es  war schon immer mein absoluter Wunsch: Eine „Kneip(p)tour“ quer durch Irland.

 

Und was hast du als nächstes vor?

Der größte Fokus im Jahr 2017 steht auf „Hecht German Craft“. Mit meinem Sohn Florian (24), der derzeit seine Ausbildung zum Brauer macht, ist es unsere Priorität, die Marke aus ihrem regionalem „Dornröschenschlaf“ zu erwecken, deutschlandweit bekannter zu machen, um somit dem Namensteil „German“ gerecht zu werden. Für mich ist jetzt schon das persönliches Highlight die Präsentation auf der Braukunst Live in München, die mir Frank Böer durch das „Braukunst Lab“ ermöglicht.

Biertechnisch möchte ich, meinem Credo zufolge, die drei bestehenden Sorten „Amberella“, „Cascarillo“ und „Pappenheimer German Ale“ noch weiter perfektionieren. Außerdem wollen wir neue Ideen mittels eines „Collabrews “ umzusetzen, da ja bekanntlich im „sturen“ Bayern gewisse Hindernisse hinsichtlich alternativer Zutaten bestehen.

Top-Brauerin: Ulrike Genz von Schneeeule – Reanimation der Berliner Weiße

schneeeule-2Ulrike Genz will Berlin ein kulturelles Gut zurückgeben. Die Braumeisterin verschwor sich der Berliner Weiße. Schließlich gab es einst 200 Brauereien in der Stadt, die nur diesen Stil brauten. Jetzt kennen die meisten Leute den Begriff nur in Kombination mit pappsüßen Sirups. Anfang 2016  gründete Ulrike im Stadtteil Wedding ihre eigene Brauerei namens „Schneeeule“ um die historische Berliner Weiße wiederzubeleben und diese Form von Sauerbier wieder trinkbar zu machen. Vier Sorten führt die Berlinerin inzwischen im Sortiment, darunter auch eine mit Jasmin und eine mit Holunderblüten aromatisiert. Allein schon für ihren Mut und ihren Ehrgeiz verdient sie es, zu den deutschen Top-Brauern zu gehören.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Ich hatte schon mehrere Jahre Brauwesen studiert, aber um mein eigenes Bier zu brauen, war ich durch die benötigten Geräte und Voraussetzungen ziemlich eingeschüchtert. Es kam mir wahnwitzig teuer und aufwändig vor, den Sauerstoffeintrag zu vermeiden, das Bier zu filtrieren und zu kühlen. Meine ersten schüchternen Brauversuche startete ich dann vor rund 9 Jahren mit Malzextrakt. Es war ein IPA und schmeckte fürchterlich. Nachdem ich das erste Mal im Museum Veßra in Thüringen historisch mit Holzbottichen gebraut hatte, fielen jegliche Bedenken gegenüber den komplizierten Vorgaben der Industrie.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen „Schneeeule“ gekommen?

Das war zufällig. Ähnlich wie bei einem Kunstwerk, das erst intuitiv entsteht. Erst mal fand ich die drei E markant. Die Erklärung wurde erst später klar: Die Schneeeule, ein schützenswerter, majestätischer Vogel mit großen, weißen Schwingen – so wie der Schaum der Berliner Weiße mit gelben Augen. In der Altmark gibt es den Spruch: Wat diin iin siin Uhl (Eule) is diin andern siin Nachtigall. Was so viel heißt: was der eine nicht mag, schätzt der andere. Berliner Weiße ist eben auch Geschmackssache, der eine ist total begeistert, der andere hält es für schlecht gewordenes Bier.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Außergewöhnlich ist immer eine Frage von Ausgewogenheit. Nur bitter, nur sauer, nur brettig, nur malzig ist zu wenig und nicht lecker. Wenn man es schafft, ein Bier auf eine besondere Weise zu betonen ohne die Ausgewogenheit zu verlieren, dann ist das ein außergewöhnliches Bier.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Berliner Weiße natürlich. Hätte es eine annehmbare Weiße gegeben, hätte ich nicht angefangen welche zu brauen. Aber eigentlich trinke ich fast jeden Typ gern. Außer Pils, das finde ich meistens nicht so lecker, zu trocken, zu bitter – einfach nicht mein Stil.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Soraci Ace, Cristal, Hallertauer Blanc…da gibt es bestimmt noch so einige, die ich noch nicht kenne. Da Berliner Weiße eher unterhopft ist, ist das auch keine große Frage für mich.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Sauberkeit. Aber zuerst stellt sich doch die Frage: Was ist eigentlich ein Craft-Brauer? Kann man craft eigentlich mit „handwerklich“ übersetzen? Wo  fängt Handwerk an und wo hört sie auf? Ist es Handwerk, wenn man anderen sein Rezept gibt und dann nur noch das fertige Bier vermarktet? Eine kontroverse Diskussion. Klar es geht um „andere“ Biere. Und definitiv nicht darum, möglichst viele Sachen dem Bier zuzufügen. Es muss am Ende trinkbar sein.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Über schlechte Biere rede ich lieber nicht. Aber beispielsweise das Porter und das Gruit-Beer von Popes Yard waren interessant. Das Kamille Bier von Heidenpeters fand ich auch ziemlich schräg.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Im Liegestuhl am Tegler See, die Sonne geht unter und ich bin mit der Brauerei fertig und zufrieden.

Oder auf einem Open Air Konzert von meinen Lieblingsbands Earthship, Gorguts, Future of the left, Käptn Peng, Dyse, Don Vito, Obelyskkh….

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Brauen, brauen und das nächste Jahr überstehen. Die Brauerei soweit ausbauen, dass ich damit selbst zufrieden bin – wenn es sowas überhaupt gibt.

 

 

Frau Gruber: Augsburger Tropenfeuer

16143706_964627783670478_5694807800653143155_oDer Name dürfte viele Craft-Fans etwas irritieren: Das wohl neueste Bierlabel auf dem deutschen Markt heißt „Frau Gruber“. Hinter diesem Label steht ein Zusammenspiel der beiden Nachnamen von Enzo Frauenschuh und Matthias Gruber aus Augsburg. Die beiden Kumpels kennen sich seit ihrer Jugend und haben sich jetzt ihren Traum von eigenen Kreativbieren mit eigenem Signum verwirklicht. Am Mittwoch war ich in der Fugger-Stadt im „Drunken Monkey“ bei der Preview ihrer ersten fünf Biere. Darunter ein postmodernes Kellerbier, ein kreatives Helles, einen bayerisches Pale Ale und ein pechschwarzes Stout. Zuerst habe ich, was auch sonst, das IPA der beiden Bayern probiert. „Yeast is King“ traf so exakt meinen Geschmack, dass ich es sofort zum Craft-Bier des Monats küre. Die anderen Sorten sind aber auch nicht zu unterschätzen. Vor allem das Pale Ale ist eines der besten, das ich bisher getrunken habe (unbedingt mal probieren!!!).

Der Kick an dem Augsburger IPA sind nicht nur die verwendeten Aromahopfensorten Mosaic, Simcoe und Summit, sondern auch zwei spezielle Hefen. Enzo, der Brauer im Team, verriet mir, dass er eine australische und eine Pacific Ale Hefe verwendet, die eine längere Gärzeit haben und dadurch noch mehr fruchtige Aromen verbreiten. Schmeckt man!

  •    Brauerei: Frau Gruber (gebraut wird in Gundelfingen bei der Camba Bavaria)
  •    Bierstil: India Pale Ale
  •    Alkoholgehalt: 6,3 Prozent
  •    Farbe: bernstein
  •    Schaum: feinporig, cremig
  •    Hopfen: Mittelfrüh (Grundhopfung), Mosaic, Summit und Simcoe

 

Schon das Zischgeräusch und das Klacken beim Öffnen der Dose macht Lust den Inhalt zu probieren. Aus purer Gewohnheit habe ich es dann aber ins Glas geschenkt, obwohl Enzo und Matthias dringend empfehlen es direkt aus der Büchse zu genießen. Aus dem Glas lasen sich meiner Meinung nach die Aromen besser erschnuppern. Bernsteinfarben strahlt das IPA aus dem Glas, eine feinporige, fast cremige Krone komplementiert die Optik. Ich halte die Nase ins Trinkgefäß, schließe meine Augen und sehe einen prallgefüllten Korb voller Südfrüchte vor mir. Ein verwobenes Bukett aus Maracuja, Mango, Papaya und Litschi stimmt mich schon mal glücklich. Am Gaumen geht das exotische Spiel weiter. Volle Maracuja- und Litschi-Aromen tummeln sich auf der Zunge. Dazu gesellen sich noch Nuancen von süßer Blutorange und ein wenig Grapefruit. Im Finish bleibt das Fruchttheater mit einer dezenten Bittere noch länger zurück.

Fazit: Wow, wow, wow! „Yeast ist King“ ist wirklich ein cooles Bier. Überzeugt haben mich die fantastischen Hopfenaromen. Ein Tick mehr Kohlensäure würde dem Gesamtbild vielleicht nicht schaden, um es noch ein wenig erfrischender zu gestalten. Die geringe Spritzigkeit ist allerdings von „Frau Gruber“ gewollt. Hop-Heads könnten ein wenig die typische IPA-Bittere vermissen. Aber: geile Drinkability. Und das war auch so gewollt. Enzo erzählte auch schon, dass er richtig Lust hat zu experimentieren. Wir können uns wohl auf noch einige Kreationen der beiden Augsburger Hopfenzauberer freuen.

 

Braukunst Live 2017: „So international, innovativ und interessant war es bisher noch nie“

In wenigen Wochen (10. – 12. Februar) öffnet sich endlich das große Eisentor des Münchner MVG Museums zur Braukunst Live. Feiner Hopfen sprach vorab mit dem Veranstalter Frank Böer über Rekordzahlen, massive Konkurrenz und die neuen Attraktionen. „Braukunst Live 2017: „So international, innovativ und interessant war es bisher noch nie““ weiterlesen

Deutsche Top-Brauer: Braukollektiv Freiburg – internationales Stehvermögen

Braukollektiv Freiburg
Credit: Ralf Strittmatter

Vier Brauer aus drei Kontinenten vereinen in ihrem Braukollektiv in Freiburg ihr Wissen, ihr Können und die Leidenschaft zum Bier. Aus dieser Kombo entstehen grandiose Sude, bei denen an keinem Rohstoff gespart wurde. Jedes Bier war für mich bisher ein tolles Erlebnis mit einer wahren Harmonie, die den Gaumen streichelt.

 

Die Fragen haben alle vier Hopfenkünstler aus dem Braukollektiv (Gil, James, Chris und Börn) beantwortet:

Wann habt ihr euer erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Gil: Mein persönlicher erster Sud war 2007 – ein Altbier, das allerdings ein ziemlich leckeres Brown Ale geworden ist.  Unser erstes gemeinsames Baby war jedoch 2014 das „Black Sheep IPA“, das jetzt „Dolly IPA“ heißt. Das brauen wir immer noch regelmäßig. Damals war es allerdings nur mit einem Drittel der heutigen Hopfenmenge gestopft und auch mit wesentlich mehr Restextrakt. Für die meisten Freiburger Gaumen ein guter Einstieg. Wir dosieren sie langsam hoch.

James: Den genauen Zeitpunkt weiß ich nicht mehr, aber es dürfte etwa neun Jahre her sein. Es war schrecklich, aber ich habe es trotzdem getrunken.

Chris: 24.8.2004: ein Amber Ale, das tatsächlich geschmeckt hat. Wir hatten nicht genügend leere Flaschen um das Bier abzufüllen und mussten daher die Nachbarn holen, um mit deren Hilfe noch schnell eine Kiste ‚leer‘ zu machen.

Börn: Ich glaube vor sechs Jahren. Das Bier war echt lecker, obwohl ich damals der Meinung war, dass 28 Grad genau die richtige Temperatur für die Gärung sind. Das Bier hatte interessante Fruchtaromen…

 

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen „Braukollektiv“ gekommen?

Chris: Namensfindung ist total schwierig. Wir hatten viele schräge Ideen noch vor der Firmengründung, aber irgendwie ist Braukollektiv einfach und bleibt gut im Kopf. Wir sind ein Kollektiv aus Brauern. Basta.

James: Die Entscheidung kam von den anderen, noch bevor ich dazu gestoßen bin. Der Name passt aber, weil wir eine Gruppe Brauer aus verschiedenen Gegenden sind.

Gil: Wir werden auch manchmal gefragt, ob wir ein „richtiges” Kollektiv sind. So mit Konsensprinzip etc. – und das ist tatsächlich so bei uns. Meistens jedenfalls.

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Was macht für Euch ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Börn: Das Bier sollte eine lange Geschmacksreise bieten: Vom ersten Schnüffeln bis fünf Minuten nach dem ersten Schluck, dabei soll es auch ausgewogen und ohne Fehlgeschmäcker sein.

James: Es muss eine hohe Trinkbarkeit haben, ohne dabei langweilig zu sein. Wenn ich den letzten Schluck genommen habe und ein wenig Enttäuschung eintritt, dass es schon leer ist, dann habe ich ein außergewöhnliches Bier im Glas gehabt.

Chris: Da stimme ich James zu!

Gil: Wow. Stimmt. Mensch, du bist ja ein richtiger Poet, James.

 

Welchen Biertyp trinkt ihr am liebsten und warum?

Chris: Ich liebe vor allem starkgehopfte Biere.

James: Ich will mich nicht festlegen. Ich mag es malzbasiert, frisch, hopfig, manchmal gereift, aber auch sauer.

Gil: Sauer oder hopfig ist meistens eine gute Wahl. Kommt aber immer auf die Gelegenheit drauf an.

Börn: IPA … davon habe ich zwei ganz besonders leckere immer im Keller.

 

Was sind Eure Lieblingshopfensorten?

Börn: Chinook, Simcoe, Perle, Hersbrucker

Gil: Das ändert sich ständig. Allzeit-Favoriten wären Simcoe, Mosaic, Columbus – je nach Einsatz. Pekko bzw. ADHA 871 ist spannend. Mit dem spiele ich gerade herum.

James: Ich bin fasziniert von den neuen Aromavarianten wie Azacca, El Dorado, Idaho 7 und Callista.  Zu meinen Lieblingssorten gehören aber auch Amarillo, Mosaic, Citra und Cascade.

Chris: Als Australier stehe ich total auf die Kiwi-Sorten wie Nelson Sauvin – ich weiß, es ist fast unmöglich ihn zu bekommen – und Motueka.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Börn: Eigensinn, Neugier, Offenheit, Stehvermögen

James: Den Wunsch zu experimentieren und den Eifer, zu lernen, was das Bier zu sagen hat. Bier ist das wichtigste, danach kommt alles andere.

Chris: Ich stimme James zu. Man soll sich erst um Geschmack und Qualität bemühen – später kann man sich Gedanken über den Preis der Zutaten machen.

Gil: Auf jeden Fall Kreativität.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

James: Kürzlich trank ich eine Dose Budweiser. Das war schon schlecht genug, aber jemand hatte die Dose als Aschenbecher benutzt. Ich habe es trotzdem getrunken.

Gil: Meine eigenen Erfahrungen sind nicht wirklich ausgefallen, außer vielleicht ein paar Homebrews mit Mädesüß oder Damiana sowie anderen Pflanzen. Diese ganzen Vaginal- oder Barthefe-Dinger, von denen man immer mal wieder hört, hab ich nie probiert.

Börn: Ein wirklich schräges Bier war bisher nicht dabei. Chris hat mal ein Bier mit Hühnchen gebraut. Das ist schräg.

Chris: Oh ja, ich habe wirklich mal ein Bier namens „Cock Ale” mit gebratenem Hühnchen gebraut.

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

James: Ganz einfach: in einer dunklen, rauchfreien Craft-Bierbar mit Juke-Box in der Ecke und einer endlosen Vielfalt an Weltklasse-Bieren, die in den richtigen Gläsern und der richtigen Temperatur serviert werden.

Chris: Eigentlich kann man doch überall gut Bier trinken…

Börn: Auf einem Berggipfel der bayerischen Alpen nach einer ausgiebigen Bergwanderung.

Gil: Oben auf‘m Hangar. Mit lauem Sommerwind um die Nase und Bass in den Ohren.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

James: Wenn ich das wüsste…

Chris: Die Leidenschaft großartige Biere zu brauen weiter zu treiben.

Börn: Ein Bier trinken.

Gil: Warte, ich komm‘ mit.