To Øl: IPA-Zwitter mit spezieller Finesse

Hybride aus zwei Bierstilen scheinen im Trend zu liegen. Ein Vertreter dieser Art ist das „Sur Centennial“ von den Gypsy-Brauern To Øl. Die Dänen vereinen hier ein Single Hop India Pale Ale mit einem Sauerbier. Also ein „Sour Mashed IPA“ gestopft mit der amerikanischen Sorte Centennial – gern auch bezeichnet als „Super-Cascade“.

Die schicke Dose macht schon Lust das Bier zu probieren. Nach dem zischenden Öffnungsakt strömen fruchtige Aromen aus dem Alu-Behälter. Im Glas steht das 5-prozentige IPA in einem strahlenden Gold mit schneeweißer Schaumkrone. Die Nase wird verwöhnt mit der vollen Kraft des Centennials: blumige Noten und überwiegend Zitrusfrüchte wie Limone. Auf der Zunge überrascht ein durchaus rundes Aromaprofil von süßlicher Südfrüchten in Kombination mit feiner Säure. Im Finish zeigt sich eine dezente Herbe von der Hopfenbittere.

Fazit: Erfrischend, fruchtig, leicht: Der saure IPA-Zwitter ist den Dänen auf jeden Fall gelungen. Passt perfekt als Appetitanreger, aber auch zu nicht allzu deftigen Grillgerichten und – wegen den eher schlanken fünf Prozent – auch für zwischendurch.

Yeastus Christus: Göttlicher Hefe-Hammer von To Øl 

Yeastus Christus - To Øl 
Yeastus Christus – To Øl

Ich gebe gern zu, dass die dänischen Gypsy-Brewer von To Øl außerhalb Deutschlands zu meinen absoluten Favoriten zählen. Tobias Emil Jensen und Tore Gynther, die beiden Macher aus Kopenhagen, gelten schließlich mit ihren kompromisslosen Hopfensäften zu den kreativsten Machern der europäischen Craft-Bier-Szene.

Dass die Kopenhagener Brau-Truppe auch mit ihrem „Yeastus Christus“ wieder ein Bier mit ganz ungewöhnlichen Charakter gelungen ist, steht außer Frage. Ein Farmhouse IPA mit Gersten-, Weizenmalz und Haferflocken. Aber das Besondere daran ist, dass Yeastus mit Brettanomyces Hefe vergoren wurde, die diesem Ale eine genussvolle, etwas weinige Säure vermittelt.

Vielleicht sind es die skandinavischen Mittsommernächte, die diesem Ale einen so warmen Orange-Ton verleiht. Jedenfalls kenne ich dieses Licht von meinen Reisen jenseits des Polarkreises. In der Nase macht sich die Hefe bemerkbar, gepaart mit einem malzigen, grasigen und kräuterbetonten Duft-Mix. Auf der Zunge tanzen herb-fruchtige Aromen mit Anklängen von Zitrone und Passionsfrucht und Papaya. Im Hintergrund zeigt sich ein dezent malziger Geschmack, der die 7,4 Prozent Alkohol kaum bemerkbar macht. Trocken und leichte Bitterkeit im Abgang.

Fazit: Ein außergewöhnliches Bier, dessen Seele nicht Hopfen und Malz ist, sondern die Hefe. Dennoch: Für den durchschnittlichen Craft-Bier-Fan ein nicht leicht durchschaubarer Drink. Dieses Ale verlangt auch vom wahren Könner eine langsame Annäherung und ein gehöriges Maß an Aufmerksamkeit. Ich mag es!

To Øl: Hopfen-Tsunami aus Kopenhagen

Dangerous Close
Dangerous Close

„Dangerously Close, But no Cigar“ nennen die dänischen Macher von To Øl ihr Double IPA, das mit einer handvoll Zedernholzchips gebraut wurde. Was auch immer der skurrile Name des Craft-Getränks andeuten soll, auf jeden Fall sind keine Zigarren drin. Vielmehr handelt es sich um ein wirklich tolles Bier, das sich bei neun Prozent Alkohol und einer ganzen Menge Hopfen mit wirklich ungewöhnlichem Geschmack und individuellem Charakter präsentiert.

Allein die Aprikosenfarbe im Glas, begleitet von schneeweißem Schaum, macht schon Appetit. Aber der Zedernduft in Verbindung mit einem scharfen, fast pfeffrigen Hopfengeruch in der Nase ist irgendwie ungewohnt. Nur dezent dringen süßliche Fruchtaromen von Mandarine, Mango und Blutorange an die Oberfläche.

Aber dann der Geschmack dieses Cedar India Pale Ale: ein echter Hopfen-Tsunami bricht an den Gaumen. Starke Bitterkeit mit Anklängen von Zeder und Waldkräutern aber auch von Aprikosen, Mango und Karamell ergeben einen knackigen Körper sowie ein komplexes Mundgefühl. Das Ganze mündet in ein trockenes Finish, mit langem, angenehm bitterem Nachgeschmack.

Mein Fazit: Nicht ganz billig dieser Dänentrunk, aber einen Versuch absolut wert. Manchen mag das Bier vielleicht etwas zu bitter sein und der Holzgeschmack ist auch nicht jedermanns Sache, aber es ist wirklich ein großes IPA.