Craft-Bier weltweit: BlackLab Barcelona, Spanien – Hotspot für Hipster und Genießer

BlackLab_Barcelona_Mareike (4).jpgIn Barcelona pulsiert das Leben. Hier in der Hauptstadt von Katalonien treffen sich neben Lebenskünstler, Architektur-Liebhaber und Modefreaks auch Hipsters, Genussmenschen und jährlich mehr als sieben Millionen Touristen aus aller Welt um mediterranen Lifestyle zu erleben. Die quirlige Metropole am Mittelmeer und zweitgrößte Stadt Spaniens hat aber noch mehr zu bieten als Salsa-Tänze, Tapas en mass und mit seiner Kathedrale ein Wahrzeichen, dass seit hunderten Jahren als unvollendet gilt. Barcelona entwickelt sich immer mehr auch zu einer Anlaufstation für Craft-Bierfans.

Auch wenn der spanische Biermarkt noch immer von Großbrauereien beherrscht wird, öffnen immer mehr kleine Brauhäuser und Brewpubs ihre Pforten. Neben den bekanntesten Sorten wie Estrella, San Miguel, Damm, Alhambra oder Mahou gibt es seit dem Aufstieg der globalen Craft-Bierbewegung aber verstärkt auch spanische India Pale Ales, Imperial Stouts oder Sude nach Art der Berliner Weiße. In den vergangenen fünf Jahren haben sich landesweit rund 300 kleine Brauereien etabliert. Getrunken werden ein paar davon im „BlackLab – Brewhouse & Kitchen“ in der City von Barcelona, die neben Madrid als Hotspot für kreative Biere gilt.

BlackLab_Barcelona_Mareike (3)Bei dem riesigen Angebot an Craft-Bieren wundert nicht, dass das BlackLab als eine der coolsten Locations in der katalonischen Landeshauptstadt gilt. Das Brewpub mit Sudhaus, Küche und Bar befindet sich neben dem katalanischen Geschichtsmuseum, direkt am Hafen. Schade nur, dass sich die Location auf Rückseite des Gebäudes befindet, sodass der Blick nicht aufs Meer geht. Trotzdem können Gäste auf einer schicken Terrasse sitzen und die Menschen beim Flanieren beobachten. Wer Speis und Trank lieber drinnen genießen möchte, der kann das inmitten eines modernen Ambientes im Industrial-Style neben glänzenden Braukesseln tun. BlackLab wurde 2014 als Start-Up von einem amerikanischen Brauer und einer chinesisch-spanischen Gastronomin gegründet. Inzwischen produziert das Brau-Team rund 60.000 Liter Bier pro Jahr, das nicht in den Handel geht, sondern allein nur im BlackLab ausgeschenkt wird.

Bei ihren vielfältigen Suden orientiert sich das Gründerpaar Jing und Mat vor allem an amerikanischer, aber auch an englischer und deutscher Braukunst. So gehören neben zwei 5,4-prozentigen American Pale Ales namens „1480“ und „Punto de Rocío“ auch ein fruchtiges India Pale Ale sowie ein „Sunday Pils“ zum Standardsortiment. Viel Wert legen die Spanier auf Natürlichkeit, daher sind die Hopfen- und Malzsäfte weder gefiltert noch pasteurisiert. Um noch mehr Vielfalt zu präsentieren, gibt es auch immer wechselnde, saisonale Biere von Fass und Flasche. Zu den wohl spannendsten Sorten zählen eine schlanke 4,2-prozentige Gose mit Mandarinen, das Weizen-Ale „Watermelon Man“, das besonders erfrischend durch die Zugabe von Wassermelone wirkt oder aber das Porter „Good Morning“, das mit Kaffeebohnen gebraut wird und sieben Umdrehungen vorweist. Aktuell bringt die BlackLab-Truppe ein knochentrockenes Brut IPA raus. „Wir haben uns dafür vom spanischen Schaumwein Cava inspirieren lassen“, beschreibt Brewpub-Chefin Jing Chen den spanischen Touch.

Dass es sich beim BlackLab um keine gewöhnliche Gasthausbrauerei handelt, zeigt auch die Speisekarte. Neben individuellen Burger, BBQ Chicken Wings und kreativen Salaten serviert das Personal auch japanische Hühnerspieße, gefüllte Teigtaschen oder chinesische Spareribs, die mit Soja-Sauce glasiert werden – eine amerikanisch-asiatische Liaison also, mit spanischem Touch. Jeden Samstag sorgt eine Live-Band für ausgelassene Stimmung und auch lokale Künstler stellen regelmäßig ihre Werke an den Wänden aus. Im BlackLab gibt es also das volle Programm.

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

Galizien: Feiner Hopfen unterwegs

IMG_20161231_102552_193Liebe Craft-Community,

auch Bloggerinnen müssen sich mal entspannen. Deswegen werdet ihr in der nächsten Woche ausnahmsweise mal nichts von mir hören. Ich bin auf einer Recherche-Tour in Galizien, Nordspanien. Dort werde ich aber nicht über den Jakobsweg schlendern, sondern feinste Tapas in Kombination mit hoffentlich coolen Craft-Bieren probieren. Natürlich habe ich mir bereits die wichtigsten Craft-Adresse rausgesucht und werde nach meiner Rückkehr über die galizische Szene und deren Sude berichten. Ein paar Impressionen und Highlight werdet ihr aber regelmäßig schon auf Instagram und Facebook finden.

Bis dahin, macht es gut und habt immer ein köstliches Bier im Glas.

Eure Mareike

Kusfollin: „Fuck you all“ – Kampfschrei aus Barcelona

20160905_182614Es ist schon schräg, wenn man sich aus dem Bieretikett einen Molotov-Cocktail bauen kann. Das West Coast Pale Ale aus Barcelona namens „Kusfollin“ ist umwickelt von einem Leinentuch. Schaut man genau hin, findet man die genaue Anleitung für eine brennende Wurfwaffe. Dabei kann die Bierflache gleich mitverwendet werden. Aha. Schließlich bedeutet der Name „Kusfollin“ ausim Katalanischen: „Fuck you all“ – und soll eine Kampfansage gegen alle menschlichen Ungerechtigkeiten sein.

img_20160905_203102Das Angreiferbier steht in einem hellen Braunton im Glas und duftet nach Zitrusfrüchten, Dörrpflaume und ziemlich alkoholisch. Im Antrunk kommt das Pale Ale sogar ziemlich schnapsig daher. Braucht man ja für den Molotov… Irgendwie aber etwas unangenehm. Soll das auch ein Angriff auf die Geschmacksnerven sein? Nein, jedes Bier hat seine Chance verdient. Schließlich ist der Geschmack interessant, aber schwer zu deuten. Nuancen von Zitrus und Pinienharz spielen mit, aber leider wird das Hopfenaroma von einer dominanten Alkoholnote überlagert. Und dass, obwohl Kusfollin nur 5,5 Prozent hat. Dafür spürt man in der Kehle dann die dezenten 25 Bittereinheiten.

Fazit: Schade, ich habe mich bei dem gewagten Etikett wirklich auf eine Hopfenbombe oder so was Ähnliches gefreut. Das Pale Ale hat für mich nicht viel mit dem ursprünglichen Bierstil zu tun, was an sich ja nicht schlimm ist, aber vielleicht ist auch unterwegs von Spanien irgendwas damit passiert. Dennoch ist es irgendwie spannend. Schließlich hatte ich so einen individuellen Geschmack noch nicht auf der Zunge. Ein Bier für Extremisten.

Hier gekauft.