Ratsherrn: Die Rache des Captain Ahab

Ratsherrn Ahabs RevengeFassgereifte Biere scheinen in diesem Jahr so beliebt zu sein, wie noch nie zuvor. Gerade erst stellte auch die Ratsherrn Brauerei aus Hamburg eine solche Spezialität in die Regale. Dabei geht es aber nicht um ein Imperial Stout, sondern um ein in Barrique-Gebinden spontanvergorenes „Sour Barrel Aged Belgian White Ale“. Das Hanseaten-Team ließ für diese Version ihr „Moby Wit“ fast drei Jahre in Madeira- und Bordeaux-Fässern schlummern.

Das Ergebnis heißt „Ahab’s Revenge“, besitzt 5,8 Prozent Alkohol und schwimmt in einem trüben Goldorange-Ton im Glas. In diese Nasen strömt ein frischer Duft von Joghurt und Vanille mit einem ergänzend hefigem, holzigem sowie fruchtigem Charakter. Auf der Zunge präsentiert sich das fassgereifte Bier cremig-weich mit einer moderaten Säure und einem weinigen Anklang. Dazu gesellen sich mostige Fruchtnoten, die an Birne erinnern, sowie Aromen von Joghurt und Vanille. Im Finish bleibt eine gewisse Würzigkeit noch lange am Gaumen zurück.

Fazit: Dieses Bier ist wirklich eine Verkostung wert. So eine fassgereifte Variation habe ich bisher selten im Glas gehabt und muss sagen: ich bin begeistert. Das Aromaspiel ist komplex, aber schön harmonisch und keinesfalls zu sauer. Bietet sich auch als schmackhafter und frischer Aperitif an.

Ratsherrn & The Pier: Flüssiger Speck im Birnenmantel

img_20161203_133537So was habe ich noch nie genossen. „RauchBirne“ heißt der ungewöhnliche Sud der Hamburger Ratsherrn Brauerei, den die Macher zusammen mit „The Pier“ aus Berlin entwickelt haben. In den Sudkessel kam jede Menge Rauchmalz, um genauer zu sein, Buchenbrauchmalz, und beschwipste Williamsbirne. Mit 3,8 Prozent Alkohol ist das Bier zwar recht schlank, aber das Aroma hat es dafür echt in sich.

Rauchige Noten strömen schon beim Einschenken durch die Nase. Goldgelb strahlt die RauchBirne durch das Glas, getoppt von einem schneeweißen Schaum. Betörend ist auch der Duft von geräuchertem Schinken – und das in Verbindung mit einem Hauch fruchtiger Birnenaromen. Im Mund ist das Craft schön spritzig und erfrischend. Specknoten verbinden sich mit einer angenehmen Rauchigkeit, Zitrusfrüchten wie Grapefruit und Limone und etwas Alkoholischem von der eingelegten Birne. Der Abgang ist äußerst spannend, weil sich auf einmal noch eine gewisse Süße mit den Aromen paart.

Fazit: Das ist mal ein ganz ungewöhnliches und hochinnovatives Bier. Leider war das nur eine limited Edition, aber wer Glück hat, findet es noch in ausgewählten Shops. Für mich ist das zwar kein Bier, das ich regelmäßig einschenken würde, aber diese Aromakombination ist wirklich einmalig und bestens für besondere Gäste geeignet. Kompliment an die Brauer für die Idee und die spannende Umsetzung.

Auf ein Craftbeer mit: Fabian Harrwich – der aus dem Ratsherrn-Nähkästchen plaudert

1458833186638Anfang der Woche habe ich mal wieder ein paar Leute von gutem Bier überzeugt. Und zwar leitete ich eine Verkostung im Blockbräu an den Landungsbrücken in Hamburg. Aber wenn ich schon in der Hansestadt bin, dann besuche ich – ganz klar – gerne auch Bierfreunde. So konnte sich dieses Mal Fabian Harrwich, der bei Ratsherrn im Außendienst tätig und ein echter Craft-Enthusiast ist, für ein kühles Bier vom Schreibtisch losreißen. Wir trafen uns im Braugasthaus „Altes Mädchen“, das in der Hansestadt für ein gutes Sortiment an Craft-Bieren bekannt ist.

Fabi bestellt für uns den neusten Hopfentrunk von Ratsherrn: „Matrosenschluck White Oak IPA“ mit 6,6 Prozent, 43 IBU, gebraut mit den Hopfensorten Simcoe, Citra und Saphir. Die Begründung für seine Wahl: „Dieses IPA soll die Lust auf Frühling wecken, das brauchen wir bei dem derzeit miesen Wetter in Hamburg“. Und ich muss sagen, es schmeckt richtig gut. Beim ersten Schluck bricht schon fast die Sonne durch die Wolken. Das IPA duftet und schmeckt nach Orange, Zitrone aber auch etwas nach Maracuja. Wirklich gut trinkbar. Aber nicht ungefährlich wenn man anschließend noch einen Vortrag halten muss,  denn den Alkohol merkt man anfangs überhaupt nicht.

Nach ein paar Schluck erzählt Fabi, dass der Craft Beer Store in Hamburg, der direkt neben der Brauerei steht, inzwischen ganz super läuft. Der Umsatz habe sich von 2014 auf 2015 um ganze 40 Prozent gesteigert. Außerdem erklärt der 30-Jährige Hanseat, warum auf den Ratsherrn-Etiketten keine Stammwürze und Bittereinheiten mehr angegeben werden. Je nach Sud würden die Werte minimal variieren. So habe das Amt eine Probe im Labor testen lassen, bei der beispielswiese 59 IBU herauskamen, während das Etikett 60 IBU ausweisen würde. „Da haben wir dann vom Amt einen auf den Deckel gekriegt“, gesteht Fabi mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Noch vor meiner Verkostung  bestellten wir einen weiteren Matrosenschluck und der Hamburger erzählt freudig, wie super die Craftbeer-Szene in seiner Stadt mit dem neuen Start-up „Hopper Bräu“ und trendigen Bars wächst.

 

 

Ratsherrn „Moby Wit“: Belgischer Sommer in Hamburger Höfen

Ratsherrn - Moby Wit
Ratsherrn – Moby Wit

Unter den belgischen Brauspezialitäten ist Wit-Bier nur eine Variante von Vielen. Lange Zeit wurde dieses traditionelle White Ale von moderneren Sorten verdrängt. Inzwischen lieben aber auch die Belgier wieder dieses Bier – vor allem als Erfrischung für heiße Sommermonate. Was Flamen und Wallonen können, schaffen wir auch, hat sich wohl das Ratsherrn-Team gedacht, das mitten im Herzen von Hamburgs Schanzenhöfen sein Revier aufgeschlagen hat. Das Ergebnis ihrer Braukunst heißt „Moby Wit“ und zeichnet sich durch eine dezente  Säure und einem fruchtig, pfeffriges Aroma aus.

Dieses belgische Weißbier ist mit Hercules- und Tradition-Hopfen gebraut, die mit ihren 12 IBU allerdings kaum Dominanz zeigen. Das ist bei diesem „Bière blanche“ auch nicht üblich. Wichtiger ist die Malzkombination mit Pilsener-, Weizen- und Hafermalz, die es auf eine Stammwürze von rund 12 Einheiten und einem Alkoholgehalt von 5,1 Prozent bringt. Untermauert werden Aromen und Geschmack durch traditionelle Beigaben wie Koriander und Orangenschalen. Der besondere Hefestamm gibt diesem Ale ein sehr schönes moussierendes Mundgefühl. Überraschend ist auch die Farbe von Moby Wit: ein ins weißliche driftende Blassgelb.

Fazit: Ein elegantes, würziges Sommerbier, mit einem sehr erfrischenden limonigen Finish. Puristen werden sich abwenden, aber in Kalifornien wird dieses White Ale häufig eiskalt mit einem Stück Zitrone serviert. Habe das bei 38 im Grad im Schatten letzte Woche mal probiert und fand es gar nicht so schlecht.

Ratsherrn „Dark Lantern Pumpkin Ale“: Happy Halloween in Hamburg

Pumpkin Ale von Ratsherrn
Pumpkin Ale von Ratsherrn

Eines vorweg: Ich mag eigentlich keine Kürbisse. Gerade zu Halloween mit den fies ausgeschnitzten Gesichtern sind sie zwar ein echter Hingucker. Dennoch gehören die orangefarbenen Gemüsebälle nicht gerade zu meinen auserkorenen Lieblingsspeisen. Deswegen stand ich dem „Dark Lantern Pumpkin Ale“ von der Ratsherrn Brauerei aus Hamburg anfangs etwas skeptisch gegenüber. Aber meine Devise: Man muss alles mal probieren, um zu Urteilen.

Das Etikett sieht schon mal echt klasse aus! Gebraut wurde das 5,9-prozentige Pumpkin Ale aus der Hansestadt mit Püree vom Hokaidokürbis, Weizenmalz, dunklem Kandiszucker, Hopfen, Piment, Muskat, Ingwer und Zimt. Mein erster Gedanke bei den Zutaten war: Oh ja – es wird Winter. Im Glas funkelt das Ale in kastanienbraun mit orangefarbenem Stich. Im Geruch dominieren die Gewürze. Es duftet nach Nelke, Piment und Zimt. Der Kürbisgeschmack versteckt sich noch etwas dezent im Hintergrund. Im Geschmack überwiegt dann eher der Malzkörper mit kräftigen Gewürzaromen, kombiniert mit dem Hokaidopüree. Was sich zunächst anhört wie Kürbissuppe aus einem Gourmettempel, erweist sich dennoch als echt süffiges Ale.

Fazit: Das Pumpkin Ale hat mich positiv überrascht. Eine ungewöhnliche Saisonal-Bierrezeptur, der man – fernab des deutschen Reinheitsgebotes – nicht alle Tage begegnet. Aber für einen kühlen Herbstabend ist das Kürbis-Ale wahrlich ein echter Genuss.

Citrilla Wheat: Hopfiges Weizen mit wechselndem Aromaspiel

Citrilla Wheat
Citrilla Wheat

Nach fünf Wochen Offenburg überkam mich ein wenig Heimweh, also machte ich mal wieder eine kurze Stippvisite in München. Ich wusste, dass ein Päckchen auf mich wartete, aber nichts über den Inhalt. Umso mehr freute ich mich, als ich den Kollaborationssud der Hamburger Ratsherrn Brauerei und den Maisel & Friends aus Bayreuth in den Händen hielt. Hergestellt wurde das „Citrilla Wheat“ anlässlich des ersten Geburtstags vom Braugasthaus „Altes Mädchen“ in Hamburg. Über drei Monate tüftelten Braumeister Philip Bollhorn und Jeff Maisel an diesem Rezept. Produziert haben es schließlich fünf verschiedene Brauer irgendwo in Franken. Im Sud landeten drei Hopfensorten: Herkules, Citra und Amarillo. Aus den letzten beiden amerikanischen Sorten kombinierte sich der Name des Getränks: Citrilla.

Klingt doch schon mal spannend. Also ließ ich das „Citrilla“ nicht zu lange Ruhen. Gut gekühlt schenkte ich das siebenprozentige Bier voller Vorfreude ein. Appetitlich scheint es in trübem Mittelblond und mit feinporigem, stabilem Schaum durch das Glas. In meine Nase steigen hopfige Fruchtaromen von reifer Ananas und Pfirsich. Überbordend ist allerdings die bananige Hefenote, was schlichtweg an ein formidables Weißbier erinnert. Der Antrunk ist auffallend süßlich, aber nicht störend. Um die Zunge breitet sich das Weizen-IPA moussierend und weich mit Noten reifer Bananen und Nuancen gelber Steinfrüchte aus. Im Abgang verabschiedete sich das Bier zitrusbetont mit dem Hauch säuerlicher Pampelmuse.

Fazit: Echt lecker! Das Besondere an dem „Citrilla Wheat“ war für mich die Entwicklung der drei Geschmackstufen. Eine super Option zum klassischen Weißbier im Biergarten –aber zum Saufen viel zu schade.