Neuer World-Champion der Biersommeliers: „Ein richtig gutes Bier muss bei mir echte Wow-Effekte auslösen“

Die 70 besten internationalen Biersommeliers kämpften gestern in München um den Weltmeistertitel. Nur einer überzeugte durch Bierwissen und Präsentationstalent: Der 32-jährige Stephan Hilbrandt, ein Informatiker aus Bonn. Ein Exklusiv-Gespräch mit dem frisch gekürten Weltmeister. Weiterlesen „Neuer World-Champion der Biersommeliers: „Ein richtig gutes Bier muss bei mir echte Wow-Effekte auslösen““

Top-Brauer: Oliver Wesseloh von Kehrwieder Kreativbrauerei, der vom Bier berührt werden will

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Oliver Wesseloh – Copyright: Julia Schwendner

Er war nicht nur Weltmeister der Biersommeliers. Oliver Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei ist auch Buchautor und braut mit „Wow-Effekt“einige der besten IPAs in Deutschland. Der Hamburger lebt quasi das Thema Bier mit allen Sinnen und zählt daher für mich zu den besten Brauern der Nation.

 

Wann hast du dein erstes Bier gebraut und wie ist es geworden?

Hmm, da muss ich wirklich kurz überlegen… ich glaube technisch gesehen habe ich das erste Mal während meines Praktikums in der Hamburger Hausbrauerei Gröninger gebraut. Das erste eigene Bier braut ich dann zusammen mit Kommilitonen in Berlin – dabei ist die neugierige Katze einer Kommilitonin in die Maische gesprungen. Sie war aber auch sehr schnell wieder draußen. Trotz den Umständen, schmeckte das Bier echt gut.

 

Wie bist Du eigentlich auf den Namen Kehrwieder Kreativbrauerei gekommen?

Als Hamburger wollten wir unsere Verbindung zur Stadt zum Ausdruck bringen. Die Kehrwiederspitze war die alte Hafenausfahrt und der Legende nach haben hier die Seefahrer-Frauen ihre Männer mit dem Wunsch „kehr wieder“ auf große Fahrt verabschiedet. Das passt natürlich perfekt zu unserer eigenen Geschichte: wir sind lange in der Welt unterwegs gewesen und haben viele Erfahrungen und Eindrücke gesammelt. Als der Plan reifte eine eigene Brauerei zu starten gab es für uns als Hamburger keine große Überlegung, wo man so ein Projekt startet – man kehrt wieder Heim! Abgesehen davon, hoffen wir unseren Beitrag dazu zu leisten, dass nach Hamburg zumindest ein Teil der Biervielfalt wiederkehrt die es hier einmal gab – auch wenn es noch ein langer Weg ist zu den 500 Braustätten die es zur Blütezeit der Hanse hier gab.
Kreativbrauerei ist wiederum unser Ansatz um unsere Philosophie und Anspruch darzustellen. Uns war damals schon klar, dass der Begriff „Craft Beer“ bzw. „Craft Brewery“ in Deutschland nicht funktionieren kann und wenn wir uns anschauen wie der Begriff heute vergewaltigt wird, sind wir sehr froh, uns von Anfang an davon distanziert zu haben.

 

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Es muss mich berühren! Auch wenn man schon viele tolle Biere probiert hat, gibt es immer mal wieder welche die einen „Wow-Effekt“ auslösen. Die einfach so spannend sind, dass sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen und man (fast) alles dafür tun würde um sich ein paar für den eigenen Keller zu sichern.

 

Welchen Biertyp trinkst Du am liebsten und warum?

Sorry, aber das kann ich wirklich nicht so vereinfachen – das hängt viel zu sehr von der jeweiligen Situation ab. Aber ich versuche mal zwei Gruppen zu bilden: auf der einen Seite sind da Biere die eine sehr hohe „Trinkbarkeit“ mit genau so viel Charakter verbunden, dass sie spannend aber nicht aufdringlich sind. Die man quasi immer entspannt nebenbei trinken kann ohne dass sie langweilig werden. Zu der Gruppe zählt für mich z.B. das Sierra Nevada Pale Ale und unser Prototyp. Auf der anderen Seite sind da die Biere die eine unglaubliche Komplexität und ganz viel Facetten mitbringen. Biere die man nicht mal eben so trinken kann, für die man sich Zeit nehmen muss um sie zu entdecken so wie Firestone Walker Anniversary oder Rodenbach Vintage.

 

Was sind Deine Lieblingshopfensorten?

Mosaic, Simcoe, Callista, Hüll Melon, Saazer… – und mit jedem SHIPA kommen neue dazu.

 

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Unmenschliche Belastbarkeit, Frustrationstoleranz, den Mut ständig neues zu wagen, gegen den Strom zu schwimmen, sich selbst und die Welt um einen herum ständig zu beobachten und zu hinterfragen sowie den absoluten Willen zur Perfektion.

 

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Hmm, da gab es sicher einige, da ich ja (fast) alles probiere was ich in die Finger bekommen kann. Aber Dogfish Head „Chocolate Lobster“ ist sicher ganz weit vorne. Naja, und eben das mit der Katze…

 

An welchem Ort der Welt würdest Du mit Deinem besten Freund gern ein Bier trinken?

Tja, prinzipiell würde ich mich schon mal freuen wenn ich überhaupt die Zeit hätte mit meinem besten Freund mal wieder ein Bier zu trinken – wo ist da völlig nebensächlich.

 

Und was hast Du als nächstes vor?

Brauerei erweitern, noch mehr Rezepte die mir im Kopf rumspuken ausprobieren, Lobbyarbeit leisten, Neubau planen…

 

Das Brauer-Portrait: Achim Sauerhammer – Experimentierfreudiger Braumeister mit Herzblut

Foto: Pyraser
Foto: Pyraser

Schon als Kind kam Achim Sauerhammer ständig mit Bier in Berührung. Sein Vater ist Braumeister, dem er damals über die Schulter schaute und schon als Kind den einen oder anderen Schluck Bier stibitzte. Ihm wurde der Brauer Beruf damit quasi in die Wiege gelegt. Nach seiner Lehre arbeitete er noch einige Zeit als Brauergeselle, bis er 2009 als Braumeister und Produktionsleiter in der Pyraser Landbrauerei antrat. Die Braustätte liegt südlich von Nürnberg und verkauft seit 1870 Biere aus der Region für die Region.

Foto: Pyraser
Foto: Pyraser

Achim Sauerhammer ist aber nicht nur Braumeister: Um sich fortzubilden, schloss er 2011 eine Ausbildung zum Biersommelier bei der Genussakademie Doemens in Gräfelfing ab. Seitdem ist er für die Zutaten und das Aroma der Pyraser Biere verantwortlich. Neben 20 traditionellen verschiedenen Bieren ist Achim Sauerhammer besonders stolz auf die Herzblutreihe. Eine besondere Beziehung pflegt er zu einer Bierspezialität in der Palette, da ihn Brauerei-Chefin Marlies Bernreuther bei diesem Pyraser zum Namensvetter ernannte: „Achims Grand Cru“ nennt sich das Starkbier mit extra gezüchteter Trappisten-Hefe. Dieser Hammerdrink spiegelt die ganze Experimentierlust und Leidenschaft für exotische Hopfensorten des innovativen Braumeisters wieder.

Das Brauer-Portrait – 7 Fragen an Achim Sauerhammer

1. Wann und wie tranken Sie ihr erstes Bier?

Das ist eine gute Frage. Da mein Vater auch Braumeister ist, bin ich schon immer mit Bier in Berührung und erinnere mich, dass ich als kleiner Junge des Öfteren den letzten Schluck aus einer Bierflasche meines Vaters „geklaut“ habe. Geschmeckt hat es damals noch nicht wirklich. Bewusst trank ich mein erstes Bier mit 14 Jahren. Es handelte sich um eine „Heidecker Hopfenperle“ aus unserer kleinen Gasthaus Brauerei in Heideck. Schon hier fand ich das Hopfenaroma einfach klasse, aber auch für ein frisches, fruchtiges Weizenbier bin ich immer wieder zu haben.

2. Wann und warum haben Sie sich für den Brauerberuf entschieden?

Der Beruf als Brauer wurde mir nahezu in die Wiege gelegt. Entschieden habe ich mich dafür nach meinem Schulabschluss. Nach der Lehre arbeitete ich noch etwas als Brauergeselle und hab mich dann bei Doemens zum Brau- und Getränketechniker/ Braumeister weitergebildet. Seit 2009 bin ich jetzt Produktionsleiter bei der Pyraser Landbrauerei und verantwortlich für die Herstellung von 20 unterschiedlichen Bieren, über 20 alkoholfreien Getränken und natürlich für die Pyraser Herzblut- Reihe.

3. Auf welches Bier sind Sie besonders stolz und warum?

Stolz bin ich natürlich auf alle unsere Biere, da jedes seinen eigenen Charakter besitzt und etwas Besonderes ist, wie etwa auch jede einzelne Kreation eines neuen Herzblut- Bieres. Hier kann man seiner Phantasie freien Lauf lassen und experimentieren. Umso größer ist dann die Freude, wenn am Schluss ein perfektes Bier mit völlig neuen Aromen und Geschmäckern herauskommt.

4. Was macht für Sie ein wirklich gutes Spezialitätenbier aus?

Kreativität, Innovation und die Liebe zum Detail. Solche Charakterbiere kann man nicht in großen Mengen herstellen und sie brauchen natürlich auch viel Zuwendung und etwas Geschick im gesamten Herstellungsprozess. Ich bin froh, dass sich immer mehr Brauer- und Braumeisterkollegen an solche Kreationen wagen und somit durch die ausgeklügelte Wahl der einzelnen Rohstoffe zeigen, was in einem Bier alles drinstecken kann.

5. Was sind Ihre Lieblingshopfensorten?

Der Hopfen ist meine persönliche Leidenschaft. Hier habe ich immer irgendeine neue oder exotische Sorte auf Lager und „hopfenstopfe“ diese dann in einem Kleintsversuch in unterschiedliche Biere, um einfach die Aromen im fertigen Bier zu genießen. Derzeit experimentiere ich viel mit australischen oder neuseeländischen Hopfen, die starke fruchtige Aromen besitzen, besonders nach tropischen Früchten wie Maracuja, Aprikose und Zitrusfrüchten. Die deutschen Hopfen haben eher diese typisch hopfenwürzigen, kräuterartigen und floralen Aromen, die man beim Hopfen schon erwartet.

Meine persönlichen Favoriten sind der deutsche Saphir, er hat einfach diesen hervorragenden Geruch nach frischem Hopfenfeld und verleiht nahezu jedem Bier die entsprechende Würze. Von den exotischeren Sorten favorisiere ich Cascade, da er ein sehr angenehmes fruchtiges Aroma nach Grapefruit und Zitrus ins fertige Bier bringt und diese dadurch eine hohe „drinkability“ erhalten.

Ich bin mir sicher, dass der Hopfen in den nächsten Jahren auch hierzulande eine weitaus höhere Bedeutung im Bier finden wird und auch große Brauereien mehr Wert auf besondere Hopfensorten und Hopfungsverfahren legen werden.

6. Was ist für Sie der schönste Ort der Welt?

Am liebsten bin ich zu Hause bei meiner Familie und lasse den Tag gemütlich ausklingen. Viel Zeit verbringe ich natürlich auch in der Brauerei, da gefällt´s mir schon auch ganz gut.

7. Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Beruflich wünsche ich mir, dass Bier endlich den Stellenwert erreicht, den es verdient. Bier ist sowohl der perfekte Durstlöscher, als auch der pure Genuss. Das richtige Bier passt eigentlich immer und überall. Privat hoffe ich, dass alles so weiterläuft wie bisher, mein Sohn in Frieden aufwächst und ich meiner Familie immer das bieten kann was sie verdient.

Interview: Oliver Wesseloh – Bierenthusiast, Brauer & neuer Sommelierweltmeister

Die 54 besten internationalen Biersommeliers kämpften vergangenes Wochenende in München um den Weltmeistertitel. Nur einer trat nicht mit dem Anspruch an um zu gewinnen – und siegte trotzdem.  Ein Gespräch mit dem frisch gekürten Weltmeister Weiterlesen „Interview: Oliver Wesseloh – Bierenthusiast, Brauer & neuer Sommelierweltmeister“