Aldersbacher: Kreative Klosterbrauerei

Wo einst Mönche am Sudkessel rührten, bleibt Tradition eine Verpflichtung. In der niederbayerischen Aldersbacher Brauerei, einer 750-jährigen Zisterzienserabtei, produziert ein junges Team heute mit modernster Brautechnik aber auch Craft-Bier vom Feinsten.

20180509_135338In der wechselhaften Geschichte des Gerstensaftes zählen Klöster seit jeher zu den ehrwürdigsten Braustätten der Welt. Eine der ältesten befindet sich im bayerischen Donautal am Rande des Bayerischen Waldes, rund 30 Kilometer von Passau entfernt. Die Brauerei Aldersbach feiert aktuell ihren 750. Geburtstag und kann somit auf eine lange Tradition zurückblicken. Im hohen Mittelalter gründeten fränkische Zisterziensermönche das Kloster in Niederbayern. Und früher galt: Wo Mönche oder Nonnen lebten, da wurde auch fleißig Bier produziert – ganz egal ob für den Eigengebrauch oder für die Gläubigen rund um die Abtei. „Klosterbrauereien haben seit mehr als tausend Jahren einen ganz maßgeblichen Einfluss auf die Braukunst in Deutschland“, bekräftigt auch der Regensburger Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder, der in seinem Buch „Bier – eine Geschichte von der Steinzeit bis heute“ auch die Historie der Abteien aufarbeitete.

Sude aus Klöstern waren schon damals etwas Besonderes und genossen hohe Beliebtheit. Sie galten im Gegensatz zu weltlichen Brauereimanufakturen in puncto Qualität und Preis meist als konkurrenzlos. Hopfen und Braugetreide wurde auf eigenen Feldern angebaut, Wasser kam aus dem Klosterbrunnen. Im Zuge der Säkularisierung wurden im Jahre 1803 die Klöster und somit auch die Abtei Aldersbach verstaatlicht, bis schließlich 1811 Johann Adam Freiherr von Aretin die heiligen Gemäuer übernahm. Seitdem sind Stift und Brauerei in Familienbesitz. Aber auf dem Klosterareal hat sich seither vieles verändert. Nachdem die Mönche auszogen, wurde die Braustätte nach und nach modernisiert und gehört mit etwa 100.000 Hektolitern Jahresausstoß und rund 20 Bieren im Standardsortiment heute zu den erfolgreichsten Mittelstandsbrauereien in Bayern.

Trotz traditioneller Verankerung, hat sich die ehemalige Zisterzienserabtei so ganz nebenbei aber auch den Ruf einer der kreativsten Klosterbrauereien im Lande erworben. Infolge der Dynamik des wachsenden Craft-Biermarktes erlebt der Betrieb jetzt besonders starken Aufwind. Das junge Team mit Braumeister Lorenz Birnkammer und Laborleiter Sebastian Höng sieht darin eine echte Herausforderung. Die beiden produzieren neben Weißbier, Bock und Hellem nämlich auch India Pale Ale, Chocolate Stout und Barley Wines – allerdings bisher noch nicht auf der großen Anlage, sondern in einer „gläsernen Schaubrauerei“ als Attraktion für Craft-interessierte Gäste. Als nächstes wollen sich die Niederbayern auch an Oak-Aged Biere in Sherry- und Whiskyfässern wagen.

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In der Schaubrauerei wird gerade ein Stout gebraut

Neben neuen und ständig wechselnden Bierspezialitäten hat das Brauerei-Team jetzt zudem Braukurse, spezielle Bierfestivals und eine „Probierbar“ in ihre Erlebniswelten etabliert. Brauereidirektor Ferdinand Freiherr von Aretin, der auch ausgebildeter Biersommelier ist, unterstützt die Kreativität und das Engagement seines Kreativ-Duos. Ihm ist bewusst, dass die Gesellschaft sich gewandelt hat und immer mehr Wert auf Regionalität und bewusstes Genießen legt. Außerdem möchten Kunden heute wissen, wer hinter den Bieren steht und wer sie braut. „Deshalb haben wir uns als Traditionsbrauerei neu ausgerichtet und auch den Eventcharakter rund um das Bier stärker zum Ausdruck gebracht“, begründet der Aldersbacher-Chef seine Philosophie.

Dass Feierlichkeiten auf dem ehemaligen Klostergelände auch für das Eigenmarketing eine Bedeutung haben, zeigen die vielen saisonalen Veranstaltungen. Aber der bislang erfolgreichste Event war vor zwei Jahren die Bayerische Landesausstellung „Bier in Bayern“ zum 500-jährigen Geburtstag des Reinheitsgebotes. Insgesamt 230.000 Besucher reisten dafür in Aldersbach an, um Biergeschichte zu erleben und zwei ganz besondere Spezialitäten zu probieren. Für den feierlichen Festakt taten sich zwölf bayerische Klosterbrauereien zusammen, um gemeinsam zwei Biere zu entwickeln, die an frühere Zeiten erinnern sollten. Das Ergebnis war ein kräftig-malziges Konvent- und ein leichtes, hopfiges Pfortenbier.

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Ein IPA aus dem Hause Aldersbacher

Dass die Aldersbacher keine Konkurrenz scheuen müssen, zeigen sie auch mit ihrem „Bierwood“-Festival, das inzwischen jedes Jahr stattfindet. Dazu laden sie verschiedene Craft-Brauereien aus ganz Bayern ein, die im Kreuzgang des Klosters mehr als 100 verschiedene Sorten ausschenken.  Braumeister Lorenz Birnkammer ist stolz darauf, dass sich diese Veranstaltung in dem historischen Gemäuer so erfolgreich etabliert hat: „Wir wissen, dass die neue Craft-Bierszene der gesamten Brauwirtschaft enorm gut tut“, betont der 35-jährige Braumeister, „denn seitdem der Genuss wieder im Vordergrund steht, ist Bier wieder mehr als nur ein Getränk.“

Um auch nachhaltig Qualität zu gewährleisten, wurde die gesamte Brauerei in den vergangenen Jahren stark modernisiert. Das alte Sudhaus etwa funktioniert heute mit neuzeitlicher 3D-Computertechnik. Mit einer umweltfreundlichen Anlage werden bei der Flaschenabfüllung angeblich 50 Prozent Energie und 30 Prozent Reinigungswasser eingespart. Doch bei aller Modernisierung vergessen die Aldersbacher keineswegs ihre Traditionen. So gibt es noch immer einen eigenen Hopfengarten, eine eigene Hefezuchtanlage sowie einen autarken Getreideanbau in der Region. Und wer zu alldem noch urig bayerischen Lifestyle erleben will, der sollte mal ins Bräustüberl gehen, das sich im ehemaligen Refektorium der Zisterzienser befindet. Dort dürfen Gäste ihre Brotzeit noch selbst mitbringen und sich das Bier an der urigen Schenke in stabile Steinkrüge füllen lassen – fast so wie damals, als sich hier noch Mönche an kräftigen Gerstensäften labten.

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Braumeister Lorenz Birnkammer und ich

Erschienen im Meiningers CRAFT Magazin für Bierkultur.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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