Kommentar: Briefmarken zu Ehren des Reinheitsgebots

Foto: wiki commons
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Die alteingesessene deutsche Brauer-Lobby lässt sich schon was einfallen, wenn es darum geht, weiter ihre Märkte abzuschotten. Zum Anlass des 500. Jahrestages bekommt das deutsche Reinheitsgebot ab 2016 sogar eine eigene Sonderbriefmarke. Das teilte jetzt das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in Berlin offiziell mit.

Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich sehe das Reinheitsgebot von 1516 im Kern keineswegs als eine schlechte Sache, wenngleich es mehr Legende als wirklich angewandte Praxis ist. Die heute geltenden Bestimmungen, in denen 1993 festgelegt wurde, was bei der gewerblichen Herstellung ins Bier darf und was nicht, sind gerade mal zwanzig Jahre alt. Aber das sogenannte „vorläufige Biergesetz“ hat mit dem 500 Jahre alten Reinheitsgebot – wie jeder halbwegs intelligente Brauer weiß – rein gar nichts mehr zu tun.

Interessant wäre zu erfahren, was wohl die ehrbaren deutschen Weißbier-Produzenten  oder die mit Hafer arbeitenden Steinbierbrauer zur geplanten Briefmarke sagen. Denn eigentlich sieht das Reinheitsgebot ja ausschließlich das Brauen mit Gerste vor. Wenn dem deutschen Bier schon ein Briefmarkendenkmal gesetzt wird, dann müssten eigentlich auch die Honigbiere der Germanen mit einem Postwertzeichen geehrt werden. Sortenrein, ohne chemische Zusätze, nur mit natürlichen Bienenhonig gebraut, regten diese Sude bereits vor mehr als 2000 Jahren germanische Hobbydichter und Bierliebhaber zum Reimen an: Wir trinken den Met bis keiner mehr steht.

Während der Bierkonsum hierzulande weiter einbricht und in Berlin noch über die grafische Gestaltung der Sondermarke gerätselt wird, ist der nächste Marketing-Coup der Brauer-Lobby bereits angeschoben. Parallel zur Briefmarke soll das Reinheitsgebot – unter Aspekten des Verbraucherschutzes – nun auch zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt werden. Einen Antrag für die Heiligsprechung deutscher Sude haben die Brauerverbände bereits eingereicht. Wenn Sie mit ihrem Anliegen durchkommen, würden deutsche Fernseh-/Stadion-/Massen-/Billig-Biere künftig den gleichen Rang einnehmen wie der Kölner Dom, das dänischen Wattenmeer und die Pyramiden von Gizeh. Herrliche Aussichten…

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2 Gedanken zu “Kommentar: Briefmarken zu Ehren des Reinheitsgebots

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