„Mail an…“: Biersommelière Sandra Ganzenmüller zum Thema „Bio-Bier“

Biersommelière Sandra Ganzenmüller
Biersommelière Sandra Ganzenmüller

Auch in der Craft-Bier-Szene rühmen sich inzwischen auch immer mehr Brauereien damit, Bio-Biere zu produzieren. Aber was ist eigentlich ein biologisches Craft-Bier und sind Brauer nicht allein durch das Reinheitsgebot an einen chemiefreien Einsatz von Rohstoffen gebunden. Meine Frage an Biersommelière Sandra Ganzenmüller, Chefin der Münchner Agentur „zweiblick“:

Was ist eigentlich Bio-Bier und wie unterscheidet es sich von herkömmlichen Suden?

 

Meine berufliche Karriere begann nach dem Studium in Weihenstephan in der damals größten, deutschen Bio-Bäckerei, der „Hofpfisterei“, und seit dieser Zeit habe ich die Biobranche immer beobachtet und begleitet. Also eine doppelt spannende Frage. Im Grunde genommen sind deutschen Brauer durch ihre Bindung an das Reinheitsgebot meiner Meinung nach schon einen Schritt näher an der Grundhaltung und Philosophie der Biobranche als manch anderer Lebensmittelhersteller.

Genau wie mein damaliger Chef Ludwig Stocker im Brotbereich ist für mich Dr. Ehrnsperger, Neumarkter Lammsbräu, der Bier-Bio-Pionier. Er hat sich Mitte der 1970er Jahre die Frage gestellt, ob es ausreicht nach dem deutschen Reinheitsgebot zu brauen, oder ob man auch als Brauer, trotz Reinheitsgebot, nicht die gesellschaftliche Verpflichtung hat, durch den gezielten Einsatz von Rohstoffen aus ausschließlich ökologischem Anbau Bier im Einklang mit der Natur herstellen. Und damit sind wir genau am Punkt der Frage angelangt – wo liegt der Unterschied zwischen Bio-Bier und konventionellen Bieren. Der entscheidende Unterschied sind die Rohstoffe, nicht der Brauprozess. Um ein Bio-Siegel auf dem Etikett tragen zu können, müssen mindesten 95 Prozent der Rohstoffe aus dem ökologischen Landbau stammen. Die restlichen fünf Prozent dürfen nur dann aus der konventionellen Landwirtschaft herangezogen werden, wenn diese nicht in Bio-Qualität auf dem Weltmarkt verfügbar sind. Dies ist beim Bier nicht der Fall. Sind diese Mindestkriterien erfüllt, finden Verbraucher seit Juli 2010 verpflichtend das EU-Bio-Siegel auf dem Bier. Viele Brauereien gehen noch einen Schritt weiter und haben sich Verbänden wie Bioland, Naturland oder Demeter angeschlossen, deren Richtlinien in vielen Produktbereichen strenger sind als die der EU. Aber ich denke, es führt zu weit, hier ins Detail zu gehen. Für die Verbraucher ist das EU-Siegel ein guter Wegweiser, ein weiteres Verbandssiegel bestätigt ihn beim Kauf von Bio-Bier zusätzlich.

Mit dem Reinheitsgebot im Gepäck werden hervorragende Biere gebraut, die bei regelmäßigen Analysen zeigen, dass keinerlei Grenzwerte überschritten werden. Biobrauer gehen insofern einen Schritt weiter, dass sie sich durch ihre Haltung der Schonung der natürlichen Ressourcen, transparenten Produktionsprozessen, der Pflege und dem Erhalt der Kulturlandschaft sowie der Unterstützung und Stabilisierung des ländlichen Raums verschrieben haben. Eine Haltung, die aber auch sehr viele inhabergeführte, kleine und mittelständische Brauereien bereits seit langem in ihren Zielen haben. Ich persönlich bin der Meinung, dass es in anderen Lebensmittelbereichen wichtiger ist, auf Bio zu achten. Bier ist durch die Rohstoffe, die in Deutschland angebaut werden, sowie dem Brauprozess von Haus aus schon mehr „bio“ als beispielsweise eine Schokolade – salopp gesagt.

Wer tiefer in das Thema einsteigen und Bio-Brauereien besuchen möchte, dem lege ich das Buch „Bierführer Deutschland Bio-Brauereien I Bio-Biere“ des Kollegen Harald Schieder ans Herz. Er erklärt im Details, welche Richtlinien Bio-Brauer berücksichtigen müssen, damit ihre Bierspezialitäten das EU-Bio-Siegel tragen dürfen und welche Bedeutung weitere Siegel aus der Branche haben. Das Buch ist ein umfassender Führer durch die Bio-Brauerei-Landschaft Deutschlands und so geführt können Interessierte den Test antreten, ob Bio-Biere anders schmecken als konventionell hergestellte. Denn bio hin, konventionell her, letztlich entscheidend ist für mich, ein Bier soll immer ein Genuss sein und Freude bereiten.

2 Gedanken zu “„Mail an…“: Biersommelière Sandra Ganzenmüller zum Thema „Bio-Bier“

  1. Ist das wirklich so ? >>>Ich persönlich bin der Meinung, dass es in anderen Lebensmittelbereichen wichtiger ist, auf Bio zu achten. Bier ist durch die Rohstoffe, die in Deutschland angebaut werden, sowie dem Brauprozess von Haus aus schon mehr „bio“ als beispielsweise eine Schokolade – salopp gesagt. << http://www.abendblatt.de/hamburg/article114990759/Nur-das-Wasser-fuers-Bier-kommt-von-hier.html
    Und die Wiwo schreibt dazu: “… Deutschlands Anbaufläche für Braugerste ist daher unter 390.000 Hektar gesunken. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Jahre waren es noch 480.000 Hektar. Im Hauptanbauland Bayern wurde 2013 ein Rekordtief von 101.500 Hektar verzeichnet. Kein Wunder, dass Deutschland inzwischen ein Importland für Braugerste ist: Von rund 2,2 Millionen Tonnen, die die deutschen Mälzereien pro Jahr brauchen, führen sie rund ein Drittel ein und haben dadurch zusätzliche Logistikkosten.” ==> http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/braugerste-nischen-oder-kooperationen/9412358-2.html
    Von kurzen Wegen und damit einer guten Ökobilanz kann offenbar also keine Rede sein.

  2. Ist das wirklich so ? >>>Ich persönlich bin der Meinung, dass es in anderen Lebensmittelbereichen wichtiger ist, auf Bio zu achten. Bier ist durch die Rohstoffe, die in Deutschland angebaut werden, sowie dem Brauprozess von Haus aus schon mehr „bio“ als beispielsweise eine Schokolade – salopp gesagt. << http://www.abendblatt.de/hamburg/article114990759/Nur-das-Wasser-fuers-Bier-kommt-von-hier.html
    Und die Wiwo schreibt dazu: “… Deutschlands Anbaufläche für Braugerste ist daher unter 390.000 Hektar gesunken. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Jahre waren es noch 480.000 Hektar. Im Hauptanbauland Bayern wurde 2013 ein Rekordtief von 101.500 Hektar verzeichnet. Kein Wunder, dass Deutschland inzwischen ein Importland für Braugerste ist: Von rund 2,2 Millionen Tonnen, die die deutschen Mälzereien pro Jahr brauchen, führen sie rund ein Drittel ein und haben dadurch zusätzliche Logistikkosten.” ==> http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/braugerste-nischen-oder-kooperationen/9412358-2.html
    Von kurzen Wegen und damit einer guten Ökobilanz kann offenbar also keine Rede sein.

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