Am „Tag des deutschen Bieres“: Hausbesuch bei Hammurabi

Nach meinem Gespräch mit Wilhelm IV. neulich Nacht, möchte ich am Tag des deutschen Bieres meine Interviewreihe mit internationalen Persönlichkeiten rund um historische Sudkessel fortsetzen. Gestern beamte ich mich nach Mesopotamien ins Reich der Babylonier, um dort den berühmten König Hammurabi zu interviewen, der um etwa 1.700 v. Chr. mit dem „Codex  Hammurapi“ die älteste überlieferte Bierschankordnung schuf. Das Gesetz belegte schon mehr als 3000 Jahre vor dem Reinheitsgebot gemeine Bierpanschern mit harten Strafen. Eine Zeitreise zu den Wurzeln der Biergeschichte:

Feiner Hopfen: Königliche Hoheit, historische Abbildungen zeigen, dass schon vor 3000 Jahren in Ihrem Reich kräftig Bier getrunken wurde. Wie kam es damals eigentlich zu den ersten Brauprozessen im babylonischen Reich?

Hammurabi: Genau weiß ich das auch nicht mehr. Aber meine Leute sagten mir, die Bäuerinnen hätten es  beim Brotbacken entdeckt, als bei schweren Regenfällen das Korn mal nass geworden ist. Nachdem sie bemerkten, wie glücklich sie mit dem Gebräu ihre Kerle machen konnten, haben sie die Rezepturen immer weiter verfeinert. Nach Raubzügen an unseren nördlichen Ländergrenzen brachten es meine Offiziere dann schließlich mit in den Palast nach Babylon.

 

Feiner Hopfen: Was war denn das Besondere an diesem vorchristlichen Bier?

Hammurabi: Hauptbestandteil war natürlich Korn und Wasser. Am Anfang haben wir aus wildem Emmer gebraut, das ist eine Pflanzenart, die eng mit dem Weizen verwandt ist.

 

Feiner Hopfen: Das heißt ja dann wohl, dass Weißbier die älteste Biersorte auf unserem Planeten ist.

Hammurabi: Na ja, das kann man so sehen, wobei wir unterschieden haben zwischen weißen, schwarzen und roten Emmer. Vor allem das Schwarzbier, das mit gerösteten Emmerkorn angerichtet wurde, galt als echte Delikatesse. Aber die Rezepturen uferten mit der Experimentierfreude meiner Untertanen immer mehr aus. Zudem war Babylon als Zentrum aller Handelsstraßen die erste Multikulti-Metropole der Welt. Hier trafen sich Menschen aller Länder und jeder hatte seine eigene Braurezeptur im Gepäck. Wir zählten damals schon über zwanzig Biersorten, die mit Datteln, Zedernnüsse und Pinienkern aber auch mit Heilkräutern wie Melisse und Rutenkraut angesetzt wurden.

 

Feiner Hopfen: Das klingt ja nicht unbedingt nach paradiesischen Zuständen.

Hammurabi: Bier galt bei uns nicht nur als Durstlöscher. Zur Stärkung  der Manneskraft mischten die Bauern beispielsweise geraspelten Bullenhoden in den Sud. Die Frauen kochten Flamingoherzen ein, weil sie sich davon Schönheit und Eleganz versprachen. Der Hammer aber war das Bier der Priester, ein Trank zu Ehren unserer höchsten Gottheit Anu. Nach uralten Rezepten haben die Tempelbraumeister bei Vollmond das Urin von heiligen Elefanten in den Sud gekippt. Das waren noch eine echte Bier-Spezialitäten damals. Es stank zwar bestialisch, hat aber immerhin böse Geister abgeschreckt.

 

Feiner Hopfen: Majestät, wenn sie selbst solche Extravaganzen beim Bier zugelassen haben, was war denn letztendlich der Grund, warum sie den „Codex Hummurapi“ erließen?

Hammurabi: Es war die Folge eines nächtlichen Palastfestes, bei dem ich in eine tagelange Ohnmacht fiel, so dass  meine Ärzte dachten, ich würde schon das Zeitliche segnen. Als ich eines morgens völlig fertig im Sterbebett aufwachte, schwor ich mir, nie wieder einen Tropfen Bier zu trinken. Dann erklärte mir der zur Einbalsamierung bereits bestellte Oberpriester, der ein großer Kenner der Braukunst war, dass Bewusstlosigkeit, Schwindelgefühle und Brechreiz eine Folge schlechter Rohstoffe seien. Daraufhin ließ ich als erstes die verantwortlichen Braumeister hinrichten.

 

Feiner Hopfen: Warum haben sie das Bierpanschen mit so drakonischen Strafen belegt?

Hammurabi: Bier war ein Zaubertrank für meine Soldaten. Da wir an den Landesgrenzen damals unablässig Krieg führten, brauchten wir etwas um die Kampfeskraft der Männer zu stärken. Ohne drei Krüge Bier am Tag waren unsere Soldaten nicht bereit in die Schlacht zu ziehen. Gepanschte Biere führten zu ungezügelter Trunkenheit, zu Siechtum und vorzeitigem Tod. Da gab es nur eine Möglichkeit, das Land zu schützen, ich musste zum härtesten aller Mittel greifen: Wirte, die minderwertiges Bier ausschenkten, wurden im eigenen Sud ersäuft oder in Fässern so lange mit ihrer Plörre übergossen, bis sie erstickten. Auch wenn sie politische Diskussionen in ihren Schankstuben zuließen, wurden sie gefoltert oder mit dem Tode bestraft.

 

Feiner Hopfen: Majestät, mussten sie denn so hart durchgreifen?

Hammurabi: Durchaus, um Unruhen im Land zu vermeiden sollte man als Herrscher stets auf die Bierqualität achten. Bier war und ist Grundnahrungsmittel und abgesehen von den Soldaten, bei denen der Trunk früher sogar den Sold ersetzte, schafft ein gutes Bier auch Zufriedenheit und Lebenslust in der Zivilbevölkerung. Als Herrscher Babyloniens hieß meine Devise deshalb: Bier tut gut, wirkt akut und macht Mut.

 

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