Fiktives Interview: Neulich Nacht mit Wilhelm IV.

Neulich Nacht hatte ich einen seltsamen Traum. Im Raum stand plötzlich in prächtigem Gewand, mit mächtigem Bierranzen und dunklem Rauschebart der bayerische Herzog Wilhelm IV. höchstpersönlich. Ich nutzte die Gelegenheit für ein Interview mit dem Mann, der uns vor rund 500 Jahren das Reinheitsgebot bescherte.

Foto: wiki commons
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Euere Excellenz, was machen Sie hier nach Mitternacht in meinem Zimmer?

Wilhelm: Ich informiere mich gerade auf Erden, was aus meinem Lieblingsgetränk, dem Bier, geworden ist. Da bin ich auch auf feinerhopfen.wordpress.com gestoßen.

Mit dem Reinheitsgebot haben sie damals ein Denkmal für die die Qualität des deutschen Bieres gesetzt. Was sagt Eure Hoheit zum Reinheitsgebot des Jahres 2014?

Wilhelm: Bei unserem letzten Helden-Bankett in Wallhall habe ich gemeinsam mit meinem Bruder Ludwig und mit August dem Starken, der ein legendärer Trinker war, das aktuelle Angebot an hiesigen Bieren probiert. Es war ein grandioses Zechgelage und mir fehlt etwas die Erinnerung. Dennoch entsinne ich mich, dass manche Biere, die hier in der Stadt an riesigen Wand-Plakaten angepriesen werden, geschmacklich mehr an das Abwaschwasser heran reichten, mit dem wir damals die Braubottiche säuberten.

Gab es auch angenehmere Geschmackserlebnisse?

Wilhelm: Durchaus, sehr gut haben mir euere sogenannten Craft-Biere geschmeckt. Diese erinnerten mich an meine Hochzeit 1522 mit Maria Jacobäa in München, als wir mit 500 Gästen sieben Tage lang durchgefeiert haben. Das waren noch Biere damals, sag ich Ihnen. Selbst nach mehreren durchzechten Nächten hatten wir keinen schweren Schädel. Allerdings haben wir Craft seinerzeit immer mit K geschrieben, allein schon wegen des Alkoholgehalts.

Was wollten sie 1516 mit Ihrem Reinheitsgebot eigentlich bezwecken?

Wilhelm: Es war eine schreckliche Zeit – Bauernaufstände, Reformation und überall in Europa herrschte Krieg. Die Ernten waren schlecht und wir brauchten Weizen und Roggen für die Herstellung von Brot für unsere Soldaten. Da jeder Bauer damals so viel Bier braute wie er wollte, gab es mancherorts kaum noch was zu essen. Das Gesetz sollte erstmal nur verhindern, dass die ganze Weizenernte im Braubottich landet.

Aber warum mussten Sie dann die Zutaten auf Gerste, Hopfen und Wasser begrenzen?

Wilhelm: Meine Landsleute haben damals so üble Sachen in den Sudkessel gekippt wie Fliegenpilz, Ochsenblut und Rindergalle. Die Menschen lagen tagelang im Delirium und krepierten manchmal sogar daran. Unter solchen Umständen konnte man doch keine Aufstände niederschlagen, geschweige denn ernsthaft Kriege führen.

Das Reinheitsgebot von 1516 hat ja nicht gerade lange gehalten. Schon kurz nach Ihrem Tode durfte schon wieder Koriander und Lorbeer ins Bier gekippt werden. Bald darauf wurde auch Salz, Kümmel und Wachholder zugelassen.

Wilhelm: Ja, manche glauben, das war eine Riesensauerei. Aber so schlecht war das gar nicht, denn Gewürze haben schließlich auch die Bandbreite des Geschmacks erweitert. Ich kann deshalb gar nicht verstehen, warum euere Brauereien heute so ein Theater um die 500 Jahre alte Gesetzgebung machen. Das war alles nicht so ernst gemeint, wie ihr heute glaubt. Die Belgier hielten sich nie an solche Vorgaben. Auch wir haben damals die Maische mit biologisch reinen Früchten wie Erdbeeren, Kirschen oder Waldfrüchten veredelt. Vor allem meine Frauen, denen der Ruf der Abstinenz voraus ging, konnten sich an solchen Aromen begeistern.

Dann ist das Reinheitsgebot also nur ein Mythos?

Wilhelm: Mythos hin, Mythos her. Ich habe gehört, dass jetzt bei euch sogar Bakterien in Form von Hefe, außerdem künstliche Aromen und isomerisierte Hopfenprodukte ins Bier gekippt werden. Und sogar das Brauwasser soll ja mit allen möglichen Chemikalien behandelt werden. Ganz zu schweigen davon, dass Schädlingsbekämpfungsmittel und chemischen Düngemittel beim Anbau des Getreides eingesetzt werden. Das hat es zu meiner Zeit noch nicht gegeben…

Hoheit, bevor Sie mir den Appetit auf deutsches Bier verderben, möchte ich ihnen für das Interview danken. Ruhen Sie weiter sanft.

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