Deutschlands Top-Brauer: Georg Tscheuschner von Schorschbräu – „Schorsch bleibt stark!“

Georg Tscheuschner von Schorschbräu

Diplom-Braumeister Georg Tscheuschner hatte eine Mission, als er 1996 seine Brauerei in Gunzenhausen öffnete. Schorsch schrieb sich auf die Fahnen, besondere Biere durch das Eisbock-Verfahren reifen zu lassen: Er kühlt seine Sude immer wieder stark runter und filtriert dann das entstehende Eis ab. Zurück bleibt eine alkoholstarke Essenz, die ein komplexes Geschmackserlebnis auf die Zunge zaubert. Damit hält der Franke aber auch sämtliche Rekorde hinsichtlich des Alkoholgehalts seiner Gerstensäfte.

Vor rund zehn Jahren lieferte sich Schorsch etwa ein heißes Battle um das stärkste Bier rund um den Globus. Er setzte sich mit seinem aufwendigen und handwerklichen Prozess gegen alle internationalen Brauereien durch und hält mit seinem 57-prozentigen Schorschbock die Weltspitze. Nicht selten wird der experimentierfreudige Franke gefragt, ob diese Alkoholwummen überhaupt noch zur Kategorie Bier zählen. Daraufhin antwortet er stolz, dass alle seine Sorten nach dem deutschen Reinheitsgebot hergestellt sind. Chapeau an seine hochprozentigen, komplexen und wirklich genussvollen Sude.

Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach einen richtig guten Craft-Brauer aus?

Schwierig zu sagen, aber ein guter Craft-Bierbrauer schafft es den Kunden auf eine Aromareise mitzunehmen. In seinen Bieren sollten genau die außergewöhnlichen Verfahren und Rohstoffe deutlich erkennbar sein, die gewollt waren. Er darf nicht zu wenig aber auch nicht zu viel in den Sud reinpacken. Die Komponenten müssen harmonieren.

Was macht für Dich ein wirklich außergewöhnliches Bier aus?

Wie das Wort schon sagt, muss das Bier außerhalb der Gewöhnlichkeit sein. Es muss mir das erzählen was in der Brauerei gemacht wurde: Das kann ein bestimmtes Brauverfahren (historisch oder selbst entwickelt), besondere Zutaten (alte Getreidesorten, Hopfen, Kräuter, Honig…) oder auch eine Fassreifung mit verschiedenem Holz oder Vorbelegung mit Whisky, Sherry, Rum etc. sein. All diese Parameter müssen im Bier erkennbar sein. Außergewöhnlich heißt aber auch, wenn das Bier außergewöhnlich süffig ist.

Was war das schrägste Bier, das Du jemals getrunken hast?

Am Schrägsten finde ich eigentlich die „Gurken Gose“ vom David Hertl. Ich war anfangs der Meinung, dass das nicht funktionieren kann. Tut es aber. Rein aus Marketinggründen schräg gebraute Biere wie beispielweise mit Walhoden, Ziegenhirn oder Vaginalflora habe ich mir erspart.

Mit welchen ungewöhnlichen Zutaten würdest Du gern einmal brauen?

Gern würde ich mal ein Bier mit Honig und/oder weihnachtlichen Gewürzen brauen. Ein heller Sud mit Lavendel wäre auch mal was. Aber meine Brauerei steht in Bayern, da ist mir Kreativität in dieser Richtung behördlich untersagt.

Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht und was trinkst Du dazu?

So banal fränkisch es auch klingt: Ein schönes rötliches Kellerbier zu einem Schäuferla. Danach einen tollen Bock, der im Eichenfass gereift ist, zu einem alten Blauschimmelkäse und dann einen dunkeln Eisbock zum Schokoladentörtchen.

Wie siehst Du die Entwicklung der Craft-Bierszene in fünf Jahren?

Momentan findet über viel zu viele Geistermarken und Verwässerungen durch beispielsweise Craft-Biermessen mit überwiegend anderen Schwerpunkten eine Schwächung der Szene statt. Meiner Meinung nach wenden sich deshalb genau die Bierverrückten ein wenig ab. Mein Appell an die Entscheider ist eindeutig: macht Craft-Bier nicht kaputt. Auch die Preisgestaltung im Handel geht jetzt schon hin zu Verdrängungspreisen. Da ist in Zukunft Kreativität und echte Authentizität gefragt. Das geht nicht mit dem tausendsten IPA.

Und was hast Du als Nächstes vor?

Im Mai kommt mein Imperial Stout mit milden 12,5 Prozent auf den Markt. Das blubbert aber noch kräftig vor sich hin. Zudem plane ich einen stark gehopften hellen Bock mit 12,5 Prozent. Der wird aber nicht kaltgehopft, denn das verträgt sich nicht mit meinen langen Haltbarkeiten. Biere aus dem Hause Schorschbräu wird es unter zwölf Prozent nicht geben. Schorsch bleibt stark. Ansonsten gibt’s Heuer noch einen Riesenknaller, aber da verrate ich erstmal noch nichts.

Craft-Bier des Monats: Schorschbräu „Schorsch Rubin“ – Hammerharter Hochgenuss

Georg Tscheuschner ist mit Schorschbräu für seine hammerharten Biere bekannt. Neben verschiedenen alkoholreichen Böcken produziert er im bayerischen Gunzenhausen auch den stärksten Sud der Welt mit 57 Umdrehungen. Jetzt brachte der Schorsch erstmals auch ein Ale auf den Markt. Beim „Schorsch Rubin“ handelt es sich um ein 12,8-prozentiges Imperial Red Ale, das ich kürzlich mit einer 36 Stunden in Rotwein eingelegten Rinderhochrippe kombiniert habe.

Im Glas präsentiert sich das trübe Ale in einer rehbraunen Farbe mit rötlichem Schein. Die Nase wird verführt von einem Bukett aus Kandiszucker und Karamell, gepaart mit getrockneten Früchten wie Pflaume, Trauben und roten Beeren. Auf der Zunge breitet sich das kräftige Bier samtig-weich und vollmundig aus. Eine Aromakomposition aus reifer Walderdbeere, Röstmalz und Kandis verzaubert im Geschmack. Im Finish zeigt sich erst die wärmende Alkoholnote.

Fazit: Ein hammerharter Hochgenuss für die Wintermonate. Dieses Ale ist sehr dicht und komplex in seiner Struktur, besitzt somit Schluck für Schluck eine wahres Trinkerlebnis. Durch die beerigen Noten passte das Imperial Red perfekt zur Hochrippe in Rotwein, die ähnliche Noten präsentiert. Die zweite Flasche schlummert bereits zur längeren Lagerung und Reifung in meinem Bierkeller.