Braukollektiv Freiburg & Kitchen Brew: Fruchtiger Nachbarschafts-Kollab

Internationale Kollaborationssude sind in der Craft-Bierszene keine Seltenheit mehr. So taten sich auch kürzlich das Braukollektiv Freiburg mit der schweizerischen Braustätte Kitchen Brew zusammen, um ein exotische Fruchtbombe zu kreieren. Beide Parteien kennen sich aus der Brauerei Roog im Schwarzwald. Die Freiburger sind dort noch als Gypsys tätig, die Schweizer bedienen inzwischen nur wenige Kilometer entfernt ihre eigenen Sudkessel in Allschwill bei Basel.

Sowohl die Macher vom Braukollektiv, als auch das Team von Kitchen Brew lieben hopfenbetonte Biere. Also wundert es nicht, dass sich die Brauer für ein New England IPA mit den Sorten Equanot, Columbus, Citra und and Mosaic entschieden haben.

Dieses 5,6-prozentige Bier strahlt in einem trüben gelborange durch die Glaswand. Der Duft erinnert an einen tropischen Obstkorb mit Aromen von Mango, Maracuja und Grapefruit, zu denen sich harzige und grasige Noten gesellen. Und schließlich rinnt das NEIPA wie ein vollmundiger Fruchtsaft den Gaumen herunter. Die Kohlensäure ist ideal eingebunden, sodass auch der Frischefaktor überzeugt. Auch im Geschmack zeigen sich tropische Früchte, von harzigen Anklängen untermauert. Im Finish bleibt die Fruchtigkeit lang zurück und verabschiedet sich mit einer zarten Hopfenherbe.

Fazit: Der Kollab kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Die Fruchtaromen sind ideal eingebunden und harmonieren perfekt mit Hefe und Malz. Gefällt mir. Für NEIPA-Fans gilt es schon fast als Pflicht dieses Bier mal zu probieren.

Braukollektiv Freiburg & Kitchen Brew: Fruchtiger Nachbarschafts-Kollab

Uiltje Brewery: Süße Mosaic-Bombe

Uiltje Brewery: Süße Mosaic-Bombe

New England IPAs zählen immer noch zu den heißesten Trends in diesem Jahr. Als ich kürzlich wieder mal beim Bier-Shopping war, konnte icham „Mosaic Mammoth“ von der holländischen Brauerei Uiltje in Haarlem nichtvorbeigehen – schließlich prangt auf dem Etikett schon einer meinerLieblingshopfen. Über das Design mit dem Mamut lässt sich streiten, aber das8-prozentige Bier kann sich jedenfalls sehen lassen.

Im Glas geht die Sonne auch an winterlichen Tagen auf. Getoppt ist das trübe NEIPA von einer schneeweißen Schaumkrone. Die Nase wird sofort umweht von fruchtigen Noten des Hopfens. Es duftet nach Zitrusfrüchten, reifer Mandarine, Maracuja und hat einen erdigen Touch. Auf der Zunge präsentiert sich das Ale saftig-fruchtig mit Aromen von Maracuja, Mango, Zitrus und einem Kräuter-Touch. Später zeigt sich noch eine dezent Herbe.

Fazit: Die Holländer haben mit ihrem „Mosaic Mammoth“ denNEIPA-Stil definitiv ins Schwarze getroffen. Das Bier erinnert fast an einenFruchtsaft, sättigt aber leider schon nach einem Glas. Trotzdem sind die Aromensehr schön eingebunden, auch wenn mir das Bier einen Tick zu süß rüberkommt.

Rock Paper Scissors: Sechs finnische Indie-Spezialitäten

IMG_20180926_191645_390Als Blogger bekommt man manchmal ganz unerwartet Bierpost aus irgendwelchen Ländern der Welt. Über ein Paket habe ich mich kürzlich ganz besonders gefreut, da es aus Finnland kam. Im Juli lernte ich auf dem „Große Biere – kleine Brauereien“-Festival in Helsinki das super sympathische Team von „Rock Paper Scissors“ kennen – eine Indie Brauerei mit Sitz in Kuopio, das rund 400 Kilometer nordöstlich von Helsinki liegt, eigenem Taproom und eigener Sauna. Braumeister Aki hat sich auf die Fahne geschrieben, schön aromatische, aber vor allem trinkbare Biere zu brauen. Das fiel mir damals schon auf dem Craft-Bierfestival auf. Heute möchte ich euch ein paar Sorten der Finnen vorstellen.

Fast jeder Craft-Brauer führt ein Standardsortiment. So auch „Rock Paper Scissors“, das übrigens das auch in Deutschland bekannte Spiel „Stein-Papier-Schere“ darstellen soll. So brauen die Finnen ein modernes Lagerbier mit 4,7 Prozent Alkohol. „An all day, everyday Lager”, so die Bezeichnung, glänz golden im Glas, ist hopfengestopft und präsentiert sowohl in Nase, als auch im Geschmack ein malziges, grasig-hopfiges Aroma mit einer angenehmen Herbe. Das „Rye Candy Red Ale“ dagegen ist allein mit 5,2 Prozent schon etwas stärker gebraut. Es zeigt sich in einer rehbraunen Farbe, getoppt von einem beigen Schaum. Es duftet malzig, nussig mit einem Hauch von Rosinen. Auf der Zunge ebenfalls nussig, herb, hopfig und mit einem Anklang von Dörrobst und Nougat.

Zum Standardsortiment darf auch in Finnland kein Pale Ale fehlen. Die Nordbrauer verfeinern ihren Sud allerdings mit Pink Grapefruit und Orangenschale. Die Extrazugaben spürt man schon im Duft, gepaart wird das Ganze mit etwas Waldhonig. Im Geschmack prickelnd-frisch mit fruchtigen Noten von Grapefruit und Orange. Dazu gesellt sich eine harmonische Malzsüße und eine deutliche Bittere.

IMG_20180907_191817_478Neben den kreativen „normalen Sorten“, produzieren die Indie-Brauer auch ein New England IPA (NEIPA), dass sie in Kollaboration mit einer anderen finnischen Brauerei namens „Fat Lizard“ gebraut haben. Das 5,5-prozentige NEIPA „The Lizard“ duftet schon saftig nach Mango, Zitrus und Maracuja. Im Geschmack dominieren die Zitrusfrüchte wie Limette und Grapefruit.

20180906_211029Ein weiteres ungewöhnliches Bier der Indies ist dessen „Lime & Ginger Wheat Ale“. Also ein goldfarbenes Weizenbier, das neben Limette und Ingwer noch mit Loral-Hopfen aromatisiert ist. Das 5,5-prozentige Ale präsentiert sich in Duft und Geschmack mit Ingwer- und Kräuternoten. Im Finish erinnert es etwas an ein Müsli – das ist nicht unangenehm. Zum Schluss hatte ich noch das „Let’s settle this like Adults“ im Glas. Das ist ein hopfengestopftes Lager, das Braumeister Aki für das Monstertreffen von Trump und Putin in Helsinki eingebraut hat. In der Nase malzig mit einem Anklang von Heu. Auch auf der Zunge dominiert Getreide und Malz. Der Hopfeneinsatz zeigt sich etwas floral, grasig und mit ein wenig Zitrusnoten.

20180906_203549Fazit: Bei den Standardsorten gibt es absolut nichts zu meckern. Sie sind solide, aromatisch und gut trinkbar. Das NEIPA dagegen ist mir für die Typologie zwar etwas zu bitter, aber geschmacklich wirklich cool. Beim Weizen-Ale muss man das Ingweraroma mögen. Für mich ok, ein bisschen stört mich aber der Müsli-Nachhall, der nicht so gut zu dieser Kreation passt. Das „Let’s settle this like Adults“ ist auch ein solides, harmonisches und aromatisches Bier, das aber echte Hop-Heads nicht unbedingt vom Hocker haut. Auch die Finnen können Bier brauen, auch wenn nicht jedes Bier meinen Geschmack trifft, aber das ist auch gut so.

 

 

 

 

 

 

Hanscraft & Co.: Bieriger Sonnenuntergang

IMG_20180122_123326_824New England IPAs liegen nicht nur im Trend, sie sind meist auch ziemlich lecker. Ein schöner Vertreter für diese neue Kategorisierung ist das „Sun Downer“ mit 6,2 Prozent Alkohol von Hanscraft & Co. aus Aschaffenburg. Gebraut hat es das Team um Christian Hans Müller mit vier hocharomatischen Hopfensorten: Citra, Ekuanot, El Dorado, Galaxy.

Schon beim Einschenken erinnert die Farbe des NEIPAs an einen romantischen Sonnenuntergang am Strand. Ein schneeweißer, feinporiger Schaum setzt der Optik noch die Krone auf. Süßlich duftet das bayerische IPA mit Noten von Zitrus wie Grapefruit und Orange sowie tropischen Tönen von Maracuja und Litschi. Auf der Zunge zeigt sich das Ale mit einem schlanken und frischen Malzkörper. Die Fruchtnoten der Hopfensorten dominieren das Aromaspektrum mit tropischen Nuancen. Das NEIPA verabschiedet sich mit einer deutlichen, aber keineswegs störenden Bittere.

Fazit: Gefällt mir! Ich mag die Kombination aus hopfiger Fruchtwucht und Frische. Für mich ein perfektes Bier für den Sommer.

Craft-Bier des Monats: Buddelships „Mr. B“ – New England IPA per excellence

IMG_20170909_212501_129Es ist immer wieder spannend zu schmecken, was Lagerung und Alterung bei Craft-Bier ausmachen kann. Vor einiger Zeit kaufte ich das New England IPA von Buddelship namens „Mr. B“ in einem Online-Biershop. Es war in der Nase und am Gaumen echt ok. Vergangenen Woche traf ich bei den Hopfentagen in Wolnzach den Brauer Simon Siemsglüss. Der Hamburger hatte das Bier frisch aus der Brauerei dabei. Ich habe mich dort allein schon in den Duft verliebt – der war ganz anders, als bei meiner ersten Verkostung.

  •    Brauerei: Buddelship
  •    Herkunft: Hamburg
  •    Bierstil: New England IPA (NEIPA)
  •    Alkoholgehalt: 6,7 Prozent
  •    Stammwürze: 16,3 °P
  •    Farbe: saftiges Orange, trüb
  •    Schaum: feinporig, cremig
  •    Hopfen: Motueka, Callista, Citra
  •    Malz: Gersten- und Weizenmalz
  •    Bittereinheiten: 40 IBU

Das 6,7-prozentige NEIPA ist stiltypisch total trüb. Sieht aber durch einen strahlenden Orangeton und eine schneeweiße, feinporige Schaumkrone mehr als appetitlich aus. In meine Nase strömen Aromen von tropischen Früchten wie Mango, Maracuja und Ananas aber auch Zitrusnoten von Orange, Pampelmuse und Zitrone. Im Antrunk erinnert „Mr. B“ an einen Fruchtsaft, dann prickelt das Craft aber schön erfrischend auf der Zunge. Hier vereinen sich dann die fruchtigen Hopfennoten per excellence: Mango, Grapefruit, Maracuja und Orange. Eine gewisse Würze gesellt sich noch dazu. Angeblich hat Simon übrigens 25 Gramm des grünen Goldes pro Liter hinzugegeben. Die 40 Bittereinheiten zeigen sich im Finish, die das Gesamtbild noch mehr harmonisieren.

Fazit: Wow, dieses New England IPA ist echt gefährlich. Jeder Schluck macht Lust auf einen nächsten. Wer es gern mega fruchtig und saftig mag, kommt an „Mr. B“ nicht vorbei. Ich bin kurz davor mich auf den Weg nach Hamburg zu machen und mir das Auto mit frischen Flaschen vollzuladen…

 

Bierol: Hocharomatischer Starter in den Herbst

20170910_125447Bekanntlich heißt es doch: „Das Auge isst und trinkt mit“. Stimmt! Kürzlich verkostete ich mit drei Kumpels das „El Patrón“ von Bierol aus Schwoich in Tirol. Von dem 8,2-prozentigen Starkbier waren die drei Münchner erst einmal abgeschreckt. Aber nicht von dem Etikett, sondern von der Bierfarbe. Sie beschrieben diese mit „Schlammbraun“. Ok, es schwammen auch noch einige Hefe- und Hopfenreste darin herum. Probiert haben sie das New England Imperial IPA dann aber doch – und waren begeistert.

Das „El Patrón“ duftet nach reifen Früchten wie Mango, Papaya und Maracuja – bei den mehr als acht Prozent auch etwas alkoholisch. Im Antrunk ähnelt diese Bierspezialität eher einem reifen Fruchtsaft. Das IPA kommt schön vollmundig mit einer zurückhaltenden Kohlensäure und mündet dann in eine kräftige Obstbombe. Auf der Zunge vereint sich eine dezente Malzsüße, die an Waldhonig erinnert, mit reifer Mango, Papaya und Maracuja. Dazu gesellen sich aber noch Zitrusfrüchte wie Pampelmuse und Blutorange. Im Finish zeigt das NEIPA eine ausbalancierte, aber deutlich wahrnehmbare Bittere. „El Patrón“ bleibt noch einige Zeit am Gaumen zurück.

Fazit: Abgesehen von der Farbe und den Rohstoffresten ist dieses Starkbier auf jeden Fall gelungen. So habe ich meinen Kumpels dieses Mal gezeigt, dass man sich nicht immer von der Optik beeinflussen lassen sollte. Sie waren schließlich vom Duft und Geschmack genauso begeistert wie ich. Ein wirklich hocharomatisches und kräftiges New England IPA jetzt für den Herbst.

Stigbergets: Ein India Pale Ale der Spitzenklasse

Stigbergets Amazing Haze„Amazing Haze“ zählt laut ratebeer.com zu den besten New England IPAs der Welt. Das schwedische Craft von der Stigbergets Brauerei aus Göteborg – 2012 gegründet und vor knapp zwei Jahren komplett modernisiert – ist mit der amerikanischen Hopfensorte Mosaic gleich doppelt gestopft.

Schon am Duft merke ich, dass die Schweden keinesfalls mit dem Hopfen gespart haben. Seinem Namen macht das 5,6-prozentige Bier alle Ehre. Es ist stiltypisch total trüb und glimmert in einem appetitanregenden Honiggelb durch die Glaswand. In die Nase strömt eine erstaunliche Fülle an Aromen: Mango, Maracuja, Papaya, Stachelbeere und ein Hauch roter Waldbeeren vereinen sich zu einem umfassenden Fruchtbukett. Auf der Zunge präsentiert sich das IPA vollmundig mit einem besonders sanften Mundgefühl – das liegt wohl an der Kombination von Weizen- und Hafermalz. Auch am Gaumen zeigt der Mosaic-Hopfen seine Wirkung. Tropische Noten von Maracuja und Mango gehen eine Symbiose mit Noten von Stachelbeere und frisch gemähtem Gras ein. Im Abgang verabschiedete sich „Amazing Haze“ mit einer deutlichen, aber keineswegs anstrengenden Bittere. Außerdem bleiben die Fruchtaromen noch einige Zeit zurück.

Fazit: Ich stimme den ratebeer-Usern definitiv zu. Das schwedische New England IPA ist wirklich ein stiltypisches Musterbeispiel der feinsten Art. Und ja, ich liebe die tropischen Aromen des Mosaic Hopfens. „Amazing Haze“ ist für mich eine erfrischende Fruchtbombe für alle Tage.

Brew Age: „Affiger” Prototyp eines New England IPAs

IMG_20170702_114127_693Sogenannte „New England IPAs“ (NEIPA)  liegen momentan extrem im Trend. Ein Musterbeispiel für diesen Bierstil hatte ich kürzlich auf dem Hoffest vom Bierhandwerk in Freising im Glas. Zu Gast war auch das Team von Brew Age aus Wien, die ihr „Alphatier“ erstmals in Deutschland ausschenkten. Aber was ist eigentlich dieses NEIPA von dem gerade die Craft-Nerds sprechen? Die österreichischen Gypsy-Brauer beschreiben das ganz treffend:

„Polarisierendes Merkmal ist die dichte, feine Trübung. Manche Exemplare sehen im Glas eher wie ein Milkshake als ein IPA aus. Während die meisten Brauer bei ihren Bieren eine natürliche Klärung durch Sedimentation der Hefe im Tank, mittels Zentrifuge oder Filtration anstreben, ist beim NEIPA alles anders. Durch intensives, mehrmaliges Hopfenstopfen, den Einsatz eines Hefestamms, der sich nur langsam absetzt und das Verbrauen von Weizen- oder Haferflocken wird hier eine stabile, intensive Trübung angestrebt. Die Weizen- oder Haferflocken sollen das Mundgefühl erhöhen, ein weiteres wichtiges Merkmal dieser Biere. „Smooth“ muss es sein, eine hohe Drinkability haben und eine nur mäßige Hopfenbittere… Was NEIPAs mit klassischen IPAs verbindet ist die intensive Hopfenfrucht. Ein NEIPA kann nicht fruchtig-juicy genug sein. Aus dem Glas soll einem ein Cocktail an Südfrüchten entgegenspringen. Jedoch fehlen die sonst üblichen harzigen, pinienartigen Aromen. Kurz gesagt ein Hopfensmoothie, perfekt für heiße Sommertage.“

Und das „Alphatier“ der Jungbrauer ist für mich ein Prototyp eines NEIPAs. Vier hocharomatische Hopfensorten verwendete das Brew Age-Kollektiv: Amarillo, Centennial, Citra und Mosaic. Im Glas steht es wirklich wie ein Orangensaft mit Schaumkrone. Durchschauen kann man nicht. Gelungene Trübung. Man könnte auch fast behaupten, dass die Sonne im Glas aufgeht. Auf der Zunge breitet sich das 5,6-prozentige NEIPA weich und vollmundig aus. Tropische Fruchtaromen von Maracuja, Mango und Grapefruit sowie Orange und Limone verwöhnen Nase und Gaumen. Trotz der knapp sechs Prozent wirkt das Craft leicht und frisch. Die 40 Bittereinheiten sind wahrnehmbar, aber halten sich stiltypisch eher im Hintergrund. Übrigens finde ich die Aufmachung des Etiketts mit dem Koboldmaki sehr gelungen.

Fazit: Auch wenn ich nicht ganz das Erlebnis wie der Affe auf dem Etikett hatte, der beim ersten Antrunk die Augen vor Begeisterung aufreißt, empfehle ich dieses NEIPA auf jeden Fall gern weiter. Die Frische und fruchtige Hopfigkeit machen das Alphatier zu einem wahren Sommergenuss.