Kemker Kultuur: Historisches Bier mit Holunderblüten

Jan Kemker von der Kemker Kultuur in Alverskirchen, aus der Nähe von Münster, schwört auf historische Biere. Seit nunmehr drei Jahren hat er sich als Ziel gesetzt mit seinen Suden lokale Braugeschichte wiederzubeleben. Jan verwendet ursprüngliche Zutaten, wilde Hefen und lässt seine Biere zur Vollendung lange im Holzfass reifen. Kürzlich habe ich sein „Fliärblome“ probiert. Dabei handelt es sich um ein 5,5-prozentigen Verschnitt aus spontanvergorenem Weizenbier mit Holunderblüten und jungem „Aoltbeer“, inspiriert vom dem historischen Sauerbier aus Münster.

Gelborange leuchtet das Sour Ale durchs Glas, ein fein- bis mittelporiger, schneeweißer Schaum liegt oben auf. Das Bukett betört die Nase mit einem intensiven Duft des Holunders. Hinzugesellen sich Noten von gelben Steinfrüchten und ein würziger Touch der Hefe. Über die Lippen fließt das Bier mit einer zarten Säure, bis sich eine moderate Kohlensäure und auch die Holunderaromen ausbreiten. Ein sanft fruchtiger, würziger und herber Touch runden „Fliärblome“ harmonisch ab.

Fazit: Ein tolles Bier für den Sommer mit einem ungewöhnlichen Aromaspiel. Kann ich mir sehr schön als Aperitif vorstellen oder auch zu bunten Sommersalaten. Ich freue mich schon auf die anderen Sorten, die ich aus dem Hause Kemker bestellt habe.

Brauerei Kemker: Hohe Trinkfreude mit der grantigen „Mia“

Jan Kemker schwört auf historische Bierstile. In seiner gleichnamigen Brauerei, die sich auf einem Bauernhof mit eigenem Getreideanbau in Alverskirchen bei Münster befindet, produziert er neben Pflaumen-Sauer auch Gruit-Bier, Saison und Cider mit eigens angebauten Äpfeln. Bei den tropischen Temperaturen öffnete ich mir am Wochenende die vierprozentige Berliner Weiße namens „Mia“, die er einst für die Berliner Beer Week einbraute. Eines vorweg: Von dem grantigen Mädchen auf dem Etikett sollten sich Bierfans keinesfalls abschrecken lassen.

In einem trüben Gelbton schwimmt das Bier im Glas. Schaum ist kaum vorhanden. „Mia“ duftet frisch und fruchtig mit einem zarten Anklang von Brettanomyces-Noten. Im Antrunk zeigt sich eine sanfte Perlage mit einer angenehmen Säure, bis leichte Milchsäuretöne durchdringen, die etwas an Joghurt erinnern. Dazu paaren sich frische und fruchtige Aromen von Apfel und Stachelbeere.

Fazit: Die Berliner Weiße aus dem Münsterland besitzt eine hohe Trinkbarkeit und ist genau das Richtige bei heißem Wetter. Aromatisch schön ausbalanciert und keinesfalls überordernd. Ich werde mir auf jeden Fall noch weitere Biere von Jan Kemker besorgen, der immer wieder mit verführerischen Aromen überrascht.